WS i'i H " 2sö ■MQl w w MMW W WMKMWWM MMM« iWjWi^L ie Erfahrung lehrt, daß die Menschen nichts weniger in ihrer Gewalt haben, als ihre Zunge. Spinoza. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ortmann. Erstes Kapitel. „Findert Sie nickst auch, Durchlaucht, daß diese Art der Unterhaltung auf die Dauer etwas eintönig wird?" — Es war ein langes Schcheigen, welches diese sarkastisch gefärbte Frage unterbrach. Seitdem der grauhaarige, geräuschlos auftretende Kammerdiener den letzten Gang des Soripers serviert, und sich dann auf einen Wink seines Gebieters Zurückgezogen hatte-war kein Wort mehr zwischen den beiden Herren gewechselt worden. Der Kleinere und Aeltere von ihnen, 'ein verlebter Vierziger mit schlaffem, gelblichem Gesicht und schweren Augenlidern, hatte während dieser langen Pause ein Zigarette nach der anderen geraucht, den Oberkörper weit in seinen Stuhl zurückgelehnt, mit tief auf die Brust herabgesunkenem Kinn, einem Schlafenden gleichend. Der andere aber, ein schöner, hochgewachsener Mann von herkulischem Körperbau, war in der ganzen Zeit sehr angelegentlich mit einer Flasche purpurnen Burgunders beschäftigt "gewesen, deren letzter Tropfen über seine Zunge geflossen war, bevor er jene ironische Frage an sein Gegenüber gerichtet. Im Gegensatz zu dem unverkennbar slavischen Typus des mageren Fürsten, bot er in seiner ganzen Erscheinung ein' Bild echt germanischer Manneskraft. Das wellige, blonde Haupthaar hatte einen leichten Atich ins Rötliche, ebenso wie der sorgfältig gepflegte Vollbärt, der nach französischer Mode spitz zugestutzt war. Das frische Gesicht mit der energischen, leicht geschwungenen Nase und den starken Augenbrauen ließ aus ein Alter von höchstens vierunddreißig Jahren schließen; die Haltung des Mannes war soldatisch straff, und in seinen Bewegungen war ebenso wie in seiner Ausdrucksweise jene unbefangene Sicherheit, die immer das Merkmal eines selbstbewußten Charakters ist. Die Art, wie er seine Ptugen über die zusammengesunkene Gestalt des anderen hingleiten ließ, mochte diesem wohl noch, spöttischer scheinen, als der Ton der Frage; denn er fuhr unwillig iempor und murmelte, während er das Stümpfchen seiner Zigarette heftig in die Aschenschale stieß, etwas Unverständliches, das sicher nicht für eine artige Erwiderung genommen werden (konnte. Tann stand er auf und begann in dem dunkel getäfelten, prächtigen Speisezimmer, gegen dessen Fenster ein Herbststurm seine prasselnden Hagelschauer schleuderte, mit müden Schritten umherzuwandern. „Ehrlich, gesprochen, mein teuerster Fürst Arkadi Wassiljewitsch — und bei allem schuldigen Respekt jvor den Herrlichkeiten Ihres gastfreundlichen Ahnenschlosses: es war eine rechte Dummheit, daß wir's so eilig hatten, bei solchem Wetter aus Petersburg nach Grigorjewa "zu- rückzukehren". Der Blonde bediente sich der französischen Sprache. Sie kam ihm leicht und fließend über die Lippen, aber mit jenem Tonfall, der sogleich den Deutschen verrät. Ter Angeredete, der es nicht für nötig gehalten hatte, ihm auf seine erste Bemerkung eine ordentliche Antwort gu geben, hielt in seiner Wanderung inne. „Wie es scheint, haben Sie sich in den letzten Tagen dort ganz besonders gut unterhalten, Herr Baron?" Seine Stimme hatte einen knurrenden, trockenen Klang, und etwas Lauerndes war in dem Blick, der unter den schweren Lidern hervor zu dem lächelnden Blonden hinüberflog. „O, ich habe mich vortrefflich amüsiert, warum sollte ich es leugnen! Wenn ich michrecht erinnere, war dies ja auch der Zweck, zu welchem Eure Durchlaucht mich einluden, an dem Ausfluge teilzunehmen". In dem gelben Gesicht des Fürsten zuckte es wie verhaltener Zorn. Er schwieg ein paar Sekunden lang, dann sagte er kurz: „Sie hätten in Petersburg bleiben sollen, Baron Hainau, wenn es Ihnen da so gut gefiel". Auch über die Stirn des anderen flog ein Schatten. Noch im nämlichen Moment aber war wieder hie vorige sorglose Heiterkeit auf seinem Gesicht. „Das kann nicht im Ernst Ihre Meinung sein, Fürst Suworin! Halten Sie mich sür einen undankbaren Menschen, der um des bloßen Vergnügens willen seine Freunde im Stich läßt? Habe ich drei Monate hindurch hier in Ihrer angenehmen Gesellschaft die Freuden.eines russischen Sommers genossen, so ziemt es mir, auch jetzt bei Ihnen auszuhalten, wo die Sache allem Anschein nach ein etwas langweiligeres Aussehen gewinnt. Ihre Geschäfte werden Sie ja am Ende nicht bis tief in den Winter hinein auf Grigorjewa festhalten". „Wer weiß! Vielleicht habe ich mich entschlossen, kür eine Weile den Einsiedler zu machen". „Den Einsiedler — Sie? Nein, mein Fürst, das glaube ich) Ihnen nicht mehr, seitdem ich Sie -in Fräulein Nataschas Empfangssalon gesehen. Wenn man ein so begeisterter Verehrer des schönen Geschlechts ist wie Sie, hält man's in solcher freiwilligen Verbannung nicht allzulange aus". Schweigend trat Fürst Arkadi Suworin an den Tisch, um sich eine neue Zigarette anzuzünden. Aber als er den ersten Zug gethan hatte, zerbrach er fte zwcfchen den mageren, gelblichen Fingern und schleuderte fie fort. Es gab wieder eine längere bedrückende Stille. ■ Tann sagte der Baron: m „Wie denken Eure Durchlaucht über eine Partre Ecartee? Das viele Sprechen ist in der That zu Anstrengend nach einer so beschwerlichen Reise". „Nein. Ich bin nicht aufgelegt zu sprelen". Der Blonde erheuchelte großes Erstaunen. „Mem Gott, Arkadi Wassiljewitsch, Sie sind doch nicht krank? Kommen Sie — ich werde'Sie ein wenig aufheitern. Sie haben dieses Freundschaftsopfer um mich verdcent". Er erhob sich und ging zu dem kleinen Salonflügel, der in einer Ecke des Gemaches stand. ‘ „Ich werde Ihnen Ihr Lieblingslied singen — Pas Lied der Wolgaschiffer. Seitdem Fräulein Natascha es von mir gelernt und uns allabendlich damit entzückt hat, muß es Ihnen ja noch viel mehr »ans Herz gewachsen sein". Er griff zu einem leichten Vorspiel in die Tasten, aber noch ehe er zu singen begonnen hatte, stand Fürst Suworin mit verzerrtem Gesicht an seiner Seite. „Genug mit diesen Herausforderungen, Herr Baron! Glauben Sie, daß ich langmütig genug sei, mich zu alledem von Ihnen auch noch verhöhnen zu lassen?" Anscheinend Mehr belustigt als bestürzt wandte der andere den Kopf. „Wie in aller Welt, Fürst Arkadr, sollte ich dazu kommen, Sie zu verhöhnen? . Sie hatten sonst so viel Gefallen an dem Liede" „Aber mit diesem Liede begann der schändliche Verrat, den Sie an mir geübt. Nicht wie mein Freund haben (sie’ sich in Petersburg aufgeführt — nein, wre mein bitterster Feind! Sie haben mir Nataschas Liebe gestohlen. Leugnen Sie es doch, wenn Sie können, '-Herr Baron!" „Ich leugne garnichts; aber ich finde, daß ein Ecfer-- süchtiger immer eine lächerliche Figur macht. Und ich schlage vor, daß wir uns schlafen legen, wein bester Fürst". „Sie versuchen also nicht einmal, Ihre Falschheit zu entschuldigen. Es erscheint Ihnen vielleicht als etwas ganz Natürliches, daß Sie mich hintergingen?" „In Herzensangelegenheiten gilt von alters her das Recht des Stärkeren. Ein Mann von Ihren Erfahrungen, • Fürst Arkadi, sollte das doch wissen". „Meine Erfahrungen können hier aus dem Spiel bleiben. Ich habe niemals einen Menschen betrogen, der mich für seinen Freund hielt. Und, offen 'herausgesagt — ich war nach dem Vorgefallenen nicht darauf gefaßt, : daß Sie mich noch einmal nach Grigorjewo zurückbegleiten würden". . „Lieber Himmel, wenn ich gewußt hatte, daß Sw dce Spielerei so tragisch nehmen würden! — Eine Person tote diese Natascha! Es hätte mich wenig Ueberwindung gekostet. Ihnen das Feld allein zu überlassen". Der Fürst reckte seine kleine, magere. Gestalt und erhob den Kopf, so daß er für einen Moment fast rmpo- nierend aussah. „Wer so von einer Dame spricht, um deren Gunst er sich noch soeben bemüht hat, ist kein Kavalier — nach unserer barbarischen Auffassung nicht einmal ein Mann von Ehre, Herr Baron!" • • Jetzt erst verschwand das Lächeln von dem Gesicht des Blonden. Er stand auf und nahm ebenfalls eine gemessen feierliche Haltung an, die ihm übrigens nicht ganz so natürlich stand, wie dem anderen. „Ich genieße Ihre Gastfreundschaft, Fürst Suworin! Das macht es mir unmöglich, Ihnen zu antworten". „So dürfte es an der Zeit sein, Sie von dieser lästigen Rücksicht zu befreien". „Das heißt, Sie setzen mir den Stuhl vor die Thur?" „Ich gebe Ihnen nur die volle Freiheit zurück, ganz nach Ihrem Belieben zu handeln". . ,Pah! Sie wissen, daß mir ohnedies Ihnen gegenüber die Hände gebunden sind. Ich schulde Ihnen noch eine gewisse Summe — und es ist nicht statthaft, seinen unbefriedigten Gläubiger wegen einer Beleidigung zur Rechenschaft zu ziehen". „Sie find im Irrtum, Herr Baron! Ihre Schuld ist beglichen. Wollen Sie die Gefälligkeit haben, hier einzutreten?" Seine zornige Erregung schien verraucht; denn sem gelbes Gesicht war jetzt kalt und unbeweglich. Er öffnete die Thür zum Nebenzimmer und lud seinen Gast mit höflicher Handbewegung zum Vorangehen ein. Schweigend leistete der Baron der Aufforderung Folge, und schweigend ah er zu, wie Fürst Suworin ein Seitenschränkchen des mächtigen Schreibtisches öffnete, der zwischen den beiden hohen Fenstern dieses Gemaches stand. Mehrere verschnürte und versiegelte Päckchen wurden in dem bssenen Fach sichtbar. Suworin hob sie empor, um ein darunter befindliches Papier hervorzuziehen, das er langsam entfaltete. „Nehmen Sie das/Dokument zurück. Ich habe keine Forderung mehr an Sie". Aber der Baron streckte seine Hand nicht nach dem Schriftstück aus. „Es thut mir leid, daß ich Ihnen nicht gefällig fein kann. Ich sehe wohl. Sie möchten sich um dieser kleinen koketten Natascha willen gar zu gern mit mir schlagen, und selbst ein Opfer von zehntausend Rubeln scheint Ihnen dafür nicht zu hoch. Wer ich lasse mir nichts schenken — und am wenigsten unter einer solchen Voraussetzung". „Wie es Ihnen beliebt!" sagte Suworin kalt. „Ich kann Sie nicht zwingen". Er riß den Schuldschein des Barons in Stücke. Dann verschloß er das Schreibtischfach wieder und drückte auf den Knopf des Telegraphen. „Sie wünschen ohne Zweifel schon zum Petersburger Kurierzuge in Botogowskaja zu sein. -Gestatten Sie also, daß ich Ihnen den Wagen für sieben Uhr früh bestelle". Unter den dicken, blonden Brauen des Barons funkelte und sprühte es nun doch wie vor einem nahen Ausbruch der Leidenschaft. Aber die Aufwallung ging auch diesmal vorüber, ohne daß er die Herrschaft über sich selbst verloren hätte. „Ich werde künftig von russischer Gastfreundschaft etwas weniger überschwenglich denken, als bisher", sagte er mit beißendem Spott. „Und ich rechne darauf, Fürst Suworin, daß wir diese Unterhaltung wieder aufnehmen, sobald meine Schuld bezahlt ist. Guten Abend!" Er wandte sich zum Gehen, da er den Kammerdiener eintreten sah. Aber sobald er die Portiere hinter sich hatte herabfallen lassen, blieb er lauschend stehen. Er hörte, wie Fürst Arkadi mit ruhig klingender Stimme seinen Befehl erteilte: „Um sieben Uhr morgens die Troika für pen Herrn Baron! Und Du wirst dem Kutscher sagen, daß er zum Petersburge Kurierzuge in Botogowskaja sein muß. — Uebrigens erwarte ich Dich nach zehn Minuten im Toilettezimmer. Ich wünsche mich schlafen zu legen". Nun erst setzte der Baron seinen Weg fort. Er hatte nur noch zwei kleine Gemächer und einen kurzen Gang zu passieren, um in sein Schlafzimmer zu gelangen. Der elegante Reisekoffer stand noch verschnürt und verschlossen da, so wie ihn vor kaum zwei Stunden die Diener hinein getragen. „Das überhebt mich der Mühe des Packens! j In Gottes Namen, Fürst Arkadi Wassiljewitsch — Sie Haben es nicht anders gewollt". Er klingelte nach dem Lakaien, den ihm der Fürst seit dem ersten Tage seines Aufenthalts im Schlosse für seine Person zur Verfügung gestellt hatte und ließ sich von ihm beim Auskleiden; Helsen. Dabei zeigte er sich ausnehmend heiter und gesprächig. Als sich der Diener mit unterwürfigem Gutenachtgruß zurückziehen wollte, drückte er ihm eine Banknote in die Hand. „Lassen Sie das, mein Freund", wehrte er ab, als der Beschenkte ihm unterwürfig die Hand küssen wollte. „Ich möchte nur gerne hier bei jedermann in gutem Andenken bleiben". Aber als er dann allein war, hatte er es durchaus nicht eilig, sich zur Ruhe zu begeben. In seinen langen Schlafrock von schwarzem Sammet eingehüllt und ein Paar leichte Schuhe aus' weichem Saffianleder an den Füßen, ließ er sich in einen Sessel nieder, anscheinend ganz damit beschäftigt, den bläulichen Rauchwolken seiner Zigarette nachzublicken und der gespenstischen Musik des Herbststurmes zu lauschen, der um das alte Fürstenschloß von Grigorjewo sein ungestümes Wesen trieb. (Fortsetzung folgt.) 563 । aus,, so wählt der Kongreß den Präsidenten für den I nächsten vierjährigen Termin aus der Zahl derjenigen I drei Kandidaten ,welche die meisten Stimmen erhalten I Haden. In diesem Falle aber hat jeder Staat nur je eine = I Stimme, und es kann bei dieser Wahlweise Vorkommen, . I daß das mutmaßliche Ergebnis der Elektorenwahlen voll- I ständig umgestoßen wird. Denn, während die Summe I der für die Elektoren abgegebenen Volksstimmen vielleicht I eine sehr bedeutende Mehrheit für den demokratischen I Kandidaten ergeben haben, und diesem nur die eine I einzige Elektorenstimme zur Erlangung der unbedingten I Stimmenmehrheit fehlen mag, kann bei der entscheidenden I Stichwahl nach den Staaten Möglicherweise die republi- I konische Partei den Sieg davontragen oder umgekehrt. I Bekanntlich) zerfällt seit einem halben Jahrhundert I die Bevölkerung der Vereinigten Staaten in politischer I Hinsicht in zwei große Gliederungen, von denen sich I die eine die republikanische, die andere die demokratische I Partei nennt. Alle bisher in dem Sinne einer neuen I Gruppierung der politischen Gewalten gemachten Anstreng- I ungen sind gescheitert. Die „Grangers", die „Farmers I Parti", die „Populistenpartei" haben ebenso wie die I der „Know-Nothings" in den dem Bürgerkriege voran- I gehenden Jahren nur ein vorübergehendes Dasein geführt. I Der Kampf wird in Wirklichkeit immer ausgefochten I zwischen Republikanern und Demokraten, mag es sich um I örtliche Aemter, um Sitze in dem gesetzgebenden Par- I lamente der Staaten oder in dem der Zentralregierung, I oder um die Präsidentschaft oder Vizepräsidentschaft der I Union 'handeln. I Die Bezeichnung „Republikaner" und „Demokraten" I ist eigentlich ungenau; die Demokraten sind ebenso wenig I Monarchisten wie der Republikaner, und diese nicht aristo- I irakischer als ihre Gegner. Die Ausdrücke sind mehr I geschichtlich aufzufassen, sie entsprechen durchaus nicht den I Gruppierungen der verschiedenen Interessen derer, die I sich! vor 20 oder 25 Jahren so nannten. Indessen läßt sich I doch, mit gewisser Bestimmtheit sagen, daß die großen I Bankiers, die Industriellen, die Millionäre New-Yorks I und Philadelphias, die Spekulanten, Professoren und I „Clergymen" Bostons zum großen Teil „Repnblikaner", I die Pflanzer des Südens und die Landwirte des Westens I dagegen „Demokraten" sind, die mit wechselndem Glück I in den letzten Dezennien um die Palme des Sieges I gerungen haben. I Die Demokraten sind allerdings im Süden das vorherrschende Element, aber sie herrschen auch in dem Staate oder genauer in der Stadt New-York und machen den Republikanern eine gewisse Anzahl von Staaten des Nordens und Ostens streitig. Als sie 1884 nach längerer Pause wieder zur Macht kamen, hatten sie zum Führer einen klugen, charaktervollen Mann, M. Cleveland, bis dahin ziemlich unbekannt; berühmt aber mit einem Schlage, | als er von der Partei als Präsidentschaftskandidat gewählt wurde und die Repnblikaner besiegte, die sich bis dahin für unbesiegbar gehalten hatten. 1888 schlug der Republikaner Harrison den Demokraten Cleveland, aber 1892 wurde dieser wieder zum Präsidenten gewählt. 1896 unterlag der Silbermann Bryan dem Tarifmann Mac,- Kinley, und auch Heuer wird zwischen diesen beiden wieder hauptsächlich der Kampf ausgefochten werden. Schwer läßt sich sagen,.zu wessen Gunsten am 6. November d. I. die 13 Millionen Urwähler ihre Stimmen in die Urnen werfen werden. Sie werden sich! von anderen Gesichtspunkten leiten lassen diesmal wie srüher. Denn die eigentliche „issue", der Hauptbeweggrund des Kampfes, nämlich die Tariffrage ist jetzt in den Hintergrund getreten. Noch bei der Wahl Harrisons (1888) war diese Frage allein entscheidend, und sie brachte auch Mae-Kinley relativ die meisten Stimmen. Derzeit aber setzt sich, der Kern. des Streites aus anderen, nicht so volkstümlichen Forderungen —wie die Frage der Trusts, des Imperialismus, der Freisilberprägung — zusammen. Nirgends kommt es so sehr auf Geld an als bei einer Wahl in den Vereinigten Staaten. Auf der demokratischen Seite steht nun freilich der große Westen, und die Besitzer der Silberminen sind leichtgläubig genug um von Bryans Freisilberfabel Wunder zu erhoffen und Die Präsidentenwahl in Amerika. Von Dr. I. Wiese. Mac^Krntey, der augenblickliche Präsident der Ver- eimgten Staaten, der am 4 .März 1897 die Leitung der Geschäfte der Union in die Hände genommen hat wird seine vierjährige Amtsperiode am 4. März 1901 beendigen. Obwohl also der Nachfolger thatsäMch erst in etwa sechs Monaten in feine Rechte und Würden tritt, beschäftigt man sich! doch petzt schon in New-York bis San Franzisko öov! Ehieago ' bis New-Orleans mit großer Leidenschaftlichkeit mit der Frage, wer nach; ihm das „Weiße Haus" bewohnen und die Stellen vergeben wird. Kenner der Verhältnisse behaupten, daß der jetzige Wahlfeldzug einer oer „feinsten und interessantesten" werden würde, den Amerita pemals erlebt habe. Es dürfte deshalb gerade petzt, wo die Wogen der Wahlbewegung, deren Ausgang uns deutschen nicht gleichgiltig sein kann, hoch gehen, von Interesse fern, die näheren Verhältnisse, unter denen sVh. eine solche Wahl vollzieht, kennen zn lernen. Ein kurzes ^"gehen aus dw Staatsverfassung der Union ist zu dem Zwecke unerläßlich. 0 „ Die Vereinigten Staaten von Nordamerika bilden ein staatliches Gemeinwesen, das aus staatlichen Gemeinwesen, eine Republik, die aus Republiken, einen Staat, der doch aus Staaten besteht, die für seine Existenz nötiger sind e.r f“r die ihrige ist. Der Bau, die Zusammensetzung dieses Gesamtftaates und die Einrichtung, die Regelung der Verhältnisse zwischen dem Zentralstaat unb den die Verfassung bestimmenden Einzelstaaten bildet die Haupteigentümlichkeit der amerikanischen Union. Der Einzel- | staat ist unter der Voraussetzung, daß seine Verfassung Mit der der Union im Einklang steht, vollständig unabhängig, kann sich, verwalten, wie er will, die Steuern I erheben, die er für gut hält, selbständig Schulden machen und alle Institutionen schaffen, die für feine Bewohner I und seine Verhältnisse geeignet sind. Die Krönung des I ganzen Staatsgebäudes bildet die Unionsregierung, welche I die Geschäfte der Vereinigten Staaten leitet. Die obersten I Regierungsgewalten gehen wie die der einzelnen Staaten I aus den direkten Wahlen der Bürger hervor. Die gesetz- I gebende Gewalt liegt in den Händen des Kongresses, I welcher §ich aus dem Senat (88 Mitglieder) und Abge- I ordnetenhause (356 Mitglieder) zusammensetzt, die voll- I ziehende in denen des Präsidenten. Der Präsident der Republik wird nicht direkt vom I Volke erwählt, sondern die Parteien machen sich!, sobald I die Neuwahlen herannahen, über die Kandidaten für die I Präsidentschaft schlüssig und ernennen dieselben auf den I Nationalkonventen, welche zu diesem Zwecke einberufen I werden. Die Entscheidungen dieser von allen Staaten I beschickten Versammlungen sind bindend für sämtliche I Parteigenossen. Die letzteren, also das Volk, erwählen I dann an dem dafür bestimmten Tage nur die Wahl- I männer, die sogenannten Elektoren, deren Zahl gleich der I Summe der Abgeordneten und Senatoren der verschie- I denen Staaten ist, augenblicklich! also etwa 444 umfaßt. I Diese Wahlmänner sind je nach ihrer Parteistellung auf I die von ihren betreffenden Parteikonventen aufgestellten I Kandidaten verpflichtet; ihre Wahl ist daher in Wirk- I lichkeit entscheidend für den Sieg des einen ober des I an bereu Kanbibatem Gesetzlichsind die Elektoren allerdings I keineswegs genötigt, ihre Stimmen für bie aufgestellten I Parteikandidateu abzugeben; ba eine Abweichung von I diesem eingeführten Gebrauch jedoch! die schlimmsten Folgen I für denjenigen haben würde, welcher es wagte, die Partei- I disziplin in diesem wichtigen Punkte zu verletzen, so ist I die Präsidentschuftswahl seitens der Elektoren eigentlich I nur eine Teere Form, die indessen streng beachtet wird. I Vor versammeltem Kongreß wird nämlich am zweiten I Mittwoch des Februar des Jahres, in welchem' der Amts- I tertnin! des regierenden Präsidenten fein Ende erreicht, I seitens des Vizepräsidenten der Republik, der der Bor- I sitzende des Senats ist, öffentlich die amtliche Zählung I । der von den Elektoren abgegebenen Stimmen vorgemnmnen I 1 und das Ergebnis verkündet. Stellt sich hierbei etwa I i Stimmengleichheit für die Präsidentschaftskandidaten her-1 i für deren Verwirklichung große Opfer zu bringen. Aber da dort die Gewinne nicht so ungeheuer sind, wie innerhalb der Trusts und Wahlkartelle, so würde der Wahl- sonds recht mager ausfallen, wenn nicht die Tammany- Partei zur Hand wäre . Diese nimmt das Geld thatsächlich, wo sie es findet, und steht nicht an, Tausende schamlos zu brandschatzen, wenn sie nur schließlich auf ihre Rechnung kommt. Der Präsidentenstuhl ist ihr weniger wichtig, als die Herrschet über New-chork, und der Präsidentschaftskandidat, ‘ der sich herbeiläßt, ihr für diese Stadt oder den Staat politische Kaperbriefe auszustellen, hat Tammany für sich, mag er Demokrat oder Republikaner sein. Die Tammany-Partei hat sich in diesem Wahlkampf für Bryan erklärt. Aber ihre ärgste Brandschatzung dürfte doch nicht den ungeheuren Fonds gewachsen sein, welche die großen Trusts beistellen können. Das Wahtgeschrei lautet also eigentliche nicht: Hie Bryan — hie Mac-Kinley, sondern hie Tammany — hie Trust! Kein nur irgend erdenkliches Mittel wird seitens der Agitatoren unversucht gelassen, um im Interesse der Partei, in deren Dienst sie stehen, möglichst große Massen von Wählern zu gewinnen. In kleinen Orten und auf dem Lande sind es die Krämer, die Bier- urch Schnapswirte, westhe ihre Kundschaft gemäß den Wünschen der Leiter derjenigen Partei bearbeiten, für welche sie selbst gewonnen sind. Durch Vorteile, welche sie den ihnen meist verschuldeten Kunden gewähren, durch, Freibier, welches sie verteilen, wirken sie auf die niederen Volksmassen ein, die von den politischen Parteifragen meist nicht das geringste verstehen. In den größeren Städten oder in den auf dem Lande abgehaltenen großen Meetings und Volksversammlungen wirken die tüchtigsten Volksredner der verschiedensten Parteien, um durch geschickte packende Schlagworte, durch Witze und durch Verleumdung der politischen Gegner die Massen für sich und die Sache, der sie dienen, zu gewinnen. Es gehören die gewiegtesten Politiker von Profession, vielfach Advokaten, die tüchtigsten und schlagfertigsten Redner, die verschlagensten und am wenigsten bedenklichen Männer dazu, um in diesen Wahlvorbereitungen bedeutende Erfolge zu erzielen, um als Kandidaten'aufzutreten und bei den Wahlen schließliche. als Sieger hervorzugehen. Daß ihnen aus ihrer Thätrg- keit reiche Einnahmen zufließen, ist bekannt; sie benutzen aber auch ihre Macht, um sich, ihren Verwandten, Freunden, Gevattern und Günstlingen so viel einträgliche Aemter als nur irgend möglich zu verschaffen, und da jeder Regierungswechsel, die Einsetzung eines neuen Präsidenten und vollends die Verdrängung einer der beiden Parteien, die sich in die Herrschaft über das Land geteilt haben, durch die andere, stets eine Neubesetzung aller Aemter mit sich, bringen, so kann man sich; leicht vorstellen, mit welcher fieberhaften Leidenschaftlichkeit die Vorbereitungen zu den Wahlen, dieser Jagd nach den Aemtern, nach Einfluß und Wohlstand, in allen Schlichten der Bevölkerung betrieben werden. Dieser für uns unverständlichen Leidenschaftlichkeit sind denn .auch die Unzahl von noch! unverständlicheren Wetten zuzuschreiben, die sich, auf das Ergebnis der Präsidentenwahl beziehen. Der „Herald" berichtete vor kurzem über ein volles Dutzend derselben aus den verschiedensten Teilen des Landes. Beispielsweise hat sich ein Mann in Chicago bereit erklärt, der Schwiegermutter eines politischen Gegners, mit dem er das Wahlresultat erörterte, zeitlebens den Lebensunterhalt zu gewähren, während als Gegenwert "die Verpflichtung übernommen wurde, einen Maulesel drei Wochen lang jeden Tag am' Schwänze zu zupfen, eine Aufgabe, die derjenige, der die natürlichen Anlagen und Neigungen eines solchen Tieres kennt, gewiß nicht'unterschätzen wird. Einer anderen Wahlwette zufolge muß der verlierende Teil zwei Wochen lang seine Kleider umgekehrt tragen. Sehr beliebt sind Bart- und Schub- karrenwetten. 'Mancher Wettende verpflichtet sich, wahrend der ganzen Amtsperiode des gewinnenden, Präsidenten, sofern dieser nicht von seiner Partei ist, kernen Bart zu tragen .Nach der Wahl sieht man häufig einen elegant gekleideten. Herrn einen änderen in einem Schubkarren durch die Straßen fahren, ost unter Vorantritt einer Musikkapelle, stets aber mit einer starken Begleitung von Straßenjungen und Nichtsthnern, die den den Karren Schiebenden durch allerlei freundliche Ermunterungsrufe anfeuern. Andere Menschen, die nicht auf diese Weise nr Bewegung der Lachmuskeln sorgen wollen, wetten um neue Hüte oder auch vielfach um Geld, namentlich in Wall Street, und dort bietet man schon drei Dollars gegen einen, daß Mac-Kinley gewählt wird. Diese Leutchen dürften Recht behalten. Geinsinnütziges. Weißlederne Ballschuhe zu reinigen. Man kaufe sich in der Drogenhandlung für 10 Pfg. Kremser- weiß. Dieses Pulver wird mit Spiritus angefeuchtet und mittels einer Bürste auf die Flecke der Schuhe übertragen. Alsdann stellt man dieselben zum Trocknen, und die Flecke sind verschwunden. Hesundyettspflege. Heiße Sandbäder als Heilmittel werden in einer der letzten Nummern der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" von einem Arzte angelegentlichst empfohlen. Die Verwendung des Sandes für die Zwecke der Krankenbehandlung ist so alt wie die Geschichte der Medizin; schon Herodot rühmt seine Wirkung als Bad gegen Fettleibigkeit, Wassersucht, Gicht, Asthma und Brustkatarrhe. Auch heute noch bereiten sich manche Naturvölker in tropischen Ländern ihre Sandbäder im Freien, und selbst ein.kulturell so hochstehendes Volk wie das der Japaner kuriert sich mit Vorliebe durch heiße Sandbäder. Das heiße Sandbad wirkt ähnlich wie das Dämpf- und Heißluftbad, ohne, wie diese, Beklemmungserscheinungen hervorzurusen. Der Sch.weiß- verlnst geht leicht von statten, ist aber so reichlich, daß; der Patient nach jedem Bade durchschnittlich! tausend Gramm üN Körpergewicht einbüßt; selbst Abnahmen von 3000 Gramm nach einem Vollbade sind beobachtet worden. Merkwürdig ist, daß man beim Sandbade viel höhere Temperaturen vertragen kann wie beim Wasserbade. Im allgemeinen wird Saud Von 40 Grad Celsius von der Körper- oberfläche fast als kühl empfunden, solcher von 45 Grad als lauwarm, etwa wie Wasser von 15 Grad Celsius. Sandbäder von 50 Gr. Celsius werden — normale Organe vorausgesetzt — als recht behaglich und angenehm geschildert. Lokale Bäder, d. h. Teilbäder für einzelne Glieder, können sogar unbedenklich bis auf 55 Grad gesteigert werden. Jedenfalls wird durch diese Bäder ein überaus schonender und doch nachhaltiger Hautreiz ausgeübt, und dadurch der Stoffwechsel des Organismus in durchaus befriedigender Weise angeregt. Der Hauptreiz setzt sich, aber zusammen aus der Wärme des Sandes, seinem gleichmäßigen Druck und ans der mechanischen Wirkung der Sandkörnchen. Kapselratsel. Nachdruck verboten. Jagdrevier — Kleider — Königreich — Menschen — Verlustspiel — Aderlaß — Abendrot — Sündenfall — Verbreitung. Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach in vorstehenden Wörtern versteckt sind, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung. Auflösung trt nächster Nummer. Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer: Iltis Liane Tasse Insel Seele Rtbaltiw ®. Burkhardt. —. 9vkO «n» »erleg »er »rühl'sche« Urii»erMtB««itch. an» «tehrtrndetei (Pietsch trfcea) in Wege«.