netter Ärgern" von ament und beantwortet, en Freiheit neben. teufe und wieder, die Pfing. Da :ßt, nämlich berühmten thr mannig- M Heft zu schaffen des Jrüger bei lebensvollen Berlin und ng aktueller ind auch die Reichstage, : Spannung genen Auf- g über das ■ffen Haupt- liebtheit der begründet; Stenglin, t vorgeht: ldaten aller iffbrüchiger; >er Natur: und Feld: ählte" von Lhütinger Zu beziehen n in Groß- gnachmittag. n, Direktor Zeichnungen r. 8. 1901. von B. G. ssers wollen Natur und en. In der ret Söhnen, darbietenden : Nachdenken unkten über chengewächse, >en m(innig- md en Grasgenwürmern, des lebendig enden Werk- hübsch und :m empfehlen cht. IHaler. Wäldern"; chst. Bdl. Gieße«. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ortmann.' (Fortsetzung.) Es war eine sehr schwache Hoffnung, gewiß nicht danach augethan, wohlthätigen Trostesbalsam in Margaretens blutendes Herz zu gießen; aber was der Inhalt ihrer Worte wohl kaum fertig gebracht hätte, das gelang dem seelenvollen Ton der Mutterliebe, der in ihnen zitterte. Margarete richtete sich'auf, umschlang die Mutter mit beiden Armen und brach in einen Strom erlösender Thränen aus. „Wie schlecht bin ich gegen ihn gewesen, Mutter! Ach, ihr wißt es ja gar nicht, lvie schlecht ■ ich gegen ihn gewesen bin!" Sanft und leise sprach Frau RNthärdt auf die Weinende ein. ■ Als wäre ihr das Herzensgeheimnis, das sich hier so überraschend offenbart hatte, etwas längst Bekanntes gewesen, that sie keine Frage und äußerte kein Befremden, sondern versuchte nur, die herben Selbstanklagen zu be- schwichtigen, mit denen sich Margarete unaufhörlich marterte. „Und Du hörst ja, daß er Dir gar Nicht zürnt", sagte sie zuletzt. „Würde er denn Deinem Vater einen Gruß für Dich, aufgetragen haben, wenn er Dir nicht alles verziehen hätte, womit Du ihn gekränkt zu haben glaubst?" , „Er hat mir diesen Gruß gesandt weil er zu groß- wütig war, mich mit der schrecklichen Last auf dem! Gewissen zurückzulassen. Aber er wird darum doch mit dem Gedanken sterben, daß ich, ein oberflächliches, herzloses Geschöpf bin. Es kann ja gar nicht anderes sein — er muß mich verachten." Es war unmöglich, diese Ueberzeugung in ihr zu erschüttern. Sie hörte den gutgemeinten Ueberredungs- Persuchen ihrer Mutter wohl noch eine Weile still zu, dann aOoV WMWM 'Hi. WM WW Aleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, Ueberall sind sie zu Haus; Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los, Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß. Goethe, Wanderlied. aber wandte sie sich plötzlich mit einem Ausdruck von Entschlossenheit, der fast befremdlich erschien im Vergleich mit ihrem bisherigen Benehmen, dem Doktor zu. „Sage mir, Vater, wie lange er nach Deiner Meinung noch zu leben hat. Hältst Du es für möglich, daß er — daß er noch heute sterben könnte?" Der Arzt zauderte ein wenig, dann aber erwiderte er in einem Ton, der seine ganze Hoffnungslosigkeit erkennen ließ: „Ich möchte nichts prophezeien, aber ich halte es allerdings für wahrfcheinlich, daß er den Abend nicht mehr erleben wird. Schon gegen Morgen waren die Anzeichen von Herzschwäche ein paarmal so bedrohlich, daß ich seine Eltern auf das Aeußerste gefaßt machen mußte." „Und wann wirst Du wieder zu ihm gehen?" „Sobald ich meine Sprechstunde abgehalten und die allernotwendigsten Besuche gemacht habe. Es sind leider augenblicklich recht viele, die mit Sehnsucht auf mich warten, und ich kann sie wegen des armen jungen Kollegen nicht im Stich lassen, wie gerne ich auch bis zum letzten Augenblick bei ihm bleiben möchte. Natürlich wird man nach mir schicken, wenn man den Eindruck gewinnt, daß das Ende unmittelbar bevorstehen könnte." Margarete hatte keine weitere Frage. Scheinbar gefaßt nahm sie ihre häuslichen Obliegenheiten wieder auf, indem sie das Kaffeegeschirr zusammenstellte und es hinaus trug. Mit einem kummervollen Blick sah ihr die Mutter nach. — „Das arme, arme Kind!" klagte sie. „Ich glaube, sie selber ist erst jetzt inne geworden, daß sie ihn lieb hat. Und nun zu denken, daß sie ihn Wohl nie mehr lebsnd Wiedersehen wird — es ist wahrhaftig kein Wunder, daß ihr das Herz darüber brechen möchte." Sie schickte sich an, dem jungen Mädchen zu folgen; aber der Doktor hielt sie noch zurück. „Wenn es so ist, solltest Du sie nm so weniger mit den Aeußerungen Deiner Teilnahme quälen. Das muß ausbluten, und sie wird am ehesten damit fertig werden, wenn wir sie ganz sich selbst überlassen- Denn sie ist im Grunde eine starke und tapfere Natur." Siebentes Kapitel. Wohl war Margarete sogleich in ihr Zimmer hinaufgegangen, nachdem sie das Kaffegeschirr in die Küche getragen hatte, aber die Vermutung der Mutter, daß sie sich dort eingeschlossen hätte, um ungestört ihren Kummer auszuweinen, war eine irrige. Das junge Mäd- chen vertauschte vielmehr den leichten Morgenrock sofort mit 'einem einfachen dunklen Straßenkleide, wusch sich die Augen mit kaltem Wasser, um die verräterischen Thränenspuren zu tilgen, und ging dann leise die Trepne wieder hinab. ' Zwar war der Entschluß, den sie schon vorhin während ihres Gespräches mit den Eltern gefaßt hatte, ein voll- kominen unerschütterlicher, und sie hätte sich gewiß weder durch eine Bitte noch durch euren Befehl von seiner Ausführung zurückhalten lassen; aber es war doch besser, wenn sie nicht erst genötigt wurde, mit einem ihrer Angehörigen darüber zu sprechen, und deshalb öffnete sie auch die Hausthür so behutsam, daß die Glocke kaum Vernehmbar anschlug. Rasch eilte sie die Straße hinab, und mit ungestüm klopfendem Herzen trat sie wenige Minuten später in das Harrs des Stadtrats Sartorius ein. Ein Dienstmädchen mit dick verweinten Augen kam ihr entgegen. Es war eine alte häßliche Person, deren sich Margarete schon aus ihrer frühesten Kindheit erinnerte, und die Walther sicherlich, noch als kleinen Knaben auf ihren derbknochigen Armen getragen hatte. „Ach Gott, liebes Fräulein, Sie kommen gewiß wegen unseres jungen Herrn", meinte sie, und ihre Stimme war noch rauher als sonst vorn vielen Schluchzen. „Es steht schlecht — sehr schlecht! Wenn doch nur Ihr Vater erst wieder da wäre! Man fängt immer wieder an zu hoffen, wenn man den Herrn Doktor blos hereinkommen sieht". Sie fuhr mit der Schürze über die Augen; Margarete aber nahm ihre ganze Kraft zusammen, uni äußerlich ruhig und gefaßt zu bleiben. ' „Ist es möglich, den Kranken zu sehen", fragte sie, wenn auch nur auf wenige Augenblicke?" Die Magd riß in großer Verwunderung die? Augen auf. „Aber Fräulein, wie können Sie nur daran denken! Außer der Herrschaft darf niemand zu ihm hinein. Es soll ja eine so ansteckende Krankheit sein. Nicht einmal mich läßt die Frau Stadträtin über die Schwelle.". „Wenn sich die Stadträtin nicht vor der Ansteckung fürchtet, warum sollte ich es thun? Können Sie mir nicht wenigstens eine Gelegenheit verschaffen, mit Herrn Sartorius zu sprechen?" „Ja, dazu kann wohl Rat werden. Aber erschrecken Sie nur nicht, wenn Sie ihn sehen. Er hat sich, in den zwei Tagen so verändert, daß man ihn kaum noch erkennen kann. O, mein Gott, daß ich das noch erleben mußte! Unser lieber, junger Herr, der allen Menschen nur Gutes gethan hat —" „Ist der Herr Sartorius jetzt bei seinem Sohne?" „Ich höre die Thür gehen, vielleicht kommt er eben heraus. Warten Sie, ich werde gleich nachsehen". Sie schlich sich bis an die Thür des Nebenzimmers und machte Margarete dann ein Zeichen, einzutreten. „Gehen Sie nur ohne weiteres hinein!" flüsterte sie. Doktor Ruthardts Tochter leistete der Aufforderung Folge. Sartorius stand mitten im Zimmer mit tief yerab- gesnnkenem Kopfe und schlaff niederhängenden Armen. Sein Gesicht war so spitz und hager, als litte er selber an einer auszehrenden Krankheit; in seinen Augen aber war etwas Teilnahmloses, wie in dem Blick eines Blödsinnigen. Er sah Margarete wohl an, aber er erwiderte ihren Gruß nicht, und es dauerte eine geraume Zeit, bis er sie überhaupt zu erkenuen und den Zweck ihres Kommens zu begreifen schien. Dann strich er sich mit dem Rücken der Hand über die Augen und schüttelte den Kopf. „Zu meinem Sohn — nein, es darf niemand zu meinem Sohn. Es ist verboten. Niemand soll bei ihm sein, als seine Mutter und ich." „Ich möchte ja nur aus ganz kurze Zeit hiuein", bat sie dringend, „nur auf eine einzige Minute!" Und zaghaft fügte sie hinzu: „Glaubeu Sie denn, Herr Stadtrat, daß mich Walther erkennen würde?" „Warum sollte er Sie nicht erkennen? Er ist bei klarer Besinnung, so klar wie nur je in seinen gesunden Tagen. Nur das Sprechen wird ihm immer schwerer. Ich konnte ihn vorhin gax nicht mehr verstehen, und ich habe mir doch gewiß Mühe gegeben. Sie können sich's wohl denken, daß ich mir Mühe gegeben habe, ihn zu verstehen." Dabei preßte bet’ unglückliche Vater die Fäuste an die Schläfen und starrte unverwandt vor sich hin. Noch inniger als zuvor wiederholte Margarete ihre Bitte, nur für wenig? flüchtige Augenblicke bei dem Patienten ein- jreten zu dürfen; aber das Ausbleiben jeglicher Antwort zeigte ihr, daß der Stadtrat sie überhaupt nicht mehr' höre. Das Uebermaß von Sorge und Verzweiflung schien ihn dergestalt erschöpft zu haben, daß es in kurzen Zwischenräumen wie dumpfe Betäubung über ihn kam — ein Zustand, der ihn unfähig machte zu begreifen, was um ihn her geschah. Ratlos stand Margarete neben dem beklagenswerten Manne. Da wurde vorsichtig die Thür des Nebengemaches geöffnet, und die Gestalt einer hoch gewachsenen, mageren Frau mit schlecht gescheiteltem, schou ergrautem Haar und sausten Gesichtszügen, erschien auf der Schwelle. Es war die Mutter des jungen Arztes. Sicherlich litt sie an dem Krankenbette des einzigen Kindes nicht weniger als ihr Mann; aber sie besaß jene Kraft der Selbstüberwindung, die nur eine Mutter in solcher Lage findet. Weil der Leidende ihre Verzweiflung nicht sehen durfte, war ihr Antlitz ruhig und gefaßt; in all' ihrem Jammer hielt sie sich aufrecht und gerade, immer bereit, mit einem tapferen Lächeln jeden ausgesprochenen oder angedeuteten Wunsch des Kranken behend zu erfüllen. „Sie sind es also wirklich, Fräulein Margarete!" sagte sie leise. „Mein Sohn hat Ihre Stimme erkannt und mich beauftragt, Ihnen recht herzlich für Ihre Teilnahme zu danken. Ich glaube, Sie haben ihm damit eine große tyrcube bereitet." „O, wenn es so ist, Frau Stadträtin", bat Margarete, „so lassen Sie mich zu ihm hinein! Ich will mich! ganz still verhalten und mich sogleich wieder entfernen, wenn Sie es mir befehlen." ' „Aber mein liebes Kind, das ist unmöglich! Wissen Sie denn nicht, wie leicht übertragbar Walthers Krankheit ist, und daß Sie schon 'eine Unvorsichtigkeit begehen, hier mit uns zu sprechen?" „Mein Vater sagt immer, man werde nur selten angesteckt, wenn man sich nicht fürchtet. Und meine Mutter geht ja auch beinahe Tag für Tag zu allen möglichen Kranken, ohne daß es jemals geschadet hätte. Ich! werde gewiß nicht krank werden, und ich, wage doch auch! in keinem Fall mehr als Sie selbst." „Das ist wohl etwas anderes, Margarete, ich bin seine Mutter." Da ließ die verzweifelte Angst, daß man sie wirklich an der Schwelle zurückweisen könnte, daß sie ihn nie mehr lebend sehen sollte, das junge Mädchen alle von guter Sitte und jungfräulicher Sprödigkeit gebotenen Rücksichten vergessen. , „Ja, Sie sind seine Mutter", sagte sie, „aber Sie können ihn unmöglich lieber haben, als' ich." Beider Blicke begegneten sich, und die Stadträtin trat von der Schwelle zurück. „So kommen' Sie, Kind." Ein bleiches Antlitz schaute aus weißen Kissen mit verklärtem Lächeln der Eintretenden entgegen, durchgeistigter und edler als in gesunden Tagen — nicht aber das entstellte und verfallene Gesicht eines Sterbenden, wie Margarete es wohl hatte erwarten müssen. Als sie sich ihm näherte, erhob Walther ein wenig wie zur Abwehr die Hand. , x „Bleib' dort, Margarete!" flüsterte er tonlos; denn das Sprechen kostete ihn offenbar große Anstrengung. „Wie glücklich bin ich, daß ich« Dich noch einmal gesehen habe, wie danke ich Dir dafür, daß Du gekommen bist!" Nach einem kurzen Zaudern hatte sich die Stadträtin sachte aus dem Zimmer zurückgezogen. Ihr Mutterherz fühlte, daß dies für die beibeit armen jungen Menschenkinder einer von jenen Augenblicken sei, deren Heiligkeit kein dritter durch seine Anwesenheit entweihen soll. Margarete aber wurde kaum gewahr, daß sie mit dem Jugendgespielen allein sei, als sie, ohne sich um Walthers Mahnung zu kümmern, auf ihn zuging und neben seinem Lager auf die Knie sank. „Du sollst mir nicht danken", sagte sie, noch immer standhaft gegen die heiß emporquellenden Thränen kämpfend, „ich bin ja so schlecht gegen Dich gewesen, und ich? Bann es niemals gut machen, was ich' an Dir verbrochen habe. Nur verzeihen sollst Du mir, Walther — sollst mir nur sagen, daß Du mich nicht verachtest." „Ich Dich verachten! O, Margarete/ welch ein Ge- - t>yy — baute! Ich habe ja noch nicht einen Augenblick aufgehört. Dich mit der ganzen Kraft meines Herzens zu lieben." Wie heilig sie sich auch gelobt haben mochte, tapfer zu bleiben, nun brach ihre Widerstandskraft dennoch, zusammen. Sie drückte ihr Gesicht in die Decken seines Lagers und weinte so herzbrechend und bitterlich, als ob rhr Leben mit diesen Thränen dahinfließen müsse. Sanft legte sich die müde Hand des Kranken auf ihren blonden Scheitel, und eine lange Zeit verstrich, bevor er kaum vernehmlich fragte: „Margarete — liebe Margarete, Du warst mir also dennoch ein wenig gut?" Sie antwortete ihm nicht, aber sie richtete sich auf, und wahrend ihre heißen Thränen auf sein blasses Gesicht niederfielen, küßte sie ihn auf den Mund. Als der Doktor Hermann Ruthardt bald nachher in das Krankenzimmer trat, sah er seine Tochter auf dem Rand des Bettes sitzen, beide Hände des jungen Arztes in den ihrigen haltend. Er war nicht überrascht; denn er hatte ja schon draußen von der Stadträtin erfahren, welchen Besuch sie trotz seines ausdrücklichen Verbotes zu ihrem Sohne eingelassen habe. Frau Sartorius mochte wohl gefürchtet haben, daß er ihr als Arzt wie als Vater heftige Vorwürfe machen werde; aber Doktor Ruthardt hatte nichts derartiges gethan. Schweigend war er hineingegangen, und als sich Margarete nun schluchzend an seine Brust warf, wehrte er sie nicht zornig von sich ab. „Sei mir nicht böse, lieber Vater!" flehte sie leise. „Ich konnte nicht anders." „Wenn Du nicht anders konntest, wird es wohl auch kein Unrecht gewesen sein", erwiderte er ruhig. „Nun aber geh' einstweilen hinaus, mein Kind! Wir wollen sehen, wie es um unfern jungen Freund da steht." (Fortsetzung folgt.) Auge und Licht. Von Dr. med. John Burlar. Nachdruck verboten. Wenn sich auch schon seit den Urzeiten die Lebensbedingungen des Menschen in fortschreitender Entwicklung befinden, so gingen diese Veränderungen doch bisher dermaßen gemächlich vor sich, daß der Mensch vermöge seiner Anpassungsfähigkeit sich den Anforderungen neuer Ver- hältnifse gegenüber gewachsen zeigte. Anders in unserer Zeit! Man kann es getrost behaupten, daß sie in einem Jahre unaufhaltsamere Ent- wicklung nimmt, als es früher in Jahrhunderten der Fall war. Wenn aber der Mensch und seine Organe den Siebenmeilenstiefeln der Neugestaltung der Lebensverhältnisse nicht folgen können, so bringt doch derselbe Fortschritt, der unsere Lebensbedingungen erschwert, auch die künstlichen Mittel hervor, die mannigfachen Schädigungen zu heilen. Von den Organen, die besonders durch die neuen Anforderungen beeinträchtigt werden, ist nächst dem Gehirn und dem Nervensystem das Auge zu nennen. Vor hundert Jahren gab es in Deutschland kaum 5 Prozent des Schreibens und Lesens Kundige, heute giebt es kaum einhalb Prozent Analphabeten. Wäre überhaupt heute jemand den Anforderungen des Lebens gewachsen ohne die Kenntnis des Lesens? Andererseits aber bleiben die Schädigungen nicht aus. Prof. Hermann Cohn in Breslau hat in zahlreichen Untersuchungen den Einfluß des Studierens auf das Auge zu bestimmen gefucht. Er hat dabei feststellen können, daß in Dorfschulen 1,4 Prozent Kurzsichtige waren, in Elementarschulen 6,7 Prozent, in Mittelschulen 10,3 Prozent; in Gymnasien aber 26,2 Prozent. Ebenso interessant ist die Feststellung, daß die Kurzsichtigkeit von Klasse zu Klasse steigt; so zwar, daß zum Beispiel in der höchsten Gymnasialklasse 50 Prozent aller Schüler kurzsichtig waren. Bei der Gefährlichkeit dieser körperlichen Entartung wurde denn die Forderung ernsthafter Schutzmaßregeln immer dringlicher. In erster Reihe — so hieß es — müssen die Schulen den Ansprüchen der Hygiene entsprechend gebaut werden; hatte doch die Beobachtung gelehrt, daß in den modernen Schulpalästen die Zahl der Kurzsichtigen abnahm. Und es ist das kein Zufall. Neben neuen Tischen und Schulbänken (Subsellien) kam vorzugsweise die -Regelung der Lichtquellen in Veracht. Es ist gerade nach dieser Richtung in den Großstädten manches geschehen, wenn auch noch viele Wünsche der Aerzte unberücksichtigt geblieben sind. Aber selbst wenn alle Forderungen der Schulhygiene erfüllt wären, so würde damit erst ein Teil erreicht sein. Denn ebenso wertvoll wie für die Schule sind die Gesetze der Gesundheitslehre für das Haus. Hier vielleicht noch wichtiger, da doch der bei weitem größere Teil des Tages im Hause zugebracht wird. Wenn man bedenkt, daß wir, zumal an den langen Winterabenden, auf künstliche Beleuchtung angewiesen sind, so wird man die immer wiederkehrenden Ermahnungen der Augendiätetiker, gutes Licht sich zu beschaffen, wohl verstehen. Es ist keine Frage, daß das Sonnenlicht allein allen Ansprüchen Genüge leistet. Einmal, weil es rein weiß ist, während jeder künstlichen Beleuchtung mehr oder weniger gelbe und rote Strahlen beigefügt sind. Sodann aber wird das Sonnenlicht durch die atmosphärische Reflexion so gleichmäßig verbreitet, daß die Zerstreuung zur Tageshelle führt, die auch im Schatten zu arbeiten gestattet. Dem Sonnenlicht kommt in seinen physikalischen Eigenschaften am nächsten das elektrische Licht. Indessen werden wohl noch Jahrzehnte vergehen, bis es allgemein für die künstliche Beleuchtung verwendet ioerden wird. In einem Punkte freilich besitzt es aud) nicht die Eigenschaft 'idealer Beleuchtung: es blendet. Ebenso werden die übrigen Ansprüche, die an ein gutes Licht zu stellen sind, nicht vollauf erfüllt: es hitzt noch etwas. Die Bogen- lampenflamme zuckt noch ein wenig (bei dem Glühlicht indessen ist dieser Fehler beseitigt); freilich die Leuchtkraft, die zehn Meterkerzen für den Einzelnen betragen muß, vermag es sehr wohl zu bieten. Die Beleuchtungsindustrie hat zwar ungeheure Fortschritte gemacht seit den Tagen Goethes, der da sagte: „Wüßte nicht, was sie Besseres erfinden könnten, Als daß die Lichter ohne Putzen brennten." Allein, wenn sie es auch erreicht hat, daß die Oel- und Gaslampenflammen nicht mehr zucken, gerade die schwerste und gefährlichste Schädlichkeit haben sie nicht ausschalten können: das Hitzen. Durch eingehende Versuche ist nämlich festgestellt.worden, daß mit der Lichtstrahlung auch Wärmestrahlung verbunden ist. Während beim Sonnenlicht die Wärmestrahlen auf der weiten Reise bis zur Erde großenteils aufgesaugt werden, kommt beim künstlichen Licht viel freie Wärme aus nächster Nähe ins Auge. Die Gefahr kommt eben daher, daß diese Wärmestrahlen von den Augenhäuten und -Organen verzehrt werden. Andererseits blenden die Lampen, wogegen freilich Glocken und matte Cylinder einigen Schutz gewähren. An Versuchen, die Schädlichkeiten unserer gebräuchlichsten Beleuchtungsmethoden zu beseitigen, hat es nicht gefehlt. Er sei nur an die Anregung erinnert, zwei Cylinder übereinander zu setzen, zwischen denen die erwärmte Luft in die Höhe steigt. Indessen hat sich doch gezeigt, daß hierbei anfänglich zwar die Temperatur um 2 Prozent fällt; daß sie aber wieder ansteigt, sobald auch der Außen- cytinder sich erwärmt hat — was bald geschieht. Das idealste, praktischste und billigste Instrument, das die Schädigungen der Blendung und der strahlenden Wärme unmöglich" machen soll, ist der hygienische Lampenschirm „Augenschutz", den Herr Wolff (einer der Teilhaber der bekannten Optiker-Firma Josef Rodenstock, Berlin und München) erfunden hat. Wie alle wirklich bedeutenden Erfindungen ist die Vorrichtung von geradezu vorgeschichtlicher Einfachheit. Man kann sie am verständlichsten als einen doppelten Lampenschirm erklären, zwischen dessen beiden Teilen ein freier Raum ist, um der erhitzten Luft den Durchzug nach oben zu gestatten. Zu diesem Zwecke sind sowoch unten wie oben in der Verbindung des inneren mit dem äußeren Schirme Luftlöcher freigelassen. Von augenärztlicher Seite ist dem Wolff'schen Schirm große Anerkennung gezollt worden; und ich selbst kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß sogar nach vierstündigem Brennen der Außendeckel des Schirmes kaum erwärmt war. Auch bei andauerndster Arbeit habe ich nie eintz 700 — Ermüdung in den Augen gespürt, die sonst schon in zwei Stunden sich bei mir bemerkbar macht. Der Preis des kleinen Apparates ist so niedrig gestellt, daß die Anschaffung selbst dem Aermsten ermöglicht wird. Er ist ungleich billiger als jene direkt schädlichen bunt gefärbten Cylinder- und Lampenglocken, die die künstliche Beleuchtung dem Ideal allen Lichtes, der Sonne, noch; mehr unähnlicher machen. Haben wir doch gesehen, daß die reiz- und ermüdungswidrige und daher so wohlthätige Eigenart des Sonnenlichtes gerade in dem Fehlen aller gelben und roten Strahlen besteht. jßum Schluß seien noch einige wichtige Regeln betont. Zunächst stelle man die Lampe so aus, daß sie zur Linken des Arbeitenden sich befindet. Die Forderung leitet sich davon her, daß z. B. der Schatten einer schreibenden Hand nicht aus die Schreibflächx fällt, sondern nach rechts. Würde die Lichtquelle aber rechter Hand stehen, so würde die Schreibfläche teilweise beschattet. Ferner muß die Arbeitslampe einen nicht zu niedrigen Fuß haben, damit das Licht von oben her einsalle. Es empfiehlt sich auch, den Lampenfuß in dunkler Farbe zu wählen, um die Einflüsse des falschen Lichtes zu schwächen. „Falsches Licht" nennen wir jenes, das bei Einstellung des Auges auf einen bestimmten Gegenstand gleichzeitig von anderen Punkten aus die Netzhaut trifft. So kleinlich jede einzelne Maßnahme vorerst auch erscheint, sie wird bedeutsam, wenn sie vereint mit andern angewandt wird. „Vieles Wenige niacht eine Berechnung". Wie die Schädigungen der heutigen Kulturentwicklung nicht plötzlich und. überraschend sich fühlbar machen, sondern allmählich und kaum merkbar, bis sie in nie rastender Minierarbeit in Jahren, oft erst in Jahrzehnten Geist und Körper untergraben, so erkennt man die heilsamen Wirkungen unserer hygienischen Maßregeln auch nicht von heute auf morgen. GeMOßnMNtziges. Gesundheitspflege- Sin Mittel gegen Influenza wird in Frankreich, auf Empfehlung des bekannten Bienenschriftstellers Herrn Abbee Delaigues, vielfach angewendet: Man versetzt ein Liter Weißwein tüchtig mit Honig und kocht ihn auf. Vor dem Schlafengehen trinkt man davon nach Belieben, aber so warm wie möglich. — Ein Mittel gegen Husten besteht, nach demselben Verfasser darin, Honig mit gut gewaschener Schwefelblüte zu vermengen und davon beim Schlafengehen einen Löffel voll zu nehmen. Dieses auch gegen Brustsucht ausgezeichnete Rezept ist zu gleicher Zeit ein mildes und ungefährliches Abführmittel. D. Einschlafen der Hände. Nicht selten tritt während des Schlafes infolge von Druck auf den Arm jener Zustand ein, der sich durch Kribbeln, Pelzigsein und Verlust des seinen Gefühls äußert. Das Gefühl ist eine teilweise Lähmung der Empfindungsorgane. Ein solches durch Druck bedingtes „Einschlafen" ist nicht bedenklich, es geht vorüber, sobald der Drnck aufhört. Nur halte man während des Schlafes die Arme stets ausgestreckt, damit das Blut frei durchfließen kann und mache vor dem Niederlegen eine ISgrnbtge- Ganzwaschung und früh' eine ebensolche des Rückens, und vermeide selbstverständlich aufregende Speisen, wie Kaffee, Wein und Bier. Mumenpflege. Ein selb st zu fertigend es Weihnachts-Geschenk für Blumenfreunde. Im Gewächshaus des Gärtners herrscht fröhliche Gesundheit und kräftiges Wachstum unter den Pflanzen; im Zimmer des Liebhabers oft Krankheit und Siechtum. Ein erklärlicher Wunsch des Pflanzenliebhabers ist es deshalb, ein Hänschen zu besitzen, in welchem unabhängig von der Zimmer- lnft die Pflege empfindlicher Gewächse vor sich gehen kann. Dieser Wunsch ist ziemlich leicht und ohne viel Kosten dnrch die Erbauung eines kleinen Zimmergewächshänschens zu erfüllen. Wie dies gemacht wird, lehrt die Nr. 36 des „Erfurter Führers im Gartenbau", nach dessen Zeichnungen sich jeder leicht herausfindet. Da unseren Abonnenten diese Nummer kostenfrei vom Geschäftsamt des „Führers" zugesandt wird, wenn sie sich mittelst Postkarte nach Erfurt wenden, bereitet es vielleicht manchem Vergnügen, seinen Angehörigen ein solches Weihnachts-Geschenk anzufertigen. Der Kampf zwischen Mensch und Tier. Von Prof. Dr. Karl Eckstein. Mit zahlreichen Abbildungen. Geh. Mk. —.90, geschmackvoll geb. Mk. 1.15. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 18. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Die umfassenden Maßregeln, die von feiten des Menschen getroffen werden, für welche in der neuesten Zeit die Staatsverwaltnngen große Mittel bereit stellen, um Versuchsstationen, Auskunftstellen zu unterhalten, zeigen, welche hohe wirtschaftliche Bedeutung allerseits den Angriffen durch Tiere beigelegt wird und wie viel von dem Sieg in dem „Kampf zwischen Tier und Mensch" abhängt. Die einzelnen Kapitel führen uns in vielen Bildern und Schilderungen Episoden ans dem Kampfe vor, dem Kampfe des Jägers, der Fleisch- und Pelztiere jagt, während der Hirte zum Verteidigungskampfe durch die Angriffe des Raubtieres gezwungen wird. Auch der Fischer, der Land- nnd Forstwirt kämpft gegen eine große Zahl meist kleiner, versteckter, heimtückischer Feinde aus verschiedenen Tiergruppen, zumal gegen Säuger, Würmer und Insekten. Nicht zu vergessen ist schließlich der Kampf aller Menschen gegen die „giftigen" Tiere und die Parasiten. Die Kampfmittel, welche von beiden Gegnern angewendet werden, werden geschildert. Wie der Kampf schwankt, wie der Mensch häufig Freund und Feind nicht zu unterscheiden vermag, die ersteren d. h. die nützlichen Tiere, der Vernichtung durch andere preisgiebt oder gar selbst verfolgt, weist der Verfasser an einzelnen treffenden Beispielen nach und führt uns so in interessanter Schilderung ein Stück des ewigen großen Kampfes ums Dasein vor. In seinem eleganten Ganzleinenband, dem überaus reichen und vor allem äußerst gediegenen Inhalt ist für den billigen Preis von 1 Mk. Trowitzsch's Reichs-Kalender ein Kalender für jedermann. Der vorliegende Jahrgang 1901 befriedigt Freunde einer anregenden und stimmungsvoll illustrierten Lektüre in jeder Beziehung; bringt er doch in einer stattlichen Anzahl von Beiträgen Unterhaltungsstoff, wie er für ein echtes Familienbuch — das Trowitzsch's Reichs-Kalender immer war — kaum entsprechender ausgewählt werden konnte. Es sind beliebte Autoren, wie Hermann. Heiberg, A. von Hedenstjerna, Zoö von Reuß, Victor Blüthgen, Johs. Trojan u. a. mit Beiträgen vertreten, deren packende Fische die Illustrationen von Wilhelm Clan- dius u. a. in den sorgfältig ausgeführten Druck aufs beredteste veranschaulichen. Die illustrative Ausstattung ist überdies durch Bollbilderbeilagen — zwei Genrebilder und eine italienische Landschaft in sehr hübsch ausgeführten Tonholzschnitten — in würdigster Weise bereichert. An Aufsätzen allgemein belehrenden Inhalts finden wir u. a. eine Rechtsbelehrung „Mieter und Vermieter nach dem bürgerlichen Gesetzbuch" und im speziellen Hausfrauenteil Artikel über Schnitzmalerei und Ornamentik. Das eigentliche, für Nottzen eingerichtete Kalendarium kommt dem praktischen Bedürfnis darin recht entgegen, daß es in einer Reihe von Hinweisen für Garten- und Blumenpfiege, ebenso in Nachschlagetabellen bei den mannigfachsten Anlässen erwünschte Aufschlüsse giebt. Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. 1. Stand. 2. kleines Gefäß. 3. jüdischer Prophet. 4. Titelheld eines Shakespeare'schen Dramas. In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben AAA, DD, EEEE, LL, 0, RR, 88 derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend sind und Wörter von der beigesügten Bedeutung bilden. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des LogogriphS in voriger Nummer: Wende, Ende. Redaktion; E, Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße».