i Milifl WUMi jüuS WAW^ A-yy •„ • Mtei hi h'Lp® HWMjM uMf Ä1 M reund, laß dir raten! Ja, das alte Lied. Am Scheideweg sogar, dem schicksalsvollen, Hält Herkules, bevor er sich entschied, Erst alle seine Tanten fragen sollen, Ludwig Fulda. Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. (Fortsetzung.),. Nettchen schritt in den Garten hinab. Es war ein Stück Wiese, an Ufern der Panke zwischen zwei Hofgrundstücken sich hinziehend. Frisch gewaschene Wäsche, die so stark geblaut war, daß sie auf das gelbe Wässerchen einen ultramarinfarbenen Abglanz warf, hing auf quergezogenen Leinen über die ganze Breite des „Gartens" hinweg. An dem lückenhaften Zaun, der das Nachbargrundstück abschnitt, war eine Bank angezimmert. Nettchen sah, daß ein junges Mädchen die Bank besetzt hielt, und, obgleich die Unterrichtsstunden längst geschlossen, mit Hast und Eifer an einem Bettbezug nähte." Langsam trat sie näher. Sie sehnte sich nach einer Anbahnung, einem Gespräch nach so viel Stunden verbohrten dumpfen Schweigens. „Guten Tag, Fräulein!" sagte, sie. „Was nähen Sie denn noch? Der Kursus ist ja längst geschlossen." Das junge Mädchen hob den Kopf. „Ich darf nicht sprechen", sagte es. „Wie?" fragte Nettchen ganz erstaunt. Das junge Mädchen hob abermals den Kopf. Mit großen, sanften Augen sah es die Fragerin an. „Tante will es nicht, daß ich mit einer der Schülerinnen spreche", flüsterte sie. „Sie sagte, all die jungen Mädchen hier seien schlecht, oder doch wenigstens verdorben. Ich! würde nichts gutes von ihnen lernen, sagte sie." „Ist Ihre Tante Fräulein Windelbach?" fragte Nettchen ganz verdutzt. „Ja", flüsterte die Kleine. Es lag etwas eigentümliches in dem „Ja". Es klang so hoffnungslos. Nettchen mußte wider Willen stehen bleiben. „Wo haben Sie denn diese Risse her?" fragte sie rasch. Die Kleine starrte auf ihre Finger, die rissig, wund, wie zerschunden waren. .. "O' ~ nichts" wehrte sie, mit einem blöd verschämten Lächeln. „Ich habe gewaschen die Nacht — weiter Nichts." „Und nun nähen Sie mit den Fingern! Leidet denn Ihre Tante das!" rief Nettchen voll Mitleid aus. Die Kleine blickte mit stillem Blick empor. „Wenn die Eltern tot sind" — sagte sie. Soviel selbstverständliches lag in diesem Wort. Eine plötzliche Wehmut ergriff Nettchen. Sie trat an das Ufer und blickte den winzigen, schmutzig-gelben Fluß entlang. „Mir geht es nicht anders", sagte sie. „Auch ich habe keine Eltern mehr. Aber man muß das Leben trotzdem ertragen." „Sie sind verlobt", sagte die Andere bewundernd. Und rüdem sie aufstand, ihre Arbeit zusammenpackte und neben Nettchen trat, fügte sie langsam, fast feierlich hinzu: „Wie schön tnüß das sein! Ich sehe so gern ein Brautpaar. Da ist es, als sähe man in den blauen Himntel Hinern." .. Nettchen stand abgewandt. „Mir ist es nicht so", sagte SBalb ^tr l t’S' schaute ich in einen finsteren schwarzen Eine schrille Stimme rief vom Hause her. „Die Tante!" flüsterte das junge Mädchen. „Verraten Sre nicht, daß wir miteinander gesprochen haben" — Sre lief ins Haus. Langsam folgte Nettchen nach. < er nein dunklen Hinterzimmer war der Tisch gedeckt. „ "dNeine Nichte, Johanne, — unsere neue Schülerin" stellte Fraulern Windelbach vor. „Bete, Johanne", fügte ^..sofort hrnzu, rndem sie mechanisch nach dem Ellenmaß Johanne betete so rasch und laut, als stehe jemand hrnter rhr und klopfe auf ihrem Rücken den Takt dazu. ,. "Ber uns geht alles rasch, - das Leben ist kurz, und dre Arbert, dre bewältigt werden will, ist viel", erklärte Fräulein Windelbach, indem sie mit eisernem Griff nach her Suppenterrrne langte. „Darum sprechen wir nicht bei Tisch. Gespräche halten den Fortgang der Arbeit auf. Wir sprechen überhaupt nicht, außer wenn es die Notwendig- kelt erfordert. Weder ich noch Johanne sind plapperhaft." Johanne blickte auf, und einen Augenblick malte sich in ihren Augen ein hilfloser Widerspruch. „Räume ab", sagte Fräulein Windelbach, und wieder sagte sre es mit dem Ellenmaß. „Wie halten Sie das aus?" fragte Nettchen empört hinter der vorgehaltenen Hand, als sie nun der Nähstunde wieder zuschritten. Die Kleine sagte kein Wort. Aber wie sie so herqina vor Nettchen, war es der, als flattre ein Vogel mit gebrochenen Flügeln in den dunklen, dumpfen Arbeitsraum. „Sie müssen mich einmal besuchen kommen", sagte re rasch. „Ich will Ihre Tante schon dazu bringen. Ich habe eine Mutter und eine Großmutter zu Haus: denen werden Sie gleich gefallen." 134 — Es war der erste Festtag in Johannes Leben, als sie sich zu diesem Besuche rüsten durfte. Die Tante hatte es nur widerwillig erlaubt. Aber den Bitten der beiden Frauen, deren Pflegetochter so ausgiebig an dem Kursus beteiligt war, wagte sie auf die Dauer keinen Widerspruch entgegenzusetzen. „Bist Du fertig?" fragte Fräulein Windelbach mit rauher Stimme, als die Nichte zum Ausgehen bereit vor ihr stand. Mit gesenktem Blick sagte die Kleine: „Ja!" „Und was wirst Du sagen, wenn man Dich fragt, wie ich Dich halte?" herrschte die Tante. »Ich — ich werde sagen, daß Du mich — gut hältst" — flüsterte Johanne, inoem sie nach dem Ellenmaße schielte. „Du Gans", entgegnete die Tante, indem sie aufstand und durch diese einzige Bewegung den Vogel in die Ecke jagte, „sehr gut, wirst Du sagen — hörst Du wohl, ausgezeichnet hielte ich Dich, wie es nur der Wahrheit entspricht, Du undankbares Ei, — und siebzig Thaler im Jahr schenkte ich Dir für geleistete Müh'n" — „Sieben Thaler im Jahre", flüsterte Johanne nafr betend; ihr schwindelte vor der Summengröße, und ihr ungeübtes Zahlengedächtnis verwirrte sich. „Siebzig Thaler, Narr", verbesserte die Tante aufgebracht. „Und wenn man Dir etwas anbietet, — Kuchen oder Obst, so nimmst Du es, und sagst, das brächtest Du Deinen kleinen Brüdern, die in Weißensee in der Rettungsanstalt säßen." — Johanne dachte an die kleinen Gräber in Weißenfee, die in der That vielleicht die beste Rettungsanstalt für die Brüder geworden waren. „Und was soll ich dann noch sagen?" fragte sie in demütigem Gehorsam. Die Tante reckte sich, daß die Stangen an ihrem Panzer knackten und knirschten. „Sag' was Du willst, aber sprich keine Dinge, die mich nicht angenehm berühren würden", entgegnete sie mit einem kalten Blick. „In Deiner Familie liegt eine elsternhafte Plapperhaftigkeit. Sie könnte Dich den Schnabel kosten." ---Johanne ging, und der unklare Sinn der Drohung verfolgte sie, so lange sie durch die Menschenfluten schritt. Sie dachte über alle Benennungen nach, die ihr die Tante bisher hatte zuteil werden lassen, und in ihrem verwirrt grübelnden Sinn stiegen Bezeichnungen wie „Schnabel, Pfote, Schnauze, Rüssel" auf, welche alle die Tante in Bezug auf ihre, Johannes Persönlichkeit, so gerne angewandt hatte, und sie stellte sich die Beschaffenheit eines Tieres vor, das alle diese Merkmale in einer Gestalt vereinigen könne. — Es war ein klarer, goldener Herbsttag, und je rascher sie ging, desto freier wurde ihr Herz, desto mehr fiel aller, Jammer des häuslichen Lebens von ihr ab. Sie sah kleine Mädchen an den Ecken stehen und Veilchen verkaufen, und der Wunsch stieg in ihr auf, auch noch einmal ein solches kleines Mädchen zu sein, zehn Jahre oder zwölf, und mit nackten Füßchen in der Welt herum zu stehen, und noch nichts zu wissen von den harten Herzen der Menschen. Dann wieder betrachtete sie die Kinderwagen, die langsam in der Sonne spazieren gefahren wurden, und eine schwärmerische Zärtlichkeit erwachte in ihrem Herzen zu den zarten, rosigen, kleinen Geschöpfen, deren sie gerne auch wohl eins gehabt hätte, um es wie die Mütter und Ammen hoch in die Luft zu heben, oder ihnen zuzurufen: „Kuckuck — wo bin ich? — Dadadada!" In Phantasieen verloren schritt sie so behaglich und genießend weiter wie all die anderen Sonntagsbürger, die sich in einer Promenade ergingen. Sie merkte kaum, daß sie nun vor dem Hause stand. Rot vor Erwartung sprang sie die Treppen hinan und läutete die blitzblanke Glocke, die zu dem Entree der Brinkmanns führte. v Die Mutter selbst öffnete ihr und reichte ihr beide Hände entgegen. „Aber wo ist Nettchen?" sagte sie dann, indem sie erstaunt ganz auf den Flur heraustrat. „Nettchen?" „Sie ist gleich nach Tisch aufgebrochen, um Sie bei der Tante abzuholen. Sie hat also Sie verfehlt!" „Ich bin doch aber ganz langsam gegangen; Fräulein Nettchen mußte mich längst eingeholt haben", wandte Johanne ein, indem sie bescheiden stehen blieb. „Nun, sei dem wie ihm wolle", sagte Frau .Brinkmann, auf deren Stirn sich eine Wolke bildete. „Sie wird ■ und muß jeden Augenblick hier sein. Kommen Sie, liebes Kind, ich will Sie meinem Sohne vorstellen. Sie sind Nettchen eine so gute Freundin geworden. Das will viel sagen. Sie schließt sich sonst an niemand an, oder doch nur an Leute, die wiederum zu uns und unserem Hause ganz in Widerspruch. stehen." Die letzten Worte klangen bitter, fast schmerzlich. Johanne schlug erstaunt die Augen auf, in denen sich die ganze Unerfahrenheit ihrer Seele abspiegelte. „Doch das sage ich nur so hin", verbesserte sich Frau Brinkmann rasch, indem sie mütterlich ihren Arm um das junge Mädchen schlang. „Sie sollen nicht darauf hören." Sie traten in das Wohnzimmer ein. „Das ist Herr Paul?" sagte Johanne zaghaft. Er hatte sich erhoben und war rasch zu ihr getreten. Freundlich drückte er. ihre Hand. Er fühlte ihre Befangenheit, und ihn, der selbst so schüchtern und befangen war im Leben, ergriff sofort ein sympatisches Gefühl für das tief errötende Mädchen. Das war kein Wesen, dem er auszuweichen brauchte. Keine von denen, die ihn in Scheu und Bangigkeit versetzten. „Nehmen Sie Platz, Fräulein Johanne", bat er. Und während die Mutter ihn heimlich ganz erstaunt betrachtete, holte er einen Stuhl herbei, nahm Johanne den Hut ab und hängte ihren Mantel am Thürpfosten auf, kurz, erging sich in Galanterieen, die man bisher noch nie an ihm beobachtet hatte. „ _ Johanne hatte richtig einen Sofaplatz erhalten. So sehr sie sich auch dagegen sträubte, Frau Brinkmann hatte sie darauf niedergedrückt. „Denke, Paul", sagte Frau Brinkmann,"Indem sie mit der scharfen Klinge ihres Messers in den Kuchen schnitt, ohne jedoch die Augen von der Thür zu wenden, „Nettchen ist nicht mitgekommen, sie hat Fräulein Johanne verfehlt. Sie müßte nunmehr eigentlich längst zurück sein, aber ich glaube wohl, daß Fräulein Windelbach sie noch ein wenig aufgehalten haben wird.-- Paul sah seine Mutter mit seltsamem Blicke an. Eine tiefe Angst malte sich in seinem Auge. „Wer weiß, wo sie sonst noch herumläuft, die Mariell", sagte die Großmütter, die in einer Ecke am Fenster saß und sich einen mächtigen Kaffeetopf dorthin erbeten hatte, „sie war doch heute den ganzen Tag wieder so seltsam, — kein Wort nicht gesprochen, und die Augen, die waren das einzige, was Leben hatte an ihr. War sie früher zu wild — jetzt ist sie stumm, — immer konträr, die Mariell, und nie so, daß einer weiß, was sie will." Alle schwiegen und eine dumpfe, kleine Pause trat ein. „Ich. ängstige mich um sie", sagte Paul, der die Rede der Großmutter finster angehört hatte. Sie ist nun bald drei Stunden von zu Hause fort. „Ich werde ihr entgegengehen, — vielleicht finde ich sie noch bei Fräulein Windelbach." — „ Die letzten Worte klangen erzwungen; alle fühlten, daß sie eine leere Phrase waren, und daß am allerwenigsten Paul seine launische Braut bei der strengen, abstoßenden Lehrerin vermutete. Ehe jedoch auch nur jemand ein Wort erwidern konnte, war Paul aus dem Zimmer. „Langen Sie nur zu, Fräulein Johanne", sagte Frau Brinkmann, indem sie mit zitternder Hand ihrem Besuch! den Kuchenteller hinhielt. Johanne nahm ein kleines Stück. Und wieder hoben sich ihre Blicke erstaunt und ruhten groß und mit kindlicher Frage auf den Zügen der beiden Frauen. „Es ist nichts", sagte Frau Brinkmann abermals ablenkend, „wir haben alle Drei den thörichten Fehler, uns immer allerlei dunkle Gedanken und Vorstellungen in Betreff unserer Pflegetochter zu machen." Und als wolle sie die Befangenheit, die sich so plötzlich über sie alle herniedergesenkt hatte, mit Gewalt verscheuchen, setzte sie rasch hinzu: „Ich will Ihnen das Heim zeigen für das junge Paar." Sie nahm den Arm des jungen Mädchens, und beide schritten nun hinüber in die kleine Wohnung, die aus — 185 — demselben Flur lag und von dem Wohnzimmer, dem nunmehrigen Altenteil der beiden Frauen, nur durch den kleinen Korridor getrennt war. Johanne stand wie geblendet in dem Hellen, freundlich geschmückten Raum, der Paul und Nettchen zum Nest dienen sollte. Die Thür, von einer roten Portiere verhangen, führte in das Schlafzimmer, daran reihte sich die Küche. In dieser schien sich ein Topfjahrmarkt ausgebreitet zu haben. Johanne hatte noch nie soviel Tassen und Kannen und Krüge und Teller beisammen gesehen, und Näpfe, mit rotem Mohn besprenkelt, und Fleische breiter mit schalkhaften Sprüchen, und das Nudelbrett mit einer primitiven, aber in Johannes Augen sehr sinnigen Malerei, wo ein Mann einer Frau ein Kind reicht, das an einer feisten Bretzel kaut. Ueberall hatte die Zärtlichkeit der beiden Frauen Licht und Freundlichkeit verstreut, und da war auch nicht ein einziger Gegenstand, der nicht in gemalter oder gereimter Poesie irgend eine Andeutung auf das Glück einer jungen Ehe ausgesprochen hätte. „Mein Gott!" flüsterte Johanne. Eine solche Küche hätte sie nie für möglich gehalten, und während sie halblaut und langsam alle die Sprüche der Weisheit las, die dieses Museum enthielt, dachte sie an das Heim ihrer Tante, wo über der Thür zur Arbeitsstube die liebeverkündevden Worte standen: Hände, die nicht hurtig Nach der Arbeit packen, Soll wie faule Zweige Man vom Rumpfe hacken. — „Sehen Sie diese Kochmaschine an!" sagte die Großmutter, die den beiden Frauen nachgefolgt war, und nun liebkosend mit der Hand über die blanken Messingbeschläge des Herdes strich. „Heben Sie die Töpfe, — einzig und und allein wie leicht die sind!" Und mit ihren runzligen Händen hob und schob sie das blitzende, funkelnde Kochgeschirr. (Fortsetzung folgt.) Der Frühling naht! Gartenbetrachtungen für den März. Nachdruck verboten. Schnee und Eis schmelzen hinweg. Wie eine riesige Flutwelle drängen die Arbeiten auf uns ein, die der Frühling in Garten und Feld mit sich bringt. Da heißt es nichts überstürzen, sondern wohlüberlegt handeln, damit die Arbeiten in der gehörigen Reihenfolge fertiggestellt werden und wir nicht später zu unserem Schaden erkennen müssen, daß es weiser gewesen wäre, manches zu unterlassen, anderes zu fördern. Wir graben unsere Gärten, düngen sie mit Stall- dung, Kompost, Kalk, auch Kloake, doch letztere nur in geringeren Mengen und mit Vorsicht. Gleiches gilt von den künstlichen Düngern. Wer nicht weiß, wie sie wirken, nicht weiß, welche Stoffe seinem Boden fehlen, thut im allgemeinen gut, ihre Verwendung so lange versuchsweise in geringen Mengen zu betreiben, bis er darüber Klarheit gewonnen hat. Nasser Boden, der beim Umgraben am Spaten klebt, bleibt besser noch liegen, auch kaltem Boden ist dies gut, weil man doch noch keine Aussaaten darin machen kann und er bis dahin an Lockerheit wieder ungemein viel eingebüßt haben würde. Gegrabener Boden wird gleich klargerecht. Man säet Erbsen aller Art, Petersilie, Boretsch, Karotten, Schwarzwurzeln, Zuckerwurzeln, Kerbel, Puffbohnen, Pastinak, rote Rüben, Radies, Salat, Sommerrettig, Spinat. Es werden Steckzwiebeln, Knoblauch, Schalotten gesteckt, die Zehen des Meerrettias gelegt. Man kann Kopfsalat, Wirsing, Kohlrabi, Weißkraut zu Ende des Monats aus dem Mistbeet ins Freie pflanzen, die Anlage neuer Spargelbeete darf beginnen, und wer aus Liebhaberei Samenzucht treiben will, bringt die schönsten der überwinterten Möhren, Kohl- arken, Sellerie auf warmen, kräftigen Boden. Die Frühbeete erfordern fleißige Bedienung. Sachgemäßes Lüften muß die Pflanzen abhärten und gedrungen wachsen lassen, richtiges Gießen die Wächstumsfreudigkeit unterstützen, das Zudecken über Nacht, wenn Kälte droht, Eine Schachfigur im Pariser Louvre. Nachdruck verboten. Seit einigen Jahren wendet man der Elfenbeinsammlung, welche sich im Louvre befindet, große Aufmerksamkeit zu und vergrößert dieselbe soviel als möglich durch neue Stücke, die sich durch ein besonders historisches und künstlerisches Interesse auszeichnen. In letzter Zeit nun ist es ein Schachbauer aus massivem Elfenbein und von, wenigstens nach den heutigen Begriffen, ganz erstaunlichem Umfange, durch welche diese Sammlung bereichert worden es erhalten. Man säet Tomaten, Gurken, Melonen zum Auspflanzen für später in Töpfe;. auch! Buschbohnen liefern, wenn man sie im Mai als Pflanzen aussetzen kann, sehr früh und vor allem wertvolle Erträge. Im Obstgarten meldet sich der Star; Drosseln verschiedener Art, Bergfinken, Hänflinge durchstreifen ihn, Bachstelzen, Rotkehlchen kehren zurück. Sie helfen uns den letzten Rest des überwinterten Ungeziefers aufs Korn nehmen, und zeigen uns immerfort emsig zu fein. Roch können wir ohne große Mühe Goldaster, Ringelspinner und Schwammspinner ablesen lassen; in kurzer Zeit hat ein Heer von Räupchen sich über den ganzen Baum verteilt! Es gilt noch zu pflanzen, Obstbäume aller Art, Beerensträucher, Haselnüsse, Erdbeeren; es gilt noch zu veredeln, wo undankbare Sorten die Lust am Obstbau verderben wollen; es gilt auch im Obstgarten zu düngen, zu graben. Kalk, Thomasmehl sind wichtige Düngerarten für den Obstgarten. Der Baumschnitt soll durchgeführt werden, das Auslichten eine Hauptrolle einnehmen. Weinstöcke werden von der Bedeckung befreit, blühende Pfirsiche und Aprikosen durch Vorhängen von Matten gegen eventuelle Nachtfröste geschützt. Der Blumengarten schmückt sich. Osterblumen, Primeln, Anemonen, Maßliebchen, Seidelbast schenken ihm ihre Blüten und sind zum Teil so anspruchslos, daß wir sie während der Blüte pflanzen können, wenn sie bislang noch fehlten. Durch das Pflanzen anderer Stauden und Ziersträucher wird für den späteren Flor gesorgt. Die Blumenbeete und Blumenrabatten verlangen kräftige Düngung mit Kompost oder verrottetem Mist; Aussaaten von Kornblumen, wohlriechenden Wicken, Lupinen, Reseda, Gartenmohn werden gemacht; die Einfassungen und Rasenkanten nehmen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Der Rasen wird ausgeharkt, mit Kompost überstreut, dem tüchtig Kainit beigemischt ist. Die Rosen legen wir frei, schneiden sie und decken sie dann mit Tannenreisig wieder zu, damit die Nachtstöste und grelles Sonnenlicht ihnen nicht schaden. Die Pflanzung von Rosen ist sehr entpfehlenswert. Frisch gepflanzte werden niedergelegt und mit Tannenreisig oder Erde bedeckt, damit sie besser anwachsen. Alles Gepflanzte ist tüchtig anzugießen. Man vergesse nicht das Anbinden der Ranken an den Lauben und Veranden. Im Zimmer atmen die Pflanzen auf. Sie bekommen wieder mehr Sonne, weniger Heizwärme, das macht sie gesunder. Das giebt aber auch uns Erfolge beim Steckling- machen, Verpflanzen, Zerteilen, kurz bei all den Arbeiten, welche wir vornehmen müssen, um unseren Pflanzenschatz zu vermehren und zu regenerieren. Stecklinge können wir machen von Fuchsien, Heliotrop, Myrte, Pelargonien, Coleus, Gummibaum, auch vom Philodendron und vom Drachenbaum. Sie werden freudig Wurzeln machen, wenn wir es verstehen, den Eigentümlichkeiten der einzelnen Pflanzen gerecht zu werden. Man soll mit dem Zerstäuber in der Hand kultivieren. Das öftere Ueberstäuben mit lauwarmem Wasser hält das Ungeziefer ab, weil es die Pflanzen kräftigt. Auch Schatten ist bei grellem Sonnenlicht zu geben, insbesondere den jungen Aussaaten und jungen Stecklingen. Knollenbegonien, Gloxinien sangen an zu treiben, wollen umgepflanzt sein; erstere lassen sich zerschneiden und auf diese Weise vermehren. So muß man überall darauf sehen, daß das Leben, welches der nahende Frühling in Bewegung setzt, unterstützt werde, aber auch darauf achten, daß nicht durch guten Willen in vorwitziger Eile der zarte Drieb argen Schädigungen ausgesetzt ist. I. C. Gch m id t-Erfurt. - iäe — iji Der BMsr Mt hi« Horm «ines viereckigen Blocks, öifftn obere Seite obeliskenartig ausgehl. Das Stück wurde in Frankreich gefunden, stammt aber wahrscheinlich aus Spanien und zwar der ziemlich roh ausgeführten Arbeit zufolge wohl aus dem zwölften Jahrhundert. Auf einer der Hauptseiten ist eine Kriegerszene dargestellt. Zwei Ritter in Harnisch und Visier stürzen sich mit vorgehal-- tenem Schild und erhobener Lanze aufeinander. Die gegenüberliegende Seite zeigt Adam und Eva im Paradiese und daher auch im paradiesischen Kostüm. Selbst das Feigenblatt fehlt, denn die ersten Menschen sind eben erst im Begriff, vom Apfel der Erkenntnis zu essen. Adam führt einen Apfel zum Munde, während Eva einen zweiten vom Baum pflückt und — was jedenfalls der Ueberlieferung nicht entspricht — einen dritten der Schlange anbietet, die um den Stamm des Baumes gerollt ist und weit das Maul öffnet, um die Frucht zu empfangen. Auf den beiden anderen Flächen des Stückes erblickt man auf der einen Adam, der im Schweiße seines Angesichts sein Brot gewinnt, auf der andern Eva, Wolle spinnend. Die obere Seite endlich ist mit zwei Tieren verziert, in denen wohl »in Wolf und ein Eber zu erkennen sind. Schon die Beschreibung dieser komplizierten Ausschmückungen des Bauern läßt beurteilen, daß man es hier nicht mit einer der kleinen Figuren zu thun haben kann, an die wir heutzutage gewöhnt sind. In der That ist derselbe auch 6 Ctm. hoch, 6 Ctm. und 7 Mm. breit und 1 Ctm. 3 Mm. dick. Man kann sich daraus ein Bild machen, wie umfangreich Turm und Springer und gar König und Königin gewesen sein müssen. Ein Schachspiel aus Elfenbein galt aber auch im Mittelalter als ein wertvoller Besitz, der sich vom Vorfahr auf späte Enkel vererbte, ja manchmal diente es als eine mörderische Waffe, und es wird erzählt, daß Johann ohne Land, der Bruder von Richard Löwenherz, ein Spiel einem Ritter an den Kopf warf und ihn damit tötete. Es war also gefährlich in jenen Zeiten, einem passionierten, erregbaren Schachspieler gegenüber zu sitzen; auch von diesem Standpunkt aus betrachtet sind also unsere heutigen, weniger umfänglichen Schachspiele vorzuziehen, wenn sie auch weniger kostbar sind, als dasjenige, zu dem der beschriebene Bauer gehört haben muß, der noch Spuren von Vergoldung aufweist und doch jedenfalls eines der am wenigsten reich verzierten Stücke gewesen ist. GsM-iMMÄtzigrs» Gesundheitspflege. Heiserkeit und leichte Erkältung, vonmckn- cheM wenig beachtet, find oft Vorboten schlimmerer Ereignisse; denn sie bergen ganz gefährliche Keime dauernder schwerer Leiden. Wer diesen rechtzeitig vorbeugt, der thüt wohl daran. Zu den wirklich wirksamen Borbeugungsmitteln gehört eine gute Tasse Fleischbrühe, leicht und rasch hergestellt aus allgemein bekannte Art aus Liebigs Fleisch-Extrakt (nur echt, wenn Liebigs Namenszug tn blauer Schrift quer durch die Etikette). Wer dies erwärmende, zugleich wohlschmeckende und erquickende Getränk zu geeigneter Zeit zu sich nimmt, der stärkt und kräftigt den Körper zur Ertragung winterlicher Strapazen,, sodaß er dem Einflüsse rauher Witterung zu widerstehen K.fähigt ist. Aür die Küche. RindSrouladeri mit Spinat. Man schneidet vom Rostbvatenstück — auch aus mürbegelegener Keule — kleinfingerdicke Schnitten, schlägt sie mit schwerem Messer etwas platt, salzt und pfeffert sie, spickt sie außen und bestreut sie innen mit feingeschnittener Zwiebel und Peter- sine, rollt sie zusammen und umwickelt sre mit Garn. Läßt sie auf dem Feuer erst rings herum schöne Farbe nehmen, und dämpft sie dann in zugedecktem Gefäße saftig weich, hie und da etwas Wasser zusetzend. Inzwischen bereitet man den Spinat, legt die Rouladen beim Anrichten um das Gemüse, und gießt den Bratsaft, mit einigen Tropfen Maggi verfeinert, über das Ganze. HrrinopWsches. Anzüglich. Junger Doktor: „Ach, mir ist heute ein Patient gestorben!" — „Das ist allerdings bitter, wenn Sie gleich die Hälfte Ihrer Patienten mit einem Male verlieren!" Ans dem Examen. Professor: „Run, wonach müssen Sie sich in erster Linie bei jedem Patienten erkundigen?" — Kandidat: „Nach den Bermögensverhältniffen." Komische Bermniung. Karlchen: „Sage 'mal, Emil: was sind denn das für Soldaten?" — Emil: „DaS find Eisenbahner." — Karlchen: „Aber der trägt ja Sporen." — Emil: „Na, der wird dann wohl von der Pferdeeisenbahn fein." Literarisches. „Wie erwerbe, verwalte und vermehre ich ein kleines Vermögen?" Unter diesem Titel hat die Verlagsbuchhandlung von E. Heinrich, Dresden-Neustadt, ein Büchlein erscheinen lassen, das weiteste Empfehlung verdient. Es ist nicht von einem Fachmann, sondern von einem Laien geschrieben, dessen Erfahrungen aus diesem Gebiete auch anderen von Nutzen jein dürften. Von anderen, unter ähnlich klingendem Namen erschienenen Broschüren hebt es sich in wohlthuender Weise ab. In demselben werden so gesunde Grundsätze ausgesprochen, daß die kleine Ausgabe für diesen Ratgeber (60 Pfg.) als eine wohlangebrachte zu bezeichnen ist. Der Verfasser rät in der Einleitung zu Sparsamkeit und Ordnung, sowie zum Maßhalten im Genüsse an und wendet sich weniger an die Reichen, für welche andere Gesichtspunkte maßgebend sein mögen, als an den sogenannten Mittelstand, zu dem der Verfasser Beamte, besser bezahlte Arbeiter, Handwerker, Kaufleute, Besitzer kleiner ländlicher Anwesen und kleine Rentner zählt. Weiter werden in dem Büchlein Mitteilungen über Spar- und Depositenkaffen, Versicherungen und Wertpapiere, sowie über die Verwaltung einer kleinen Vermögens gemacht. Laforest, Dubut de, „Die Rächerin," Pariser Sittenroman. Deutsch von Ludwig Wechsler; Preis 3 Mk., Verlag O. Gracklauer, Leipzig. In scharf umrissenen Linien zeichnet Laforest in seinem Roman „Die Rächerin" gewisse Kreise der höchsten Pariser Aristokratie. Der Inhalt des Buches läßt sich in wenig Worten zusammenstellen: Eine von ihrem Vetter auf den Weg der Schande getriebene junge Dame wird dessen Geliebte, um sich an ihm für sein Bubenstück zu rächen, indem sie ihn total ruiniert. „Die Rächerin" von L. Wechsler in bekannter Weise vorzüglich übertragen, ist eine gewaltige Anklageschrift gegen gewisse Sittengesetze und Vorurteile der besseren Gesellschaft, die leider teilweise auch bei uns herrschend sind, und kann deshalb die Lektüre des Buches vorurteilslosen Lesern nur empfohlen werden. Kreuzrätsel. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a, e c, e e e e e e e e, f f, h h, i i i i i k k k k, l l l l, n n n n, p p, rr, ssSsss derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Wohlschmeckende Frucht. 2. Deutsches Land. 3. Bezeichnung ans der Litteraturgeschichte. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Licht, Gicht. Auflösung des Preisrätsels in Nr 28: .... Würdest du dem ärmsten Bettler gleich, Bleibt dir ein Freundesherz, so bist du reich; Und wer den höchsten Königsthron gewann ' Und keinen Freund hat, ist ein armer Mann. Badenstedt. Es gingen insgesamt 14 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 9. Einsender: Friedr. Mette, Gießen, Bahnhofstraße 56. Der Preis — „Bucher, Kunstgeschichte" — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen. riedaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Stetndruckerei (Pietsch Erbens in Gießen.