W WZ» ^WMD Mitte ent zu glauben ist? Redlicher Freund, das kann ich dir sagen: v* Glaube dem Leben, es lehrt besser als Redner und Buch. Goethe. (Nachdruck verboten.) Geächtet. Roman vonLotharBrenkendors. (Fortsetzung.) Es war seltsam anzuschauen, wie rasch unter dem Einfluß dieser eigenartigen Tröstung die Wolken des Kummers von des Leutnants Antlitz verschwanden. Er hob den schwermütig in die Hände gestützten Kopf wieder frei empor, und wie ein Aufblitzen freudiger Erkenntnis leuchtete es über seine Züge hin. „Bei Gott, Fräulein Charlotte, ich glaube, Sie haben so unrecht nicht! Ja, eine lustige kleine Fran, eine recht ausgelassene und übermütige, das wäre etwas nach meinem Herzen." Auf einen so wunderbar schnellen Erfolg ihres mitleidigen Zuspruchs schien Fräulein Charlotte denn doch nicht gerechnet zu haben. Und die Betroffenheit über den jähen Wechsel seiner Empfindungen spiegelte sich wohl auch deutlich genug in ihrem Gesicht, um Herrn von Kapnist trotz seines geringen physiognomischen Scharfblicks nicht ganz zu entgehen. „Sie müssen durum nicht glauben, daß ich wankelmütig bin", fügte er in seiner beinahe kindlich treuherzigen Weise hinzu. „Ich würde es nach wie vor für eine große Ehre und für ein ganz unverdientes Glück ansehen, wenn das Fräulein von Marschall sich gnädigst herbeiließe, meine Hand anzunehmen. Aber daß sie vielleicht ein wenig zu klug und zu feenhaft-königlich für mich! sein würde, das, ehrlich gestanden, habe ich mir selber auch schon gesagt. Und wenn mir nicht mein Herr Vater eben geschrieben hätte, ich solle mich nach einer konvenablen, Braut umthun —" „Wie? Nur auf- Ihres Vaters Befehl wollen Sie sich Hals über Kops verheiraten, Herr Leutnant?" „Von Befehlen ist da nicht die Rede. Aber michdünkt, er hat so unrecht nicht- Jung gefreit, hat niemand gereut. Und weil ich doch demnächst zu den Kürassieren versetzt werden soll, wo, wie er schreibt, ein lediger Offizier leicht ins lockere Leben und ins Schuldenmachen hineingerateN kann —" „Wie? Sie sollen fort von Küstrin? Und zu den Kürassieren?" „Mein Herr Vater will es so. Er ist in eigener Person bei Seiner Majestät darum vorstellig geworden,, und ich! habe schließlich keinen Grund, mich darüber zu beklagen. Ein paar Monate mögen indes leicht noch ins Land gehen, bevor ich die Ordre erhalte, und bis dahin —" „Bis dahin meinten Sie hier alles ins reine zu bringen? Nun, Sie mögen ja immerhin Ihr Heil versuchen, Herr Leutnant! Ich werde die Erste sein, die Ihnen gratuliert, wenn Ihre Hoffnungen sich dennoch erfüllen." Aber er sprang hastig auf und lugte beinahe ängstlich nach der Richtung, aus der Elisabeth! von Marschall kommen mußte. „Um des Himmels willen nicht, Fräulein Charlotte! Wenn Sie wüßten, welche Angst ich vor dieser Verlobung gehabt habe! Nein, ich bin herzlich froh, daß das nun überstanden ist." Erschrocken hatte sich das junge Mädchen ebenfalls erhoben. „Wie? Sie wollten auf meine bloße Vermutung hin —? Aber es wäre doch! denkbar, daß- Elisabeth trotz alledem anderen Sinnes geworden ist." „Nein, nein, Sie hatten vollkommen recht- Ein Wort aus ihrem Munde ist so gut als ein Schwur. Und, dann, wenn ich nun jetzt einen Korb erhielte, könnte ich doch niemals wieder hierher kommen. Das wäre sehr traurig für mich. Und würde es nicht auch. Ihnen ein klein wenig zu Herzen gehen, Fräulein Charlotte?" „O, ich- — von mir ist hier doch nicht die Rede. Wer wenn Sie wirklich glauben, Herr von Kapnist — und wenn Sie sich! nun doch einmal mit Ihrem Schicksal abgefunden haben —" „So ist es besser, daß ich jetzt verschwinde und morgen wiederkomme, aber nicht auf Freiersfüßen, nicht wahr? Von dem, was heute zwischen uns geredet worden ist, braucht ja keiner was zu erfahren. Wir haben vertraulich miteinander gesprochen wie zwei gute Kameraden. Und gute Kameraden, gelt, Fräulein Charlotte, wollen wir auch künftig bleiben". Er streckte ihr seine Hand entgegen, und sie schlug ein, ohne sich! lange zu bedenken. Dieselbe neckisch^ Fröhlichkeit, mit der sie ihn vorhin empfangen, lachte jetzt wieder auf ihrem reizenden Gesichtchen. „Es ist ein gefährliches Versprechen, Herr Leutnant, das ich Ihnen da gebe; denn ich, könnte dadurch genötigt werden. Sie eines Tages ebenfalls zum Vertrauten meiner Herzensaffairen zu machen. Und ich fürchte, daß es Ihnen nicht so leicht fallen wird, mich! alsdann in meinem Unglück aufzurichten. Bereiten Sie sich nur beizeiten auf diese schwierige Aufgabe vor." Er küßte ihr die Hand, und es war auchj nicht der 438 leiseste Nachklang der eben erlittenen schmerzlichen Enttäuschung mehr in seiner Stimme, da er versicherte: „Zum beredtsamen Tröster mag ich allerdings nur schlecht taugen; aber wenn ich einmal für Sie irgendwo mit der Klinge dreinfahren könnte, bei meiner Ehre, Fräulein Charlotte, das wäre ein Fall, wo Sie auf 'Ihren Kameraden zählen könnten." „Der Himmel bewahre mich vor der Notwendigkeit, mich dieses freundlichen Anerbietens zu bedienen. Aber da in der Ferne sehe ich die Damen kommen. Ueberlegech Sie sich's also zum letzten Male, Herr Leutnant! Noch ist es Zeit." Doch- er war bereits auf dem Sprunge. Mit drei raschen Schritten hatte er das Gartenpförtchen gewonnen, und während er sich eilig nach der anderen Seite hin davon machte, grüßte er noch ein Paarmal mit Augen und Hand nach der Weinlaube zurück, darin sein schöner Heiratsplan soeben ein frühzeitiges Ende gefunden hatte. Sechstes Kapitel. Wohl nur dem Umstande, daß Elisabeth von Marschall und Frau von Menzelius in eine sehr lebhafte; Unterhaltung vertieft waren, hatte es der Fliehende zu danken, daß er ungesehen entschlüpfte. Wie die beiden Damen so Seite an Seite langsam daherkamen, trat die gewaltige Verschiedenheit in ihrer äußeren Erscheinung besonders augenfällig hervor. In den sieben Jahren, die seit ihrer letzten Geschichtslektion bei dem unglücklichen Sixtus von Plothow verflossen waren, hatte sich Elisabeths zierliche Kinderfigur zu einer hohen, schlanken Frauengestalt von wahrhaft klassischer Schönheit entfaltet. Und wenn auch die Linien ihres Antlitzes fast unverändert geblieben waren, so ließen doch der ernste Ausdruck dieser edlen Züge, der milde und doch hoheitsvolle Blick der herrlichen Augen einen ungewöhnlich starken, in schfveren Kümmernissen und Herzenskämpfen früh gereiften Charakter vermuten. ! Daß der Leutnant von Kapnist sie mit einer Fürstin verglichen hatte, und daß er ihr die Macht zutraute, mit einem einzigen gebietenden Blick auch den wildesten Gesellen zu bändigen, konnte keinem als schwärmerische Ueber- schwenglichkeit erscheinen, der den eigenartigen Zauber dieser seltenen Frauennatur einmal hatte auch sich wirken lassen. Es war begreiflich, genug, daß.unter den Offizieren der Küstriner Garnison wie in den vornehmen Beamtenfamilien der Stadt nur mit Ausdrücken begeisterter Verehrung von der verwaisten Tochter des heldenmütigen Generals gesprochen wurde. Frau von Menzelius, deren bescheidenes Haus sich Elisabeth nach! ihres Vaters Tode aus eigener freier Entschließung als eine neue Heimat gewählt hatte, war eine mehr gutmütig und ängstlich als imposant und würdevoll aussehende Dame von vielleicht fünfundvierzig Jahren. Ihre kleine, rundliche Figur nahm sich geradezu drollig aus neben der hohen, königlichen Gestalt ihrer Begleiterin, und die zaghaft demütige Art, wie sie gelegentlich zu Elisabeth emporsah, das bewundernde Erstaunen, das dabei in einem sehr beweglichen Mienenspiel zum Aüsdruck kam, ließen keinen Zweifel, wie hier, dem Altersunterschiede zum Trotz, die Rollen der Beschützerin und der Beschützten in Wahrheit verteilt seien. Charlotte, die den beiden Damen bis an das Gartenpförtchen entgegengeeilt war, begrüßte sowohl die Mutter als die Freundin mit zärtlicher Umarmung. Namentlich an Elisabeths Brust schstniegte sie sich so lange und so innig, daß ein Ohrenzeuge ihrer eben stattgehabten Unterhaltung mit dem Leutnant in dieser liebevollen Ueber- schwenglichkeit sehr Wohl die Regungen -eines schlechten Gewissens hätte vermuten können. Elisabeth aber hegte jedenfalls keinen Argwohn; denn sie strich freundlich liebkosend über das glänzende dunkle Haar der Kleinen und sagte lächelnd: „Haben wir Ach- Wieder zu lange auf unsere Heimkehr warten lassen, Lotte, daß Ar der Zorn so heiße Bäckchen machte? Wie es scheint, hättest Du ja mit dem grauen Gespenst der langen Weile einen recht härten Strauß zu bestehen." Statt aller Antwort küßte Charlotte sie abermals und ging dann mit noch dunkler glühenden Wangen und mit gesenktem Kopf neben der Freundin her in das Haus. Gewiß hätte es sie bald unwiderstehlich getrieben, ein reumütiges Geständnis abzulegen, wenn nicht Frau von Menzelius Verlangen getragen hätte, ihre Unterhaltung mit Elisabeth fortzusetzen. „Und ich bleibe dabei, es ist eine Grausamkeit von dem Könige, eine schreckliche Tyrannei", rief sie aufgeregt, noch ehe sie im Schlafzimmer ihren Hut und ihr seidenes Schultertüchlein abgelegt hatte. „Unschuldige Menschen gegen ihren Willen in diese schauerliche Wildnis zu schicken, wo sie entweder von den Wölfen aufgefressen werden oder eines langsamen Hungertodes sterben müssen! — Der Kaiser Tiberius selbst hätte ja nicht unbarmherziger mit seinen Unterthanen verfahren können." Lächelnd zog Elisabeth die erhitzte kleine Dame neben sich auf das verblichene Sofa nieder. „Etwas mehr Liebe zu feinem Volke, als sie der Kaiser Tiberius besaß, müssen wir unserem König Friedrich doch wohl zugestehen, beste Tante! Die neueste Kabinettsordre mag ein wenig hart sein für uns, die wir unmittelbar davon betroffen werden. Ich mache kein Hehl daraus, daß sie auch mich- im ersten Augenblick gewaltig erschreckt hat. Aber es mag kein anderes Mittel gegeben haben, jenem unglücklichen Landesteil wieder aufzuhelfen, und gerade der Adel soll mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es sich darum handelt, für das Wohl des Ganzen Opfer zu bringen." „Meinetwegen — soweit es die Männer angeht. Aber man soll nicht auch- von schwachen Frauenzimmern verlangen, daß sie sich aus patriotischem Pflichtgefühl mit uncivilisierten Barbaren und hungrigen Wölfen herum- schlageu." Nun konnte Charlotte, die mit wachsendem Erstaunen zugehört hatte, ihre Neugier nicht länger bemeistern. „Mein Gott, das bezieht sich doch nicht etwa auf uns? Sind wir es, die den Barbaren und Wölfen vorgeworfen werden sollen, Elisabeth?" „Allerdings, liebste Lotte! Das heißt — eigentlich gilt es nur mir, und ich mute euch keineswegs zu, diesen schrecklichen Opfertod aus bloßer Freundschaft für Mich, freiwillig auf Euch zu nehmen." „O, das ist selbstverständlich!" erklärte die Kleine mit großer Bestimmtheit. „Wohin Du gehst, dahin gehen wir auch. Aber ich verstehe noch; gar -nicht, was dies alles bedeutet. Am Ende hast Du doch- kein Verbrechen begangen, daß! der König ein Recht hätte, Dich; in die Verbannung zu schicken." „Nein, mein Verbrechen besteht vorderhand einzig in dem Besitz der Domäne Lasdehnen in Littauen, die meiner Familie von König Friedrich Wilhelm I. verliehen wurde. Und als eine Verbannung erscheint die neue Ordre denn auch lediglich der geängstigten Phantasie Deiner guten Mutter. In Wahrheit bestimmt sie vielmehr nur, daß alle Eigentümer litauischer Domänen sich unverzüglich auf ihre Besitzungen zu begeben und deren Bewirtschaftung zu übernehmen haben, widrigenfalls die Güter zu Gunsten des Staates eingezogen werden sollen." „Wie? — Lasdehnen könnte Dir einfach weggenoin- men werden, wenn Du dem Befehl nicht Folge leistest?" „So lautet die Verfügung. Und da ich nicht reich genug bin, einen solchen Verlust mit Gleichmut zu ertragen —" „Aber ich beschwöre Dich-, Elisabeth", fiel ihr Frau von Menzelius mit flehend erhobenen Händen in die Rede, „Du kannst doch- nicht ernstlich daran denken. Dich in diese Wüstenei zu begraben, wo nach glaubhaften Berichten die Leichen der gefallenen Soldaten und der verhungerten Einwohner zu Tausenden unbestattet umherliegen. Wäre ich an Deiner Stelle, so reiste ich nach Potsdam zum Könige und thäte hundertmal eher einen Fußfall, als daß ick tollkühn in das sichere Verderben gingen." (Fortsetzung folgt.) Der Garten im August. Nachdruck verboten. Die Hitze reift — aber nicht allein die Kulturpflanze, auch- das Unkraut bringt seine Samen zur Reise. Wer den ganzen Sommer über seine Beete peinlich rein ge- 439 halten hat, aber nicht auf das Unkraut in der Hecke achtete, wer die wenigen Unkrautpslanzen gering schätzte, die sich aus der Düngerstätte, am Komposthaufen oder in einem entlegenen Winkel des Gartens breit machten, der erntet jetzt den Lohn seiner Mißachtung. Sein ganzer Garten wird ihm überstreut mit Unkrautsamen, und im Herbst, im nächsten Frühling wundert er sich;! Noch läßt sich viel Unkraut jm Keime ersticken — Achtung daher auf den Samen! Hacken und Gießen soll auch nicht vergessen werden. Kohl, Sellerie u. bergt braucht viel Wasser. Aus die Kohlraupen aufgepaßt! Das Absuchenlassen ist das einzige Mittel. Eierhaufen kann man massenhaft zerstören, sie finden sich auf der Rückseite der Blätter. Aussaaten von Bohnen (schwarze Neger), von Spinat, von Kopfsalat (braunem und gelbem Trotzkopf) sind zu machen, Radies, in 14 tägigen Pausen eine Aussaat, nicht zu vergessen. Non plus ultra sowie Erste Nummer sind zu empfehlen. Wer Bedarf an Endivien hat, säe auch davon noch. Mitte August will Wintersalat ausgesät werden; da seine Kultur unsicher, ist man vielfach davon abgekommen . Man pflanzt Rosenkohl und Grünkohl. Die Hecken der Gärten werden geschnitten; zum Schnitt von Koniferen, Tannen, Lebensbäumchen ist es die beste Zeit. Der Rasen muß fortdauernd kurz gehalten werden. Das Gießen nicht vergessen, unter Bäumen besonders viel Wasser geben! Die Bäume zehren außerordentlich und lassen dem Rasen nichts, außerdem kommt unter die Bäume kein Regen! Im Obstgarten heißt es erst recht gießen, sonst bleibt nichts von der Ernte. Bäume sind zu stützen, Früchte, wo sie zu dicht stehen, auszudünnen. Das Einmachen des Obstes beginnt. In Jahren reicher Ernte muß die Hausfrau Vorsorgen. Beim Pflücken des Obstes Vorsicht! Beschädigtes Obst macht sich, schlecht ein und ist auch für den Rohgenuß nicht einladend. Auch« an die Bäume soll man beim Pflücken denken, sie sollen unbeschädigt bleiben. Für den Blumengarten sät man Stiefmütterchen, Vergißmeinnicht, Pyrethrum, Bellis aus. Die Stauden, welche abgestorben sind, werden geteilt und verpflanzt. Das Okulieren der.Rosen, das Stecklingmachen beginnt. Auch von den Gehölzen macht man noch Stecklinge. Fuchsien, Pelargonien, Petunien, Heliotrop, Ageratum und die vielen anderen Pflanzen auf den Blumenbeeten laden ebenfalls zum Stecklingmachen ein. Davon giebt es Pflanzen, welche gut überwintern. Topfgewächse düngt man im August noch, dann hört das Düngen aus. Die stark durchwurzelten werden verpflanzt, nachher einige Zeit, etwa 8 bis 14 Tage schattig gestellt. Kräftiges Gießen aller Dopf-Ge- wächse bei dieser Hitze ist notwendig. Das Spritzen ist niemals zu vergessen. Erst dadurch kann man sich der Blattläuse, des Thrips re. erwehren und die Pflanzen gesund erhalten. Der August ist der beste Monat zum Anlegen neuer Erdbeerbeete. Zwei neue Sorten sind „Millionär" und „Delicata". Vor einigen Jahren noch sehr teuer, sind jetzt die Pflanzen zum regulären Preise zu haben. Im Garten machen sich die Schnecken recht breit. Da müssen wir unseren Feinden schon goldene Brücken bauen. Streuen wir zwischen die Kulturbeete im Garten oder auf dem Felde hier und da kleine Häufchen Weizenkleie. Die behagt ihnen noch besser als die Grünkost, und sie stürzen sich mit wahrer Gier darauf, und ein ganzer Stammtisch von ihnen versammelt sich rundherum. Ein Stammtisch in des Wortes eigentlichster Bedeutung wird es aber erst, wenn wir die Mühe nicht scheuen und Topfuntersetzer in die Erde eindrücken und diese mit Bier anfüllen. Dann geht's in Scharen dahin, wie zum Hofbräuhaus. Da kann man nachher die ganze bierselige Gesellschast in einen Sack stecken. ' I. C. S. Reisebilder aus China. Von Wilh. F. Brand. Nachdruck verboten. II. Die größte Stadt Chinas. Bei unserer Einfahrt in Kanton am nächsten Morgen bot sich mir ein überraschender Anblick dar. Zu beiden Seiten des Flusses lagen Tausende und Abertausende von Junks und Sampans, echt chinesische, überdachte Boote verschiedener Größe, auf denen zahlose Familien ihren Wohnsitz haben. Wohl 300000 Menschen leben hier von Generation zu Generation immerfort auf dem Wasser. Teilweise fest liegend, bilden viele dieser Boote regelrechte Straßen, zum Teil aber sind es Fischer -und Schifferfahr- zeuge aller möglichen Art. Und unser Dampfer hatte noch nicht angelegt, da stürmten schon Hunderte der letzteren in wirrem Durcheinander auf uns ein, um Passagiere zu landen oder weiter flußaufwärts zu befördern. Es fiel mir dabei besonders auf, daß eine große Anzahl der Schiffer--Schifferinnen waren, und einzelne derselben ■trugen nach allgemeiner Landessitte auch- in diesem Augenblick ein Kindlein fest auf dem Rücken gebunden mit sich herum, indem sie in diesem wüsten Wirrwarr zugleich kühn das Ruder handhabten. Mit Hilfe des Kapitäns ward bald ein junger Chinese ausfindig gemacht, der etwas Englisch spracht und Führerdienste übernehmen wollte. Er beschaffte zwei Sänften, eine für sich und eine für mW, und so zogen wir alsbald in die Stadt ein. Die fast überall mit Menschen gefüllten Straßen sind selten mehr als sechs bis acht Fuß breit. Natürlich« sind da keinerlei Wagen oder Karren zu verwerten, selbst die Jinrickschas nicht. Hatten doch auch unsere Sänften schon vielfache Schwierigkeiten, durch die oft so dichten Menschenmassen ihren Weg zu bahnen oder gar an einer uns begegnenden Sänfte vorüberzukommen. Vom Himmel war bei der Enge der Gassen um so weniger zu sehen, als die meisten Häuser oben noch einen Vorbau haben, und überdies von oben bis unten- lange, beinahe einen Fuß breite Streifen von Papier und substanzielleren Massen herab- hängen, die als Firmenschilder dienen. Dadurch bekommen Sie ganzen Straßen ein eigentümlich bebändertes festlich aufgeputztes Ansehen. Wenn Herr Ching Chum einen Laden eröffnet, so benennt er denselben nicht etwa nach sich selbst, sondern bezeichnet seine Firma vielleicht als „das Kaufhaus goldenen Profits" oder dasjenige „endlosen Glücks". Indessen, giebt es nicht in Paris ein Bon Marchee und in Berlin eine gewisse goldene Nummer und andere Firmenbezeichnungen der Art, die vermutlich- chinesischen Mustern nachgebildet sind?! Die Läden selbst sind wie die Bazare des Orients nach der Straßenseite hin ganz offen, recht primitiv und natürlich, recht schmutzig. Hier werden nicht nur Geschäfte gemacht, hier wird vielfach gegessen und getrunken, gewohnt und geschlafen. Und was wird hier nicht alles verkauft! Das Wunderlichste waren wohl die Fleischerläden, in denen Hunde und Katzen, besonders aber gemästete Ratten zum Verkauf ausgestellt waren. Aber wie wenig wir danach von dem Geschmack der Chinesen halten mögen, in Bezug aus den Genuß von Fischen finS sie offenbar sehr anspruchsvoll. Fisch wird von Chinesen nur lebendig gekauft, lebendig noch int Beisein des Käufers mit einem Bindfaden urnbunden und so noch zappelnd an die Wagschale gehängt. Mehr als 800 Tempel hat die Stadt aufzuweisen, teilweise buddhistische, teilweise confucianische. Viele Chinesen bekennen sich — um ganz sicher zu gehen — auch wohl zu beiden Religionen, und einige nehmen — aber nur wenn sichs besonders bezahlt macht — auch, noch die christliche an. Der Tempel der 500 Genien hat eben ein halbes Tausend vergoldeter Statuen jovial aussehender älterer Herren in Lebensgröße aufzuweisen, die Jünger Buddhas. Es giebt auch einen Tempel der Langlebigkeit mit vier abschreckenden Bildnissen, Sie als Thorhüter dienen. Ein Tempel der fünf Widder zeigt uns die fünf Genien, die über Erde, Feuer, Metalle, Wasser und Holz herrschen und auf jenen fünf Hammeln vom Himmel nach Kanton herabgestiegen sind und Getreide unS andere Segnungen dorthin gebracht haben. Während ich, in einem anderen Tempel mich aufhielt, ward ein apetitlich aussehendes ganzes Schweinchen in gebratenem Zustande hereingebracht, nach einigem eigenartigen Zeremoniell aber „voll und ganz" wieder nach, Hause geschleppt. Ich erfuhr nun, daß, da die Götter die Opfergaben Soch nicht anrühren, man sich damit begnügt, sie ihnen anjubieten. Sie sehen doch den guten Willen, und dem Opferbringer mnndets dann um so besser. Aber die armen Priester! 440 In der Totenstadt scheinen allerdings andere Bräuche zu herrschen. Hier werden in reinlichen, weih getünchten Nischen die Leichname reicher Chinesen in oftmals kostbaren Särgen einige Zeit aufgestellt, bis ein geeigneter Begräbnisptatz für sie ausfindig gemacht und hergerichtet ist. Der hintere Raum mit dem Leichnam wird durchs einen Vorhang abgeschlossen, und vor demselben werden Kuchen, Obst, eine Tasse Thee und andere Erfrischungen ausgestellt für den Fall, daß der Entschlafene Appetit danach bekommen könnte. Ein ganzes. Schweinchen habe ich allerdings hier nirgends bemerkt. Die Verehrung für die Eltern und Vorfahren überhaupt, zumal nach ihrem Tode, ist ein ausgeprägter nationaler Zug der Chinesen, wie es das ein und alles der confucianischen Religion bildet. Ein gutes Begräbnis, eine mit Kindesliebe wohl gepflegte Begräbnisstätte in der Heimat, wo auch die Familie, die Nachkommen ihr Heim behalten, ist das Endziel aller Chinesen. Nur wenn dieses erreicht wird, findet der Geist der Verstorbenen Ruhe unkt Frieden. Sonst geht er ewig wie ein böser Geist um. Daher der Mangel an Wanderlust unter den Chinesen, daher bei denen, die ihre Heimat verlassen und in unseren Tagen selbst über das Meer gehen, die stete Sorge, daß sie doch ja vor dem Tode heimkehren, oder daß schlimmsten Falles wenigstens ihr Leichnam in der Heimat beerdigt werde. Selbst mein Führer, ein ziemlich aufgeklärter Mann, war noch nie weit von Kanton abwesend, so auch noch niemals in Hongkong gewesen. Diese Verehrung für die Verstorbenen, die unleugbar vorhanden ist, könnte gewiß als etwas rühmenswertes in dem Charakter der Chinesen hervorgehoben werden, wüßten wir nicht, daß in den meisten Fällen wohl nur die Angst dazu treibt, die Angst, daß, wenn jene Pflicht nicht erfüllt wird, die Geister der Verstorbenen unstet und ruhelos als böse Geister einhergehen und gerade die eigenen Kinder besonders peinigen, die ihre Pflicht versäumt haben. Es gießt ja immerhin noch böse Geister genug! Diese verscheucht mau aber am besten durch! lautes Lärmen und Abbrennen von Feuerwerk. Daher das immerwährende Knallen von „Crackers", wohin wir auch kommen mögen. Fast sollte man meinen, es geschähe eben nur unseretwegen. Gelten wir doch in den Augen vieler Chinesen immer noch für unheilbringende „fremde Teufel". Bei alledem und wie sehr der Chinese auch selbst den Tod fürchten mag, hat er doch auch! wieder keineswegs eine besondere Ehrfurcht vor dem Tode im allgemeinen. Das bewies mir auch, ein kurzer Besuch auf dem Hiurich- tungsplatz. In der Mitte desselben befand sich eine große Blutlache — Menschenblut! — Daneben lag ein Haufen blutbesudelter alter Kleidungsstücke. Einer der grimmen alten Henkersknechte hob sie empor: Und vor mir lagen zwei Köpfe — Menschenköpfe! — Für manche verhältnismäßig geringfügige Verbrechen wird die einfache Enthauptung als eine hinreichende Strafe erachtet. Die dem Schwerte Verfallenen haben nicht selten zu Dutzenden niederzuknieen. Der Scharfrichter geht mit dem Schwerte in der Hand die Reihe entlang und säbelt die Häupter ab, als wären es Mohnköpfe. Handelt es sich aber um ein großes Vergehen, vielleicht Vatermord oder gar um einen Anschlag gegen die hohe Obrigkeit, dann wird das Kreuz zur Anwendung gebracht. Ich sah es, ein primitives, wackeliges Ding, das, mit einer Kruste getrockneten Blutes überzogen, gegen. die Mauer lehnte. Auf diesent wird dann das Opfer festgeschnallt, ein Glied nach dem andern langsam ihm abgehauen, und die Kunst des Scharfrichters zeigt sich nun darin, die Zergliederung des Körpers in möglichst ausgedehnter Weise vorzunehmen, dabei aber das Opfer möglichst lange am Leben zu erhalten. Da naht eine Sänfte. Nur mit großer Schwierigkeit kann sie an der unserigen vorüber. Die Vorhänge sind herabgelassen, aber doch durchsichtig genug, um eine Dame erkennen zu lassen. Ihr Gesicht ist weiß übertüncht, wie das eines Zirkusclowns, aber die Wangen und die Lippen sind knallrot bemalt. Das Haar ist stark mit Kokosnußöl eingesalbt und in kunstvollen Verschlingungen fest aufgeklebt. Ich will nicht so ungalant fein, zu behaupten, daß Kebattiim: $. »nrt>«r>t. — »ruck und «erlag der «rützl'f-e» alles das nicht dazn angethau sein mag, die von Natur den Damen dieses Landes allerdings etwas spärlich verliehenen Reize wesentlich zu erhöhen, aber es gehört wohl chinesischer Geschmack dazu, das würdigen zu können, llebrigens bekommt man Damen „erster Klasse", die im wesentlichen an ihren ganz kleinen, künstlich! zusammengeschrumpften Füßleiu erkenntlich! sind, auf den Straßen selten zu sehen. Sie leben nicht ganz so zurückgezogen wie muhammedauische Damen, aber sind doch anch nicht so „schamlos", sich ganz ungeniert und wohl gar ohne Begleitung auf offener Straße zu zeigen. So hatte ich als alleiniger Ausländer, allerdings in Begleitung von sieben Eingeborenen, vom frühen Morgen bis späten Nachmittag dies wunderbare Gewirr enger Gäßchen in offener Sänfte durchkreuzt, fast unausgesetzt von dichten Menschenknäueln umgeben. Wohl zwanzigmal war ich ausgestiegen, hatte die verschiedensten Bauten betreten und mancherlei Einkäufe gemacht, aber ich könnte von keinerlei wirklichem Ungemach! berichten, das mir begegnet wäre. So blieb noch bis vor wenigen Wochen jeder Ausländer in der volkreichsten Stadt Chinas unbehelligt. Das wird sich heute ja alles wesentlich! verändert haben. Wohl wurde auch ich vielfach angestiert und mit Ausdrücken unverkennbaren Hasses und Abscheues bedacht. Kinder schnitten mir arge Grimmassen, aber was will das alles besagen! Aehnliche Erfahrungen würde auch ein chinesischer Reisender in einer deutschen Stadt machen, wenn in dieser auch mehr Neugier und vielleicht rohe Scherze an Stelle von Haß und Verachtung treten würden. Neben den ohne Zweifel unfreundlichen Zurufen, die mein Ohr trafen, erkannte ich aber auch bald die öfter wiederkehrenden Rufe „Chin Min" und „Papa"! („Willkommen"! und „Guter Kerl!") Es muß aber noch mehr darin liegen. Man streckte mir dabei auch immer die Hände entgegen, aber kaum in der Absicht, die meinen zu drücken. Indessen auch das Betteln war keineswegs so allgemein, wie etwa im Orient oder auch nur in Italien. Des Hauses Schmuck ist die Wäsche. Aber auch ein sehr teurer Schmuck, und die Hausfrau, wenn sie ärgerlich das eine oder andere schon fadenscheinige Stück betrachtet, verzichtet seufzend auf eine Neuanschaffung wegen der großen Kosten. Und doch hätte sie solchen Verzicht nicht nötig. Giebt ihr doch das Spezialblatt, die „Illustrierte Wäsche-Zeitung", Verlag John Henry Schwerin, Berlin, genaue Anweisung, jeden beliebigen Wäsche-Artikel für billiges Geld selbst herzustellen. Wer also sparen und zugleich auch in dieser Beziehung mit der Zeit fortschreiten will, dem sei dieses Blatt empfohlen, das alle Neuheiten enthält und in seinen Dessins und Zu- schneidebogen geradezu mustergiltiges und unerreichtes bietet. Für nur 60 Pfg. vierteljährlich ist das Blatt von allen Buchhandlungen und Postanstalten zu beziehen. — Gratis-Probenummern durch erstere und den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. Diarnairträtsel. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a, c, e e e e, f, h, i i i, k k, l l l l, mm m, r, s s, w w derart einzutragen, daß die einzelnen Reihen, von oben angefangen, folgendes bedeuten: i. Einen Buchstaben. 2. Musikalische Bezeichnung. 3. Einen Raubvogel. 4. Männlichen Vornamen. 5. Mathematische Figur. 6. Bergrücken im mittleren Deutschland. 7. Einen Buchstaben. Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe haben die gleiche Bedeutung- Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Rastlos vorwärts mußt du streben. Untverfttits-Buch- und Stetndrnckerei (Pietsch @rbe«) in Meßen.