!mS Donnerstag den 1. November» j . j Ä’Äff lgä'-a|a/> komm' in uns'rc Gassen!" (Ä^ Sagt das Spätzchen, „vor den Thoren V V Geht ja dein Gesang verloren. Hier in den belebten Straßen Hören dich die feinsten Ohren." — „Kritteln mich die schärfsten Zungen," Hat die Lerch' ihm zugesungen, „Und ich fänd' im Stadtgewimmel Keine Saaten, keinen Himmel." Albr. Em. Fröhlich. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ort mann. (Fortsetzung.) Dora, die sich lässig in einen Sessel geivorfen hatte, seufzte tief auf. „Hat er Sie das bereits merken lassen? Mir scheint, daß er mich aus purer Zärtlichkeit für meinen Verlobten am liebsten bis zur Hochzeit in ein Kloster sperren würde. Ach, Sie würden mich von Herzen bedauern, ivenn Sie wüßten, welche Kämpfe ich Tag für Tag um meine persönliche Freiheit zu bestehen habe." In ihrem koketten Morgenanzug sah sie sehr verführerische aus, um so mehr, als noch die Glut einer lebhaften Erregung auf ihren Wangen brannte und in ihren Augen blitzte. Sandory hatte sich ein niedriges Taburett ziemlich nahe an ihren Sessel herangezogen und sah ihr, die Ellenbogen auf die Knie gestützt, unverwandt ins Gesicht. „Das ist ja nicht ihr Ernst) denn ich weiß sehr wohl, daß wir alle, Ihren Vater und Ihren Verlobten mit einbegriffen, doch nur Ihre gehorsaine Sklaven sind, denen Sie nach Belieben den Fuß auf den Nacken setzen." „Sie würden von meiner Macht eine weniger hohe Meinung haben, wenn Sie die Szene belauscht hätten, die mir der Herr Staatsanwalt soeben machte." „Ich begegnete ihm im Garten. Aber er hatte nicht gerade das Aussehen eines Siegers." „O, es wäre freilich schlimm um mich bestellt, wenn ich es dahin kommen ließe. Von dem Tage an, da ich. mich ihm zum erstenmale unterworfen hätte, würde ich. für alle Zukunft rettungslos in feine Gewalt gegeben sein." „Und hegen Sie gar keine Befürchtungen für die Zukunft, wenn Sie schon jetzt so — nun, sagen wir: so wenig überschwenglich von ihm denken?" Doras Augen blickten über Sandory hinweg ins Leere. „Ach, die'Zukunft! Seit Wochen ist es ja mein einziges Bemühen, mich jeden Gedankens an sie zu entschlagen." _ Sandory antwortete nicht, und es gab ein längeres Schweigen. In verändertem Ton nahm Dora endlich die Unterhaltung wieder auf. „Wissen Sie übrigens, daß schon wieder dieses berühmte Kostümfest den Zankapfel abgegeben hat? Georg verlangt, daß ich in Balltoilette hingehe. Er findet es für ein Mädchen aus anständigem Hause, das noch dazu Braut ist, unpassend, sich zu kostümieren!" „Sie aber sind entschlossen, sich seinem Willen nicht zu fügen?" „Würden Sie mir denn raten, es zu thun?" „Was soll ich Ihnen darauf antworten? Wer zwischen Eheleuten oder/Verlobten Partei ergreift, erntet in der Rege! des Teufels Dank von beiden Seiten." „Ah, zu solchen Bedenklichkeiten ist es für Sie zu spät. Sie können sich getrost auf meine Seite stellen; denn mit dem Herrn Staatsanwalt haben Sie es ohnehin verdorben." Sandory machte eine drollige Gebärde des Entsetzens. „Sie erschrecken mich. Ich habe mich doch so eifrig° um seine Freundschaft beworben. Was, um des Himmels willen, habe idj ihm denn gethan?" „Wenn Sie es nicht erraten können, werden Sie ihn wohl selber darum befragen müssen. Aber thun Sie es lieber nicht! Ich könnte sonst in Gefahr geraten, einen Freund zu verlieren." Ihre dunkle Stimme war mit einemmale sehr weid) geworden. Sie machte keinen Versuch, ihm zu wehren, als Sandory ihre Hand ergriff, um sie an seine Lippen zu führen. „Nun wohl!" sagte er. „So rate ich Ihnen denn: fügen Sie fid) nicht!" ?,Er hat mir erklärt, daß er selbst vor einem Skandal nicht zurückschrecken würde, wenn ich bei meiner Absicht beharrte." „Und Sie glauben, daß er im stände wäre, eine solche Drohung auszuführen?" Geringschätzig zuckte Dora die Achseln. „Man weiß nie, wessen man sich von diesen kleinlichen Naturen zu versehen hat. Aber was thut's! Vielleicht ist es ganz gut, daß ich auf diese Weise dock) einmal die Probe' auf die Stärke seiner Liebe machen kann." „Doch. Ihr Vater, Fräulein Dora? Ihm scheint außerordentlich viel an dieser Verbindung gelegen." „Gewiß! Es würde ein furchtbarer Schlag für ihn sein, wenn seine Hoffnungen in der letzten Stunde Schiff- — 622 Volkszählung. Eine volkswirtschaftliche Betrachtung. Von '®r. Albert Lüders. (Zu der bevorstehenden Volkszählung.) Nachdruck verboten. Nur wenige Wochen trennen die Bevölkerungen Deutschlands wie Oesterreich-Ungarns noch von dem Zeitpunkt, an dem wiederum eine genaue Ermittelung der innerhalb der Staatsgrenzen befindlichen Bevölkerung stattfindet. Dieses wichtige Ereignis wirft schon, jetzt seine Schatten voraus. Längst sind in vielen Millionen von Exemplaren die Drucksachen fertiggestellt, in denen an den Tagen der Zählung die Eintragungen über die persönlichen Verhältnisse von mehr als 55 Millionen druck! leiden sollten. Schließlich aber ist es doch mein i zu nehmen. Der Gedanke, nur durch eine dünne Wand Lebensglück, das hiev auf dem Spiele steht, und nicht I von, Menschen getrennt M sein, tue ich nicht kenne und tma I die möglicherweise zweifelhafte Charaktere sein konnten, „Und idji meine, der Herr Staatsanwalt wird sich, I erfüllt michmnit beständigem Unbehagen und verkürzt mir tottPH pa (Vita [iinfiem Eiaenlinn rum äußersten I sogar den, Schlaf meiner Nächte. Es ist bei» gewiß eine kommen zu'lassen. Man verzichtet nicht ohne zwingende I große Thorheit, aber sie läßt sich, vielleicht entschuldigen Not auf ein so köstliches Geschenk, wie die Götter es ihm | bei einem Manne, der, wie ich, das Treiben der Welt Halten Sie es wirklich für so köstlich?" fragte sie I Sandory sprach mit liebenswürdigem Lächeln die Zu- Hailen ute e». rortiuuji |u , i ; ' verficht aus, daß Herr Eschenbach nun an diesem Abend „Ich darf es ja leider nicht aussprechen, wie sehr I ruhiger ein schlafen werde, und es war so wenig Spott ick» ihn darum beneide." I in seinen Worten, daß der andere ihm freundlichzumckte Er hatte sich noch näher gegen sie geneigt, aber sie I und mit der Mitteilsamkeit eines völlig arglosen Menschen machte eine leicbt abwebrende Bewegung. | ohne viele Umschweife von dem Zweck seines Waldenberger „Es ist wahr, wir sollten nicht über solche Dinge I Aufenthalts zu sprechen begann. Man habe ihm das sprechen. — Natürlich kommen Sie doch aus das Fest?" I Klima der Stadt als besonders zuträglich gerühmt, und ' Da ich weiß, daß ich Sie dort finden werde, gewiß." I er wolle sich darum hier irgendwo eine hübsche Villa "Fch würde "auch keine Entschuldigung gelten lassen. | kaufen, wo er in Ruhe und Behagen ganz semen wissen- Aber ^liun aeben Sie lieber Freund' Mein Vater kann I schaftlichen. Arbeiten leben könne. Natürlich muffe er sich Zen MgeÄick hellnkehren, und wenn ich Ihren Be- zunächst über die hiesigen Verhältnisse die ihm fa ganz slicki! mrrfii nicht als eine Heiinlichkeit behandeln werde, I fremd feien, em wenig orientieren, und es sei das für ist es doch nicht gerade notwendig, daß er Sie noch hier I einen etwas unpraktischen Menschen seines Schlages leider indet" I eine äußer,t schwierige Aufgabe. Es war ein sehr fühlbarer, fast heißer Händedruck, I „So gestatten Sie mir vielleicht, verehrter Herr, daß «Wie gE-t. w° II- q» sulcht g-sch-u. - I bm Mmgm »-Kn^^bgt-N Im Gastzimmer des „König von Spanien ,ah Rudolf I Wanderlebens einigermaßen daran gewöhnen müssen, Sandory, als er eme halbe Stunde später dort emtiat, I Manschen und Dinge mit raschem Blick zu erfassen, imb den langen, mageren Herrn wieder, dem er heute schon I .. ,lande wohl, daß ich die hiesigen Verhältnisse heute einmal in Franz Norrenbergs Kontor begegnet war. Er I Breits ziemlich richtig beurteilen kann." saß jetzt, von Zeitungen umgeben, an einem abseits I @ie sind außerordentliche gütig, mein lieber Herr! stehenden Tischchen und schien ganz in der Lektüre eines I toei& qar Eit, womit ich soviel Freundlichkeit ge- Blattes vertieft. Sein Aeußeres erschien wie ein äugen- I zsihrend vergelten soll. Aber es wäre doch wohl allzu fälliger Beleg für die Behauptung des Staatsanwaltes, I ^bescheiden, wenn ich Ihre kostbare Zeit mit meinen daß jeder Mensch das Gepräge seines Berufes Mit sich I bedeutenden Angelegenheiten in Anspruch nehmen herumtrage. Man konnte sich m der That kernen voll- i kornrneneren Typus eines harmlosen Stubengelehrten I q ba§ anbetrifft", lachte Sandory, „so machen denken, sowohl in Bezug aus die pedantisch sorgfältige 1 @.e 7.$. barum jeine Sorge! Ich bummle nur noch zu Kleidung, die einer längst vergessenen Mode angehorte, I meinem Vergnügen in dep Welt hemm und habe durchaus als hinsichtlich des hageren, bartlosen Antlitzes, das zwar I u üermumen. Wenn Sie wollen, machen wir gleich einen klugen, durchgeistigten Ausdruck, zugleich aber etwas I natf be°m Mittagessen einen Spaziergang durch die Stadt, beinahe kindlich Gutmütiges hatte. I q-ür ;efet Er möchte ich Sie nicht länger in Ihrer Lektüre Sandory hatte ebenfalls eine Zeitung genommen und £ ’■ und sich an einem anderen Tische niedergelassen. Als ihm 1 sAsiitelten. sich die Hände, und Sandory kehrte der Kellner die halbe Flasche Rheinwein brachte, die er I an re^nei't zurück. Nach einer kleinen Weile erhob bei seinem Eintritt bestellt hatte, erkundigte er sich Iet)e I ..1 '^err gx.anj Eschenbach, grüßte noch einmal sehr artig nach dem Namen des Fremden. I zu ihm hinüber und verließ das Gastzimmer. Es war „Er hat sich als Franz Eschenbach, Privatgelehrter I | Mittagsstunde, als er aus dem Portal des aus Hamburg, eingeschrieben, Herr Sandory ! I König tion Spanien" heraustrat und den Weg nach Ah, er wohnt also hier im Hanse? I Postgebäude einschlug. Er hatte nur einen einzigen „Jawohl, fern Zimmer liegt unmittelbar neben dem I |n bert haften zu werfen, aber es mochte wohl Ihrigen." I feinen ängstlichen und pedantischen Gewohnheiten ent- „llnd er wird sich längere Zell hier aufhalten k I sprechen daß er es für nötig hielt, dies in eigener Person ' „Darüber kann ich leider keine Auskunft geben. Aber hi wenn ich recht gehört habe, sprach, er zu Herrn Schwan- I « lt,nbJgtubo(f Sandory würde es gewiß einigermaßen slügel davon, daß es seme Absichtsei, sichhier anzukaufen. I tz^remdlich gefunden haben, wenn er hätte sehen können, In diesem Augenblicke ertönte von dem anderen ! l. b^sir 'Brief des schüchternen Hamburger Privat- Tische herüber die Stimme des Fremden, eme leise, an- " |L otej[ an keinen andern als an den Chef der Kriminal- genehme, fast schüchtern klingende Stimme. I 2nfi/pi ... Merlin aerickitet war „Hören Sie, Kellner, ich würde Ihnen sehr dankbar Wet S" 'öetlm 0 Stfeüuna folgt) sein, wenn Sie mir auf einige Minüten die Kölnische I (Fortsetzung TOigtj Zeitung verschaffen wollten." Gerade diese war es, die Sandory in den Händen hielt, und er erhob sich sofort, um mit großer Zuvorkommenheit dem anderen das Blatt zu überreichen. Herr Franz Eschenbach schien über diese Höflichkeit fast in Verlegenheit zu geraten. Er wollte einige bescheidene Einwendungen erheben, und er nahm die Zeitung erst, als Sandory wiederholt versichert hatte, daß er selber gedankenlos und ohne jede beftimmte Absicht danach gegriffen habe. Man stellte sich gegenseitig vor, und der Hamburger schien sehr erfreut, als er erfuhr, daß er in Sandory seinen Zimmernachbar kennen gelernt habe. „Lachen Sie mich wegen dieser Wunderlichkeit nicht aus", sagte er. „Aber ich bin in meinem Leben so wenig gereist, daß ich mich immer ganz unglücklich fühle, wenn ich doch einmal genötigt bin, in einem Gasthofe Wohnung - M — Reichsdeutschen und 45 Millionen Oesterreichern und Ungarn zu erfolgen haben; die Gemeinden versichern sich bereits in ausgedehntem Maße der Mithilfe der Einwohnerschaft beim Zählwerke und finden namentlich in der Lehrerschaft, aber auch in allen anderen einsichtigen Be- vötkerungsschichten ein zuverlässiges und dienstbereites Heer von Zählern!, und von den Kathedern der Schulen erfolgen Belehrungen über das Wesen und die Bedeutung der Volkszählung, die um so nötiger sind, als ein großer Teil der Landbevölkerung noch immer nicht begreifen kann, daß der Staat das kostspielige und mühsame Zählungswerk zu einem anderen Zwecke veranstalte, als um hinter die Privatverhältnisse seiner Bürger zu kommen und die Steuerschraube anzuziehen. Aber auch in Kreisen, wo man wohl ein besseres Verständnis für die Wichtigkeit einer Volkszählung voraussetzen könnte, herrschen über die Aufgaben einer solchen viele Unklarheiten, und so hört man denn vielfach die Frage, ob der mühevollen Arbeit von Hunderttausenden und einem an die Million gehenden Kostenaufwand denn auch die Ergebnisse entsprächen. Tiefen Zweifeln könnte man schon durch den einfachen Hinweis darauf begegnen, daß schon in den ältesten Zeiten Volkszählungen veranstaltet worden sind. Die babylonischen Könige haben häufig die Köpfe ihrer Unterthanen gezählt; im Jahre 500 vor Christus ließ König Amasis die Bevölkerungszahl Aegyptens feststellen; ein ganzes Buch des Pentateuchs, nämliche das vierte Buch Mosis, ist zum großen Teile mit den Ergebnissen von Volkszählungen angefüllt und verdankt diesem Inhalt auch den Titel „Numeri"; im alten Rom wurde schon seit den Zeiten des sechsten Königs Servius Tullius -alle fünf Jahre gezählt, und unter Augustus fand eine Volkszählung in Rom eigens zu dem ausgesprochenen Zweck der besseren Veranlagung der Einkommensteuer statt, über deren ungerechte Verteilung — ganz wie bei uns — sich die Bewohner der Siebenhügelstadt schon vor 1900 Jahren beschwerten. Das Mittelalter, welchem die Fragen nachdem zukünftigen Jenseits viel wichtiger waren, als die reelle diesseitige Gegenwart, hatte natürlich für die praktischen Aufgaben des Staates keinen Sinn. Adel und Kirche, die Säulen der damaligen feudalen Staatsordnung, hatten es sich mit Zehnten und Frohnden in diesem irdischen Jammerthale ja recht bequem eingerichtet, und kein Bedürfnis, durch- eine Zählung der arbeitenden Menschheit die Menge der von ihnen Unterdrückten festzustellen, und selbst der König in Thule „zählte nur seine Städte im Reich". Nur die damaligen Städterepubliken im südlichen nnd westlichen Deutschland hatten gelegentlich das- Verlangen, die Zahl ihrer Einwohner sestznstellen. Regelmäßige, sorgfältig vorbereitete und genau kontrollierte Zählungen fanden in den größeren Staaten erst seit deni 18. Jahrhundert statt, so z. B. zuerst in Schweden int Jahre 1748, in den amerikanischen Unionsstaaten seit 1790, in England und Frankreich seit 1801, in Preußen seit 1816, in Holland seit 1819, in Italien seit 1838, in der Schweiz seit 1841 und in Belgien seit 1846. Seitdem haben sich aber sämtliche Kulturländer dazu entschlossen, in regelmäßigen Zwischenräumen ihre Bevölkerungszahl festzustellen, wobei Großbritannien eigentlich das Meisterstück geleistet hat, indem es 1891 durch eine musterhaft angelegte Zählung binnen wenigen Stunden die Bevölkerungs- anfnahme seines Dreihundertmillionenreiches Ostindien durchführte. In den meisten Ländern wird nur alle zehn Jahre gezählt; hierher gehören Oesterreich-Ungarn, Großbritannien, Schweden-Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, die Schweiz, Italien, Spanien, Portugal und die Vereinigten Staaten von Nordamerika, während in Deutschland, Frankreich, Bulgarien und Serbien die Zählungen alle fünf Jahre erfolgen. Rußland hat seine erste allgemeine Volkszählung überhaupt erst im Jahre 1897 veranstaltet und bindet sich auch für die Zukunft ebenso wenig wie Griechenland an einen bestimmten Termin. So verschieden wie die Intervalle, sind auch die Zeitpunkte der Zählungen. Während Deutschland regelmäßig am 1. Dezember der Fünferund Zehnerjahre zählt, wird in Oesterreich-Ungarn nach dem Bevölkerungsstande der Jahrzehntwenden (31. Dezember 1890—1900 — usw.) im darauffolgenden Januar und Februar gezählt. Großbritannien zählt im April jedei» ersten Jahres der Jahrzehnte, also 1891, 1901 usw. Frankreich wählt den Mürz (oder April oer Jahre 1896, 1901 usw.; Spanien zählte zum letzten Male am Sylvestertage 1897; Rußland, welches eigensinnig noch immer am alten julianischen Kalender festhält, bestimmt den 28. Februar alten Stils als Zähltag, und die Nordamerikanische Union wählte hierzu den 1. Juni. Diese Verschiedenheiten des Termins haben natürlich zur Folge, daß die Gesamtbevölkerung Europas sich auch nicht für einen einzigen Tag annähernd genau bestimmen läßt, und daß die Fehler der Schätzungen sich immerhin auf etliche Hunderttausende belaufen. Von einer auch nur annähernd richtigen Feststellung der Einwohnerzahl der ganzen Erde sind wir aber noch unendlich weit entfernt; denn die Schätzungen der Bevölkerung Chinas schwanken allein zwischen 250 und 380 Millionen, und Afrika, der schwarze Erdteil, kann ebenso gut 200 wie 300 Millionen Menschen enthalten. Für Deutschland speziell wird die Zählung im diesjährigen Dezember den Beweis eines höchst erfreulichen Aufschwunges der Bevölkerung erbringen. Schon im 8. und 9. Jahrzehnt vermehrte sich trotz der erheblichen Bevölkerungsverluste durch Auswanderung die Einwohnerzahl um durchschnittlich 400 000 Köpfe im Jahr, sodaß sie von 41058 792 im Jahre 1871 auf 49 428470 im Jahre 1890 stieg. Seitdem aber hat die Volksvermehrung ein rapides Tempo angenommen; denn schon in den daraus folgenden fünf Jahren bis 1895 wuchs Deutschlands Einwohnerzahl auf 52 279 901, also um 2 815 431 Köpfe, was einer jährlichen Zunahme von 563 086 Personen gleichkommt. Im Jahre 1897 war sie bereits auf 53530 000, im Jahre 1898 auf 54 324 000 gestiegen, und da die Auswanderung sich auch in den beiden letztverflossenen Jahren in mäßigen Grenzen bewegt hat, kann Deutschland für den 1. Dezember d. I. auf eine Bevölkerung von rund 56 Millionen rechnen. Dieses Wachstum übersteigt das aller anderen ©taa* ten Europas, selbst jener, welche, wie Rußland, Ungarn und Serbien, eine ungeheuer große Geburtenzahl auszuweisen haben, der allerdings dort, wo ein Kindesleben keinerlei Wert hat, und die zärtliche Liebe, wie sie die deutsche Mutter für ihr Kind hat, das Neugeborene nicht umgiebt, eine überaus große Kindersterblichkeit gegenübersteht. Sie wird natürlich bei weitem übertrosfen von manchen transatlantischen Staaten, in welche sich fortwährend ein reicher Strom von Einwanderern ergießt, wird aber voraussichtlich noch lange der Gegenstand bittersten Neides seitens unserer französischen Nachbarn sein, bei denen ein ziemlicher Stillstand in der Volksvermehrung eingetreten ist und in manchen Jahren die Sterbeziffer die der Geburten sogar übertrifft. Es wird sich gewiß schon mancher darüber gewundert haben, warum inan in Deutschland gerade den Anfang des klimatisch häßlichsten Monats zum Zähltag gewählt hat, und nicht das Jahresende oder den Jahresansang. Für letzteres Datum spräche allerdings der Umstand, daß es mit dem größten Abschnitt unserer bürgerlichen Zeitrechnung zusammenfiele; im übrigen aber eignen sich Neujahr oder Sylvester aus vielen Wderen Gründen nicht für die Vornahme der Volkszählung. Die Zählung geht von der Wohnung oder dem Wohnhause als unterster örtlicher Einheit und Unterlage au§, muß also in eine Zeit fallen, in der die Menschen schon wegen der Witterungsverhältnisse zum Aufsuchen eines schützenden Daches geneigt sind und sich an ihren gewöhnlichen Wohnstätten befinden. Diesem Erfordernisse entspricht nun zwar die Winterszeit im allgemeinen; andererseits soll aber auch die Volkszählung zu einem Zeitpunkte stattfinden, wo der Vornahme derselben noch nicht gar. zu ungünstige Schneeverhältnisse auf dem Lande und im Gebirge entgegenstehen, was am Jahresschlüsse meistens schon der Fall ist; obendrein steht aber der Neujahrstag noch unter dem Einflüsse des Weihnacht-festes, welches Hunderttausende auf kürzere oder längere Zeit von ihrem gewöhnlichen Wohnsitze dorthin auf Reisen führt, wo sich ihnen im Kreise von Verwandten oder Bekannten die Möglichkeit bietet, das Fest, welches dem deutschen Gemüt am teuersten ist, weihevoll zu begehen. Aus allen diesen = 624 — erwachen) von E. Krüger. — Fächer No. 2 (wilde Rose) von C. v. Sivers. — Fächer No. 3 (Schwäne mit Umrahmung von Iris) von H. Schulze. — Kunstgewerbliches von der Pariser Weltausstellung von Professor Alfred G. Meyer. — Pariser Weltausstellung. Stuhl von Georg Hulbe. Hamburg. — Pariser Weltausstellung. Schreibmappe von Georg Hulbe- Hambnrg. — Vignette Buchzeichen. — SauermannS „Niederdeutsches Zimmer" auf der Pariser Weltausstellung mit Abbildungen nach Original- aufnahmen. — Dreieckige Platte für einen Stuhl in Brandtechnik mit erläuterndem Text. — Kissen für einen Stuhl aus Mahagoni-Holz. „Clematis." Applikations-Arbeit, mit erläuterndem Text. — Bordüre von Fliederblüten mit erläuterndem Text. — Eisdeckchen mit Vollbild. ; — Pariser Weltausstellung. Bibel von Georg Hulbe-Hamburg. — Thürfüllung. „Ein' feste Bnrg ist unser Gott" von C. v. Sivers und Ilse Schütze. Jntarsia-Arbeit. — Kopfleiste von Hans Schulze. — „Menü-Karten" mit Illustrationen. — Menü-Karte (wilde Rosen mit Medaillon), nach einem Aquarell von C. v. Sivers. — Wildente, nach einem Karton in Aquatinta von H. Meyer-Kassel. — Rosen, Aquarell von C. v. Sivers. — Kaminschirm: „Iris" in Oelmalerei nach Originalaufnahme. — Tischdeckenmuster, Goldfische und Algen, von R. Krüger. — Stilisierte Rose, Zeichnung für Mappen von E. M. Lilien. — Kleine Truhe mit Brandmalerei, Deckel und Vorderansicht. (Modell und Be- schreibung.) — Spiegel- oder Bilderrahmen von Prof. G. Doepler d. I. — Tiefbrandtechnik. — Amateurphotographie mit Vignetten nach Aus- I nahmen von getrockneten Pflanzen, desgl. 3 Reproduktionen nach Amateur- | aufnahmen von Originalgemäldcn „Stillleben". Von C. v. Sivers. — 'Gründen aber eimiet sich der 'Dezemberanfang am besten i Die Freude an der ausübenden Kunst findet m immer mehr Familien für hi- Voruabme der ßäbluna I -üie Heimstätte; darum ist obgedachtcs Unternehmen, welches sich zum 1 wäre ein verbältuismäßia I Ziele setzt, dieselbe zu beleben und den Liebhaberkünstlern mit Rat und rrn ganze Zahlungwert WMe em veryaklmsmaßrg 1 g gehen, mit Freuden zu begrüßen. Wir glauben es emfacycw, wenn auf weiter nrchts ankarne, alv dre an I . g empfehlen zu können, als dadurch. daß wir das reiche Jnhalts- einem bestimmten Tage vrtsanwesende Bevölkerung zrssern- I Verzeichnis des ersten Heftes hier wiedergeben und so in dem Leser den mäßig frstznstellen. Thatsächlich kommen ja Mich schon I Wunsch nach näherer Bekanntschaft mit der unseres Ermessens höchst wenige Tage nach! dem Zahlungstermine Mitteilungen über I aussichtsvollen Zeitschrift wecken. Die Rainen sämtlicher Autoren haben die Bevölkerungszahl gerade der größten Städte, die ein I einen dermaßen guten Klang, daß ihrer Arbeit reicher Erfolg ge- Uilgesäyres Bild über das Wachstum dieser wichtigen Ge- I sichert ist. a . meinwesen geben, in die Zeitungen. Auch die einzelnen I Inhaltsverzeichnis von Heft 1: Mlettantismus und Kunsthandwerk ~\Sh(|1 nAnnhnliA^'iihlihrte her gäblkarten aus- I von vr. Peter Jessen, Direktor am Kunstgewerbe-Museum m Berlin. Oiadte, welche gewohnnch Dustnrare oer Zaykrarlen ar s I fSBiflnette„ „ach getrockneten Pflanzen.) — Muster für ein Rückenkissen süssen lassen, benutzen drefe Gelegenheit, um sich da» not- I p tel @r8ge> Orchidee." Applikations-Arbeit von R. Krüger. — lvenüige statistische Material Uber ihre Bevölkerung zu ver- I Muster für Point-Laee-Arbeit in modernem Stil (achteckiges Milieu), schaffen. Dann beginnt die stille, nach außen hin unmerk- I Eutworfen von R. Krüger. — Mittelstück einer Sammelmappe für bare Arbeit, die Millionen und aber Millionen von An- I Hochzeitstelegramme von Stüler-Walde. — Muster für ein Toilettenkissen gaben nach verschiedenen statistischen Gesichtspunkten z,u I von R. Krüger. — Zwischensatz oder Spitze für eine Decke von R. ordnen, bis nach drei bis vier Jahren endlich die endgil- I Krüger. (Mit Text.) — Einiges über Fächer nebst Abbildungen von tigen Ergebnisse ermittelt sind und in einer umfangreichen I Fächergestellen nach Originalausnahmen. - JMerJlo 1 ®ru^ tngä= Aufstellung des statistischen Amtes veröffentlicht werden. ' — Nower No. 2 lwilde Roiel von C. v. Sivers. Die Hauptarbeit kommt aber erst, wenn das ungeheure Zählkartenmaterial an die Centralstelle abgeliefert ist. Nun erst erfahren wir die genauen Angaben über die Anzahl der Wohnungen und Haushaltungen, über die Verteilung der Geschlechter, über den Geburtsort, das Lebensalter, den Familienstand, das Glaubensbekenntnis, die Staatsangehörigkeit, die Nationalität und Sprache, Beruf, Haus- und Grundbesitz. Kenntnis des Lesens und Schreibens, körperliche und geistige Gebrechen, dauernd oder zeitweilig Abwesende und noch manches andere, was bei jeder Volkszählung als wissenswert neu hinzukommt. In manchen Ländern, wie z. B. in Oesterreich, Frankreich, Belgien und Holland, erfolgt die Verarbeitung des Urmaterials in dezentralisierter Form bereits für kleinere Gebiete durch d ie lokalen Behörden, und es erübrigt dann nur, an der Centralstelle die Gesamtübersicht herzustellen, was in verhältnismäßig kurzer Zeit möglich ist. Zuverlässiger sind die Resultate dort, wo, wie in Deutschland, England, Ungarn und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika das Urmaterial nach örtlicher Kontrolle und Revision unmittelbar an die statistische Centralstelle ge- geben-wird. Dort bedient man sich, um sichere Ergebnisse I Briefkasten. . zu erzielen, in großem Maßstabe automatisch arbeitender 1 Beilage 1 zu Heft 1: Bordüre für Paplerkorbe, Veilchen. — Zeich- Zählmaschinen Besonderes Interesse beanspruchen hier- I nung einer Mappe (stilisierte Rose) von E.M. Lilien. Raiidverzlerung ZtoZhMm gäblwerke wie sie in Oesterreick im I und Modell einer Sammelmappe für Hochzeitstelegramme m Original, ver die elektrllchen Zahlwerte Wie: ne: m Oe rerrem) im l Konturzeichmmg von R. Krüger für den Kammschirm. Gebrauch sind. Mehrere hundert Hilfsarbeiter stellen m I ■_ Ajs^nmuster für einen Stuhl aus Mahagoniholz. (Abbildung und monatelänger Arbeit für jede gezahlte Person^ sogenannte I Beschreibung.) — Füllung für eine Schrankthür. „Ein' feste Burg ist Zählblättchen von akkurat abgemessener Große her, auf I unjer Jntarsia-Arbeit. (Abbildung und Beschreibung.) welchen an bestimmten Stellen mittelst der sogenannten I Beilage 2 zu Heft 1: Achteckige Decke. — Kerbschnittmuster für Lochmaschine Perforierungen vorgenommen werden, die I eine BortMung. — Croeusbordiire für Ofenschirme, Portieren, Decken -e. den Einzelanqaben der betreffenden Person entsprechen. I — Konsol für das Wandbort. — Dreieckige Stuhlplatte in Brandtechnik Wenn dies erfolgt ist, wird jedes einzelne Zählblättchen I zur Abbildung und Beschreibung in Heft 1. — Umrahmung für Spruche, auf die Platte des Zählapparates gelegt, in welcher sich, I wid Kalender H^kwandvorlagen aus dem Berlage von entsprechend der Lage aller einzelnen Zeichen des Zähl- I 2Ö- schultz-Engelhard, Berlin.----------- blättchens mit Quecksilber gefüllte Vertiefungen befinden. I Die im Verlage von Karl Grüninger in Stuttgart erschei- hierauf wird aus das Zählblättchen eine zweite, mit leicht- I nende illustrierte Familienzeitschrift „Echo vom Gebirge" wird mit nertitaten adeln ueriebene Platte aesentt. I Necht das 8ledlingsdlatt der Zitherfpleler genannt. DaZ Blatt, Zeickenlaae entsvreckenden das die Interessen des Zitherspiels vertritt, ist sehr hübsch ausgestattet Dwfe letzteren sind Ui "ne- der Zmcl) g fiprnp(Lrrh>n I und Bringt neben belehrenden musikgeschichtlichen und musikpädagoglschen Stellung angebracht und dringen durch die hergeswilwu I ^rtWe(n Beurteilungen neu erschienener Zitherstücke, auch Unterhaltendes Löcher in das Quecksilber em, wahrend sie an jenen Stellen, I gonn von spannenden Erzählungen und Humoresken, Rätsel usw., an welchen das Zählblättchen nicht durchlocht ist, zuruck- I ferner Konzertberichte und Konzertprogramme, welche über die Thätigkeit aehalten werden. Durch die Einsenkung der Nadeln in I ,n Streifen von Zitherspielern orientieren. — Jede Nummer enthält das Quecksilber wird aber ein elektrischer Strom geschlossen, I wertvolle Musikbeilagen in Münchner Stimmung. (Preis Mk. 1.20 wodurch die Zeiger der zum Zählapparat gehörigen, mach I vierteljährlich.) Probenummern versendet die Verlagsbuchhandlung der Verschiedenheit der einzelnen Erhebungsmomente ver- I Karl Grüninger in Stuttgart gebührenfrei. schiedenen Zähluhren um je eine Ziffer vorgerückt werden. I Tas Arbeiten dieser Zählmaschinen, deren Beschreibung I Auszahlratsel. wir dem Werke Dr. Heinrich Mayrhofers von Grünbühel I Nachdruck verboten, über die Volkszählung in Oesterreich entnehmen, das die I EISMRCAEEHR Volkszählungen aller Länder, besonders aber auch Deutsch- I Vorstehende 11 Buchstaben sind mit einer bestimmten Zahl aus- lands berücksichtigt, schließt jeden Irrtum aus und ge- I zuzählen, wobei mit dem ausgezählten Buchstaben immer wieder begonnen stattet eine staunenswerte Gewinnung der Endresultate. wird. Die Buchstaben bezeichnen in der Reihenfolge ihrer Auszählung " 1 __ I den starken Schutz des Reiches. , I Auflösung folgt in nächster Nummer. Ciiterarifdtes. I ---- Knnsta-w--b- fürs Haus. Illustrierte Monatszeitschrift für Auflösung des Zifferblatträtsels in vor. Nr.: ^Dilettanten Herausgegebeu von C. v. Sivers. Preis viertel- I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII jährlich Mk. 4,50. Verlag von W. Schultz-Eugelhard, I DAN KER N A DELE Berlin Potsdamerstraße 43. I Dan, Dank, Anker, Kern, Erna, Nadel, Adel, Adele, Leda. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Eitel ■ÜBSIil Unt EE fest, d< in eint schien, stunde Frau) jh Ha selbst gegen Hebert! Erkun ihr so es für Mag! eine i einem zu fck teurer gar r sagte" war, durch q Es w hatte ihn her" flecke druck glänz die