Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Mey er-Färfter. Schluß. Sie tastete durch das Zimmer, durch die Stubenthür auf den Hausflur hinaus. Fort aus dem dunklen Keller!! Aus dem Hof wehte, frische Herbsttust in den Flur, sie glitt kühlend über ihre glühende Stirn. Fest zog sie die Thür hinter sich zu und drehte den Schlüssel im Schloß. Hinaus — fort aus dem Keller mit feiner düsteren Einsamkeit. In dem breiten, langsamen Strome der Menschen ging sie wie eine Welle im Getriebe unter. Und plötzlich eilte sie, stieß sie die Menschen beiseite. Die belebte Kreuzbergstraße entlang, die stille Tempelhofer Chaussee. — Und nun seitab, auf das einsame, mensöhenverlassene Heidefeld. Keine Seele begegnete ihr. Nur fern am Saum der riesigen Wiese leuchteten im Halbdümmer die Uniformen der Soldaten, die der Kaserne zustrebten. Und immer weiter aus Tempelhof zu. Sic dachte, grübelte nicht mehr. Sie wußte nur, daß sie sich retten mußte, aus der Verzweiflung heraus zu den einzigen Menschen, aus die sie ein Anrecht hatte. Als sie im Vorort ankam, sahen die Passanten, die ijhr begegneten, verwundert aus ihre erregte Erscheinung hin. Sie achtete es nicht. Sie strich das Haar nicht aus der Stirn zurück, nur von dem einen einzigen Gedanken erfüllt, rannte sie weiter. In der Hofwohnung der Brinkmanns war es dunkel, nur in der Küche brannte Licht. Durch die halb offene Sntreethür konnte Nettchen die Großmutter herumrumoren und mit einer hinzugekommenen Nachbarin reden hören. Wie ein Dieb schlich sie durch, den dunklen Korridor. „Paul suchen!" Er saß, ihr abgekehrt, am Fenster in dein kleinen Wohnzimmer. Sein Blick hing an der schwachen Dämmerung draußen. Tonntag den 6. Mai. M Mß ie Muttcrlicb ist reich durch steres Geben, Sie ist schon glücklich, wenn sie weinen kann; Dem Taue gleicht ihr sorgenvolles Leben — Er setzt sich nur in kühlen Nächten an. Karl Gutzkow. Als die Thür so leise aufging, wandte er sich staunend um. Da fühlte er Nertchens Arme, fühlte einen Körper an dem Seinen niedergleiten, brennende schluchzende Lippen auf seiner Hand. „Paul, hasse mich nicht. Ach Paul, warum hassest Du mich?" . ; Er rang nach Worte». In seinem bleichen Gesicht, "hatten sich ‘ die Augen ungläubig, verständnislos auf- gerissen, er wollte die Knieende abwehren, und riß sic doch aufjauchzend an sich heran. Und fassungslos hörte Nettchen die Worte, deren Sinn sie nicht gleich begreifen konnte, und die ihr aus einer anderen Welt zu kommen schienens „Ich hab' Dich hassen lvollen, Nettchen, weil ich nie — nie nie aufgehört habe Dich zu lieben". Wieder ließen die Kinder auf dem Tempelhofer Felde! die Drachen steigen, aber nicht wie winzige Punkte schwebten diese am Horizont, sondern niedergedrückt von der lauer, Frühlingsluft torkelten sie wie trunkene Vögel über den Köpfen der Kleinen. — In ihren schwarzen Sonntagskleidern schritten Nettchen und Paul den schmalen Fußpfad entlang, den die Soldaten parallel der Kaserne in das junge Gras getreten« hatten. Sie lvaren am Morgen ohne Sang und Klang standesamtlich getraut worden, rmd schritten nun der Stadt zu. Die Großmutter, der jetzt der Gang zum Lehnstuhl! der liebste Ausflug war, war zu Hause geblieben. Nur Paulchen schritt vor ihnen her, nunmehr bereits in langen Hosen und Schaftstiefeln, ohne gefütterte Kapuze. Dafür trug er einen Strohhut aus den, Kopf, an den Nettchen bei' der morgendlichen Brautvisite bei Frau Pilz, der Freundin ihrer Fugend, ihn, eine Hahnenfeder gesteckt hatte. — Unruhige Tage lagen hinter ihnen. Nettchens Scheidung, die Auseinandersetzungen mit Jerome Seitrc, der die Trennungsangelegenheit auf eine Weise behandelst hatte, die einer Gelderpressung gleich kam war jetzt überwunden, und keine häßliche Erinnerung mehr ragte in den stillen Frühlingstag hinein. Alles war ausgeglichen, das Leben hatte gleichsam einen neuen Anfang für die beiden, die Hand in Hand neben Johannes Kind herschritten. Ihr Name schwebte zwischen ihnen, vor ihnen her, ungreifbar wie die Sonuenfunken, die auf der Wiese tanzten, und dock; von beiden bis ins tiefste Herz empfunden. „Glaubst Du, daß sie sich über uns freut?" sagte Nettchen leise, während ein hohes Rot in ihren Wangen langsam aufstieg, und ihrem Gesicht für einen Augenblick noch einmal den Ausdruck mädchenhafter Lieb- lichkeit gab. 250 Paul drückte nur stumm ihre Hand und zeigte nach seinem Kinde hin, das vom Springen ermüdet, stehen geblieben war und das Gesicht nach ihnen zurückwandte. Sie sahen in Johanne's Züge. Tas waren ihre Augen, ihr weicher Mund, und das dankbare Lächeln, mit der sie der Welt entgegengestaunt hatte. Aenbstlich, mädchenhaft schüchtern stand er da. Er hatte sich für sein Gefühl schon zu weit von ihnen fortgewagt. Nun maß er mit dem Blicke das Ungeheure seines Vorsprunges, und wie ein kleines Rehkalb, das ganz erschrocken ist überfeinen eigenen, kühnen Frendcnsatz, hielt er zögernd inne. „Er ist „Johanne" ganz wie sie war, — aber er soll auch ein Stück Nettchen' sein!" rief die jugendliche Frau und so machte sie sich rasch und lebendig von der Hand ihres Mannes los, und eilte eifrig ihrem Jungen nach. Er hatte sie kommen sehen, und mit ersticktem, frohen Kindergelächter lief er davon. — Jetzt sah er die Löcher nicht mehr im Wege, nicht mehr die lebendigen Hinhernisse in Gestalt der großen Jungen, die über ihrer Drachenschnur im Grase lagen. Jetzt fürchtete er sich nicht mehr, die rasche, ihn fröhlich antreibende Mutter hinter sich, — aufjohlend lief er weiter, fanatisch kouragiert. Und er wäre von diesem Ueberfluß von Mut beseelt in die Bajonette der exerzierenden Kompagnie gerannt, wenn nicht die atemlose Mutter zu seiner Genugthuung gerufen hätte: „Genug Paulchen, Du hast gesiegt. Ich kann nicht mehr". — Paul der Aeltcre war nur langsam nachgekommen. Auf der Heide iiber der die Falter schwebten, und die bunten Drachen torkelten, auf der blasse Mütter sich mit ihren Kleinen sonnten, und so viele Kinderwagen standen, ging er rastlos vorwärts, eingelullt von der warmen Früh- lingsstimmung, die über diesem kleinen Ausschnitt Welt lag. Sein Herz war dem neuen Leben geöffnet, wie ein Acker, in dem Saat um Saat herniederfällt, und alles, was er vernahm, das Jauchzen der glücklichen Kinder, das Zwitschern der Schwalben, der Trommelwirbel der Soldaten, und das ferne Grollen des Großstadtlärmes verband sich in ihm zu einer einzigen Empfindung von traumhaftem Frieden. Fast schon ganz am Rande der Wiese sah er seinen Jungen, gefolgt von der raschen, fröhlichen Mutter laufen. Sie liefen so schnell, er verlor sie fast ans den Augen, Nettchen's rotes Brusttuch «leuchtete, und Paul's blonde Haare flatterten im Winde. Der einsam schreitende Mann blieb stehen, hielt die Hand vor die Augen und sah ihnen im glitzernden Sonnenlichte aufmerksam nach. — Dann blickte er auf seinen kurzen Fuß herab, und lächelte vor sich hin. — Sie liefen so schnell, und er wird über die Wiese hin in gleichem Laufe niemals mitkommen! Doch dort, wo sich der Weg in zwei Hälften teilt, bleiben sie unschlüssig stehen, die Arme nach ihm ausgebreitet, die erhitzten Gesichter ihm fragend zugekehrt, wie Kinder, die den Vater erwarten, — Und so schnell und lebhaft, daß der hölzerne Absatz des kurzen Fußes förmlich über das Gras der Wiese tanzt gleichsam als habe der Himmel ihm neue Gesundheit gesandt, flüchtet Paul zu. seiner Familie hin. -- — — Das Passionsspiel in Oberammergau. Von Paul Pasig. (Nachdruck verboten.) Unter den zahlreichen Bauernspielen, die das Leiden und Sterben des Erlösers zu ihrem Inhalte haben und die historischen Begebenheiten der Karwoche, vom Palmsonntage an, vor den Augen der andächtigen Zuschauer aufleben lassen, steht zweifellos das sogenannte Passionsspiel von Oberammergau (Oberbayern) obenan. Es liegt das nicht allein in der Lokalität, in der diese größte Tragödie der Menschheit immer wieder von neuem zu geschichtlicher Thatsache wird, sondern auch teils in der Entstehungsursache, teils in der ganzen Art der Auffassung und Darstellung des Passionsspieles selbst. So ist es gekommen, daß, das kleine etwa 1500 Einwohner zählende Dörfchen an der Ammer, Bezirksamt Garmisch, in Oberbayern je von Jahrzehnt zu Jahrzehnt das Ziel vieler Tausende ans allen Weltteilen ist, und daß die Zeitungen der gebildeten Welt dann von jenem stillen, entlegenen Alpenthale berichten, wo die verschiedensten Nationen und Konfessionen, gleichsam !vie verabredet, sich ein friedliches Stelldichein geben, um durch ein Anschauen des heiligsten Abschnittes der heiligen Geschichte sich zu erheben über den Staub des Alltagslebens. Es war im Jahre 1633, als die an sich wenig zahlreichen Bewohner des Ammerthales, die sich als Holzarbeiter (Holzschnitzer) schlecht und recht durchs Leben schlugen, infolge einer verheerenden Pestseuche, die das stille Thal in eine schaurige Einöde zu verwandeln drohte, das heilige Gelübde ablegten, wenn Gott dem Weiterumsichgreifen der Seuche Einhalt gebieten werde, alle zehn Jahre durch Ortsangehörige die Passion Christi aufführen zu lassen. Und siehe da, ihre Bitte wurde erhört, und nachdem die erforderliche Genehmigung der geistlichen und weltlichen Behörden eingeholt worden war, machten sich die wackeren Oberammergauer an die Einlösung ihres Gelübdes, ohne daß die große Welt übrigens anfänglich viel von dem „Gspiel", wie es die Landsleute nennen, erfuhr. Erst seit im 19. Jahrhundert infolge der ungeheuren Verkehrserleichterungen auch das weltferne Alpenthal mit seinen treuherzig frommen Bewohnern der Kultur näher gerückt war, fing man auch in weiteren Kreisen an, sich für das Spiel zu interessieren. Zuerst, freilich war es meist Neugierde, die alljährlich mehr Fremde anlvckte. Auch religiöse Gründe trugen dazu bei, den Ausführungen neue Freunde zuzuführen. Schließlich kam man zu der Ueberzeugung, daß es sich im vorliegenden Falle doch um etwas ganz anderes handele, als um die vielverspotteten „geistlichen Schauspiele" des Mittelalters, die bei aller Anerkennung ihrer guten Absichten vom künstlerischen Standpunkte aus — man denke nur an Hans Sachs it. a. — auf einer sehr niedrigen Stufe stehen und den Anforderungen eines geläuterten Geschmackes nicht zu genügen vermögen. Wer vollends an der dramatischen Behandlung jenes religiösen Stoffes mit der Person Christi selbst als Mittelpunkt Anstoß genommen hatte, der kehrte, nachdem er in Oberammergau gewesen war, mit völlig veränderter Ansicht zurück, und trug an seinem Teile dazu bei, etwa vorhandene falsche Meinungen und schiefe Urteile zu berichtigen und die Zahl der Wallfahrer selbst von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zu vergrößern. Das liegt, wie wir eben andeuteten, einmal in der textlichen und musikalischen Ausgestaltung des zweifellos schwierigen Stoffes, dann aber und keineslvegs zuletzt, in dem rastlosen Eifer, dem unverkennbaren Geschick und der selbstlosen Hingabe, mit der die z. Z. etwa 550 zählenden Darsteller, sämtlich Ortsangehörige, sich ihrer ebenso zarten als schwierigen Aufgabe zu entledigen wissen. Auf die großartige Wirkung und das hervorragende Ensemble dieser schlichten Naturmenschen wies s. Z. vor allem E. Devrient hin, ein Künstler, der besonders urteilsberechtigt war, und namentlich die Volksszenen, bei denen man unwillkürlich an einzelne Darstellungen aus Shakespeares Dramen (Julius Caesar, Coriolan u. a.) erinnert wird, sind von packender Kraft und Naturtreue. Die erste Bearbeitung des Textbuches stammt vom Jahre 1662, jetzt wird eine vom Benediktiner O. Weiß (gestorben 1843) besorgte Bearbeitung benutzt, die im Jahre 1850 durch den geistlichen Rat Daisen berger nach eine Ueberarbeitung erfuhr (Text mit Vorwort von C. v. Brentano), während die musikalische Behandlung vom Lehrer Rochus Dedler in Oberammergau herrührt. Ein Ausschuß bildet die Intendanz, deren Hauptaufgabe naturgemäß in der sachkundigen Besetzung der Rollen, vor allem des Christus, Johannes, Petrus, Herodes, der Maria Magdalena, Martha u. a. besteht. So hat sich unter den schlichten Bauern allmählich eine künstlerische Tradition ausgebildet, auf welche nicht nur jene Hauptdarsteller und deren Familien, sondern das ganze Dorf stolz sein darf. Joseph Meyer, der frühere Träger der Hauptrolle, mit seinem edlen Christusantlitz, das uns von unzähligen Bildern her so bekannt ist, steht sicher noch bei vielen in sympathischer Erinnerung. Er hat dem Alter nun auch seinen Tribut gezollt. In seine Stelle soll dieses Jahr Töpfermeister Anton Lanz jun. treten, gleichfalls ein herrlicher Kopf, der an das Christusideal erinnert, während 251 Joseph Meyer den Prolog sprechen wird. Petrus wird von I < Thpmas Rendl fen., Herodes von Rochus Lanz sen. dar-- I \ geftetlt, während die Postbotentochter Anna Flunger die I 1 Maria, die Gastwirtstochter Bertha Wolf die Magdalena, I i Maria Schwalb die Martha darstellen wird usw. Auch in Bezug auf die Einrichtung des Theaters bezw. I der Bühne sind gegen früher eine Anzahl schwerwiegender I Verbesserungen vorgenommen worden. Ursprünglich wurde I bekanntlich aus dem Gottesacker gespielt. Da dies aber I aus naheliegenden Gründen auf die Dauer unmöglich war, I wählte man 1830 den Wiesenplan, der noch heute die Theatergebäude trügt. Dieselben bildeten den sogenannten I „Passionsstadel", einen riesigen, künstlerischen, aber un-- I schönen und praktisch unzweckmäßigen Gebäudekomplex. I Erst im Jahre 1890 trat an dessen Stelle das gegenwärtige I Schauspielhaus, das stilvolle, harmonische Werk des könig-- I lichen Maschinendirektors Lautenschläger in München, be- I stehend in einer Mittelbiihne und in einer Vorbühne. Tie I erstere, deren Rahmen die Facade eines altgriechischen | Tempels bildet, von vier Säulen getragen, dient dazu, I symbolische Gruppen darstellen zu können, während die I Vorbühne für bedeutungsvolle Handlungen, besonders aber I Umzüge, benutzt wird. Zu beiden Seiten der Tempelfacade I bemerken wir je ein Thor, durch dessen Bogen der staunende Blick in zwei naturgetreu nachgebildete, in sich abgeschlossene I Straßen der Stadt Jerusalem dringt, die Kidronstraße und | die Davidstraße. Daran grenzen wichtige Paläste, zur I Linken der des römischen Prokurators Pontius Pilatus, I zur Rechten der des jüdischen Hohenpriesters Hannas. Außerdem bemerken wir zu beiden Seiten dreiteilige Kolo- I nadcn, in denen die Sänger und das Volk, soweit sie zu I den Mitwirkenden gehören, sich versammeln. Alle Gebäude stellen eine prächtige antike Stadt dar, deren natnr- 1 liche Staffage die herrliche Gebirgswelt Oberammergaus 1 bildet. Die Illusion, sich in der Thai in Bethlehem oder in Jerusalem zu besinden, wird noch dadurch erhöht, daß I Oberammergaus natürliche Lage ähnlich wie die de» I thüringischen Städtchens Orlamünde an dreMnge Beth- I lchems erinnern soll. Die Bühne erhält ihre Beleuchtung 1 durch ein Glasdach und ist 42 Meter breit und 17 Meter tief Vor dem Theater befindet sich die neuerbaute gedeckte Lalle für die Zuschauer, ein bedeutender Fortschritt gegen I früher ivo bei plötzlich eintretendem Unwetter die letzteren rettungslos allen Unbilden der Witterung preisgegeben waren. Theater und Halle unifassen eine Flache von .3800 Quadratmeter. Die Aufführung nimmt durchschnittlich acht bis neun Stunden, die Zeit von inorgens 8 Uhr bis nachmittags 5 einhalb Uhr in Anspruch, während welcher nur eine zweistündige Mittagspause gemacht wird. Spieltage Md tn diesem Jahre der 24. und 27. Mai, der 4., 10.,„16., 124. und 29. Juni, der 1., 8., 15., 18., 22. und 27. Juli, der ( .5., 8., 12 , 15., 19., 25. und 26. August und der 2., 8., <)"' 16., 23. und 30. September. Und wie gelangt man am zweckmäßigsten nach Oberammergau? wird der Leser fragen. Das ist heute auch nicht mehr so schwierig wie ehedem ^tzt kann man von München über Murnan direkt auf der Eisenbahn bis Oberammergau fahren, seitdem von Murnau eine Lokalbahn von 24 Kilometer nach Oberammergau selbst gebaut wurde. Früher mußte man für diese letztere Strecke die Post oder Fuhrwerk benutzen, das oft garmcht, oft nur zu sehr hohen Preisen aufzutreiben war. Außerdem ist -ie Fahrt jetzt von München ab auf 3 einhalb Stunden gegen früher 5 Stunden verkürzt worden. ' " Auch in Bezug auf das Unterkommen ist gegen früher vieles besser geworden, wo'mancher des Abends nicht wußte, wo er sein müdes Haupt zur Ruhe mederlegen sollte ganz zu schweigen von den Unannehmlichkeiten, die em plötzlich eintretendes Unwetter den andächtig dem Spiele Lauschenden verursachte, die dann oft ratlos waren, wie und wo sie sich vor den Unbilden der Witterung schützen sollten, da der Ort nicht genügendes Obdach bot und der Weg nach Murnau oder München nur mühsam zuruck- qelegt werden konnte. War damals, d. h. bis vor zwei Jahrzehnten der Besuch der Passivus,snele gewissermaßen unter Umständen eine Strapaze, der nur abgehärtetere Maturen sich zu unterziehen vermochten, so ist das Heuti alles besser geworden, und den diesjährigen Besuchern stehen, abgesehen von der direkten Eisenbahnverbindung, im Orte selbst allabendlich nicht weniger als 1900 Gastzimmer mit rund 3500 Betten zur Verfügung, eine Zahl, die auch weitgehenden Ansprüchen genügen wird. So dürfte jeder, der in diesem Jahre seme schritte nach dem historischen Oberammergau lenkt, als dessen ehr- furchtqebietendes Wahrzeichen eine un ^ahre 18" von König Ludwig II. geschenkte, 13 Meter hohe Kreuzigungs gruppe vom nahen Osten leicht herabgrüßt, im Anjchauen der erschütterndsten Tragödie, welche die Weltge,chichw kennt einige Stunden weihevollster Erhebung, gepaart mit einem echten Kunstgenüsse, verleben und einen rnchen Schatz edelster Erinnerungen, die me aus dem Gedächtnis' schwinden werden, in die Heimat zurückbringen. Gartenarbeiten im Mai. Nachdruck verboten. Der Mai ist gekommen und mit ihm auch der langentbehrte Sonnenschein. Wie durch einen Zauber,chlag ist alles grün geworden, alles in lebhafter Entwickelung. Und was haben wir zu thun? Wir haben die prächtige Blute gegen den Apfelblütenstecher zu schützen, indem wir den Käfer frühmorgens von den Bäumen auf untergelegte Laten schütteln. Wir haben die Himbeeren in gleicher Weise vor einem kleinen Käfer, dem Himbeerstecher zu schützen, wenn unsere Himbeeren ohne Maden bleiben sollen. Manchmal tri ft man denselben Nichtsnutz auch aus den Erdbeerbeeten, I wo er die Knospen, bevor sie erblüht sind, absticht und so zerstmü-Z u dünnstämmiger Bäume läßt sich jetzt noch durchführen. Kirschen, die alljährlich madig w^- den pflückt man grün herunter, weil die Kirschfliege, welche die Maden hervorbringt, ihre Eier daran legt. Das Spargelstechen ist im besten Gange; man steche vorsichtig rind'steche da, wo es gut ist; schwache Beete werden durch zu frühes Stechen häufig ruiniert. Es ist I Regel, daß 'man erst im dritten sichre nach der Anlage sticht. Die jungen Anlagen müssen vor der Spargelfliege und I dem Spargelkäfer bewahrt werden; dresgeschieht am besten I vermittelst Schweinfurter Grün, einem Mittel, welches auch in Amerika viele Anwendung zur Vertilgung vo» Ungeziefer findet. Vorsichtige Handhabung ist bei der Giftigkeit not- I Das Auspflanzen der Gemüse wird zu Ende geführt; I man muß fest pflanzen, tüchtiges Begießen nicht vergessen, auch die Pflanzen aus den Saatbeeten vorsichtig yeraus- nehmen, damit sie alle Wurzeln behalten! . I Mau säet noch Erbsen, legt Bohnen, Gurken, Kürbis, Melonen und schützt die jungen Pflanzen auch gegen eveni. Nachtfröste. Eine Kohlrabiaussaat für eine neue Pflanzung ist sehr dienlich. Aussaaten von Sprofsenkohl, Grünkohl können gleichzeitig gemacht werden; Radies und Rettig '"^Der^Blumengarten wird in jeder Richtung ausge- I schmückt. Man pflanzt Dahlien, Gladiolen, Verbenen, Phlox I usw. Die Blumenbeete für Canna, Fuchsien, heliotrop, ! Begonien werden zurechtgemacht und nach dem Passieren I der drei Gestrengen bepflanzt, ^lbgeblühte Hya^nthen und I Tulpen bringt man in den Einschlag. A-er Rasen wird gemäht, auch mit Kompost überstreut, wo der Wuchs nicht kommen auch die Lorbeerbäume in die Borgärten auf die Veranden und Balkons. Zwei Fehler werden bei | der Behandlung der Lorbeerbäume Nicht selten kugangeu. Ersten?- wird auf ein rechtes Begießen zu wenig Gewicht gelegt. Man gießt entweder zu viel, wodurch em Faule» der Wurzeln veranlaßt wird, oder zu wenig, zu selten, s daß der Wurzelballen austrocknet. Eine gleichmäßige Feuch- tiakeit fordert auch der Lorbeerbaum. Man rede sich 1« nicht ei das ist eine alte starke Pflanze, die kann alles . vertragen Der größte Fehler ist aber, daß die Baume nicht ■ g t °nug umqepflanzt werden. Die großen, Pflanzen mit ihren starken verzweigten Wurzeln beanspruchen vie e ■ Wruna welche sie dem verhältnismäßig wenigen Boden M den Kübe u nach und nach aussaugen. Zunächst muß ; mm dumm Zeit $u Seit -m-u Doug-ftch «m, «*• 252 löstem Kuhdünger oder Hornspähnen geben. Alle zwei .Jahre aber zur Zeit des Frühlings sollte man die Lor- Leeren umpflanzen. Man gebe eine Erdmischung von drei Fünftel guter verrotteter Komposterde, ein Fünftel Lehmerde Lind ein Fünftel reingewaschenen Flußsand. Angefaulte und überflüssige Wurzeln werden beim Verpflanzen glatt abgeschnitten. Der Boden des Kübels sollte mit mehreren kleineren Abzugslöchern versehen sein. Unmittelbar über diese bringe man Topfscherben, Kieselsteine, Holzkohlen, um den Abzug zu erleichtern.' Nach dem Verpflanzen tverden die Lorbeeren einigemal gehörig angegossen. Im Zimmer schützt man seine Pflanzen gegen grelle Sonne, gießt und spritzt fleißig und lüftet auch viel. Bevor die härteren Pfanzen Ende Mai aus einen sonnigen Stand im Garten gebracht werden, ist ihnen für acht Tage ein Stand unter Bäumen oder an der Nordmauer notwendig. Nur auf die Weise können die Blätter soweit abgehärtet werden, daß sie nicht von der Sonne braune Flecken bekommen. I. C. S ch m i d t in Erfurt. Ietd und Garten. Eine der schwierigsten Fragen für den Gartenbesitzer ist die Wegebefestigung; ein guter Gartenweg soll fest sein, hübsch aussehen, soll unmittelbar nach dem Regen trocken und selbst für zarte Füßchen gangbar sein. Aus die Frage nach dem besten Belag für Gartenwege, die die Redaktion des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau an den Leserkreis richtete, ist Folgendes empfohlen worden: Eine 10 Zentimeter hohe Schicht von geschlagenen Brandziegeln, fest gestampft und oben 5 Zentimeter mit Kies bedeckt — Harzer Pochkies und Pochsand, aus Goslar oder Silberhütte — Koksgrus und Koksasche 7— Silbergrauer Erzsand aus Freiberg — Abfall aus Schwerspatgruben — Feinkörniger Basalt, aus Basaltwerken — Zweimal gesiebter Meereskies: Der Gartenbauverein Apolda empfiehlt Belegen mit alter Dachpappe, die geteert und mit weißem Sand bedeckt wird. Es versteht sich von selbst, daß die Ausschachtung und der Unterbau der Wege dem Belagsmaterial entsprechend ansgeführt werden muß. Gesundheitspflege. Soll man im Sommer gestärkte Wäsche tragen? Max Rubner, der Berliner Professor sür Hygiene, der sich seit öiniger Zeit mit der hygienischen Bedeutung der Kleidung und der Bekleidungsstoffe beschäftigt, hat uuch die Bedeutung des Stärkens der Wäsche untersucht. Er stellte dabei fest, daß die Stärke ein starkes Hindernis für die Wärmeabgabe bildet, und zwar merkwürdigerweise ein um so stärkeres und mehr ins Gewicht fallendes, je höher die Außentemperatur ist. Hiernach ist also das Stärken der Leibwäsche eigentlich eine recht unpraktische Einrichtung. Denn im Winter, wo wir uns alle Mühe geben, die Wärme festzuhalten, ist wegen der Außentemperatur der Wärmeschutz der Stärke nur gering, im Sommer dagegen, wenn wir uns bemühen, uns nach Möglichkeit abzukühlen, hält die gestärkte Wäsche die Wärme energisch am Körper zurück. ' Nun ist es ja richtig, daß bei steigender Temperatur der Schweiß die Stärke auflöst; aber auch noch im aufgelösten Zustande nracht sich die Stärke in der Wäsche unangenehm bemerklich. Denn auch in diesem Zustande verklebt sie die Poren der Leinewand und erschwert auf diese Weise die Zufuhr trockener Luft zu unserer Haut, und gerade diese Zufuhr wirkt ja bekanntlich so erfrischend. Also auf alle Fälle erscheint das Stärken der Leibwäsche wenig hygienisch. Nasenbluten. Ein Arzt versuchte in einem sehr hartnäckigen Fall von Nasenbluten, an dem die Geschicklichkeit verschiedener Mediziner scheiterte, das viel ange^ wandte Mittel, nämlich heißes Wasser mit gutem Erfolg. Er verordnete ein fast unerträglich heißes Fußbad. Die Füße des Patienten wurden in Wasser von 35 Grad R. gethan; nachdem jener ein wenig daran gewöhnt, goß der Arzt kochendes Wasser nach, und in einigen Minuten schon verminderte sich die Blutung, die bereits einige Stunden gedauert hatte, um endlich ganz aufzuhören. Der Haarschwund oder die Fuchsräude, den die medizinische Wissenschaft mit bent Namen Alopecie areata oder Area Celsi bezeichnet, wird, wie man annimmt, durch Ernährungsstörungen (nervöse Störungen) der Haut ver- ursacht, andererseits wird auch ein Pilz als Ursache genannt. Diese auffallende und deshalb unangenehme Krankheit charakterisiert sich dadurch, daß die Haare an einzelnen Stellen ausfallen, so daß freie haarlose Inseln auf der Kopfhaut entstehen. In seltenen Fällen vergrößern sich die Inseln so, daß nicht nur der ganze Kops, sondern auch der ganze Körper vollständig haarlos wird; dann ist alle Anwendung zwecklos und keine Heilung mehr möglich. Man muß deshalb beizeiten durch tägliche Kopf- waschungen mit 26 Grad R. Wasser die Ausbreitung hindern. JSic Verwendung spirituöser Einreibungen und anderer Schmiermittel ist wohl bequemer, hat aber auch keinen früheren Erfolg als das Wasser aufzuweisen und kostet Geld. Litterarifches. Mit Volldampf voraus! Direkt an die neuesten Frühjahrs- kostümc für Mädchen und Knaben führt uns das ganz allerliebste Titelbild der Mainuminer der weitverbreiteten illustrierten Monatsschrift „Kindergarderobe", Verlag John Henry Schwerin, Berlin. Was die Kinderbekleidung anbetrifft, so steht genannte Zeitschrift mit ihren Modebildern und Schnittinusterbogen einzig und unerreicht da. In 72 Ansichten wird uns der ganze Bedarf der Kleinen an Frühjahrs- klcidung vorgeführt. Der mustergültige Schnittbogen ermöglicht die Selbstanfertigung, außerdem liefert der Verlag Erlraschnitte nach Maß gegen 35 Pfennig pro Stück. Auch die häuslichen und ärztlichen Winke, ferner die Spielbeilagen, die reiche Anweisung geben, aus den Resten des Hauhalks die schönsten Spielzeuge leicht selbst herzustellen, sowie die reizende Beilage „im Reiche der Kinder" werden allen hochwillkommen sein „Kindergardcrobe", mit den Beilagen „Für die Jugend" und „Im Reiche der Kinder" — Abonement nur 60 Pfg. pro Quartal — ist zu beziehen von allen Buchhandlungen und Postanstaltcn. Gratis- Probenummern durch erstere und den Verlag John Henry Schwerin. Berlin W. 35. Schachaufgabe. Von Abcla. 8 7 6 4 3 2 1 a b c d e f g h Weiß. ■ 8 7 ■ 6 5 ■* ih 1 (Nachdruck verboten.) a b c d e f g h Weiß zieht, uub setzt mit dem zweiten Zuge matt. Auflösung folgt in nächster Nummer. Anflösnng^deS Ergänzungsrätsels in voriger?.Nummer. Die Tage sind ja Blätter nur Im Buche deines Lebens; Füll' sie mit guten Thaten an Und Wirken reinen Strebens. Daniel Sanders. Redaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Uni»erfität«.Buch. nnb Steindruckern (Pietsch Erben) in «hieße-.