(Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Neuntes Kapitel. In dem prächtigen neuerbauten Festsaal der „Harmonie" nahm das Kostümfest, von dem seit Wochen in Waldenberg viel mehr geredet worden war, als von irgend einem anderen Weltereignis, um die achte Abendstunde des folgenden Tages nun wirklich seinen Anfang. Der weite, von elektrischem Glühlicht taghell erleuchtete Raum war mit Guirlanden, Fahnen und farbigen Lampions gar lustig ausgeschmückt. Die an der einen Schmalseite aufgeschlagene Bühne zeigte als wirkungsvolle Dekoration den Marktplatz einer mittelalterlichen Stadt. Zwischen den Säulen aber, die an den beiden Langseiten eine in halber Saalhöhe hinlaufende Galerie zu tragen hatten, waren allerlei phantastisch! ausgestattete Zelte und Buden zu gewahren, deren Inhalt sich allerdings vorerst noch hinter Teppichen und Vorhängen jedem neugierigen Blicke verbarg. Als einer der ersten, fast gleichzeitig mit den aufgeregten Herren! vom Festkomitee, war Rudolf Sandory erschienen. Obwohl es ihm verstattet gewesen wäre, im Ballanzuge zu kommen, hatte er es doch nicht verschmäht, sich zu kostümieren, und seine imponierende Gestalt hatte sogleich! die Blicke aller auf sich gezogen, die bereits im Saale anwesend waren. Er trug den Anzug eines indischen Radscha, ein aus den kostbarsten Stoffen angefertigtes Kostüm, das von kunstvoll imitierten Edel- .steinen funkelte, während die prächtigen Waffen, die ihm erst seinen eigentlichen Charakter gaben, von unzweifelhafter Echtheit waren. Seine ungewöhnliche Mannesschönheit konnte nicht glänzender zur Geltung gebracht werden, als durch diese farbenreiche, die kraftvollen Glieder in weichen Falten umfließende Verkleidung. Das energische, leicht gebräunte Gesicht mit dem lang herabwallenden dunklen Vollbart, die merkwürdig tiefen Augen, hinter deren müdem, verschleiertem Blick steks eine verborgene Glut zu lauern schien, die natürliche Würde und gebieterm m BM chmerzt dich in tiefster Brust Das harte Wort „Du mußt", So macht dich eins nur still, Das stolze Wort „Ich will". Frida Schanz. ische Hoheit seiner Haltung — das alles paßte so ganz zu dem Bilde eines orientalischen Despoten, daß die Herren nur mit einer gewissen neidischen Scheu auf ihn sahen, während ihm viel leuchtende Blicke aus schönen Augen mit dem Ausdruck unverhohlener Bewunderung folgten. Bei dem ersten Gang durch den noch ziemlich leeren Saal hatte sich Sandory überzeugt, daß von denen, die er vor alleni suchte, bis jetzt nienrand anwesend war. Er tauschte hier und da mit den neuen Bekannten, die er während seines kurzen Aufenthaltes in Waldenberg bereits in großer Anzahl gewonnen hatte, flüchtige Grüße aus, um sich dann in der Nähe des Haupteinganges zurückzubegeben. Mit verschränkten Armen an eine der Marmorsäulen gelehnt, ließ er tiefernsten Antlitzes, wie es dem Charakter eines indischen Radscha angemessen war, den bunten Strom der Eintretenden an sich vorüberziehen. Einmal nur glitt es wie heiteres Erstaunen über seine Züge, da er' über dem blumengeschmückten Kopfe einer in weiße Tüllwolken eingehüllten Titania das magere, harmlos gutmütige Gelehrtengesicht des Herrn Franz Eschenbach auftauchen sah. Daß er auch seinem schüchternen Zimmernachbar hier begegnen könnte, hatte er allerdings nicht vermutet, und als der zaghaft dreinschauende Hamburger von der Menschenwelle an ihm vorübergetragen wurde, schlug er ihn jovial auf die Schulter. „Manu des Friedens und der Gelehrsamkeit, wie sind Sie in diesen gefährlichen Strudel geraten?" Franz Eschenbach schien überaus glücklich, gleich bei seinem Eintritt auf einen Bekannten zu stoßen. „Es ist eine tollkühne Idee sür einen Mann in meinen Jahren — nicht wahr? Aber ich habe dergleichen noch nie gesehen, und da es doch für einen wohlthätigen Zweck sein soll, habe ich mich auf Zureden des guten Herrn Schwanflügel entschlossen, eine Karte zu nehmen. — Mer was für ein schönes Kostüm Sie anhaben, mein lieber Herr Sandory! Es sieht beinahe aus, als ob es echt wäre". „Es freut mich!, daß es Ihnen gefällt. Ich habe es* genau nach einem echten Vorbilde anfertigen lassen, das ich unlängst auf einem Hofball in Petersburg gesehen". „Was Sie doch schon alles erlebt haben!" meinte der Hamburger Privatgelehrte in einem Tone beinahe ehrfürchtiger Bewunderung. „Ich habe neulich! erst mit Vergnügen die Schilderung eines solchen Festes gelesen. Mer sie stammte aus dem verflossenen Winter, und es ist doch wohl schon länger her, daß Sie —" Rudolf Sandory hörte ihm wicht mehr zu. Er hatte 634 den prächtigen Charakterkopf des Doktor Ruthardt in der Thüröffnung anstauchen sehen, und er tieß Herrn Franz Eschenvach einfach stehen, um sich den Eintretenden zu nähern. Der Doktor, der trotz seines altmodischen Fracks eine sehr stattliche Erscheinung machte, führte seine kleine rundliche Gattin am Arm, während hinter den Eltern Margarete und Sigismund sichtbar wurden. Mit höflichem Gruße trat Sandory dem Arzt in den Weg. „Ich beglückwünsche Sie zu diesem Fest, Herr Doktor! Es muß in Wahrheit ein erhebendes Gefühl für Sie sein, gewissermaßen die ganze Bevölkerung der Stadt au Ihrem schönen Werke mitarbeiten zu sehen". „Zumal in Anbetracht des Umstandes, daß den Leuten diese Mitarbeit so überaus sauer gemacht wird", meinte der Doktor sarkastisch. „Die Welt wäre , ohne Zweifel voll der herrlichsten Schöpfungen, wenri sie sich allesamt durch Tanzvergnügungen und Mummereien zu stände bringen ließen". Dabei hatte er Sandorys kostbares Kostüm mit einem Blicke gestreift, der für den Träger ebenso wenig schmeichelhaft war, als die ironische Erwiderung. Auch! zeigte er nicht die geringste Neigung, seiner Gattin den imposanten indischen Radscha vorzustellen. Wenn er nicht geradezu ausdringlich erscheinen wollte, mußte fick)! Sandory wohl zurückziehen, um so mehr, als auch andere herbeikamen, den Doktor zu begrüßen. Aber er gab die Unterhaltung mit dem so wenig zugänglichen Vater nur auf, um sich der Tochter zuzuwenden. Margarete hatte ein weißes Kostüm angelegt von der Art, wie es das Evchen in den Meistersingern zu tragen pflegt. In dem züchtigen, bis an den Hals hinauf geschlossenen Kleide, über das die dicken blonden Flechten bis weit unter den Gürtel hinabfielen, war sie so lieblich und maienfrisch, wie keine andere ihrer hier versammelten, mehr oder weniger ausfallend geputzten Altersgenossinnen. Und wenn Sandorys Blick heißer wurde, als er über die anmutige Erscheinung hinglitt, so war dafür in ihrem Aussehen wahrlich eine mehr als hinreichende Erklärung gegeben. Es waren nur einige ziemlich nichtssagende Worte, die er inmitten des Menschenschwarms, der sie umdrängte, mit ihr wechseln konnte. Margarete äußerte sich bewundernd über sein Kostüm, und sie wurde rot, als er ihr das Kompliment mit einer sehr artigen Wendung zurückgab. Dann bat Sandory um ihre Tanzkarte, die sie erst eben aus der Hand des Festordners in Empfang genommen hatte und schrieb, nachdem er ihre Erlaubnis dazu erhalten, seinen Namen hinter einen Walzer und eine Mazurka. „Aber Sie werden sich ein wenig in Geduld fassen müssen", meinte sie lächelnd; „denn ehe nicht das letzte Stück von meinem Verkaufstische fort ist, werde ich! gewiß nicht tanzen". Gleich darauf war sie genötigt, nach einer anderen Seite hin Rede zu stehen, und Sandory schüttelte ihrem Bruder die Hand. „Sie sehen angegriffen aus, mein lieber Herr Ruthardt", sagte er dabei mit teilnehmendem Wohlwollen, „und Ihre Finger sind so heiß. Sie fühlen sich; doch nicht krank?" Die Frage war fehr begreiflich; denn der junge Mann, der ebenso wie sein Vater im schwarzen Gesellschaftsanzuge erschienen war, machte mit seinen bleichen Wangen, seinen dunkel umschatteten und wie in fieberischer Unruhe umherirrenden Augen keineswegs den Eindruck eines festlich gestimmten Ballbesuchers. Aber er versicherte, daß er sehr wohl sei, und Sandory fühlte sich nicht veranlaßt, mit weiteren Erkundigungen nach den Ursachen seines sonderbar veränderten Wesens in ihn zu dringen. Er schloß sich den Ruthardts auch nicht an, als dieselben jetzt weiter in den Saal hineinschritten, sondern nahm seinen vorigen Platz an der Säule wieder ein. Aber er verfolgte sie noch eine gute Weile mit den Blicken, und es entging ihm nicht, daß ein hübscher junger Mann in der Tracht eines venetianischen Nobile sich mit auffallender Beharrlichkeit in der Nähe des reizenden Evchen bewegte, wenngleich eine eigentliche Unterhaltung zwischen ihnen nicht stattzufinden schien. Er sah, daß dies der Herr sei, dem er jüngst in Margaretens Gesellschaft auf der Straße begegnet war, und er hatte schon eine Stunde nach jener Begegnung gewußt, daß sein Name Walter Sartorius laute. Der Saal füllte sich jetzt sehr schnell, und das auf der Galerie untergebrachte Orchester begann zu spielen. Da man wußte, daß das Fest durch einen Prolog eröffnet werden sollte, drängte sich das Publikum vor der Bühne zusammen, und in der Nähe der Eingangsthür wurde es ziemlich leer. So geschah es, daß Dora Norrenberg's Erscheinen nicht jene große Wirkung hervorbrachte, die sonst wohl unausbleiblich! gewesen wäre. Denn die junge Dame, die nur von ihrem Vater begleitet wurde, war unter den weiblichen Festgästen sicherlich die auffallendste und glänzendste Erscheinung. Angesichts der Kühnheit, die sie bei der Wahl ihres Kostüms an den Tag gelegt, konnte man es wohl verstehen, daß ihr Verlobter sich hartnäckig dagegen gesträubt hatte, dieser Wahl seine Zustimmung zu geben. Das griechische Gewand, dessen weich Herabfliestende Falten sich eng an ihre königliche Gestalt anschmiegten, ließ die schönen Arme und die tote aus Marmor gemeißelten Schultern unverhüllt, so daß man mit Entzücken an ein herrliches Bildwerk des klassischen Altertums gemahnt werden mußte. Das dunkle Haar fiel aufgelöst über den weißen Nacken herab, und wie eine Ranke von Weinlaub den einzigen Schmuck des Kleides ausmachte, so war auch das stolze Haupt nur mit einem Kranze aus Weinblättern geziert. Ein goldener Thyrsusstab, mit Epheu umwunden, ließ vollends keinen Zweifel an dem Charakter des Kostüms, dessen Trägerin es für statthaft gehalten hatte, auf diesem Feste als Bacchantin zu erscheinen. Die heißen, funkelnden Augen, die sogleich wie suchend den iveiten Raum durchflogen, und die leicht geöffneten Lippen des herrischen Mundes stimmten allerdings zu dieser gewagten Verkleidung viel besser, als zu irgend einer anderen, und Dora hatte die Besonderheit ihrer körper- lichen Vorzüge jedenfalls sehr richtig beurteilt, als sie trotz allen Widerspruchs bei ihrem Entschluß geblieben war, sich in solcher Tracht zu zeigen. Um so auffälliger freilich wurde der Gegensatz, den ihres Vaters gebeugte, hinfällige Gestalt zu ihrer in Jugendkraft und Lebensfülle prangenden Erscheinung bildete. Franz Norrenberg sah heute gelber und krankhafter aus, als je. Ein müder, vergrämter Ausdruck war auf seiuem Gesicht, und er trat über die Schwelle des von rauschender Musik durchfluteten Saales mit einem Seufzer, der wie das schmerzhafte Stöhnen eines zur Hinrichtung Geführten klang. Als ihr suchender Blick das lächelnde, dunkel- bärtige Antlitz Sandorys streifte, streckte ihm Dora ohne Rücksicht auf die Gegenwart ihres Vaters mit einem Ausruf der Freude die Hand entgegen. „Wie hübsch, daß Sie auch im Kostüm gekommen sind! Ich fürchtete schon, Sie würden gleich den meisten unserer Herren zu blasiert sein für einen so harmlosen Scherz. Und tote prächtig es Ihnen steht! Sie könnten einem Maler ohne weiteres als Modell für einen Vollblutinder dienen". Sie bemühte sich so wenig, ihre Bewunderung für seine Schönheit zu verbergen, daß Norrenberg die blutlosen Lippen znsammenpreßte und den Versuch! machte, sie rasch mit sich fortzuziehen. „Es scheint, daß auf der Bühne etwas vorgehen soll", sagte er hastig. „Wir werden nichts davon hören und sehen können, wenn wir uns hier hinten versäumen". „Wir werden nicht viel daran verlieren", meinte sie geringsch!ätzig, um sich dann wie in einer Regung eifersüchtigen Argwohns wieder gegen Sandory zu wenden. „Erwarten Eure Hoheit hier noch jemanden, daß Sie der Thür viel mehr Aufmerksamkeit zuwenden, als der Bühne?" „Wen könnte ich! jetzt noch erwarten?" erwiderte er in einem Ton, der ihre Augen höher aufleuchten machte. „Ich werde Ihr demütigster Sklave sein, so lange es mir derjenige gestattet, dem die unerforschlichen Götter ein älteres Anrecht gegeben haben, Ihnen zu dienen". (Fortsetzung folgt.) 635 Der Kakao und seine Verfälschung. Von C. G o s l i ch, Chemiker. Nachdruck verboten. Im ganzen Zentralamerika und nördlichen Südamerika sowie auch in anderen Tropengegenden, besonders aber in Columbien, Venezuela, Guyana, Brasilien, Ecuador, Peru, in Java, Celebes usw. gedeiht der Kakaobaum (Theobroma Cacao). Die kultivierten Bäume tragen jährlich zweimal gurkenähnliche, gelbrote Früchte, die 25 bis 50 mandel- oder bohnenförmige Samenkörner, in eine eßbare, müßige Marksubstanz eingebettet, enthalten. Tie Früchte werden ausgeschnitten und die heraus- genommenen Samenbohnen von dem anhaftenden Mark befreit und an der Sonne getrocknet („Sonnen- oder Jnsel- kakao"), oder in die Erde vergraben und fünf Tage lang der Gärung überlassen. Diese „gerotteten" Bohnen sind besser vom Fleisch befreit und zeigen einen milderen Geschmack; mau erkennt sie an dem' erdigen Ueberzug und der dunkleren Farbe. Der Preis der Bohnen iss sehr verschieden »nd beträgt je nach der Herkunft 50 bis 160 Mark pro Zentner. Die Bohnen werden gesiebt, um Sand, Steinchen rc. zu entfernen, und alsdann geröstet. Der Röstprozeß geschieht jetzt meist nicht mehr in eisernen Trommeln, ähnlich wie beim Kaffee, sondern mit überhitztem Wasserdampf bei 130 Gr. C. Die gerösteten Bohnen werden in einer innen gerippten Trommel, in der sich eine ebenfalls unebene Walze dreht, zerbrochen und mit dem Wiudseger und durch Sieben von den Schalen getrennt. Die reinen Bohnen werden geknetet und in geheizten Prefsen unter starkem Druck „entfettet". In den geschälten und gerösteten Bohnen sind nämlich 48—55 Prozent „Kakaobutter" enthalten, ein gut verdauliches gelbweißes Fett, das einen milden Geschmack hat. Der „entölte Kakao" das Handels enthält noch 20—30 Prozent Fett, bildet ein lockeres Pulver und ist gut bekömmlich. Außer dem Fett enthalten die Bohnen 0,4—2,0 Prozent (meist etwa 1,5 Prozent) Theobromin (ein außerordentlich stickstofsreicher Körper), 14—18 Prozent Stärke, 0,6 Prozent Zucker, 3,5 Prozeut Cellulose, 13—18 Prozent Eiweißkörper, 3,5 Prozent mineralische Bestandteile (Asche), ca. 6 Prozent Wasser. Ter sogenannte „holländische" Kakao wird unter Zusatz von Pottasche und Magnesia geröstet, Gaedkes Kakao mit Ammoniak. Der holländische Kakao enthält demgemäß 4 Prozent Kali, der gewöhnliche dagegen nur 1,6 Prozent. Die Löslichkeit wird durch das Aufschließen mit Pottasche nicht gehoben, vielmehr wird die Masse nur leichter und gleichmäßig aufgelöst, ohne einen Bodensatz abzuscheiden; es ist aber unrichtig, ein derartiges Präparat als „leicht löslichen Kakao" zu bezeichnen. Vom sanitären Standpunkte ist das' Pottasche-Verfahren nicht zu empfehlen, da die Alkalien die Verdauung und Blutbildung beeinträchtigen, und außerdem durch die natürlich eintretende Verseifung des Fettes leicht Durchfall veranlaßt werden kann. Zudem ist eine Gewichtserhöhung bei dem teuren Preise des Kakaos zu beanstanden, weshalb auch das deutsche Reichs-Gesundheitsamt einen Zusatz von 5 Prozent Pottasche als „Fälschung" bezeichnet. Weitere Zusätze macht man um den Wohlgeschmack des Produktes zu erhöhen, z. B. Zimmet, Vanille, ätherische Oele, Zimmetöl, Perubalsam, Nelken, Benzoe usw. Zur Erhöhung des Nährwertes wird Fleischpulver, Pepton, Pflanzennährsalz u. ä. mit Kakao vermischt und kommt unter den bezüglichen Namen „Fleischkakao", „Nährsalzkakao" in den Handel. Der „Eichelkakao" besitzt wegen der darin enthaltenden Gerbsäure diätetischen Wert. Mau setzt dem Kakao einen wässrigen Auszug von Eicheln zu und trocknet dann die Masse; direkter Zusatz von Eichelmehl ist jedoch verwerflich und gehört in das Gebiet der Fälschungen. Besonders wichtig sind die Gemische von Kakao mit Zucker und Gewürzen, die unter dem Namen Chokolade bekannt sind. Im Kleinbetrieb werden die meist nicht entölten Bohnen in erwärmten eisernen Mörsern gestoßen und nach und nach mit der Hauptmenge des Zuckers vermischt. Dann wird die Masse mit eisernen Walzen auf Steinen — immer in der Wärme — gemahlen, und die Gewürze, mit dem Rest des Zuckers gemischt, zugesetzt. Die Masse wird dann bis zur gleichmäßigen Mischung weiter verrieben. Im Fabrikbetriebe werden natürlich Maschinen mit Mühlsteinen oder Metallwalzen angewandt, die sich leichter heizen lassen. Die „Bondineuse" befreit die Chokolade dann von Luftbläschen und preßt sie aus einem Rohr mit enger Oeffnung in dünnem Strange heraus. Die abgeschnittenen Stücke werden in angefettete Blechsormen gedrückt. Feine Chokolade enthält gleiche Mengen Zucker und Kakao; jedoch wird der Zuckergehalt sehr häufig bis zu zwei Drittel der Masse erhöht. Der Ersatz des Zuckers durch Saccharin hat natürlich nur Wert für Zuckerkranke; da Saccharin absolut keinen Nährwert hat, verliert der Saccharin-Kakao gleichfalls an Wert. Die Cola-Chokolade enthält gepulverte Colanüsse (Cola acuminata). In der Heilkunde verwendet man die Chokolade als Zusatz zu Arzneimitteln von unangenehmem Geschmack. Die Pastillen enthalten eine bestimmte Menge von Ricinus- Ocl, Chinin, Eisenpräparaten, Rhabarber, Calomel usw. Als „Fälschungen" sind die Zusätze mannigfacher Art von Mehl, Stärke, gerösteten Eicheln und Kastanien, entfetteten Nüssen usw.'zu bezeichnen. Besonders häusig werden die fein gemahlenen Schalen der Kakaobohnen beigemischt. Dieselben enthalten zwar etwa 0,7 pCt. Theobromin, haben aber gar keinen Nährwert; es wäre deshalb sehr zu wünschen, daß der Schalenzusatz gesetzlich verboten würde. Da Kakaobutter wegen ihres milden Geschmacks und der guten Haltbarkeit zu pharmaceutischen und kosmetischen Zwecken sehr begehrt ist, und hohe Preise erzielt, wird sie zuweilen ganz ausgepreßt und durch, andere minderwertige Fette, wie Kokosöl, Rindertalg ersetzt. Natürlich sind derartige Manipulationen entschieden zu verwerfen, noch viel mehr aber der auf betrügerische Gewichtserhöhung hinzielende Zusatz von Bolus (roter Thon), Eisenoxyd und Ocker, der den Mehlzusatz verdecken soll. Der Nachweis der Schalen, Mehle und Gewürze geschieht am besten unter dem Mikroskop; über Schalenzusatz kann der Chemiker auch durch Bestimmung der Menge der Holzfaser Aufschluß bekommen, da die Bohnen nur 3,5 Prozent, die Schalen dagegen 15—16 Prozent Holzfaser enthalten. Mineralische Zusätze bleiben zurück, wenn man eine Probe des Kakaos verbrennt, die Asche soll nicht mehr als 5 Prozent betragen. Der Verbrauch an Kakao und Chokolade ist noch jetzt in Spanien und Mexiko am stärksten und beträgt auf den Kopf jährlich 1 Kilogramm, in Frankreich 0,3 Kg., in England 0,15, in Deutschland 0,05 Kilogramm. Die Gesamtproduktion wird auf 500 000 Meterzentner geschätzt, der Konsum in Europa auf 300 000 Zentner. Die Einfuhr im deutschen Reich betrug im Jahre 1898 an Rohkakao: 147144 Doppelzentner im Werte von 21439 000 Mark, an Kakao: 6558 Doppelzentner im Werte von 2 354 000 Mark, an fertiger Chokolade: 2546 Doppelzentner im Werte von 611000 Mark. Der Garten im November. Nachdruck verboten. Nachdem wir nun eine Zeit hindurch geerntet und immer wieder geerntet haben, kommt jetzt der Baum zu uns, damit wir ihm ersetzen, was er für feine Früchte dem Boden genommen hat, und darum heißt es: düngen und immer wieder düngen, je mehr der Baum getragen hat und je mehr er durch das Tragen geschwächt worden ist. Aber das Düngen allein reicht nicht aus zur Baumpflege im Herbst. Wir müssen mit dazu passenden Instrumenten die Stämme abkratzen und kalken, wir müssen die Kronen auslichten, wo die Aeste zu dicht stehen. Das Auslichten ist ganz besonders nützlich, weil es Luft und Licht den stehenbleibenden Teilen bringt und weil es den Baum davor schützt, unnütze Teile noch! länger zu Ernähren zum Schaden des Ganzen. Ist das Auslichten vorüber, der Anstrich gemacht, auch eine Spritzung der — 636 - ganzen Krone mit Kupferkalkbrühe nicht vergessen, dann soll der Boden umgegraben werden und in rauher Furche liegen bleiben. Neupflanzungen von Obstbäumen werden gemacht; dabei heißt es: Pflanze nicht zu tief, es ist dein und deines Baumes Schaden. Unfruchtbare Bäume können herausgerissen und gleich wieder gepflanzt werden, das macht sie fruchtbar. Krummstehende Bäume werden gerade gerichtet. Topfobstbäume müssen an einem frostfreien Orte aufgestellt werden, oder sind so tief in den Boden einzugraben, daß die Töpfe mindestens 15 Zentimeter im Boden stehen. Feigen werden niedergebunden und nut Erde bedeckt. Der Weinstock ist zu schneiden. An den Winterschutz für Aprikosen und Pfirsich am Spalier muß man denken. Mehr noch wie im Obstgarten heißt es im Gemüsegarten graben. Dabei soll das Unkraut gesammelt, das Ungeziefer, als da sind: Eulraupen, Drahtwürmer, Engerlinge, Maulwurfsgrillen rc. getötet werden. Kranke Kohlstrünke sind zu verbrennen. Das Land, auf dem im nächsten Jahre Erbsen und Bohnen stehen sollen, muß Thomasmehl erhalten. Um unseren Gemüseboden nach! und nachl mächtiger zu machen, werden wir Stücke davon rigolen und gleichzeitig Kalk und Dünger unterbringen. Aussaaten von Karotten, Schwarzwurzeln, Kerbelrüben lassen sich noch machen. Die Lüftung der Gemüsekeller und Gemüsegruben ist eine dringende Notwendigkeit. Das Bleichen von Kardy wird im Keller durchgeführt. Man reinigt seinen Samen und bewahrt ihn gut und trocken auf. Im Blumengarten sind alle leergewordenen Beete umzugraben und diejenigen, die nicht wieder bepflanzt werden sollen, in rauher Furche liegen zu lassen. Wer noch nicht abgeräumt hat, soll es bald thun. Die Aufbewahrung der herausgenommenen Knollengewächse ist peinlich durchzuführen. Sollen die umgegrabenen Blumenbeete nicht so kahl aussehen, kann man sie mit Tannen- oder Juniperusreisig bedecken. Für tzyacinthen, Tulpen, Crokus, Scilla, Schneeglöckchen ist bald der letzte Termin zum Pflanzen gekommen, daher etwas Eile notwendig. Das Decken der Rosen beginne; Grundsatz sei dabei, trocken zu decken. Wo die Rosen trocken liegen, da kommen sie leicht durch den Winter. Niedrige Rosen kann man einfach mit Erde anhäufeln. Auch andere empfindlichere Pflanzen des Blumengartens verlangen Schutz. Magnolien wollen eingepackt werden, die Alpenrosen, Tritomen, Gunera ebenfalls; auch! die empfindlichen Klematis soll man nicht vergessen. In den Strauchgruppen des Gartens ist der Boden zu graben, alles rauh liegen zu lassen. Düngen thut auch hier gut. Die Zimmerpflanzen stehen, seitdem draußen alles kahl geworden ist, wieder ohne Konkurrenz da; sie werden nun doppelter Pflege teilhaftig. Diese soll darin bestehen, daß wir den einzelnen Pflanzen die richtige Wärme geben, diejenigen, welche im warmen Zimmer stehen, häufig gießen und mit seinem Wasserverteiler bestäuben. Auch! den Zimmerstaub durch öfteres Waschen fernhalten. Außerordentlich wohlthuend wirkt das öftere Lockern der Erde, tzyacinthen können allmähliche zum Treiben eingestellt werden. Mit den Rosen warten wir noch. Maiblumen, Tulpen vertragen das Hineinstellen ebenfalls. Die Maiblumen verlangen große Wärme. Jeder Sonnenstrahl im November ist den Pflanzen eine Wohlthat, jeder starke Wechsel zwischen Wärme und Kälte benachteiligt sie. Darum ist wohl darauf zu achten, daß die Pflanzen dort, wo keine Doppelfenster sind, bei stärkerem Froste über Nacht in die Stube gestellt werden. I. C. Schmidt, Erfurt. Gemeinnütziges. Mit vielem Geräusch wird in diesem Jahre eine neue „noch nicht dagewesene" Erdbeersorte die „Mammut-Erdbeere" empfohlen, die sich! durch eine besondere Größe und durch köstliches Aroma auszeichnen soll. Wie der Königl. Gartenbau-Direktor Göschke in Proskau in der neuesten stummer des praktischen Ratgebers ’m Obst- und Gartenbau mitteilt, handelt es sich um eine Sorte, die genau vor 50 Jahren 1850/51 viel Aufsehen erregte, die aber längst abgethan ist, weil sie sich, eine Chili-Erdbeere, als für unser Klima viel zu empfindlich erwiesen hat. „Es dürfte somit", schließt Herr Göschke, „ein ganz müßiges Bemühen sein, solche längst vergessenen Altertümer wieder auszugraben, zumal wir genug andere vorzügliche Erdbeersorten von unzweifelhaftem Werte für die verschiedenen Kulturzwecke besitzen". Litterari-ehes. Die Frauenfrage besteht keineswegs blos darin, ob den Mädchen die Universitäten geöffnet werden und ob die Frauen den Männern in allen Berufen als Wettbewerberinnen entgegentreten fallen. Der Erwerb ist wichtig, aber gewiß nicht die Hauptsache; mindestens ebenso wichtig erscheint uns die Frage, wie die Hausfrau in den Stand gesetzt wird, das Heim, das ihr beschiedm, zu einer Stätte des Glücks auszugestalten, und ihre Kinder mit Erfolg geistig und körperlich zu erziehen, mit einem Wort, die Wohlfahrt ihrer Familie zu fördern. Diesen Teil der Frauenfrage sucht als bei weitem wichtigsten die verbreitete Zeischrift „Dies Blatt gehört derH ausfrau!" (Verlag Friedrich Schirmer, Berlin 8 V.) einer befriedigenden Lösung entgegen zu sichren. Die Zeitschrift, die jeder Ehemann seiner Frau, jeder Bräutigam seiner Braut anschaffen sollte, wurde für ihre anerkennenswerten Leistungen auf der Ausstellung für Wohlfahrts- und Gesundheitspflege in Halle mit der goldenen Medaille, auf der Industrie-Ausstellung in Hamburg mit der großen goldenen Fortschrittsmedaille, aus der Ausstellung für volksverständliche Gesundheitspflege in Berlin mit der goldenen Medaille und auf der Ausstellung für Kochkunst re. in Straßburg mit der silbernen Medaille ansgezeichnet. Diese Auszeichnungen (drei goldene und eine silberne Medaille), die int Laufe der letzten Monate erfolgten, beweisen zur Genüge die Unentbehrlichkeit von „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" für jede Familie, besonders da es nicht blos der Belehrung dient, sondern auch ausgezeichnete Romane, gute Illustrationen, tadellose Modebilder mit Schnittmustern, neue Handarbeiten bringt, und die Pflege der Kunst im Hause durch Wort und Bild fördert. Katechismus der Drogueukuude. Bon Dr. M. Pietsch und A. Fuchs. Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage. In Originalleinenband 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Das vorliegende Buch beschäftigt sich vorzugsweise mit den Roh- drognen und solchen Präparaten, die auf einfache, meist mechanische Weise durch Auflösen, Ausziehen, Eindampfen, Destillieren u. s. w. aus den Rohdroguen hergestellt werden, und behandelt nur einige, bei deren Darstellung auch einfachere chemische Vorgänge eine Rolle spielen. Der Katechismus vermittelt die Kenntnis des Ursprungs oder der Abstammung der Dcoguen, ihrer wesentlichen Eigenschaften und der Erkennungsmittel ihrer Echtheit und Güte, ihrer Aufbewahrung und Verpackungsart, ihrer Bezugsorte und Verwendung. Bei der Neubearbeitung werden besonders hervorgehoben die Droguen, die in ihren Eigenschaften den Anforderungen des deutschen Arzneibuchs entsprechen und, in den Arzneischatz ausgenommen, offizinell sind. Beigefügt ist ein ausführliches deutsches und lateinisches Sachregister. Sternrätsel. Nachdruck verboten. X X X X X X X X X X X Herrscher. Gefäß. deutsche Stadt im Norden, alter Gott. Mineral. In die Felder der vorstehenden Figur sollen die Buchstaben AA, B, EEE, GG, HH, I, L, MM, 0, P, RRRR, T, UU, ZZ derart geordnet werden, daß die stvagerechten Reihen Wörter von der beigefügten Bedeutung ergeben, während die mittelste wagerechte gleichlautend mit der mittelsten senkrechten ist. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: Kartenverteilung: B. a, dB; a8; bK, 9; clO, D, 9, 8, 7. M. cB, aA; cA, K; dlO, K, D, 9, 8, 7. H. bB, alO, K, D, 9, 7; bA, v, 8; dA. ' Skat: blO, 7. Spiel: 1. B. bK, aA, bD. 2. B. a8, cA, a7. Nun muß V erst sehen, wie es mit den Jungen steht; sind sie nicht verteilt, kann er natürlich and; nicht auf's Ganze gehen. 3. B. aB, cB, bB. 4. B. b9, cK, b8. V braucht nun keinen Stich abzngeben. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag )er Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.