* ! ! Nachdruck verboten. Heimatlos Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) nfl Frauen wurden wieder vorgerufen und befragt, ob dies der Fall gewesen sei. a Tch kann dies nicht saggu, daß sie Furcht zeigte, er- d-L°ch-n Sfe,810"' “6er sich »ich, i„ Kontor i- XS«" ®C9“”“‘ °°" ”äm,ei,,? ®* »" wandte sich der Richter an den Geschäftsführer. Art? Bezrehungen zu dem Mädchen freundlicher _ gereicht mir zum Vergnügen, zu erklären, daß ich gar kerne Beziehungen zu ihr habe, außer solche, wie zu il>r°"Ps«chtV°"' ' 141 W bam"f 8“ ®ro“lV„%Fs»?“Mern' -»®,e »"-» ^5tn Gegenteil, ich war anfangs geneigt, freundlich gegen sre zu fern. ’ Was meinen Sie mit dem Ausdruck „freundlich"» . ?un, begann er etwas verdutzt, der Ausdruck scheint mrr deutlich zu sein. < Widerte nicht Ihre Freundlichkeit? fragte der Rechter setzt scharf. Als ich sie besser kennen lernte, gab ich ihr gar keine Gelegenheit, irgend etwas zu erwidern, und - entschul- dlgen Sre, Herr Präsident - ich sehe nicht ein, welche fragen haben können, gegenüber den klaren Thatsachen des Falles. i Ä Stirn des Richters verfinsterte sich etwas, doch beachtete er diese anmaßende Antwort nicht weiter I s. ®te U'w also sicher, daß Sie keine Feindschaft gegen I die Angeklagte hegen? ’ 1 J B I meine Pflicht. Gelegentlich habe ich auch I erfahren, daß ihr Vater em Morphinist und ein Trinker I M, und solche Leute liebe ich nicht, setzte er mit Würde I ylllgll. Vater steht nicht vor Gericht, und diese Ananba "was I ^err‘ Unter vereinzeltein Zischen trat der Zeuge Jetzt rief der Richter Mildred zu sich. Er war gerührt I bon ihrem offenen, standhaften Blick, der zu sageii schien • I Ich- lege mein Schicksal in Ihre Hand. 9 ’ } I ? Kmd, begann der Richter ernst, aber nicht un- I freundlich, das ist eine ernste Anklage, und wenn Sie ch°llen,so können Sie die weitere Verhandlung vor mir I t,6^^O»ch ame^neiL Denn, wenn Sie Ihre Unschuld nickt I ^ dieser Verhandlung nachweisen können, so muß Ihr I bm, höheres Gericht kommen. Vielleicht ist es I besser für Sie, emen Advokaten anzunehmen, und die I .^"che lwr die Geschworenen zu bringen. .^cf) mochte mein Urteil lieber von Ihnen bören frprr I Uwiderte Mildred mit zitternder Stimme. Ich bü?un- I schuldig und mochte keinen Augenblick länger unter dieser »ÄÄX*“- *,,abc«--tr-umU'L I 1 Gut denn, erwiderte er nach den vorqeschriebenen |iea36«”S"41eOt”i“bUÄ0brl" lmitcr- ba er wohl erkannte, wie wenig das Vorgebrachte imstande war die bestimmten Thatsachen zu entkräften. ’ Huden Sie Zeugen? fragte er. — imh1— ^^ter und Schwester sind gegenwärtig, und und ein junger Mann, welcher imstande zu sein glaubt, etwas zu meinen Gunsten sagen zu können.___ s)f(8 will zuerst Ihre Mutter anhören, sagte der Richter W.Frau Howell neben ihrer Tochter stand BefefHntp ssch leP3c kleberzeugung, daß das Mädchen unschuldig sei WWM KMW MW der auch meine Tochter kennt, ist verreist, und in unserer toenX9 Freunde, die uns helfen können. Eine alte Rachbarm, Frau Willow, ist gegenwärtig und anck mrff6 ^)?frte bestätigen, wenn Sie wünschen/sowie t6r AEword, welcher ivünscht, vernommen zu ♦ vt- l u t- n» y STO- lvohl, meine Dame, erwiderte der Richter höflick Wir werden zuerst Mister Atword hören. 9 ' S'SÄ" Stöbert sagte aus, was er gesehen hatte, und sprach mch jedes Edlen Leben zieht sÄs ®iu tiefes Sehusuchtsklagen, Wie ein vergessen Jngendäcd Aus Paradieses Tagen. ____________ Julius Lohmeycr, - 66 — die Vermutung aus, daß das Mädchen, dem er zwei Abende vorher nachgesolgt war, wahrscheinlich den ganzen Plan entdecken könnte, wenn sie verhört würde, ehe sie mit ihrem Mitschuldigen sich besprechen könnte. Der Richter hörte aufmerksam zu. Gut, sagte er, wollen Sie mit einem Beamten sogleich in jenes Geschäft gehen, ihm das Mädchen bezeichnen und dasselbe hierher bringen? Sie darf mit niemand sprechen, auch mit Ihnen und dem Beamten nicht. Robert sprach sofort seine Bereitwilligkeit aus. Erne Vorladung wurde geschrieben und einem Polizisten übergeben, welchen Robert begleiten sollte. Die Sache wird jetzt aufgeschoben, Sie können srch rieben Ihre Mutter setzen, sagte der Richter freundlich zu Mildred. , ,, Der Geschäftsführer hatte die Wendung, welche dre Sache nahm, wohl bemerkt und war jetzt im Begriff, in großer Bestürzung fortzueilen, um das Mädchen zu warnen, und ihm einzuscharfen, daß es nicht eingestehen dürfte, das Geringste von der Sache zu wissen. Aber der Richter sagte ihm, er habe noch eine Aussage nötig, und er müsse deshalb noch hier bleiben. Dann wandte sich, der Richter anderen Fällen zu. , Bella begrüßte ihre Schwester mit großer Lebhaftigkeit. Das Mädchen, welches Mildred so grausames Unrecht zugefügt hatte, war an diesem Morgen mit großer Bangigkeit ins Geschäft gekommen, welche noch wuchs, als ste erfuhr, was vorgesallen war. Ihr Mitschuldiger hatte verräterisch gehandelt, indem er ein so ernstes Verfahren gegen Mildred veranlaßt hatte; denn er hatte versprochen, sie.sollte nur des Diebstahls überwiesen und dann entlassen werden. Wenn er in einer Beziehung unwahr ist, wird er es auch in der anderen sein, und dann bin ich auch nicht sicher vor der Verhaftung, sagte sie zu sich selbst, und ihr Benehmen war so auffallend, daß es im Geschäfte Verwunderung erregte. Als sie eben eine Käuferin bediente, hörte sie die Worte: Dies ist das Mädchen! Sie blickte auf und war einer Ohnmacht nahe, als sie vor sich einen Polizisten bemerkte, der ihr sagte, sie müsse sogleich mit ihm kommen. Erschrocken und ratlos stotterte sie, sie wisse nichts von der Angelegenheit. Gut, dann kommen Sie mit und sagen Sie das vor Gericht. , r Muß ich gehen? fragte sie einen der Geschäftsinhaber. Ich weiß nicht, warum ich in die Geschichte hineingezogen werden soll, begann sie. Hier ist der Grund, sagte der Polizist ungeduldig. Das ist die Vorladung. Da sie sah, daß Widerstand nutzlos war, begleitete sie den Polizisten mit angstvoller Miene zu einer Droschke und erschien bald vor dem Gericht. Mildred, sowie die neue Zengin wurden sogleich vorgerufen. Die Letztere hatte nur Zeit, einen vorwurfsvollen Blick auf den Mann zu werfen, welcher, wie sie fürchtete, sie verraten hatte, und der aus seine Weise sie zu warnen suchte. Stellen Sie sich hierher, sagte der Richter, welcher die Bemühungen des Geschäftsführers bemerkt hatte. Sie wurde vereidigt und dann sagte der Richter streng: Merken Sie sich, daß jede Abweichung von der Wahrheit ein Meineid ist, worauf, wie Sie wissen, Zuchthausstrafe steht. Ich kann Sie versichern, daß es in jeder Beziehung das Beste für Sie sein wird, nichts zu verbergen, denn Sie werden bald erkennen, daß ich von der Sache schon einiges weiß. . c Nach den üblichen Fragen begann er: Haben Sre den Laden nicht am Donnerstagabend verlassen? Ja, Herr. Haben Sie sich nicht zweimal umgesehen, ob man Ihnen folge? Das ist möglich. Sie leugnen es also nicht? Hat nicht Mister Bissel Sie in der Wasserstraße ei,n- geholt? Ja, Herr, erwiderte die Zeugin, zusammensahrend. Hat er nicht etwas zu Ihnen gesagt, was Sie sehr erregte? Es mag sein, daß er mich erschreckt hat, stotterte sie. Ja, wahrscheinlich. Aber haben Sie nicht mit einer lebhaften Gebärde beantwortet, was er sagte? Ja, Gingen Sie dann nicht ganz ruhig mit ihm weiter? Ja, Herr. Sie begann zu zittern. Sind Sie nicht in einen dunklen Hausgang eingetreten, welcher zu den Hinterwohnungen führt? Ja, Herr, erwiderte sie mit wachsender Aufregung. Was haben Sie dort gemacht? Hat er über mich ausgesagt, Herr Richter? fragte sie, plötzlich in einen Strom von Thränen ausbrechend. Was er gemacht hat, davon ist jetzt nicht die Rede. Sie sind beeidigt als Zeugin, die ganze Wahrheit auszusagen. In dem Hausflur brannte eine einzige Gasflamme, nicht wahr? Ja, Herr. , Hat Miß Howell sich jemals feindlich gegen Sie benommen? Nein, Herr, meines Wissens nicht. Nun sagen Sie mir, was vor der Gasflamme vorgegangen ist. Ich werde Ihnen die ganze Wahrheit sagen, brach das Mädchen heraus, wenn Sie mich diesmal frei lassen. Es ist mein erster Fehltritt, und wir sind arm. Ich wurde durch die Not dazu gezwungen, und er hat mir versprochen Fräulein Howell werde nichts geschehen, sie werde sich nur einen anderen Platz suchen müssen. In der Meinung, daß ihr Mitschuldiger sie verraten habe, erzählte sie die ganze Geschichte ohne Rückhalt, wodurch Mildred vollkommen gerechtfertigt toufbe. Obgleich der Richter seine strenge Miene beibehielt, bemerkte er doch mit großer Befriedigung den Aerger und die Verwirrung Bissels und seine vergeblichen Versuche, die Zeugin zu warnen. Bitte, vergeben Sie mir dies eine Mal, schluchzte das zitternde Mädchen. Ich werde nie wieder Böses thun. Ich habe keine Macht, Sie zu bestrafen, erwiderte der Richter. Es kommt allein auf Ihre Vorgesetzten an, ob sie einen Strafantrag stellen wollen. Senden Sie Bissel hierher, sagte er zu einem Beamten. Nun, was haben Sie zu dieser Aussage zu bemerken? fragte er Bissel, welcher bleich und unentschlossen vortrat. Der Schurke, welcher in seiner eigenen Falle gefangen war, zitterte. Gern hätte er geleugnet, daß der Anschlag gegen Mildred von ihm ausging, aber er sah so gut, wie das Mädchen, daß der Richter auf geheimnisvolle Weise in Kenntnis gesetzt worden-war, und er wußte nicht, wie weit diese Kenntnis reichte. Wenn er zu leugnen begann, so konnte er leicht durch einen anderen Zeugen überführt werden. Der junge Mann, der nach der Zeugin ausgeschickt worden war und dessen unerwartetes Austreten ihm so viel Unglück gebracht hatte, konnte ja in jenem Hausgang verborgen gewesen sein und so alles gesehen und gehört haben. In der Angst vor einer Anklage auf Meineid suchte er nach einer Ausrede. Ich habe nur das Interesse des Geschäfts zu schützen gesucht. Ich hatte Verdachk auf die Howell. — Bei diesen Worten erhob sich ein allgemeines Zischen, welches der Richter streng verwies. Wir haben nichts mit Ihrem Verdacht zu thun. Haben Sie gegen die Zeugenaussage ^etwas einzuwenden? Nein, Herr. Das genügt. Setzen Sie sich. Dann wandte er sich ay Mildred und sagte höflich: Fräulein Howell, es gereicht mir zum Vergnügen, Ihnen sagen zu können, daß Ihre Unschuld klar erwiesen ist. Ich muß Sie auch darauf aufmerksam machen, daß dieser Mann hier, Namens Bissel zu Schadenersatz verpflichtet ist, und ich hoffe, Sie werden ihn gerichtlich verfolgen. Sie sind jetzt frei. Ich danke Ihnen, sagte Mildred mit solcher Innigkeit, daß der Richter an diesem Tage mehrmals innerlich lächelte. Mildred war kaum weniger aufgeregt, als die unglückliche Zeugin selbst, aber ihre lebhafte Aufregung zeigte sich nicht in Thränen, sondern nur in ihren weitgeöffneten Augen. Jetzt, wo die Spannung vorüber war, sank sie auf eine Bank nieder und bedeckte ihre Augen mit den Händen. O Gott sei Dank! rief sie, er hat mich nicht verlassen! M Der Vorkämpfer Lessings. Ein Erinnerungsblatt zu Johann Christoph Gottscheds 200. Geburtstag (2. Februar). Von Dr. Ernst Wilms. Nachdruck verboten. Die menschliche Kultur schreitet im ewigen Kampfe vorwärts. Der Fortschritt findet nirgends widerspruchslos Aufnahme, seine Träger müssen für ihn kämpfen mit dem Bestehenden, dem herrschenden Zeitgeist, den Stützen des Alten. Und seltsam — der heute selber noch ein Streiter ist für eine Entwickelungsidee, lvird meist zum Hindernis der Weiterentwickelung, er verteidigt seinen eigenen Bau gegen jene, die ihn weiterfübren wollen, mit derselben Erbitterung, mit der er vorher die Repräsentanten der von ihm gestürzten Richtung die letztere gegen ihn in Schutz genommen haben. Und die Neuerer, entrüstet über den Widerstand, undankbar gegen das Gute, das der Mann geschaffen, gehen über ihn zur Tagesordnung über — erst die Geschichte, welche die Dinge in ihrem Zusammenhänge überschaut, läßt ihm die verdiente Würdigung widerfahren, und weist mit dem gerechten Griffel darauf hin, daß alle Errungenschaften nur ein langsam Gewordenes darstellen, und daß ohne die Vorarbeit manches Längstvergessenen auch dies oder jenes in der Folge vielbewunderte Werk nicht möglich gewesen wäre. Ein solcher lange verkannter, vielgeschmähter und doch so verdienstvoller Kämpfer ist auch Johann Christoph Gottsched, dessen 200 jähriger Geburtstag uns heute Veranlassung giebt, dem Leser in kurzen Zügen ein Bild seines Ledens und Wirkens vor Augen zu führen. Aeußerlich betrachtet, verfloß sein Leben ziemlich einfach, ja es war sogar ein glückliches und ehrenreiches. In Juditten (Judith eu- kirchen) bei Königsberg erblickte Gottsched am 2. Februar 1700 das Licht der Welt als Sohn eines Predigers, als welcher er eine sorgfältige Vorbildung und Erziehung empfing. Der intelligente Knabe machte so bedeutende Fortschritte, daß er bereits im Alter von 14 Jahre die Universität zu Königsberg beziehen konnte. Natürlich sollte er Theologie studieren. Ansangs that er das denn auch mit großem Fleiße, bald aber lenkte sich sein ausschließliches Interesse auf die schönen Wissenschaften, auf Sprachkunde und Philosophie. Nun versuchte er sich auch selbst mit Erfolg als Dichter, er gab philosophische Abhandlungen heraus und erwarb im 23. Lebensjahre die Magisterwürde. Der hochgewachsene, kräftige junge Magister hielt es aber für angemessen, seinen Aufenthalt zu verändern. Der damalige Preußenkönig besaß eine ganz besondere VorPon allen Seiten waren teilnehmende Blicke auf die Gruppe gerichtet. Sie können Ihre Vorgesetzten davon unterrichten, wie dre Sache steht, sagte der Richter zu dem Buchhalter des Geschäfts. Dieser hatte den Vorgang mit unverhohlenem Erstaunen beobachtet und eilte jetzt davon, um Bericht abzustatten, während der Geschäftsführer ihn mit dem Aussehen eines bestraften Hundes folgte unter dem Zischen der Zuschauer. Frau Howell wollte nicht nach Hause gehen, ohne daß sie Robert begleitete, um ihren Dank auszusprechen. Aber Mildreds Herz war zu voll für Worte. Sie machte sich brttere Vorwürfe über ihre früheren Vorurteile und war zu jedem Opfer bereit. Doch nicht in Gegenwart der Zuschauer konnte sie die Dankbarkeit ausdrücken, die sie empfand. Mit gesenkten Augen folgte sie ihrer Mutter, welcher Robert den Arm gereicht hatte, aus dem Gerichtssaäl. Ein Wagen stand vor der Thüre, in welchen er Frau Howell hob. Dann ergriff er Mildreds Hand und sagte: Ich danke für Ihre Hilfe, Fräulein Howell! Ich war überzeugt, daß Sie das tapferste Mädchen der Welt sind, und Sie haben dies bewiesen. Dies ist der glücklichste Augenblick meines Lebens. Ich habe nur eine Bitte, ruhen Sie sich aus und grämen Sie sich um nichts! — Leben Sie wohl! Ich muß an meine Geschäfte! Und ehe jemand noch ein Wort hinzufügen konnte, bestieg er einen Wagen der Pferdeeisenbahn und verschwand. Fortsetzung folgt. liebe für große Soldaten und fragte, wenn er eines geeigneten jungen Mannes habhaft werden konnte, nicht darnach, ob die geistige Bildung desselben ihn nicht hoch über die soziale Stellung eines Soldaten jener Zeit emporhebe. Der junge Gottsched stach den Werbern des Königs schon lange in die Augen; nicht geneigt, statt der Feder den Säbel zu führen, entwich der Magister nach Leipzig, wo er im Hause des berühmten Polyhistors I. Burckhardt Mencke in der Stellung eines Lehrers des ältesten Sohnes Aufnahme fand. Im folgenden Jahre (1725) habilitierte er sich mit einer den Geist der Wolff'schen Philosophie atmenden Abhandlung, worauf er seine Vorlesungen über Philosophie und Dichtkunst eröffnete, die bald die Augen weiter Kreise auf ihn lenkten. Denn Gottsched trat von Anfang an als Reformator auf, und fand auch in Leipzig für seine Ideen den günstigsten Boden. In erster Linie wandte er sich gegen den damals in der deutschen Litteratur herrschenden Schwulst, wie er besonders in den Dichtungen Hohensteins hervortritt, den seine Zeitgenossen vergötterten. Was Daniel Kaspar von Hohenstein (geboren 1635, gestorben 1683) unter Poesie verstand, davon nnr eine Probe aus einem seiner weiland so viel bewunderten Dramen: „Weh, weh mir, Asia, ach weh, Weh, wo ich mich vermaledeien, Wo ich bei so viel Schwermutssee, Bei so viel Ach, selbst mein bethränt Gesicht verspeien, Wo ich mich selbst mit Heulen- und Zeterrufen Durch strengen Urteilsspruch verdammen kann — O nimm dies lechzend Ach! Bestürzter Wgrund, an; Bestürzter Abgrund, ach, die Glieder triefen Voll Angstschweiß — Ach des achs, der laue Brunn Der dürren Adern schwellt den Gäscht (Gischt) der sPurpurflut, Meine Blutschauer schreibt mein Elend in den Sand!" Es ist Gottscheds Verdienst, die Poesie von den Nachwirkungen eines so verdorbenen Geschmackes befreit zu haben. Der neue Dozent wies auf edlere Vorbilder hin, auf die Alten, sowie die Franzosen, die er als die.Nachfolger der Alten betrachtete. Im Jahre 1762 erwählte ihn die in Leipzig bestehende Gesellschaft zu ihrem Senior — Gottsched bildete aus ihr bereits ein Jahr später die „Leipziger deutsche Gesellschaft", welche nicht mehr blos die Poesie, sondern auch die Beredsamkeit pflegte, und sich mit dem energischen und immer Einfluß gewinnenden Gottsched an der Spitze, um die Ausbildung und Reinhaltung der deutschen Sprache, deren Gebrauch auch für die wissenschaftliche Schriftstellerei von Gottsched warm befürwortet wurde, große Verdienste erwarb. Die eifrigste und wertvollste Thätigkeit widmete unser Schriftsteller aber der Hebung des deutschen Theaters. Die deutsche Schaubühne fristete damals ein erbärmliches Dasein, alle besseren Kreise hatten sich von ihr abgewandt, Italienische Sänger und französische Schauspieler galten ihnen allein als Vertreter der wahren Kunst. Das deutsche Theater frequentierte das Spektakelstück, ine. sogenannte Haupt- und Staatsaktion, und der Hanswurst schrie von der Bühne herab seine traurigen Späße. Die Schauspieler selbst genossen nicht die geringste Achtung; sie rekrutierten sich aus katilinarischen Existenzen, und waren berüchtigt wegen ihres Lebenswandels, sodaß im Grunde niemand etwas mit ihnen zu thun haben wollte. Es gehörte Mut dazu, sich mit diesem Theater einzulassen, aber Gort-, . sched besaß diesen Mut. In Verbindung mit Friederike Karoline Neuber, der Prinzipalin der ehemals Haakischen Komödiantengesellschaft, einer nicht nur hervorragend talentierten, sondern auch hochgebildeten Frau, unternahm; er es, den Augiasstall des deutschen Theaters zu säubern, indem er die Haupt- und Staatsaktionen und den Hanswurst von der Bühne verbannte, und an die Stelle der jammervollen und rohen Machwerke, die zu jener Zeit darauf heimisch waren, Lust- und Schauspiele besserer Art einbürgerte. In der Hauptsache waren es Bearbeitungen und Ueber- setzungen französischer Tragödien nnd Komödien, die Gottsched herausgriff, weil er die Franzosen für die besten Nachfolger der Alten hielt und vielleicht auch glaubte, daN gebildete deutsche Publikum dem Theater am ersten mitzugewinnen, wenn er ihm dieselbe Kost — nur in deutscher 68 S kor p i o o o A lpe n r o o c p e n e r o s e o r vorsetzte, welche es von der französischen Bühne Man hat rhm das später zum heftigsten ^nb l^n emen blinden Anbeter des fran- zosrschen Geschmacks genannt, aber was hätte er wobl anderes thun sollen? Gin deutsches Drama fehlte'S ®er ÄrrtCrt^Änfl-beE 4ett "nmal nach Frankreich, mm fPJp? § \ l? auch recht, die deutsche Kunst nahm yaa lener Zeit an einen neuen Aufschwung, umsomehr lreWe ü2erubev auä) die sittliche Hebung ihrer -reute von Herzen angelegen sein ließ. Gottsched ging auch durchaus nicht so einseitig vor wce immer behauptet ward, er empfahl auch die Alten und seine erste Gattin Luise Adelgunde Viktoria geb. Kulmus Mit der er sich 1735 verheiratete, und die ihn eifrig in Es^P^st^bungen unterstützte, übersetzte nicht nur f?an- pS nbern aud} englische Stücke, ja machte sogar in eigenen Lustspiele „Die Hausfranzösin" die WMi!Ä^"nachafferin des Bürgertums lächerlich. Wo Gottsched freilich selber als Dichter auftrat, weiß er ^Ä^en Anspruchen nicht zu genügen, er war keine prak- sÄ, s^m einem englischen und französi- schen^ Werke nachgebildetes Trauerspiel „Der sterbende Ärl b?r ..A^odernen völlig ungenießbar erscheint, » Thb /” tränenreichen Bewunderung herausforderte. Auch die gänzlich rn Aeußerlichkeiten untergegangene Oper ®“{Lferrto“%9en ®^eer ,'eilter einflußreichen kurz überall wirkte er reinigend, versittlichend, ver- h ^^r steigerte sich allgemach sein Einfluß in £ " tnf gelehrten Zirkeln, in poetischen ^^S^?bnHofen sogar; sein Haus war lange Zeit das angesehenste m Leipzig. Schon 1730 ernannte man zum außerordentlichen Professor der Dichtkunst 1734 St1;mf£eܱntS1ear°4efIür der Logik un?Met!iphyftk Er stiftete die Gesellschaft der fernen Mnste, gab Zeit- nbsHmf1 kritische Wochenschriften, wie die "D^^rage zur kritischen Historie der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit" und den „Neuen Bücher- ?peir und freien Künste" heraus, Lehrbücher, „Versuch einer kritischen Dichtkunst" „Ausführliche Redekunst", „Deutsche Sprachkunst" u s. w' ^hpffpn6! Zeitgenossen außerordentlichen Erfolg. A’l» ^»kte der berühmte Mann doch noch vor seinem -rode den Unbestand alles Irdischen erfahren. Aeußerlich I Befund er sich zwar, als er am 12. Dezember 1766 starb I uoch rn den höchsten Würden, er war Mitglied zahlreicher I gelehrter Gesellschaften, Dezemvir der Universität Senior I her phrlosophlschen Fakultät und des großen Fürstenkolle- I NMmSein geistiger Einfluß aber war bereits dahin- I Äft hp1! y>te+Öterne Ausgabe seiner kritischen Dicht- I , ust Mit den Worten begann: „Und meine Dichtkunst I noch, sie lebet, sag' ich!", war sein Einfluß im I ^A^l“ben‘= kbbke zu lange für seinen Ruhm. Von der I Schweiz aus ging die Opposition, Bodmer und Breitinaer I ttnefen im Gegensatz zu ihm auf englische Vorbilder hm I hJranhrpe Snßr1 s6 bm Utterarischen Sultan und stürzte ihn' feinem Nstall tmmer me^ wuchs, zuletzt von c lebte er in der Litteraturgeschichte nur als ein I gelehrter Pedant fort, über den sich die Schale des Spottes I AN neuerer Zeit erst ward man auch ihm gerecht- I Erkenntnis, daß ohne seine Vorarbeit die blühende I Entfaltung unserer Litteratur nicht möglich gewesen wäre I fanb Schnier weiteren Raum. Gewiß war er kein Dichter' I und vielleicht aud) eme nüchterne, der Phantasie entbeb- I renbe Natur, aber er verband mit scharfem, kritischen Ver- I stand mue bedeutende Energie und großen nationalen Eifer I @o tft er direkt als Vorkämpfer eines Lessing zu betrachten I das von ihm begonnene Werk fortsetzte und zu Ende I Hrtc; Dre nüchterne Regelmäßigkeit eines Gottsched warf I be geniale Verfasser des „Nathan" allerdings beiseite I Natur und Leben wurden seine großen Ideale ntth I die Stelle des dem Auslande nachgeahmten Bühnenwerkes I setzte er das deutsche nationale Drama. ^ugnenwerkes Auflösung des Gitterrärsels in voriger Nummer S S A Stockholm Vermischtes. I .,, , Ziutmertreiberei. Während draußen die Natur ihren Winter- I uud weit breit noch keine Spur deS wiederwachenden Lebens I bemerkbar ist wird sich der Blumenfreund zur rechten Zeit nach Ersatz I umgesehen haben. Er stellte einige Blumenzwiebeln in Gläser, pflanzte I emcge Stauden em und freut sich jetzt über seine mit blühenden, I ^Enden Fruhüngsklndern bestellten Fenster. Aber auch diejenigen, die I nl°lt rechtzeitig daran dachten, ihr Heim in der blumenlosen Zeit mit I °!"^en Hyazinthen, Maiblumen usw. zu schmücken, können noch jetzt I Treibversuch vornehmen. Ja, man kann jetzt unter dem Schnee weg Veilchen aus dem Erdboden nehmen, in Töpfe pflanzen und wird bald seine Freude an Veilchenduft und Veilchenblüten haben. Ueber diese so anregende Zunmertreiberei findet sich in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau zu Frankfurt a. Oder nne interessante Anleitung, die jeder Interessent vom Geschäftsamt des Ratgebers auf Verlangen kostenlos erhält. DiP der größte Feind unserer Waldungen? Die Nonne? — Irgend cm Bohrwurm? — Nein, es ist der Z e r t u n g s s ch r e r b e r!--In den Mitteilungen des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin lesen wir: Eas zum Drucke des Petit-Jounals in Paris jährlich verbrauchte Papter stammt von 120 000 Bäunien des Waldes, die zu Patzier- brei verallieltet werden. Und das ist nur eine Zeitung! Wie groß MMnhp1 S^"deu sem, den unsere Zeitungen zusammen dem Wald- L Leider steht neben Schweden und Oesterreich auch Deutschland als Hauptlieferant für den Holzschliff im Vorder- Mnd, und eme der brennendsten Fraget: ist die Erhaltung der Walder, ohne die Papierproduktion einschränken zu müssen. Lttterarrsches. neue Preisausschreiben der bekannten Wochenschrift „Von Haus zu Haus." Dieselbe setzt 400 werl- ? ^elsc fur eme Anzahl der besten, auf Grund eigener Erfahrung basierenden Beschreibungen empfehlenswerter B ä d e r, K u r o r t e, S o m m e r- fr,scheu, Heilanstalten und Hotels, sowie über Reiseute nsilicn ®.er °rstc Hauptpreis besteht in einer vollständigen Wäscheausstattung im Werte von 2050 Mk. die von der bekannten p„e,"e": und Gebrld.Weberei F. V. Grünfeld in Landeshut 6 b£8°9fn natf) grauer Aufstellung des Kataloges der Firma. „Von Haus zu Haus" ist die einzige Wochenschrift die bisher st ihren Abonnenten bot, wie sie auch die erste f*e !c.lt Swolf Jahren unausgesetzt eine unendliche Menge von Preis- Ss bs" äu. Nutz und Frommen der Familie, des Haus, m Int , b 6sr Kmd-rerzlehllng veranstaltete. „Von Haus zu Haus" st darum und auch seines vorzüglichen Inhaltes wegen in jedem Hause Leserkreis 'de- f°nCrtrah“ter ®afl' unb täglich wächst der weitverzweigte Leserkreis be» so gediegenen Blattes. Probenummer 14, welche die Bedingungen zum Preisausschreiben enthält ist durch Adolf Mahn's Verlag in Leipzig portofrei zu beziehen. 1 doch dich wogt thrä zag' str Auflösung in nächster Nummer. nen gieb ahl ner ihr der mußt freu auch um im thal dein dich gold de Haupt nicht nci gen du wenn ganz schm gen wenn dem Rösselsprung. Nachdruck verboten. Redaktion: ®, Burkhardt. ______________________ ■ • m e e