1900. i - ur»«:«krn»stir«vi WM -zM lj! ■ AMD ili m Nachdruck verboten. nd heiter, da ihr's sein könnt, ach! der Kelch Des Lebens leert sich bald, und seine Hefe, Erfahrung nennt man sie, ist bitter. Shakespeare. der Wendepunkt ist jetzt gekommen! Nach dem, was geschehen rst, kann rch ihm nicht mehr so wie früher, begegnen, es wäre abscheulich undankbar. Aber seine Verwandten werden anders denken, und er? Noch ist er jung und selbstlos und hält es für edel, uns in unserem Kampf ums Dasem berzustehen. Aber wird er auch in späteren Zähren so denken, wenn der Kampf lang und hart ist, I wenn wir sein Fortkommen erschweren, wenn er sieht, daß rch rhm nur Dankbarkeit und Achtung bieten kann? O Mama, rch brn ganz ratlos! Er hat so viel verdient und toem0 bieten, und doch muß ich einen Entschluß assen Denn wenn ich ihm Hoffnung mache, so darf ich sre nicht tauschen, auch wenn mein Herz brechen sollte, — auch wenn Arnold Vinton käme und all seinen Reich- tum mir zu Füßen legte! Mama, was soll ich thun? Mrldred, erwiderte die Mutter, Deine Gefühle sind w HL1L L7n LSBL ZLLLEiL? w- w. SSE_ - „ich,s Mich-' Anftr ngung^ L-n"'m' heiliges Recht am Liebe B 9 8 Iteben' ber ein f° ^ Mildred, Du weißt nicht wie trostlos Dein Leben werden kann Du nwfit wirses • m =r-l6Art los Srinc atie Seb7 ifl 16 ' ' "3W- M •*» es, eierte Mildred mit einem leisen SWMLMWW bitteren Worte aus! Dein Le9benlittnoch vortirtnÄb st kein schwacher Maun er ist eiu iunaerRwü Äwn Lraft Du, Mildred erweckt bait fia L»”. wn Umständen treiben lassen, sondern sie beherrscht und annst'ihn^glüMch^machen un?"zu ftchem Erfolg"v?el 2 elbst seinen Weg finden Willow mb wt oft im raufe seines Onkels, und dieser unterhält sich zuweilen nit ihr' Frau Willow sagt, er sei reich obgleich si ech ach eben, und der Onkel sei sehr ür den iunaen W genommen und wolle sein Emporkommm unterstützen" ^enn er sich auch ferner als so ausdauernd erweise ' Es thut mir leid, Mama daß Du mir da^ gesagt hast eufzte Mildred 01 01 "“I1' Nach einem kurzen Schweigen schloß die Mutter mit bittender Stimme: Ach, Mildred, wie glücklich würde es mich machen, wenn das alles in Erfüllung ginge. Sei ruhig, Mama. Du hast mir die Pflicht schwer gemacht, aber ich will thun, was ich kann, und es kommt jetzt alles auf Robert an. Als Mildred allein war, wandte sie ihr Gesicht nach der Wand und atmete schwer. Arnold! Arnold! Lebe wohl für immer! rief sie. Ich darf nicht mehr an Dich denken! — O Herz, schweige still! Doch sie war zu einem Entschluß gekommen, die Natur machte ihre Rechte geltend und sie sank in Tinen tiefen langen Schlaf. XXVIII. Ein weibliches Herz. Am Abend erschien Mister Wentworth in Begleitung von Robert, welchen Mildred mit Zittern, Bella mit Ungeduld erwartet hatte. Für Mildred war es eine Erleichterung, daß der Geistliche mitkam, denn trotz ihres Entschlusses, Roberts Bewerbung anzunehmen, war ihrem Herzen doch ein Aufschub willkommen, und in Gegenwart des Geistlichen konnte sie ihm ihre Dankbarkeit aussprechen, ohne sofort die Folgen zu befürchten. Warum ließen Sie mich heute morgen meine Dankbarkeit nicht aussprechen? sagte sie. Meine Dankbarkeit ist seitdem noch gewachsen, ich muß von der Last frei werden, sonst sinke ich nieder. Bei diesen Worten, welche warm von dem Herzen des Mädchens kamen, das bisher ihm so unnahbar geschienen hatte, zitterte Roberts Hand. Bitte sprechen Sie nicht so, stotterte er. Ich verdiene das nicht! Jeder andere hätte mit Freuden dasselbe gethan. Ich bin glücklich, daß mir diese Pflicht zufiel! — Aber Bella umfaßte ihn mit dem Ungestüm einer warmherzigen Schwester. Ich werde Sie mit der besten Münze bezahlen, die ich habe! ries sie und küßte ihn wieder und wieder. O Jupiter! ries er errötend, dieser Geschäftsführer mit allen seinen Teufeleien sei gesegnet! Ich werde ihm verzeihen. Nein, rief Bella, Sie sollen noch einen Kuß haben, wenn Sie scharf mit ihm abrechnen! Abgemacht! sagte er ihr ins Ohr und Bella erfüllte sofort den Vertrag. Ach, dachte Mildred, wenn es doch Bella wäre, anstatt meiner! Mister Wentworth, welcher bis jetzt unbeachtet geblieben war, beobachtete lächelnd die Szene und nun rief Bella: Erzählen Sie! Wir waren den ganzen Tag voll Neugierde, Sie aber sind so geheimnisvoll. Und wirklich, Robert, es scheint mir, daß Sie für einen Jüngling vom Lande sehr rasche Fortschritte machen. Ein Jüngling vom Lande braucht nicht gerade immer ein Dummkops zu sein, sagte Robert. Es ist alles einfach zugegangen, ich ging gerade an dem Laden vorüber, wo Fräulein Mildred — Gerade ganz zufällig! unterbrach ihn Bella mit schalkhafter Miene. Wie oft traten denn solche Zufälle ein? Sie sind nicht der Richter und dürfen keine Kreuzfragen stellen, erwiderte Robert errötend. Dann erzählte er, was den anderen noch unbekannt war. Nun zu den Geschäften! sagte der Geistliche zuletzt. Heute war ich mit Robert in Ihrem früheren Geschäft, Fräulein Mildred, und wir sprachen mit den Inhabern ziemlich scharf. Sie behaupteten, sie seien getäuscht worden und bedauern das Vorgefallene, aber es sei nicht ihre Schuld. Sie geben Ihnen eine Woche Urlaub und senden Ihnen fünfundzwanzig Dollars als Entschädigung für das, was Sie durchgemacht haben. Das brauche ich nicht! rief Mildred entrüstet. O doch, gewiß. Jenen Bissel haben sie bereits entlassen und beabsichtigen, das Mädchen gerichtlich zu verfolgen. Sie senden Ihnen Ihre Entschuldigung und versprechen, Ihren Gehalt zu erhöhen. Aber ich glaube, ich kann Ihnen genug Nadelarbeit verschaffen, so daß Sie nicht mehr in jenes Geschäft zu gehen brauchen. Ich kenne eine reiche Dame in der fünften Avenue, durch welche ich Ihnen Kundschaft zu verschaffen hoffe. Ach, wenn ich nur bei Mama bleiben und ruhig zu Hause arbeiten könnte, dann wäre ich glücklich! rief Mildred. Gut, aber Sie müssen mir versprechen, jeden Tag an die frische Luft zu gehen mit Ihrer Schwester oder mit Robert. Sie dürfen nicht hier bei der Arbeit verkümmern. Sie haben Recht, erwiderte sie. Dann bedeckte sie das Gesicht mit den Händen. Aber Papa! Papa! Sie müssen die Wahrheit wissen, ich» darf Ihnen nichts verheimlichen! Ich fürchte, wir würden Mister Atword schaden, wenn wir seine freundliche Begleitung annehmen würden. Fräulein Howell, rief Robert, auf nichts würde ich I so stolz sein, als darauf, Ihr, und Ihrer Mutter Vertrauen zu besitzen! Robert hat recht, bemerkte der Geistliche. Da Sie von einer so peinlichen Sache gesprochen haben, kann ich auch aufrichtig davon reden. Es wäre grausam, die Sünden der Eltern an den Kindern zu rächen. Sie haben soviel Recht auf Luft und Sonnenschein als ich und andere und auch ' ein Recht auf Achtung. Es würde Ihrem Vater nichts nützen, wenn Sie sich von der Welt zurückziehen wollten. Ich fürchte, die Sucht nach jenem Gift ist bei ihm schon eine Krankheit geworden, und es ist ihm unmöglich, es s zu lassen ohne ärztliche Hilfe. Glauben Sie, daß es möglich wäre, ihn i« eine Anstalt zu verbringen? fragte Mildred. Es kostet viel, aber wenn Ihr Vater einwilligt und eine ehrliche Anstrengung machen will, so wird sich vielleicht das Geld dazu finden. O, rief Mildred, wir wollen hungern und Tag und » Nacht arbeiten, um dieses Ziel zu erreichen. Das Geld ist da, sagte Robert ruhig. Ich habe fast 8 meinen ganzen Gehalt aufgespart und — O Robert, brach Mildred aus, das wäre noch eine ! größere That, als daß Sie mich vom Gefängnis errettet | haben! Wir wollen einen Versuch machen, rief Robert. Ich | wünsche nichts mehr, als dazu beitragen zu können, einen s solchen Mann, wie der alte Herr gewesen sein muß, zu | retten. Sie sind der treueste und beste Freund! rief Mildred I ungestüm. Jetzt weiß ich es! Sie sah, wie seine tiefe, lange zurückgedrängte Leiden- | schäft in seinen Augen und auf seiner Miene aufflammte, I unwillkürlich aber schrak sie davor zurück. Das weibliche | Herz war stärker selbst als ihr Wille. Die Leidenschaft l erlosch auf seiner Miene. Der Geistliche, der mit Frau Howell sprach, hatte nichts ? von dem allen bemerkt und verabschiedete sich mit der l Versicherung, daß er bald wiederkommen werde. — — I Mildred stand unschlüssig da, voll von bitteren Selbst- vorwürfen. Sie machte einen Schritt zur Thüre, um Robert zurückzurufen, aber verzweifelt rief sie aus: Ich ' kann weder ihn, noch mich täuschen, Mama! Es ist ver- i gebens! Ich wünschte, ein solcher Mann, wie Robert Atword | würde mich so ansehen wie Dich! rief Bella entrüstet. Ach, daß Du es wärest! rief Mildred niedergeschlagen. < Mein Blut könnte ich für ihn hingeben, aber-- Unsinn! rief die praktische Bella, er braucht nicht Dein Blut, sondern nur eine vernünftige Frau, die ihn liebt, T wie er es verdient! Während dieser Nacht, wo Liebe und Pflicht aus seine Rettung dachten, lag der Gatte und Vater in tiefer, trun- j lener Betäubung. Fortsetzung folgt. Hasenbraten. Eine heitere Geschichte von Lina Fabian. Nachdruck verboten. Solch strenger Winter macht uns Hausfrauen viel zn schaffen: was das jetzt an Holz und Kohlen kostet, das glaubt kein Mensch. Die angefahrenen Vorräte sind aufgebraucht, ein Preisaufschlag hat auch stattgefunden, mid nun die Männer zu einer Nachlieferung zu bewegen, das mußte sicher etwelches Lamento absetzen. Zugleich aber schien mir die Gelegenheit günstig, um nicht nur eine Kohlen-Nachforderung, sondern auch eine Ausbesserung des b 71 Tag habe noch ruhig zu ! Mildred. l Tag an oder mit kümmern, te sie das ie müssen ümlichen! wenn wir vürde ich vertrauen : Sie von t ich auch luden der )iel Recht und auch :er nichts : Wollten. ! hm schon öglich, es te Anstalt lligt und vielleicht und: fast eine zog die Thränenschleusen eiligst ivieder zu, — dre Siegerin in einem Ehekampfe braucht nicht mehr zu Wernen. 0 * * * Mein Geburtstag! Die liebevolle Aufmerksamkeit war diesmal nicht weit her. Ein Kuß . . ., noch einer ein etwas kurz gehaltener Glückwunsch, — das gestaltete sich wirklich nicht aufregend. Aber Ernstchen, — alle Achtung, der sagte ein Gedicht auf, das in seiner Schlichtheit ergreifend wirkte. Der arme Junge kam zwar wegen dieses schönen Gedichtes zu spät in die Schule und mußte eine Stunde nachsitzen, aber .... an meinem Geburtstage war das nicht so schlimm. Glückwünsche von Anna, — Gratulationen aus der Heimat, — von meiner Schwiegermutter, — von einigen Freundinnen. . . ., es überkam mich wirklich eine Art Feststimmung. Mer man darf als verständige Hausfran über der Stimmung den Magen nicht vergessen, und nicht nur seinen eigenen, sondern auch den seines Mannes. Vor kurzem erst hatte ich in der Zeitung gelesen, daß jene Antwort auf die Frage: „Wie lebt man am zufriedensten mit seinem I Manne?" preisgekrönt worden war, welche lautete: „Füttere ihn gut!" Nun, heute sollte das „Füttern" nichts zu wünschen übrig lassen. Ich machte mich ausgehfertig und fuhr nach der Markthalle. Dort erstand ich einen Hasen, — oh, das war ein Prachtkerl. Nicht zu groß, die alten Tiere schmecken meist unzart und grob, — nein, ein zierliches Geschöpfchen, dessen Ohr sich einreißen ließ, als ob man Leinwand zerfaserte. Dabei war der Hase nicht etwa „gekämmt", nein, nicht nur der Rücken, sondern auch das ganze Fell waren unverletzt. I Nur zwei oder drei Schlote schienen den Kopf getroffen zu haben, sonst war keine Spur einer Verwundung zu I entdecken. Nach einigem Handeln kaufte ich den Hasen für I drei Mark fünfzig. | erboten. t viel zu siet, das sind auf- den, imd gen, das -ich aber nur eine rung des o errettet Bert. Ich en, einen must, zu : Mildred e Leiden- fflammte, weibliche idenschast itte nichts mit der e. — - m Selbst- hüre, um aus: Ich o ist ver- t Atword siet, eschlagen. ächt Dein ihn liebt, auf seine rer, trun- brachte ich meine Beute nach Hause. „Ach, gna Frqü", rief Anna lustig aus, „Sie bringen auch neu Hasen? Eben war der Packetbote hier, der hat auch einen abgeladen". * ^Ltoar.teinen Blick auf den gelben Kumpan: Vom Mehrtch. Viele Glückwünsche, — selbst geschossen, ein9ff^^kvas unwillig schleppte ich meine Last nach der Küche. „Ach du lieber Himmel", staunte Anna, „noch ein Hase? Die ganze Woche will ich mich doch nicht von Hasenbraten ! Eern Mädchen für alles braucht Tuschuhr berdrix) zu essen, es muß auch Fahrinationen geben, wie mem Bräutigam so gebildet sagt..." ,, '-Siir Mädchen für alles ist auch Hasenbraten nicht", schnitt ich ihr das Wort ab, „das können Sie Ihrem ge= Möeten Srantigam ausrichten. Wir werden unsere Hasen schon allein verzehren". Damit ging ich ins Wohnzimmer, weil mir dieser aufdringliche Hasengeruch auch bald vorkam tote „Tuschuhr berdrix". Ein wenig Odeur aus meinem Riechfläschlein gab meinen beleidigten Geruchsnerven Genngthuung, und ick überlegte eben, ob es mir nicht zuträglicher sei, wenn ich Ae Zubereitung des Hasen Anna überließ, und mich ein halbes Stündchen ausruhte. . . Ach, du lieber Himmel, es hatte sich was mit dem Aus- ruhen. Es trat etn Besuch nach dem anderen an: Frau Kugler, Frau Bergmann, Fran Wichtrich, Frau Osterloh. Der Salon glich bald einem Treibhaus, so war er mit Blumen besetzt. Frau Direktor Baudmaun fehlte noch erne der korpulentesten Stützen unseres Kaffee-Kränzchens, aber die mußte ja auch jeden Augenblick eintreffen. » "Dw Frau Direktor war schon unterwegs", bestätigte Frau Kugler. 10 „Ja, sie ist nur in die Blnmenhandlung gegangen", meinte Frau Bergmann. „Für unsere verehrte Freundin eine Geburtstags-Aufmerksamkeit.. zu besorgen", ergänzte Frau Wichtrich. .... Kling, ling .... Klrrrr —, die Klingel läutete Großfeuer. geschossenen Tiere । . . , ---- Onkel heräushängen. Heute wollen wir den aus der Markthalle zurechtmachen". Und nun begann das Abziehen! Eben war Anna dabei, | »em .^wre das Fell über den Rücken zu zerren, als die Korridorklingel gezogen wurde. „Lassen Sie sich nicht stören, Anna, bleiben Sie beim Hasen, ich werde selbst Suen , - bajmtt verließ ich die Küche. Und, offen ge- ftanben, ich hatte die Absicht, mich bei dem zu bedanken, der es durch sem Klingeln fertig gekriegt hatte, mich aus der Küche herauszulotsen. Es ist richtig: gebraten schmeckt ein Haslern ganz gut, aber roh riecht es--, na, für gart organisierte Geruchsnerven ist so was nichts. Weder meine Nase noch ich hatten also gegen die Lokalverändevnng wazntoenden. Ich öffnete langsam, und vor mir geht der Hausdiener einer bekannten Wildbrethandlung , "rN.-All den Hasen hier abgeben", erHärte dieser, „bezahlt ist ier schon, ein Herr hat ihn heut morgen gekauft" damit legte er einen weiteren Hasen in meine Arme. Ich War namhä) so verdutzt, daß ich im ersten Augenblick gar weht zugrelfen konnte. Dann aber war ich schnell wieder Herrinber Situation. „Hier haben Sie ein Trinkgeld", meinte ich, und drückte ihm einige Nickel in die Hand. „Wie sah denn der Herr aus, der ben Hasen gekauft hat?" Der Hausbiener verleibte bas Gelb seiner Tasche ein, machte Kehrt unb rief von ber Hälfte ber Treppe noch herauf: . „Das wirb nicht verraten; das ist Geschäfts- gehelmms". 1 „Na, hören Sie", triumphierte Frau Osterloh, „da ist die lang Erwartete schon eingetroffen". Ich hörte, wie Anna sich aus ber Küche entwickelte tote sie bie Thüre öffnete, tote sie.... Nanu, was war benn bas? Da entspann sich ja ein lebhafter Disput. Das konnte boch unmöglich die Frau Direktor fein. Ich tooHte eben aufstehen, um selbst nach dem Rechten zu sehen, als Anna ben Kopf burch die Thür bes Salons steckte: *) toujours perdrix == immer Rebhuhn. „Hihihi, hihihihi", kicherte sie, und die Thränen kollerte« ihr über die roten Backen, „hihihi,hihihihi . . . Meine Freundinnen sahen sich verlegen, mich schadenfroh an. „So ein Betragen, — das ist doch keine Manier, — das kommt Lei mir nicht vor, — das ist 'ne Erziehung von 'nem Mädchen", tönte und schwirrte es durcheinander. Ich stand auf — ich fühlte, ich war leichenblaß geworden. „Hihihi" lachte Anna weiter, „ein Hase, noch ein Hase, der vierte ..." Entsetzt eilte ich hinaus. Und wirklich: wieder stand der Hausdiener eines Kaufmanns im Korridor und streckte mir einen Hasen entgegen. „Was soll's damit?" fragte ich mit rauher Stimme. „Das soll ich hier abgeben, gnädige Frau", erklärte der Bote devot, „bezahlt rst's schon, em Herr hat heute morgen den Einkauf bei uns gemacht. Als Geburtstagsgeschenk steht auf dem Ablieferungsschein". Ich rührte keine Hand. Klapp — warf der Mensch den Hasen in die Ecke des Korridors. „Eine feine Herrschaft", hörte ich ihn draußen raisonnieren, „nich mal 'n Trinkgeld wirft es ab!" Mehr tot als lebendig kehrte ich wieder in den Salon zurück. Die Damen saßen bei einem Gläschen Port und knabberten an Cakes. Wahrscheinlich waren sie gerade über mich hergezogen, denn das Geplausche verstummte plötzlich. Ich erfaßte sofort die Situation, und brachte das Thema auf ein anderes Gebiet. „Mein Ernstchen muß sogleich aus der Schule kommen", begann ich, „nein, was die zarten Kinder jetzt alles schon lernen müssen, das gab's in meiner Jugend doch noch nicht. Uebrigens ist Ernstchen ein sehr kluger Junge. Denken Sie, meine Damen, er hat gestern schon seine Sparkasse geplündert. Um mir heilte eine Freude zu bereiten. „Ich schenke Dir etwas Praktisches, Mama", sagte er mir heute beim Weggehen, „etwas, was Du Dir immer so gewünscht haft". Bei all dem Plaudern hätte ich ganz überhört, daß Ernstchen zugleich mit meinem Manne angekommen war. Ich hörte aber doch, wie mein Mann sagte: „Ernst, geh' Du zuerst rein!" Der Junge pochte artig an, dann schlängelte er sich langsam in den Salon, hinter sich her zog er ein längliches Etwas . . . „Giebst Du denn den Damen keine Hand?" fragte ich erstaunt. „Nachher!" erklärte der Junge. „Ja, weshalb denn?" forschte ich weiter. „Erst muß ich mein Geburtstagsgeschenk reinziehen", keuchte Ernstchen, zerrte aus Leibeskräften und schleppte einen Hasen in den Salon. „So", erklärte er leuchtenden Auges, „ich habe wohl gewußt, was Du Dir wünschtest . . . Eine kleine Pause. „Oh, oh!" stöhnte Frau Kügler, und drückte ihr Taschentuch vors Gesicht, „das Tier hat haut gout. Da trat auch schon mein Mann ein, gestiefelt und gespornt wie er war, er hatte nicht einmal seinen langen Mantel draußen abgelegt. Nach einer kurzen Begrüßung wandte er sich an mich: „Aber, mein Herzchen, die vielen freudigen Ueberraschungen haben Dich schon ganz blaß gemacht, und ich will Dir noch eine weitere bereuen!" Er nestelte an seinem Mantel herum, und holte endlich hervor einen — Hasen Ich heuchelte eine Ohnmacht. „Ach die Aermste", hörte ich noch Frau Bergmann sagen, „wenn wir gewußt hätten, daß sie einen solchen Wunsch geäußert hat, hätten wir das Geld für die Blumensträuße zusammengelegt und auch einen Hasen geschenkt. . . !" Einiges über den Steinkauz. (Vertrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Tierschutzvereins, gehalten von H. Curschmann.) Recht viele Feinde hat leider immer noch bei Tieren und Menschen der Steinkauz, sicherlich nur seines unheimlichen, nächtlichen Treibens wegen; denn Menschen, die seinen großen Nutzen erkannt haben, werden denselben gewiß nicht verfolgen. Der Steinkauz räumt nämlich gewaltig unter den Mäusen auf; er ist der eifrigste Verfolger derselben. Er ist imstande auf eine Mahlzeit fünf Lis sechs erwachsene Feldmäuse ganz zu verschlucken, und nehmen wir an, daß er täglich nur vier verzehrt, so macht dies im Jahre 1460 Mäuse. Außer den Mäusen verzehrt er auch Ratten, und er vertilgt auch sehr viele schädliche Kerbtiere, Käfer und Raupen. Der weise Schöpfer hat den Steinkauz zu dieser Lebensweise besonders ausgerüstet; denn er ist mit einem scharfen Auge, das auch in der Nacht seinen Dienst versieht, ferner mit spitzen, scharfen Krallen, und mit einem leisen, geräuschlosen Fluge ausgestattet. Mehrere genaue, gewissenhafte Beobachter haben etwa 100 Gewölle (Auswürfe) des Wald- und Steinkauzes einer genauen Untersuchung unterzogen, und sie haben darin fast nur die Ueberreste von Mäusen, Ratten und anderem schädlichen Ungeziefer gesunden. Die große Nützlichkeit dieser Nachteulen kann also durchaus nicht bezweifelt werden, und wir dürfen demzufolge hoffen, daß die Fälle immer seltener werden, in denen unvernünftige Leute diese höchst nützlichen Vögel zu ihrem eigenen Schaden und zu ihrer Schande an das Hof- oder Scheunenthor nageln. „Mit einbrechender Dämmerung", sagt der berühmte Naturforscher Lenz, „läßt der Steinkauz seine Stimme häufig hören; er schreit recht angenehm (?) lautend: Kuwit, kuwit! Abergläubische Menschen hören statt kuwit: komm mit, halten das nützliche Tierchen für den Vorboten des nahen Todes und ängstigen sich deshalb jämmerlich davor. Zuweilen flattert er sogar bei Nacht an erleuchtete Fenster der Krankenzimmer, und dann glauben die Leute, den sicheren Beweis für nahe bevorstehendes Unglück zu haben". Die Kranken haben aber durchaus keine Ursache, sich zu ängstigen, denn der Steinkauz weiß ganz und gar nichts von ihnen; er fliegt an dem erleuchteten Fenster nuv seiner Nahrung, den Nachtschmetterlingen, die sich da versammeln, nach. Mag daher ein jeder Mensch den Steinkauz, soviel er kann, zu schützen und zu hegen suchen, und ihn auf Scheunenböden, Dachsparren und dergleichen, wo er sich gerne ansiedelt, dulden. Litterarisches. Die ,, Gartenlaube" veröffentlicht einen zeitgemäßen Aufsatz über „Klimatische Winterkuren von Prof. Dr. E. H. Kisch, dessen Ausführungen von größter Bedeutung sind und weiteste Verbreitung verdienen. Denn während man früher fast ausschließlich nur Lungenkranke nach dem Süden zur Ueberwinterung schickte, weiß man jetzt die günstigste Wirkung eines geeigneten Klimawechsels in weiterem Ausmaß zu schätzen und ihn auch bei anderen Gesundheitsstörungen mit Erfolg anzuwenden. Eine Abhandlung aus der Feder W. Berdrows, der durch Abbildungen von Ewald Thiel unterstützt, wird, giebt interessante Aufschlüffe über „die flüssige Luft im Experiment und in der Praxis" und der Artikel Karl Wolfs „Die Trud" bildet einen weiteren Beitrag zu der Artikelserie „Tragödien und Komödien des Aberglaubens". Die seit Beginn des Jahres eingeführten Beilagen bringen allerlei Mitteilungen über wichtige Tagesereignisse, Notitzen für Haus und Küche, über Mode und Kunst re., sowie zahlreiche Bilder aus der Gegenwart. In dem Roman „Im Wasserwinkel" bewährt sich aufs neue die Kunst W. Heim- burgs, den Leser in Spannung zu versetzen, und die Novelle Paul Hyeses „Der Schutzengel" gelangt zu einem voll befriedigenden Ende. Logogriph. (Nachdruck verboten.) „Ei", spricht Hans, „das schmeckt ja prächtig, Ist zur Suppe mir willkommen." Wird's geköpft, hat es dem Landmann Oft das Beste schon genommen. p. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Gieb dich der Freude ganz zu eigen, Wenn dich umwogt ihr goldner Strahl; Doch zag' auch nicht, wenn du mußt neigen Dein Haupt dem Schmerz im Thränenthal. Julius Sturm. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.