Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. (Fortsetzung.) Nach der inneren Einsamkeit so vieler Jahre ivar Nettchens Mitteilsamkeitsbedürfnis lebendiger als je erwacht, das Geringste, was durch ihre Seele zog, drängte sich in überquellend warme Worte. Anna, die mit ihrem Strickzeug erschien, und im „Wohnraum" wie zu Johannes! Zeiten den Theekessel brodeln ließ, horchte voll Teilnahme dem ernsten Geplauder, am aufmerksamsten aber war Karl, der einstige Knecht. Wenn er auch ablehnend beiseite stand, und in seine Beschäftigung so versunken^ daß die Frauen seine Anwesenheit geradezu vergaßen, so entging ihm doch kein Wort von allem, was gesprochen wurde. Er hatte nur die Leidenschaft gekannt, nachher dew Groll; jetzt fühlte er mit einem Schauer, daß etwas in ihm aufwuchs, das zu keinem von beiden gehörte, das er früher nie gekannt hatte, und für das er keinen Namen fand. Der Haß, zu dem er sich gewappnet hatte, schmolz darunter !weg, — ohne daß er es wollte, zog dieses weiche Gefühl in seine verdüsterte Seele ein und nährte sich an Nettchens Worten. Wenn sein Blick unbeobachtet zu ihr hinüberflog und das Bild umfaßte, wie sie dasaß, fast Schulter an Schulter mit seiner Frau, dann erfüllte etwas wie ein stilles Glück sein Herz. Atemlos konnte er ihren Worten lauschen, wie sie so ruhig und klar über das Leben, das Glück und alle die Dinge sprach, zu denen es die Menschen zieht, die gekämpft und gelitten haben. Mit feinem langsamen Verstände folgte er ihr, allen Zickzackwegen, die ihre Gedanken einschlugen. Anna war erstaunt und überrascht, als der Groll, den ihr Mann gegen die Fremde ausgedrückt hatte, mit jedem Tage mehr zu schmelzen schien. Eines Abends nach Geschäftsschluß hörten sie ihn näher kommen, den Vorhang zurückschieben, und mit tiefem Erröten, ein paar undeutlich gemurmelten Worten, setzte er sich zu ihnew nieder. Nettchen zählte gerade die Kasse. Mit glänzenden Augen addierte sie ihre Einnahmen m M "Fl • ” Äj MM rbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell. zusammen. Paul war am Sonntage nicht erschienen. Die Enttäuschung hatte ihr einen Stich ins Herz ge- geben. Aber: „Dann bis auf nächsten Sonntag", hatte sie, rasch zur Großmutter gesagt. Und wieder malte sie sich im Geiste das Bild aus, wie sie ihm gegenüberstehen,, ihm die Einnahmen der vierzehn Tage in der grünen Kassette vor die Augen halten würde. Schweigsam saßen Karl und sein Weib an bemi runden Tisch, auf dem Nettchen die funkelnde Linie ber| Silberstücke mit blitzschneller Hand zu ziehen begann. Sie, hatte dem Artisten Jerome Seitre manche Kunstfertigkeit abgelernt, und Karl und Anna saßen ganz starr, tvenn aus ihrer Hand das Geld wie an einem Faden.aufgereiht auf die Holzplatte niederklingelte; Stück an Stück, bis die Thaler, die Markstücke und die Groschen wie drei verschiedene Heerstraßen neben einander herliefen. „Der Herr Brinkmann hat auch geschrieben, er käme auch nächsten Sonntag noch nicht", sagte Karl, indem tn schwerfällig einen Brief aus seiner Tasche zog. „Er käme nicht?" sagte Nettchen, indem sie klirrend! die letzten Geldstücke auf den Tisch fällen ließ. „Da das Geschäft nun in so guten Händen sei, wäre es wohl nicht nötig, daß er so pünktlich kontrollieren; komme", entgegnete Karl, indem er in dem Bogen nach dem Wortlaut der Zeilen suchte. „Also er weiß es nun, daß ich hier bin — die Großmutter hat es ihm mitgeteilt!" rief Nettchen aus.. Ihre Lippen zuckten, es war ihr, als sei ihr nun für immer eine große Freude zerstört. „Er kam doch sonst so pünktlich jeden Sonntag — was er nur haben mag?" fragte kopfschüttelnd Karls! Frau. Nettchen blickte aus. Ein Verdacht malte sich in ihren Augen. Jähe Blässe kam auf ihre Wangen. „Jeden Sonntag?" murmelte sie. „Und erst seit ich hier bin, kommt er — nicht?" Sie war aufgestanden, ging au die Ladenkasse, und mit langsamer Geberde schob sie die Kassette in das! Fach. Alle Freude war vorbei. „Das wird nun so einen Tag sein wie den anderen", dachte sie. „Schaffen und stteben und hoffen — und er kommt nicht, und ihn kümmerts nicht." Entmutigung hatte sie erfaßt, — sie sagte den beiden im Wohnraum Gute Nacht und suchte traurig ihre Kammer im vierten Stock des Hauses auf. — Aber am nächsten Morgen bemühte sie sich, der düsteren Stimmung Herr zu werden. Als sie wieder hinteti der Ladentafel stand, in der kecken Verkäuferinnenschürtze, erwachte fast etwas von dem alten, kecken Temperament in ihr. - 242 — Wieder schaffen können, ringen, etwas erreichen! Dem Schicksal abtrotzen, was es nicht gutwillig gab! Ihre Energie hob sich und wuchs mit jedem kleinen Erfolge, den sie an den kommenden Tagen zu verzeichnen hatte. So nahm sie die Aufträge entgegen, so erzählte, erklärte, beredete sie, und am Wend, wenn sie diese oder jene Dinge zum zehnten oder zwölften Male der zehnten oder zwölften Kundin mit derselben Lebhaftigkeit vorgetragen hatte, war es ihr oft wirr in Kopf und Sinn, und mit einem stillen Lächeln sagte she sich, daß sie den gewiegtesten Geschäfts- Nnan an Spekulationswut überträfe. Der vierte Sonntag kam heran. Weit auf stand der Laden in der zwölften Mittagsstunde, ninb alle, die aus der Kirche kamen oder nach dem Kreuzberg pilgerten, konnten hineinschauen bis, in den Hintergrund, wo ein rotes Feuer im eisernen Ofen flackerte. Die Großmutter, welche langsam mit Paul dem Kleinen an der Hand die Straße hinabgewandert kam, sah Nettchen sich entgegeneilen. „Kommt Paul nicht mit?" fragte sie atemlos schon von weitem. „Es is ihm nich gut, mein Kind!" entgegnete bte falte Frau, indem ein verlegener Ausdruck über ihre Züge ging. „Er meint, wir würden's schon allein besorgen." Langsam, ganz langsam schritt Nettchen mit ihr dem Laden zu. „Ich will Dir sagen", meinte fast schüchtern die Großmutter. „Das beste ist, Du ziehst Dich an und kommst mit 'naus. Wenn der Wald nicht zu uns kommt, dann müssen wir den Wald aufsuchen." Nettchen antwortete nichts. Sie fühlte die Verlegenheit der alten Frau heraus. Schweigsam ging sie in den Wohnraum lund holte der Großmutter einen Stuhl. „Ich komme dann 'n andermal, Großmutter", sagte sie endlich sanft. „Heute nicht." Anna war eingetreten, und förmlich enthusiastisch ging sie sofort daran, der alten Frau die glücklichen Ver- Änderungen des Geschäftsganges zu schildern. „Das wird schon noch — heute über ein Jahr sind wir aus allen Schulden raus", flüsterte sie geheimnisvoll, und Karl setzte mit seiner tiefen Stimme fest hinzu: „Es ist wahr, Frau Brinkmann." Die alte Frau blickte erschöpft rundum. Jahrelang hatte sie keinen Anlaß zur Freude gehabt, und jetzt, Wo! helle Freude in ihr Herz hätte ziehen mögen, war wiederum ein Zwiespalt da, der alles vernichtete. Den vierten Sonntag war es schon, daß Paul sich heftig weigerte, sein Geschäft aufzusuchen. „Ich kann nicht hin, so lange sie dort ist", hatte er hartnäckig erwidert. „Paul", hatte die alte Frau endlich ausgerufen, „wie D das möglich, sie hat Dir doch nichts gethan! Haßt Du sie denn, Paul?" „Ja", hatte er erwidert. „Ich hasse sie." Weiter war kein Wort über seine Lippen gekommen. Aber er war noch trübsinniger, noch einsilbiger geworden wie vordem. Selbst der kleine Paul konnte ihm kein Lächeln ablocken. Tagaus, tagein saß er in seinem kleinen Zimmer, über Büchern, die er doch nicht las. „Meine Kraft is zu Ende", schloß jammernd die alte Frau. „Die zwei Jahr seit Johannes Tode muß ich schon mit ansehn, wie er zu Grunde geht, und kann ihn nich halten." „Geh' nach Haus, Großmutter, geh' zu ihm zurück", drängte Nettchen; in ihrem Herzen war es förmlich kalt und still geworden bei der Erzählung der alten Frau. „Laßt ihn nicht allein!" fügte sie hinzu. Dann hob sie den kleinen Paul auf ihre Arme, ihr Mund suchte den seinen, und einen Augenblick verbarg sie ihre zuckenden Lippen an diesem weichen, warmen, unschuldigen Kinder-- sniund. Ein Schütteln ging durch ihren Körper. „Lebe wohl, mein Paulchen", dachte sie, „ich werde Dich nicht mehr oft Wiedersehen. Wenn sie mich hassen, kann ich nicht bleiben, mein kleiner Paulemann." Das verwaiste Mnd fest an ihr Herz gedrückt, stand sie einen Augenblick in diesem stillen Abschiednehmen. Dann ließ sie es sanft zuh Erde gleiten, half der Großmutter in den Mantel und trat schweigsam mit den beiden den Weg zur nach Tempelhof führenden Pferdebahn an.. (Fortsetzung folgt.) Historische Diamanten. Von Fred Hood. Nachdruck verboten. Fast alle Diamanten, welche ihrer Größe und ihrer leuchtenden Schönheit wegen eine große Berühmtheit erlangt haben, stammen aus Asien, der Wiege des Luxus und des Reichtums. Vorzüglich waren es die reichen Kirchen und die reichen Höfe, welche ihren Glanz durch den Besitz hervorragend schöner und kostbarer Diamanten noch zu erhöhen strebten. Verknüpft mit dem Namen des berühmten Hauses, haben diese Edelsteine denn auch eine historische Berühmtheit erlangt, und ihre Schicksale sind nicht minder bekannt geworden als die Geschichte der Fürstengefchlechter, deren wertvollsten Schatz sie im Wechsel der Zeiten gebildet haben. Heut schmücken die schönsten und berühmtesten Diamanten die Schatzkammern des Win- terpalastes zu Petersburg, des Kreml in Moskau, des grünen Gewölbes zu Dresden, sowie die Krone Englands und Oesterreichs. Der Kohinoor, der kostbarste Stein im Besitze der Königin von England stammt aus Indien, wo heute noch die Tempelschätze hauptsächlich in kostbaren Diamanten bestehen. Es gilt als erwiesen, daß der Kohinoor, welcher heut pur noch 106 Karat wiegt, durch Umschleifen des „Großmogul" entstanden ist; im Jahre 1665 wurde dieser Edelstein vom Großmogul Aurungseb dem Reisenden Ta- bernier gezeigt, welcher ihn als Erster beschrieben hat. Er wog damals 279 Karat, und sein Wert wurde auf zwölf Millionen Francs geschätzt. Wenn wir der Ueberlieferung Glauben schenken dürfen, so wurde der Stein vor nicht weniger als 5000 Jahren im Godewari-Strom gefunden: feit vielen Hunderten von Jahren War er der Talisman indischer Fürsten, und nach der Legende der Hindus trug ihn Karna in dem „großen Kriege", von welchem das berühmte Epos Mahabharata erzählt. Nach manchen Irrfahrten fand der „Kohinoor" seinen Weg in die Schatzkammer von Lahore, wo er bis zum Jahre 1849 verblieb; in diesem Jahre, da Pendschab annektiert und britische Kolonie wurde, ging mit anderen Gütern der kostbare Edelstein in den Besitz der Königin über, der am 3. Juni 1850 überreicht wurde. Er Wog damals noch 186 Karat, zeigte jedoch nicht seinen gegenwärtigen Glanz. Seine jetzige Form hat er im Jahre 1853 in der berühmten Diamantschleiferei von Coster in Amsterdam erhalten. Diese Arbeit verschlang das Sümmchen von 160 000 Mark und nahm 38 Tage in Anspruch. Der Stein ist heut weder der glänzendste, noch aud) der größte der existierenden Diamanten, wirb aber noch immer auf 2 800 000 Mark geschätzt. Als größter Diamant gilt heut der „Braganza" im Besitze des Königs von Portugal. Doch bestehen schwer- wiegenbe Zweifel, ob der Stein wirklich ein Diamant ober nur ein weißer Topas sei. Da er noch ungeschliffen ist und in ber portugiesischen Schatzkammer ängstlich bewacht wirb, ist niemand in der Lage ihn zu prüfen. Er wiegt 1680 Karat, soll so groß Wie ein Hühnerei fein und hat in feiner gegenwärtigen Form einen Wert von 11 290 000 Mk. Er soll im Jahre 1798 entdeckt Worben sein; in Malve's „Reisen in Brasilien" Wird Folgendes über diesen interessanten Fall berichtet: „Drei Männer hatten schwere Verbrechen begangen und würben in das Innere des Landes verbannt, mit der Weisung sich bei Strafe lebenslänglichen Gefängnisses keiner bedeutenden Stadt zu nähern, noch in zivilisierter Gesellschaft zu verweilen. Dieser harte Richterspruch trieb sie in hie einsamsten Teile des Landes, und dort suchten sie neue Minen auf, in ber Hoffnung, baß sie früher ober später das Glück haben könnten, irgenb eine bebeutenbe Entdeckung zu machen, durch die sie die Aufhebung ihrer Verurteilung erlangen und ihren Platz in ber Gesellschaft wieder gewinnen könnten. Länger als sechs Jahre wanderten sie "umher, und stellten in verschiedenen Minen Nachforschungen an. Endlich gruben sie zufällig in einem Flusse nach, dessen Wasserstand zur Zeit sehr niedrig war Hier suchten sie nach Gold, hatten jedoch das Glück, einen fast eine Unze schweren Diamanten zu finden. Trunken 243 von dieser märchenhaften Entdeckung, die sie zuerst kaum für wahr halten konnten, und schwankend zwischen der Angst vor den strengen Gesetzen und der Hoffnung, ihre Freiheit wieder zu erlangen, wendeten sie sich an einen Geistlichen, der ihnen riet, sich der Gnade des Staates anheim zu geben. Er begleitete sie nach Villa Rica, wo er ihnen Einlaß beim Gouverneur verschaffte. Sie warfen sich demselben zu Füßen und überreichten ihm den Träger ihrer Hoffnungen, den unschätzbaren Edelstein. Der ob der Größe des Steines im höchsten Grade erstaunte Gouverneur traute seinen Sinnen nicht; er rief die Offiziere der Niederlassung herbei, um zu entscheiden, ob cs ein Diamant sei, und sie erklärten die Sache für zweifellos. Der Gouverneur hielt es für angebracht, als Belohnung für die Auslieferung des Diamanten das Urteil gegen die Verbannten aufzuheben. Er sandte den Edelstein nach Rio de Janeiro, von wo eine Fregatte ihn nach Lissabon brachte. Der Herrscher bestätigte die Begnadigung der Schuldigen". Ein anderer berühmter Diamant befindet sich im Besitze des Sultans von Matan aus der Insel Borneo. Dieser Stein ist gleichfalls ungeschliffen und wiegt 267 Karat. Sein Eigentümer schätzt ihn so sehr, und fürchtet so sehr den Verlust des kostbaren Kleinods, daß er Fremden, die den Diamanten zu sehen wünschen, nur ein Krystallmodell zeigen läßt. Den Wert des Steines schätzt man aus ,5 390 000 Mark. Die Krone Rußlands ist gegenwärtig die reichste an Diamanten. Der „Orloff", ein Diamant von 194 drei- viertel Karat Gewicht schmückt die Spitze des russischen Szepters. Dieser Stein wurde im Jahre 1894 gegen eine Leibrente von 4000 Rubel, gegen Zahlung des Barbetrages von 450 000 Rubel, sowie Verleihung des Adelsbriefes von der Krone angekauft. Nach einem authentischen Bericht bildete der Stein früher ein Auge des Hindugottes Sri-Ranga, dem ein prächtiger, auf einer befestigten Insel in Mysore stehender Tempel geweiht war. Ein französischer Deserteur in indischen Diensten, der von den „schönen Augen" des Götzenbildes gehört hatte, beschloß, sich in den Besitz derselben zu setzen. Da keine Christen in die Pagode Einlaß fanden, trat er, um das Vertrauen her Priester zu gewinnen, zur Hindu-Religion über, und verstand es, die Brahmanen zu bewegen, ihm das Wächteramt über das innere .Heiligtum anzuvertrauen. In einer stürmischen Nacht fand sich eine gnüstige Gelegenheit eines her Augen aus seiner Höhle zu pressen; er floh damit nach Madras, wo er das Kleinod für 40000 Mark an einen englischen Schiffskapitän verkaufte, der es seinerseits einem Händler für 240000 Mark überließ. Von diesem erwarb es ein persischer Kaufmann, der auf einer Geschäftsreise in Amsterdam dem Fürsten Orloff begegnete. Dieser russische Fürst war bei Katharina II. in Ungnade gefallen. Als nun Orloff hörte, der Stein wäre Katharina angeboten worden, sie hätte ihn aber zu kostspielig gefunden, erwarb er das Kleinod für die Summe von 1800 000 Mark sowie gegen eine Jahresrente von 80 000 Mark und schenkte cs seiner kaiserlichen Herrin. Katharina verschmähte es nicht, diese wahrhaft königliche Gabe von ihrem erlauchten Unterthanen anzunehmen. — Der „Orloff" ist der größte aller europäischen Kleinodien, und an Schönheit ist ihm nur der „Regent" überlegen. Der „Regent", der sich im Louvre befindet, gilt als der vollkommenste aller existierenden Diamanten, und auch seine Geschichte ist sehr merkwürdig, wenn sie sich so zugetragen, wie sie in Chambers Journal erzählt wird. Er soll im Jahre 1701 in den Parteal-Minen von einem Sklaven gefunden worden sein, der sich ein Lock; in die Wade schnitt, um seinen Schatz darin zu verbergen. Der Sklave entkam mit seinem Kleinod, gelangte an die Küste und übergab den Stein dem Kapitän eines englischen Kauffahrteischiffes unter der Bedingung, daß er ihn freikaufe. Der Seemann ging scheinbar auf den Vorschlag des Sklaven ein, nahm ihn mit auf See und ertränkke ihn dort, nachdem er den Diamanten erhalten hatte. Er verkaufte den Edelstein für 20 000 Mark an einen Diamantenhändler und soll sich später in einem Anfall von Gewissensbissen erhängt haben. Der näckste Besitzer des Steines wurde der Urgroßvater des berühmten William Pitt, der den 410 Karat wiegenden Stein für 400 000 Mark kaufte. Er andte ihn nach London, wo er für den Preis von 100 000 ehr geschickt geschliffen wurde. Diese Arbeit nahm zwei >olle Jahre in Anspruch. Pitt scheint diesen Diamanten als kein allzu beneidenswertes Besitztum erkannt zu haben; zuerst verleumdeten ihn seine Feinde, er habe ihn durch unredliche Mittel erlangt, dann verfolgte ihn ständig die Furcht vor Beraubung. Nicht zwei Nächte hintereinander chlief er unter demselben Dache, kündigte niemand seine Ankunft und Abreise an und ging sogar in geheimnisvollen Verkleidungen umher. Er fühlte sich sicherlich sehr erleichtert, als er im Jahre 1717 den Diamanten dem Herzog von Orleans, der während der Minderjährigkeit Ludwigs XV. von Frankreich Regent war, für den Preis von 2 700 000 Mark überlassen konnte. Der „Regent" blieb von nun an eng verknüpft mit den Geschicken Frankreichs; er blieb bestehen trotz aller Revolutionen und ging buch- täblich durch viele Hände; denn während der Schreckensherrschaft wurde er, sorgsam angekettet und von Gendarmen bewacht, öffentlich ausgestellt; jedes arme halbverhungerte Geschöpf durfte ihn einige Sekunden in Händen halten, um sich an diesem zweifelhaften Genuß zu erfreuen. Bei dem Raube der Garde Mobile wurde der „Regent" mit den gesamten französischen Kroninsignien gestohlen; aber einer der Diebe verriet sein Versteck, und man fand ihn in der Allee des Veuves vergraben. Napoleon I. verpfändete ihn der holländischen Regierung, da er Geld brauchte; nach seiner Wiedereinlösung soll er ihn im Schwertgriff getragen haben. Durch Schleifen wurde der „Regent" auf 137 Karat reduziert. Im Jahre 1791 wurde sein Wert aus 9600 000 Mark festgesetzt. Den prächtigen Stein, welcher unter dem Namen „Stern des Südens" bekannt wurde, fand im Jahre 1853 eine arme brasilianische Negerin; nach dem in Brasilien herrschenden Brauche bekam sie dafür ihre Freiheit und eine lebenslängliche Pension. Ihr Herr verkaufte den Stein für die lächerlich geringe Summe von 60 000 Mark. Dieser Diamant wog im rohen Zustande 254 einhalb Karat, nach dem Schleifen jedoch nur 125 Karat. — Man wird es erklärlich finden, daß die brasilianischen Krondiamanten einen recht hohen Wert repräsentieren; denn wir wissen, daß Brasilien immer noch reich an Diamanten ist. Die Krondiamanten werden auf 80 Millionen Mark geschätzt. Der berühmte „Sancy" ist nach einem Herrn de Sancy benannt, der französischer Gesandter bei der Pforte war, und diesen Stein in Konstantinopel kaufte. Heinrich III. soll diesen Herrn veranlaßt haben, ihm seinen Diamanten zu leihen, offenbar um Geld darauf erheben zu können. Später muß ihn de Sancy zurückerhalten haben, denn er hatte nun die Ehre und das Vergnügen, ihn Heinrich IV. von Navarra zu leihen, und zwar zu demselben Zwecke, Geld darauf zu erheben. An diese Thatsache knüpft sich eine romantische Geschichte. Der Bote, welcher dem Könige den Stein überbringen sollte, verschwand, und erst nach einiger Zeit stellte es sich heraus, daß er überfallen, getötet und beraubt worden war. Herr de Sancy, der unbedingtes Vertrauen zu seinem Diener hatte und überzeugt war, derselbe könne das Kleinod nicht so leicht preisgegeben haben, ließ den Wald, in welchem der Mord geschehen war, absuchen; man fand die Leiche, untersuchte ihre Eingeweide, und der Diamant kam zum Vorschein; um zu verhindern, daß er in die Hände der Räuber falle, hatte ihn der treue Diener verschluckt. Aus einem alten Dokument geht hervor, daß der Stein zu Anfang des 17. Jahrhunderts zum englischen Kronschatze gehörte. Dann wieder findet er Erwähnung, da Königin Henrietta Maria, Gemahlin Karls I. ihn dem Earl of Worcester als Belohnung für seinewertvollen, dem Hause Stuart erwiesenen Dienste überreicht. Später wird berichtet, daß um das Jahr 1695 Jakob II. ihn an Ludwig XIV für 500000 Mark verkauft habe. Er ging dem französischen Volke bei dem Raube der Garde Mobile im September 1792 verloren, also in derselben Zeit, da der „Regent verschwand. Doch entdeckte man ihn später im Besitze des Mont de Pretee, des staatlichen Leihhauses. Im Jahre 1867 wurde er tn Paris ausgestellt und gelangte dann nach mannigfachen Irrfahrten in den Besitz der Fckmile Astor. 244 Wenn wir von den berühmtesten Diamanten sprechen, so dürfen wir auch den „Stern von Süd-Afrika" oder den Dudley-Diamanten nicht vergessen, dessen Entdeckung die Veranlassung zum Diamantengraben in Südafrika gab. Wir wollen die Geschichte erzählen, wie sie Muray in einer Abhandlung im Society of Arts Journal vom 18. März 1881 berichtet. Es ist von Albania, einem Teile von Griqua- land die Rede: „Einer der Kolonisten, welcher zur Bildung der Ansiedelung beigetragen hatte, war ein Herr Ban Niekirk. Herr O'Reilly sprach auf der Rückkehr aus dem Innern nach Colesberg bei Van Niekirk vor und blieb die Nacht bei ihm. Im Laufe des Abends spielte eines der Kinder Van Niekirks, ein kleines Mädchen, auf der Erde mit einigen der hübschen Krystalle, die in der Nachbarschaft des Baal-Flusses häufig sind. Herrn O'Reillys Aufmerksamkeit richtete sich aus einen der Steine, der ein sehr starkes Licht von sich gab, das ihm ungewöhnlich erschien. Er nahm ihn von der Erde auf, erbot sich, ihn zu kaufen und fragte, was Van Niekirk dafür verlangte. Der einfache Bauer konnte nicht verstehen, wie man einen Stein kaufen tonnte, und sagte, er wolle kein Geld dafür; wenn aber Herr O'Reilly Lust hätte, ihn mitzunehmen, so sollte er ihn haben. „Der Händler in den Kolonien wird gewöhnlich als höchst berechnend mid gewissenlos geschildert; aber es giebt auch unter ihnen Leute, deren Charakter über jeden Zweifel erhaben ist. Herr O'Reilly ist einer von ihnen. Er sagte Ban Niekirk, er hielte den Stein für einen wertvollen Edelstein; darum wollte er ihn nicht umsonst haben. Zuletzt kamen sie überein, daß O'Reilly den Stein nehmen, seinen Wert feststellen und ihn, wenn er sich wirklich als Diamant erwiese, verkaufen sollte, den Ertrag wollten sie dann teilen. O'Reilly nahm den Stein mit nach Colesberg, zeigte ihn dort und teilte den Leuten am Ausschank des Hotels im Vertrauen mit, es wäre ein Diamant. Er schrieb mit dem Diamanten die Anfangsbuchstaben seines Namens auf eine Fensterscheibe und zerschnitt ein Wasserglas mit dem Stein. Er wurde aber ob seiner „Narrheit" ausgelacht, wie schon mancher Entdecker vor ihm. Einer von der Gesellschaft- nahm ihm den Stein aus der Hand und warf ihn auf die Straße. Nur mit Mühe fand man ihn wieder; diesem glücklichen Umstand verdankt man die Entdeckung der Diamantfelder. O'Reilly sandte ihn zur Prüfung nach Grahamstown zu Dr. Atherston; und dieser sowohl, als auch Bischof Richards, der römisch-katholische Bischof von Grahamstown, einer der gelehrtesten Männer in Südafrika, erklärte, es sei ein Diamant von 22 einhalb Karat. Von Grahamstown sandte man den Stein an den damaligen Kolonial-Sekretär, Richard Southey, der später stellvertretender Gouverneur von Griqualand-West war; dieser unterbreitete ihn den besten dortigen Autoritäten, die ihn alle für einen Diamanten erklärten. Darauf sandte man ihn an die Hofjuweliere Hunt & Roskell, welche den in der Kolonie erlangten Bescheid bestätigten und den Stein auf 10 000 Mark bewerteten." Dies verursachte eine große Erregung int ganzen Lande. Die Eingeborenen brachten kleine Diamanten an. Dann fuhr die aufregende Kunde durchs Land, ein Diamant von über 83 Karat sei entdeckt worden. Van Niekirk, von welchem O'Reilly den ersten Stein bekommen hatte, erinnerte sich plötzlich, daß er einen gleichartigen int Besitze eines Eingeborenen gesehen hatte; sofort machte er sich aus, um ihn zu suchen. Wenn ein Bur einen Eingeborenen sucht, hat er ihn auch bald gefunden. Der Eingeborene hatte den Stein noch, und Van Kierk gab ihm für denselben fast alles, was er besaß, etwa 500 Schafe, Pferde u. s. w. Mit dem Steine ging er zu den Herren Lilienfield Brothers nach Cape Town; diese Firma besteht in Südafrika schon lange und hat jetzt in Hatton Garden einen Vertreter. Sie kaufte den Stein für 224 000 Mark, nannte ihn den „Stern von Südafrika" und sandte ihn nach England, wo er in den Besitz der Firma Hunt & Roskell überging, von der ihn die Gräfin Dudley kaufte. Beim Schleifen wurde er auf 46 einhalb Karat reduziert. Gemeinnütziges. Womit putzt und erhält man Metall-Gegenstande? Wieviel Umstände und Mühe es den Hausfrauen seither gemacht hat, ihre Metallsachen in Küche und Haus zu putzen und blank zu erhalten, ist bekannt. Mit Putzpomaden, Putzseifen, Stearinöl, Wiener Kalk und schädlichen Säuren plagten sich die Dienstboten ab, dem Metallgeräte den gewünschten Glanz zu geben; dennoch stand die hierauf verwandte Kraft und Zeit in keinem Verhältnis zu dem erzielten Erfolg. Dem Drogisten Wtlh. Ktlbirrger in Gieße« ist nun die Zusammensetzung eines neuen flüssigen Metallputzmittels, welches derselbe unter dem gesetzlich geschützten Namen „Fulmenol* in den Handel gebracht hat, gelungen, das sich infolge seiner hervorragenden Eigenschaften schon nach kurzer Zeit einen Ruf erworben hat. Dieses neue Putzmittel, welches unter Vermeidung aller das Metall an- greifenben Substanzen hergestellt wird, putzt auffallend | schnell Blech-, Messing-, Kupfer-, Nickel-, Silber- und Goldsachen, schmiert nicht, greift nicht an und ist äußerst reinlich und sparsam im Verbrauch. Jeder, der einmal „Fulmenol" gebraucht hat, ist überrascht von der Güte desselben und greift ganz gewiß nicht mehr nach Putzpomaden und anderen veralteten Metallputzmitteln. £itterarifd>es. Von der „Illustrierten Geschichte des Neunzehnte« äahrhunderts", welche die Union Deutsche Verlagsgesellschaft in tuttgart hcrausgiebt, und über die wir bereits mehrfach berichteten, liegen uns jetzt die Hefte sechzehn bis neunzehn vor, während das ganze Werk dreißig Hefte umfassen wird. Die zusammenhängende geschichtliche Darstellung in den neu erschienenen Heften reicht von der sehr übersichtlich gehaltenen Darstellung des großen riordamerikanischen Bürgerkrieges und den hochwichtigen Ereignissen der Jahre 1864 und 1866 bis zum Ausbruch des deutsch-französischen Krieges. Der Schilderung der politischen Ereignisse ist Unparteilichkeit und Anschaulichkeit nachzurühmen. Der kulturhistorische Teil hebt das Bedeutsamste unter den Fortschritten der Künste und Wissenschaften, wie von Technik, Handel und Industrie hervor und zieht auch die Wandlung der sozialen Verhältnisse in den Kreis der Betrachtung. Es läßt sich schon jetzt übersehen, daß das vollendete Werk ein rechtes Volks- nnd Familienbuch von bleibendem Werte darstellen wird. Seine Anschaffung darf um so mehr empfohlen werden, als der Preis (25 Pfg. für das Heft) angesichts der reichen Ausstattung mit zweckentsprechend ausgewählten bildlichen Darstellungen aller Art und Karten als ein sehr billiger zu bezeichnen ist. Humoristisches. Gutes Mittet. Reisender (in einer Universitätsstadt): „Wie kommt es denn, daß es jetzt des Nachts auf den Straßen so ruhig ist? Die Ruhestörungen werden wohl jetzt schwer bestraft?" — Wirt: „Das nicht, aber wir haben die Nachtwächter abgeschafft, und seitdem haben die Studenten keine Lust mehr am Radaumachen." Eingegangen. Hausherr: „Haben Sie kein Buch über Anstand, gute Sitte rc. ?" — Kolporteur: „Gewiß, z. B. hier, „Der gute Ton in allen Lebenslagen"." — Hausherr! „Na, dann lesen Sie das mal durch, und dann nehmen Sie nächstens den Hut ab, wenn Sie ins Zimmer treten!" Magisches Dreie«. (Nachdruck verboten.) In die Felder nebenstehender Figur sollen die Buchstaben a a a a, e e, f f, g, h, n n, r r, y derart eingetragen werden, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben. 1. Eine Getreideart. 2. Volksstamm in Abessinien. 3. Französischen Feldherru. 4. Teil von Armenien. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer. S patzeuuest. Redaktion: «. Burkhardt. — »ruck und «erlag der Brühl'scheu Uuiderfitiits-Buch« uud Steindruckerei (Pietsch 8t 6 en) in »ietee.