■n «W f rinnermig ist ein guter Wein: Jung s-iust sic dir durch Mark und Bein, Verklärend aber wie Gcisterlnst Schwebt über der alten ihr edler Dust. Ferd. Avenarius. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) XXIX. Eine starke Versuchung. Roberts Onkel, der alte Atword, saß in seiner bchaa- lichen Wohnung, lange vor der gewöhnlichen Stllnde des Geschäftsschlusses. Dann erhob er sich und ging unruhig auf und ab. Während sein Neffe Bücher studiert hatte, hatte er den Neffen studiert, und der ausdauernde Jüngling hatte in dem kinderlosen Mann etwas wie Sohnes- liebe erweckt. Wenn der Junge nur mein wäre, ich wollte einen Mann aus ihm machen! murrte er. Ich will es auch thun • denn er hat die richtige Atwordsche Art und mehr Geistes- gaben, als wir alle. Sein Vater ist schlau, aber engherzig • er versteht nur, jeden Groschen aus dieser steinigen Farm herauszukratzen und aufzusparen. Ich bin auch nicht viel besser, aber dieser Bursche ist ein neuer Schößling in der Familie, und wenn er keinen Unsinn macht, kann er es weit bringen. Ein Advokat kann die höchsten Spitzen erklimmen, wenn er Verstand und eine geläufige Zunge hat. Mit dem Selbstvertrauen aller erfolgreichen, aber engherzigen Leute glaubte er sich vollkommen befähigt, dem jungen Manne in jeder Beziehung zu raten, hielt dies aber auch für unumgänglich notwendig zuni Erfolg. Aber er hatte einen großen Widerwillen gegen „arme Teufel" und dergleichen. Was hat er mit diesem Volk zu schaffen? hatte er damals gebrummt, als Robert den kranken Mann vom Dampfschiff nach Hause gebracht hatte, aber es kam ihm nicht in den Sinn, daß das mehr als eine vorübergehende Bekanntschaft sei. Aber nachdem Roberts Vater von dem Verkehr seines Sohnes bei Howell gehört und seinem Bruder darüber geschrieben hatte, war der Verdacht des Onkels erwacht und er hatte seiner Frau alles mitgeteilt. Sie war eine gutmütige Frau und entzückt über Roberts Auftreten vor dem Polizeigericht, aber auch sie hatte etwas von dem Abscheu ihres Mannes gegen „armes Volk". Ich muß mit Dir sprechen, sagte der Onkel nach kurzem Gruß zu Robert. Setze Dich dahin, wo ich Dich ansehen kann. Ich liebe nicht, viele Worte zu machen, setzte er freundlich hinzu, denn Roberts schuldlose und furchtlose Mrene entwaffnete ihn. Wenn der junge Mann eine Andeutung von dem erhält, was ich für ihn thun will, so wird er zur Vernunft kommen, dachte er. Wo warst Du heute abend und heute morgen? Robert erzählte kurz den ganzen Vorfall. Es ist zum erstenmal, daß ich zu spät ins Geschäft gekommen bin, Onkel. Der Onkel hörte ihn ohne Unterbrechung an. Es freut mich natürlich, daß Du das Mädchen frei bekommen hast, und es schadet auch nichts, wenn Du ein klein wenig in den Gerichtssaal hineinsiehst, da Du Advokat werden willst, aber nun halte Dich zurück von diesen Leuten. Du wirst wohl wissen, was Howell für ein Mann ist? Ja, aber Du weißt nicht, was für eine Frau sie ist. _ Nun ja, sre ist seine Frau, und das Mädchen ist seine Tochter, und sie sind so arm wie die Kirchenmäuse. Das ist keine Schande, bemerkte Robert. Es sieht aus, als ob Du in das Mädchen verliebt fereft und im Begriff wärest, Narrheiten zu machen Robert erbleichte. Onkel, bin ich Dir jemals mit Mißachtung begegnet^ fragte er. Gewiß nicht, Du hattest auch keinen Grund dazu. Mit einigem Recht kann ich also fragen, warum Du mich mit solcher Mißachtung behandelst? ' Der alte Atword war etwas verdutzt durch diese Frage, die er aber mißverstand. Nun ja, sagte er lachend, ich habe wohl unnötig Ge- chenster gesehen. Du bist zu vernünftig, um Dich mit solchen Leuten einzulassen. Siehst Du Robert, ich will offen gegen Dich sein, und dann werden wir einander verstehen. Du weißt, ich habe keine Kinder und im Geschäft einen hübschen Groschen erspart. Als Du kamst, dachte ich, Du wärest em unruhiger Bursche, der sich nur einmal die Stadt an,ehen wolle, und nahm Dich auf, um Dich vor Mißgeschick zu bewahren. Aber ich sehe, ich habe mich geirrt; Du hast den richtigen Stoff in Dir, und wenn Du in mein Alter kommst, wirst Du vielleicht eine hohe Stellung erreicht haben. Dazu will ich Dir helfen. Aber höre mich an, mein Junge! Ein Mann, der in diesen Zeiten vorwärts kommen will, muß seinen eigenen Weg verfolgen und darf sich nicht mit einem solchen armen Volk verwickeln. Dergleichen muß er wie die Pestilenz fürchten. Schließe Dich an die Glücklichen und an die Starken an, so werden sie Dir vorwärts helfen. Willst Du meinem Rat folgen, so werde ich Dir thatkräftig beistehen. Du sollst die Universität besuchen, und es soll Dir nicht an Geld fehlen. 74 Wenn Du dreißig Jahre alt bist, kannst Du eine reiche Erbin heiraten, aber von solchem Volk und Ladenmädchen darf keine Rede mehr sein. Das Mädchen mag ja unschuldig gewesen sein an dem Vergehen, aber Du mußt Dich von solchen Leuten fernhalten, sonst klammern sie sich an Dich. an. Ich habe alles überlegt. Du sollst den Namen Atword zu höheren, Ehren bringen, als mir mit all meinem Geld möglich ist. Robert war tiefbewegt; denn er hatte keine Ahnung, daß sein Onkel so weitreichende Pläne für seine Zukunft hegte. Wenn ihm auch die kalte Selbstsucht in dem Programm mißfiel, so war doch sein starker Ehrgeiz lebhaft erregt. Er wußte, daß das keine leeren Hoffnungen seien und daß sein Glück gemacht war, wenn er sich dem Onkel fügte. Mildred liebt Dich nicht und wird Dich niemals lieben; selbst jetzt, ivo Du so viel für sie gethan hast, schreckt ihr Herz vor Dir zurück, flüsterte sein Ehrgeiz. Warum solltest Du solche Aussichten ihretwegen wegwerfen, während sie einen andern liebt? Und wenn Du dem Onkel nachgiebst, so kannst Du mehr für die Familie thun, als Du jemals dachtest. Es war wirklich die größte Versuchung seines Lebens, und er schwankte. Onkel, sagte er unschlüssig. Du hast mir wirklich verlockende Aussichten eröffnet, und ich danke Dir für Deine väterlichen Gesinnungen gegen mich. Da Du so offen bist, will auch ich aufrichtig sein. Er erzählte ihm ausführlich alle seine Beziehungen zu Howells und versuchte, den alten, erfahrenen Kaufmann zu überzeugen, daß sie nicht gewöhnliche Leute seien. — Sie sind sehr gefährliche Leute, unterbrach ihn der Alte ungeduldig. Was Du von dem Mädchen sagst, ist reiner Unsinn, sie würde Dich morgen heiraten, wenn sie könnte. Solche Leute denken nur daran, sich aus den Schlingen zu retten, in die sie gefallen sind. Ich sage Dir, das ist die gefährlichste Sorte von Menfchen! Also höre mich an, junger Mensch! Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet und habe ein Recht darauf, meine Bedingungen zu stellen. Ich habe niemals spekuliert, und heute bin ich eine halbe Million wert, Robert, hahaha! Doch das bleibt unter uns! Aber nun merke Dir, Du mußt diese Leute aufgeben! Dein Vater und Deine Mutter sind derselben Ansicht, und es ist Deine Sohnespflicht, zu gehorchen. Also versprich mir das mit dem Worte eines Atword! Robert war kein Heiliger, und Selbstverleugnung war ihm nicht angeboren. Er besaß auch Atwordsche Charaktereigenschaften in genügendeni Maße, um die Beweiskraft der Gründe seines Onkels zu erkennen. Seine Anerbietungen führten ihn in schwere Versuchung. Dann aber erschien das bleiche Gesicht von Frau Howell, welche zu ihm mit Vertrauen und Dankbarkeit aufsah. Er erinnerte sich an das Versprechen, das er Bella gegeben hatte, ihr ein schützender Bruder zu sein, und dann erinnerte er sich der Worte, die er zu Mildred gesprochen hatte: Ich bin Ihr Freund, zweifeln Sie nie daran! Wie falsch hätte er erscheinen müssen. Eine Zeit lang herrschte ein schrecklicher Kamps in seiner Brust, während er mit langen Schritten durchs Zimmer ging. Sein Onkel beobachtete ihn neugierig und mit einfältigem Erstaunen darüber, daß er überhaupt schwanken konnte. Robert kämpfte wie ein echter Atword. Er war seinem Onkel ähnlicher, als der alte Kaufmann je geglaubt hatte. Sein Ehrgeiz dürstete nach Macht und Ehren, aber man verlangte, er solle seine Ehre und seine Liebe zum Opfer bringen. Mußte nicht Mildred, so arm und niedergedrückt sie war, ihn verachten, wenn er jetzt nachgab? Nicht durch ritterliche Antriebe und Vorstellungen, sondern durch das langsame, bedächtige Nachsinnen einer kaltblütigen Rasse kam er nun zu einem Entschluß. Was meintest Du damit, Onkel, fragte er ruhig, mit dem Worte eines Atword? Das mußtest Du wissen. Seit Generationen lebt unsere Familie auf den Granithügeln von Forestville, und obgleich wir arm waren, galt doch immer unser Wort wie eine Verschreibung. Das höre ich gerne, erwiderte der Neffe. Nun, mein Wort ist bereits gegeben, ich habe dieser schwergeprüften Frau versprochen, ihr beizustehen, ich habe ihrer Tochter Bella versprochen, ihr ein Bruder zu sein, tch habe dem Mädchen, das ich liebe, versprochen, wenigstens ehr ein Freund zu sein, wenn ich ihr nicht mehr sein könne. Ich werde mich als ein wahrer Atword bewähren, der wert ist, den Namen und und die Ehre der Familie aufrecht zn erhalten, indem ich meine Versprechungen halte. Wenn rch sie brechen würde, so würdest Du selbst tief in Demem Herzen mich verachten. Einen Augenblick war der alte Kaufmann verdutzt über die geschickte Weise, wie Robert seine Worte gegen ihn gewendet hatte, dann aber wurde er plötzlich ärgerlich, wie die meisten Leute, wenn sie sich in eine falsche «Stellung gebracht sehen. . Unsinn! rief er. Das paßt hier gar ntcht. Dre;e schlauen Weiber haben Dich eingefangen; ich kenne bie Welt! Das ist alles Wahnsinn, und ich sage Dir offen, Du mußt zwischen mir und diesem Volk wählen! Wenn Du Dich durch solchen Unsinn leiten läßt, so bist Du schwächer als Wasser, und je früher Dich die bittere Erfahrung lehrt, desto besser, denn Du gehörst zu den Leuten, welche nur durch harte Ersahrung belehrt werden können. Aber ich möchte nur diese dreisten Kreaturen sehen und ihnen die Meinung — Halt! donnerte Robert. Nimm Dich in acht, noch ein Wort gegen diese Familie zu sagen, welche das Unglück geheiligt machen sollte! Du weißt weniger von ihnen, als vom Himmel! Hast Du vergessen, daß ich mündrg bm? Du hast mir ein Anerbieten gemacht, und ich danke ®ir ehrlich dafür, ja, ich war sogar niedrig genug, mich dadurch in Versuchung führen zu lassen. O ja, lachte er bitter, ich war Atword genug dazu. Hättest Du nicht die Bedingung gestellt, daß ich wie ein Feigling Hilflose und Unglückliche verlassen sollte, denen ich mein Wort gegeben habe, so würde ich Deine ehrgeizigen Hoffnungen erfüllt und Dein Alter durch meine dankbare Liebe erheitert haben. In Deiner Kaltherzigkeit aber hast Du Dich selbst übertroffen und thust Dir selbst mehr Leid an, als mir, wenn ich auch auf der Straße untergehen sollte. Aber ich werde nicht verhungern, denke an meine Worte! Ich werde den Namen Atword höher bringen, als Du mit all Deinem Gelde vermagst, und werde nicht gebrochene Treue zur Grundlage meines Glückes machen! Nun gut, erwiderte der Onkel äußerlich ruhig, aber in heißglühendem Zorn, da Du dieses nichtswürdige Volk Deiner Familie vorziehst, so gehe zu ihnen!'Ich wasche meine Hände in Unschuld und werde heute Deinem Vater darüber schreiben. Frau HoweL und ihre Töchter sind kein nichtswürdiges Volk, nicht mehr, als Du selbst. Ich kenne die Pflicht gegen meine Eltern und werde sie erfüllen, ich werde ihnen auch schreiben. Kann ich hier noch eine Nacht zubringen oder soll ich auf der Stelle gehen? O, Du kannst bleiben, sonst würdest Du bald in derselben Zelle stecken, in der Dein Ideal die letzte Nacht zugebracht hat, erwiderte der Onkel, dessen Wut alle Grenzen überschritt. Diese Worte sind brutal, sagte Robert scharf und nach ruhiger Ueberlegung wirst Du Dich ihrer schämen. Damit verließ er das Haus und schlug die Thüre hinter sich zu. Der alte Kaufmann sank in einen Stuhl und zttterte vor Wut und Kummer. Er bedauerte die Worte, sobald er sie ausgesprochen hatte, und selbst in seiner Erregung machte sich ein gewisser, rauher Sinn für Gerechtigkeit fühlbar. Er gestand sich ein, daß sein Neffe seinem Gefühl für Recht und Ehre treu geblieben war, wenn er auch natürlich ein ausgemachter Narr war. Der Gedanke quälte ihn. Da Robert diesem Volk so treu ist, würde er mir auch ebenso treu gewesen sein. Jetzt aber hatte er Worte gesprochen, welche seines Bruders Sohn um Mitternacht aus dem Hause jagten. Stöhnend und mit einem Fluch', beschloß er, heute abend nicht zu schreiben und abzuwarten, wie er am andern Morgen denken werde. Sein Neffe hatte sich als ein ebensolcher Barbar erwiesen, als er selbst. Jetzt erinnerte er sich daran, daß Robert durch sein heißes, junges Blut etwas entschuldigt war und ein Recht besaß, sein Anerbieten anzunehmen oder zurückzuweisen, — wenn er ein solcher Narr sein konnte, — ohne dafür beleidigt zu werden. 75 -Nach einer traurigen Nacht fand er auf seinem Früh- stücksttsch ernen kurzen Brief von Robert, welcher schrieb er werde tn ein oder zwei Tagen angeben, wohin seine Sachen zu senden seren, sowie der Teil seines Gehalts, den er noch nicht erhoben hatte. ; att£ Niann zog die Stirn zusammen, sein Stolz nnd ferne Hartnackrgkert waren wieder erwacht 3 Fortsetzung folgt. Vom Hund auf den Esel. (Eine Tierschutz - Skizze.) Nachdruck verboten. Wort, dessen Herkunft ich nicht ermitteln kann, dessen Srnn aber jedenfalls allen klar ist, sagt: „Vom TJP s aUf ®*e ' auf den Hund und vom Hund auf den Schwanz kommen". Dabei gerät man immer werter nach unten. Anders im neuen Jahrhundert. Wir wollen wieder nach oben streben, wenn's auch nicht gleich 6'!^ überall die elektrische Kraft zur Fortbewegung zu be- r^r ‘U» h’-tr Veranlassung einiger rüh- schutzvererne versuchen, aus menschlichem Mit- gefnhl den Zughund von seinem schwierigen Amt zu be- Rüraers^/n"i den Esel zn ersetzen. Die Bremer Bürgerschaft hat rn einer ihrer letzten Sitzungen bewiesen, tzr bte neue Aufgabe der Esel (d. h. .der vierbeinigen volles Verständnis hat, sie hat auf Antrag des Herrn ^"rsltzers vom Bremer Tierschutzverein, Leschlosssen, daß das Weggeld für Eselfuhrwerke ganz weg-, fallen 1 oll. ^n der Sitzung sollen auch Worte gefallen sein wie die, daß iman vielchEinnahmeni haben würde, wenn Man für die zweibeinigen Esel Abgaben erhöbe. In einer schäft, wo so viele ernste Dinge besprochen, so manche tiocEenen Vorlagen erledigt werden müssen, kann man es niemand verargen, wenn er einmal die Gelegenheit beim faßt, und sich einen netten Kalauer gestattet. , ^as Thema vom Esel hätte überhaupt bei dieser Gelegenheit sehr fruchtbringend sein können, ein gewandter Redner, dem der Schalk im Nacken sitzt, hätte es weidlich auvbeuten können unter der dankbaren Heiterkeit seiner Zuhörer. Die „Verwechselungen" dabei sind sehr leicht möglich. Wenn wir z. B. wünschen, daß bald schon recht viele Esel tn unserer Stadt Herumlaufen möchten, dann 'mag mancher glauben, wir wollten die Leser aufziehen wir wollten uns einen faulen Witz erlauben. Und doch so. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, daß die „sprichwörtliche Dummheit" des Grautiers auf keinen unserer Einwohner jemals anwendbar ist. Andererseits behaupten wir geradezu, daß die „sprichwörtliche Dummheit" des Esels ein Wahn ist. Unter jeder Gattung lebender Wesen giebt es weniger entwickelte Geschöpfe, also auch unter den Eseln. Mer diese sind längst nicht so dumm, wie man allgemein glaubt, und wir haben allen Ernstes vor, die Ehre des (vierbeinigen) Esels zu retten, schon im Interesse gedachter Bestrebungen des Tierschutz-Vereins und zur Bekämpfung der Unsitte, den Hund als Zugtier zu benutzen. Wenn es im Laufe der Zeiten dumme, unnütze Esel gegeben hat, so müssen die Esel zur Zeit des mesopotamischen Propheten Bileam noch für kluge Tiere gegolten haben; sonst Hütte die Ueberlieferung nicht behauptet, daß Bileams Eselin viel verständiger gewesen sei, als der Prophet selbst. Und wenn man die munteren hübschen Esel sieht, welche jetzt des öfteren auf den bremischen Straßen Fuhrwerke ziehen, dann kommt man zu der Gnsicht, daß die „Rasse" ausschlaggebend ist, und daß der „dumme" Esel einer verkümmerten Gattung angehört. Im Orient z. B., wo die Esel als Haustiere sehr geschätzt sind, wo man sie auch zum Reiten benutzt, geben sie sich lebendig und geschmeidig. . Es ist das ungünstige Klima, auch wohl Vernachlässigung in der Pflege, welche die in nördlichen Ländern lebenden Esel verstockt und faul gemacht hat. Die in «ihren Ursprungsländern, in Asien und Afrika leberiden wilden Esel gar sind äußerst kluge, behende und tapfere Tiere, besonders die in Südafrika, dort sind sie ja selbst im gezähmten Zustande noch so klug, daß sie den Engländern ausgerissen, und mit den Kanonen ins Burenlager übergegangen sind, weil sie mit der Sache von John Bull micht sympathisierten. Wenn also manche Besitzer kleiner Fuhrwerke sich ge- meren, mit einem Esel dahinzufahren, zumeist wohl, weil diesen Tieren die Dummheit sprichwörtlich anhaftet, und sie sich mit den so oft verspotteten Tieren nicht gern sehen lassen wollen, so ist das völlig verkehrt und ungerecht. Die von Tierschutzvereinen eingeführten Esel geben an ihrer Klugheit kaum den Pferden etwas nach. Es handelt sich nicht um die sogenannten französischen oder italienischen Esel, welche sich für Deutschland nicht eignen. Aber die z. B. vom Bremer Tierschutzverein eingeführten Esel sind das nordische Klima gewöhnt, sie stammen aus Schottland und sind durch geschickte.Zucht und sorgsame Pflege die kräftigen, an kleine Pferde erinnernden Tiere geworden, die jetzt einen so freundlichen Anblick vor ihren kleinen Fuhrwerken auf der Straße gewähren. In England ist ebenso wie in Amerika die Benutzung des Hundes als Zugtier vernünftigerweise verboten, und dort versehen zahlreiche Esel dieselben Dienste, welche bei uns in Deutschland und auch in Bremen die Zughunde verrichten müssen. In Deutschland sind die Städte Leipzig, Berlin, Hamburg, Wiesbaden iinb Bremen' «mit der Einführung der ischottischen Zugesel vorangegangen. Der Bremer Tierschutzverein hat bereits 20 Esel verkauft. Ein Tier stellt sich je nach Größe und Alter auf 85—100 Mark. Wagen und Geschirr können a,uf Wunsch ebenfalls billig geliefert werden. Die Futterkosten betragen höchstens 55 Pfg. pro Tag. In etwa zwei Wochen wird wieder ein größerer Transport Esel in Bremen eintreffen. Interessant ist auch die Nachricht, daß bereits der Berliner Tierschutzverein eine eigene Eselzüchterei eingerichtet hat. Der Bremer Tierschvtzverein erleichtert durch günstige Zahlungsbedingungen die Beschaffung der Tiere. Der genügsame Esel ist schon mit der Unterbringung in einem trockenen Kellerraum zufrieden. Eine kleine Stallung wird aber zumeist leicht für ihn herzurichten sein. Der Esel verzehrt etwa 10 Pfund Heu uni) 2 Pfund Häcksel täglich, doch nimmt er auch sehr gern Abfälle, Kartoffelschaalen, Grünzeug, altes Brod u. s. w. Zwei bis dreimal muß er wöchentlich geputzt und gestriegelt werden. Wer sich an seine Wartung gewöhnt hat, findet bald, daß sie weniger Mühe macht, als die des Hundes. Die Arbeitsleistung des Esels überbietet die des Hundes um das Drei- bis Vierfache. Dabei kann ersterer zwanzig Jahre dienen, während letzterer oft schon nach einigen Jahren dahin ist. Krankheiten und Hufschüden kennt der schottische Esel kaum, Hitze und Kälte können ihm nichts anhaben. Er mich, allerdings beschlagen werden, ist dafür aber auch nicht dienstuntauglich wie so oft der Hund, wenn er fußkrank ist. Nicht unerwähnt bleibe, daß Eselsmilch, die vielfach zu Heilzwecken benutzt wird, durchschnittlich 3 Mark pro Liter einbringt, daß der Dung des Esels nicht wertlos ist, und daß der Roßschlachter für das Tier noch immer 15 bis 25 Mark bezahlt, während der untauglich gewordene Zughund keinen Wert mehr hat. Nimmt man alles zusammen, so stellt sich schließlich der Esel billiger als der Hund. Also von der rein praktischen Seite aus muß schon der Esel den Vorzug vor dem Hunde verdienen. Nun kommt aber das wesentliche Moment: Die Benutzung des Hundes als Zugtier läuft auf grausame Tierquälerei hinauch wenn auch die wenigsten Besitzer ahnen mögen, wie viele Leiden der arme Hund vor dem Wagen durchzumachen hat. Der Hund ist von Haus aus nicht zum Zugtier geeignet, sein ganzes Wesen widerspricht dem. Seine weiche, vielteilige, zwischen den Zehen nur durch eine zarte Haut gedeckte Pfote kann nicht beschlagen werden, sie leidet furchtbar z. B. auf festgefrorenem Boden, im Schneeschmutz u. s. w. ie entzündet sich leicht. Während die Zugtiere, wie Pferd ilnd Esel, ein starres, kräftiges Rückgrat besitzen, ist das des Hundes beweglich und schwach. Seine Beinknochen ind niemals kräftig genug zum Ziehen, sein Lauf geht mehr nach der Seite, sodaß er gar nicht die ganze Körperkraft in der Zugrichtung ausnützen kann. Wie elend schaut oft so ein armer Zughund aus. Neulich sah ich einen olchen vor dem Wagen, dessen Führer ins Haus gegangen war, im halbgeschmolzenen «Schnee sitzen, der Körper -zitterte vor Kälte, das arme Tier leckte sich die Pfoten. Der Hund ist ein guter Wächter des Hauses, er ist aber kein Zugtier, vor allen Dingen nicht im Winter, wo der schlechte Zustandi der Straßen ihit furchtbaren Leiden aussetzt. 76 — Mögen alle, die dazu in der Lage sind, mithelfen, daß der Hund als Zugtier bald der Vergangenheit angehört. Mögen die schönen Bestrebungen der Tierschutzvereine überall Anerkennung und Förderung finden. Warum ein armes Tier quälen, wenn dieses mit Aufgebot so geringer Mittel zu vermeiden ist. Für viele Besitzer von Zughunden hat es vielleicht nur an der Belehrung gefehlt, sie haben gar nicht daran gedacht, welche Qualen ost ihr treuer Gewährte zu erleiden hat. Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes. G. Kunoth-Bremen. Eine wirklich praktische P r e i s auf g a b e, die allgemeines Interesse verdient, veröffentlicht in ferner, neuesten Rümmer der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau. „Richt um den Glücklichen, die in der Lage sind, sich in ihrem Garten ein Haus zu bauen, das Denken abzugewöhnen", heißt es, „sondern ihnen Anhaltspunkte zum Vergleich für die eigenen Bedürfnisse zu geben", ist ein Preis von 400 Mark ausgesetzt für den gelungensten Entwurf (Schauansicht, geometrische Zeichnungen, Erlau- terungsbericht und Kostenüberschlag) eines Landhauses riü Garten in einfach bürgerlicher Ausstattung für eine Familie mit drei Kindern. Das Haus — die einzelnen Raume werden angegeben — darf ausschließlich Grund und Boden, guten Baugrund vorausgesetzt, höchstens 15 000 Mart kosten. Wer sich des näheren für die Aufgabe in ter entert, erhält die Nummer mit den genauen Angaben über diese Preis-Aufgabe umsonst von dem Geschäftsamt des praktischen Ratgebers in Frankfurt a. O. zugeschickt. Gesundheitspflege. Haarausfall soll man nach Lady Paget's vielfachen Erfahrungen durch sanftes Peitschen der Kopfhaut mit Brennesseln bekämpfen können. Die Prozedur werd täglich 3—4 mal je eine Minute lang wiederholt und rst keineswegs so schmerzhaft, wie viele glauben. — Die Hauptsache aber bleibt eine entsprechende Pflege des Haares bezw. der Kopfhaut. Das Haar ist kurz zu tragen, um steten Luftzutritt zu ermöglichen, grauen sollten das Haar meist offen tragen, nicht in dichten Zöpfen um den Haarboden herumlegen. Oftmalige milde Waschungen des Kopfes sind Bedingung, ebenso die Vermeidung solcher Kopfbedeckungen, die einen Druck auf die Kopfhaut ausüben und undurchlässig sind (harte Filzhüte, Zylinderhüte). UeberdenMittagsschlaf. Sowohl für Gesunde als für Kranke ist eine größere Bewegung oder eine geistige Anstrengrmg nach dem Essen nicht zu empfehlen. Denn die Natur gebietet uns selbst, wenn auch nicht Schlaf, so doch körperliche und geistige Ruhe. So fühlen sich bte Italiener nach ihrer Siesta sehr wohl. Und schläft nicht der Säugling nach dem Stillen? Ist nicht jedes Tier nach dem Essen geneigt, auszuruhen? Die in dieser Hinsicht gemachten Versuche sprechen auch für die Ruhe nach dem Essen. So hat man mehrere gleich gesunde und genährte Jagdhunde teils nach dem Essen der Ruhe überlassen, teils aber herumgejagt. Bei der nach einer bestimmten Zeit vorgenommen'en Sektion derselben zeigte sich, daß im Magen der ruhig gebliebenen Hunde als vollständig verdaut war, — während im Magen der Hunde, welche herumgelaufen waren die Verdauung kaum begonnen hatte. — Indessen soll aber der nachmittägige Schlaf kurz sein, eine viertel bis eine halbe Stunde dauern; man lege sich nicht horizontal nieder, sondern ruhe bloß int Armstuhl, halbsitzend. Der lange Schlaf verzögert die Verdauung; deshalb ist es gefährlich, sich nach einem reichlichen Abendessen hinzulegen, besonders für jene, welche geistige Getränke genießen. ___________ Literarisches. lieber die Oesterreichisch-Uugarische Frauenbewegung berichtet Frau M. Boßhard van Demerghel in den uns soeben zugehenden Lieferungen (16—28) des „Illustrierte» KonVersationS'Lexikons der Frau" (Verlag von Martin Oldenbourg, Berlin). Die Fraueu- ewegung in der österreichischen Monarchie datiert von 18-18 her. In Wien entstand im August dieses Jahres der „Demokratische Fraueiiverem", dem bald in Prag, Graz und anderen Städten ähnliche Vereinigungen folgten. Aber trotz der lebhaften Anteilnahme der Frauen an den politischen Versammlungen kam Entscheidendes für die Frauenbewegung nicht zu stände. Es folgte die Zeit der Reaktion in der freiere Regungen auch auf dem Gebiete der Frauensrage fehlten. Das Jahr 1859 brachte zwar das neue Gewerbegesetz, das den Frauen Gelegenheit gab, sich an Produktion und Handel direkt zu beteiligen, aber erst den 80er Jahren blieb es Vorbehalten, die allgemeine Zurückhaltung gegenüber der Frauenfrage zu beseitigen. Heute ist Oesterreich au der, die ganze gebildete Welt interesfierenden Bewegung, in hervorragender Weise beteiligt,, ja in Sachen der Frauenbildung und Frauenrechte an erster Stelle zu neunen. Frauen sind in den Kontor-, Post-, Telephon-, Eisenbahn-, und Postsparkassenämtern, sowie in den Schulen; wir finden sie als Geschästs- und Handelsfrauen und vereinzelt selbst schon in gelehrten Berufsarten. Neben dieser meisterhaft geschriebenen Ueberficht über die „Oesterretchisch- Ungarische Frauenbewegung" finden wir in den soeben erschienenen Lieferungen Artikel wie „Nervenkrankheiten", „Nichtigkeit der Ehe", „Nonnen", „Ordensdekorationen für Frauen", „Palmen", Musik tut Hause", ec., welche zeigen, daß auch die Gebiete der Gesundheitspflege der häuslichen und gesellschaftlichen Aufgaben der Frau, und ihre Rechtsstellung nicht vernachlässigt werden. Vorzügliche Textillustratwnen und Tafeln in technisch vollendetem Farbendruck bilden eine wertvolle Beilage. Das „Illustrierte Konversationslexikon der Frau" ist komplett tu zwei geschmackvollen Leinenbänden ä 12,50 Mk. oder in zwei vornehmen Halbfranzbänden ä 14,00 Mk. eventuell auch gegen monatliche Teilzahlungen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, sowie durch die Verlagsbuchhandlung selbst zu beziehen. „Deutscher Soldatrnhort", Illustrierte Zeitschrift für das deutsche Heer und Volk, Herausgeber: General-Leutnant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1,80 Mk. Verlag von Karl Siegis- muud, Hofbuchhändler, Berlin SW., Dessauerstraße 13, XI. Jahrgang, Nr. 10, erschien soeben und enthält: Helene. Erzählung von Hans von Losgar. — Kaisers Geburtstag in Dar-es-Salaam. (Bildertext.) — Der verlorene Sohn. Eine Manöverhumoreske aus dem bayerischen Oberland. Bon Josef Maertl. — Die neue Gruppe der Siegesallee in Berlin. Kurfürst Georg Wilhelm. (Mit Abbildungen.) — Zorndorf. Von Fr Th. Gruß. (Schluß.) — Die englische Deomaury und der Krieg. Bon A. H—g. (Mit Abbildungen.) — Das Internationale Rote Kreuz. Von Kgl. Major z. D. von Strantz. (Schluß.- — Der russische Vormarsch gegen Afghanistan. (Mit Karte.) - Vaterländische Gedenktage. — Neue Bücher. — Vermischtes. — Splitter und Funken. — Rätsel. — Briefkasten. — Inserate. Silbenrätsel. Nachdruck verboten. a, cc, ch, der, di, dar, ein, er, f, h, in, k, le, le, ncr, na, on, rau, pH, ri, sau, je, t, tas, tc. Aus vorstehende» Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben ein gesundes Vergnügen ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Schmackhaftes Gemüse. 2. Einen Baum. 3. Männlichen Vornamen. 4. Sibirischen Fluß. 5. Ansiedlung von farbigen Menschen. 6. Wichtige Erfindung der Neuzeit. 7. Hauswirtschaftlichen Gegenstand. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logognphs in voriger Nummer. Graupe Raupe. Auflösung des Preisrätsels in Nr. 14: 446(222(999(233 999 233(446(222 233 999(222(446 222 446(233(999 Es gingen insgesamt 89 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 19. Einsender: Fräulein Minna Lenz in Klein-Linden, Wetzlarerstraße Nr. 2. Der Preis — „Rheinulbum in Prachtband" — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abounementsguittung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindrucker-i (Pietsch Erben! in Gießen.