MS. Donnerstag den 3V. November. w -fösmhöcff W9 ie Blum' im Garten lehrt, 2Sic lange Schönheit währt. Sprichwort. Nicht ewig prangen Schöne Wangen. Sprichwort. Auch in dicke Balken kommt der Wurm. Sprichwort. Nachdruck verboten. Pygmalion. Novelle von Anton Frhr. von Perfall. (Fortsetzung.) Holaus selbst korrnte für den Plan nur günstig gestimmt sein. Ja, wenn es auf ihn angekommen wäre — er war ja stets ein Mann des raschen Entschlusses — er hätte schnurstracks heute noch um das Mädchen angehalten. Dieses selbst konnte sich den reizenden Aussichten, welche der Onkel für die nächste Zeit entwarf, nicht entziehen, ebensowenig dem verführerischen Werben, in dem sie nur die neu erwachten, freundschaftlichen Gefühle erblickte. So gab sie sich völlig unbefangen und wirkte nur um so stärker auf den leidenschaftlichen Mann. Er ließ ihr seine Lieblingspferde im Hofe vorführen, trefflich gehaltene, rassige Tiere. Dann schwang er sich selbst auf einen schwarzen, kräftigen Hengst, der, die Brust mit Schaum bedeckt, einhertrabte, und ritt ihn ihr vor. Marie jubelte laut ihm zu, und angefeuert von dem Beifall, that er ein übriges, sich als gewandter Reiter zeigend. Und als er sie zuletzt selbst auf einen zierlichen Braunen setzte und sie, von seiner Hand gestützt, glücklich herumkam, da hatte ihre Freude kein Ende. Sie hätte ihn am liebsten geküßt, den guten Onkel, als er ihr wieder vom Pferde half. Wie schade, daß der Papa keine Freude daran hatte, und es schnürte ihr die Brust zusammen, wenn sie an den dumpfen Zetchensaal dachte, in dem er sein Leben zubrachte. „Den Braunen werde ich für Dich zureiten lassen, ohnehin hat ihn der Vater getauft „Pygmalion." //®^/ Übkviß nach dem Gobelin im Zeichensaal," bemerkte Marie. „Natürlich, er ist ja sein Steckenpferd," erwiderte Herrmann — „der närrische König." „Närrisch? Der ist gar nicht närrisch." „Na, ich danke! — Sich ein marmornes Liebchen suchen, wenn das nicht närrisch ist!" „Ist ja nicht mehr Marmor, darum flehte er ja die Göttin an. „Hör' mir auf! Etwas Rechtes wird doch nicht daraus. Marmor bleibt Marmor, und Liebe ist Leben, und Leben ist Liebe," erklärte Herrmann in drolligem Pathos. „Dann lebst Du ja gar nicht, weil Du nicht liebst," erwiderte lachend Marie. Herrmann sah sie durchdringend an: „Weißt Du das gewiß, Koufinchen?" Da stand sie glühend rot in unsäglicher Verwirrung. Mit der ganzen harmlosen Freude war es vorbei, der Blick, der Ausdruck seiner Frage verletzte sie, ängstigte sie. Und plötzlich fing sie an zu begreifen, warum der Vater ihr den „Onkel" verbot. Sie hatte nur den einen Gedanken, loszukommen. Zu ihrem Glücke weigerte sich der Pygmalion hartnäckig, von einem Reitknechte geführt, den Stall zu betreten. Herrmann sprang dem Burschen zu Hilfe. Der Weg war frei. So that sie das thörichste, was sie thun konnte, sie floh vor dem Onkel der Villa zu. Als dieser sich nach ihr unwandte, sah er nur etwa» Weißes flattern zwischen den Kastanien des Parkes. Franz schlug sich mit der Reitgerte auf die glänzenden Stulpstiefel und lachte überlegen. Das Koufinchen! — In diesem Augenblicke war jede edlere Regung schon wieder verflogen, es blieb nur die frivole Genugthuung des Mannes, einen neuen, leichten Sieg errungen zu haben, fast zu leicht, um auf die Länge zu reizen. Drittes Kapitel. Mit Holaus war in den letzten Monaten eine auffallende Veränderung vorgegangen. Er sah um zehn Jahre jünger aus mit dem kurz geschnittenen Haar, dem wohlgepflegten Bart, anstatt des langen Jägerrockes, ohne den man ihn seither nie erblickte, einfach, modisch gekleidet. Das große, dunkle Auge leuchtete in neuer Energie, die ganze Gestalt hatte an Festigkeit gewonnen. Er bot jetzt sogar einen äußerst günstigen Gegensatz zu dem eleganten Herrmann, der fich eher wie ein stattlicher 8sü - Reitknecht neben ihm ausnahm in seiner durch keine vornehme Qualität gehobenen, blühenden Kraft. Es konnte kein Zweifel mehr sein, die allgemein bewunderte Tochter war der Grund dieser Verwandlung. Das ist nun einmal das Wunder der Jugend und Schönheit, daß ste alles um sich her neu belebt. Dazu kam ein Umstand, an dem tut ganzen Hause bis zum Laufburschen herab niemand zweifelte, ein Umstand, der wohl jedem Vater die Stirne glätten müße. Der reiche Herrmann, auf welchen jedes Mädchen der Stadt sehnsüchtig blickte, und die schöne Marie Holaus waren längst so gut wie verlobt. Zwar war die Sache noch nicht öffentlich ja, Frau Opel war ganz zornig, wenn man sie darüber ausholte und leugnete beharrlich,- aber die gemeinsamen Spazierritte, die Blicke, die man dabei beobachtete, vor allem aber das Fernbleiben deö bekannten Lebemannes von allen Vergnügungen, denen er sonst fröhnte, ließen keinen Zweifel darüber aufkommen. Herrmann war ein schöner Mann in der Vollkraft seiner Jahre, kein Mädchen hätte sich da besonnen. Holaus war der einzige, welcher an eine Verlobung nicht glaubte, und eben deshalb sah er so verjüngt ans, ging er so kerzengerade, war seine Stirn glatt, sein Blick so frei und groß. Er hatte Marie völlig sich selbst überlassen, besonders in Bezug auf Franz. Kein Wort, kein Blick der Warnung ging von ihm aus. Er beobachtete nur, die Wahrheit wollte er schauen, so grausam sie für ihn auch sein mochte. Und es entging ihm nichts. Nicht die Verwirrung, nicht die schmerzhafte Unruhe, als sie nach dem ersten Gang mit Franz zu ihm zurückkehrte, nicht das von neuem beginnende Drängen nach dem verführerischen Freund und der Freude, die bei ihm winkte, nicht das ängstliche, unsichere Sichnähern, wieder Zurückschrecken, wieder Sichnähern, halb neugierig, halb lüstern, nicht das ständige Schutzsuchen bei ihm, dem Vater, das stumme Fragen, um Aufschluß bitten im Widerstreit des Herzens. Nicht das stürmische Werben des Freundes, das Anwenden aller gewohnten Kunstgriffe, aber auch nicht die Abwesenheit jeder großen Neigung auf beiden Seiten. Und diese letzte, wie es ihm schien, untrügliche Beobachtung war zugleich auch der reinste Hohn für all die Qualen, für all das bange Hoffen und grausame Fürchten. Für sie war er der erste Mann, der das Weib in ihr wachrief- der erste Schmeichler! Die höchste Gefahr, wenn er nicht vom ersten Augenblicke an die Thorheit begangen hätte, den unendlich zarten, weiblichen Instinkt für das Feindliche, Drohende, Lauernde im Manne zu wecken und damit für immer sein Spiel zu gefährden. Für ihn war ste eine Sensation, eine frische Oase in seinem Genußleben. Er liebte mehr die heilsame Wirkung, die von ihr ausging, als sie selbst. Eine Beobachtung war es vor allen, welche Holaus in eine geheime Verzückung versetzte, so sehr er sich Mühe geben mußte, sich den ungetrübten Blick zu bewahren- ste fiel gleichsam als eine köstliche Frucht seines ehrlichen Forschens ab, auf die er ja gar nicht gerechnet, und um so gieriger ergriff er sie. Das Seelenleben Mariens, das er so sorgfältig beobachtete, um ihre Liebe zu Herrmann darin zu entdecken, ergab eine Regung, vor der er lange mit pochendem Herzen stand. Alles hatte er schon sorgfältig analystert, die Liebe zu dem Jugendfreunde, zu dem Freunde des Vaters, die Kindesliebe, die bei dem Mangel der Mutter sich völlig auf ihn vereinigen mußte, die geistige Verwandtschaft durch seine fortgesetzte Beeinflussung ihres ganzen Wesens, — immer blieb der geheimnisvolle Rest, eine innere Wärme, mehr, eine versteckte Glut, die sich scheu zu verbergen suchte, um sich dann in kindlichen, völlig ungereimten, aber um so schmerzhafteren Ausbrüchen Lust zu machen. Ein stürmisches Fliehen in seine Vaterarme und dann wieder jungfräuliches Aufschrecken und mädchenhaftes Zurückziehen. Ihr zarter Instinkt wittert in dir den fremden Mann, durch die Maske des Vaters hindurch. Das ist alles! sagte er sich oft. Aber die Erwiderung fehlte nicht. Auch der feinste weibliche Instinkt wäre nicht imstande, in ihm den verkappten Vater, den fremden Mann heraus zu wittern, wohl aber, — den geliebten Mann. Der geheimnisvolle Rest blieb, und immer verführerischer blitzte es auf darin. Er erwartete jetzt geradezu mit Ungeduld die öffentliche Werbung Herrmanns um seine Tochter, fest entschlossen, sie abzuweisen. Lag daS einmal endgültig hinter ihm, dann erst war es Zeit, der Frage betreffs Enthüllung der Herkunft Mariens näher zu treten, welche er für den Augenblick völlig zurückgestellt. Nur ein Gedanke beunruhigte ihn. Würde er Herrmann abweisen, wenn Marie wirklich sein Kind wäre? Da kam ihm Frau Opel zu Hilfe, welche aus ihrer Abneigung zu Herrmann kein Hehl machte und sich wiederholt über seine Duldung des freien Verkehres Mariens mit dem Onkel aufhtelt. Was konnte ste für ein Interesse daran haben, als ein rein selbstloses, von der Liebe zu Marie geleitetes. Er war ihr unendlich dankbar dafür und bat ihr im stillem allen Unmut ab, den er schon gegen ste gehegt. » * * Holaus saß in seinem Zeichensaal. Er versäumte keinen Augenblick seine Pflicht über seinen Herzenswirren. Marie war mit Herrmann ausgeritten. Er hatte sich längst mit dieser ihrer Liehaberei auSgr- söhnt. Im Gegenteil, sah er in neuer Zeit in diesem ungebundenen Verkehre Mariens mit Herrmann einen neuen Beweis, wie sicher sie sich ihm gegenüber fühlte. Ein scheues Zurückziehen, ein Fürchten, mit ihm allein zu sein, hätte ihm mehr Besorgnis eingeflößt. Aber heute packte es ihn wieder mit Allgewalt. Hieß es nicht das unerfahrene Kind immer von neuem einer Gefahr aussetzen? Eine augenblickliche, geschickt ausgenutzte Schwäche, eine weiche Stimmung konnte fettem ganzen gewagten Verfahren Hohn sprechen, ihn vor eine Thatsache stellen, die gar nicht mehr umzustoßen war. So lange blieben sie auch nie aus. Stimmenlärm im Parke vor dem Hause trieb ihn an das Fenster. Wieder nichts! Der alte Opel wies wieder einmal einen armen Teufel mit gewohnter Derbheit hinaus. Und wie oft hatte er ihn darüber schon zur Rede gestellt- aber der alte Wachtmeister kam immer wieder zum Vorschein. Eben wollte er sich ärgerlich abwenden, da stutzte er. Die Stimme des Fremden drang an sein Ohr: „Machen Sie, was Sie wollen! Ich komme doch noch zu Herrn Holaus! Jawohl, dann sollen Sie was erleben, Sie Leuteschinder!" Holaus sah sich den Mann näher an. Es lag eine seltsame Drohung in seinen Worten und, wer betteln will, droht nicht. Es war ein sichtlich stark herabgekommener Mensch von etwa 40 Jahren, in defektem, blauem Anzuge, der die unverkennbaren Spuren des Herumlungerers, des Nachtverbringers in Kneipe und freier Heide an sich trug, während das spärliche und ergraute Haar wirr unter einer schwarzen, abgerissenen Mütze hervorsah, die kühn seitwärts im Nacken saß. — 691 An dem bleichen Antlitze von unverkennbar feinem Schnitte kämpfte spitzbübische Verschlagenheit mit der Schlaffheit des Trinkers um den Ausdruck. Als Opel hangreiflich wurde und den Burschen mit rauhem, altgewohntem Griffe beim Kragen faßte, da riß Holaus rasch das Fenster auf. „Führen Sie den Mann zu mir, Opel." Der Vagabund sah erstaunt herauf, zog dann tief seine Mütze und wandte sich höhnisch lachend zum Hausmeister. „Sehen Sie, was habe ich gesagt? Er ruft mich schon." Dann eilte er, gefolgt von Opel, welcher vergebens eine Warnung brummte, der Villa zu. (Fortsetzung folgt.) Die Diamantfelder in Südafrika. Bon Fred Hood. ------- (Nachdruck verboten.) Der Mittelpunkt des südafrikanischen Diamant-Gebietes ist Kimberley, eine Stadt von etwa 40 000 Einwohnern in Westgriqualand, welche 1872 gegründet wurde und ihren Aufschwung allein der Entdeckung der Diamantfelder verdankt. Sie liegt unweit der Westgrenze des Oranje-Freistaates, und hat Bahnverbindung mit Kapstadt und nach Norden hin mit Vryburg in Britisch-Betschuanaland. In unmittelbarer Nähe dieser schnell emporgewachsenen Handelsstadt befinden sich die vier hervorragendsten Diamantgruben, welche unter dem Namen de Beers-, Bultfontein-, DuToit- span- und Kimberley-Gruben bekannt sind. Da sie zusammen etwa 90 Prozent aller aus Südafrika bisher exportierten Diamanten liefern, so fallen die übrigen Gruben für den Welthandel nicht sehr ins Gewicht/ doch vielleicht ruhen noch unermeßliche Schätze tief in dem reichen Boden dieses Landes. Die Ausbeutung wurde im Jahre 1869 begonnen,- sie war sehr reich und man fand große, aber gewöhnlich etwas gelblich gefärbte und durch mannigfache Entschlüsse verunreinigte Diamanten. Sie werden in einer bleigrauen, festen, vulkanischen und tuffartigen Gefteinsmasse gefunden, einem Konglomerat, welches die Füllung erloschener Krater von 200 bis 300 Meter Durchmesser bildet und dessen Tiefe noch nicht ergründet ist. „Blaue Erde" nennen die Diamantsucher diese kostbare Gesteinsmasse, aus welcher sie ungeheure Schätze hervorgeholt haben, während die obersten Schichten, welche durch die Witterungs-Einflüsse mannigfache Aenderungen erlitten, als „gelbe Erde" bezeichnet werden. Diese war es, welche zuerst als diamanthaltig erkannt wurde und zur Bearbeitung des fruchtbaren Bodens Veranlassung gab. Ungeachtet der einfachen Werkzeuge der ersten Diamantgräber erreichte die durchschnittliche jährliche Ausfuhr einen Wert von 25 000 000 Mark, und jeder nach England bestimmte Postdampfer hatte regelmäßig 15 bis 20 Pfund Diamanten in versiegelten Säcken und Paketen an Bord. Nach 1875 wurde der jährliche Ertrag der Claims von Kimberley auf 20000000 Mark bewertet. Aber die Produktion begann bald abzunehmen. Als die Diamantgräber weiter in die Tiefe drangen, und der Abbau immer schwieriger und kostspieliger wurde, verließen sehr viele ihre Gruben, zumal der Preis der Diamanten infolge des heftigen Wettbewerbes auf dem Markte tief gesunken war. Für die einzelnen „Digger", die die Erde aus einer Tiefe von 30 bis 60 Meter emporschaffen sollten, wurde die Arbeit zu beschwerlich und zu kostspielig,- es war somit der rechte Zeitpunkt zur Bildung einer großen kapitalkräftigen Gesellschaft gekommen, um eine ergiebige Ausbeutung der Gruben zu bewirken. Im Jahre 1887 erfolgte dann die Vereinigung aller an einzelne Digger verliehenen 3238 Claims der Kimberley-Mine durch vier Kompagnien, welche hauptsächlich unter dem Einfluß Rothschilds in London zu einer einzigen, der De Beers-Gesellschaft, verbunden wurden. Dieser Gesellschaft, an deren Spitze Cecil Rhodes trat, gelang es durch geschickte Ausnutzung der ganzen Geschäftslage, die vier Hauptgruben in ihren Besitz zu bringen, wodurch sie sich zur Beherrscherin des Diamant-Welthandels aufschwang. Die Ausbeute wuchs sehr schnell und stieg in den Jahren 1893 bis 1896 von 914121 auf 3 035481 Karat, d. h. von 18036 360 Mk. auf 78 630840 Mk. Die Toitspan- und Bultfontein Gruben wurden zeitweilig geschloffen, um durch Einschränkung des Betriebes die Preise in die Höhe zu bringen oder auf der Höhe zu erhalten. Die Kimberley- und die De Beers-Gruben wurden dagegen sehr energisch ausgebeutet und mit allen erforderlichen Förder- und Wasserhaltungs-Einrichtungen der neuesten Konstruktion ausgerüstet. Zum Abbau werden sehr vollkommene Preßluft-Bohrmaschinen angewendet, und die blaue Erde wird in Karren, welche auf Schienen rollen, zu dem Schachte gefahren, durch welchen sie emporsteigen soll. 400 Ladungen von je 725 Kilogramm können in jeder Stunde zum Förderschacht gebracht werden. Die Karren entleeren sich automatisch und schütten ihren Inhalt in Kästen, welche durch die Hebevorrichtung zu Tage gefördert werden. Hier wird die Erde von den Taschen eines Baggerwerks ausgenommen, und diese schütten ihren Inhalt wieder in stählerne Wagen, welche vermittelst eines Kettenantriebes ohne Ende nach den Lagerplätzen befördert werden. Aber das sehr harte Material, wie es aus dem Schachte emporkommt, kann natürlich nicht ausgewaschen werden. Man breitet es in einer Schichtstärke von 20 bis 25 Zentimeter auf den geebneten, viele Quadratmeter umfassenden Lagerplätzen aus, um es sodann mit Wasser zu besprengen, mit dem Pfluge durchzuarbeiten und der energischen Verwitterung auszusetzen. Nach einem Jahr ist der größte Teil der blauen Erve so beschaffen, daß er ausgewaschen werden kann, aber ein Teil der Masse ist immer noch so hart, daß er durch Steinbrecher zerkleinert werden muß. In der Diamantwäsche wird die Erde zunächst durch Aufzüge emporgehoben und dann durch einen großen siebartigen Zylinder mit etwa einzölligen Löchern geschüttet, so daß alle größeren Stücke in diesem zurückgeyalten werden. Letztere werden nochmals quf den Lagerplätzen der Verwitterung ausgesetzt, während das Feingut in große Pfannen von etwa 4 Meter Durchmesser gelangt, in welchen Rührarme rotieren, und die das Material unter ständigem Zufluß von Wasser dem Schlämmprozeß unterwerfen. Dabei werden die spezifisch schwereren Teile Diamanten, Granaten und andere Mineralien von hohem Gewicht, nach dem Rande der Pfanne geschleudert, während die leichteren Teile durch Oeffnungen in der Mitte abgeleitet werden. Die schweren Mineralien, welche man den Schlämmpfannen entnommen, gelangen jetzt nach den sogenannten Satzmaschinen,- diese enthalten eine Reihe von Sieben mit verschiedener Maschenweite, sowie eine aus Bleikugeln gebildete Bettung, welche den zu raschen Durchgang des Gutes verhindern. Durch die Maschen der Siebe gelangen die Mineralien, bereits nach der Größe sortiert, in verschiedene Behälter und sodann in den Scheideraum. Es ist dies ein langgestreckter Saal mit einer großen Reihe von Sortiertischen. Alle Räume und Werkstätten find, wie es die peinliche Behandlung der Steine verlangt, sehr hell mit elektrischen Lampen beleuchtet. Das Sortieren der Edelsteine erfolgt durch Neger, während die Aufsicht führenden Beamten fast ausschließlich Europäer sind. Die Diamanten verschiedener Fundorte sind auch sehr verschieden an Gestalt und Färbung. Selten sind sie vollkommen farblos und die aus der Toitspan-Grube fast weingelb, aber in der Regel groß und schön krystallisiert. Dagegen werden in den Diamanten-Wäschereien bei Kltpdrist am Vaalfluffe fast ausnahmslos wafferklare Steine gewonnen, aber die Ausbeute dieser Wäschereien ist nicht sehr groß, und eS werden nur kleine Diamanten gewonnen. Bisweilen werden in den südafrikanischen Diamant- selber» Edelsteine von ungewöhnlicher Größe gefunden. Ein Franzose, der für daS Haus Robert Spalding arbeitete. 692 gewann in der nicht mehr bestehenden Wäscherei Waldecks- Piant einen 2821/a Karat schweren Stein, welcher von sehr lichtgelber Färbung war und unter dem Namen „Stewart" bekannt wurde. Der größte Diamant, den man bisher überhaupt gefunden hat, wog 428 y2 Karat- er wurde von einem Eingeborenen gestohlen, nachher aber wieder entdeckt. Obwohl die Entwendung von Diamanten mit vielen Jahren Zuchthaus bestraft wird, werden unzählige Edelsteine entwendet, und man wird sich vorstellen können, daß die Ueberwachung der Arbeiter der Gesellschaft ganz außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. So erzählte O. Kalk- Reuleaux im „Prometheus" (Jahrgang 1896), daß Diamanten bis zu 70 Karat einfach verschluckt und nachher wieder auf natürlichem Wege aus dem Körper ausgeschieden werden. Als beste Hilfe fand man die streng durchgeführte Kasernierung aller Angestellten und deren Ueberwachung bei den intimsten Verrichtungen. Ich sagte schon, daß neben den vier großen Gruben die zahlreichen kleinen für den Welthandel nicht sehr ins Gewicht fallen- aber eine derselben muß doch noch hervor- gehobcn werden- es ist diejenige von Wesselton, welche erst 1890 entdeckt wurde, obwohl sie der Du Toitspan - Grube sehr nahe liegt. Die Gesellschaft erwarb sie von dem früheren Eigentümer H. A. Ward für 10 000 000 Mark. Der Abbau ist hier noch nicht so sehr beschwerlich und der ganze Arbeitsprozeß kürzer und einfacher, da man cs hier noch mit dem Abbau der obersten Schichten, der „gelben Erde", zu thun hat. Die Diamantfelder am Vaalflusfe erstrecken sich auf einen Umkreis von etwa 100 Kilometer- es find mächtige eisenhaltige Kiesschichten, in denen man meist kleinere, aber sehr schöne Diamanten findet. Nach einer zuverlässigen Berechnung von Theodor Reunert sind seit der Entdeckung der Diamantfelder im Jahre 1867 weit über 70 000 000 Karat Diamanten im Gesamtwert von 2 000 000 000 Mk. abgeführt worden. Das ist ein Sümmchen, welches vollkommen den Eifer rechtfertigt, mit welchem hier Tausende von Menschen unablässig nach Schätzen graben. Einstweilen ist der Diamantreichtum dieses Bodens noch lange nicht erschöpft, wenn er sich auch mit dem Goldreichtum dieses merkwürdigen Landes keineswegs zu messen vermag. ___________ Gemeinnütziges. Iür die Küche. Grünkorn - Suppe. 10 Personen. BereitungSzeit 21/2 Stunden. Zuthaten: 350 Gramm Grünkorn, 80 Gramm Butter, 3/4 Liter Wasser, 2*/2 Liter gute Brühe aus Liebigs Fleisch-Exktrakt, 3 Eidotter, Salz nach Geschmack, zwei bis drei würflig geschnittene, geröstete Weißbrötchen. Die gut verlesenen Körner werden in lauwarmem Wasser gequirlt, abgegosien, mit 3/4 Liter Wasser und der Butter auf's Feuer gesetzt, unter öfterem Umrühren 2 Stunden gekocht, so, daß sie bei gelegentlichem Zugießen langsam weich werden. Durch ein Sieb getrieben, bringt man sie nun, mit der Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt vermischt, zum Kochen, zieht die Suppe mit den Eidottern ab, und giebt sie mit den Semmelwürfeln auf den Tisch. Savoyer Kohl mit Bauchspeck. 10 Personen. Bereitungszeit 2J/2 Stunden. Zuthaten: 4 mittelgroße Kohlköpfe, 1 y2 Kilo magerer Bauchspeck, 125 Gramm durchwachsener Speck, 100 Gramm Butter, 2 Zwiebeln, 2 scheibig geschnittene Wurzeln, 20 Gramm aufgelöstes Liebigs Fleisch- Extrakt, einige ganze Pfefferkörner. Salz nach Geschmack. Nachdem man die schlechten, äußeren Blätter der Kohlköpfe abgebrochen hat, schneidet man einen jeden in 4 Teile, entfernt die dick hervorstehenden Rippen und kocht den Kohl, in siedendes Wasser geworfen, halb weich. Ist dies geschehen, thut man ihn in kaltes Waffer, drückt die Blätter zwischen Tüchern aus und formt von denselben etwa eigroße Röllchen, die nebeneinander in eine Kasserole gelegt werden, deren Boden man mit dem scheibig geschnittenen Speck, den Wurzeln, Zwiebeln und Gewürz bedeckte. Ferner giebt man die Butter, das in Vs Liter Wasser aufgelöste Liebigs Fleisch - Extrakt hinzu, legt die noch übrigen Speckscheiben oben auf, schließt das Geschirr mit einem gut passenden Deckel, auf den man auch glühende Holzkohlen schütten kann und dämpft den Kohl langsam gar. Kranzförmig auf eine Schüssel arrangiert und mit dem besonders gekochten Bauchspeck garniert, giebt man in die Mitte kleine gebratene Kartoffeln. Gut zubereitet ist dies Gemüse außerordentlich kräftig und wohlschmeckend. Brennekam: Gotteswege und Merrschenwege. 6 Erzählungen, 136 S., Verlag der Berliner Stadtmission, Berlin SW Johanniterstr. 6. Brosch. 1 M„ geb. 1,80 Mk. Echt volkstümliche Geschichten, die uns hincinschaucn lassen in das Fehlen und Sündigen der Menschen und in die Tiefen der Gottesgnade, in das Menschenhcrz, das seinen eigenen Weg anschlägt und in das Gottcsherz, das alles zum Besten zu lenken weiß. Bald tritt uns ein heiliger Ernst entgegen der uns Thränen des Mitleids in die Augen treten läßt, bald begegnen wir einem köstlichen Humor, der uns Frcudenthräncn vergießen läßt. Das Buch ist in erster Linie für Gemeindcbibliotheken, aber ebensowohl zur Familienlektürc geeignet. Robert Wen dl and t: Die steinernen Tafeln. Zehn Erzählungen zu den zehn Geboten, 138 S. Verlag der Buchhandlung der Berliner Stadtmission, Berlin SW., Johanniterstr. 6. Brosch. 1 M.', ge6. 1 M. 80 Pf. Der Verfasser ist ein noch jugendlicher Schriftsteller, dem wir aber in vielen Tageszeitungen und Erbauungsblättern schon begegnet sind. Er führt uns am liebsten Gestalten aus dem Volk vor: Die Zeichnung der Charaktere gelingt ihm stets ganz vortrefflich, seine Darstellung ist klar und volkstümlich. Das religiöse Moment tritt in den vorliegenden Erzählungen nicht besonders hervor, aber der ganze Aufbau ruht auf dem Grunde des Christentums. Das Buch wird um so mehr wirken, je weniger es die Tendenz hervortrcten läßt. Das Buch ist Ernst von Wildenbruch, von dem der Verfasser offenbar viel gelernt hat, gewidmet. Weihnachtsglocken. Erzählungen von Ernst Evers. Verlag der Buchhandlung der Berliner Stadtmission, Berlin WS., Johanniterstr 6 44 Hefte L 10 Pf, 100 Hefte gemischt 7 SJlt. Soeben sind in dieser L-ammlnng neu erschienen Heft 41, Die Mutter und die Stiefmutter. 42. Dunkle und helle Weihnachten. 43, Bei den Kindern. 44, Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Die Weihnachtsglocken sind in Hundert- tausendcn von Exemplaren verbreitet und werden in Sonntagsschulen und Vereinen stets mit Freuden aufgenommen werden nicht nur um ihrer vortrefflichen, echt volkstümlichen Darstellung, sondern auch ihres reichen Bilderschmucks wegen. Die neuen Hefte sind in hübschem farbigem Umschlag erschienen; Heft 43 zeichnet die Gefahren des großstädtischen Lebens, Heft 44 giebt das Lebensbild des Stifters der Brüdergemeinde dessen zwcihundertjährigen Geburtstag wir im nächsten Jahre feiern werden. Kinderspiegel. Von E. Hübner, neu hcrausgegebcn von Ernst Evers. 6 Hefte je 16 Seiten, im bunten Umschlag. Preis ä Heft 5 Pfg., 100 Hefte gemischt 4 Mk. Berlin, Johanniterstr. 6, Buchhandlung der Berliner Stadtmission. — Kleine allerliebste Geschichten fürs Alter von 6 bis 12 Jahren. Zu Bescherungen in Schulen, Sonntagsschulen re. sehr geeignet. Kapseli-ätsel. (Nachdruck verboten.) Aus dem ersten und dem letzten der folgenden Wörter sind je drei ans jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhällgendc Buchstaben zu entnehmen, sodaß sich daraus ein Sprichwort ergießt. Feuerschein - Zugvogel — Ballkleid — Musiklehrer — Seebad — Kuckuck — Bachstelze — Handtuch — Distel — Gertrud — Sinic — Kaninchen — Reitgerte — Fixstern. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: RUBEL URAL BAN E L L Redaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.