«8M m Dienstag den 6. November» -M _» elt> fr <<▲ . 1 «f I tr Weise fragt wenig, oL man ihn ehrt; Nur « allein bestimmt seinen Wert. Seume. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ort mann. (Fortsetzung.) Zehn Minuten nach sieben Uhr bog Sigismund Rut- hardt raschen Laufes in die von den Schauspielerinnen bewohnte Straße ein. Das Billet der Frau Pollnitz, das durch einen Boten in Franz Norrenbergs Kontor abgegeben worden war, hatte ihn ja in den allerdringendsten Ausdrücken um ein pünktliches Erscheinen gebeten, und nichts in der Welt würde ihn abgehalten haben, einem solchen Rufe zu folgen. Etwa hundert Schritte vor dem Hause, das er in diesen letzten Wochen so oft mit hoch- klopfendem Herzen betreten hatte, gewahrte er Elli, deren jugendschlanke Gestalt auch in dem eleganten Wintermantel so fein und biegsam aussah wie der Körper einer Waldelfe. Frau Pollnitz hatte in einem Postskriptum ihres nicht ganz orthographischen Schreibens ausdrücklich erwähnt, daß ihre Tochter nichts von diesem Besuche erfahren dürfe, und so dachte Sigismund im ersten Augenblick daran, sich unter einen Thorweg zu flüchten, damit das junge Mädchen seiner gar nicht ansichtig würde. Aber er sagte sich gleich darauf, daß es für ein solches Verstecken doch vielleicht schon zu spät wäre, und daß Elli eine sehr sonderbare Meinung von ihm gewinnen müßte, wenn sie seinen fluchtähnlichen Rückzug gewahrte. So ging er mit brennenden Wangen weiter und zog, als sie einander Nahe genug gekommen waren, grüßend seinen Hut. Anscheinend unbefangen dankte ihm die junge Schauspielerin. Ihre Bekanntschaft war eine zu nahe, als daß, Sigismund ohne ein Wort hätte vorüberschreiten dürfen, und so blieb er verlegen stehen. „Gewiß sind Sie auf dem Wege ins Theater, Fräulein Pollnitz", sagte er unsicher. „Ich las auf dem Zettel, daß Sie heute zu spielen haben." Sie bejahte freundlich, und dann fragte sie, ob er ein Stück Weges mit ihr gehen wollte. Der Kamps, den Sigismund mit seinem Pflichtgefühl zu bestehen hatte, wär nur von kurzer Dauer. Wie dringend auch immer die Angelegenheit sein mochte, welche Frau Pollnitz mit ihm zu erörtern wünschte, einen Aufschub von einer halben Stunde würde sie jedenfalls vertragen können, und die erste Gelegenheit, einige Minuten unter vier Augen mit dem angebeteten Wesen zu sprechen, durfte er darum nicht ungenutzt vorübergehen lassen. Aber als er dann neben Elli dahinschritt, wußte er mit der kostbaren Gelegenheit doch nicht das Geringste anzufangen. In ihrem eleganten Anzuge, mit ihren von der frischen Winterluft zart rosig überhauchten Wangen und ihrem graziösen, leichtfüßigen Gang, erschien sie ihm so herrlich, so ganz für das glänzendste Erbenlos bestimmt, daß er sich neben ihr wie ein armseliger Paria vorkam, dessen glühende Anbetung nichts als eine bejammernswerte Thorheit war. Noch nie war er von der Hoffnungslosigkeit seiner Liebe so völlig durchdrungen gewesen, wie in diesem Augenblick, und das machte ihn schweigsamer und unbeholfener als je. „Ich hätte Ihnen den Prolog so gern noch einmal vorgesprochen", sagte Elli nach einer Weile, als er noch immer nicht zu reden anfing, „und es thut mir sehr leid, daß sich nun wohl keine Gelegenheit mehr dazu bieten wird. Ich habe mich noch nie vor einem Auftreten so sehr gefürchtet, als in diesem Fall. Ich werde Ihnen Ihr schönes Gedicht gewiß verderben." „O, wie mögen Sie nur so etwas äußern!" rief er mit ausbrechendem Feuer. „Was sind meine unbedeutenden Verse neben den erhabenen dichterischen Gestalten, die ich Sie auf der Bühne verkörpern sah! 9He werde ich Ihnen genug dafür danken können, daß Sie sich herbei- lassen, diesen Prolog zu sprechen." Seine begeisterte Anerkennung schien sie kaum zu erfreuen; denn sie schüttelte mit sehr ernstem Gesichtchen den Kopf. „Warum sagen Sie das, Herr Ruthardt? Ich selber tveiß ja am besten, daß ich gar keinen wirklichen Beruf zur Schauspielerin habe." So bestürzt war er über diese unerwartete Erklärung, daß er sie mit großen Augen ganz verständnislos ansah. „Keinen wirklichen Beruf? Ja, gehören Sie denn nicht mit Leib und Seele Ihrer Kunst?" „Ach nein! Ich würde mir mein Brot hundertmal lieber mit Nähen und Sticken verdienen, als auf der Bühne, die ich nur mit tiefinnerem Widerstreben betrete. Das mag Ihnen sonderbar klingen; aber es ist darum doch die volle Wahrheit. Ach!, wie ich dies Theaterleben hasse — wie ich es hasse!" So gering auch immerhin Sigismund Ruthardts Erfahrung und Menschenkenntnis sein mochten, daß sich hinter diesem unvermittelten Bekenntnis eine Fülle namens losen Herzeleids verbarg, wurde ihm doch! mit erschütternder Deutlichkeit offenbar. „Ich kann das nicht verstehen, Fräulein Pollnitz", sagte er; „denn ich meine, daß kaum jemand gerechteren 630 Anspruch darauf hat, eine wirkliche Künstlerin zu heißen, als gerade Sie. Aber wenn Ihnen Ihr Beruf keine Befriedigung gewährt, was kann Sie hindern, ihm zu entsagen?" Um Ellis Lippen zuckte es. „Was mich daran hindert? Fragen Sie mich danach nickt; denn ich dürfte es Ihnen wvhl doch nicht sagen. Und ich habe auch am Ende gar kein Recht, mich zu beklagen. Es mag wohl außer mir nach viele Tausende geben, die in solcher Sklaverei ihr Leben hinschleppen müssen." „Sie aber sollen nicht in einer Sklaverei leben, Fräulein Elli — Sie nicht! Sie sollen froh und glücklich sein. Und wenn Ihnen das Theaterleben einmal verhaßt ist, so muß es auch ein Mittel geben, Sie daraus zu befreien." Sie schlug die langbewimperten Lider auf, und um den Blick, der ihn aus den dunklen Augen traf, hätte Sigismund Ruthardt mit Freuden auf der Stelle sein Leben hingegeben. „Ich weiß keines", sagte sie im Ton einer müden Resignation, „ich! habe ja keinen Vater, der mir beistehen könnte, und keinen Freund." „Dach, Fräulein Elli — wenn Sie ihn nicht verschmähen wollen, so haben Sie einen Freund! Ich begreife es Wohl, daß sie nicht viel Vertrauen setzen in meine Kraft, Ihnen zu helfen. Aber ein rechtschaffener Wille vermag oft viel, und wenn Sie mir nur sagen wollten, was ich! für Sie thun kann —" Schon tauchte das schmucklose Theatergebäude vor ihnen auf, und ein paar von Ellis Kollegen, die neugierige Blicke auf das Paar geworfen hatten, waren bereits an ihnen vorübergegangen. So mußte die SchMspielerin wohl daran denken, das Gespräch zu enden. „Ich danke Ihnen, Herr Ruthardt, aber Sie sollen mich nicht falsch verstehen. Nicht weil ich Ihren Beistand erbitten wollte, habe ich zu Ihnen von diesen Dingen gesprochen. Ich weiß überhaupt kaum noch, wie ich dazu kam. Und ich möchte wirklich nicht, daß Sie sich, meinetwegen Sorge machten. Am Ende ist doch alles nur Thor- heit, Was ich da geredet habe. Es mag wohl ein unabänderliches Gesetz in der Weltordnung sein, daß arme Mädchen immer unglücklich sein müssen." Die jugendliche Naive des Stadttheaters, eine Dame von etwa vierzig Jahren, hatte sich ihnen gerade rechtzeitig genähert, um Ellis letzte Worte aufzufangen. Sie brannte offenbar darauf, zu erfahren, wer der junge Mann in ihrer Gesellschaft sei, und sie hielt eine unbefangene Einmischung in das Gespräch der beiden für das beste Mittel, diesen Zweck zu erreichen. „Ja, meine liebe Pollnitz", sagte sie mit ihrer hochgeschraubten Backfischstimme, „daß Armut nicht glücklich macht, ist eine alte Weisheit. Aber wenn Sie das an sich selber erfahren, so ist's Ihre eigene Schuld. Sie brauchen ja nur die Hand auszustrecken, und den schönen Millionär einzufangen, für den bereits ganz Waldenberg schwärmt. Steckte ich in Ihrer Haut, so würde ich mich! wahrhaftig nicht lange besinnen." Mit einer unmutigen Bewegung hatte sich! Elli von der boshaften Schwätzerin abgewendet. „Ich danke Ihnen für Ihre Begleitung, Herr Ruthardt", sagte sie, indem sie Sigismund freundlich zunickte. „Auf Wiedersehen morgen abend! Und denken Sie bis dahin nicht mehr an mein unüberlegtes Gerede." Wie aber hätte Sigismund wohl noch an etwas anderes denken können, als an diese schmerzlichen Bekenntnisse, die einen Sturm leidenschaftlicher Empfindungen in seiner Seele wachgerufen hatten. Trotz der dürftigen Umgebung, in der er Mutter und! Tochter bei seinem ersten Besuch gefunden, war es ihm bisher nicht in den Sinn gekommen, daß sie unter der Last einer drückenden Armut zu leiden haben könnten. Mit der naiven Vertrauensseligkeit eines Kindes hatte er den prahlerischen Reden der Frau Pollnitz Glauben geschenkt, und es war ihm nicht einen Augenblick zweifelhaft gewesen, daß Elli binnen kurzem eine weltberühmte Künstlerin sein würde, mit Lorbeeren und Reichtum überschüttet. Von dem Elend ihres Daseins hatte er in seiner weltfremden Unerfahrenheit nichts geahnt, und auch die Bilder, die er sich nun nach! ihren halben Andeutungen machte, waren von der Wirklichkeit sehr weit entfernt. Dessenungeachtet quälten und peinigten sie ihn, wie ihn selbst der Gedanke an sein eigenes verpfuschtes Leben niemals gepeinigt hatte. Die Vorstellung, daß sie, die Herrliche, überhaupt von der gemeinen Not des Lebens gestreift werden könnte, reichte hin, ihn fast zur Verzweiflung zu bringen. Denn mit einer Art von herber Verachtung für seine jämmerliches Nichtigkeit fühlte er zugleich,, wie er mit all' seiner heißen Liebe und todesmutigen Opferwilligkeit so ganz ohnmächtig sei, die Dornen von ihrem Wege zu entfernen. Seine Erziehung und das Beispiel, das er im Elternhause vor Augen gehabt, hatten ihn bisher davor bewahrt, dem Reichtum und den äußeren Annehmlichkeiten des Lebens irgendwelche Bedeutung beizumessen. Zum .erstenmale erfüllte ihn in dieser Stunde der glühende Wunsch, ein! Vermögen zu besitzen, das er der Angebeteten zu Füßen legen könnte. Das herzzerschneidende Wort von den armen Mädchen, die dazu bestimmt seien, unglücklich! zu werden, wollte ihm nicht aus dem Sinn. Wie viel Weh und Bitterkeit mußte ihre Brust erfüllen, daß in einem unbewachten Augenblick dieser Klageschrei ihren Lippen hatte entschlüpfen können! Und wie unmännlich mußte er in ihren Augen dastehen, wenn er jetzt, nachdem sie ihm ihr Vertrauen geschenkt hatte, so gar nichts thun konnte, sich, dieses köstlichen Geschenkes würdig zu erweisen. Allerlei tollkühne, abenteuerliche Pläne wälzten sich in seinem Gehirn, während er den Rückweg einschlug. So lange er Elli auf dem Wege zum höchsten Künstlerruhm geglaubt hatte, war er bei aller Anbetung nicht vermessen genug gewesen, seine Wünsche bis zu dem Gedanken an ihren Besitz zu erheben. Nun aber, da er aus ihrem eigenen Munde gehört hatte, daß, sie diesen Schauspielerberus als eine Sklaverei empfand, nun fühlte er ein übermächtiges Verlangen, ihr der Retter und Befreier zu werden, dem sie dereinst voll Dankbarkeit und Bewunderung sich! selbst zum Lohne geben könnte. Und wenn er auch! in diesem Augenblicke noch, nicht einmal dunkel ahnte, worin die bewunderungswürdige That der Befreiung eigentlich bestehen sollte, so galt es ihm doch als gewiß, daß er irgend etwas thun würde — etwas, das ihm zugleich den fast verlorenen Glauben an seine eigene Mannhaftigkeit wiedergeben mußte. — Das war die Stimmung, in welcher er die Wohnung der Frau Pollnitz betrat, und so wenig hatte er bisher gelernt, seinen Seelenzustand zu verbergen, daß die erfahrene Dame schon nach Verlaus der ersten fünf Minuten wußte, an welchem Punkte sie den Hebel einzusetzen habe, um ihre Absicht Zu erreichet (Fortsetzung folgt.) P e l z w e r k. Wir entnehmen der „Wiener Mode" den nachfolgenden zeitgemäßen und interessanten Aufsatz: Neben echten Spitzen und schönem, wertvollem Schmuck ist kostbares Pelzwerk wohl der von den Damen begehrteste Toiletteartikel; es verleiht thatsächftch dem einfachsten Kleide vornehm-elegantes Ansehen, und nicht allein die Lust an seinem Besitze ist es, die es so verlangenswert macht; auch tue Eitelkeit spielt dabei keine kleine Rolle: Pelzwerk schmeicyelt und ist äußerst kleidsam, da es den Teint hebt, und durch den Gegensatz zur Haarfarbe pikante Wirkungen hervorbringt — blondhaarigen Damen sei daher dunkleres, und braun- und schwarz- köpfigen helles Fell empfohlen. Die Mode ist auch! Heuer so duldsam, die verschiedensten Pelzgattungen gelten zu lassen; neben Stein- und Edelmarder und dem drapfarbigen, weißspitzigen Luchs werden halbdunkle Fellgattungen, wie Seefuchs, Blauluchs und Griesfuchs, getragen, und auch Skunks und Persianer, diese beiden dunklen, kleidsamen Pelze sind ins Bereich der Wintermode ausgenommen worden. Selbstverständlich, ist das edelste der Felle, der Zobel, das nur wenigen vom Schicksal Auserwählten leicht erreichbar ist, noch immer modern, wie Nerz und Chinchilla, das aber seiner geringen Haltbarkeit wegen nicht 631 mehr in erster Linie steht und jetzt vielfache durch das weit praktischere Moschusfell vertreten wird. Der Ankauf von Pelz kann nicht immer, sogar in den seltensten Fällen, von sachverständigen Personen vorgenommen werden und ist deshalb dem Verkäufer gegenüber vollständige Vertraueussache. Wie oft kommt es vor, daß im äußeren Ansehen ganz gleichartige Felle im Preise dennoch sehr von einander abweichen, was zu irrigen Ansichten Veranlassung geben kann. Das billigere Fell ist darum nicht etwa wohlfeiler als das andere, oder dieses zu teuer, der Grund liegt einfach darin, daß das eine in der Ausarbeitung verdorben und verbrannt, und darum von unverhältnismäßig geringerer Haltbarkeit ist als das gute Fell, obwohl das Auge des Laien gar keinen Unterschied an beiden entdeckt. Ebenso sei auch davor gewarnt, Imitation, d. h. gefärbtes Fell, für echtes zu kaufen und sich von vielversprechenden,, geringe Preise anzeigenden Täfelchen in manchem Schaufenster verlocken zu lassen. Man kann da, ohne ganz unverständig auf dem Pelzgebiete zu sein, Nerzmurmel für echtes Nerz und gefärbten Polarfuchs für Blaufuchs kaufeü. Die Streifen werden dem erstgenannten Felle einfach aufgefärbt, und nur mit Mühe kann echtes Nerzfell davon unterschieden werden. Damen, die Wert auf wahrhaft edles Fell legen, mögen diese Winke besonders beherzigen, und sich niemals von billigen Preisen irreführen lassen. Es giebt auch gelungene Nachahmungen von Sealskin, dem Rasee- Seal-Bisam am täuschendsten ähnelt; weniger schwer von echtem Felle zu unterscheiden sind die beiden anderen Konkurrenten von Sealskin: Sealbisam und Sealkanin; Skunks-Opossum und japanischer, wie Skunks gefärbter Fuchs werden oft für Skunks erstanden und Nutria für Biber gekauft. Ganz verschieden im Preise sind die unterschiedlichen Qualitäten von Chinchilla; die langhaarigen dunkleren Felle erster Güte übersteigen die Hellen der Chinchilla-Bastarde oft um mehr als das Zehnfache, man muß also bei Ankauf von Chinchilla ganz besonders vorsichtig sein, obwohl die Differenz im Werte in gar keinem Verhältnis zur größeren Haltbarkeit steht — das teure Fell ist ebenso undankbar als das wohlfeile, nur nicht so kleidsam und schön. Langhaarige Felle sind im heurigen Winter von der Mode bevorzugt; das ins Drap spielende Weiß des Dachsfelles mit seinen braun-weißen Spitzen, das Helle Drap des weißspitzigen Luchsfelles giebt herrliche Kontraste zu dunklen Straßenkleidern. Der moderne Muff ist groß, flach, ein wenig geschweift, vollständig weich! gehalten, so daß er seine Form durch keinerlei äußere Einwirkung einbüßen kann, und mit chic angebrachten Köpfchen und Schweifchen verziert; Persianermuffs werden mit Skunks und Fehschweifchen besetzt, Muffs aus langhaarigen Fellen können auch glatt sein. Große Pelzkragen werden Heuer auch aus drei Tieren zusammengestellt, so daß eines am Halse liegt, und zu beiden Seiten mit Köpfchen oder mit Kopf und Schweif abschließt und diese je ein herabhängendes Fell halten, das an den Enden wieder Schweifbesatz trägt. Breitschwanz ist ein sehr schönes, aber gar nicht haltbares und sehr teures Fell, das aber dessenungeachtet bei den Damen sehr beliebt ist und zu ganzen Kleidern und Jacken verarbeitet wird. Für Ballentrees und Theaterkragen liebt man die Zusammenstellung von Fell und gaufrierten, duftigen Musselinevolants; Pelzkragen für die Straße sind sehr lang und flach! und mit Seidenfutter ausgemacht, so daß sie in Pattenform aufliegen; ihr Verschluß geschieht mit versteckt angebrachten Aluminium- oder Silberketten — sogar goldene Verbindungskettchen sind von der Mode nicht verboten! Vom Monat November. November 19 0 0. Nachdruck verboten. Die herbstlich sonnigen Tage sind zu Ende, und mit unerbittliche kalter Miene hält der November seinen Einzug und treibt die letzten Ausflügler und selbst die hartnäckigsten Sommerfrischler nach Haus. — In der Stadt beginnt nun wieder das eigentlich!e gesellschaftliche Leben, es ist die Zeit der gastronomischen Genüsse und dement- sprechend gestaltet sich auch das Leben aus den Märkten und in den Delikateßgeschäften. Die Auswahl an Nahr- ungs- und Genußmitteln wird immer größer; denn auch das Ausland trägt das Seine zur Vermehrung unserer Tafelfreuden bei und entsch!ädigt uns für manchen einheimischen Artikel, der nun knapper wird oder vollständig vom Markte verschwindet. Die Treibhäuser der französischen und englischen Gärtnereien künden schon jetzt den ersten frischen Treibspargel an, und senden uns frische grüne Schlangengurken. Aus der Provence werden wir reichlich mit Artischoken versorgt; in ausgezeichneten Stauden sehen wir Cardy, sowie sehr gut gediehenen Bleichsellerie, dessen weiche weiße Stengel eine delikate, den Appetit ungemein anregende Frühstücks- oder Dessertspeise sind. Von Gemüseraritäten ist als das Feinste Seekohl zu erwähnen. Die Tomaten haben sich selten in so reichem Maße gezeigt als in diesem Jahr. Die den Tomaten verwandte Eierfrucht oder Aubergine erscheint bei uns nur int Delikateßhandel. Man kocht sie, nachf- dem man sie halbiert, ausgekernt und mit heißem Wasser abgebrüht hat, mit fettem Rind- ober Hammelfleisch- und würzt sie mit Paprika. — Ebensowenig bekannt sind die Stachis; diese feinen Rübchen sind seit einigen Jahren aus China bei uns eingeführt, stammen eigentlich aus Japan, genießen aber schon seit geraunter Zeit das Bürgerrecht in China. Die Zubereitung der Stachis ist sehr einfach,. Die Knollen werden aber nur in lauwarmem Wasser leicht abgebürstet und dann in Salzwasser in 12—18 Minuten gargekocht. Dann schwitzt man Mehl in Butter gelb, verkocht die Einbrenne mit Gernüse- wasfer zu dicklicher Sauce, fügt Muskatnuß und etwas Petersilie hinzu, kräftigt die Sauce mit 5 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt und zieht sie mit einigen Eigelben ab. Wer einen schwach säuerlichen Geschmack liebt, füge etwas Zitronensaft hinzu. — Auf dem Gemüsemarkt erscheinen ganze Wagenladungen Weißkraut, das zum Einsauern in großen Mengen verbraucht wird. Die Weißkohlernte ist jedoch recht ungünstig ausgefallen, und manche nichtsahnende Hausfrau wird über die Preise, die die ländlichen Verkäufer stellen, überrascht sein. Rot- und Welschkohl sind in Folge reichlicher Zufuhr aus Holland etwas billiger geworden. Das gekanfteste Gemüse ist jetzt der Spinat, der selbst vom Grünkohl noch nicht verdrängt wird; Rosen- und Blumenkohl ist in vorzüglicher Ware vorhanden Kopf-Salat liefern die Gärtnereien in prächtigen Köpfen, ebenso breitblättrige wie krause Moosendivien. Sellerie wird in guten Knollen angeboten, und wer Selleriesalat mit Grün liebt, findet Rapnnzen dazu. Von Wurzelgemüsen werden Schwarzwurzeln nur wenig angeboten, recht gesucht sind Karotten, Teltower Rübchen, Kohlrüben und rote Rüben ober Beeten. Zu der nament- lich in Rußland so sehr beliebten uttb schmackhaften roten Rübensuppe schält man einige Rüben, schneidet sie in Stücke, übergießt diese mit kaltem Wasser und stellt sie an einen warmen Ort zum säuern. Ans Knochen, Grünzeug und Fleisch-Extrakt kocht man eine kräftige Brühe, gießt au diese den Saft der Rüben, dickt das Ganze mit etwas Kraftmehl an und giebt die Suppe mit Formnudeln, Würstchen ober Fleischklößchen. Tie Suppe muß fein säuerlich schmecken, ev. wird mit eüvas Essig oder Citronensänre nachgeholfen. Viel begehrt ist jetzt der Kürbis, der auch wie alle Produkte des Gemüsegartens in diesem Jahr teuer ist. Von frischen Pilzen findet man nur noch Garten - Champignons. Aus den nordischen Ländern, wo die Steinpilze besser als bei uns geraten sind, treffen schon die ersten Sendungen in frisch getrockneter Ware ein. Der Obstmarkt ist unverändert, obenan stehen ausgezeichnete Birnen und Aepfel, letztere find besonders gut geraten und billig. In den ersten Wochen des Novembers stehen Wild und Wildgeflügel etwas hinter dem Martinsvogel, der Gans, zurück. Auch! die Gans hat ihre Vorgeschichte. In Egypten, wo sie der Isis geweiht wurde, war der Gänsebraten nur für die Priester und Könige. Vom alten Griechenland, das die Gans der Persephone weihte, berichtet Homer, König Menelaos habe in seinen Mußestunden Gänse gemästet. Den Römern, die sie der Juno weihten, hat die Gans das Kapitol gerettet und wurde dafür für unverletzlich erklärt. Die ersten gallischen 632 — Christen gaben ihr den heiligen Ferreol znin Schiutz- patron, im 5. Jahrhundert aber nahm der heilige Martin seine Stelle ein, nicht weil er ein bedeutenderer Heiliger ist, sondern weil sein Namenstag in die beste Gänsezeit fällt. Im November nämlich zählt die junge Gans etwa sechs Monate und ist in diesem Alter am allerbesten. Die zarte, nicht gemästete, aber Wohl genährte junge Gans liefert den Heften Braten, der mit einem Sträußchen Estragon oder Beifuß ein bürgerliches Gericht ist, das auch an der feinsten Tafel nicht verschmäht wird. Mit dem Eintritt der Saison der Abend- und Mittagstafeln spielt in jedem Haushalt, in dem gesellschaftliche Pflichten zu erfüllen sind, das Geflügel eine große Rolle. Wir finden in den Delikateßläden französische und belgische junge Hühner, böhmische und steyrische Masthühner und Kapaunen, die großen fetten Enten von Rouen, das Entzücken des Feinschmeckers, der diese Entensorte an die Spitze jedes Wassergeflügels stellt. Die großen Vorräte von Wild sorgen für genügende Abwechslung. Die nun beginnenden Treibjagden helfen dazu, daß Reh und Hirsch nicht teurer wird und die Preise für Hasen zurückgehen. Rebhühner halten fest an ihren Anfangspreisen. Für wählerischen Geschmack sind Fasanen und Wachteln da, deren eigentliche Heimat Capri ist, von wo aus sie >zu Tausenden verschickt werden. Auffallend viel wilde Kaninchen werden zu Markte gebracht, die sich bisher nicht einbürgern wollten, jetzt aber von Jahr zu Jahr beliebter werden. Das Fleisch des Kaninchens ist weicher und zarter als das des Häsens. Mancher macht schon bei Nennung des Namens eine abwehrende Bewegung, jedoch ganz zu Unrecht; denn z. B. als Würz- oder Hackfleisch zubereitet ist es ganz vorzüglich. An Fischen ist der November reich; in diesem Monat beginnt die Feinheit des Karpfens. In den Fischhandlungen fängt sich die ganze Schar von Seefischen mr geltend zu machen. Anerkennenswert ist es, daß die großen Handlungen bestrebt sind, den Fisch mehr und mehr ein Volksnährungsmittel werden zu lassen. Für den Feinschmecker bringt der November ausgezeichneten Kaviar, gute Austern von der Holsteiner, englischen und holländischen Küste. GenReimMÄtzige» Ueber die Aufbewahrung unseres Geniü- ses im Winter. Wenn man sein geerntetes Gemüse für den Winterbedarf so aufbewahren will, daß es stets zu haben ist, und auch,.rein im Geschmack bleibt, dann ist es nötig, dazu besondere Vorkehrungen zu treffen. Man muß im Keller Gemüsebeete anlegen, in denen man das Gemüse in Erde einschlägt. Bedingung für das Gutbleiben ist aber ein luftiger Keller. Da nun solche Keller nicht überall zu haben sind, so hat man mit Vorteil sogenannte Gemüsegruben im Freien eingerichtet. Es hält sich das Gemüse darin tadellos, wenn sie sachgemäß angelegt sind, lieber diese sachgemäße Anlage der Gruben, die für die einzelnen Gemüsearten verschieden sein müssen, sowie über die Anlage eines billigen Gemüsekellers im Freien finden wir in Nr. 31 des „Erfurter Führers" eine längere Abhandlung durch Abbildungen erläutert. Wir machen umso lieber darauf aufmerskam, als unseren Abonnenten diese Nummer umsonst und postfrei zugesandt wird, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. Schnitzel von Hasenrücken. Wenn man den Rücken eines Hasen enthäutet hat, so löst man das Fleisch mit einem scharfen Messer vom Knochen ab, schneidet es in zweifingerbreite Stücke und klopft dieselben gut aus. Dann macht man Butter in der Bratpfanne braun, brät die Schnitzel auf beiden Seiten und legt sie auf eine flache Schüssel. Inzwischen hat man folgende Sauce bereitet : Man macht von 1 Löffel Butter und drer Viertel Löffel Mehl braunes Mehl, verdünnt dies mrt etwas Bouillon, fügt ein Glas Madeira oder Portwein, 1 Thee- löffel Zucker, die Säure einer halben Zitrone und acht Körner gestoßenen Pfeffer dazu. Die fertige Sauce gießt man. über die Schnitzel. Litterarisches. Launen der Mode. Als Laune muß es bezeichnet werden, wenn die Mode, die sonst, nur von einer einzigen Grundidee ausgehend, ihre Saisonmodelle bestinimt, in diesem Herbst mehreren Formen ihren Schutz angedeihen läßt, und sowohl die Empiresagon als auch die Boleroform, sowie Prinzeßtoilctten neben Blusenkleidern gestattet. Es ist demnach jetzt ein Leichtes, sich individuell zu kleiden, und Anregungen hierzu bietet in großer Auswahl das soeben erschienene Heft 3 (XI V. Jahrgang) der „Wiener Mode". — Preis des Heftes 45 Pfg. Probeabonnement für die Monate November—Dezember Mk. 1.70. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten oder direkt vom Verlag der „Wiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19. Was muß man von -er deutschen Sozialdemokratie wissen? Allgemeinverständlich beantwortet von E. Reyckardt. Berlin S.W. 1900. Hugo Steinitz Verlag. Preis Mk. 1.—. „Was in aller Welt hat denn die Sozialdemokratie mit den Familienblättern zu schaffen?" wird vielleicht mancher fragen, und wir antworten: „Mit Verlaub, mehr, als man schlechthin denkt." Ist doch die Familie ureigenste Pflanz- und Pflegstätte wahren Gemeinsinns; darum vor anderen berufen, an der friedlichen Lösung der sozialen Frage zu arbeiten. Weniger durch Sprengen lästiger Fesseln, als durch Weben eines die Allgemeinheit begreifenden starken Bandes wird eine vernünftige Sozialdemokratie zur Geltung gelangen. Einer wahrhaft brüderlichen Volksherrschaft aber, die darin gipfelt, daß einer dem andern nach Kräften dient, dürfen wir nicht nur das Wort reden, sondern wir haben sogar die Pflicht, sie überall thatkrästig zu fördern. Das zu vermögen, bedingt Vertrautheit mit den Grundzügen der herrschenden Bewegung. Diese Kenntnis vermittelt uns in verständlicher und begreiflicher Weise die vorstehende Schrift in folgenden Abschnitten: Das kommunistische Manifest, Marx und Engels. Bis zur Revolution von 1848. — Die achtundvierziger Bewegung und ihre Ausläufer. Lassales Anfänge. — Lassales Arbeiterorganisation. — Bis zum Gothaer Einigungskongreß. 1864—1875. — Die Zeit des Sozialistengesetzes 1878—1890. — Das Erfurter Programm. Die neuesten Wandlungen. 1896—1900. Bdt. Das hohe Lied vo« der «aalen Kunst. Von Paul Hildebrandt. A. Hildebrandt, Kunstverlag, Berlins. Preis ? Ein mißglückter Versuch, die gefallene lex Heinze auf Kosten der zwingenden Nacktheit zu verunglimpfen. Wir sind nicht durchaus Verfechter der lex Heinze, noch weniger aber Freunde mangelhafter Verse. Pegasus-Reiten will vor anderem gelernt sein; Hohelieder-Singen erfordert Begabung, Verständnis und vollendete Formgewandtheit. Das lassen aber die Gedichte mehr oder minder vermissen; darum sind's einzeln keine Lieder und insgesamt kein hohes Lied; dagegen teilweise nackt und vollends keine Kunst. Bdt. Skat«rrrfgave. Nachdruck verboten. (a b c d die vier Farben; X Aß; L König; D Dame, Ober; B Bube, Wenzel, Unter; V M H bie drei Spieler.) Da die beiden Andern, die als „Maurer" bekannt sind, passen, bestimmt V, der Spieler in Vorhand, einen Fidelen, das ist Ramsch, auf folgende Karte: a, dB; a8; bK, 9; clO, D, 9, 8, 7. <2 <2 Q Q <2 <2 <2 -2 <2 <2 <2 Q <2 <2 <2 Q <2 <2 ö Er rechnet bestimmt darauf, daß er bei dieser Karte den Ramsch nicht zu nehmen braucht; aber schon nach den ersten zwei Sticken, bei denen ihm die Gegner mit empörendem Hohn zwei Asse hineinwichsen, sieht er, daß er aus's Ganze gehen, d. h. alle Stiche nehmen muß. Natürlich muß er so spielen, daß die Gegner den Braten nicht vorzeitig riechen und ihm durch Nehmen eines Stiches die Geschichte verderben. Im Statt lag blO, b7. Jeder der Gegner hatte zwei Asse. Wie saßen die Karten? Wie ging das Spiel? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Anagramms in voriger Nummer: Dame, Insel, Erich; Sang, Tenne, Estrich, Riese, Noten, Ebro; Dielen, Iran, Emma; Bast, Enkel, Gase, Elend, Halm, Reim, Tibet; Mais, Achse, Nase; Nagel, Ilse, Chaos, Helm, Traum; Maus, Augen, Nebel; Ferien, Rinde, Esel, Utah, Tajo; Selma, Inka, Christ, Hobel; Iller, Hasen, Rose, Ernst, Raum, Posen, Riege, Adel, Chrie, Harm, Ttsch. Die Anfangsbuchstaben ergeben: Die Sterne, die begehrt man nicht, Man freut sich ihrer Pracht. Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meße«.