nwjjlj Ä.! u4 1899. — Nr. 16 WH TBÄ« lw • fn]’n ^ÄMiLm ia fcjjj WL ar lieblich ist das Lachen In Gottes schöner Welt; Doch weil es ost uns Schwachen Zu kühn die Seele schwellt, Wird Schmerz ihm beigesellt. Fouqus. Nachdruck verboten. Gesühnte Schuld. Roman von Alexander Römer. (Fortsetzung.) Hertha verstand es wieder, die Unterhaltung in Fluß zu bringen, ein Talent, für welches ihr der alte Herr oft Dank wußte. Heute half ihr Mathilde dabei. Das Thema drehte sich um Pferdezucht, ein Kapitel, an dem der Schloßherr und Mr. White ein gleich reges Interesse nahmen, und bei dem auch Albert mitreden konnte. Bald aber hörte man Mr. White allein. Er hatte sich die freien Tiere in der Wildnis mit dem Lasso eingefangen, ihre Natur studiert und mit ihnen gelebt. Er liebte die Tiere, seine Augen leuchteten, als er von seinen Löwen- und Tigerjagden erzählte. „Ich habe Freunde in der Tierwelt gefunden," sagte Mr. White in einem seltsam berührenden, harten Tone, „und ich entdeckte bei ihnen mehr Treue und Mitgefühl, wie bei den Menschen." Herthas Hand, in der sie Messer und Gabel hielt, zitterte und, was ihr nicht leicht geschah, ihr stiegen Thränen in die Augen. Dieser mußte sehr traurige Erfahrungen gemacht und schwer gelitten haben. Wie gern hätte sie ihm die Hand gereicht und ihm ein warmes Wort gesagt, aber — sie waren nicht in den Urwäldern unter den wilden Tieren, sie saßen da unter dem Banne eines steifen Zeremoniells, das jede freie Regung einengte. Sie blickte gespannt zum Vormund hinüber, dessen Antlitz heute undurchdringlicher denn je war. „Ich muß im Interesse der Menschheit gegen diesen letzten Satz streiten," tönte seine klare Stimme in die peinliche Pause hinein. „Was im Tier als roher Naturtrieb schlummert, ist im Menschen zu Höherem erhoben, und er vermag erst bewußt zu unterscheiden und freie Wahl zu üben. Das Ueberlegene, dem sich die physische Kraft des Tieres ergiebt, kann sich seines Sieges nur freuen im Kampf mit seinesgleichen, wo Lieb und Haß bewußt gesäet und geerntet werden. Es ist Rückschritt, wenn man am eigenen Geschlecht verzagt, unsere Seele kann nie Befriedigung finden im Anschluß an ein Niedrigeres als wir selbst, nur ein Streben nach Höherem giebt unserem Leben die Weihe, die es haben soll." Aller Augen richteten sich auf den Wirt an der Tafel, der selten eine solche lange Rede hielt. Mr. White sah ihm fest in das Gesicht. „Sie mögen recht haben," sagte er, „aber was nützt dem Dürstenden der Durst, und dem Hungernden der Hunger, er bringt ihm nur Qual und Tod, wenn es für ihn keine Speise und keinen Trank giebt." „Es giebt für jeden Speise und Trank," sagte Baron Jobst hart, „wenn er maßvoll haushält. Die Unersättlichen, die Schlemmer und Schwelger, mögen sich zuweilen an unbesetzter Tafel finden, das ist dann ihr natürliches Los. Ehre übrigens jedem, der sich mit eigener Kraft durchringt und die Bürde trägt, die er sich auflud. Kraft und Mut sind Eigenschaften, die auch ich zu schätzen weiß." In Mr. Whites dunklem Gesicht flammte eine jähe Glut auf, Albert trank hastig sein volles Glas aus. Des Onkels Auge streifte ihn flüchtig. Hertha aber rief in aufloderndem Enthusiasmus: „Onkel, Du bist der edelste und gerechteste aller Menschen, wenn Du auch mitunter furchtbar hart und streng erscheinen kannst. Auch ich liebe am Manne die Kraft und den Mut über alles, wenn er auch außerdem kein ganzer Heiliger ist. Heilige find überhaupt, meiner Ansicht nach, langweilige Menschen." Sie lachte, die schlaue Hexe, sie hatte wieder einmal ihre Kunst geübt, bedenkliche Strömungen in der Unterhaltung ab- und umzuleiten. Mathilde hatte unwillkürlich Albert angesehen, ihre Blicke waren in einander getroffen. Hatte er Trost aus dem ihren geschöpft, er richtete sich straffer auf, er atmete tief, und sein Gesicht belebte sich. Mathilde war überrascht, er erschien ihr beinahe fremd. Seine Züge trugen den Ausdruck einer Festigkeit, wie sie sie in diesem Gesicht nicht kannte, und was er empfinden mochte bei diesen neuesten Wendungen der Dinge, das konnte sie am besten ermeffen. Baron Jobst hatte sich jetzt an sie gewandt und knüpfte ein Gespräch über Musik mit ihr an. Er war überraschend bewandert auch auf dem Gebiet, obgleich er in der letzten Zeit wenig gute Musik gehört hatte. „Man verknöchert, wenn man allein ist," sagte er lächelnd, „und versäumt, sich 62 die nötige Zukost zum Leben zu schaffen, weiß später kaum noch, daß man sie entbehrt " Hertha plänkelte mit Albert und Mr. White über das Thema der Heiligen weiter. Sie verzog den Mund. „Nun, mein Ideal ist jedenfalls kein Heiliger und darf nicht langweilig sein!" Der Alte hob die Tafel auf, man trat auf die Terrasse hinaus. Man übersah von hier einen großen Teil der schönen Besitzung, und Albert hörte, wie sich der Onkel in eine Erörterung über Forstkultur mit Hans einließ, und auch auf dem Gebiet war dieser zu Hause. Den jungen Osflzier überkam ein dumpf resigniertes Gefühl, die glänzenden Perspektiven, die ihm von seiner Geburt an, oder wenigstens so lange er denken konnte, vor Augen gestellt waren, versanken- das Damoklesschwert, das nun seit vier Jahren über seinem Haupte schwebte, fiel herab. Aber brauchte es ihn zu vernichten — beinahe empfand er es wie eine Befreiung, daß die Entscheidung jetzt kam. Auch die Gewiffensqual um Mathilde war von seiner Seele genommen, und dieser noch nicht geklärte Zustand seines Innern, den die neuen, plötzlich hereinbrechenden Eindrücke fchufen, kam ihm vorerst als dumpfe Ruhe zum Bewußtsein. Hertha und Mathilde saßen draußen auf dem Balkon, in ein heiteres Gespräch vertieft, dem frohen Lachen nach zu urteilen, das oft aus jener Ecke herüberscholl. Seine Blicke hingen doch verstohlen an der ehemals Geliebten. Der Zauber, der ihn schon umstrickte, als fie das junge, unerfahrene Mädchen, die bescheidene Musiklehrerin war, mußte wohl jetzt, wo diese Knospe sich so reich und üppig entfaltet hatte, doppelt seine Wirkung üben. Der Oheim hatte sich in seinen Stuhl zurückgelehnt und eine Zigarre angezündet. Er bot seinem Gast von dem besonders guten Kraut- der Onkel rauchte selten, aber er war ein Feinschmecker auf allen Gebieten. Bruder Hans in seiner seltsamen Rolle lehnte nachlässig an der Ballustrade und redete wie ein Fachmann über Waldkultur. Ihn behandelte Hans wie einen völlig Fremden — selbstverständlich, die Komödie mußte konsequent durchgeführt werden. Er gab ihm auch nicht das kleinste geheime Zeichen eines Einverständnisses. Am unverständlichsten blieb, daß der Onkel auf dies Spiel eingtng. Der Kaffee war herumgereicht worden, Mr. White schickte sich an, sich zu empfehlen. Hertha sprang auf und stand neben dem Onkel. „Würdest Du nicht erlauben, daß Mr. White den Marstall besichtigen darf? Es interessiert Sie natürlich riesig, nicht wahr, Mr. White? Albert wird sich ja ein Vergnügen daraus machen, dem Fremden die Schätze, welche Schloß Trautdorf birgt, zu zeigen." Der alte Herr stutzte, er sah ihr forschend und ein wenig strenge in das lebendige Gesicht. „Wenn es dem Herrn Vergnügen macht," entgegnete er langsam. „Ich würde sehr dankbar sein für solche Gunst." Die Antwort des Amerikaners klang höflich und steif, er verneigte sich förmlich zum Abschied und küßte den Damen die Hand. Albert hatte sich schon erhoben und begleitete den Buder. Sie schritten schweigend neben einander die breite Treppe hinunter und draußen dem Marstallgebäude zu. „Darf ich mir die Frage erlauben, was mein Herr Bruder mit dieser wunderlichen Komödie beabsichtigt?" fragte Albert ruhig. „Gar nichts, mein Lieber," Hans von Trott sah gutmütig lächelnd auf den Jüngern, dem er einen so großen Strich durch die Rechnung zu machen im Begriff war, „stelle die Frage lieber an den Onkel, der, wie Du selbst erlebtest, die Komödie einleitete." „So weiß er, wer Du bist?" Albert fragte es beklommen. Hans zuckte die Achseln. „Bliebst Du während dieser Jahre in Europa? Und warum gabst Du mir nie mehr Kunde von Dir?" fragte Albert weiter. „Ich glaube, Du sehntest Dich gar nicht nach dieser Kunde," entgegnete der andere, „es knüpfte sich zwischen uns kein brüderliches Band. Du ließest mich und Dein Mädchen lange warten da unten, während Du hier oben in Schäfcrspielen Dich ergingst — Mr. White ist aber ein Mensch, der das Warten verlernt hat, er war es zu sehr gewohnt worden, sich selbst zu helfen. Du siehst es, wir sind jetzt beide hier, sie und ich — auf unsere eigene Art." Er klopfte dem Bruder lachend die Schulter, als handle es sich um einen kapitalen Witz. „Sage mir um Gottes willen, bliebst Du ihr zur Seite? Stütztest Du sie — während Ihr mich —" „Nicht in Deinen Schäfersptelen störten — richtig, und das war doch rücksichtsvoll. Wie weit hast Du denn Dein Terrain erobert? Die Festung ist noch immer nicht gestürmt. Beeile Dich, mein Junge, man kann nicht wissen, waS geschieht. Ah! Da kommt der Stallmeister, willst Du mich vorstellen, bitte." Der Beamte begrüßte den Fremden artig. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört," sagte er, „und es ist mir natürlich eine besondere Freude, einem solchen Kenner unser Gestüt vorzuführen. Es kann sich sehen lassen." Mr. White trat in die Ställe, er sprach mit dem Stallmeister, der ein Engländer war, in seiner Muttersprache, Albert konnte schlecht folgen. Die Situation war für ihn keine angenehme, er wurde überall in den Hintergrund gedrängt. Die Betrachtung, wie der Verwilderte sich in den paar Jahren zivilisiert hatte, drängte sich ihm auf. Er war jetzt wohl befähigt, hier den Standesherrn zu spielen. Hertha hatte sich umgezogen und kam in ihrem Promenadenanzug, ein kokettes Jockeymützchen auf dem Scheitel, auch herunter. Der Onkel und Mathilde standen oben auf einem Balkon, der in diesen Hof hinausging. Herthas Wangen glühten, sie schritt mit den Herren an den Ständen entlang, kannte jedes Tier und rief es beim Namen und klopfte und streichelte die schlanken Hälse. Sie war so im Fach bewandert, daß ihre Begleiter vollständig vergessen konnten, daß eine Dame mit ihnen war. Mr. White zog Albert jetzt in die Unterhaltung, es war von den Ankäufen für die Remonte die Rede, Albert gab da Bescheid. Sie standen jetzt vor dem störrigen Ajax. Der Stallmeister berichtete, daß alle seine Versuche bei dem herrlichen Tier bis jetzt noch vergeblich gewesen seien, es duldete keinen Reiter, und er fürchte, der gnädige Herr habe da einen Fehlkauf gethan. Er habe eine enorme Summe für das arabische Vollblut bezahlt. Mr. White lächelte, ging um das Tier herum, betrachtete es von allen Seiten, berührte es dann wie von ungefähr, nahm Plötzlich seinen Kopf in seine Hände und blies ihm seinen Atem in die Nüstern, legte seinen Mund an des Tieres Ohr. Mit ungläubigem, verwundertem Lächeln sahen die Umstehenden diesem Gebühren zu. Der Ajax duldete sonst auch keine Berührung von fremder Hand, er hatte sich mühsam jetzt an den Stallmeister und einen der Stallknechte gewöhnt. Er war ungemein sensible. „Ist es mir erlaubt, den Ajax zu reiten?" fragte Mr. White. „Mich läßt er aufsttzen." „Aber, mein Herr —" Der Stallmeister wollte Einwendungen machen — Hertha sah ängstlich aus, Albert meinte, dem Versuch stände nichts im Wege, wenn Mr. White seines Erfolges sicher sei und seine Haut zu Markte tragen wolle. Der Amerikaner hatte schon einem Reitknecht gewinkt und Sattel und Zaumzeug bringen lassen. Er sattelte und zäumte das Roß selbst. Dann führte er es langsam, während die anderen zurücktraten, hinaus, es fortwährend liebkosend, streichelnd und in einer seltsamen, halblauten Weise mit ihm redend. Und Plötzlich, blitzschnell, ohne daß die Umstehenden 63 Gemeinnütziges» als zur Zeit üblich ist, sehr ratsam. Die schädlichen Wirkungen des Saccharins, des bekannten angeblichen Zuckerersatzmittels, sind in letzter Zeit bei Fütterungsversuchen, die mit Kaninchen angestellt wurden, mehrfach festgestellt worden. Sie haben, wie wir einem Bericht von A. Stift entnehmen, besonders ergeben, daß durch Saccharinzusatz zur Nahrung die Verdaulichkeit bezw. Ausnützbarkeit sämtlicher Nährstoffe herabgesetzt wird. Die Verminderung der Ausnützung ruft Gesundhettestörungen im Verdauungskanal hervor, welche zur Erkrankung des Gesamtorganismus führen. Berthelot und Liebreich haben s° Z. gefunden, daß Hunde und Katzen einen eigentümlichen Widerwillen gegen Saccharin bekunden und mit unbedingter Sicherheit saccharinhaltige Nahrung von saccharinfreier unterscheiden. gesehen hatten, wie es geschehen war, saß er auf seinem Micken. Nein, nein! Eine Stimme in ihr übernahm seine Verteidigung gegen jeden schlimmen _ _ _ . , , Schein. Als Mr. White gegangen war, und sie mit Albert nach oben zurückkehrte, fanden sie den Onkel in angeregtem Gespräch mit Mathilde. Es war auffallend, wie viel gesprächiger «nd zugänglicher der Onkel war, als sonst. Er sah auch belebter aus und tauschte nun mit Albert Erörterungen über die wunderbare Zähmung des widerspenstigen Roffes. „Er wird von den Indianern drüben sein Geheimnis gelernt haben," sagte der Alte mit einem Lächeln, „es war aber hübsch und ist mir sehr lieb, daß ein Modus gefunden ist, den Ajax zum Reitpferd zu dressieren. Mr. White wird sich wohl willig finden lassen, die Dressur noch ein Paar Tage fortzusetzen." t,.. Also ber baM,an§ brü6en unter den Pflanzennahrung. Völker, die angeblich nur von ^"b E^^°ust hatte — Alberts beklemmende Verwunderung Pflanzennahrung leben sollen, genießen daneben stets noch wuchs mit leder Minute. Nun, es wahrte nicht lange, so tierische Nahrungsstoff-. So genießen die elsasser Bauern IS™ ß e\i ? ^gebürgert, die Welt erfuhr, wer der zu ihren Kartoffeln viel dicke Milch, und das Ora der wahre Erbe dieser reichen Herrschaft sei, und seine Gläubiger Ureinwohner von Quito in den Anden besteht nicht bloß aus * ' ®et” K°ps wirbelte, einen klaren Plan konnte er heute Kartoffeln, sondern wird mit viel Käse gekocht. Wo der abend nicht fassen — es wurde wohl Rat geschafft — aber Reis die Hauptnahrung bildet, genießen ihn die Leute, wie Ifipr MUtUoftu ” ttefer unb tiefer senkten sich die Schatten wir das Brot, zu Fleisch und Milch. In Ostindien, wo nur «der fein Leben. (Fortsetzung folgt.) I die niederen Klassen Fleisch essen, alle anderen vorzüglich von Der Ajax hob sich kerzengerade auf seine Hinterfüße, probierte dann sein gewohntes Kunststück, den unvorhergesehenen . Seitensprung, der jeden, auch den sichersten Reiter aus dem Eingetrocknete hölzerne Gefäße bald wasserdicht Sattel warf — Hertha erbleichte — aber — der Ajax Jtt wad> eiderformen. und wem dies nicht möglich ist, der begnüge sich lieber mit einfachen Fori! en. Er wird damit entschieden feiner und eleganter erscheinen, als in mühsam nachgeahmten komplizierten Modeformen. Wie chik und elegant ist z. B. das einfache Schneiderkleid nebenan (Nr 142). Aus schwarzem Cveviot bestehend ist die platte Schoßtaille in geschmackvoller Weise mit Souiache benäht, während der Rock ganz glatt bleibt. Die beiden anderen Modelle repräsentieren die neuesten Modeformen und zwar kommt an Modell 145 sowohl die Tunika, als auch Weste mit angeschnittenem Revers in wirkungsvoller Weise zur Geltung. Aus lila Tuch bestehend, setzt sich die Garnitur aus hell, rem, dunkelsoutachiertem Tuch und schwarzen Atlasstreifchen für die Umrandungen zusammen. Das Tunikakleid Nr. 146 stellt wieder eine ganz und gar andere Form dar, denn hier ist Tunika und Taille zusammenhängend in Prinzeßform geschnitten. Oben wird ein Einsatz von Hellem Spitzenstoff sichtbar, der sich auch an den Aermelkugeln wiederholt. Tuch oder andere Stoffe mit schönem Fall sind Material. Besonders wertvoll werden diese Abbildungen dadurch, daß die vollständigen Schnitte dafür zu haben sind, durch welche man in den Stand gesetzt wird, seine Garderobe nach der neuesten Mode selbst herzustellen, denn jedem Schnitt ist eine ausführliche Anleitung zur Herstellung des betreffenden Kleidungsstückes beigegeben. 142. 146. hierfür das geeignetste Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße».