Universität edizin und Quartal", :ife hat 300 dem Gebiete- gesetzt. Das Die Arbeiten 901 an den ldt werden. und kranken Abbildungen. 1 erfter. In c in Leipzig. uns junge n, sind auf ! die Pflege die bei uns Wandel zu t hat. Mit enanteil zu- nge setzt es Arztes mit t Vertrauen Ratgeber it neunter uf Grund issenschaft und vor fzugeben. en Frauen der endlich 1 Paris die t mystere“, -r Mode" n geringer nfalls von wenigstens en dürften^ wllen, nur rerden. — Buchhand- r $1 o b e" r mber direkt Ober; ' Spieler Zchneider Trümpfe m. Wie 'einisches oluntas, des auf en keine D. R. Ul. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold O r t m a n n. (Fortsetzung.) Der kranke, gebrochene Mann war viel Zu stumpf und müde, um auch seinerseits eine kampfbereite Haltung anzunehmen. „Ich wüßte nicht, was es da für mW abzuleugnen gäbe", erwiderte er beinahe teilnahmlos; „denn ich habe nichts gegen Sie unternommen." „Sie haben die Staatsanwaltschaft oder die Walden- berger Polizei also nicht auf mich aufmerksam gemacht — haben keine anonyme Anzeige gegen mich erstattet oder durch andere erstatten lassen?" „Ich müßte von Sinnen gewesen sein, wenn ich es gethan hätte. Würde Ihr Verderben denn nicht auch das meinige sein?" Sandory durchbohrte ihn fast mit den Augen; aber der Ausdruck dieses schlaffen, gelben, von unheilbarer Krankheit gezeichneten Gesichts schien seinen ersten Verdacht zu entkräften. „Wenn das die Wahrheit ist, dann haben Sie etwas noch Schlimmeres gethan — Sie haben geschwatzt". „Nein. Was bringt Sie auf eine solche Vermutung?" „Das will ich Ihnen sagen. Ich erhielt in der Frühe des heutigen Tages eine Vorladung vor das Polizeiamt, der ich natürlich sofort Folge leistete. Der Schwachkopf, dem man in diesem Krähwinkel die Leitung dieser Behörde anvertraut hat, fühlte plötzlich ein lebhaftes Bedürfnis, sich über meine persönlichen Verhältnisse und besonders über meine Vergangenheit zu unterrichten. Da man meine Papiere schon einmal, gleich nach meiner Ankunft geprüft und selbstverständlich in bester Ordnung gefunden hatte, wagte er es nicht recht, mW als verdächtiges Individuum zu behandeln. Er bemühte sich vielmehr, bei seinen Fragen äußerst fein und diplomatisch zu Werke zu gehen; aber er war zu seinem Schaden bei weitem der Dümmere von uns beiden. Obwohl er ohne Zweifel entschlossen gewesen war, es mir zu verschweigen, wußte ich doch schpn nach den ersten fünf Minuten, daß ich in einer anonymen Denunziation beschuldigt worden M asz-j-i. SET Kl WM MW MtM luE ernt mir sonst nichts übrig bliebe, Alles mir die Welt geraubt, Und es bliebe mir die Liebe: Selig, wer art Liebe glaubt. Jul. Sturm. sei, einen falschen Namen zu führen und eine schwere Strafihat auf dem Gewissen zu haben. In wem aber sollte ich den Urheber dieses Schurkenstreiches vermuten, wenn nicht in Ihnen, dem einzigen Menschen, der über meine Vergangenheit unterrichtet ist?" Franz Norrenberg lauschte mit weit vorgeneigtem Oberkörper. Alle Stadien höchster Seelenangst ließen sich in den: Spiel seiner Gesichtsmuskeln verfolgen. „Ich wiederhole, .daß ich keinen Anteil daran habe", stieß er keuchend hervor. „Aber weiter — was ist weiter geschehen? Es ist nichts entdeckt worden? Sie wurden unbehelligt gelassen?" Sandory lächelte verächtlich. „Auf einen alten Fuchs muß man andere Hunde Hetzen, als einen asthmatischen Mops, wenn man ihn fangen will. Unsere Unterhaltung hatte keine andere Folge, als daß die Herren von der Polizei bei ihrer Beendigung noch viel höflicher waren, als bei ihrem Beginn". „Und Sie glauben, daß damit die Gefahr, vorüber sei?" „Ich weiß es nicht; denn ich konnte über den Inhalt der Denunziation keine volle Gewißheit erlangen. Ich vermute, daß Sie direkt an die Staatsanwaltschaft gerichtet worden ist. Man müßte eben abwarten, ob vvn dort aus weitere Schritte geschehen". „Wie? Das wollen Sie abwarten? Ja, sehen Sie denn nicht ein, daß es unter solchen Umständen für Sie keine andere Rettung mehr giebt, als schleunige Flucht? Ich werde Ihnen auf Ihre Effekten sofort alles geben, was sich an barem Gelde in meinen Kassen befindet, und den Rest werde ich Ihnen morgen unter irgend einer sicheren Adresse nachsenden. Nur fort müssen Sie, auf der Stelle fort!" „Ereifern Sie sich nicht ohne Not!" unterbrach, ihn Sandory kalt. „Es sieht aus, als ob solche Aufregung Ihnen ernstlich schaden könnte. Was W zu thun oder zu lassen habe, weiß ich ganz genau, und Sie wären gewiß der letzte, von dem ich mW beraten ließe. Noch einmal frage ich Sie: haben Sie mW, an irgend jemand verraten?" „Nein — nein! Es ist ja doch mein eigenes Interesse, das mir Schweigen auferlegt." „Sie haben also zu keinem Menschen von meiner Vergangenheit gesprochen, auch nicht zu Ihrer Tochter?" Franz Norrenberg wollte mit derselben hastigen Verneinung antworten; doch unter Sandorys durchdringendem Blick blieb ihm das Wort in der Kehle stecken. Er wandte sein Gesicht ab, um diesen Blick nicht länger ertragen zu müssen, und sank dann noch hilfloser in sW zusammen. „Also Fräulein Dora!" fuhr der andere mit unheimlicher Ruhe fort. „Und was haben Sie ihr erzählt?" — 68v - Da raffte der Bankier noch einmal alt seine Kraft zusammen. „Sie sind im JrrMm, wenn Sie glauben, daß meine Tochter die Denunziantin gewesen^sei. Das ist ein wahnwitziger Gedanke ! Woher nehmen Sie das Recht, ihr eine solche Handlungsweise zuzutrauen?" „Aus meiner Kenntnis des<Äveiblichen Herzens. Ein verschmähtes Weib ist noch ganz anderer Dinge fähig, selbst wenn es von Haus aus weniger furienhast veranlagt wäre, als Ihr schönes Töchterchen." „Ein verschmähtes Weib? Sie hätten also meine Toraverschmäht — Sie?" . „Ich Mar leider durch die Umstände dazu genötigt. Aber wir wollen uns nicht mit der Erörterung von nebensächlichen Dingen aufhakten. Die Beweggründe der jungen Dame siegen für mich so klar zntage, daß es keines Streites darüber bedarf. Es handelt sich für mich nur noch darum, zu erfahren, inwieweit sie mir mit ihren Rachegelüsten gefährlich werden kann. Also offen und ohne Hinterhalt: was haben Sie ihr erzählt?" Franz Norrenberg wand sich auf seinem Stuhl wie in körperlichen Schmerzen. „Es war beinahe nichts, was ich ihr gesagt habe", stöhnte er, „einige allgemeine Andeutungen, die nichts Bestimmtes erraten ließen. Ich hatte ja kein anderes Mittel mehr, sie aus dem Bann dieser unglückseligen Neigung zu befreien. Und vor meiner Vaterpflicht mußten am Ende alle Rücksichten verstummen." „Ich habe keine Veranlassung, mich mit Ihnen über Ihre Baterpflichten auseinander zu setzen, lieber Ihre Pflichten gegen mW aber werden wir sogleich ins reine kommen. Zuvor nur noch eine Frage — und ich rate Ihnen gut, wenn ich Ihnen empfehle, sie der Wahrheit gemäß zu beantworten: kennt Ihre Tochter den Namen, den ich damals führte, und weiß sie irgend etwas, das die Behörden bei weiteren Nachforschungen auf die richtige Fährte leiten könnte?" „Nein — ich schwöre es Ihnen — nein! Ich habe ihr gesagt, daß es einen dunklen Punkt in Ihrer Vergangenheit gebe — sonst nichts ! Und schon deshalb kann es njcht Dora gewesen sein, die jene Anzeige gegen Sie erstattet hat." „Dann wäre also noch nichts verloren, und meine schöne Freundin hätte zu früh triumphiert. Selbstverständlich wird die Reihe des Verhörtwerdens nun an Sie kommen." „An Mich?" rief Norrenberg, sich. mit beiden Händen an die Armlehne seines Sessels klammernd. „Hat man Ihnen auf der Polizei das gesagt?" „O nein, so dumm ist man dort doch nicht gewesen. Aber man braucht nicht eben viel Schärfsinn, um zu diesem Schluß z!u gelangen. Wenn Fräulein Dora sich nicht stark genug fühlte, mich aus eigener Kraft völlig zu vernichten, so hat sie diese ehrenvolle Ausgabe unzweifelhaft Ihnen zugedacht. Ich möchte wetten, daß Sie noch heute den Besuch eines Geheimpolizisten oder irgend eine Vorladung erhalten werden, um über Ihre angebliche Mitwissenschaft Auskunft z,u erteilen." Der Bankier starrte wie ein Geistesabwesender vor sich hin. „Das wäre das Ende", kam es von seinen blutlosen Lippen. „Lieber den Tod!" „O, es ist durchaus nichts Fürchterliches dabei. Sie brauchen ja nur zu erklären, daß an jener Denunziation kein wahres Wort ist, und daß Sie von meiner Vergangenheit nur die allerschönsten und schmeichelhaftesten Dinge wissen. Wir haben uns bei früheren Unterhaltungen hinlänglich darüber verständigt, wie den Leuten unsere alte Freundschaft zu erklären sei, und dabei müssen Sie natürlich jetzt auch den Behörden gegenüber bleiben." Aber der andere schüttelte verzweifelnd den Kopf. „Ich könnte es nicht — schon der Gedanke an ein Verhör bringt mich fast um den Verstand. Ich habe nicht mehr Ihre Spannkraft und Widerstandsfähigkeit — Sie sehen ja, ich bin ein kranker Mann." „Das sehe ich allerdings; aber ich habe, wie Sie begreifen werden, keine Lust, darunter zu leiden. Und nun geben Sie wohl acht auf das, was ich Ihnen sagen werde; denn es dürfte sich mir nicht leicht eine Gelegenheit bieten, es zu wiederholen. Es. ist im eigentlichen Sinne des Wortes Ihr und Ihrer Tochter Schicksal, das Sie da in den Händen halten. Ob man uns wegen jener alten Geschichte jetzt noch den Prozeß machen könnte, ist fraglich; aber ich will nicht genötigt fern, Walden- berq als ein Geächteter zu verlassen. Mehr als je bin ich entschlossen, meinen Platz in der guten Gesellschaft dieser Stadt zu behaupten. Wenn man mrch schon tn der nächsten Stunde verhaftete, würde ich noch Zeit genug nnden, Sie und Ihre Tochter erbarmungslos zu Gruüde zu richten. Meine Vorbereitungen dazu sind getroffen, und nun ist es in Ihre Macht gegeben, ob das Verhängnis über Ihr Haus hereinbrechen oder ob es gnädig daran vorübergehen soll. Der Augenblick, der mich nötigt, von hier abzureisen, besiegelt Ihr Verderben. .Sagen Sie das Ihrer schönen Tochter, und hüten Sie sich, es zu vergessen, wenn Sie demnächst in die Lage kommen, Auskunft über mich zu erteilen! Ich habe Versprechungen wie diese bisher noch nie unerfüllt gelassen. — Und nun genug! — Morgen mittag pünktlich um zwölf Uhr erwarte ich im „König von Spanien" Ihren Abgesandten mit dem Gelde. Es wird unser letztes Finanzgeschäft sein, und ich werde Sie dabei nicht betrügen." — Auch als der Besucher ihn längst verlassen hatte, saß Franz Norrenberg noch immer als ein Bild des Jammers fassungslos vor seinem Schreibtisch. Wenn alles dies ihn vor zwei oder drei Jahren getroffen hatte, als er noch ein gesunder Mann und im Vollbesitz feiner Kräfte war, so würde er gewiß damit fertig geworden sein. Ja, er hätte dann auch wohl ein Mittel gefunden, sich des schrecklichen Peinigers schon am Tage seiner Ankunft wieder zu entledigen. In seinem jetzigen Zustande aber dachte er nicht einen Augenblick daran, sich mit dem überlegenen Gegner zu messen. Von dem ganzen Gespräch, das sie soeben geführt hatten, war ihm ergent- lich nichts anderes im Gedächtnis haften geblieben, als die düsteren Drohungen seines ehemaligen Genossen. Er zweifelte so wenig an ihrer Ernsthaftigkeit als an San- dorys Macht, sie zur Ausführung zu bringen. Und wenn er auch für seinen eigenen kargen Lebensrest melleicht nichts mehr gefürchtet hätte, — die Vorstellung, daß auch sein geliebtes Kind rettungslos in seinen tiefen Fall mitgezogen werden würde, zerriß ihm die Seele. Er glaubte noch immer nicht daran, daß Dora die Verräterin gewesen sei. Noch in derselben Stunde, wo er ihr die Augen über den wahren Charakter des Mannes geöffnet hatte, an dem sie mit so unbegreiflicher Leidenschaft hing, war er, von Angst und Reue gefoltert, zu ihr zurückgekehrt und hatte sie beschchoren, seine Mck- teilungen als unverbrüchliches Geheimnis zu bewahren. Und nun sollte sie trotzdem jene heimtückische Handlung begangen haben? An was in aller Welt hätte er dann noch glauben können, wenn sein flehentlicher Appell an ihre Kindesliebe so wenig Eindruck auf sie gemacht hatte, und wenn sie einer, so unedlen Rache fähig war? Für diese Tochter hatte er Jahr um Jahr im Schweiße seines Angesichts gearbeitet wie ein Tagelöhner; sie hatte keinen Wunsch gehabt, den er niast erfüllt, keine Laune, der er sich nrcht willig unterworfen hätte —, und dies sollte nun sein Lohn sein? Nein, das war undenkbar, unmöglich! Dann aber konnte ja auch niemand auf den Gedanken kommen, ihn um Auskunft anzugehen. Eine ganz schwache Hoffnung, daß ihm das Schrecklichste vielleicht dennoch erspart bleiben würde, begann sich allgemach. in ihm zu regen. Er fing an, das Gefährliche seiner Schwäche zu fühlen. Noch einmal raffte er alles zusammen, was ihm von seiner einstigen Willenskraft geblieben war, und wie um sich selber durch den Klang seiner Stimme Mut zu machen, sagte er ganz laut: „Nun will ich arbeiten — es ist genug gegrübelt und gesorgt." Auf einen Zug stürzte er das Glas Portwein hinab, obwohl er zuvor einen starken Widerwillen gegen das süßliche Getränk hatte niederkämpfen müssen. Seine geschwächten Nerven empfanden die Wirkung des Alkohols rascher und lebhafter, als die eines Gesunden. Em trügerisches Gefühl von wiederkehrender Rüstigkeit durchströmte seinen Körper, während er sich, aufs neue dem kleinen Häuflein von Briesen zuwandte, das noch der Erledigung harrte. 687 Es waren trockene geschäftliche Ävrrcspondeuzeu, und er brauchte fern Gehirn nt^t anzustrengen, um sie mit den kurzen Bemerkungen für die Buchhalter zu versehen, denen sie später zur Bearbeitung zugewiesen werden sollten. Da fiel ihm ein noch uneröffneter Brief in die Hände, dessen Schriftzüge ihn stutzig machten. Er kannte sie gut; denn erst vor wenig Tagen hatten ihm dieselben pedanttsch regelmäßigen Buchstaben eine der bittersten Stunden seines Lebens bereitet. Das Schreiben rührte von Georg Lengfeld her. Was konnte ihm der Staatsanwalt noch mitzuteilen haben? (Fortsetzung folgt.) Im Advent. Kulturgeschichtliche Skizze von LudwigEpstein (Jülich). Nachdruck verbvlen. Nun hat der Herbst sein Regiment angetreten, und die Natur bereitet sich allmähliche für den Winter vvr. Wo wir auch Umschau halten, überall sehen wir kahle Bäume und sterbende Kräuter, über die kalte Nebel ihren trüben Schleier ausbreiten, den die schwachen Sonnenstrahlen nur noch selten zu durchbrechen vermögen. „Letzte Blume schmückt die Erde, Letzte Sonne wärmt sie mild, An der dürren Rebenlaube Zittert die vergess'ne Traube, Und die Wolken fliegen wild." Für -die Kirche beginnt jetzt — mit dem 1. Adventsonntage — ein neues Jahr; sie rüstet sich auf das Kommen des Herrn. In allen Familien ist man mit den Zurüstungen für das liebe Weihnachtsfest beschäftigt. In sinniger Weise singt Gerok von dieser Zeit: „Nun sinnt und sorgt die Liebe, Und süß ist ihre Müh'; Man spürt ein still Getriebe Im Hause spät und früh: Das Kindlein lacht im Traum, Die Mutter wacht, zu schmücken Mit heimlichem Entzücken Den bunten Weihnachtsbaum." Während der Adventszeit ist in katholischen Ländern das Rorate üblich. So nennt man nätylich die zu Ehren der Jungfrau Maria abgehaltenen Frühmessen, welche mit den Worten: „Tauet, ihr Himmel!" beginnen. „Noch lange, bevor der Tag graut, zieht alles, was da kann, mit Laternen und Fackeln versehen, hin zur festliche erleuchteten Kirche. Selbst die Kinder lassen sich weder durch Schnee und Eis, noch durch. Wind und Wetter abschrecken, ihre Eltern zu begleiten, und namentlich- in gebirgigen Ländern gewährt es einen eigentümlichen Reiz, an den Roratemorgen hinauszuschauen, wie bald da, bald dort die Fackeln und Laternen der von den Bergen herabsteigenden Landleute sichtbar werden, und diese bald in langen Reihen, bald' in Gruppen mit ihren Lichtchen über den Schnee dahin gleiten." In protestantischen Ländern herrscht bis zu dem heutigen Tage die Gewohnheit, daß die unbemittelten Chor- und- Schulknaben in der Adventszeit an gewissen Tagen herumgehen und vor den Häusern geistliche Lieder singen. Deshalb heißt der Advent auch- Singzeit. Namentlich in Süddeutschland ziehen in den Donnerstagnächten vor Weihnachten Erwachsene und Kinder singend von Haus tzü Haus. Da sie dabei mit Hämmerchen und Ruten an die Thüren klopfen oder Ebsen, Linsen, Gerste und dergleichen an die Fenster werfen, werden diese Nächte Klöpfel- oder Knöpflingsnächte, in. Schwaben auch: An- klopfete genannt. Die bei diesen Umzügen vielfach eingesammelten Gaben an Brot, Früchten usw. werden den ärmsten Kindern für ihre Mern überlassen. Hier und da, z. B. im Emslande, ist auch noch das Adventsblasen üblich, das man im Anklang an die bethlehemitischen Ereignisse bei der Geburt Christi auch „das Blasen der Hirten" nennt. Wie vielfach, so ist auch hier die Kinderwelt der Träger des alten Gebrauchs. .An den Abenden vom ersten Adventssonntage bis zum Weihnachtsfest hört man die in ihrer Ursprünglichkeit eigenartigen Töne. Man bedient sich hierzu in der Regel wirklicher Tierhörner, meist von einem Ochsen, wie sie früher die Nachtwächter auf dem Lande hatten. Auf dieses Tierhorn ist dann noch ein Mundstück von Fliederholz als Verlängerung ausgesetzt. In manchen Orten nimmt man auch- mit einem Blechhorn vorlieb. Zum letztenmale ertönt das Horn in der hl. Stacht. Dann greift auch mancher Erwachsene zu diesem Instrument. In vielen Familien giebt es uralte Hörner, welche als altes Familienstück von Geschlecht zu Geschlecht vererbt werden, der jungen Welt zum Gebrauche und den Alten zur Erinnerung an längst entschwundene Tage. Viele Gebräuche, denen wir in der Adventszeit begegnen, wurzeln in dem Glauben unserer Vorfahren, daß die Götter in der Julzeit durch das Land zogen und in den Häusern Einkehr hielten. In vielen Gegenden Norddeutschlands hält in der Zeit vor Weihnachten der sogenannte Schimmelreiter seinen Umzug. Das ist in der Regel ein Bauernbursche, der sich an der Brust ein Sieb befestigt hat, an dem vorn ein Pferdekopf angebracht ist, und das dann mit einem weißen Laken verhängt wird. So erhält der Bursche das Ansehen eines Reiters auf dem Schimmel, und in dieser Weise zieht er von Haus zu Haus, fragt die Kinder, ob sie beten können, und läßt sie dann ihr Berschen hersagen. Diejenigen Kinder, welche in der Probe. gut bestehen, beschenkt er mit Aepfeln, Nüssen und Pfefferkuchen, während die, welche nichts gelernt haben, oder über welche die Eltern Klage führen, mit einer Rute bestraft werden. Dieser Schimmelreiter ist niemand anders, als Odin oder Wodan, der nach dem Glauben unserer heidnischen Vorfahren auf einem weißen Rosse seinen feierlichen Umzug auf der Erde hielt. Auch der in der Gestalt eines in Pelzwerk eingehüllten bärtigen Mannes erscheinende Knecht Ruprecht, sowie der heilige Nikolaus erinnern an den Göttervater Wodan, der auch fortlebt in der Sage vom Wodansheere oder vom wilden Jäger, der, wenn draußen der Sturm heult und die Schneeflocken in der Luft wirbeln, auf seinem Schimmel durch die Lüfte sauft. Die Adventszeit ist endlich im Volksglauben die Zeit der Weissagung, die Zeit des Zaubers? „Mit dem Andreasabende", sagte Dr. Mogk, „beginnt diese Zeit der allgemeinen Prophetie, hinter der etwas mehr steckt als ein kindischer Scherz: es ist der naive Wunsch unseres Volkes, hinter den Schleier der Zukunft zu schauen, ein Zug, der in erster Linie unserem weiblichen Geschlechte eigen ist. Erwachsene, unverheiratete Mädchen sind es vor allen, die in diesen Tagen eine Frage an das Schicksal stellen und zu erfahren suchen, ob sie ihr Lebensziel, die Verheiratung im kommenden Jahr erreichen werden, und was für ein Mann ihnen zugedacht sei." Am verbreitetsten ist wohl das Bleigießen. Sehr häufig begegnet ‘matt auch dem Schuh- oder Pantoffelwerfen, dem Zaunschütteln, dem Lichteschwimmen, dem Treten an die Bettstelle, dem Horchengehen re., und es ist erstaunlich, zu sehen, auf wie viele Dinge die weibliche Phantasie gekommen ist, um in der Andreas-, Thomas- und Christnacht die Zukunft zu erforschen. Aber nicht yur für die Mädchen, .sondern für das ganze Volk sind .die gettcytnien Tage Schicksalstage. . Was in der Adventszeit geträumt wird, geht zweifellos in Erfüllung. Besonders die Landbevölkerung achtet genau auf di-e Erscheinungen in dieser Zeit. „So schneidet man z. B. fast in ganz Mitteldeutschland eine Zwiebel in zwölf Stücke, bestreut diese mit Salz und legt sie so der Reihe nach hin, durch jedes einen Monat bezeichnend: derjenige Monat, auf dessen Stück das Salz besonders feucht ist, wird naß sein. Andernorts thut man dasselbe mit Nußschalen, die mit Salz gefüllt sind, oder mit Mehlhäufchen. Eine besondere Rolle spielt in Oberdeutschland bei diesem Orakel der Schatten. Sieht man seine Gestalt am Christabend- an der Wand ohne Schatten, oder kann man beim Heimgang von der Mette seinen eigenen Schatten sehen, so stirbt man im folgenden Jahre. Auch dieser Aberglaube wurzelt in unzähligen Gestalten und steckt - 688 - so tief in unserer Volksseele, daß vielenorts selbst der Gebildete und Aufgeklärte unwillkürlich in seinem Banne steht." ______________ Einen freundlichen Wandschmuck und liebe Erinnerung zugleich bildet die im Vorjahre vom Kunstmaler O. Fritz (hier, Goethestraße 4(3), als Oelgemälde ausgeführte und nach dem überaus ansprechenden Original in farbigem Kunstdruck vervielfältigte A n s i ch t von Gießen. Dieselbe praügt bereits als wertgeschätzte Zierde in fast allen Häusern unserer Stadt, darinnen man Gießens herrliche Lage gebührend zu würdigen weiß. Fern von "der Heimat weilenden Gießenern dürfte das Bild als beredter Festgruß und sinnige Weihnachtsgabe hoch willkommen sein. GeineLnnLitzLges. Um Alizarintintenflecke aus Wolle und Seide zu entfernen, behandelt man die betreffenden Stoffe, falls es die Farbe gestattet (was durch Versuche festzustellen ist), mittels einer schwachen Lösung von Weinsäure. Kesundyeitspflege. Gegen heftiges Nasenbluten hilft die Anwendung von Citronensaft in folgender Weise: Nachdem das Nasenloch mittelst einer Glasspritze mit kaltem Wasser gereinigt ist, wird sofort frisch ausgepreßter Citronensaft eingespritzt. Eine einmalige Einspritzung soll in den meisten Fällen genügen. Zur Blutstillung bei Wunden sollte man stets ein Heftpflaster ini Hause haben, es schließt die Wunde und hält die Luft ab; ist in jeder Apotheke billig zu haben. Ebenso sollte auch ein Fläschchen mit Arnika-Tinktur in keinem Hause fehlen; ein Fläschchen für 10 Pfg. reicht für lange Zeit. Aetd und Karten. E i n Z u k u n f t s a P f e l f ü r d e n M a s s e n a n b a u. Die Amerikaner haben ihren Obstbau in so kurzer Zeit zu einer gewaltigen Höhe bringen können, weil sie Sorten besahen,, die sich zum Massenanbau eigneten, Sorten, deren Verwendbarkeit, deren Tragbarkeit und deren Haltbarkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Nachdem sich die Erkenntnis Bahn gebrochen hat, daß nur durch den Massenanbau einzelner Obstsorten Deutschland in die Lage versetzt werden kann, seinen eigenen Markt wieder zu gewinnen und eventuell sich Absatzgebiete nach außen hin zu schaffen, sind die deutschen Obstzüchiter bestrebt, Obstsorten ausfindig zu mckchen, welche sich in gleicher Weise zum Massenanbau eignen, wie dies die amerikanischen Aepfel in. Amerika thun. Von einem solchen Apfel, der als Zukunftsapfel für den Massenanbau bezeichnet wird, finden wir einen längeren Artikel in Nr. 35 des „Erfurter Führers im Gartenbau", in welchem die Urteile vieler Fachleute aus Deutschland zusammengetragen sind.. Diese Nummer steht denjenigen unserer Leser, die sich für den Obstbau interessieren, kosten- und portofrei zur Verfügung, wenn sie sich, mittels Postkarte an das Geschäftsamt des Erfurter Führers in Erfurt wenden. Literarisches. Diät uni» Wegweiser für Nervenkrank« von Dr. P. Berger. Verlag von Hugo Steinitz in Berlin SW. Das weit verbreitete Buch, welches in einer zweiten Auflage vorliegt, hat entsprechend den Fortschritten der Wissenschaft eine wesentliche Umarbeitung und eine beträchtliche Vermehrung seines Umfanges erfahren. Wir zweifeln nicht, daß das Buch in dieser veränderten Form zu den alten viele neue Freunde finden wird. Denn es bringt in seiner klaren gemeinverständlichen Schreibweise, in seiner gewählten Ausducksweise, in seiner erschöpfendm Darstellung alles, was zur Belehrung zur Ver- gewifferung und Unterweisung derjenigen Kranken dienen kann, welche an den häufigsten und verbreitetsten Störungen unseres Zeitalters leiden. Eo können wir das Buch mit gutem Gewissen allen denen empfehlen, welch- an einer Erkrankung oder einer Erschöpfung chrer Nerven und ihrer nervösen Leistungsfähigkeit leiden, und die das Verlangen nach einem wahren Freund, einem teilnehmenden Berater und einem kundigen und erfahrenen Wegweiser und Führer empfinden. Die Anschaffung ist durch den billigen Preis von 2 Mark jedermann ermöglicht. Jugendschristen: Ein «euer „Fritz Vogelsang" für die deutsche Jugend. Zwei Jahre sind es her, da erschien ein originell ausgestattetes Jugendbuch, das in lebhaften Buchstaben den Namen „Fritz Vogelsang" trug, mit dem Zusatz: „Abenteuer eines deutschen Schiffsjungen in Kiautschou", — der Verfasser war Paul Lindenberg, welcher kurz vorher von einer Reise um die Erde zurückgekehrt war. Die Erzählung, die durchaus im Rahmen des Möglichen gehalten war und in ihrem Verlauf farbenprächtige Bilder fremder Länder und Völker entrollte, hatte einen durchschlagenden Ersolg. Allgemein wird daher di- Freude sein, daß zu diesem Weihiiachtssest Fritz Vogelsang seine Aufwartung von neuem macht. „Fritz Vogelfangs Kriegsabentener in China 1900". Eine Erzählung für tue deutsche äugend vonPaul Lindenberg. (Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung.) betitelt sich der Band, der durchweg die Vorzüge des ersten aufweist, und d-r sich zum mindesten des gleich starken Beifalls erfreuen wird. Was den Jugendschriften Paul Lindenbergs ihren besonderen Wert verleiht, ist, daß sie durchaus auf dem Boden der Wirklichkeit erwachsen sind; es ist nichts Phantastisches, was den Sinn der Jugend verwirrt, alles ist nach dem Leben, aus eigener Anschauung des Verfassers gezeichnet, flott und spannend ist di- Erzählungsweise. In dem neuen Buche tritt der jugendliche Held seine Ausfahrt auf einem der großen Reichspostdampfer an, berührt Aegypten und nimmt an fesselnden Jagden aus Ceylon teil, um dann in Kiautschou seiner einjährigen Militärpflicht zu genügen; auf dem „Iltis" wohnt er dem Feuergefecht vor Taku bei und fehlt nicht b-i den übrigen Kämpfen, bis er Peking erreicht — all dies ist lebhaft und fesselnd wi-dergegeben und wird nicht nur die Jugend, sondern auch erwachsene L-s-r interessieren. Der frühere langjährige deutsche Gesandte in China, Herr von Brandt, d-r beste Kenner des Reiches der Mitte, schrieb an den Verfasser: „Ich hab- mich sehr an dem Buche erfreut, und wünsche, daß sich das Schicksal desselben ebenso freundlich gestalten möge, wie das des braven Fritz, dessen Erlebnisse viele jung- Herzen höher schlagen machen werden. Sie haben nach jeder Richtung hin den richtigen Ton getroffen und wünsche ich dem Buche auch schon darum den weitesten Erfolg." Zu dem reichen Bilderschmuck (etwa 150 Illustrationen) hat auch das Kaiserliche Reichs-Marin-amt durch Hergabe photographischer Originalaufnahme ans China in wohlwollendster Weise beigetragen. Der Preis des elegant gebundenen stattlichen Buches ist nur 4 Mk. Rösselsprung) Nachdruck verboten. wärts d-s gan ner Der ge vor meer li Welt heit rück wo raum der UN durch end wärts vor stil wärts rasch zeit Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: Kartenverteilung: V. a8, 7; bS, 8; 7; cK, D; dlO, K, D. M. a, b, c, dB, alO, K; dA, 9, 8, 7. H. aA; bA, 10, K, D; cA, 10, 9, 7. Skat: a9, D. Spiel: 1. V. dK, dA, aA. ( — 26.). 2. H. cA, cK, alO. 3. M. dB, c7, a7. 4. M. cB, c8, a8. 5. M. aK, c9, b7. 6. M. d7, bA, dlO (-21). 7. V. bD, b8, olO (—13). Damit haben di- Gegner 60 erreicht Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UuiverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.