Donnerstag den 4. Ottober. SSsBi. M8W MMSie sollen die Freuden wicdcrkommcn, Wenn du sie ruchlos ausgenommen! So manche trat zu dir in’S Haus, Und ging als Sünde wieder heraus. Em. Gcibel. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold O r t m a n n. (Fortsetzung.) Eine halbe Stunde nach Mitternacht geschahen in dem Arbeitszimmer des Fürsten Arkadi Suworin gar sonderbare Tinge. Eine hohe, schwarze Gestalt, unsicher beleuchtet von dem Flämmchen der kleinen Taschenlaterne, die sie in der Hand trug, tauchte in der nämlichen Thür- öffnung aus, durch die sich vor zwei Stunden Baron Hainan als ein tief Gedemütigter hatte entfernen müssen. Lautlos wie ein Schatten glitt sie durch das hohe Gemach bis zu dem prächtigen Schreibtisch zwischen den beiden Fenstern. Es gab ein leises, metallisches Klirren, ; ein Schlüssel wurde behutsam gedreht, und mit vernehmlichem Knacken sprang ein Riegel zurück. Eine weiße, Iwohlge- pflegte Hand, an deren kleinem Finger im schwachen Lichtschein der Laterne ein großer Brillant aufblitzte, griff zweimal, dreimal in das geöffnete Fach. Dann (drehte sich abermals der Schlüssel, der Riegel sprang wieder ein, und der Mann, dessen Gesicht durch eine .Art Kapuze völlig unsichtbar gemacht war, wandte sich der Thür des Speisezimmers zu. Er trug jetzt mehrere verschnürte und versiegelte Päckchen unter dem linken Arm, dieselben, die vorhin sichtbar geworden waren, als Fürst Arkadi den Schuldschein seines bisherigen Freundes hervorgesucht hatte. Rings umher WM es jetzt so regungslos still, als gäbe es außer dem einsamen Nachtwandler nichts Lebendiges mehr im ganzen Hause. Nur der Regen prasselte gegen die herabgelassenen Fensterladen, und der Sturm pfiff draußen in den fast entlaubten Wipfeln der Parkbäume seine Melodie. Bor dem mächtigen Büffet an der fensterlosen Längswand des Saales blieb der Mann in der KMuze stehen. Seine Aufmerksamkeit galt nicht dem prunkenden Silbergerät, das hier und da, wo es von den Strahlenbündelchen der Laterne getroffen wurde, in glänzenden Reflexen aus dem Dunkel hervorleuchtete, sondern einzig einer kleinen Krystallflafche von ziemlich unscheinbarem Aussehen. Er nahm sie von ihrem Standort herab, betrachtete prüfend den aus einer weinroten Flüssigkeit bestehenden Inhalt und griff dann in die Tasche seines langen, sammetglänzenden, schlafrockartigen Gewandes. Ein winziges Fläschchen war es, das er daraus zum Vorschein brachte, und mit der Behutsamkeit eines Apothekers, der gewissenhaft die vorgeschriebene Dosis eines stark wirkenden Medikaments bemißt, träufelte er aus diesem Fläschchen zwanzig Tropfen einer wasserhellen Flüssigkeit in die Karaffe. Ein kurzes Schütteln noch, und er stellte das Gefäß genau auf den Platz zurück, von dem er es weggenommen hatte. Eine halbe Minute später erlosch plötzlich das Kerzen- flämmchen in der Laterne. Selbst ein scharfes Ohr würde Mühe gehabt haben, das schwache Geräusch zu vernehmen, das durchj das vorsichtige Oeffnen und Schließen einer Thür verursacht wurde. Dann aber blieb alles totenstill, wie es zuvor gewesen war. Lautlos und geisterhaft, wie die Erscheinung urplötzlich! in der nächtlichen Finsternis aufgetaucht war, hatte sie sich in der nächtigen Finsternis wieder verloren. Kurz vor sieben Uhr morgens trat der Baron vollkommen reisefertig auf die Rampe des Schlosses hinaus. Er sah frisch und rosig aus ,wie nach einer prächtig durchschlafenen Nacht, und als er den alten Kammerdiener an dem offenen Schlag der Troika stehen sah, schlug er ihn jovial auf die Schulter. „Leben Sie also wohl, alter Knäbel Und richten Sie dem Fürsten noch einmal meine schönsten Empfehlungen aus. Ich hoffe, ihn recht bald in Petersburg wiederzusehen." Er schwang sich in den Wagen, auf dem sein Reisegepäck bereits Platz gefunden hatte, und die drei feurigen Traber griffen auf den schmeichelnden Zuruf des Kutschers mächtig aus. Ihre Kräfte durften nicht geschont werden; denn der Weg nach Botogowskaja war weit, und auch der Baron hatte dem bärtigen Rosselenker mit allem Nachdruck wiederholt, daß er unbedingt zum Petersburger Kurierzuge an der Station sein müsse. Fürst Arkadi Wassiljewitsch schlief an diesem Morgen länger als sonst. Es war beinahe zehn Uhr, als er nach dem Kammerdiener klingelte und sich von ihm ankleiden ließ. Die Aufregung des gestrigen Abends mußte seinen Gesundheitszustand ungünstig beeinflußt haben; denn sein knochiges Gesicht sah noch schlaffer und gelber aus als gewöhnlich „Befehlen Durchlaucht, daß ich das Frühstiick heraufbringe?" fragte der Diener; aber Fürst Suworin schüttelte den Kopf. — 566 "Nein . Ich werde es unten im Speisezimmer nehmen. Ist der Baron abgereist?" Um sieben Uhr früh! Er ließ ftch Eurer Durchlaucht noch' einmal angelegentlich empfehlen und sprach dre Hoffnung aus aus ein baldiges Wiedersehen tn Santt Petersburg." , Der Fürst machte eine abwehrende Handbewegung. ,Es ist gut. Sorgen Sie für meine Chokolade!" , Im Kamin des Speisesaales loderten bereits mächtige Holzkloben; Arkadi Wassiljewitsch aber fühlte nichtsdestoweniger ein Frösteln, als er den dunkel getafelten Raum betrat. Er ging au das Büffet und nahm die Krystall- flasche herab, die noch zur Hälfte mit einer wemroten ] Flüssigkeit gefüllt war. Mit unsicherer Hand füllte er das Liqueurgläschen, welches stets neben fernem Gedeck stand. Einen Moment hielt er es nach alter Gewohnheit gegen das Licht. Aber der dicke, weißliche Nebel, der wie eine feste Masfe draußen vor den Fenstern lag, mochte schuld daran sein, daß der Stärkungstrank heute nicht von der Farbe und Durchsichtigkeit des Rubins, chnoern trübe und dickflüssig schien wie Blut. Fürst Suworm stellte das Glas auf den Tisch zurück, als hätte ihm das Aufsehen des Liqueurs Bedenken erregt, ihn zu trinken. Da aber lief das unbehagliche Frösteln aufs, neue durch seinen Körper, und nun stürzte er den Inhalt des kleinen Kelches mit einem Zuge hinab. • .. Kaum fünf Minuten nachher trat der Kammerdiener mit der Chokolade in den Speisesaal ein. Er fandjstmen Gebieter in schrecklichen Krämpsen ans dem Fußboden, Schäum vor dem Munde und mit bläulich verfärbtem, qualverzerrtem Gesicht. Das Bewußtsein war ihm bereits geschwunden, und nur dumpfe unartikulierte Schmerzenslaute kamen noch aus der vom Todeskampfe zufatnmen- geschnürten Kehle .Nach drei verschiedenen Richtungen hin jagten sofort reitende Boten in den nebeligen 9)iorgen hinaus, um ärztliche Hilfe herbeizuschaffen. Aber von den Männern, die den Kranken aufhoben, um ihn m fein Schlafzimmer zurückzutragen, hegte keiner den geringsten Zweifel, daß Fürst Arkadi Wassiljewitsch em rettungslos Verlorener sei. Zweites Kapitel. Schwerfällig rasselte der grün angestrichene Bahnomnibus des Hotels „Zum Köuig von Spanien über das schlechte Waldenberger Pflaster. Ein großer grauer Reste- I kofser, der augenscheinlich schon recht viele Strapazen hatte überstehen müssen, schwankte hoch oben aus dem Verdeck Im Innern des Wagens faß nur em einziger Passagier. Herr Jakob Hchchanslügel, der Eigentümer des „König von Spanien", ein kleiner, wohlbeleibter Mann m langem, I schwarzem Gesellschaftsrock und schneeweiß leuchtender Weste stand im Vestibül seines gastlichen Hauses, um I nach ' alter Gewohnheit etwaige neue Ankömmlinge m I eigener Person zu empfangen. Em verbindlich unter- 1 würfches Lächeln war auf seinem feisten Gesicht; aber sobald er des schäbigen, grauen Koffers ansichtig geworden war nahmen seine verschwommenen Zuge plötzlich emen Ausdruck vornehmer Gleichgiltigkeit an. Er drehte den Kovf ein wenig nach dem hinter ihm stehenden Oberkellner um und warf geringschätzig über die Schulter. Dritter I Stock — Nummer siebennndzwanzig oder achtundzwanzig. Dann trat er noch um einen kleinen Schritt Wester vor nnd wartete in nachlässiger Haltung den Eintritt des neuen Gastes ab, den seine scharfe Beobachtungsgabe offenbar schon jetzt einer ziemlich; untergeordneten Klasse des reisenden Publikums zugewiesen hatte. Auch der Hausknecht beeilte sich nicht sonderlich, die Wagenthur zu offnen nnd mit einer gewissen Herablassung streckte er den Arm aus, um das Handgepäck des Passagiers m Empfang zu Uei,n£r eine tiefe Männerstimme rief ihm zu: „Danke, tinctB Tttit liebet felbft! , ' Der dienstbare Geist fühlte M Zugleich vorl einer anscheinend recht kräftigen Faust ohne viele Umstande bei Seite aeschoben. Verblüfft fah er zu der Hünengestalt des Mannes auf, der ihn trotz seines ^der^dchwi noch um eine halbe Kopflänge überragte, und der dabei doch so leicht und elastisch dahmfchritt. Ganz in emen einfachen braunen Reisemantel nut west herabfallendem anderes frei wird —" , , , „ „Nun, ich werde ja sehen", meinte der Fremde kurz, indem er der Treppe zuschritt. „Wenn nur s nicht gefallt, suche ich mir nachher ein anderes Gasthaus. Ich glaube, das ist etwas sehr Vornehmes, §err Schwanflüael" flüsterte der Oberkellner, als der recken- MÄst Ä den oberen Regionen des Hauses verschwunden war. Der erfahrene Mann in der weißen Weste m er machte eine vielsagende Bewegung mst den Schultern. „Ich taxiere ihn auf einen Geschäftsreisenden. Passen Sie auf: er kommt nicht 'mal an die Table d hole. Uebrigens können Sie ja der Sicherheit halber gleich nut dem Fremdenbuche zu ihm hinaufgehen. Bescheiden klopfte der wißbegierige ^nngling denn auch fünf Minuten später an die Thur von Nummer siebenundzwanzig. Aber als er auf eine Frage von drinnen sein Anliegen kundgethan hatte, schallte es als wenig ermutigende Antwort mit sonorem Stimmklange heraus. Scheren Sie sich zum Teufel! Ich werde mich doch wenigstens erst in Ruhe umkleiden können." Es ist doch etwas Vornehmes", dacht ^ecm, wahrend er mit seinem Fremdenbuche unverrichteter Sache die drei Treppen wieder hinabssteg. „Diesmal, glaube ich, Hai de i Alte sich gründlich blamiert." „ . , | stad verdutzten Antlitzes, als wäre in ihm stlbe^ die Ahnung einer solchen Möglichkeit aufgedammert wst Herr Schwänflügel die kleinen Angen auf, als eine halbe Stunde nachher der Fremde an ihm vorüber das Bestibul durchschritt. Jetzt trug er nicht mehr den einfachen Reisemantel und den niedrigen, weichen Filzhut, sondern er war in einen eleganten Ueberzieher nach neuestem Schnitt gekleidet, und von dem tadellosen englischen Seidenhu^ bis herab zu den Lackstiefeln, welche die auffallende Kleinheit seiner Füße in das vorteilhafteste Licht setzten, zeugte jede Einzelheit seines Anzuges von ebensoviel Sorgfalt I als vornehmen Geschmack. Fast unwillkürlich machte chm I ®'Iaauä den «Iwchen d-SRindoi-hS «mnnut man zunächst Dpi Gewisse für ihn geeignete Ochfenknochen bezahlt I SÄ mU Äs« »--! ben 3«ln« « dem M«, tn bem te Weben werten, sernrnnt ■malt Leim aus dem Knochenstaub erhalt man gutes Viehfutter/und solche Knochen, welche andere Industrien nickst verwenden können, dienen zur Reinigung des - ML «be SN-swVrtuIt ber WollwAch-,. -st«5k,hÄ in V- M-ng°'«hL°Istrt«, d-s b-° A-W ■kckraft bat durch längeres Kneten mehr als sem eigenes Kewickst an Wasser aufzunehmen, ohne feine geschmeidige r'nf^arrinrTn rii verlieren Professor Liebreich nannte diese g*S . “«35«" und bezeichn-,- eine MM dieses fettes mit 25 Prozent Wasser als „Lanolin , welche^ fetzt ia als Salbe /den Hausmitteln gehört und zu den verschiedensten Doiletteartikeln verarbeitet wird. Alle diese Angaben tonnen nur als kleine ürooeii netten Die Zahl der Abfallstoffe, die im Haushalt der Völker nutzbringend zu verwenden wäre istunend- Uche und trotz aller Fortschritte der Jndustrre i nur ein verhältnismäßig geringer Teil der AbsallM. verwandt worden. Wir sehen daraus, daß dieses gering geschätzte Material noch eine große Zukunft hat. Em »Wald von Achat. Nachdruck verboten. I , d°« feMtUiu «. - MMt unk ««la« »'»bl'fchm