iHiWW «MM iW^Z P • sJ Ä VW Bffli katen anzunehmen, weil er fürchtete, daß dadurch Verzögerung entstehen würde, und bei seinem Selbstvertrauen war er überzeugt, die Sache am besten allein durchführen! zu können. Mildred wurde mit deu anderen Gefangenen in ein Wartezimmer geführt. Nie zuvor war sie mit so tief gesunkenen Geschöpfen in Berührung gekommen, die meisten waren dem Trunk ergeben und führten abscheuliche Reden. Mildred zeigte durch den scharfen Kontrast ihrer bloßen Erscheinung die tiefe Verworfenheit dieser Geschöpfe, und deshalb verfolgten sie sie mit Spottreden. Der Beamte bemerkte dies und suchte sie mit strenger Miene zu schützen. Jenes Mädchen, das Mildred in der Nacht weinen gehört hatte, schmiegte sich an ihre Seite. Trotz ihrer verweinten Augen und trostlosen Miene konnte man sehen, daß es ein sehr junges und hübsches Mädchen war. Mildred wußte ihr nichts zu sagen, aber sie ergriff die Hand der Fremden, und dieser schweigende Ausdruck von Mildred rief einen neuen Strom von Thränen hervor. Mildred legte den Arm um sie, aber ihre eigene Reinheit konnte sie ihr nicht mitteilen. Die Ankunft des Richters verzögerte sich, während das Zimmer der Angeklagten sich füllte. Zum Glück kam Mildred bald an die Reihe und sie wurde in den Gerichtssaal geführt. Mit klopfenden Herzen bemerkte sie ihre Mutter, Bella und Frau Willow mit Robert in den langen Reihen von neugierigen Zuschauern. Bella warf ihr eine Kußhand zu und versuchte zu lächeln, Robert grüßte sie nur mit einer ernsten Verbeugung. Nachdem Mildred die Ihrigen erkannt hatte, richtete sie ihre forschenden Blicke nach dem Richter, aber an seinem ernsten, unbeweglichen Gesicht war wenig zu erkennen. Bald erwachten neue Befürchtungen, denn nach einem anscheinend kurzen, oberflächlichen Verhör wurden zwei der Verhafteten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Urteil wurde in so flüchtiger Weise, und in so ge- geschäftsmäßigem Tone ausgesprochen, als ob es sich um Warenballen handelte. Mildred wußte nicht, daß das alte, wohlbekannte Verbrecher waren, und diese anscheinend sorglose Rechtsprechung erweckte ihre Befürchtung. Ueber den nächsten Verhafteten aber verhandelte der Richter in ganz anderer Weise. Es war ein Mann von mittlerem Alter und trug elegante Kleidung. Mit nervös zitternden Händen stand er vor dem Richter, der ihn scharf beobachtete, nachdem er die Anklage wegen Betrunkenheit auf der Straße vorgelesen hatte. Sind Sie jemals verhaftet gewesen? Nein, war die leise Antwort. Treten Sie näher, ich möchte mit Ihnen sprechen. Ein Polizist faßte den Mann am Ellbogen und führte ihn vor die Schranken. Nun erzählen Sie mir die Sache, begann der Richter, und der Angeklagte sprach leise einige as du thun sollst, thu' Ohne Rast und Ruh', Sei's auch noch so schwer! Doch was gegen Pflicht Dich verlockt, thu' nicht, Lockt's auch noch so sehr! Badenstedt. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Noe. (Fortsetzung.) XXVI. Ein weiser Richter. Mildred wußte nicht, wann die unendlich lange Nacht zu Ende sei; denn kein Tageslicht fiel in ihre Zelle. Das Weib gegenüber war still geworden, andere Gefangene waren gebracht worden, darunter auch ein junges Mädchen, dessen Schluchzen kläglich anzuhören war. Die meisten Gefangenen waren betrunken oder gleichgiltig. Der Ort war Mildred so schrecklich geworden, daß sie froh war, als der Polizist kam, um sie in den Gerichtssaal zu führen. Sie war beinahe einer Ohnmacht nahe, als sie daran dachte, daß sie im Tageslicht durch die offenen Straßen geführt werden solle. Doch Robert erschien in Begleitung eines Kellners, der eine Tasse Kaffee brachte und ihr mitteilte, daß ein Wagen auf sie warte. Mit Thränen in den Augen dankte sie Robert. Mister Atword, murmelte sie, ich habe so viel Güte nicht verdient! Verzeihen Sie mir! Die Beamten mahnten zum Aufbruch. Sie trank den Kaffee und bald bestieg sie den Wagen, in welchem ein Polizist sich ihr gegenübersetzte. O Gott, wie bleich sie ist! stöhnte Robert, während er auf den Bock sprang. Es war noch früh am Tage und die Straße noch still. Der Regen hatte aufgehört. Robert hatte eine schlaflose Nacht zugebracht. Mister Wentworth war nicht in der Stadt und wurde erst nach zwei Tagen wieder erwartet. Dann hatte Robert den Richter aufgesucht, vor welchem Mildred am folgenden Tage erscheinen sollte, zu seiner Enttäuschung aber erfahren, daß auch er erst zur Eröffnung der Gerichtsverhandlung aus einer benachbarten Stadt zurückerwartet werde. Er hakte gehofft, der Richter werde ihn anhören und ihm bei der Ausführung seines Planes zur Entdeckung der wirklichen Schuldigen helfen. Trotzdem beschloß er, keinen Advo 62 Worte. Mit neu erwachender Hoffnung sah Mildred, wie der Ausdruck auf dem Gesicht des Richters sich veränderte und milderte. Der Angeklagte erhob seine Augen zu dem Richter, während dieser sprach, und schien neu belebt zu sein. Der Richter brachte seine Ermahnung zu einem praktischen Schluß, indem er sagte: Versprechen Sie mir, daß Sie mit Gottes Hilfe dem Laster entsagen werden! Das Versprechen war augenscheinlich ausrichtig und kam von Herzen. Geben Sie mir Ihre Hand darauf! sagte der Richter. Der Mann fuhr zusammen, als ob er seinen Ohren nicht trauen könnte. Dann ergriff er die Hand des Richters, während seine Augen feucht wurden. Sie sind frei. Guten Morgen! Der Fremde verließ mit strahlender Miene den Gerichtssaal. Auch in Mildreds Herzen, erwachte die Hoffnung wieder, und dann wurde ihre Aufmerksamkeit von dem Schicksal des weinenden Mädchens in Anspruch genommen, welches jetzt an die Reihe kam. Mildred kannte nicht die Anklage, erriet sie aber nur zu wohl an dem Gesicht des Richters, als der Beamte, der sie verhaftet hatte, in leisem Ton seine Meldung machte. Sie wurde vor die Schranken gerufen, und der Richter begann, sie zu befragen. Anfangs war sie nicht im stände, zu antworten, und während sie zitterte und schluchzte, erschien sie als die Verkörperung der Beschämung und der Gewissensbisse, welche die gefallene Weiblichkeit niederdrücken, ehe das Herz verhärtet ist. Geduldig hörte der Richter an, wie das Mädchen mit zuckenden Lippen seine erbarmungswürdige Geschichte erzählte, und dann sprach er leise und in eindringlichem Tone zu ihr, welcher in ihr verzweifeltes Herz drang. Eine gütige, schützende Hand hätte sie dann zur Tugend zurückführen können, als der Richter ihr die Freiheit gab, aber wer empfing sie, als sie ihr Gesicht der gaffenden Menge zuwandte, um zu gehen; Vielleicht eine großherzige Frau, welche eine irrende Schwester zu retten kam? Oder ein Abgesandter einer der vielen kostspieligen Wohlthätig- keitsanstalten der Stadt? Nein, nur das niedrige Weib, das mit Leib und Seele Handel trieb und das mit Geierblicken die Szene beobachtet hatte. Sie war bereit, die Strafe zu bezahlen, wenn nach dem Buchstaben des Gesetzes eine solche ausgesprochen worden wäre, sie allein empfing das freundlose, schwache Geschöpf, dessen armselige Besitztümer sie in Pfand hielt und dem sie Schutz versprach, vor dem unerträglichen Anstarren, mit welchem die Menge solche Opfer der Gesellschaft verfolgt. Das hübsche, bleiche Gesicht und die zarten, weißen Hände waren ein deutliches Zeichen von der Charakterschwäche und dem Mangel an Willenskraft der Kleinen, welche nun mit ohnmächtigem Widerstreben wieder hilflos in die Gewalt der Harpyie fiel. Das unglückliche Mädchen sollte wohl noch oft vor diesen Schranken erscheinen. Mit bewölkter Stirn beobachtete der Richter die Folgen seiner Milde und wandte sich dem nächsten Fall zu. Jetzt wurde Mildreds Name aufgerufen, und ein Gemurmel der Erwartung lief durch den Saal; denn augenscheinlich war die Angeklagte nicht von gewöhnlicher Art, und manchem war der Fall schon bekannt. Das junge Mädchen wurde vor die Schranken geführt. Gern hätte sie sich daran angeklammert, um ihre zitternde Hand zu stützen, doch sie sammelte ihren Mut, um dem Unvermeidlichen entgegenzutreten. Während der Richter sie aufmerksam betrachtete, entging es Mildred nicht, däß in seinen Augen ein freundlicher Glanz erschien. Zuerst machte der Beamte, der sie verhaftet hatte, seinen Bericht, und darauf wurde die ältere der beiden Frauen, welche sie durchsucht hatten, ausgerufen. Der Richter hörte sie mit ernster Miene an und sah von Zeit zu Zeit die Angeklagte an, aber immer begegnete er demselben klaren, standhaften Blick. Dann bestätigte die zweite Frau die Thatsachen, und darauf wurde auch der Geschäftsführer, Mister Bissel, vorgefordert. Dem wachsamen Auge des Richters entging der Blick voll Abscheu nicht, welchen Mildred nach diesem Manne richtete. Seit einiger Zeit, begann der Zeuge, nachdem er vereidigt worden war, sind in der Abteilung, wo das Mädchen gebeitete, Spitzen verschwunden, und ich- wurde wachsam, wie es meine Pflicht ist. Einige verdächtige Umstünde lenkten meinen Verdacht auf die Angeklagte, und die Durchsuchung bewies, daß er richtig war. Was waren das für verdächtige Umstände? Für einen Augenblick schien der Zeuge in Verlegenheit zu sein. Nun, gestern nachmittag ist sie in das Ankleidezimmer gegangen, sagte er. Gehen die Mädchen nicht alle zuweilen in das Ankleidezimmer? Ja. Mer etwas in ihrer Miene und ihrem Wesen kam mir verdächtig vor. Was war das? Ich kann es nicht deutlich ausdrücken, — es war nichts Greifbares, aber die Beweise ihrer Schuld sind in ihren Kleidern gefunden worden. Und sie verstand sich nur mit Widerstreben dazu, sich durchsuchen zu lassen, das spricht nicht für ein reines Gewissen. Fortsetzung folgt. Maskenkostüme. Von Alice Cuno. Nachdruck verboten. Ein Zufall führte mich in das Reich des jetzt allgewaltigen Prinzen Karneval. Ich befand mich in einem großen Masken-Verleihinstitut, dessen sinnverwirrende Fülle und Reichtum beinahe beängstigend auf mich wirkten. Rings um mich herrscht regstes Leben. Männlein und Weiblein, alte und junge, hübsche und häßliche, prüften und kritisierten die ausgestellten Kostüme, um schließlich unter all den Herrlichkeiten möglichst den kleidsamsten Anzug herauszufinden, mit welchem angethan, sie für wenige Stunden etwas besseres sein wollen, als sonst alltäglich. Für diejenigen, welche die Gestalt von Menschen längst vergangener Zeiten oder ferner Länder anzunehmen streben, ist hier in reichem Maße gesorgt. Stolz und steif stehen hier die schweren gold- und edelsteingeschmückten „historischen" Kostüme, und die blinkenden Rüstungen der Ritter unserer Sage. Wer man scheint doch für die historischen und nationalen Kostüme ihrer Schwere und Stofffülle wegen nicht mehr recht eingenommen zu sein. Und das mit Recht! Denn es ist ein Vergnügen eigner Art, einen ganzen Abend in einem überfüllten und heißen Ballsaal als Edelfräulein, verpackt in Sammet und Gold, oder als eisenbeschlagener Ritter herumzutanzen. Man giebt jetzt den duftigeren, leichteren Kostümen, welche mindestens ebenso kleidsam und meist weniger kostspielig sind, den Vorzug. Einige derselben vermag man mit ein wenig Geschmack und Geschick ganz gut selbst herzustellen. Reizend und äußerst kleidsam ist die „Kornblume", durch eine einzige große Blüte aus dünner Seide aus dem Kopfe und je einer auf jeder Schulter (an Stelle des Aermels) repräsentiert. Drei übereinander gesetzte, am Rande ausgezackte dünne Seidenvolants bilden den Rock. Die dekolletierte Taille aus blattgrüner Seide ist ein wenig kraus und hebt sich aus einem schmalen, miederartigen Gürtel aus Silberflitter hervor. Originell ist ein Kostüm, welches wohl zu den allerneuesten auf dem Gebiete der Karnevalsmode gerechnet werden kann: „Die Ansichts-Postkarte". Natürlich gehören zu diesem Kostüm eine große Zahl der jetzt die Welt überschwemmenden Boten ans Nah und Fern. Aber wer besäße dieselben heute nicht wohlverwahrt in seinem Album? Zu diesem Kostüm eignen sich am besten Karten mit möglichst bunten und recht ausdrucksvollen Bildern. Der ziemlich fuhfreie Rock besteht aus postgelbem Atlas. Er ist vom Knie ab mit plissierter Gaze in derselben Farbe überdeckt, welche in einem handbreiten Abstand in segk- rechter Anordnung bunte Ansichtspostkarten (ungefähr 6 bis 7 für jede Reihe), übereinander fallend, zieren. Den runden Ausschnitt der gelben, glatten, hinten geschnürten Seidentaille schmücken ebenfalls Ansichtskarten, welche epauletteartig über die kleinen Puffärmel fallen. Eine Riesenpostkarte wird als Schild an roten Atlasbändern befestigt, um den Hals gehängt. Gürtel aus rotem Atlas- band mit großer Schleife, an welchem an zwei langen Bandenden ein roter Pompadour befestigt ist, aus dessen Krause der Kopf einer Tintenflasche hervorsieht. Als Kopsputz dienen, hochstehend arrangiert, mehrere Ansichts- - (53 e, h h, i i, k k, l l, m in, n (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: Beliebig. 1, 2. Dd 2—e3 f und m«tt, 1. Schwedische Stadt. 2. Giftige Tiere. 3. Beliebte Zierpflanze, Weiß. 1. Tf 8—f3 2. Lb 7 und d5 1 In die Felder neben» stehender Figur sind die Buchstaben aa, c c, eeecee Beim Verlassen des großen Institutes, das so viel des . Schonen und Geschmackvollen in sich birgt, streift mein Blick mehrere der melancholisch an der Wand hängenden „Königinnen der Nacht" und „Göttinnen der Sterne". Erstere aus schwarzem, schleppendem, flitterübersätem Tüll, letztere in der duftigen Farbe der Unschuld mit großen und kleinen Sternchen bedeckt. Sie sehen schon recht zerknittert aus, ein Zeichen, daß sie schon vielen ihre Gestalt geliehen haben. Auf der Treppe begegnet mir müde, über den Arm einer Zofe gelehnt, eine Griechin, mit dem klassischen Kostüm der schönsten Frauen des Altertums angethan. Wenn sie reden könnten all' diese Masken, die guten und böse): Menschen zum Schmuck, zur Verkleidung gedient haben! Wieviel Romane könnten sie erzählen, wieviel ergreifende Geschichten von Haß und Liebe, schöner als sie die Phantasie des Dichters erfinden kann. — Und doch, ich glaube, es ist besser, sie bleiben stumm — dem heiteren, lachenden Prinzen Karneval zuliebe. Schw arz. Ke 4 und f3. f und Matt. A Ke 4—eö oder I)b 8—f4( n, ooooooooo, ppp, r r r r, s s s s s, t derart eiuzutragen, daß die scnk- rechlen und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 2. D d 2 und d 5 f und Matt. B I Unsere Li-blmgsbeMftigmig. etne§ Besenstieles tragen, und an den Füßen I Nachdruck verboten. pustgelbe Lederschühe und rotseidene Strümpfe. I Darf ich mir die Frage erlauben, geschätzter Leser: Sehr fesch rst ein Kostüm, betitelt „Emanzipation" I womit beschäftigst Du Dich mit Vorliebe in Deinen Muße- chnge bis zu den Knieen reichende ausgeschnittene I stunden? welches ist Deine Lieblingsbeschäftigung? Ver- Schochacke mrt Reverskragen und Klappen aus nilgrünem I ^rhe gütigst meine Indiskretion; aber man will doch gern Auch nut großen Goldknöpfen und Goldtressen garniert I wissen, mit wem man es zu thun hat, und die Lieblings- Der Schoß nach Art der Herrenfracks nur bis zu den I beschäftigung eines Menschen wirft nun einmal ein Streif- Serten gehend, rst mrt rosa Seide gefüttert. Der schnebben- I W auf das ganze Wesen desselben. Mache nur die Probe artig geschnittene, dekolletierte Patz, welcher alsiWeste dient, I bei anderen Menschen. Wenn es heißt: „Sage mir, mit und der aus vier übereinander fallenden Volants be- I wem Du umgehst, und ich will Dir sagen, wer Du bist", so stehende Aermel sind ebenfalls ans Goldlitze besetzt. Der I könnte man mit demselben Rechte hinzufügen: „Sage mir, fußfreie, angesetzte Rock aus helllila Tuch ist ungarniert I welches ist Deine Lieblingsbeschäftigung, und ich will Dir Auf dem weißgepuderten Haar wird ein lila Filzhut mit I sagen, wer Du bist". grünem Sammetband und Stahlagraffe getragen, um den I Unsere Mußestunden sind unsere Erholungszeit. Wäh- Hals ern Stehkragen aus plissiertem cremefarbenen Krepp I rend unser eigentlicher Beruf für die Bestreitung unseres wU ebensolcher riesiger Schleife, und in den mit langen I notwendigen Lebensunterhaltes sorgt, und Pflichterfüllung hellen „Schweden" bezogenen Händen ein Spazierstöckchen I heischt, gehören die Mußestunden uns ganz allein, da sind mit graziösem Griff. Die Füße stecken in lila Strümpfen I wir nur wir selbst, gehören uns selbst an und treiben, und Äreuzbandschuhen aus! tzrauem Leder mch großer Stahl- I was unserem innersten Wesen entspricht. „Hier bin ich agraffe. Ein dünnes Goldkettchen an dem ein Monokle 1 Mensch, hier darf ich's sein". hängt, kann noch irgendwo befestigt werden. Eine schöne 1 Wer gern spazieren geht, hinaus ins Freie, ins Gehölz, Frau, angethan mit diesem Kostüm, die Emanzipation ver- I an. die See, der hat gewiß ein offenes Auge für Naturschön- korpernd — wird sie den Männern wirklich Angst und I hbit und denkt wohl auch einmal nach über Dinge, welche Schrecken einjagen? Ich glaube kaum. I außerhalb des alltäglichen Geleises liegen. Ein sogenanntes Beliebt und immer kleidsam sind die Pierretten, von I Promenieren hingegen in den Hauptstraßen der Stadt, wo denen ich eine in weiß und eine in schwarz vor mir sehe. I das Sehen und Gesehenwerden die Hauptsache, deutet auf Letztere, aus zwei dichten übereinanderfallenden Volants I Eitelkeit, vielleicht nur ein Körnchen; auf Ge- aus schwarzem Tüll, mit kleinen Seidenpompons besetzt, I fallsucht — ein Atom; auf Neugier — nicht wenig! einen bis zu den Knieen reichenden Rock bildend, ist be- I , Wer gern Vergnügungen besucht, hat sicher einen welt- sonders reizvoll. Die dekolletierte Schnebbentaille aus I lichen Sinn. Bei Menschen, denen eine ernste, gehaltvolle schwarzem Atlas hat zwei sehr krause, abstehende Volants I Lektüre zusagt, dürfen wir auf einen zuverlässigen, gedie- als Aermel. Eine dichte schwarze Halskrause aus Tüll, I genen Charakter schließen. Hingegen blasierte, wie auch und auf dem recht lose und hochfrisiertem gepuderten Haar I raffinierte Menschen lieben eine aufregende, die Nerven ein Dreispitz aus Atlas, mit Pompons reich besetzt, wirken I reizende Lektüre. Durch gutes und reichliches Essen und höchst reizend und pikant. I Trinken sind auf ihren Magen bedacht die Materiellen. Ein Kostüm, das zwar nicht zu den allerneuesten, Wohl I Im leidenschaftlichen Spiel drückt sich Gewinnsucht und aber mit zu den kleidsamsten gehört, ist aus der Zeit der I Mangel an Selbstbeherrschung aus. Mit den schönen vielgeschmühteu, vielgeliebten Madame de Pompadour, aus I Künsten beschäftigen sich auswärts strebende Geister. Hei- jener Zeit, wo Ueppigkeit und Lebenslust in höchster Blüte I tere, gesellige Menschen finden Vergnügen an einer anstanden: Das Rokoko-Kostüm. Man kann dasselbe natür- I regenden, mit Humor gewürzten Unterhaltung. "So könnte lich in jeder Farbenzusammenstellung wählen; ein beson- I man hundert Beispiele aufzählen. Eins aber bleibt immer ders schön wirkendes besteht aus einem schweren weißen I wahr: je edler und lauterer der Charakter eines Menschen, halblangen Taffetrock, dessen Rand mit Moosrosen bemalt I um so gehaltvoller und reiner wird er sich auch in seinen ist. Die glatte Taille aus weißer, starrer Seide mit ein- I Mußestunden beschäftigen. gewirkten Moosröschen — sogenannter Pompadourseide — I Verstehst Du nun, geschätzter Leser, weshalb ich Dich hat eine angeschnittene sehr krause, abstehende Tunika, I am Eingang dieses Artikels fragte: „Welches ist Deine viereckigen Ausschnitt und ist reich mit ganz schmalen I Lieblingsbeschäftigung? Sammetbändchen besetzt. Halblanger, enger Aermel, am I Und die Antwort? — E. Friedel. Rande mit Püffchen und Band garniert. Man trägt zu | —*------- diesem Kostüm bis zum Ellenbogen reichende halbe Hand- I Gitterrätsel. schuhe aus weißer gehäkelter Seide mit Sammetbändchen I Nachdruck verboten. durchzogen, weiße Strümpfe, Lack- oder Goldkäferschuhe mit riesigen Absätzen und Schnallen, ein breites Sammetband um den Hals, pudert sich das Haar schneeweiß, malt Augenbrauen und Wimpern — des schönen Kontrastes wegen und weil es damals so Sitte war — pechschwarz, und klebt aus Kinn, Lippen oder Wangen, wo es einem am kleidsamsten scheint, ein einziges Schönheitspflästerchen. 64 100 Jahre Frauen-Mvden. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Lchnittmanufaktur, Dresden-dl. Reichhaltiger Modenalbum ä 50 Pfg. daselbst erhältlich. Der Ablauf eines Jahrhunderts legt es uns nahe, der freundlichen Leserin einmal einen flüchtigen Ueberblick über die Frauenmoden der letzten 100 Jahre zu verschaffen. Derselbe wird besser, als jeder aktuelle Bericht das oft rätselhafte Wesen der Mode illustrieren. Was die Form oder vielmehr die äußere Kontur der Kleider anbctrifft, so ist im Wechsel der Zeiten ein regelrechter Kreislauf zu verzeichnen, und zwar vom Engen zum Weiten und wieder zum Engen, und wir stehen mit unserer jetzigen Mode fast wieder auf dem gleichen Standpunkte wie vor 100 Jahren, nur etwas raffinierter im Schnitt und in der Bearbeitung ist die Kleidung geworden, ob auch schöner — das ist Geschmacksache. Jedenfalls entbehrten die Toiletten unserer Ahnen mit ihren lang herniederfaffenden, den altgriechischen Kostümen nachgeahmten Falten, ihren feinen Stoffen und Stickereien keinesfalls deS Reizes; auch wiesen sie bezüglich der Bequemlichkeit unseren Kleider- sormen gegenüber bedeutende Vorteile auf, und für Reformkleidung schwärmende Damen würden sicher ihre Freude an der wenig beengenden, nirgends drückenden Kleidung gehabt haben. Fast könnte man glauben, daß dieser Mode gleichfalls eine, unseren Reformbestrebungen ähnliche Bewegung zu Grunde lag; denn die eng geschnürten Taillen und aufgebauschten Reisröcke des Rokoko vom letzen Ende des 18. Jahrhundert haben viel Aehnlichkeit mit den geschnürten Taillen und und Tournüren vom letzen Viertel des 19. Jahrhunderts. Diese große Bequemlichkeit der kurztailligen Mode der vorgenannten Zeit mag wohl auch der Grund dafür sein, daß sie sich trotz mancher Fehler ziemlich lange (über 20 Jahres erhielt, denn vom Jahre 1800 bis 1820 sehen wir in damaligen Modenzeitungen immer dieselben Formen. Der Gürtel sitzt direkt unter dem Arm, und der Rock fällt in kunstlosem Schnitt lang herunter, meist sogar mit ein wenig Schleppe. Dieselbe verschwindet jedoch bald wieder und 1810 sehen wir die Kleider so, wie sie unsere Abbildung veranschaulicht. Man sieht, an Einfachkeit deS Schnittes läßt sie nichts zu wünschen übrig. Um möglichst schlank anszusehen, beschränkte man, wie auch die heutigen Modedamen, die Unterkleider soviel als möglich und die Eleganz zeigte man durch feine Stoffe und Stickereien, feine Schühchen von Stoff und elegante Hüte. Ungefähr 1820 bemerken wir schon eine leise Veränderung, denn die Röcke fallen nicht mehr in weichen Falten, sondern werden durch Unter- röcke gestützt, wobei auch die Garni- turen wie Falbeln und Puffen wieder mehr zur Geltung gelangen. Mitte der 20er Jahre sind die Röcke schon bedeutend weiter, und die Taillen werden länger. Dazu tritt der weite Puffärmel in Verbindung mit der abfallenden Schulterlinie aus. Diese Modesorm entwickelt sich immer mehr und steht im Jahre 1830 in voller Blüte. Verschwunden sind die kurzen Taillen, kurzen Puffärmelchen und weichen anschmiegenden Rockfalten. Statt dessen sehen wir geschnürte Schnebbentaillen, weitabstehende Aer- mel und durch zahlreiche Unterröcke gestützte faltige Röcke. Dies ist der erste Anfang der schrecklichen, fast 40 Jahre lang regierenden, bauschigen Mode, welche auf chrem Höhepunkt die Krinoline aufweist. Schon Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre sind die Kleider so weit und bauschend, daß man die Krinoline darunter vermutet. Dazu rücken die Aermelbansche immer weiter herunter, bis sie zuletzt als extra zu tragende Unterärmel direkt vor der Hand sitzen. Die Schulterlinie wird immer abfallender und die Taille immer enger. Ihren Höhepunkt erricht diese Mode Mitte der 60er Jahre, wo sic anch mit ihren übrigen Formen, wie Hüte, Jacken, Garnituren rc. den Gipfel der Geschmacklosigkeit darstellt, während sie ungefähr 10 Jahre früher (siehe Bild) mit den damaligen Wellenscheiteln, Kapothüten und Ilmlegetüchern nicht ganz reizlos zu nennen ist. Nachdem diese Modeform Mitte der 60er Jahre ihren Höhepunkt erreicht hat, sehen wir sie ziemlich rasch verschwinden, denn schon 1870 sind die Kleider viel vernünftiger. Der Rückgang zum ganz Schlanken vollzieht sich jedoch nicht so einfach, als man glauben sollte, denn man war zu sehr an eine gewisse Stofffülle gewöhnt, um sie ohne weiteres entbehren zu können. Man verteilte sie in der Weise, daß man die wohl vorn und seitlich glatten Kleider hinten hoch anfbauschte und zwar in Form einer Schürzentunika, welche auf einen falbelbesetzten Schlepprock fiel. Diese Schleppe blieb auch noch, nachdem Ende der 70er Jahre die Tunika mit dem hinteren Bausch verschwunden war; die Falbeln, Rüschen, Puffen steigerten sich indessen ins maßlose, sodaß von- einer einheitlichen Linienführung absolut nichts mehr zu sehen war. Diese fand sich erst einigermaßen Anfang der 80er Jahre mit den Draperien nnd Faltenröcken wieder, kam aber gleichfalls nicht zur Geltung, denn die häßliche Tournürc verunzierte die Gestalt. Dafür fing man aber nach und nach an, dem guten Sitz der Taille mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Allzulange hielt die Tournürenmode ja nicht an, denn schon 1900 haben wir wieder die glatten, engen Röcke. Dadurch war man genötigt, auch dem Rockschnitt die nötige Sorgfalt angedcihen zu lassen; denn nur ein guter Schnitt konnte die erforderliche Eleganz erzeugen. Dies steigerte sich immer mehr mit den nun folgenden Bauschärmeln und Glockenröcken, denn der Rock mußte ungeachtet der unteren Weite nm die Hüften glatten Anschluß behalten und auch auf tadellosen Sitz der Taille gab man mehr als je. Die neuere Mode mit ihren Jäckchenformen, Kragen, Revers rc. steht überhaupt unter dem Einfluß einer genaueren Kenntnis des Zuschnittes, der immer mehr Bedeutung für die Eleganz der Kleidnng gewinnt. So ist es gekommen, daß der adrette Sitz, welcher der englischen Mode eigen ist, den französischen Geschmack zum Teil verdrängen konnte, dessen Wirkung hauptsächlich auf dem chicen Arragement und dem Ansputz beruht. Für die aller- neusten Kleiderformen ist ein guter Schnitt geradezu unentbehrlich und zur Beruhigung der Damenwelt kann gesagt werden, daß in gleichem Maße wie das Bedürfnis, die Gelegenheit zugenomiuen hat, den notwendigen Anforderungen auf diesein Gebiet gerecht zu werden. Nicht nur, daß heutzutage jedermann bequem schneidern und nach einem bestimmten System Znschneiden lernen kann, sondern es giebt auch spezielle Institute, welche sich ausschließlich mit der Herstellung von Schnitten zum bequemen Gebrauch für die Schneiderei befassen. Die Internationale Schnittmanufaktur in Dresden ist das erste deutsche derartige Institut, dessen Schnitte sich bei der Damenwelt vielseitiger Benutzung erfreuen. Litterarisches. Eine besondere Auszeichnung wurde den von vielen Frauen zur Selbstverfertigung von Gaderobe so gern benutzten Schnitten der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden, durch Prämiierung auf der, unter dem Protektorat der Königin von Sachsen stehenden Ausstellung für Hans und Herd zu teil. Diese Anerkennung fällt umsomehr ins Gewicht, als dieselbe auf einer Ausstellung erworben wurde, die lediglich die für die mittleren und kleineren Haushaltungen praktischen und empfehlenswerten Bedarfsgegenstände umfaßt. In der That kann die Benutzung dieser, die Hausschneiderei so sehr erleichternden Schnitte, bei denen sowohl der einfache praktische als der elegante Genre vertreten ist, nicht genug empfohlen werden. Wer sich über diese zweckmäßigen Neuheiten genau orientieren will, beziehe das reichhaltige Moden- Album und Schnittmusterbnch zum Preise von 50 Pennig von der Internationalen Schnittmanusaktur, Dresden. Kunstverlag Kiinstlerpostkarten. Unter der Flagge von musikalischen Stichworten erschien soeben im Verlag der Firma Dr. Trenk- ler & Co. in Leipzig eine aktuelle Serie von Postkarten: Karneval, Klänge aus lustiger Zeit, 8 Künstlerpostkarten von Willy Werner. Die lebensvollen Gruppen des Faschings sprühen Humor, und der flotte graziöse Wnrf des Malers kommt sowohl im neuen Zweifarbenlichldruck als auch in der Ausführung in Kolorit zu vollendeter Darstellung. Die Serie wird sicherlich ebensoviel Beifall finden tote die früheren. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- nnd Steindruckerei (Pietsch Erbens in Gießen.