aMSDSBT «MW ^^PjÜ'jTOT MM d^MlWE V(;.: ilu’Z » er genießt seinen Reichtum am meisten, der desselben am wenigsten bedarf. Seneca. Nachdruck verboten. Roman von E l s b e t h M e h e r - F y r st e r. (Fortsetzung.) Nettchen nahm die Puppe, und einen Moment war es ihr, als sei diese ein lebendes Wesen; sie glättete mechanisch die zerknitterten, altmodischen Kleider, die Pauls Mutter so sorgsam genäht hatte, daß noch heute keine geplatzte Naht zu finden war. „Ja, Großmutter", sagte sie leise, „die ist Euch auch treu geblieben. Wen Ihr mit Eurer Liebe beschenkt habt, der kann von Euch nicht mehr los, und wenn ich auch« draußen in der Welt geglaubt habe, ich könnte ohne Euch fertig werden, der Tag kam nur zu rasch, wo mich's Heimtrieb." „Du Vagabundenmariell", sagte die Großmutter zärtlich, „wie ist es möglich, daß Du da draußen, bei die Seil- Hüpfer und Bänkelsänger, Dein Glück gesucht hast! Und jetzt, wo Du solltest gewitzigt sein, is Dein erster Weg wieder in'n Zirkus 'nein." „Nicht mein erster", rief Nettchen aus. „Wie bin ich herumgelaufen, Großmutter, um Beschäftigung zu finden, und wie dankte ich Gott, als ich im Zirkus einen Platz als Garderobenfrau erhielt. Das ist ein Beruf, so ehrlich und solid wie jeder andere, und ich bin glücklich, daß ich meinen Unterhalt verdiene." „Ich wäre man nich' geeignet dazu", sagte hartnäckig die Großmutter, „daß ich die fremden Frauenspersonen in die Röcke hülfe." Sie war an den Tisch getreten und rückte am Kaffegeschirr herum, und über Nettchens Gesicht flog bei dieser kleinen Szene, die ihr so viele ähnliche, heitere Mdmente ins Gedächtnis zurückries, seit langer Zeit wieder ein schelmischer Zug. Alle ließen sich am Kaffeetisch nieder, und es war, als sei eine fröhliche Stimmung in die stillen Räume eingekehrt. Paul der Jüngere vor allem konnte sich nicht halten, und gab seinem so lange verschüchterten kleinen Uebermut einen freien Ausdruck, indem er unter dem Tisch mit der Fußspitze die Kniee der Dasitzenden abwechselnd berührte und in ein erstickendes Gelächter ausbrach, wenn man nachsah, ob da unten ein kleiner Hund vorhanden sei. Alle wurden von dieser beseligten Lustigkeit des sonst so ernsten Kindes angesteckt, selbst Paul der Vater lächelte. „Ich weiß nich", sagte die Großmutter, „es is gar nich' als ob's Herbst geworden wäre, es is so warm wie Frühling." Und sie ging ans Fenster und öffnete es mit einer freudigen Bewegung, und ließ die frische, sonnige Oktoberluft in das Zimmer dringen. „Eins möcht' ich doch", ries Nettchen, die das Kind auf ihren Schoß gezogen hatte, und es wie einen Vogel fütterte, „ich möchte mit Euch hinaus, einen Spaziergang machen. Komm, Großmutter, ich zieh' Dich an, und wir gehen zu Fuß über die Heide nach Berlin und besuchen das Geschäft." Pauls Gesicht hatte sich wieder verdüstert. Bei der Erinnerung an dieses Stück praktischen Lebens mit seinen Forderungen glitt die alte Abspannung über seine Züge, ein Widerwille, der so stark war, daß er sich förmlich durch Gramfalten in seinem Gesicht ausdrückte. „Ach ja, geht, seht einmal zum Rechten", sagte er. „Ich habe noch zu schreiben, ich bleibe lieber zu Haus." „So is er immer", sagte die Großmutter traurig, als sie mit Nettchen und dem Kinde das Haus verlassen hatte. „Der Mut züm Leben is 'weg, mein Kind, und wenn ich sterbe, bleibt unser kleines Pauleken hier ohne Licht und Sonne zurück." — Sie schritten langsam weiter, beide in Sinnen verloren. Das Kind ernsthaft vor ihnen her. Es war still in der weiten Haide, nur ab und zu tauchte vereinzelt eine kleine Knabengruppe auf, die einen Drachen in die Luft steigen ließ. Ein leichter Wind strich über das niedrige, dünne, schon gelb gefärbte Gras, spielte mit den Mänteln der Kinder, und trieb die papiernen Gebilde leicht und sicher in die Höh, daß sie zuletzt wie winzige Punkte im klaren Aether schwammen. Der Klang der Kirchenglocken, die das Ende des Gottesdienstes ausläuteten, tönte von Berlin herüber, und ging in Schwingungen über das stille, gleichsam sonntäglich verstummte Land. „Großmutter", sagte Nettchen, „dort ist die Hasenheide!" Sie war stehen geblieben, und schaute hinüber, eine kurze, glühende Sehnsucht durchzuckte ihr Herz, „Warum muß ich weinen, Großmutter", schlmhzte sie, „es ist doch nichts weiter gewesen da drüben — kein Glück und nichts — und doch ist Mir's so seltsam wenn ich hinüberschaue." — — „Es is nichts weiter gewesen, Nettchen", sagte die alte Frau, „kein Glück weiter, das wir mit Augen fassen können — mein Kind — aber es is Deine Jugend, die Du da drüben siehst, und um die Dir's weh thut." — Sie schritten weiter, und Nettchen hielt nun innig den Arm der alten Frau gefaßt. „Sie ist noch nicht vorbei, —■ und sie soll nicht vorbei - 238 — fein, Großmutter", sagte sie. „Wenn ich Dich ansehe mit Deinen zweiundachtzig Jahren, und wie frisch Dein Herz noch ist, da schäme ich mich, daß ich schon der Jugend Lebewohl sagen will. Das waren aber auch heut die letzten Thrünen. Es ist eben immer noch alles käpnt hier innen — von allem was geschehen ist — jetzt aber wird Mut gefaßt und an Deinerstatt in den Kampf getreten." Die Großmutter sah Nettchen prüfend an. „Ja, Großmutter", fuhr Nettchen fort. „Jetzt wirst Du mich müssen gewähren lassen, daß ich für Dich die Sorgen aufnehme; denn der Paul ist krank, an Leib und Seele, genau so wie ich's eine zeitlang war. Der muh erst wieder zum Leben aufwachen." „Wie willst Du die Sorgen aufnehmen, Du thörichte Martell’", wandte zärtlich die Großmutter ein. „Als Geschäftsführer tret' ich ein in Euren Laden!" rief Nettchen mit dem früheren Uebermut. „Ich und Euer brummiger, junger Mann wir werden uns schon vertragen. Und da paß Du nur auf, wie wir die Karre bald in Gang bringen werden, — daß Du und Paul noch als Rentiers in die Villenkolonie ziehen könnt." — — — In die Kellerwohnung der Drogenhandlung drang ein fahler Schimmer der Mittagssonne. Karl saß, die Arme aufgestützt, am Eßtisch, und beobachtete stumpfsinnig die ineinanderquirlenden Stäubchen, die in dem Sonnen- sfreisen über dem Tische tanzten . Von der Straße her vernahm man durch das halb offene Fenster das Scharren der Füße Vorübergehender, und wenn man den Blick nach dem Fenster wendete, konnte man wie in einem Schattenspiel endlose Prozessionen vorbeigleitender Gestalten sehen. Seit einer Stunde faß er da, den Kops in die Hand gestützt, und grübelte vor sich hin. Oben im Läden, der für die zwei Sonntagmittag-- stuuden geöffnet war, hörte er die Stimme seiner Frau, der alten Brinkmann, und eine dritte, Helle, klare Stimme, deren Lauten er düster lauschte. Dazwischen vernahm man Kindergejubel und Trappeln kleiner Füße, — das waren Paul und seine eigene kleine Tochter Anna, die sich gegenseitig im Laden herumjagten. — Die fremde, Helle, klare Stimme! Er konnte es noch immer nicht fassen. Er begriff diese Begegnung einfach nicht, diesen Zufall, der so hart in die Vergangenheit und ihre unseligen Stunden zurückgrisf. Brinkmann's Pflegetochter! Dieses Gauklermädchen, bent er nachgeirrt war, dessentwillen er seine Familie verlassen hatte, — Paul Brinkmanns Jugendfreundin! Sein Verstand begriff es nicht. — Er vergegenwärtigte sich den ersten Moment, das Wiedersehen. Ihm hatte vor Schreck, vor Fassungslosigkeit fast das Herz still gestanden. Sie aber hatte ihn kaum wiedererkannt. Mit stotternden Worten war er ihrem Gedächtnis zu Hilfe gekommen. Es sollte klar werden von Anfang an, sie sollte fühlen, daß zwischen ihm und ihr und seinem Weibe und Kinde keine Gemeinschaft bestehen konnte. Aber sie hatte ihn nur mit unbefangenen Augen staunend angeblickt — dann war ein Lächeln des Erstaunens über ihre Züge gegangen. „Karl, der Knecht aus der „Sonne"! Freilich weiß ich' es noch!" Uud wie Wellen eines Baches wären Fragen über ihn hergestürzt, Erinnerungen an „dazumal", während ihre Augen schon wieder ernst und fragend über die neue Umgebung glitten, alles zu prüfen, alles zu durchdringen suchten. Der ehemalige Knecht hatte in Verwirrung vor ihr gestanden, — ja das war dasselbe kühne, reizende und lebhafte Gesicht, das ihn mit dem hellen Lächeln so verwirrt hatte, aber doch war etwas anderes in den Zügen, — ein Ausdruck von Sanftheit, von Festigkeit, etwas für das er keine Erklärung sand, und das ihm doch einige Scheu einflößte. „Das Fräulein soll bei uns eintreten ins Geschäft", sagte Anna, welche die beiden Frauen zuerst begrüßt und erst nach längerer Zeit ihren Mann hinzugerufen hatte. „Wir haben schon alles durchgesprochen; für den Herrn Paul soll's noch eine Weile eine Ueberraschnng bleiben". Und Karl war wieder hinuntergeschlichen, in den Keller, schuldbewußt und von Abwehr und Zorn erfüllt, von düsterer Unruhe und ohnmächtigem Groll. ,@r öffnete das Kellerfenster und lehnte sich ans das niedrige Sims. Auf den Gteinfliesen vor feinen Blicken lag nun kein Sonnenschimmer mehr, der war emporgeglitten, an den Häusern hinauf, und schien nun in die klaren Fenster her Reichen. War es nicht mit seinem Leben so? Das war auch ein Kellerdasein, und nur einmal war das goldene Licht hereingedrungen, damals, als er mit dem fremden Mädchen durch den Wald zog, und sie das Lied vom Wandern fangen. — Ein Luftzug streifte seine Stirn, er blickte sich um und sah seine Fran durch die Thür eintreten. „Karl", sagte sie, indem sie näher trat und schüchtern ihre Hand auf seinen Arm legte, „das Fräulein will gleich worgen eintreten, da wird es dann auch für uns besser werden. Dann brauchst Du Dich nicht mehr so abzuplagen, und ich habe dann einen Menschen, mit dem ich ab und zu einmal plaudern kann. Man wird so stumm hier unten int Keller, es ist, als legte sich einem mitunter die Decke aus den Kopf". Er blickte sie an, und senkte dann die Augen zu Boden. „Ja", fuhr Anna fort, indem sie mit scheuer Zärtlichkeit seine Hand ergriff, „ich freu’ mich auf sie, und Du mußt kein so finsteres Gesicht machen. Wie sie mit unserem Mädel umgeht!" fügte sie hinzu und ein mütterliches Lächeln verschönte für einen Augenblick ihr Gesicht. „Das merkt man, daß sie selbst eine Mutter ist — sie hat ihr Kind begraben, dort bei Paris herum, wo's nicht mal Blumen auf den Gräbern giebt. Ihr Mann"-- Sie brach ab, Und blickte erstaunt aus ihren Mann, der in den Packraum getreten war, und mit den Fässern herumzurumoren begann. ,-Willst Du nicht weiter hören" — sagte sie. „Nein", entgegnete er. Und er warf die Jacke ab, und trotz der Sonntagsruhe begann er mit seinen schwieligen Händen in den beißenden Laugen herumzurühren — als gelte es seine Seligkeit.---- Nettchen trat, nachdem sie ihre Verpflichtungen bei Renz gelöst hatte, mit Eifer in das Geschäft ein. Es war ihr klar: Hier war vieles Vernachlässigung, Und für den, der frischen Mut mitbrachte, konnte es nichts unmögliches sein, das Ladengeschäft bei den neuen, günstigen Verkehpsverhältnissen wieder in Schwung zu bringen. Die Leute, welche ihren Bedarf aus irgend welchen zweckmäßigen Gründen in Prechtlers Drogenhandlung zu decken gedachten, machten zunächst sehr erstaunte Augen, als sie statt des finsteren Menschen mit dem entstellten Gesicht eine junge Frau in adretter Kleidung, mit blendend weißer Schürze, gekrausten Haarlöckchen und seht zierlicher Taille hinter dem Ladentisch stehen sahen. Die weiblichen Käufer mußten natürlich sofort auf der Stelle wissen, welche Bewandtnis es mit dieser Veränderung habe. Nettchen war durchaus nicht daraus bedacht, ihren Fragen auszuweichen. Sie wußte, kannte sehr genau die Hauptschwäche ihrer Mitschwestern, und ihr Talent, die schwachen Seiten der Menschen zu erfassen, verließ sie auch hier nicht. Ohne ihre innersten Angelegenheiten zu berühren, erzählte sie von Paris, von ihrer früheren Laufbahn, von Schicksalen und Dingen, die sie in. ihrem wechselvollen Dasein mit scharfem Auge draußen in der Welt beobachtet hatte, und die ihre lebendige Phantasie von dem grauen Hintergrund des Alltäglichen abhob. Die geschwätzigen Kundinnen blieben gern noch ein Viertelstündchen stehen, um ihren Senf zu allem, was sie da neues und unterhaltendes hörten, dazuzugeben. Plötzlich fiel ihnen ein, daß sie noch Seifenpulver zur nächsten Wäsche mitnehMen oder sich „bei der Gelegenheit" gleich das Petroleum ins Haus bestellen könnten. Gleichgiltig, als sei es das natürlichste von der Welt, notierte Nettchen die Aufträge. Aber ihr fröhlich erwachtes Kaufmannsherz schlug in lauten Schlägen, die Hand, die den Bleistift führte, zitterte vor Freude, und sie mußte den Kopf tief in das Buch hinabbeugen, um das lebhaftere Rot der Wangen zu verbergen. ,■ So war gleich mit der ersten Woche ein guter Anfang gemacht, und der Sonntag, wo Paul im Geschäft erscheinen, erstaunt seine neue Verkäuferin gewahren, und aus ihrer 239 Hand die ersten Erfolge entgegennehmen würde, beschäftigte Nettchens Phantasie in unzähligen Bildern. Die "Bor- und Nachmittage wurden ihr nicht lang, und die Abende, an denen es stiller wurde, die Thür- glocke nur noch selten klingelte, und die weißblaugoldenen Schubfächer mit den blitzenden Metallknöpfen geheimnisvoll geschlossen blieben, gehörten dem Gedankenaustausch. (Fortsetzung folgt.) Einiges über den schwarzgrauen Fliegenschnäpper. Beregter Schnäpper, der auch den Namen Fliegenfänger führt, gehört zu den Wandervögeln. Er kommt erst Mitte April von seiner weiten Reise aus dem Innern Afrikas zu uns nach Deutschland zurück. Das Gefieder unseres Schnäppers ist auf dem Rücken dunkelgrau bis schwarz; am Bauche ist er weist oder schmutzig-weiß, der Schwanz und die Schwungfedern sind schwarz. Die Weibchen und die Jungen, die sie in wahrhaft rührender Weise zu hegen, zu pflegen und zu schützen suchen, sind oben braungrau und unten schmutzig weiß. Aus dem Namen des schwarzgrauen Fliegenschnäppers kann man schon schließen, daß er besonders Fliegen vernichtet; außerdem verzehrt er aber bei seiner großen Gefräßigkeit noch sonstiges fliegendes schädliches Geschmeiß, wie Mücken, Fliegen, Motten, Schmetterlinge, vorzugsweise die kleineren Spanner und Wickler, Bremsen u. a. Alles wird von den Fliegenschnäppern während des Fluges aufgeschnappt, selbst Tiere, die sich in Rühe an einem Orte befindens, werden von denselben erst aufgescheucht und dann im Fluge verzehrt. Das kunstlose Nest, das unser Fliegenschnäpper auch gerne in aufgehängte Nistkästchen baut, besteht aus Wurzelfasern, Moos, Federn und Pserdehaaren. Die Zahl der rostigbefleckten Eier beträgt 5—6 Stück, die vom Weibchen und Männchen sorgfältig abwechselnd bebrütet werden. Da die Fliegenfänger am liebsten Obstgärten, lichte Vorhölzer und Waldungen zu ihren Wohnplätzen wählen, so ist wohl mit Recht daraus zu schließen, daß an diesen Plätzen ihre nutzbringende Thätigkeit hauptsächlich zur Geltung kommt. Die Menschen haben darum gewiß Ursache, diese Vögel durch Aufhängen von Nistkästen zu hegen und herbeizulocken. Schließlich bitte ich nun noch meine verehrten Herren Kollegen, den Fliegenschnäpper ihren Schulkindern klar vor die Augen zu stellen, und ihnen die große Nützlichkeit desselben zum Bewußtsein zu bringen. Gießen, im April 1900. H. Curschmann. Der verblüffte Zeuge. Nachdruck verbotet Der Herr Rechtsanwalt stellte ein scharfes Kreuzverhör mit den Zeugen an. In dem Bestreben, alles mögliche zu thun, um sie zu verwirren, verlangte er plötzlich, sie sollten „lauter sprechen". Der Letztaufgerufene beschloß, den Rechtsanwalt beim Wort zu nehmen; er antwortete auf die erste ihm gestellte Frage, wie er heiße, mit lautschallender Stimme: „John Brown, Herr-r-r-r!" „Ich vermute, Sie haben heute morgen getrunken?" fragte der Rechtsanwalt streng. „Ja, Herr-r-r-r", antwortete der Zeuge noch lauter. „Das dachte ich mir", sagte der Rechtsanwalt triumphierend. „Was haben Sie getrunken?" „Kaffee, Herr-r-r-r", schrie der Zeuge. Ein Gelächter aus dem Zuhörerraum brachte den Anwalt eine zeitlang außer Fassung; als sich die Heiterkeit gelegt hatte, fragte er: „Ich vermute, Sie hatten noch ein bischen was anderes in Ihrem Kaffee, nicht wahr?" „Ja, Herr-r-r-r", war die Antwort. „Ah, nun kommen wir zur Sache!" sagte der Anwalt triumphierend zu den Geschworenen. „Nun, mein Guter, fürchten Sie sich nicht, sondern erzählen Sie den Geschworenen offen, was Sie in Ihrem Kaffee hatten." Der Zeuge füllte seine Lungen für eine füMtertMe Anstrengung und donnerte: „Einen Löffel, Herrrrr." Die Richter, die Geschworenen und die Zuhörer bogen sich vor Lachen, und der quälerische Anchalt verlor fein« Fall. _____________ Alles ist eitel! NaKwuck verboten. Sonne und Mond gerieten in heftigen Streit, wer von ihnen die größeren Vorzüge besäße; denn die Verehrung der Menschen hatte sie eitel gemacht. Die Sonne aber blieb nicht bei der Sache und rief: „Die Dichter sind Narren; denn nur Narren können dein Grinsen ein freundliches Lachen nennen." Da schrie der Mond: „Wie, du nichtswürdiges Weib, du willst dich über mein Gesicht lustig machen! Stierst du nicht die Menschen an, daß sie deinen Blick nicht ertragen können?" Jetzt fühlte sich die Sonne aufs tiefste verletzt; sie zog sich zurück und wollte nicht mehr leuchten. Der Mond aber, den es bitter kränkte, daß sein faules Weib gar nichts mehr thun wollte, befahl den Sternen, alle Fackeln auszulöschen, und legte sich schlafen. Finster war es aus dem ganzen Erdenrund. Da begannen die Menschen fürchterlich zu jammern; denn sie rannten sich gegenseitig die Köpfe ein und konnten nicht Speise noch Trank finden, noch auch: die notwendigsten Arbeiten verrichten. Der Mond erwachte, und als er das Elend der Menschen sah, rührte es ihn tief; denn er hatte im Grunde kein schlechtes Herz. Er ging zu seiner Frau und» bat höflich: „Liebe Sonne, leuchte doch wieder, damit der Jammer da unten ein Ende nimmt." Die Sonne aber blieb gefühllos und lachte den demütig Bittenden aus. „Sn allen liebeln ist die. Eitelkeit der Weiber schuld", sagte der Mond, feinen Aerger hinunterschluckend. „Doch es ist gut! Du sollst Ruhe haben. Ich aber will kein Auge zuthun und den Menschen Tag und Nacht erhellen." „Nein, nein!" rief jetzt schnell die eitle Sonne; denn sie fürchtete, der Mond werde sich durch seine Liebenswürdigkeit allein die Verehrung der ganzen Welt erwerben, „du möchtest wohl gern allein regieren. Mach' nur, daß du wieder an deine Arbeit kommst, und laß mich die meinige verrich'ten." GenreßMiMtziges» Ein Vorteil bei Flickarbe it. Für die Hau<- frau, die genötigt ist, Herrenlleider selbst auszubessern, ist es oft schwer, die Nähte der eingesetzten Stückchen glatt zu bringen. Selbst der Bügelstahl thut oft die erwartete Schuldigkeit nicht. x Man schiebe daher unter die Naht ein kleines Brett, lege ein sehr nasses Tuch auf die Naht und bügle mit einem recht heißen Bügeleisen darauf. Rach dieser Behandlung wird die Naht unsichtbar sein. Gedrückten grau gewordenen Sammet wieder au fzu frisch en. Man legt ein nasses Tuch um ein heißes Bügeleisen, um Dampf zu entwickeln, lieber diesen Dampf zieht man den Sammet langsam hin und her, bis die Fasern an der Druckstelle sich wieder aufrichten. Alsdann läßt man den Sammet beinahe trocken werden und hält jhn, lwenn dies geschehen,, entweder zu Zweien recht stramm, oder spannt ihn auf einen Holzrahmen; hieraus wird ein weiches Läppchen in Petroleum getaucht, und der gespannte Sammet aus der rechten Seite mit demselben leicht bestrichen. Ist das Petroleum verdunstet, und sein übler Geruch in der frischen Luft verschwunden, so ist der Sammet wie neu. FürdieReinigung von Teppichen empfiehlt man folgendes Verfahren: Nachdem die Teppiche gut ausgeklopft und gebürstet sind, tränkt man Sägespäne mit Benzin und reibt damit den Teppich so lange ab, bis die Sägespäne rein bleiben. Große Teppiche bestreut man 1 Zentimeter hoch mit Sägespänen, die mit Benzin getränkt, und genügend feucht sind, um sich streuen zu lassen. Mit Walzen, ähnlich wie Gartenwalzen, walze man den Teppich Strick für Strich ab. Dann kehre man die — 240 — Sägespäne ab und wiederhole das Verfahren. Einige Zeit daraus entfernt man etwaige zurückgebliebene Flecken aus dem Teppich, die durch die Benzinreinigung nicht entfernt worden sind. Dasselbe Verfahren gilt auch bei der Naßwäsche großer Teppiche; nur benutze man hierzu statt Benzin eine Sodaauflösung zur Befeuchtung der Säge- späne. Man sorge, daß die Walze nicht zu sehr auf- driicke und daß nicht eine Befeuchtung der Rückseite des Teppichs stattsindet. Kleine Teppiche frischt man sehr schön auf, wenn man sie nach dem Ausklopfen über einen kurz geschorenen feuchten Rasen zieht oder im Winter reinen Schnee darüber kehrt. Man nimmt nach dem Klopfen und Bürsten einen Eimer Regenwasser, fügt acht Eßlöffel Salmiakgeist und fünf Eßlöffel Branntwein hinzu und reibt den Teppich strichweise damit mittels eines reinen Scheuertuches ab, welches man nicht zu fest ausdrückt. Für einen kleinen Teppich wird ein Eimer dieses Wassers genügen, für größere muß man das Wasser mehrere Male erneuern. Mr die Küche. Theekannen zu reinigen. Metallene Thee- rannen laufen häufig innen dunkelbraun an. In solche Kannen thut man ein Stück Soda, löst es mit kochendem Wasser auf und läßt |bie Lauge mehrere Stunden stehen. Dann scheuert man den Theetops mit der Sodalösung aus, spült mit kaltem Wasser nach und wird freudig gewahren, daß das Innere sich ebenso leuchtend blank präsentiert, wie das Aeußere. Hecht mit Krebssauce. Ein großer Hecht wird ausgenommen, geschuppt gehäutet, mit Salz, Pfeffer und geriebener Muskatnuß bestreut, in ein passendes Gefäß gelegt und mit einem halben Liter Weißwein und dem Saft einiger Zitronen begossen. Man läßt den Hecht bis zum folgenden Tage in dieser Marinade liegen, wendet rhn während dieser Zeit oftmals um, und nimmt ihn erst eine Stunde vor dem Gebrauch heraus, gießt die Marinade einen Sieb, rührt von der Hälfte derselben und 70 Gramm Mehl, 80 Gramm Butter und fünf Eidottern einen dicklichen Brei, in welchem man den Fisch taucht. Alsdann bestreut man denselben mit geriebener Semmel und geriebenem Parmesankäse, brät ihn in reichlicher Butter unter fleißigem Begießen im Ofen gar, und giebt ihn nebst einer Krebssauce zu Tisch. Vermischtes. Ein Pariser Mäßigkeitsrestaurant. Der Kampf gegen den Alkoholismus hat in der französischen Hauptstadt zu einer Einrichtung geführt, die alles Lob verdient. In der Vorstadt St. Antoine ist ein Mäßigkeitsrestaurant eröffnet worden, das von der Arbeiterbevölkerung ches Viertels stark besucht wird. Dieser Versuch ist als ein Erfolg des letzten Kongresses des Alkoholismus anzusehen, indem dort ein Pariser Arzt, Dr. Legrain, und dessen Frau eine Subskription auflegten, um zur Gründung eines solchen Lokals die nötigen Mittel zu beschaffen. Eine anonyme Zuwendung von 25 000 Francs gestattete die baldige Verwirklichung des Planes. Wie alles neue, so fordert auch die Anstalt die Kritik in mancher Beziehung heraus, aber der Erfolg des Unternehmens kann als sicher gelten. Das Restaurant gewährt seinen Besuchern ein angenehmes Heim. Die Arbeiter finden dort Bücher, Zeit- ungen und Briefpapier, und können sich dort wohler fühlen, als in der gewöhnlichen Kneipe. Wer außer dem Hause Zerstreuung oder Anregung sucht, wird jenes bald andern vorzuziehen lernen. Dreimal am Tage werden Mahlzeiten verabreicht und auch Getränke, wie Thee, Kaffee, Schokolade, Fruchtsäfte, sind den ganzen Tag zu haben. Absinth und ähnliche Getränke, die in ihren Folgen noch verhängnisvoller sind als Branntwein und Liqueure, sind ganz verpönt, jedoch sind Bier und Wein in mäßigen , Mengen zu haben, aber nur während der Mahlzeiten und nicht mehr als ein Viertelliter Wein und ein Glas Bier. Dieses Zugeständnis ist sehr vernünftig und wird mehr dazu beitragen, den Arbeiter von einer Neigung zum Alko- holismus zu befreien, als wenn ihm ein mäßiger Genuß von Wein und Bier ganz versagt werden würde. Die Preise sind äußerst billig: Eine Portion Essen kostet 25 bis 40 Cents, ein Kaffee 15 Cents und ein Thee 15 Cents. Den Arbeitern jenes Viertels ist jetzt dadurch die Möglichkeit gegeben, sich auf gesunde, bequeme und billige Art zu ernähren, während sie früher mangelhaft und ungesund zu Mittag essen mußten. Schon aus diesem Grunde wird das Mäßigkeitsrestaurant zu einer wichtigen sozialen Molle berufen sein, und zwar besonders wegen der Schonung, mit der 'wegen die Abstinenz vorgegangen wird. Das gute Beispiel soll in erster Linie seine Wirkung üben, indem das Personal selbst der Hausordnung unterworfen ist. Unerwartete Definition. Der Herr Oberst besucht die Instruktion des Herrn Leutnant, der gerade über die Pflichten des Soldaten spricht. Nach kurzer Zeit unterbricht er den Vortrag mit den Worten: „Alles sehr schön, Herr Leutnant, aber ich vermisse die nötige Anschaulichkeit in Ihrem Vortrage; Sie müssen der teilweise geringen Ausfassungskraft der Leute ent» gegentömmen. Ich werde Ihnen zeigen, wie ich den Leuten z. B. anfangs den Begriff „Treue" definieren würde. „Nun, mein Ssthn", wendet sich der Oberst leutselig an einen nichts weniger als intelligent ausseheuden Vaterlandsverteidiger, „Du haft doch sicher einen Schatz?" — „Noch net> Herr Oberscht", entgegnet der Gefragte. — „Na, wird schon noch kommest", tröstet ddr Gestrenge, „aber hier, Dein Nachbar hat sicher einen. Was würdest Du nun sagen, wenn dieser zu seinem Mädel die ganze Dienstzeit hindurch und auch später noch hielte und nie hinter anderen herliefe?" Ein verständnisvolles Grinsen ver- klärt die Züge des Gefragten, und prompt kommt die Antwort: „'Selbe muß arg guet koche, Herr Oberscht!" Littercrrrsches. Was wird man im Frühsommer tragen? Nach dem Sportheft, das solchen Anklang fand, daß die große Auflage nahezu vergriffen ist und nur noch in wenigen Buchhandlungen Exemplare zu finden sind, ist jetzt ein Heft der „Wiener Mo de erschienen, das die Frage der Sommermode in Wort und Bald beantwortet. Vier farbige und über siebzig Text- brlder zeigen, daß die Damenwelt alle Ursache hat, sich auf die geschmackvollen Modelle zu freuen, die ihnen die Mode vorbereitet hat. Auch das Wiederauftauchen des Empirestils, das wir auf dem großen doppelseitigen Bilde bemerken, wird vielen Damen willkommen fein; ist doch die Tracht ebenso kleidsam als bequem. Hefte zu 45 Pfg. sind durch alle Buchhandlungen und Postanstalten oder direkt vom Verlag der „Wiener Mode"- Wien, IV., Wienstraße 19, zu beziehen. „Deutsch«» Soldatenhort", Illustrierte Zeitschrift für das deutsche Heer und Volk, Herausgeber: General-Leutnant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1,80 Mk. Verlag von Karl Siegismund, Hofbuchhändler, Berlin SW., Dessauerstraße 13. XI. Jahrgang, Nr 21, erschien soeben und enthält: Zum 23. April 1900. — Friedlicher Krieg und Waffenstillstand. Roman von Hans Hochfeldt. — Der Kaiser und Prinz Heinrich auf der „Deutschland". (Bildertext.) — Ein Drama auf dem Ocean. Von Vice-Admiral Reinhold Werner. — Die neue Feldhaubitze. (Mit Abbildungen.) — Zum Wechsel des Kommandos des XII. (I. Kgl. Sächsischen Armee-Korps.) (Mit Porträts) — Isidor, der Antike. Originalhumoreske von Josef Maertl. — Scene aus einem Burenlager. (Blldertext.) — Urteil eines russischen Offiziers über die Buren. Aus dem Russischen übersetzt von Leutnant Schüler. — Der Kampf Englands gegen die holländischen Bauern-Republiken in Südafrika. Von Major z. D. Scheibert. (Mit Karte,) — Vaterländische. Gedenktage. — Neue Bucher. — Vermischtes. — Splitter und Funken. — Rätsel. — Briefkasten. — Inserate. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung in nächster Nummer. «ebaltion: «. Burkhardt. — »ruck und «erlag der Brüchl'schen Universitäts-Buch. und Äteindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße»,