sonntag den 7. Januar. 1900. m W wSÄSiiirtA iL «hfl MWR! Si-AÄ fu wirst es nie zu Tücht'gem bringen Bei deines Grames Träumerei'n, Die Thränen lassen nichts gelingen; Wer schaffen will, muß fröhlich sein. Wohl Keime wecken mag der Regen, Der in die Scholle niederbricht, Doch golden Korn und Erntesegen Reift nur heran bei Sonnenlicht. Th. Fontane. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) III. Die Hochflut. Bald senkten sich tiefere Schatten auf die Familie herab. Howell hatte sich endlich Klarheit verschafft über die Aussichten der Firma und erfahren, daß ein baldiger Bankerott fast unvermeidlich war. Er war so niedergeschlagen und finster, als er sich zu Tisch setzte, daß seine Frau nicht den Mut hatte, ihm von ihren Plänen für das Glück ihrer Tochter oder von ihrem Einkauf von Spitzen und Bändern Mitteilung zu machen, aus welchen sie ein Netz zu weben gedachte, in dem Vinton gefangen werden sollte. Selbst ihr sanguinisches Wesen konnte sie nicht mehr schützen vor schwarzen Befürchtungen, und ein Druck lastete auf allen. „Fanny, ich muß Dich sprechen, sagte plötzlich Howell, und erbleichend folgte sie ihm in ein Nebenzimmer. Was mochte vorgefallen sein?" „Fanny, begann er traurig, unsere Firma ist in Not, und aus den Worten und dem Wesen meiner Teilnehmer schließe ich, daß sie schon alle Hoffnung aufgegeben haben." „Ach Martin, sieh es doch von der hellen Seite an!" „Sei unbesorgt, sie werden die Sache schon durchbringen, und wenn nicht, so wirst Du bald eine bessere Stellung erlangen. Ein Mann von Deinen Fähigkeiten sollte an der Spitze einer Firma stehen." „Leider können Deine sanguinischen Hoffnungen nichts in der Sache ändern. Wenn die Firma falliert, so bin ich ohne Stelle, denn noch bessere Geschäftsleute als ich suchen vergeblich eine Stellung zu gewinnen. Der Gedanke, daß wir in diesen guten Jahren nichts gespart haben, ist mir schrecklich. Soviel ist sicher, kein Pfennig darf auSgegeben werden, außer für das nötigste, bis bessere Aussichten sich eröffnen!" „Können wir nicht nach Saratoga gehen?" stotterte Frau Howell. „Davon kann keine Rede sein! Selbst wenn alles gut gegangen wäre, hätte ich dazu Geld entlehnen müffen. Wenn es kommt, wie ich befürchte, so sehe ich nicht, wie wir überhaupt irgendwo leben können, am wenigsten in einem Hotel von Saratoga. Kannst Du denn die Lage nicht begreifen, Fanny? Wenn meine Einnahme plötzlich aufhört, wie viel haben wir dann für die nächste Zeit?" Sie sank schluchzend in einen Lehnstuhl. „Ach, wenn ich das früher gewußt hätte! Sieh hier!" Das Bett war mit Toilettengegenständen und Nichtigkeiten aller Art übersät. Mit einem zornigen Blick darauf fragte er: „Nun, wieviel Geld ist Dir übrig geblieben nach dem Einkauf von diesem Kram?" „Ach, Martin, schluchzte sie, sprich nicht in diesem Ton mit mir! Ich wußte ja nichts davon, daß wir wirklich in Gefahr seien. Gestern schienst Du in so vortrefflicher Stimmung zu sein, und Vinton zeigte so viel Interesse für Mildred, daß mein Herz den ganzen Tag über federleicht war." Howell verwünschte innerlich seine thörichte Gewohnheit. „Das Geld ist also fort, das Du heute Morgen hattest?" fragte er. „J°." „Wie viel hast Du ausgegeben?" „Frage mich nicht." Er war so ärgerlich, am meisten auf sich selbst, und so niedergeschlagen, daß er nicht weiter sprechen konnte. Mit einer sprechenden Geberde wandte er sich um und verließ das Zimmer und das Haus. Stundenlang ging er wie in einem Wirbelsturm in den Straßen umher. Er war nicht imstande, kalt und mannhaft der Not entgegen zu treten, er hätte einen Kavallerieangriff führen, aber nicht im Feuer still stehen können. Die Versuchung war groß, aber er versprach sich unter einem schweren Eid, nicht wieder sein Mittel anzuwenden, zuletzt aber konnte er nicht mehr der Versuchung widerstehen, um sich aus der Verzagtheit mit Hilfe des Reizmittels zu retten. Endlich kehrte er erschöpft nach Hause zurück. Inzwischen saßen Mildred und ihre Mutter betrübt bei - 6 - den schönen Dingen, die sie vor wenigen hoffnungsreichen Stunden gekauft hatten, und blickten sich weinend an. „Wie wird die Zukunft sein?" fragten sie sich vergeblich. Die goldenen Aussichten hatten sich in ein dunkles Chaos verwandelt, und ein drückendes Vorgefühl senkte sich auf sie herab. Tief in Mildreds Seele lag die Hoffnung, daß ihr Freund Arnold Vinton sich als treu erweisen werde, was auch geschehen möge. Die arme Frau Howell aber klammerte sich an die Hoffnung, daß der Sturm vorübergehen werde, ohne daß ihre Befürchtungen in Erfüllung gingen. So oft hatte sie gesehen, wie ihr Vater halb verzweifelt war, und wie dann immer wieder eine Art von Arrangement zusammengestoppelt wurde, welches sie in den Stand setzte, wie früher weiter zu wirtschaften. Sie sehnte sich nach der Rückkehr ihres Gatten, aber als er kam, brachte er ihr keinen Trost. „Sprich nicht mit mir, sagte er, ich kann Dir nichts sagen, was Du nicht schon weißt! Die Ereignisse der nächsten Wochen werden alles entscheiden!" Bald überzeugte die Folge Frau Howell, daß es ein schweres Versäumnis ist, in guten Tagen keine Vorsorge für einen schwarzen Tag zu treffen. Der Sturm ging nicht vorüber, in kurzer Zeit fallierte die Firma, Howell erhielt eine kleine Summe, um die unmittelbare Not abzuhalten. Mildred rechtfertigte Arnolds Glauben, daß sie eben so stark als sanft sein könne, denn sie bestand darauf, daß alles, was auf Kredit genommen worden war, in die Läden zurückgebracht werde. Da ihre Mutter davor zurückschreckte, so ging sie selbst. Es war eine bittere Erfahrung für das arme Kind, schmerzlicher, als sie erwartet hatte. Sie konnte kaum glauben, daß diese zuvorkommenden Leute, welche vor wenigen Tagen sie lächelnd bedient hatten, jetzt ihr Wesen so ändern konnten, zwar selbst diejenigen, welche sich am ungeberdigsten zeigten über den kleinen Verlust, wurden besänftigt durch ihre sanften, fast demütigen Worte: Da wir die Sachen nicht bezahlen können, halten wir es für ehrlicher, sie in gutem Zustand zurückzubringen. Aber wo die Sachen schon bezahlt waren, fand sie es unmöglich, das Geld wieder zu erlangen, oder mit so großem Verlust, daß sie sie eben so gut hätten verschenken können. Selbst Frau Howell sah die Notwendigkeit einer sofortigen Veränderung ein und entließ eins ihrer beiden Dienstmädchen. Mildred weinte im stillen, machte aber heroische Anstrengungen, in Gegenwart ihrer Eltern heiter zu erscheinen, doch jeden Tag fragte sie sich tausend Mal, warum besucht uns Vinton nicht? Arnold Vinton befand sich noch in größerer Betrübnis. Er hatte nicht nur den Schmerz einer unterdrückten Zuneigung zu ertragen, sondern auch das demütigende Gefühl unmännlicher Schwachheit. Er hatte natürlich von dem Fallissement erfahren und wußte, daß das geliebte Mädchen sich in banger Sorge befinden mußte, und doch, wie konnte er zu ihr gehen, was konnte er sagen oder thun, ohne in ihren Augen verächtlich zu erscheinen? Aber abwesend zu bleiben in der Stunde des Unglücks mußte als so herzlose Gleichgültigkeit erscheinen, daß er sich selbst die größten Borwürfe darüber machte. In letzter Zeit bestanden seine Eltern darauf, daß eine Veränderung für seine schwache Gesundheit notwendig sei, und er war sich bewußt, daß er dem festen Willen, mit dem jeder beschlossene Plan ausgeführt wurde, keinen Widerstand zu leisten vermöge. Er fühlte, daß er Mildred noch einmal sehen müffe, obgleich er nicht wußte, was er ihr sagen sollte. Er war zur Hilflosigkeit in körperlicher und geistiger Beziehung erzogen worden, anstatt durch geduldige Bemühungen seine schwache Konstitution zu entwickeln und zu stärken. Und doch war das alles nur Sorgfalt ohne Zärtlichkeit gewesen, und nichts war geschehen, um seine Selbstachtung zu heben. Er hatte wenig gelernt, zwar viel gelesen, aber in planloser Weise. Ueber Geschäftssachen befand er sich in beklagenswerter Unwissenheit und im Bewußtsein dessen zog er sich von allem Umgang zurück und wurde scheu und furchtsam. Unter dem Schutz der Dunkelheit schlich er fort, um das Mädchen zu besuchen, das auf ihn harrte, wenn auch jeden Tag immer zaghafter. Aber als sie sein bleiches, verstörtes Gesicht und seine nervöse Furchtsamkeit sah, rief sie erstaunt und voll Mitgefühl: „Mister Arnold, Sie find krank gewesen, ich habe Ihnen Unrecht gethan." Er verstand sie nicht ganz. „Sie haben mir Unrecht gethan?" fragte er. „Verzeihen Sie, vielleicht wissen Sie nicht, daß wir uns in tiefer Betrübnis befinden und unsere Heimat verlassen müssen. Ich weiß wirklich nicht, was wir machen sollen. Wenn man in Not ist, so denkt man unwillkürlich an seine Freunde, und ich glaubte, Sie würden vielleicht kommen, uns zu besuchen. Zwei Thränen, die sie nicht unterdrücken konnte, standen in ihren Augen." „Ach, daß ich ein Mann wäre!" stöhnte Arnold innerlich. „Ja, ich war krank, erwiderte er zögernd. Miß Mildred, fügte er plötzlich hinzu. Sie können nicht ahnen, wie tief ich für Sie fühle!" Sie sah ihm fragend ins Gesicht, und der Ausdruck desselben war wieder unverkennbar. Für einen Augenblick verlor sie die Gewalt über ihr schwer belastetes Herz und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Ach schluchzte sie, ich war so in Angst um die Zukunft. Man hat uns besucht, aus Neugierde, «nd andere thaten, als ob sie sich nicht darum kümmerten, was aus uns werden soll, wenn sie nur das Geld erhalten, das wir ihnen schulden. Ich hätte nicht geglaubt, daß diejenigen, die noch vor kurzem uns so freundlich zulächelten, so hart und gleichgültig sein konnten. Tausendmal habe ich an jenes Schiff gedacht das vor unfern Augen vom Sturm zerschlagen wurde, und darin sah ich unser Schicksal. Ich glaube, das ist eine krankhafte Furcht, und es wird irgend ein Ausweg sich finden. Anstatt auszusprechen, wozu sein Herz ihn antrieb, wandte er sich Unter dem Zwang seiner Lage ab von dem Kummer, den er nicht länger mit ansehen konnte, trat ans Fenster und blickte hinaus in das Dunkel. Erstaunt betrachtete sie ihn, indem sie langsam ihre Augen trocknete. „Miß Mildred, sagte er langsam, Verstellung kann nichts helfen, es ist besser, wir erkennen beide die Wahrheit. Wenigstens für Sie ist es besser, denn dann können Sie einen Freund finden, der dieses Namens würdiger ist. Sehen Sie nicht, was ich bin? — eine Ruine! Sie sind traurig, ich bin in Verzweiflung! Sie wissen nicht, daß das schwächste Ding in der Welt ein schwacher, hilfloser Mann ist. Ich bin nichts und vermag nichts. Es ist mir unmöglich, zu erklären, wie hilflos und abhängig ich bin, — Sie würden es nicht verstehen. Mein Herz zog mich zu Ihnen, die die Hoffnung in meiner Seele erweckte, daß Sie für mich Erbarmen haben werden, wenn Sie mich erkennen würden, so wie ich bin. Leben Sie wohl! Sie werden einen starken Freund finden, mir bleibt nur die Hoffnung, zu sterben. Hastig verließ er das Haus. Mildred war zu erstaunt, um ihn zurückzuhalten. Er hatte ihr seine Liebe zu ihr erklärt, aber niemals hatte sie sich eine so traurige Lage, wie die seinige, vorstellen können. Frau Howell kam verwundert über Arnolds schnellen Abschied ins Zimmer, und Mildred erzählte ihr unter vielen Thränen alles, was sie gesprochen hatten. Selbst die milde Natur der Mutter konnte nicht umhin, den jungen Mann entschieden zu verurteilen. Er wußte nichts besseres zu thun, als dieses kleine Melodrama aufzuführen und dann in seine elegante Wohnung zurückzukehren, sagte sie mit strenger Miene. Ich verstehe ihn besser, Mama, und ich bedaure ihn aus tiefster Seele. Die Hoffnung wächst schnell in jugendlichen Herzen. Sie wußte, daß er sie liebte, und wenn auch die Zukunft dunkel war, so blieb doch die Möglichkeit, daß alles sich zum Bessern wenden werde. Selbst an dem traurigen Tage, 7 welcher diesem Gespräch folgte, bemühte sie sich, heiter zu erscheinen. Es wurde beschlossen, daß die Familie den Sommer auf einem stillen Farmhause zubringen sollte, wo das Leben billig ist, und Howell wollte inzwischen in der Stadt bleiben, um irgend eine Stellung zu suchen. Nach zwei Tagen fand er auf dem Lande einen Ort, den er für paffend hielt, und die Familie machte so schnell als möglich Vorbereitungen zur Abreise. (Fortsetzung folgt.) Die Schnitzerschule in Brienz. ------- Nachdruck verboten. Das Pfarrdorf Brienz im Kanton Bern hat durch seine im Großen betriebene Holzschnitzerei, mit welcher sich mehr als 6v0 Arbeiter beschäftigen, eine gewisse Berühmtheit erlangt. Es bildet gleichsam den Mittelpunkt der kunstgewerblichen Holzindustrie in der Schweiz. Die Technik ist noch sehr jung, denn die ersten vor etwa 80 Jahren auf den Markt gebrachten Arbeiten, welche aus der Hand des Drechslers Christian Fischer hervorgingen, waren im Vergleich mit den heutigen Brienzer Kunstschnitzereien noch recht primitiv. Man war damals auch noch wett davon entfernt, diesen Arbeiten einen Kunstwert zuzuschreiben. Den armen Drechsler hatte die Not erfinderisch gemacht, und obwohl seine Schnitzereien nur wenig Kunstfertigkeit verrieten, fanden sie doch einer gewissen Originalität wegen eine größere Verbreitung, so daß man es als Verdienst Fischers ansehen darf, der schweizerischen Bevölkerung einen neuen Erwerbs- zwetg eröffnet zu haben. Es verging jedoch noch geraume Zeit, ehe man die Holzschnitzerei im Großen zu betreiben begann. Gegen Ende der dreißiger Jahre wurde aus privaten Mitteln im bescheidenen Umfang eine Gewerbeschule errichtet, um Leuten, die das Zeug dazu hatten, die nötigen Kunstgriffe beizubringen. Sehr bald übernahm die Regierung des Kantons, welcher die Idee der Brienzer gefiel, die Leitung der Schule und sorgte für tüchtige und geschickte Lehrer. Leider begann der Staat in dieser Fürsorge sehr bald zu erlahmen und es bildete sich zum zweiten Mal eine Privat-Gesellschaft, um für die sorgfältige Ausbildung der Heranwachsenden Generation Sorge zu tragen. Es ist das Verdienst dieser Gesellschaft, die Schule bis zum Jahre 1884 vortrefflich geleitet und sie zu einer Musteranstalt gemacht zu haben. Seitdem genießt dieselbe den Segen staatlicher Hilfe, welche allen Industrieschulen des Landes zu teil wird. Als Schüler können in die Anstalt junge Leute eintreten, wenn sie den neunjährigen Kursus einer Elementarschule absolviert haben, also etwa im Alter von fünfzehn Jahren. Der Unterricht umiaßt drei Lehrjahre, doch ist es gestattet, auch über diese Zeit hinaus das Institut zu besuchen. Es sind 10 Florin Eintrittsgebühren zu zahlen, doch werden Unbemittelten diese erlassen und auch noch das Material unentgeltlich geliefert. Vom zweiten Jahre an erhält der Schüler «e Hälfte des aus seinen Arbeiten erzielten Verdienstes, während besonders fleißigen und strebsamen Zöglingen auch Prämien erteilt werden. Bei diesem System kann ein Schüler von hervorragender Begabung im Laufe des Jahres 800 Florin verdienen. Zöglinge von sechszehn bis neunzehn Jahren erwerben durchschnittlich ca. 500 Florin und das ist für einen jungen Mann am Brienzer See schon ein hübsches Sümmchen. Die Anstalt besteht aus zwei Abteilungen, und zwar dient die eine für den Unterricht im Zeichnen und Modellieren, die zweite für den eigentlichen Schnitz-Kursus. Wöchentlich werden 54 Stunden erteilt, und zwar entfällt der Hauptteil dieser Zeit (36 Stunden) auf Arbeiten in der Schnitz- Werkstatt. Zum Schluß des Jahres 1898 hatte die Schule 27 Zöglinge. Die Zeichenklassen wurden außerdem von 47 Erwachsenen und 90 Knaben besucht. Zu Anfang arbeiten die Schüler nur in Lindenholz, da dieses weich und wohlfeil ist,- sie schneiden nach der Zeichnung einfache Ornamente in das Holz, bis die Hand gelenkig genug ist, um schwierigere Aufgaben bewältigen zu können. In der Regel ist der Eleve schon nach wenigen Wochen soweit ausgebildet, um reizvolle Blätter- und Blumenornamente aus dem Holz herausarbeiten zu können. Begabte Schüler beginnen sehr bald ihre besonderen Neigungen zu entwickeln, und die erfahrenen Lehrmeister wissen sehr wohl eine individuelle Kraft zu schätzen und zu fördern. Selbst Lehrlinge von mäßiger Begabung können schon im Laufe des ersten Jahres das Versuchsstadium überwinden und zur ausübenden Thätigkeit übergehen. Am Ende des Kursus erhalten die Schüler Beschäftigung bet einem Meister oder als Angestellte des Instituts, welches gleichsam ständig einen Bazar unterhält. Besonders bemerkenswert ist, daß die Schüler auch zum Zeichnen und Schnitzen nach dem lebenden Modell angehalten werden und daß zu diesem Zwecke, anschließend an die Schule, ein kleiner Tierpark angelegt wurde. Anfang des Jahres 1894 wurde unter Leitung der Oberland-Gesellschaft für Holz-Industrie in Brienz eine Ausstellungshalle für die Sammlung und den Verkauf der hergestellten Erzeugnisse eröffnet, welche sehr wesentlich zur Förderung der Schnitzerschule beitrug. Hier werden die Arbeiten gegen Zahlung einer geringen Gebühr ausgestellt und Aufträge entgegengenommen. Die Ausstellung wird stets mit künstlerischen Arbeiten von hoher Vollkommenheit beschickt/ man steht dort Kästen, Schränke von wunderbarer Zeichnung und außerordentlicher Feinheit des Details, Kaminmäntel, Wandbekleidungen, Stühle, Gemälderahmen, Tiergruppen, Blumenstücke, überhaupt jede Art aus Holz gefertiger Zierstücke. Im allgemeinen führt der Brienzer Holzschnitzer ein ganz erträgliches Leben. Eine große Anzahl dieser Leute betreiben ein wenig Ackerbau und beschäftigen sich nur im Winter mit ihrer Kunstschnitzerei, einer sehr lohnenden Beschäftigung, wenn man die bescheidenen Ansprüche der einfachen Bewohner dieses Fleckens in Rechnung zieht. In guter Zett können Erwachsene leicht 15 bis 20 Florin wöchentlich verdienen, und wenn es sich um einen originellen Artikel handelt, so ist vom geschickten Spezialisten sogar noch ein weit höherer Verdienst zu erzielen. Rückblick des Gartenfreundes im Januar. ------- (Nachdruck verboten.) Wenn der Garten in seine schützende Schneedecke gehüllt ist und der Frost alle Arbeiten darin unmöglich macht, dann ist die Zeit, in der der Gartenfreund einen Rückblick auf die im vergangenen Jahre erzielten Erfolge wirft, um darnach seine Vorbereitungen und Bestellungen für den Frühling zu treffen. In erster Reihe betrachtet er die Ergebnisse, die er mit den zahlreichen im vorigen Jahre angepriesenen Neuheiten erzielt hat/ und es ist mit Genugthuung zu sagen, daß verschiedene derselben unsere Erwartungen übertroffen und sich einen dauernden Platz in jedem Garten gesichert haben. In erster Reihe ist es das prächtige Radies „Eiszapfen", welches sich im Sturme die Herzen aller erobert hat. Dieses durchsichtig weiße, 10 bis 15 cm lange, cylinder- förmige Radies ist ebenso früh, wie die frühesten Treibradiese und wird nicht holzig, selbst wenn es schon 8 bis 14 Tage ausgebildet ist. Dabei liefert ein „Eiszapfen" mehr „Stoff", als sechs „Non plus ultra«-Radiese. Wer diese herrliche Neuheit noch nicht kennt, versäume nicht, sich diese für seine Samenbestellung zu notieren. Das Gleiche ist der Fall mit der „Zehnwochen"- Stangenbohne / der Name dieser Sorte besagt nicht zu viel. Diese Sorte brachte wirklich, ihrem Namen entsprechend, in 10 Wochen nach der Aussaat verbrauchssähige Schoten, die dazu, wie die der „Korbfüllerbohne" eine Länge bis zu 8 GenreinniWges »Ai p. Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: R 0 0 D 8 E E R 8 E E R I L L E Logogriph. Nachdruck verboten. Mit mir, wirfst du verwegen Dem Feinde dich entgegen; Doch raubst den Kopf du mir, So werde ich ein Tier. Auflösung in nächster Nnmmer. Samenkataloge und erinnern den Gartenfreund daran, daß es nunmehr an der Zeit ist, den Bedarf für das neue Jahr zu bestellen. Man säume hiermit nicht, da nur eine frühzeitige Bestellung die Gewähr für rechtzeitige Ankunft der Sendung bietet. Auch kaufe man nur von ganz zuverlässigen Samenhandlungen und lasse sich nicht etwa durch anscheinend billigere Preise verleiten, seinen Bedarf aus zweifelhafter Quelle zu decken. Nirgends rächt sich Sparsamkeit und Bequemlichkeit mehr, als bei der Samenbestellung,- die paar Pfennige, die man durch billigeren Einkauf gespart zu haben glaubte, gehen ost hundertfach durch einen einzigen Mißerfolg verloren. Möge auch das neue Jahr allen Gartenfreunden nur Glück und Erfolge bringen, und möge auch in ihm die Liebhaberei zur Gartenkunst immer mehr Anhänger gewinnen. I. C. Schmidt in Erfurt. lernte." Die beiden neuen „Kaiser W ilhelm" Busch bohnen, sowohl die „grünschotige Riesen" als die „gelbschotige Wachs" , , bewähren sich vorzüglich; auch sie werden ihren Platz, als I eigenen erzieherischen Thätigkeit. zu den besten Buschbohnen-Arten gehörig, behaupten. Die Stangenbohnen Korbfüller Wachs erwiesen sich als ebenso reichtragend uns langschotig, wie die 25 cm erreichten und schön fleischig waren. Der Frucht- | ansatz war ein enormer, manche Blütenstände brachten 6, sogar 7 Schoten. Aber auch die vor einigen Jahren eingeführte „Jultstangenbohne" machte dem guten Rufe, den sie sich erworben, alle Ehre. Bon den letztjährigen Kartoffelneuheiten brachte „Erfurter Goldkind" die schönsten Qualitäts-Kartoffeln für den Winterverbrauch- schade, daß die Knollen, wie bei allen mittelfrühen Sorten, in diesem Jahre etwas klein blieben. Von Frühkartoffeln brachte „Perle von Erfurt" und „Kaiserkrone" große Erträge. Während aber die ersteren sehr wohlschmeckend sind, läßt bet der letzteren der Geschmack, namentlich so lange die Knollen noch nicht richtig ausgeretft sind, zu wünschen übrig. Die halblange schwarze Neger-Salatrübe hat sich als die beste und dunkelfleischigste aller Sorten bewiesen, sodaß auch sie ihren Platz behaupten wird. Die „I d e a l"-Markerbse hielt, was sie versprochen - von allen hohen Markerbsen-Sorten war sie die früheste; die Schoten waren lang und dichtgefüllt mit wohlschmeckenden Körnern; die Fruchtbarkeit war groß. Radies .Erste Nummer" bewährte sich als das beste Treibradies- die Knollen waren von einer prächtigen länglichen Form, die Farbe ist ein einzig dastehendes leuchtendes Scharlach. Ein hervorragender Fachmann schreibt darüber: „es ist das schönste Radies, welches ich je kennen Fütterung der Böget durch Schulkiuder. In der Shlvesternummer des praktischen Ratgebers tritt ein Lehrer mit warmen Worten dafür ein, daß in der Nähe der Schulgebäude Futterplätze für die hungernden Vögel eingerichtet werden und daß der Lehrer durch diesen belebten Anschauungsunterricht in den Herzen der Kinder Liebe für die gefiederten Sänger und Verständnis für die Natur wecken möge. Sehr beherzigenswert schreibt dieser Lehrer über die Erfolge seiner ". „Wir beobachteten von Tag zu Tag das Leben und Treiben der kleinen Vogelwelt und — unsere Vögel hatten Ruhe, nisteten und brüteten ungestört." Die Nummer mit dem Aufsatz ist vom Geschäftsamt grünschalige Stammsorte. I des praktischen Ratgebers in Frankfurt a. Oder, kostenfrei Das „aller früheste Bamberger Kraut" war I zu erhalten. _________ zwar sehr früh und festköpfig, doch ist es etwas sehr hoch- I strunkig und platzt frühzeitig, sodaß es unbedingt schon im I Literarisches. Sommer verbraucht werden muß. I Der Stein der Weisen" veröffentlicht in seinem kürzlich Der Wirsing Eisenkopf zeigte sich auch tn I erschienenen 11. Hefte (des 12. Jahrganges) abermals mehrere umsang- diesem Jahre als die festköpstgste und früheste Sorte, dabei I reiche, mit vielen Abbildungen ausgestattete Abhandlungen van allge- sind die Köpfe so groß, wie eine gute Spätwirsingsorte. I meinem Interesse. Sehr instruktiv sind die beiden Aufsatze über ftno Oie rropsc |u grvö/ » r । » I Höhlenkunde und Die Natur der Elemente, welch letzterer titele instruktive Um nunmehr auch von den Blumenneuheiten zu sprechen, I Illustrationen aufweist. Hervorzuheben sind ferner die technischen Beiträge so brachte uns das verflossene Jahr verschiedene neue Astern, I über Schweres Geschützmaterial (mit Bildern), Danilewski's lenkbaren die man wirklich als wertvolle Bereicherungen des Sorti- I Luftballon (mit Bildern), Die Jacquard-Maschine (Mit Bild), Zur «rermnbnf k-s-n nur die Zwera- I Zuckerfabrikation (illustriert) usw. Freunde unserer Schuljugend werden ments bezeichnen kann. Erwähnt seien nur ole „Z weg I _ Fliesse Bennstein's instruktive Ausführungen Uber den Comet-Perfektion-Aster weiß", dle „Triumph- I @t(mb ber Schulbanksrage lesen. An der Hand vieler Abbildungen Aster d unk elv iolet", die „Boltze-Aster s charlach", I werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme von Schul- Swera-Mianon-Aster W eist". I blinken erläutert, und zwar mit der vollen Gründlichkeit eines gewiegten bte ° r s l g n o n - A st er w er ß . Pädagogen, denen selbst derjenige, dem der behandelte Gegenstand Die neue „Bismarck-Reseda machte I 9 I roni„r Qm Aei.,en liegt mit ungeteilter Aufmerksamkeit bis zu Ende der altbewährten „Machet" den Rang streitig; der gedrungen folgt. Das Heft enthält ferner durch Abbildungen erläuterte Dilettantenwachsende Convolvulus tricolor compa ctu s" I arbeiten und eine große Zahl von Notizen gemeinnützigen Inhaltes, allgemein • als Tovsvflanre, sowie auch in Gruppen I „Der Stein der Weisen" (A. Hartlebeu's Verlag, Wien) erscheint in 8 T ÄL Glorinie Schnee- halbmonatlichen Heften mit titelen Abbildungen, zum Preise von so Pf. nahm er fich sehr gut aus. Die neue G to xtnte „ et) I uni) j0$te überall dort ein gerngesehener Gast sein, wo man den Fortkönig in" bewährte sich als eine der besten aller weißen I schritten der Zeit Interesse entgegenbringt. Jede Buchhandlung nimmt Gloxinien ebenso wie die neuen Kaiser Salpiglosseni Bestellungen (auch auf Probehefte) an. )V (Salpiglossis variabilis superbissima) mit Recht durch ihre 1 eigenartige Schönheit hervorragten. Von den wohlriechenden „Zwerg-Wicken", deren erste Gattung vor drei oder vier Jahren in den Handel kam, brachte uns das Jahr 1899 gleich drei neue Varietäten, die wie die früheren wieder allgemein gefielen. Es würde zu weit führen, wenn wir alle Neuheiten des letzten Jahres hier kritisieren wollten, aber das wenige hier Gesagte zeigt zur Genüge, daß wir mit den neuen Errungenschaften des letzten Jahres zufrieden sein können und daß die nimmer ruhende Kunst des Gärtners stets vorwärts schreitet und uns die mannigfachen Gaben der Natur in immer vollkommenerer und veredelter Gestalt darbietet. Als erste Frühlingsboten erscheinen In diesem Monat die Redaktion.: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.