owffiraf^t- "i E-^ WI ijjp1 MÄ E aS sind die Kläglichsten auf Erden, Die leiden, — ohne reif zu werden. Julins Lohmeher- (Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) Obwohl Gerth bereits geahnt hatte, daß die Namensgemeinschaft keine nur zufällige sei, so machte doch die nun erlangte Gewißheit einen tiefen Eindruck auf ihn. Allram stellte sich an ein Fenster, um in die Gegend hinauszu- b licken, und ließ dem jungen Arzte vollauf Zeit, sich! die Lage der Dinge in seinem Geiste zurecht zu legen. Es trat ein langes Schweigen ein, welches Gerthe endlich! durch die Frage unterbrach: „Sind Sie schon über Ihre nächsten Schritte im klaren?" „Ja. Ich werde nun die Bekanntschaft Frau Bruschers machen. Vorher aber möchte ich bitten, daß Sie mich zu Ihrer Patientin führen. Können wir ungestört mit ihr sprechen?" „Da Sie als Irrenarzt stier eingeführt sind, so hat das keine Schwierigkeit", entgegnete Gerth. „Und wäre die jetzige Stunde zu einem Besuche geeignet?" „Wir könnten keine geeignetere wählen. Kommen Eie!" „Haben Sie Ihrer Patientin schon gesagt, daß ich für sie tstätig bin?" „Nein; sie ahnt nichts von den bisher geschehenen Echritten." „Ganz gut. Aber jetzt wird es denn doch nötig sein, daß sie erfährt, wer ich bin, und wenn Sie es für angemessen halten, so können Sie ihr auch zu verstehen geben, daß die Sache nicht ganz hoffnungslos steht." Beide machten sich auf den Weg, und Arm in Arm durchschritten sie in gemächlichem Gange verschiedene Korridore, Höfe und Anlagen der weitläufigen Anstalt, und wer ihnen begegnete, konnte hören, daß die verschiedenen Einrichtungen derselben den Gegenstand ihres Gesprächs bildeten. . Endlich betraten sie Konstanzes Zelle. Sie las m einem der Andachtsstücher, die auf einem Tischchen lagen. Ihr Anblick war der einer schwer und tief Leidenden. Ihre abgemagerte Gestalt schien sich! mehr und mehr in einen Schatten aufzulösen, auch ihre Bewegungen hatten etwas Schattenhaftes. Ihre ganze Erscheinung wurde fast nur noch von sten großen dunklen Augen beherrscht und gehoben, deren feuchter Schimmer einem heißen Fieberglanze gewichen war. Gerth warf seinem Begleiter einen Blick großer Bekümmernis zu. Inniges Mitleid ergriff den Mann, der durch seinen harten Beruf gewohnt war, in den Abgründen des Lebens zu wandeln, aber er drängte seine Bewegung gewaltsam zurück. Scheu blickte Konstanze auf den Begleiter des Arztes. „Fräulein Herbronn", sagte Gerth in dem herzgewinnenden Tone, in welchem er sonst nie vor Zeugen mit ihr sprach,. „wenn Sie nächst mir noch einen zuverlässigen Freund besitzen, auf den Sie sich verlassen können, so ist es dieser Herr hier, welchen Sie schon einmal flüchtig gesehen haben. Er ist einer der gewandtesten Detektivs." Konstanze war über diese Eröffnung sehr erstaunt. „Er hat die Aufgabe übernommen, den Mörder, an dessen Stelle Sie büßen müssen, zu entdecken, und ich kann Ihnen sogar sagen, daß seine Bemühungen bisher nicht ganz ohne Erfolg gewesen sind." Ein schwaches Lächeln erschien auf dem Antlitz des jungen Mädchens, aber es war das schmerzliche Lächeln der Hoffnungslosigkeit. „Vertrauen Sie sich ihm ganz an", fuhr der Arzt fort, „vertrauen Sie ihm alles, was. Sie mir anvertraueni würden, Mid zählen Sie auf seine Verschwiegenheit. Er steht nicht in den Diensten einer Behörde. Ich habe Ihre Sache zur meinigen gemacht, und dieser sind seine Dienste schon seit Wochen unablässig gewidmet." „Wie kann ich Ihnen für Ihre Güte jemals danken?" sagte Konstanze bewegt, nnd drückte sanft die Hand des Arztes. „Denken Sie jetzt nicht daran", bat dieser, „sonderst lassen Sie unseren Freund wissen, was er wissen muß, um zu neuen Resultaten zu gelangen. Er hat schon vieles; ans Tageslicht gebracht, was sich dem Arme der Justiz zu entziehen wußte." . * „O ja", sagte Allram; „auch im. Hause des Professors Georgi selbst habe ich einmal einem ungerecht verdächtigten armen Dienstmädchen ihren ehrlichen Namen gerettet."' „Das waren Sie?" frug Konstanze überrascht. „Therese Zeidler hat mir davon erzählt." „Sie ist jetzt Frau Thorbeck, und es geht ihr gut", plauderte Allram, „sie hat einen thätigen Mann, der ein hübsches Geschäft betreibt. Gestern erst war ich! wieder einmal bei ihr. Wir sprachen viel über Sie. Frau Thorbeck rneint's gut mit Ihnen. Wie lebendig hat sie in der Gerichtsverhandlung Ihren Schmerz am Totenbette Georgis geschildert! Wollte sie doch auf Ihre Unschuld zehn Eide schwören! Ich halte sie für eine kreuzbrave Person.'< „Ja, das ist sie ganz gewiß", stimmte Konstanze bei. 370 Totletten-Chemie. Von Fred Hood. Nachdruck verboten. Die Kunst, aromatische Stoffe zur Salbung des Körpers zu bereiten, war schon den asiatischen Völkern bekannt. Bei religiösen Gebräuchen und zur Einbalsamierung von Leichen wurden wohlriechende Substanzen in ungeheuren Mengen verbraucht. Aus der Bibel bekannt sind Myrrhen, Weihrauchs und andere Spezereien, deren Verwendung bei denk Gottesdienst der Juden durch! Gesetze geregelt war. Die Bereitung des Räucherwerks gehörte zu bett Funktionen der Priester, und Moses selbst gab Anleitung zur Herstellung eines Balsams aus Myrrhen, Cinämet, Kalmus, Cassia und Baumöl zur Salbung der Bustdeslade und Stiftshütte. Anfangs wurden die aromatischen Stoffe vermutlich nur in Rücksicht aus die starke HautaUsdünstung der orientalischen Völker, dann überhaupt zur Erhöhung des körperlichen Behagens und schließ- ssiuiuiiivl ui uc*. yu.«, —... 0—, . lich zur Ehrung der Gottheit verwendet, welche man ebenso Ich bedauere, Fräulein Herbronn weh gethan zu haben, I sehr durch wohlduftendes Räucherwerk wie durch Mustk und lasse um ihre Verzeihung bitten. Ehe ich nun weitere I und Gesang zu verherrlichen suchte. Schritte unternehme, erwarte ich Nachricht von Ihnen. I Von Osten her kamen die Parfümerien nach Grrechen- Richts für ungut, Herr Doktor!" I land und Rom, wo sie unter den Begüterten weiteste Ver- Er schüttelte dem Irrenärzte herzlich die Hand und I breitung fanden. Von den verweichlichten Athenern tour« schritt dem nahen Bahnhof zu. Gerth kehrte in Konstanzes I den wohlriechende Substanzen besonders lebhaft begehrt; Zelle zurück. I sie schütteten zum Bade Veilchen und Rosen in das Wasser Er hatte die Ohnmächtige mittelst Riechsalz wieder | und hatten für jeden Teil ihres Körpers Salben und „Sie waren nicht aufrichtig gegen mich, Herr Allram", sagte Doktor Gerth, als er den Detektiv nach der Pforte begleitete. „Hätten Sie mich vorhin unterrichtet, so würde ich Sie gebeten haben, dieses peinliche Verhör mir zu überlassen." „Ich wollte Ihren Zartsinn nicht auf eine so harte Probe stellen", entgegnete der Detektiv. „Hier ist eine Wunde; Sie hätten durch allerlei rücksichtsvolle Wendungen in derselben gewühlt und vielleicht zagend die Hand wieder davon zurückgezogen. Ich hoffte durch eine rasche Operation sicherer zum Ziele zu kommen; und dieses war: mir Gewißheit zu verschaffen, ob zwischen Fräulein Herbronn und Frau Bruscher eine Art Eifersuchtsverhältnis bestanden habe. Wir sind jetzt wieder bei der Frage angelangt, vor welcher wir bereits standen, als Sie mir Ihren Besuch machten. Daß diese Frage nun in bejahen!- dem Sinne gelöst ist und daß wir damit einen wichtigen Schlüssel in der Hand halten, kann kaum zweifelhaft sein. czählte mir gestern auch von einer Frau, der i zu sich gebracht und sie dann dem Beistände einer herbeibegegnet sei, einer noch jungen Frau, welch« I gerufenen Wärterin übergeben, um den Detektiv hiu- i Hause des Professors beschäftigt war, wenn's I auszubegleiten. . > zU bügeln gab. Hm! fällt mir denn der Name I Da Konstanze versicherte, sie suhle sich tcht totebet 0 I ganz wohl, es sei nur eine vorübergehende Schwäche ge- Kraszewski hieß die Feinbüglerin", bemerkte I wesen, so wurde die Wärterin wieder entlassen. nraszewsn m b I Gerth war sehr niedergedrückt. „Genügt Ihnen mein Wski' ja so war's. Wer kann auch diese pol- I Wort", sagte er, „wenn ich versichere, daß Herr Allram en bebalten' — Was halten Sie von dieser I in seinem Gespräch mit Ihnen Punkte berührt hat, von -trau?" I denen ich nicht die geringste Kenntnis besah?" Ich kam selten mit ihr in Berührung", antwortete I „Auch wenn ich es nicht in Ihren Mienen gelesen Konstanze, „aber sie hat stets einen guten Eindruck auf I hätte, Herr Doktor, daß Ihnen das, was Sre horten, neu tnidi gemacht" I war und Sie ganz unvorbereitet fand, wurde mir Ihr „Frau Thorbeck lobt sie ebenfalls", sagte Allram be- I Wort mehr als genug sein." . friediat Dann räusperte er sich und es entstand eine I „Ich danke Ihnen für Ihre, gute Meinung, Fraulein kleine Pause I Herbronn," antwortete der Arzt mit einer Neigung des Doktor Gerth war ein sehr aufmerksamer Zuhörer ge-I Hauptes, und wollte gehen wesen. Er wußte, daß der Detektiv stets auf ein bestimm- I „Aber ich habe die ihrige emgebußt" entgegnet^ tes Ziel losging, selbst wenn er scheinbar auf Nebendinge I Konstanze, den Blick zu Boden geheftet. „Bitte! verlassen abschweifte. Welche neue Person zog er ba plötzlich auf I Sie mich noch nicht." . den Schauplatz? Und warum hatte er ihm von dieser I Er blieb, und es trat em beklommenes Schweigen em. nocb Nickis gesagt^ I Sie hatte ihm etwas zu sagen, aber es schien ihr schwer Sie gingen zuweilen mit dem Herrn Professor in I zu werden. Längst hatte sie erkannt, daß er sie liebte. Der die Kirche, Fräulein Herbronn?" begann Allram wieder. I unsägliche Kampf gegen ihr eigenes Herz, m welchem sie ein Konstanze bejahte unbefangen. I gleich leidenschaftliches Gefühl vergebens niederzurmgen , Einmal hat jene Frau Kraszewski zufällig gerade» suchte, und die ganzlichss.Hoffnungslosigkeit dieses stummen, auf einer Bank von Ihnen und dem Herrn Professor ge- I unausgesprochenen Bündnisses hatten zur Verschlimmerung fessen Ist Ihnen dies erinnerlich?" | ihres Seelenzustandes mehr beigetragen, als alle anderen In Gerth machte sich eine wachsende innere Unruhe! I Leiden. Nun sah sie den Mann, der ihr so viel geworden, geltend, er wußte nicht, weshalb. I der ihr jetzt alles in dieser Welt war, in semem heiligsten Nein ich erinnere mich nicht, sie bemerkt zu haben", I Gefühle aufs schmerzlichste enttäuscht, denn ihr feines Em- saate" Konstanze mit der vorigen Unbefangenheit. I pfinden hatte sie sofort erraten lassen, was m ihm vor- „Ganz natürlich; in ihrem Sonntagsstaate sind solche I ging, als der Detektiv jenes verhängnisvolle Wort ge» Leute oft gar nicht wiederzuerkennen, am allerwenigsten I sprachen von der Rückseite. Sie haben sich damals, als jene Frau I „Ich habe schweres ertragen vielleicht das schwerste, vor Ihnen saß mit dem Herrn Professor unterhalten — es I was einem armen Menschenkinds aufgeburdet werden war vor Beginn des Gottesdienstes — und obwohl das I kann", begann si e endlich; „aber zu wissen, daß das un- Gespräch leise geführt wurde, so will sie doch deutlich ge- I begrenzte Vertrauen, welches Sie mir vom ersten Augen- bört haben, daß Sie und der Herr Professor dabei einander I blick an entgegengebracht haben, erschüttert sei, — das mit Du angeredet haben." I kann ich nicht ertragen. Daß ich Ihnen etwas zu ver- Wie ein Schlag traf dieses Wort das junge Mädchen. I schweigen hatte, wußten Sie, — keinen Augenblick darf Ihr eben noch so bleiches Gesicht schien plötzlich in Purpur I ich Sie jedoch in dem Glauben belassen, daß ich mich meines aetauckt, während sie einen hastigen Blick auf den bestürzten I Geheimnisses zu schämen habe. So sollen Sie denn die jungen Arzt ivarf. I Wahrheit hören, keine Folter würde sie aus mir heraus- Vielleicht hat die Frau falsch gehört", lenkte Allram I pressen, — nur dem Manne, von dem ich nicht verkannt ein ' I fein möchte, vertraue ich sie an." ‘ Konstanze preßte krampfhaft die Hände aufs Herz und I Ihr Blick haftete voll und ruhig auf ihm; es war atmete tief und schmerzlich. I der Blick eines reinen Gewissens. „Nein", kam es tote ein Geständnis, das sie sich selbst | (Fortsetzung folgt.) erst chbgerungen, über ihre Lippen, „nein, die Frau hat nicht falsch gehört. — Oh Gott!" Mit diesem leisen Rufe brach sie ohnmächtig zusammen. 371 Parfüms. So pflegten sie das Gesicht mit Palmöl ein- zureiben, die Arme mit einem Balsam aus Minze, die Haare mit Majoran, Kinn und Nacken mit Feldthymian. Die Verschwendung kostbarer Duftstoffe nahm einen solchen Umfang an, daß schon Solon sich veranlaßt sah, ein Gesetz gegen den Mißbrauch derselben zu erlassen und den Verkauf von Parfümerien an männliche Personen zu unter- sagen. In Rom zeitigte der gleiche Mißbrauch ein ähnliches Gesetz unter dem Konsulat des Licinius Crassus, natürlich! ohne dauernden Erfolg. Erst mit dem Untergänge der antiken Kultur gerieten derartige Erzeugnisse und ihr Gebrauch in Vergessenheit. Der Einfluß des Christentums, das in seinen Lehren die Enthaltung von sinnlichen Genüssen und die Kasteiung des Körpers gebot, ließ den Spezereihandel zunächst nicht wieder zu seiner ehemaligen Blüte gelangen. Erst im fünfzehnten Jahrhundert nahm er durch! Verbreitung von Erzeugnissen der asiatischen Länder wieder einen bedeutenden Aufschwung und erreichte unter der Regierung Ludwigs XV. durch die Ausschreitungen des französischen Hofes eine bis dahin ungeahnte Bedeutung. Die Herren jener Zeit besprengten sich aus Galanterie mit Parfüms, die ihren Damen besonders angenehm waren. Aus dieser Zeit soll auch! das Wort Pomade stammen, das man etwa mit Apfelsalbe übersetzen könnte. Eine Zeit lang war nämlich der Geruch faulender Aepfet so beliebt, daß man daraus unter Zusatz von Fett, Zimmt, Nelken und anderen Gewürzen eine Haarsalbe bereitete. Hinsichtlich! der Bezugsquellen der Riechstoffe ist man nicht immer wählerisch gewesen, was für die Vergangenheit nm so weniger verwunderlich erscheint, je größeren Umsatz auch^ die Gegenwart, die moderne Industrie mit Parfüms minder edlen Ursprungs erzielt. Allerdings dürfen wir nicht außer acht lassen, daß derartige Stoffe heute nicht nur in höheren Kreisen, sondern in allen Schichten des Volkes verbreitet sind. Diese Verbreitung hat bei der Entwickelung des in volkswirtschaftlicher Hinsicht bedeutsamen Industriezweiges den Hauptanteil gehabt. Zur Bereitung der Parfümerien dienen natürliche und künstliche wohlriechende Substanzen, welche an Fette, Oele, Spiritus, Essig, Seife und mannigfache Pulver gebunden werden. Bis auf Mofchchs, Ambra und Zibet stammen die natürlichen aromatischen Stoffe sämtlich aus dem Pflanzenreich. Fast jedes Gewächs erzeugt ätherische Oele, flüchtige und bei normaler Temperatur meist flüssige organische Substanzen, die den verschiedenen Pflanzenteilen ihren eigentümlichen Geruch verleihen. Häufig sind mehrere Organe desselben Gewächses ourch ätherische Oele ausgezeichnet, ja, es giebt Pflanzen, welche in Wurzel, Stengel, Blättern, Blüten und Früchten wesentlich verschiedene Duft- stoffe enthalten. Nächst den Blüten geben Samen und Früchte den reichsten Ertrag an ätherischen Oelen, so di« Schalen der Apfelsinen und Zitronen, ferner Kümmel, Anis und Muskatnuß. Einige vielbegehrte Oele werden auch! aus Stamm und Wurzel gewisser Pflanzen, so z. B. aus der Rinde des Zimmtbaum'es, dem Harze verschiedener Pinus- arten (Terpentinöl), sowie den Wurzeln von Ingwer und Kalmus gewonnen. Aus Pflanzen, die diese aromatischen Substanzen nicht in so reicher Fülle enthalten, daß sie unter Anwendung von starkem Druck herausgepreßt werden können, gewinnt man dieselben durch Destillation oder, bei zarteren Wohl-Ge- rüchen, die bei einer solchen Behandlung nachteilige Veränderungen erleiden würden, durch Extraktion mit Fetten, Oelen, Alkohol und einigen anderen Flüssigkeiten, in denen sich ätherische Oele lösen. Die Destillation der Oele kann bei frischen wie bei getrockneten Pflanzen erfolgen. Jin ersteren Falle werden die frischten Blüten so lange mit! Wasser destilliert, bis alle Duftstoffe mit in die Vorlage übergegangen sind. Bei diesem Verfahren, das besonders; bei Bereitung des Rosenöles Anwendung findet, bedient man sich! einer einfachen Destillierblase, die durchs einen Siebboden in zwei Teile «zerlegt wird. Auf diesem Zwisch!en- boden werden die Blüten und Früchte ausgebreitet und hieraus das in dem unteren Teil enthaltene Wasser zum Sieden gebracht. Die unter Einwirkung der Wärme leichter verdunstenden Oele gelangen, von den aufsteigenden Dämpfen mit fortgenommen, in das Sammelgefäß, wo sie zu einer Flüssigkeit verdichtet werden. Aus dieser läßt sich das Oel, das in der Regel spezifische leichter al ist, auf mechanischem Wege abscheiden, worauf do bleibende, meist noch stark duftende Wasser einer Destillation unterworfen werden kann. Die Destillation trockener Pflanzenteile, wel Zerschneiden oder Mahlen für die weitere Ver, vorbereitet werden, erfolgt durch! Erhitzen mit d strömendem Dampf, wobei die sich« Verflüssiger von den Wasserdämpfen ausgenommen werden, «stete wohlriechende Pflanzen haben jedoch« einen so geringen Oel- gehalt, daß sich die aromatische Substanz nicht leicht ausscheiden läßt; in diesem Falle muß die Destillation wiederholt unter Anwendung desselben Wassers für immer neue Pflanzen erfolgen, bis die gewonnene Flüssigkeit so viel ätherisches Oel ausgenommen hat, daß es zur Abscheidung gelangen kann. In Fällen, wo aiufp dieses Verfahren nicht zum Ziele führt, sucht man die ätherischen Oele durch Extraktion zu gewinnen. Die Pflanzenteile werden in zweckentsprechenden Apparaten durch flüchtige Lösungsmittel, wie Chloroform, Aether und Schwefelkohlenstoff ausgezogen. Der gewonnene Extrakt wird im Destillierapparat gelinde erwärmt, so daß das Lösungsmittel verdunstet, das ätherische Oel aber, mit Fetten oder Harzen' gemischt, in der Retorte zurückbleibt und nunmehr durch Destillation in reinem Zustande dargestellt werden kann. Häufig sind die Blumendüfte aber so zarter Natur, daß sie nur durch direkte Uebertragung auf einen anderen Körper zu gewinnen sind. Für diesen Zweck ist vollkommen frisches und sorgfältig gereinigtes Schweinefett besonders geeignet, daß denn auch die Grundlage vieler Parfümerieartikel bildet. Die Bereitung derselben kann nach zwei verschiedenen Verfahren erfolgen. Bei Anwendung der sogenannten Jnfusionsmethöde werden die Blüten mit warmem Fett von etwa 65 Grad überschüttet, nach einiger Zeit aus der Masse herausgenommen, durch neue Pflanzenteile ersetzt, und dies Verfahren so oft wiederholt, bis das Fett hinreichend von dem Duftstoffe durchsättigt ist. Bet Anwendung der zweiten Methode, der sogenannten Enfleurage, werden mit kaltem Fett bestrichene Glasscheiben während drei Wochen täglich mit frischen Blüten bedeckt, bis das Fett ganz vom Blumenduft erfüllt ist. Von einem neuen, von Jacques Passy vorgeschlagenen Verfahren, zarte Blumengerüche unter Anwendung von Salzwasser zu extrahieren, wurde kürzlich in der Fachpresse berichtet. Die «mit Pflanzengerüchen gesättigten Fette werden von den großen Fabriken als „Pomade" in den Handel gebraucht. Dieses Produkt ist jedoch keineswegs mit den sonst als „Pomaden" bezeichneten Artikeln, z. B. den Haar- und Bartpomaden, die nur ein minderwertiges Nebenprodukt darstellen, identisch. Letzteres gewinnt man z. B. bei Behandlung der Pomade mit Weingeist während 24 Stunden, wobei der Weingeist den Hauptteil der aromatischen Stoffe in sich aufnimmt. Die zurückbleibende „gewaschene Pomade" wird häufig nochmals zur Bereitung billiger Parfüms extrahiert, fonst aber zu Haarpomaden und Schminken verarbeitet und zur Seifenfabrikation verwertet. Ein minder feines Produkt als die aus den Pomaden gewonnenen Extrakte bilden die Haaröle; sie werden gleichfalls durch Extraktion gewonnen, jedoch! unter Anwendung des Oliven- oder Behenöls an Stelle der Fette. Eine andere Klasse der Parfüms bilden die Essenzen, welche man durch Auflösung der ätherischen Oele in Alkohol erhält. Im übrigen hängt es von dem Geschick der Fabrikanten ab, durch Mischung verschiedenartiger Extrakte und Essenzen wohlriechende Odeurs, sog. Bouquets (fleurs) zusammenzusetzen. Solche Kompositionen, deren Herstellung natürlich Geheimnis der betreffenden Fabriken bleibt, werden meist derartig behandelt, daß keiner der einzelnen Bestandteile sich besonders bemerkbar macht. Die angenehme Wirkung des allgemein beliebten Eau de Cologne foll aus diesen Umstand zurückzuführen sein. Den Hauptbestandteil folcher Bouquets bildet stets der Alkohol, doch ist es nicht gleich!giltig, ob Sprit von Wein, Korn, Kartoffeln oder Rüben zur Verwendung gelangt, da natürlich! auch das kräftige Aroma dieses Lösungsmittels bei Zusams- mensetzung der Wohlgerüche eine Rolle spielt. Unter anderem soll für die Herstellung guten Kölnischen Wassers Weinsprit, für Veilchen- und Jasmin-Parfüms aber Kornoder Rübensprit besonders geeignet sein. Si2 Aon den tierischen sLeruchfloffeu haben für die Fabrikation der Parfümerien bisher nur drei besondere Bedeutung erlangt, Moschüs, Ambra und Zibet. Der Moschus oder Bisam ist ein eigentümliches Sekret des männlichen Moschustieres, das durch Drüsen abgesondert wird und sich in einem Beutel an der Bauchseite des Tieres ansammelt. Als stärkste und teuerste Sorte gilt der Moschus aus Tonking, der in kleinen, mit Bleifolie ausgelegten und außen mit Stoff ummantelten Kisten von Shanghai aus versandt wird. Das Sekret ist in frischem Zustande eine salbenartige, weiche, rötliche Masse von durchdringendem Geruch, die beim Austrocknen allmählich eine dunkle, meist schwarzbraune Färbung annimmt. In trockenem Zustande läßt sich! der Moschus zu feinen Körnchen zerreiben und im übrigen wie die aromatischen Blumensubstanzen mit Fetten und Oelen verarbeiten; doch, werden in der Regel nur sehr geringe Mengen des Produktes anderen Parfüms zugesetzt. Bei dem hohen Preise dieser tierischen Substanz, der zwischen 500 und 2500 Mark für das Kilogramm schwankt, sind Verfälschungen nicht selten. Ein besonders scharf riechender tierischer .Geruchstoff ist das Zibet, das von zwei Arten der Zibetkatze durch Drüsen abgesondert und in einem taschenförmigen Organ des Unterleibes angesammelt wird. Zur Gewinnung dieses Stoffes werden die Tiere in Abessinien, Nubien und Egypten, wo das Zibet als Arzneimittel hoch geschätzt wird, in Käfigen gehalten. Von Zeit zu Zeit wird das Sekret mittels löfselartiger Instrumente dem Tierkörper entnommen, in Büffelhörner gefüllt und in diesen Gefäßen in Kairo in den Handel gebracht. Den Parfüms pflegt man den scharfen Riechstoff nur in Sprit aufgelöst, und zwar in geringen Mengen, zuzusetzen. In derselben Form findet auch die Ambra Verwertung, eine graue, fettartige Substanz, die meist in kleinen Stücken, bisweilen aber auchi rn Mengen bis zu 50 Kilogramm auf dem Meere schwimmend angetroffen wird, und insbesondere von Java, Madagaskar und Surinam aus zur Versendung gelangt. Sie ist ein Sekret des Pottwales, ooch gelang es noch nicht endgiltig festzustellen, ob sie im Rachen, dem Darm oder der Harnblase dieses Fisches entsteht. Für manche Gegenden hat die Parfümeriefabrikation eine hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangt, so namentlich für die Städte, Nizza, Cannes, Grasse und die diesen Städten benachbarten Ortschaften, deren Bevölkerung zum großen Teil von den reichen Erträgen der üppigen Pflan- zenkultur lebt. Nizza und Cannes, wo die schönsten Veilchen in verschwenderischer Fülle gezogen werden, liefern allein jährlich an 25 000 Kilogramm dieser Blüten zur Bereitung von Parfümerien; außerdem sollen in der Gegend von Nizza jährlich! an 400 000 Kilogramm Orangenblüten erzeugt werden — ein Ertrag, der groß genug ist, die ganze Welt mit diesem liebliche Wohlgeruch zu versorgen, Tannes erzeugt neben einer reichen Fülle von Rosen, Jasmin und Tuberosen an 17 500 Kilogramm Akazienblüten. Die gesamte Parfümerieproduktton von Grasse und Cannes, an welcher Nizza durch Lieferung ungeheurer Mengen von Blüten beteiligt ist, wird auf durchschnittliche 15000 Kilogramm für das Jahr berechnet. Ueberhaupt ist Frankreich das fruchtbarste unter allen Ländern in der Erzeugung von Parfüms. Es versandte im Jahre 1893 Toilettenartikel im Werte von 12 einhalb Millionen Mark, während sich der deutsche Export in demselben Jahre nur auf etwa 8,8 Millionen Mark belief. Hinsichtlich, der Qualität der aromatischen Erzeugnisse vermag sich jedoch Deutschland mit jedem andern Lande zu messen, insbesondere hat das als Eau de Cologne bekannte Parfüm, welches von etwa dreißig Kölner Fabrikanten angefertigt wird, in der ganzen zivilisierten Welt eine Berühmtheit erlangt, wie kein zweites Erzeugnis dieser Art. Kefrmdyeitspflege. Ein Kind darf niemals gewiegt werden, wenn es schlafen soll. Diese Weisung muß allen Müttern und Ammen ohne Ausnahme gegeben werden, die sfch nicht einer .unerträglichen Sklaverei unterwerfen wollen. Das Kind ist ohne alle Vorbereitung und ohne, daß es vorher auf den Knien gewiegt oder geschaukelt wurde, wachend auf das Bett zu legen; ist die Zeit zum Schlafen da, so schläft es ohne zu Hagen und zu weinen ruhig ein; die ersten Male kostet es etwas Mühe, aber bald hat es sich, daran gewöhnt; in der Wiege schon muß die Erziehung beginnen, und welche Annehmlichkeit ist es nicht, wenn man nicht mehr dieses herzzerreißende Geschrei hört und ein wohlerzogenes Kind hat, das lächelt und nicht schreit! Dabei darf man auch nicht vergessen, daß die schaukelnde Bewegung für ein Kind und dessen vollen Magen alles andere eher, als gesund ist. Welche Jahreszeit ist beim Entwöhnen vorzuziehen? Gewöhnlich, legt man dieser Frage nicht genug Wichtigkeit bei. Einige Aerzte ziehen den Sommer, andere den Winter vor. Diese Meinungsverschiedenheit muß von der Beobachtung vereinzelter Fälle herrühren, die noch keine Regel bilden. Für die Kinder ist sicherlich der Sommer die ungünstigste Jahreszeit, besonders dann, wenn Unterleibsentzündungen eintreten, welche, durch Zahnen und Entwöhnen verwickelt, oft die traurigsten Folgen haben können. Der Winter eignet sich! schon besser, Frühling und Herbst find aber allen anderen Zeiten vorzuziehen. Die Eß stunde bei Kindern muß stets dieselbe sein; bis zum Alter von fünf Jahren hält das Kind fünf bis sechs Mahlzeiten; nach fünf Jahren genügen deren vier; es muh nicht alle Augenblicke essen, denn dies ist eine schlechte Gewohnheit; zum Verdauen muß dem Kind Zeit gelassen werden. Aür die Küche. Kalbsleber gedämpft. Eine frische, schöne Leber rein gewaschen, gehäutet, die Gällenflecken ausgeschnitten. Fingerlange Stückchen Speck in gewürztem Salz umgewendet, mit einem feinen Messer durch die Leber gesteckt. Feinwürfelig geschnittener Speck, 1 Zwiebel, 1 Stück Butter, 1 Glas Wein jn eine Kasserole, die Leber hinein, noch mit etwas Salz und Pfeffer bestreut, zugedeckt, langsam unter öfterem Begießen 1 Stunde gedämpft. Mit einem Löffel Mehl von dem gezogenen Fett rasch eine braune Mehlschwitze bereitet, mit 1 Löffel Fleischbrühe und Wein auf- gefüllt, mit der Lebersauee vereinigt, losgeköcht, die Sauce durch ein Haarsieb gegossen, rasch aufgetragen. Eine Leber darf nicht über die Zeit stehen, da sie sonst hart wird. Salzknochen. Jn Portionsstücke zerhacktes Schweinefleisch, auch die Pfoten, über und über mit Salz einreiben, fest in ein reines Gefäß einlegen, mit einem Stein beschweren. Jn den ersten Tagen die gezogene Brühe nach! 24 Stunden abgießen, sogleich wieder über die Knochen gießen. Nach 14 Tagen sind sie zum Gebrauch! fertig. Etwas Salpeter unter das Salz gemischt, erhöht die rote Farbe des Fleischjes. Sollen die Knochen gekocht werden, wäscht man sie in kaltem Wasser ab, bringt reines Wasser zum Kochen, legt die Knochen hinein, kocht sie langsam verdeckt mehrere Stunden. Arithmogriph. Nachdruck verboten. 1 2 3 5 russische Halbinsel. 2 4 6 ein Tier. 3 7 4 1 russischer Fluß. 4 3 5 4 2 Wirtschaftsgegenstand. 5 4 4 2 Teil der Erde. 6 4 7 5 militärisches Kleidungsstück. 3 7 7 4 2 Nebenfluß der Donau. 7 4 3 5 ein Bindemittel. 8 3 5 4 amerikanische Silbermünze. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen der Reihe nach, von oben nach nuten gelesen, eine Figur aus der deutschen Sage bezeichnen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des LogogriphS in voriger Nummer: Stuhl - Suhl. Rebohien: t. «Urkhardt. — »ruck «n» «erlag der «rü hl'schm UnisersttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch grien) in »iet«.