iyü MM M I a 1900. - Nr. 62. < * z» Ä-M7''WKl /'?■ ^.rrfaBr^rrrx'Mi: er durch's Leben weiß zu geh'n Schuldlos und doch ernst erfahren, Biele Greuel muß er sehen Und sein Herz doch rein bewahren. Martin Greif. Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. (Fortsetzung.) Als sie in den Laden zurückkam, war Karl dabei, die Jalousieen zu schließen. „Es sst vielleicht der letzte schöne Herbstsonntag, Karl", sagte sie. „Sie sind so lange nicht aus den vier Wänden hcrausgekommen, Sie sollten mit Anna und dem Kinde für den Nachmittag in die srische Luft". ' . „Wollen Sie nicht mit?" fragte der Knecht. Er schlug nicht mehr scheu die Augen zu Boden. Mit einem stillen, teilnahmsvollen Blick sah er sie an. Sie schüttelte den Kopf. „Es giebt Tage, wo man ganz mit sich allein sein muß", sagte sie abgewandt. „Ich weiß. Sie begreifen so etwas, Karl. Ich habe über vielerlei nachzudenken." „Zieh das Kind an", sagte Karl zu seiner Frau, als er eine halbe Stunde darauf den Keller betrat. „Wir wollen hinaus in den Grünewald." „Fräulein Nettchen mit?" fragte Anna freudig. „Nein", sagte er bedrückt. „Sie will allein sein, es geht ihr vielerlei im Kopf herum. Ich glaube, Anna, sie sehnt sich von hier fort, wir werden sie nicht lange mehr behalten". „Thue ich nicht alles, was ich ihr an den Aug^n absehen kann?" murmelte die Frau. Der Gedanke, daß Nettchen eines Tages nicht mehr da sein sollte, fuhr wie ein heftiger Schreck durch ihre Seele. „llnd ich nicht auch?" sagte Karl. „Sie ist so gut mit dem Mädel gewesen", murmelte Anna, während sie ihr fröhlich kreischendes Kind ergriff, und die widerfpenstigen Aermchen in die rote, plumpe, dickgefütterte Jacke zwängte» „Wie eine Schwester ist sie Mir genwrden." „Nein", sagte Karl, „noch mehr wie eine Schwester, «to weiß das Wort nicht für das, was sie uns geworden ist. Sie ist dieselbe, Anna, um die ich damals von Euch Mcktief, als ich noch ein schlechter Kerl war. „Ich weiß", entgegnete Aüna ruhig. „llnd als ich sie jetzt wiedersah", rief Karl, inden» er Anna's Hände ergriff und zum ersten Mal das ergebene Weib fest an seine Brust zog, „da dachte ich, ich müßte sie hinausjagen. Sag' selbst, Anna, wär es nötig gewesen, oder hast Du mir vertrauen können". Die Frau, die nie gelernt hatte, für ihre Gefühle Worte zu suchen, schlang ihre arbeitsmüden Arme um den Hals ihres Mannes und verbarg ihr Gesicht an seiner Brust. — •— — Es war so still im Hause, vor den Thiiren, auf der Straße, — die Sonntagsruh lag über allem ausgebreitet. Die eisernen Jalousieen vor den Schaufenstern waren herabgelassen, die Ladengewölbe lagen dunkel und verlassen in einsamer Finsternis. Auch in „Prechtler's" Drogengeschäft drang feiiti Schimmer von dem vielen, Hellen Sonnenlicht, das quer über den Kreuzberg hin injDte lange Großbeerenstraße hineinflutete. Die eisernen Stangen waren fest vor die Fenster-Läden gerammelt, keine Spalte ließ etwas Helle in den schwarzen Hintergrund des Gewölbes. Die Finsternis senkte sich über die Kellertreppe des Gewölbes hinab bis über die Schwelle zur Wohnstube. Aber die Fensterflügel dieses kleinen Raumes waren weit geöffnet, und während in der Tiefe des Zimmerchens die schwarzen Schatten lagen, war in der Nähe des Fensters ein Abglanz von Freundlichkeit und Helle. Nettchen saß dort, die Arme aufgestützt, gedankenlos und doch von tausend Gedanken bewegt. Sie hatte die Hände ineinander geschlungen und mir verzehrendem Blick verfolgte sie das Kommen und Gehen der Menschen draußen, das fröhliche Vorbeieilen der Kinder, den ruhigen, fast gemächlichen Gang der Erwachsenen. Friedliche Sonntagsstimmung. — Alles Hasten und Drängen schien aus der Welt. Die Menschen gingen dahin wie von einem Ruhegefühl getragen. Langsam, genießend. Nettchen hörte ihre Stimmen, vernahm, was sie sprachen. Unzählige Liebespaare kamen vorbei. Dam» Männer mit ihren Frauen am Arm. Ganze Familienkaba- wanen. Fast niemand ging allein. llnd während sie den brennenden Blick weiter auf diese vorübergleitenden Gestalten geheftet hielt, sah sie alles Sonntäglich-Frohe und ^Heitere. Die blitzender^ Stiefelchen und schneeweißen Strümpfe der Kinder, das Huschen der kleinen Sonntagskleider, unter denen sich eine Kante des steifgeplätteten, weißen Unterrocks hervordrängle ; die stolzen Schleppen der Bürgersfrauen und die niedlich trippelnden Füße der jungen Geschäftsmädchen, die Mit dem breiten Ausschreiten ihres Begleiters Schritt zu halten suchten. Alle die Menschlichen Thorheiten der Sonntagsfreude 246 zogen an ihr vorbei: Die herrlich geputzten Dienst- mädchen, von denen jede Einzelne eine solche Aufmerksamkeit auf die kleinste Schleife ihres Anzugs verwendet statte, als würde ganz Berlin das Vorhandensein dieser Schleife mit Argusaugen verfolgen. Die Soldaten, die an diesem Tage samt und sonders Schwerenöter sind, und ivie Feldherrn Mit dem Sabel rasseln. Me koketten kleinen Schulmädchen, die Arm in Arm dahinziehen, und die wohlhabenden Handwerk'erfrauen, die ihren Männern den Zylinder aufgezwungen haben, so daß die aussehen als kämen sie direkt von der Kirmeßfeier. — --- Nettchen ließ alles an ihrem Blick Vorübergleiten. Sie sah die Dinge und sah sie nicht. Sie empfand nur das Eine: daß Sonntag war, Sonntag für alle, die da vorüberzogen; — in ihr selbst aber ivar nichts Sonntägliches, war nichts als verzehrende Einsamkeit. Ihr Blick verfolgte mechanisch die Paare, die vorüberzogen, bis sie ihren Augen entschwanden. Die Väter; mit ihren Kindern, die jungen Frauen an den Armen alter Frauen, die Brautpaare und die eifrig plaudernden Eheleute. Me lachende Novembersonne hatte die halbe Ein- ivHhnerschaft aus die Straße gelockt, es war als seien sie alle auf Frühlingsausflügen begriffen. In dem Keller sanken die Schatten tiefer. Me Sonne glitt empor und tauchte jetzt in die Fenster der gegenüberliegenden Häuser unter. Nettchen saß int Schatten. Auch über das Trottoir vor dem kleinen Fenster breitete sich jetzt Schatten aus. Abendkühle strich vorüber. Vor der Hausthür sammelten sich Leute an; eine Familie kehrte mit einer anderen von ihrem Spaziergange heim. Nettchen sah das Händeschütteln, und hörte die Mschiedsworte, mit der sich die beiden Familien trennten. W waren junge Mädchen dabei, die sich immer noch etwas zuzurufen hatten, und das Gepiepse ihrer hellen Stimmen war noch zu hören, als die Hausthür bereits Hinter den Heimgekehrten zugefallen >var. Aufstöhnund preßte die Einsame den Kopf in ihre Hände. Sv mutterseeleii allein auf dieser weiten, großen Welt, in her Mensch sich zum Menschen findet. Niemandem gehören, — niemanden besitzen! Und nie ein Herz besessen haben!! Jerome hatte sie von sich gestoßen. Das Kindchen, das Gott ihr geschenkt, hatte nicht zur Liebe erwachen düchfen, und das einzige Herz, zu dem sie aus deut Whtffbruch ihres Lebens fliehen konnte, verschloß sich in HaH. Haß! Warum Haß? Sie sprang auf und rief die Frage so laut und ungestüm in der Stille der kleinen Stube, daß sie selbst zusammenschreckte. Sie tvollte ertragen, was man über sie verhängte, Gleichgiltigkeit, selbst Grausamkeit — — aber Haß!! Das Wort stand vor ihren Augen da wie ein schwarzes drohendes Gespenst. Jerome hatte sie gehaßt, und ein Gefühl des Entsetzens, der hellen, bittren Ver- ztveiflung packte sie an bei dem Gedanken, daß auch Paul sie hasse. Was hatte sie gethan, um gehaßt zu werden? Sje würde es nicht ein zweites Mal ertragen, gehaßt zu werden. — Nein, wenn sie gehaßt wurde, jetzt, in dem Nebermaß von Liebe zu diesen einzigen Menschen, die ihr geblieben waren, bann war es besser zu sterben und allem z« entgehen. Und der Gedanke, der so blitzschnell kam, hatte etwas Verlockendes, daß sie ihn immer wieder aufnehmen mußte. 'Bitit kam sie zu ihrem Kinde, und das würde sie lieben. Zn ihren Eltern, die sie nie gekannt hatte! -Ohne Liebe bestehen, ohne Liebe weiterirren, wenn nicht morgen, so doch in Wochen, ihr heimatloses Dasein wieder aufnehmen, jetzt, da sie sich gerettet zu haben meinte - sie konnte es nicht mehr. Sie hatte nicht mdhr die Kraft, nicht mehr die Jugend dazu. Sie fühlte sich gebrochen. So viel war über sie dahingezogen, und jedes Leid mehr hatte sie tiefer geduckt. Nein, sie war nicht das mutige Nettchen mehr, als das sie heut morgen noch int Laden gestanden hatte. Die künstliche Kraft war dahin. Wo sie Liebe gab, war Haß, und sie würde sich davon nicht wieder erholen. Und wieder kam der seltsame verwirrende Gedanke: „Sterbe n". Nicht wieder in den Zirkus untertauchen. Nicht wieder durch die Straßen um Arbeit gehen. Nicht wieder an Paris und den kleinen Hügel zurückdenken. Nicht wieder das zwecklose Dasein beginnen, das Hasten und Schaffen für niemanden und für nichts. Nebenan, in dem dunklen Gewölbe, Schachteln, Flaschen, Büchsen voll Gift, — mehr, unendlich viel mehr atö nötig, ein nutzloses Dasein, wie das ihre zu enden. —। Sie rang die Hände, — Schweiß stand auf ihrer Stirn. Nein, — Hilfe vor diesem Gedanken!! Schluß folgt. Margarine. Bon Dr. A. Neuburger. Nachdruck verboten. Napoleon III. war trotz aller Fehler, die ihm als Mensch und als Regent anhafteten, ein Fürst, dem Industrie und Technik unendlich viel zu danken haben. Er hatte in technischen Dingen einen sicheren und weitausschauenden Blick, gern und freigebig unterstützte er fähige Erfinder und Forscher. So wurde durch ihn die Untersuchung und Isolierung des Platins aus seinen Erzen ermöglicht; die Aluminiumindustrie hat durch Anregung von seiner Seite einen raschen Aufschwung genommen, und auch das jetzt so viel gebrauchte Surrogat für Butter, die Margarine, verdankt seine Entstehung seiner eigenen, direkten Initiative. Er sah voraus, daß die Landwirtschaft in Bälde den Bedarf an Butter nicht mehr werde decken können und beauftragte deshalb den Chemiker Meges- Mouries mit der Herstellung eines Ersatzes für dieselbe. Dieser stellte nach mannigfachen Versuchen im Jahre 1867 ein Produkt her, welches von der Naturbutter in Aussehen und Geschmack nicht zu unterscheiden war, und dessen Preis etwa die Hälfte desjenigen der Naturbutter betrug: die Margarinebutter. Seitdem hat die Fabrikation der Margarine eine Entwickelung durchgemacht, die im vollsten Sinne des Wortes ein Siegeslauf zu neunen ist; Anfeindungen aller Art hatte sie in reichlicher Menge zu bestehen, Verdächtigungen in ungezählter Menge wurden gegen sie geschleudert. Trotz alledem wuchs der Konsum von Jahr zu Jahr, und heute können die Fabriken den Bedarf kaum mehr decken. Diese Entwickelung ist nur natürlich. Wir werden weiter unten sehen, daß die Margarine der Naturbutter an Nährwert kaum nachsteht, und daß die Herstellungsart eine sehr reinliche und saubere ist. Ehe wir auf diese Verhältnisse aber eingehen, müssen wir uns darüber llar werden, was Margarine ist und wie sie dargestellt wird. Die Gegner der Margarine behaupten, den Hauptbestandteil derselben bilden Katzen- und Hundefett, Seifen- talg, Stearin und derartige schöne Mnge mehr. Nun, bei der heutigen Riesenproduktion würden vielleicht keine Katzen und Hunde auf Erden mehr übrig bleiben, wenn man sie in Margarine verwandeln wollte, und außerdem dürfte die Margarine etwas sehr teuer werden; denn Hunde stellen immerhin ein Wertobjekt dar. Die größte Schwierig feit liegt aber darin, daß ein Verfahren, aus derartigen Ingredienzien Margarine zu verfertigen, bis heute noch nicht erfunden ist. Die Leute denken in der Regel an Tierleichen aus Abdeckereien. Mr bekannte und berühmte Chemiker Professor Soxleth schreibt aber über diesen Punkt: „Wäre es möglich, aus Abdeckerei- und ähnlichen Abfall- fetten, sowie aus zusammengekauftem Talg Speisefette irgend welcher Art herzustellen, so würde dies einen ungeheuren Gewinn bedeuten, nicht zum geringsten Teil auch für die Landwirtschaft. Wer dieses Problem löst, wird unfehlbar und rasch reich, aber bislang war aller Erfinder- Witz in dieser Richtung vergeblich, geschweige denn, daß es gelungen wäre, aus Kadaverfett Speisetalg oder Margarine zu fabrizieren." desjenigen der Naturbutter, und über die Nährbestandteile geben die nachfolgenden Analysen Aufschluß: Margarine- Bokale und . u butter 13,59 pCt. 84,39 „ 1,90 „ Ergänz««gsrStseU Nachdruck verboten. Der Schwerpunkt der ganzen Margarinebuttersabri- kation liegt nämlich darin, daß nur ganz frisches, unmittelbar nach dem Schlachten gewonnenes Ochsensett verarbeitet werden kann, da sonst ein übel schmeckendes Produkt entsteht. Durch diesen Umstand ist auch die Reinheit und Güte der Kunstbutter gewährleistet; jedes minderwertige Produkt verrät sich sofort von selbst durch seinen Geschmack. . u . a . Durchschnitts- Naturbutter Wasser 9,02 pCt. Fett 88,11 „ Casein und Salze. . . 2,87 „ Das Fazit ist also, daß die Kunstbutter lediglich 4 vCt. Fett weniger enthält, als Naturbutter; physio- Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: HAFER A a A N FAT E N R In den nachstehenden Wörtern sind die Striche durch die Punkte durch Konsonanten sinngemäß zu ergänzen. a . — . — n . . a B.ä.» — r — c . — . e — . — S . e . — . s; i — m — . . u . — n T . — t — i.k — n r — i . — . S . . e . — . S- Die Fettteile des Rindes werden sofort nach dem Schlachten dem Körper entnommen und so schnell als ov„k a —, — ----- . . ... möglich an die Margarinebuttersabrik gesandt. Zu diesem I logische Versuche haben ferner ergeben, daß die Verdau- Zwecke dienen Weidenkörbe, welche nach dem Gebrauche I llchkeit ebenfalls nur in geringem Maßstabe hinter der der entweder nicht mehr verwendet oder sauber ausgekocht I Knhbutter zurückbleibt — zwei Momente, die in Anbetracht werden. Nach dem Eintreffen der Fettsendung in der Fabrik I be§ Preises kaum mehr ausschlaggebend genannt werden wird das Material sorgfältig sortiert, und alle Teile, welche I Minen. Sehen wir aber zu, welche Vorteile andererseits nicht vollkommen tadellos sind, werden weggeschafft. I ber Margarine gegenüber der Naturbutter anhaften. Die Dieses Sortieren ist eine der wichtigsten Operationen bei | vielbesungene poetische Gestalt der Sennerin oder der Vwy- der gesamten Fabrikatwn; denn durch ein einziges schlechtes I maqd, welche die Kuhbutter herstellt, erfüllt ja manches Stück können große Quantitäten des Produktes verdorben 1 mit Wonne; ob aber die Hände und Buttergefatze und vollkommen unbrauchbar gemacht werden. Das sor- I h^ses lieblichen Wesens den Anforderungen an Sauberkeit, tierte Ochsenfett, das sog. „Nierenfett", wird hierauf gründ- welche man bei Herstellung eines Nahrungsmittels zu lich mit Wasser gewaschen, um alle etwa anhängenden Blut- I stellen berechtigt ist, immer entsprechen, mag dahingestellt teilchen und Blutgerinnsel wegzuschwemmen, und dann zu I bleiben. In deii Margarinebutterfabriken herrscht stets feinem Brei zerhackt. Dieser Brei gelangt in große doppel- I hie peinlichste und genaueste Ordnung und Sauberkeit, waudige, verzinnte Kessel, wo er bei einer Temperatur I Die Böden sind mit Marmor oder großen Platten belegt von etwa 45 Grad geschmolzen wird. Das Schmelzen hat I ^md werden des Tages über so und so oft gewaschen. Alle den Zweck, die Fettbestandteile von den Gewebeteilen, von I Gefäße und Apparate aber blinken und blitzen nicht nur Haut, Adern, Sehnen u. s. w. zu trennen. Nicht alle I stets, sondern sie werden auch in regelmäßigen Zwischen- Fabriken schmelzen bei 45 Grad, manche gehen bis zu einer | räumen mit Dampf behandelt, eine Prozedur, der kern Temperatur von 52 Grad. Doch ist es ein allgemein gül- I Bazillus widerstehen kann; bekanntlich haben die Balterw- tiqer Grundsatz, daß das bei minderen Temperaturgraden I logen gefunden, daß der strömende Dampf das beste aller geschmolzene Produkt einen viel feineren Wohlgeschmack I Desinfektionsmittel ist. Diese stete Sauberkeit und peinliche hat, als das bei höheren gewonnene. Auch die Preise sind I Desinfektion ist auch die Ursache, warum bte Margarine- dementsprechend. Während des Schmelzens wird etwas | butterfabrikanten ihre Betriebe jederzeit jedermann zur Salz zuqesetzt, und nach Verlauf von etwa zwei Stunden | Besichtigung öffnen; sie können dies mit gutem Gewißen ist der ganze Schmelzprozeß, während dessen ein fort- I thutL Noch ein weiterer Umstand ist wohl zu beachten. Auf währendes Umrühren stattfindet, beendet. Die geschmolzene bcnT Lande wird das Wasser gewöhnlich Pumpbrunnen Masse besteht nun aus zwei Schichten: unten liegen die j oder gar Schöpfbrunnen entnommen; der Zusammenyang Gewebeteile und oben das Fett, welches eine gelbe Flüssig- 1 von Typhusepidemien mit solchem Wasser ist schon oster feit darstellt. Dieses letztere wird nach vollkommener Klär- I erwiesen worden, und es wurde festgestellt, daß insve-- unq abgezogen und zwar in verzinnte Wannen, welche in I sondere Milchgefäße, welche damit ausgeschwenkt wurden, einem Raume stehen, der eine Temperatur von 20—25 Grad I ^ie Krankheitskeime übertrugen. Die Margarmefabriken Celsius hat. Bei dieser Temperatur krystallisiert das I befinden sich alle in großen Städten und verwenden das Stearin aus. Man trennt dasselbe von dem flüssigen Teil, I filtrierte und unter genauer Kontrolle von Hygienikern indem man das Ganze in Tücher schlägt und dem Drucke | unb Chemikern ^enbc ^«Jettung^ffe^ hybraulischer Pressen aussetzt. In den Tüchern bleibt das I ben Fortschritten der Wissenschaft fetzt fast überall allen Stearin in Form eines weißen Kuchens, des Preßtalges, I Anforderungen entspricht. zurück. Dasselbe wird zu Stearinkerzen verarbeitet; bte 1 Anbetracht aller dieser Umstände wird das Voraus den Tüchern abtropfende Flüssigkeit heißt Oleomar- I urtcil .eqcn bic Margarine wohl immer mehr , schwinden, garin und erstarrt infolge ihres Gehaltes an Diem mit I unfc> b|e|efßc wird bald vorurteilslos allgemein als em butterähnlicher Konsistenz. I Volksnährmittel ersten Ranges betrachtet werden. Während Meges-Mouries ursprünglich durch eine Art 1 ---------- künstlicher Verdauung, nämlich durch Zusammenbringen mit zerkleinerten Schwememagen, Salzsaure und Phos- I phaketi, diesem Fette ein Butteraroma geben wollte, mischt I aieittiuMi Schon Sie den Herrn dort drüben? Der hat sich man dasselbe jetzt direkt mit Kuhmilch, Wasser und fe nach ,r y gemacht!" - „Womit?" - Als er von hier der Jahreszeit mit größeren oder kleineren Mengen frischen I bur(6brnnntC| hieß er Samuelsohn, jetzt hecht er Smith/ Speiseöls. Das Gemenge wird genau so wie Rahm ver- 1 Eine Mutter sagt zu ihrem Töchterchern: buttert. — Die ausgebutterte Mischung wird um fte er- | ( Summ bcr" mon petit »oge, je venx te putze ton Rotznäsele. So- starren zu machen, in ein mit Eiswasser gefülltes Bassin I 0_0| et maintenant donne-moi un Süffele." abgelassen. Um dieses Wasser und die überschüssige Milch wieder zu entfernen, wird bann das Produkt durch Walzen gepreßt und durch besondere maschinelle Vorrichtungen, die sogenannten „Knetteller", ausgeknetct. Ist dies geschehen, so ist die „Margarinebutter" fertig, und es erübrigt nur noch, sie abzuwiegen, in die Verscmdtgefaße ueue runde, oder ovale Gebinde von weißem Buchen- » bolz — zu pressen und eveut. die Oberfläche zu verzieren. I m ® Da diese Margarinebutter vollkommen rein und weiß I . ü . l' fit, so setzt man, um derselben auch nach außen hin das I — n. . Ansehen natürlicher Butter zu geben, etwas Curcunm, I Safran oder sonstige unschädliche Farbstoffe zu, welche I ihr einen gelblichen Ton verleihen. Preis und Gehalt an Nährbestandteilen bestimmen den I reellen Wert eines jeden Nahrungsmittels Sehen wir deshalb zu, wie sich in dieser Hinsicht das Verhältnis der Ännstbutter zur Naturbutter stellt. Der Preis der Kunst- butter beträgt, wie schon eingangs erwähnt, etwa die Hälfte | — 248 dieser Fig- 2 Fig. 3 F-g. 1 Besonders tritt Sommer nicht so schwer, trotzdem sie doch genügend, besonders gegen den Regen, schützen. Natürlich sind diese Capes nicht die einzig in Betracht kommenden Ucberkleiderformen, doch bieten die Faltenmäntelchen, dieHängemäntelchen, die Mäntel mit kurzen Taillen rc. ec. zu wenig neues, als daß man sie eingehend besprechen möchte. Aehnlich ergeht es uns mit den Kleidchen; denn alles, was man sieht, ist eigentlich bekannt und von einigen Formen kann man sogar sagen, daß man sie selbst getragen hat. So z. B. die Hängerkleidchen der Kleinen. Sie sind immer gleich faltig und immer gleich mit kurzen oder langen Puffärmclchen versehen, nur daß man sie entweder mit spitzen oder eckigem Koller fertigt oder je nach dem Zweck mit einfachen Börtchen, Stickerei oder bergt, verziert. Für kleine Mädchen bleibt diese Kleidform unverändert bis zum vierten, fünften Jahr, während man für kleine Knaben das Hängerchen in breite Tollfalten ordnet und im Taillenschluß durch einen hellen Lcdergürtcl znsammenhält. schönen Tage kommen, tritt sie besonders in den Vordergrund. Man sucht die Sommergarderobe hervor und sieht, was noch gut daran ist, und was zu erneuern ist. Meist muß es ein wenig verlängert und ausge- laffen werden, wenn cs sonst noch gut ist; denn alle anderen Aenderungen, welche etwa Bezug auf Modeneuheiten haben sollten, sind nicht durchaus notwendig, da Frau Mode in Bezug auf Kindersachen äußerst tolerant ist. Vernachlässigt hat sie dieselben deswegen jedoch nicht, denn Kleinigkeiten .sind auf allen Gebieten zu berichten, und die Mode für Erwachsene ist zu wechselvoll und zu sehr von Grund aus verändert, als daß sie nicht auch auf die Kindermode ihren Einfluß ausgeübt hätte. Sehr gern werden jetzt auch für Kinder jeden Alters, Mädchen wie Knaben, die langen Capes, durch ein zierliches, bunt abgefüttertes Kapuschon ergänzt, getragen. Dieselben sind insofern sehr praktisch, als sie nicht so leicht ausgewachsen werden. Auch sind sie für den wachsene fertigt man sie vorzugsweise aus glatten Tuchen, unter denen dunkelblau und dunkelbraun die praktischeren Farben vertreten, während hellgrau und Modefarben eleganter erscheinen. Als Verzierung wendet man vorzugsweise Stepplinien oder Mohairbortcn in zierlichen Verschlingungen an. Die Mäntelchen sind meist mit einem kurzen Schulterkragen ausgestattet, welcher beliebig auch etwas fantastische Formen aufweiscn darf. Zu den Jäckchen sieht man oft ein passendes Kleid oder nur dcnRock passend, was dann, durch eine hübsche Faltenbluse ergänzt, ein richtiges Kostüm, wie für Damen, ergiebt. Besonders für Schulanzüge ist diese Zusammenstellung sehr beliebt, und zeigt Figur 1 eine, wenn auch einfache, so doch modegerechte Vorlage dafür. Bericht über Kindermoden. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden - N. Reichhaltiges Moden-Albuin und Schnittmusterbuch ä 50 Pfg. daselbst erhältlich. „£) selig, o selig, ein Kind noch zu sein" singt der Dichter, und mit Recht; denn was kümmert sich ein Kind um die Sorgen der Welt Hat cs wirklich einen Kummer, so kommt es zu Mama, und nach einem kleinen Weilchen ist alles vergessen. Fiel die Puppe aus die Nase und zerbrach sich den Kopf, Mama machts wieder gut; kam beim wilden Lauf ein Loch ins Kleid, Mama muß es reparieren, oder flog wohl gar der Ball in Nachbars Garten, die gute Mama läßt ihn wieder holen. Ja, die Mutter weiß Rat für all die kleinen und großen Schmerzen, und sie ist es, die in der Hauptsache die Sorgen für das Wohl der Kinder auf sich nimmt. Nicht die geringste davon ist wohl die um die Kleidung und jetzt, wo die Einfluß bei den Ueberkleidern hervor; denn Sackmäntel und Sackjäckchen sind für Kinder jeden Alters, besonders auch für Backfischchen modern. Genau wie für Er- Fig. 4 formen für kleine Kinder ist und bleibt die Matrosenform, und ist es gleichgiltig, ob sie die bekannte Blusen- oder Kadettenjäckchenform zeigt, wie Figur 4. Letztere verwendet man gern für ganz kleine Kinder, da sic trotz größter Bequemlichkeit nicht so in der Taille bauschen. Als Material sür diese Matrosenkleidchcu bleibt für die heiße Jahreszeit der bekannte Satiudrell in Weiß- Hellund Dunkelblau, während in Wolle einfacher dunkelblauer Wollstoff das Beste ist.. Auch für festliche Gelegenheiten ist in Kleiderformen nichts auffallend Neues zu berichten. Mau verwendet hierzu lediglich einen hübschen, hellen Stoff in Wolle oder Wachsstoff. Für kleine Mädchen bis zu neun Jahren ist dabei ein weißes Batisthängerchen, zierlich mit Stickerei und Stüfchen garniert, immer das eleganteste. Dann folgen die Blusen- und Passenkleidchen aus hellem Barege,Wollmusselin oder anderem leichten Wollstoff, welche man ganz allerliebst mit den verschiedensten Matcralicn garnieren kann, Bändchenrüschen, Faltennäherei, Zierstichc oder mit Kreuzstichen verbundene Seidenblenden werden je nach dem Stoff alle gleich gut verwendet und geben jedes eine ebenso nette wie billige Garnitur ab. Fügt man einem derartigen hellen Kleidchen eine breite, um die Taille geschlungene Schärpe hinzu, welche nach Art der Japanerinnen in eine große hochstehende Schleife geordnet wird, so ist woht die höchste Eleganz, wenigstens für vernünftige Mütter, erreicht; denn dem übertriebenen Luxus, wie seidene Kleidchen, kostbare Spitzen rc. möchten wir nicht das Wort reden. Will man seinen Liebling noch besonders hübsch schmücken, so knüpft mau ihm ein buntes Band ins Haar, und zwar sieht man neuerdings vielfach das aus Großmutters Zeiten her bekannte Arrangement, wonach man die Haare aus einer Seite abteilt und auf der anderen an den Schläfen mit einem Schleischen zusammenhält. Größere Mädchen bevorzugen dagegen immer den Zopf, welchen man ebenfalls auch mit einigen Zierkämmchen ausputzen kann.. Besonders nett und festlich sehen diese Faltenkleidchen aus, wenn man sie, wie Figur 2 mit breitem Matrosenkragcn ausstattet, welcher bei besonderen Gelegenheiten einen glcichgeforintcn, weißen Spitzenkragen übergeknöpft erhält. Werden die kleinen Mädchen älter, so löst nian die Hängerkleidchen. durch Blnsenkleidchcn ab, welche ihre Form auch wenig verändert haben. Paffcnbluscn oder Faltcnblusen werden je nach ihrem Zweck einfacher oder eleganter ansgcstattct, wozu Figur 3 eine hübsche Vorlage bietet. Dabei hat man sein Augenmerk lediglich darauf zu richten, daß alles hübsch reichlich und faltig sei. Sogar die Aermel hält man vorzugsweise blusig nach Art der Hemdblusenärincl, was außerdem den Vorteil bietet, daß die Ellenbogen nicht so leicht entzwei gehen. Eine der reizendsten Kleider- 3 Litterarisches. Die Herstellung und Instandhaltung der Garderobe schneidet oft recht empfindlich ins wirtschaftliche Budget, namentlich, wenn man auch nicht gerade hoch- so doch ein bischen modern sein möchte und die Sachen außer dem Hause unfertigen lassen muß. Nun erlernen zwar viele Damen das perfekte Klcidcrmachen in Lehrinstituten und Fraucn- arbeitsschulen. Aber wcnn's darauf und dran kommt, haben sie nicht den Mut, in die um teures Geld erworbenen Stoffe einmal beherzt einzii- chneidm, da sie eben kein Selbstvertrauen haben und oft nicht die zuverlässigen Schnittmuster besitzen. Die meisten wissen sehr wohl, welche Ersparnis erzielt wird, wenn man in der Lage ist, seine Garderobe oder doch Hauskleider und gewöhnliche Kostüme selbst anzufertigen, bezw. wenigstens zu modernisiereu. Seit einigen Jahren betreibt nun angesichts eines notorischen Bedürfnisses die renommierte Firma Internationale Schnittmanufaklur, Dresden, die Herstellung und den Versandt von Schnittmodellen zur Anfertigung eleganter und praktischer Damen- und Kindergarderobe. Ihre Muster und Modelle zeichnen sich namentlich durch ungemein leichte Verwendbarkeit, modernsten Chik, vorzüglichen Sitz und große Preiswürdigkeit, ja frappante Billigkeit aus. Man erkennt bei ihrem Gebrauch sofort, daß es keine Phantasiestücke, — am Zeichentisch erdacht und unerprobt in die Welt gesandt sind, sondern daß sie aus erprobter praktischer Arbeit hervorgegangen nnd sich bewährt haben. Wenn man in Betracht zieht, daß beim Selbstanfertigen von Kleidern mit Hilfe dieser Schnittmuster ganz wesentliche Ersparnisse erzielt werden können, so werden diese noch erhöht dadurch, daß mancher vielleicht schon gebrauchte Stoff, dessen Ncilverarbeitung durch die Schneiderin sich nicht lohnt, vielleicht für Hauskostüme oder Kmderkleider noch zweckentsprechend Verwendung findet. Zur genaueren Orientierung dient ein reichhaltiges Moden-Albmu und Schnittmusterbuch, welches von der Schnittmannfaktur Dresden zum Preise von 50 Pfennig — in Marken — überall hin versendet wird. •toottien: E. Burkhurdt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitStl-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.