Dienstag dm 8t Oktober Ci W Hpr 31 OTT fas Leben ist eine freie Kunst. Wer sie nach Regeln will betreiben, Wird meist ein trauriger Stümper bleiben Und nie gewinnen Meistergnnst. Heyse. Wer nicht vorwärts strebt, dem ist es nicht Ernst mit sich selber. Nachdruck verboten. Der Gylsenhos. Eine Erzählung von P. Ditsurth. (Fortsetzung.) Renata wurde von Frau Falkner und Anna Burghoff in Fridas Zimmer mit trockenen Kleidern versehen. In grenzenloser Ermattung saß sie alsdann in einem großen Lehnstuhl und hatte nur den einen Wunsch, jetzt einschlafen zu dürfen. Frau Falkner stand am Fenster und lauschte in die Nacht hinaus, ob man den Vater brächte. Die Gäste nahmen still und schnell Abschied von Frida, die ihre Mutter vertreten mußte, und bald standen die Gemächer, darin noch vor kurzem so viel Fröhlichkeit geherrscht, öde und leer. Frida kam in ihr Zimmer zu den anderen Frauen. Ihr hübsches Gesicht war blaß und abgespannt, und ihre blauen Augen hatten einen sonderbaren, starren, müden Blick. Es sprach niemand ein Wort, selbst die lebhafte Anna saß in sich gekehrt da. Endlich hörte man ein Geräusch an der Gartenpforte und sah das unruhig zuckende Licht einiger Laternen. Charlotte legte einen Moment die gefalteten Hände vor die Augen und atmete tief, dann ging sie hinaus. Schwere Schritte wurden auf dem Gange laut, und dazwischen hörte man murmelnde Stimmen. Die treuen Helfer trugen den alten Mann in sein Zimmer und entfernten sich dann mit dem heißen Danke der Hausfrau. Anna Burghoff ging mit ihnen, und nun waren die beiden Mädchen allein. Renatens Augen ruhten auf Frida, wie sie mit geschloffenen Lidern unbeweglich dasaß. Draußen rauschte unaufhörlich der Regen nieder, nur dann und wann drang ein Geräusch aus des Konsuls Zimmer. Warum sah und fragte Frida nicht ein einzig Mal nach dem Großvater? Es kam jemand eilig den Korridor entlang, es war wohl der Arzt, sein Schritt verhallte mit dem Schließen der Thüre drüben. Renata hätte so gern gewußt, wie es mit dem alten Manne stand, und sie erhob sich jetzt, um vielleicht jemand draußen zu erspähen, da öffnete sich die Thüre und der Professor trat herein. »Ich muß Sie sehen, Renata", sagte er mit bewegter Stimme, »ich habe mich so sehr um Sie geängstigt." Er faßte ihre beiden Hände und sah ihr mit warmer Herzlichkeit in das bleiche Gesicht. „Sie müssen diesen Abend Ruhe haben, es war zu viel," setzte er mit leiser Stimme hinzu. „Es wird mir nicht schaden, ich bin nur sehr müde," erwiderte sie und ließ den Kopf sinken. Ein Zug tiefen Mitgefühls flog über sein Gesicht, aber sie sah es nicht. Sie ließ sich wieder auf den Sessel nieder und fragte nach dem Konsul. Wolfram warf einen Blick auf seine Nichte, die jetzt doch etwas Aufmerksamkeit zeigte. „Es war ein hartes Stück, meinen armen, wild aufgeregten Vater zu halten, und ich dankte Gott, als ich ihn aus der Nähe des Wassers fortgebracht hatte. Er schlug jedoch so um sich, daß ich mit ihm stürzte, und wie der Arzt fürchtet, hat er eine Gehirnerschütterung davongetragen. Sie müssen trotz Ihrer Ermüdung schnell gegangen sein, obgleich mir die Minuten zu Ewigkeiten würden." „Sie haben sich doch nicht geschadet bei dem Falle, Herr Professor?" fragte das junge Mädchen. „Daran denken Sie auch?" sagte er, und ein lichter Schein flog über sein Gesicht. „Gewiß," entgegnete sie mit milder Freundlichkeit. „Aber nun gehen Sie zur Ruhe," sagte der Professor, „Sie bleiben selbstverständlich hier." „Es war von vornherein so bestimmt," bemerkte Renata. „Um so besser,- Frida, sorge für Renata," wandte er sich an das stumme Mädchen, das noch immer in seinem ballmäßigen Putze regungslos da saß. Sie fuhr bei der etwas strengen Anrede empor und sah ihren Onkel mit scheuem Trotze an. „Ich kann nicht," murmelte sie und legte den blonden Kopf in die Hände. Ein kurzer, aber schwerer Kampf ging in Renatens Seele vor, die fest zusammengepreßten Lippen gaben davon Zeugnis. „Lassen Sie Frida, Herr Profeffor," sagte sie milde, aber ihre Stimme klang wie angestrengt. „Sie ist wohl sehr erschreckt über das traurige Ende dieses so schön begonnenen Tages." - 626 - Ihre Hand legte sich leise und unsicher auf das blonde Haar, aus dem ihr die halbverwelkten Rosen entgegen dufteten. Sie seufzte auf. „Arme Frida, wie thust Du mir leid," sagte sie traurig, „geh zur Ruhe." War es nicht Falschheit, was sie da sprach, hieß es nicht: Arme Renata, geh' zur Ruhe? Wie schuldbewußt blickre sie auf den reizenden Mädchen köpf nieder, da hob sich dieser heftig, ungeduldig, und aus den blauen Augen brach ein jähes Aufblitzen, das an Haß grenzte. „Geh, geh," flüsterte sie mit unterdrückter Leidenschaft und streckte abwehrend die Hände aus. Dann legte sie sie fest an beide Schläfen und stützte die Ellbogen auf die Kniee. „Frida!" rief Onkel G -ttfried empört, „was bedeutet das ? Renata ist die Retterin Deines Großvaters, für den Du allerdings nicht einen Funken Teilnahme besitzest. Und Renata hat gethan, was Du nie hättest thun können!" Mit erwachter Energie legte Renata ihre Hand auf seinen Arm: „Lassen Sie das ruhen, Herr Professor, ich werde gehen,' gute Nacht, Frida!" Frida hatte sich aufgerichtet, aber kaum merklich war das Kopfnicken, mit dem sie Renatens Gruß erwiderte. Der Profesfor ging mit dem jungen Mädchen hinaus. „Meine Schwester läßt Sie grüßen, sie muß bei meinem Vater bleiben, er ist bewußtlos," sagte er draußen, „wir müssen auf jedes Lebenszeichen merken." Er drückte fest ihre Hand: „Gute Nacht, armes Kind, wenn Sie doch schlafen könnten!" Sie nickte ihm mit einem wehevollen Lächeln zu: „Gute Nacht." Thürr schloß sich hinter ihr, sie stand allein in dem kleinen wohlbekannten Zimmer und preßte die gefalteten Hände vor die Brust. War er wirklich zu Ende, der lange, lange Tag? XVI. Grau in grau mit einem regennassen Angesicht dämmerte der nächste Morgen herauf, und es war, als spiegele er sich in jedem Antlitz, das zu dem Gylfenhofe gehörte, wider. Bleich mit verwachtem Aussehen begrüßte man sich gedrückten Tones beim Frühstück, und Renata eilte Heimzukommen, aber sie mußte zuvor Frau Falkner sprechen, die sie noch nicht gesehen. Auch Charlotte sah bleich und matt aus, sie hatte kaum eine Stunde geruht. Der Zustand des Konsuls war nach ihrem Berichte ziemlich der gleiche wie am Abend vorher/ das Bewußtsein war nur in geringem Maße wiedergekehrt, meist lag er mit geschlossenen Augen. „Gott mag wissen, was daraus wird," schloß sie bekümmert. „Hätte ich doch noch mehr verhindern können," sagte Renata traurig. „Vielleicht ist es dennoch ein Zeichen von oben, daß sein Leben noch nicht endete und Sie ein Werkzeug waren in Gottes Hand, mein liebes Kind," erwiderte Charlotte mit stillem Ernst. „Wollte Gott, es wäre so," setzte Renata bewegt hinzu. Sie nahm eben Abschied von Frau Falkner, da kam Viktor mit seiner Schwester. Wie gern wäre Renata ihnen auSgewichen, es wurde ihr so schwer, sie unbefangen zu begrüßen, aber sie konnte es nicht umgehen. Mit seiner gewohnten freundlichen Liebenswürdigkeit fragte der junge Doktor nach Renatens Befinden. Warum sprach er gerade mit ihr? Sie wandte den Kopf weg und sagte: „Wir sind wohl alle gleich müde und elend"/ ihre Augen streiften Frida. Diese lehnte am Flügel mit unterschlagenen Armen, und Renata erschrak beinahe über den entstellend hohnvollen Zug in dem sonst so anmutigen Gesicht. Fast ängstlich sah sie zu Viktor hinüber, er sprach jetzt mit Charlotte und bemerkte es nicht. Eilig nahm Renata Abschied und jeder sagte ihr ein freundlich Wort, sogar Max/ nur Fridas kleine Hand lag kalt und ohne Druck in der ihren. Bei Noltes mußte wohl Besuch sein, sonst wäre Renata nicht so unbemerkt in ihr Zimmer gelangt. Es war ihr lieb, sehr lieb, galt es doch einen schmerzvollen Kampf mit ihrem Herzen. Sie hatte es ja selber nicht gewußt, was darin aufgeblüht war so freudig und beseligend/ eine Stunde hatte es ihr gezeigt, wie Wetterleuchten wars in ihre Seele gefallen, und dieselbe Stunde brachte den Gewittersturm, der all die Blüten knickte. Wie ein Kind war sie blindlings vorwärts gegangen, die Jugend, ihr einst so fremd, hatte sie überkommen/ ach, war's denn so unrecht, daß sie ihn liebgewonnen? Ein paar heiße Thränen rollten über ihr blasses Gesicht, und sie faltete die kalten Hände. Fridas Bild in seiner sonstigen Anmut trat vor ihre Seele. Was war sie daneben? Aber sollte sie denn allein einsam ihren Weg gehen und jenes kindische, eitle Mädchen alles haben? Fridas'liebliches Bild verwandelte sich und zeigte ihr wieder jenes häßliche Lächeln. Und wie benahm sie sich gegen den leidenden Großvater! Empfand sie das gestrige Unglück nicht nur als Störung des Festes? Hatte sie selbst nicht eine Lüge gesagt, wenn sie Viktor versicherte, daß Frida ein Herz habe? Eine peinliche Angst überflutete sie, aber sie kämpfte tapfer dagegen, am wenigsten wollte sie sich selbst belügen, war sie denn so viel bester als Frida? „O mein Gott, hilf mir," seufzte sie und griff nach dem Buche, worin das Veilchen lag. Sie sah es stille an, es war wohl nicht von ihm, aber wo es auch her sein mochte, es hingen thörichte Gedanken dran. Sie hielt die kleine, verblaßte Blume in der Hand und dachte an den sonnigen Geburtstagsmorgen, wo die Welt so schön vor ihr gelegen, dann drückten ihre Finger den verwelkten Frühlingsboten zu Staub. Fräulein Nolte schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Sie fand das junge Mädchen recht blaß, aber das sei wohl kein Wunder, es waren ja haarsträubende Dinge im Ghlfen- hofe passiert. Renata berichtete einfach und wahrheitgetreu, so daß Fräulein Lina sich etwas beruhigte. „Hier ist auch ein Brief für Sie, Fräulein Renata, er kam gestern abend an, gleichzeitig mit meinem Bruder. Wir waren sehr überrascht, und wir hoffen, daß Sie heute abend unser Gast sind." So abgespannt sich Renata auch fühlte, sagte sie doch zu, sie wußte ja, mit welchem Stolze die beiden Frauen von diesem Sohn und Bruder sprachen, da mußte sie ihnen den Gefallen schon thun. Fräulein Lina hielt sich nicht auf und empfahl sich bald. Der Brief an Renata war von ihrem Vormunde, dem Bürgermeister von M. Sie wechselten nicht oft Briefe. Der Herr schrieb recht freundlich und bat Renata, bald zu kommen, um ihre Sachen, die einstweilen in seinem Hause Platz gefunden, zu ordnen oder, falls sie in L. eine -Anstellung bekommen könnte, dahin mitzunehmen. Seine älteste Tochter wolle nach bestandenem Examen in M. eine Privatschule gründen und bei den Eltern wohnen, dazu seien aber nur die Zimmer geeignet, die Renata innegehabt. Das junge Mädchen fühlte sich nicht schmerzlich berührt, daß sie so beseitigt werden sollte/ sie hatte sich nie in der Familie ihres Vormundes heimisch gefühlt und war es ganz zufrieden, lediglich in Geschäftsverkehr mit ihm zu stehen. Aber reisen mußte sie und zwar bald. Zum Thee ging sie zu Noltes hinüber und fand Frau Pastor glückstrahlend neben einem stattlichen Herrn auf dem Sofa. Der Herr Pastor Nolte erinnerte in den äußeren Formen entschieden an Lina, während er die harmlos bewegliche, freundliche Natur von der Mutter zu haben schien. Er begrüßte den jungen Gast, als wären sie alte Bekannte. Seine frische, humorvolle Weise regte Renaten angenehm an/ — 627 — ehe sie es wußte, war sie in der lebhaftesten Unterhaltung mit ihm. Die alte Dame nickte nur immer strahlend, und Lina warf hier und da einen überlegenen Brocken hinein. Eine große Pastoralkonferenz hatte den geistlichen Herrn in die Nähe von L. geführt und einem lang versprochenen Besuch bei der Mutter zur Ausführung verhalfen. Auf der Rückseite wollte er ebenfalls wieder vorsprechen. Renaten siel es auf, daß er sie während des Gespräches öfter scharf fixierte und dann wie sinnend vor sich hinbltckte. Als Renata an diesem Abend spät ihr Lager aufsuchte, fühlte sie erst, wie müde sie war, und die Natur siegte über alle Herzensnot, so daß sie recht tief und fest schlief. „Wenn ich nur wüßte, an wen mich diese junge Dame erinnert," sagte Pastor Nolte noch am selben Abend zu seiner Mutter, „mir ist immer, als müßte ich mich dabei auf eine Begebenheit aus meiner Jugend besinnen." „Ist mir auch schon so gegangen," erwiderte die kleine Dame, „aber in meinem Alter hat man schon zu viel Menschen gesehen." „Renata Wendelin," sprach der Pastor nachdenklich vor sich hin, „na, heute find' ich's doch nicht mehr, gute Nacht, Mütterchen." (Fortsetzung folgt.) Gein-inirNtzigeO. Fremdkörper im Auge. Während des Radfahrens geraten häufig kleine Körper, Staubpartikelchen, kleine Insekten u. s. w. in das Auge und verursachen zuweilen heftige Schmerzen und als weitere Folgen nicht unbedenkliche Entzündungen. Wo man dieser Gefahr ersichtlich ausgesetzt ist, besonders bei Gegenwind, ferner um die Nachmtttagstunden in der Nähe von Gewässern, wo Mücken schwärmen, empfiehlt es sich, einen Schleier zu tragen, der noch den Hals bedeckt. Gilt es einen in das Auge geürungenen Körper zu entfernen, so versuche man keinesfalls, dies durch Reiben zu erreichen/ in bett meisten Fällen genügt es, das Auge zu schließen, nach einiger Zeit wird man den Gegenstand in den Winkeln der Lider verspüren, von wo er sich leicht entfernen läßt. Uever den Nährwert der Nüsse macht Kellog (Mod. Med. Nr 11, 1897) sehr interessante Angaben. Danach gehören die Nüsse seit undenklichen Zeiten zu den wichtigsten Nahrungsmitteln vieler Naturvölker, während sie in den Kulturländern ziemlich vernachlässigt werden. Und dennoch ist der Nährwert der Nüsse (Wallnüsse, Haselnüsse, süße Mandeln) ein sehr hoher und beruht hauptsächlich in dem Gehalte an Eiweiß-Substanzen und Fett, und zwar so, daß der Nährgehalt der Nüsse den der besten Beefsteaks dreimal übersteigt. Allerdings ist die Nuß für viele schwer verdaulich, und empfiehlt es sich darum, die Nuß zu reiben oder zu mahlen und mit Weizenmehl zu Kuchen uns Cakes zu verbacken oder mit wenig Wasser ein vorzügliches Nuß-Püree zu bereiten. Auch auf das Nußbrot, wie es eine Firma in Braunschweig abgiebt, sei hier hingewissen, da sich dasselbe vortrefflich bewährt hat. Mr die Küche. Die Füllung der Bratgans ist je nach dem in den einzelnen Gegenden bestehendem Gebrauche wohl eine verschiedene. Während z. B. in Norddeutschland Aepfel mit einer Beigabe von Thymian dazu gewählt werden, ist in den Rheingegenden die Füllung mit Kastanien beliebter. Bei der Gewinnung des in vielfacher Weise verwendbaren Schmalzes macht man wohl in der Behandlung des Bauch- und des Darmfettes insofern einen Unterschied, als man bet dem Ausbraten des ersteren dasselbe nicht wässert und auch Zusätze von Aepfeln und gewürzigen Küchenkräutern vermeidet, um den feinen natürlichen Geschmack des Schmalzes voll und rein zu erhalten. DaS Darmfett wird dagegen behufs Beseitigung jedes unangenehmen Nebengeschmackes während etwa drei Tagen in öfter zu erneuerndes Wasser gelegt, und, nachdem es dann zum AuSbraten eine Zeit lang gekocht hat, werden Thymian, Zwiebeln und Aepfel, aus denen das Kerngehäuse entfernt ist, hinzugethan. Sobald letztere weich gekocht sind, nimmt man sie wieder heraus. Das Schmalz läßt man unter beständigem Umrühren nur so lange braten, bis die Grieben anfangen, sich hellbraun zu färben, die dann vermittelst eines Durchschlages entfernt werden und im Gemenge mit gebratenen Aepseln auch noch eine angenehme Speise zu Pellkartoffeln geben. Das sehr wohlschmeckende Schmalz ist nicht nur zum Bestreichen des Brotes als Ersatz für Butter, sondern auch zu vielerlei Fleischgerichten und Gebäck, insbesondere zu Pfannkuchen und Aepfelschnitten sehr verwendbar, und wenn es so bereitet und gereinigt wird, daß es dünnflüssig bleibt, in welchen Zustande es das einzige tierische Fett ist, das durch Einwirkung des Frostes erstarrt, auch zum Ersätze des Olivenöles und gtebt dann namentlich einen ausgezeichneten Kartoffelsalat. Ragout von Krammetsvögel«. 10 Personen. Bereitungszeit 3/4 Stunden. Zuthaten: 12 Krammetsvögel, 100 Gramm würflich geschnittener Speck, 30 Gramm Butter, 300 Gramm geputzte, scheibig geschnittene Champignons, 30 Gramm Mehl, y2 Liter siedend gemachter Weißwein, 15 Gramm Liebtg's Fleisch-Extrakt, ein Prise Pfeffer, Salz nach Geschmack, Petersilie. Der Speck wird in der zerlassenen Butter gelblich gebräunt, dann thut man die gerupften, gesengten, sauber abgeriebenen, aber nicht ausgenommenen Krammetsvögel hinzu, bestreut sie mit Salz, dünstet sie gut zugedeckt 10 Minuten, bestäubt sie mit dem Mehl, gibt die Champignons, das aufgelöste Liebig's Fleisch-Extrakt nebst dem Wein dazu, schwenkt das Ragout mehrmals um, kocht es noch einige Minuten und giebt es mit einem Theelöffel gehackter Petersilie verrührt, mit dem Pfeffer abgeschmeckt, auf die Tafel. Cardi au gratin, 10 Personen. Bereitungszeit 4 Stunden. Zuthaten: 5—6 Carden, i/2 Liter Bouillon aus Liebig's Fleisch Extrakt, 50 Gramm Butter 40 Gramm Mehl, 125 Gramm geriebener Parmesan-Käse, Saft von 1—2 Citronen, Pfeffer und Salz nach Geschmack, geriebene Semmel. Man schneidet die gebleichten, weißen Blattrippen in fingerlange Stücke, entfernt die Stacheln, setzt sie mit kaltem Wasser auf's Feuer, kocht sie eine halbe Stunde, kühlt sie in kaltem Wasser und reibt mit einem Tuch die äußere, faserige Haut ab. Hierauf mit der Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt auf's Feuer gebracht, müssen die Carden in dieser weich dünsten und werden mit Citronensaft, Salz und wenig Pfeffer abgeschmeckt. Ist dies geschehen, nimmt man sie aus dem Fond, der mit Butter und Mehl, beides zu- sammcngeknetet, zu einer semigen Sauce verkocht wird. Das Gemüse legt man in eine etwas tiefe, mit Butter ausge- strtchene Schüssel, die Ofenhttze verträgt, es schichtweise mit dem Käse bestreuend, übergießt es mit der Sauce, streut geriebene Semmel über, setzt kleine Butterstückchen auf und läßt das gratin eine Viertelstunde im Ofen backen und sich bräunen. Vermischtes. Den Frauen unserer Zeit legt ein französisches Blatt die folgenden Frauenrechte ans Herz und bittet sie, dieselben sorgfältig zu hüten: Die Frau hat das Recht zu arbeiten, zu lieben und zu beten. Sie hat das Recht zu wachen, während die andern schlafen. Sie hat das Recht, fließende Thränen zu trocknen, Traurige zu trösten, ängstliche Gemüter zu beruhigen. Sie hat bas Recht, bunkle Stirnen aufzuheitern uttb Sorgenwolken von bett Angesichtern zu vertreiben. Sie hat das Recht, bet dem Sterbenden zu wachen, ihn zu lehren, seine Schmerzen mit Geduld zu ertragen, und, wenn alle irdischen Hoffnungen vernichtet sind, ihm eine ewige, himmlische Hoffnung zu erwecken. Sie hat das Recht, diejenigen auf den Pfad der Tugend zurückzusühren, die sich davon verirrt haben. Sie hat das Recht, den Witwen und — M Waisen die helfende Hand zu reichen. Sie hat das Recht, die zarte Jugend zu erziehen und fie zum kindlichen Glauben an den zu führen, der aus Liebe zur Menschheit am Kreuze starb. Sie hat das Recht, in ihrer Umgebung Licht und Frieden zu verbreiten und durch Wort und Beispiel der Menschheit höhere Ziele zu zeigen als die Erde mit ihren Nichtigkeiten. Ue-er die Erfindung der Lokomotivpfeife erzählen englische Blätter folgende, zwar höchst unwahrscheinliche, aber doch ganz amüsante Geschichte. Als die ersten Bahnlinien in England angelegt wurden, war — bei der damaligen Fahrgeschwindigkeit der Züge — von einer Anlage der Bahndämme, wie sie heute üblich ist, natürlich garnicht die Rede. Die Geleise kreuzten die schon vorhandenen Landstraßen meistens in gleicher Höhe, und an eine Absperrung durch Barrieren oder andere Vorsichtsmaßregeln war damals noch nicht zu denken. Man überließ es einfach den Lokomotivführern, Menschen und Fuhrwerke von dem Schienenstrange fortzuscheuchen, und rüstete sie zu diesem Zwecke mit einer Art Signalhorn aus. Eines Tages nun, im Jahre 1833, fuhr ein biederer Farmer von Thornton nach Leicester, um seine Waren, eine große Ladung von Eiern und Butter, auf den Markt zu bringen. Unterwegs mußte er ein Bahngeletse kreuzen, — und unglücklicherweise nahte gerade ein Zug heran. Vergebens tutete der Maschinenführer auf seinem Horn, — der Farmer hörte nichts. Ein Zusammenstoß war die Folge. Der Farmer wurde von seinem Wagen herabgeschleudert, blieb indes ohne nennenswerte Verletzungen; Pferd und Wagen dagegen, sowie achtzig Mandel Eier und fünfzig Pfund Butter waren verloren, und die Bahngesellschaft mußte den Schaden ersetzen. Infolge dieses Unfalls wandte sich die Direktion an George Stephenson selbst, mit der Bitte, doch irgend ein Instrument herzustellen, das besiere Warnungsfignale geben könnte. Das Resultat war die Erfindung der Lokomotivpfeife. Huinsvistisches. Kleiner Irrtum. Ein von „Gutsbesitzers" eingeladener Afrikareisender beschreibt die Bequemlichkeiten seiner Kleidung, die ihm den Aufenthalt am Aequator ermöglichten. „Nicht wahr," sagt die Frau des Hauses, „wenn es ganz unerträglich heiß wird, legen die Herren drüben ihre Tropenkoller an?" Kenner. Herr Cohn (seinem Besuch feilte Gemäldegalerie zeigend): „Sehen Sie hier, das ist meine neueste Erwerbung: ein Werk von Van Dyck, Schüler von Rubens." — Herr Löwenstein: „Nu, gar nicht so übel für das Werk eines Schülers." Hausfrau r „Sie haben wohl einen sehr kleinen Fuß, Katline?" — Dienstmädchen: „Warum sagen Sie das, Madame?" — Hausfrau: „Weil ich in die Spitzen meiner Stiefeln so oft Papier gestopft finde." Auf dem Exerzierplätze. Hauptmann (zu den Mannschaften): „Ihr Kerls seid nicht wert, daß Euch ein Hauptmann kommandiert! Für Euch ist gerade das erste beste Rhinozeros gut genug." (Steckt den Degen ein und wendet sich an den Sekondleutnant): „Herr Leutnant, bitte, übernehmen Sie das Kommando!" Bettler (schluchzend): „Bester Herr, bitte, ich hab' eine Frau zu Hause . . ." — Henpeck (in Thronen ausbrechend): „I—i—ich auch!" Hauswirt (wütend): „Warum, zum Kuckuck, hört's denn nit auf, 's Feuer is ja scho g'löscht!" — Kommandant der Land-Feuerwehr: „Das scho, aber da drob'n san no drei ganze Fensterscheib'n." Künstler: „Wie findest Du das Porträt meiner Schwiegermutter?" — Freund: „Sehr gut! Aber warum hast Du sie im Reise- Kostüm gemalt?" — Künstler: „So sehe ich sie am allerliebsten." Elsätzer Französisch. Mutter (zu ihrem achtjährigen Töchterchen, dem soeben ein Zahn gezogen wurde, und das noch heftig schreit: „(Ja passera, ma petile cocotte, 9a passera! Schwenk's Müel, schwenk's Müel, 9a passera!“ („Münchener Jugend.") Lttterarisches. Lebende Bilder au» dem Reiche der Tiere. Augen' blickkaufnahmen nach dem lebenden Tierbestande des Berliner Zoologischen Gartens. Herausgegeben und mit erklärenden Unterschriftsätzen versehen von Dr. L. Heck, Direktor des Berliner Zoologischen Gartens. Vollständig in 16 Lieferungen ä 50 Pfg. mit ca. 200 Illustrationen. Querfolio (Werner Verlag G. m. b. H., Berlin, Equitable-Gebäude). — Der Titel dieses neuen Lieferungswerkes klingt überraschend. „Lebende Bilder!" Man denkt unwillkürlich an die neuen Erfindungen, die uns Menschen und Tiere in voller Bewegung vorführen. Das bietet nun dieses Werk allerdings nicht. Dennoch ist der Titel gerechtfertigt. Schon der erste Blick in dieses Bilderwerk zeigt uns, daß wir etwas ganz Neues und Originelles vor uns haben. Wenn wir die Bilder eines natnrhistorischen Atlas betrachten, so sehen wir den Typus des Tieres vor uns, gleichsam ein Modell, eine Durchschnittsfigur, die etwa jenem Durchschnittsmenschen gleicht, den man oft in Modeblättern sieht. Es ist ein Typus ohne Individualität, ein allgemeines Cliche ohne Leben, Umrisse ohne Fleisch, Knochen und Blut. Die Bilder des vorliegenden Werkes aber sind Leben, Individualität, Wahrheit und volle Natur; denn sie sind eine treue Kopie des Lebens. Das Werk enthält Photographieen der Tiere des Zoologischen Gartens in Berlin. Aber es sind keine Durchschnittsphotographieen. Schon die Größe der Bilder ist überraschend. Eine Sammlung von Tierphoto, graphieen in dieser Größe ist bisher noch nicht dagewesen. Und wie sind diese Photographieen ansgeführt! Jedes Haar, jede Feder tritt deutlich hervor. Das Tier selbst steht mit solcher Plastik vor unfern Augen, daß wir es in lebendiger Wirklichkeit zu sehen glauben. Und nicht allein die Kunst des Photographen spricht aus diesen Blättern, auch die technische Ausführung ist vollendet, und der Kenner sieht sofort, daß sich in diesen Bildern das Wissen der Zoologen mit dem höchsten Können der modernen photographischen Reproduktion vereinigt haben. Abbildungen, wie die des indischen Nashorns, des Löwen „Cäsar", Arni- büffel, des Weißnackenkranichs und überhaupt aller derjenigen Tiere, die in den vorliegenden ersten Heften vorkommen, haben wir in solcher lebensvollen Schönheit und mit so packender Naturtreue noch in keinem Jllustrationswerke gesehen. Alle Tierfreunde, alle Naturkenner, alle Lehrenden und Lernenden werden ihre Freude daran haben. Der Text von Dr. Heck, dem Direktor des Zoologischen Gartens von Berlin, ist frisch, lebendig, frei von aller Pedanterie und doch sehr instruktiv gehalten. Und so ist dieses prächtige ea 200 Illustrationen umfassende Werk geeignet, sehr zahlreiche Freunde zu finden und zu weitester Verbreitung zu gelangen, zumal der Preis von 50 Pfg. für eine Lieferung mit 12 meisterhaft aus geführten Ausnahmen bei mustergültiger Druckausstattung als höchst wohlfeil hervorgehoben zu werden verdient. Bon Deutsche Kunst und Dekoration, Verlag von Alexander Koch, Darmstadt (Preis jährlich 12 Hefte Mk. 20.—, Einzelpreis Mk. 2.—) erschien soeben Heft 2 des 3. Jahrganges als Berliner Künstlerheft mit folgendem Inhalt: Moderner Schmuck von Hans Schliepmann, Berlin. Julius Hofmann's Siegelmarken, von Professor Dr. Schmid-Aachen. Max Seliger, von Otto Schulze-Köln. Germanischer Stil und Deutsche Kunst, von Dr. Ludwig Wilser-Heidel- berg (Schluß). Außerdem wie üblich Wettbewerbe, Wettbewerb-Entscheidungen, Ateliernachrichten. Als farbige Beilage außerhalb des Textes: Moderne Broschen nach Entwurf von O. M. Werner, ausgeführt von I. H. Werner, Hofjuwelier in Berlin. Daneben eine große Anzahl Vollbilder und Illustrationen im Texte. Empfehlenswerte Lektüre für die Frauenwelt! Vor uns liegt das erste Heft des neuen Jahrganges der illustrierten Frauenzeitung ,,Die Praktische Hausfrau" (Verlag von Adolph Wolf in Dresden). — Die Einführung neuer Rubriken, wie „Häusliche Warenkunde", „Die Kunst, sich elegant und modern zu frisieren", „Frauenleben und Frauenarbeit", „Neues und Bewährtes für Haushalt und Familie", sowie die bemerkenswerte Erweiterung des der Mode und den Handarbeiten gewidmeten, mit ausgezeichneten Abbildungen versehenen Teiles find ein neuer Vorzug des kräftig aufblühenden Blattes. Die bewährten Abteilungen „Das goldene Hausbuch", „Die gute Mutter", "Unser Hausarzt", „Für die junge Welt" sind auch jetzt wiederum durch eine Menge gemütvoller, belehrender Artikel und erprobter Rezepte vertreten. — Es ist erstaunlich, wie es möglich ist, für den niedrigen Preis von 10 Pfg. für ein Heft so Vorzügliches zu dielen und dabei doch so vielseitig zu sein. _____ Magisches Quadrat. (Nachdruck verboten.) —— In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben a a, c, e e e e, h h, 1 1 1 1, r, ] s s derart einzutragen, daß die wagerechten und ___ senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Ein Haustier. -- 2. Biblische Bezeichnung. 3. Jagdbares Wild. ---- 4. Stadt in Baden. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: Weiß Schwarz 1. D c 1 — a 1. Beliebig. 2. 8, D oder T setzt matt. Pchsktou: 6, Burkhardt. — SrwS und Verlag der Brühl'schen U»i»ersttStr-B«ch. und Stemdrnckerei (Pietsch Erben) in Siegen,