Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. W«e Erzählung von P. Ditfurth. (Fortsetzung.) XIV. „Nun denke Dir, Anna, ich habe Mama bewogen, daß sie uns zu meinem Geburtstage ein Gartenfest gtebt, ist das nicht reizend?" Frida blickte in Hellem Triumphe ihre Freundin an. Beide waren in Renatas Zimmer zusammen getroffen und es war seltsam, daß sie gern dorthin gingen, obwohl ihnen an dem ernsten Mädchen so vieles nicht gefiel. „Ein wundervoller Gedanke, Frida," rief Anna, ihre kurz geschnittenen Haare zmückwcrfend, „er wird mit Wonne begrüßt werden in dieser öden Zeit." Sie warf einen Z-virn- knäuel aus Renatens Arbeitskorb als Ball in die Höhe. „Hören Sie auch zu, Renata?" wandte fie sich an diese. Renata fuhr ein wenig zusammen und blickte ziemlich verständnislos auf, sie hatte ihre Gedanken wandern lassen. „Ei, woran dachten Sie?" neckte Anna, „können Sie auch träumen?" Renata wurde rot und Frida rief: „Ach, für solche Dinge interessiert sich Renata nicht!" „Ich will Ihnen helfen, mein Kind, damit Sie sich in der bösen Welt zurecht finden," sagte Anna mit komischem Pathos. „Also es wird ein Gartenfest im Gylfenhofe gegeben, Anfang August, ehe die Studenten ausrücken. Frida schwebt als Luna über uns, wir als Schwärmer und Schwärmerinnen um fie her, dazu bunte Laternen, Raketen, Fackelschein, kurz, ganz k ia Tausend und eine Nacht." „Du bist unartig," schmollte Frida, den Kopf aufwerfend. „Nun sehen Sie dieses Kind, Renata/ ich gehe mit m rPKPlffl ie liegt der edle Kern so lange in Spreu und Plunder tief versteckt! So bleibt auch oft das Wort des Meisters vom leichten Tand der Zeit bedeckt. Mag drüber hin das Unkraut wuchern, der starke Keim bricht doch hervor, Und streckt zu einem Wunderbaume sich vor der Nachwelt schnell empor. W. Müller. solchem Feuer auf ihre Idee ein, daß ich nächstens als bengalische Flamme aufgehen werde, und das nennt sie unartig!" Die beiden anderen Mädchen lachten, und Frida wandte sich etwas besänftigt an Renata: . „Du kommst natürlich auch." „Ich?" „Ja Du,- ich nähme es sehr übel, wen» Du es nicht thätest." „Ich bin in Trauer, Frida." „Deshalb können Sie immer kommen," warf Anna ein, „es ist ja keine öffentliche Lustbarkeit, und Sie brauchen nicht zu tanzen." Renata schüttelte den Kopf. „Das werde ich Mama überlassen, Dich mürbe zu machen, Renata," sagte Frida sehr zuversichtlich. „Dann wette ich, Sie kommen, Großmütterchen!" rief Anna. Sie nannte Renata zuweilen so. „Eine Großmutter gehört nicht unter die Jugend," erwiderte Renata ein wenig gereizt/ warS ihr doch am Ende nicht recht, daß gerade Anna Burghoff sie so nannte? Diese lachte: „Darum eben will ich unser Großmütterchen in einem jungen Mädchen von neunzehn Jahren untergehen sehen/ passen Sie auf, wir wenden alles an, ich habe Sie viel zu gern und erst gefielen Sie mir gar nicht." Renata mußte über das offene Geständnis lachen. „Anna, wir müssen nach Hause," mahnte Frida, und suchte nach ihrem Hule. Mit vielen Worten und langem Abschiednehmen verschwanden endlich die beiden Mädchen. Renata war wieder allein. Sie fühlte sich jetzt nicht mehr so einsam wie früher, eine eigene wunderbare Träumerei kam oft über sie, dann war fie zerstreut, was sie früher nie gewesen, und fuhr zusammen, wenn ein fremder Ton ihr Ohr traf. Und doch gab sie sich keine klare Rechenschaft darüber, sie, die sonst jeden Gedanken, jedes Wort streng vor Gericht forderte/ eS war, als scheue sie sich, in ihr eigen Herz zu blicken und die Gedanken zu sondern, die dort so verworren auf und nieder gingen. Sie dachte oft, wie an jenem Geburtstagsmorgen, daß die Welt doch schön sei. War das die Zeit, die ihr Viktor verheißen, wo sie fühlen würde, was Jugend sei? Und fie ging zu Fridas Geburtstage nach dem Gylfenhofe. Charlotte hatte ihr auf Fridas Drängen eifriger zugeredet, als sie sonst wohl gethan haben würde, und Renata ließ sich überreden und überwand auch ihr beklommenes Herz, 618 das so mahnend pochte, als sie das Trauerkleid ablegte — nur dies eine Mal. In Fridas Zimmer unterwarf Anna Burghoff Renatens Anzug einer eingehenden Kritik. Jetzt nahm sie einen Zweig Theerofen und befestigte ihn in Renatens dunklem Haar, dann schob sie die Geschmückte mit energischem Griff vor den Spiegel: „Da soll nun einer unser Großmütterchen wieder erkennen," rief sie, „Sie sehen wirklich reizend aus." Renata blickte auf in den Spiegel und freute sich. Das weiße, duftige Kleid mit wenigen schwarzen Sammetschleifen verziert, umschloß vorteilhaft ihre schlanke Gestalt und hob ihre heute ohnehin schon lebhaftere Farbe, und die Hellen Rosen lagen graziös in dem üppigen Haar. Selbst Frida mußte sich gestehen, daß Renata ganz wunderhübsch aussah. Sie wußte ja daneben ihr eigenes reizendes Bild, das an Schönheit und Jugendfrische jede übertraf, fieberhaft aufgeregt trippelte sie unruhig hin und her, bis man die ersten Gäste hörte, da flog sie hinaus. Anna folgte langsam mit Renata. „Wissen Sie auch, daß mein Bruder nun Doktor ist?" fragte sie mit schwesterlichem Stolze. „O, dann kann ich ihm heute gleich gratulieren," sagte Renata erfreut. Der Schwarm der Gäste wuchs immer mehr an, Renatens Herz klopfte beinahe hörbar, und sie meinte, es müsse ihr jeder ansehen, daß sie das erste Mal in der Welt sei. Aber durch all den Wirrwarr der lachenden und schwatzenden Stimmen hörte sie doch eine, die sich ihr näherte und dicht neben ihr einen herzlichen Gruß bot. Fast hilflos sah sie zu dem neugebackenen Doktor der Philosophie auf, er lachte sie vergnügt an: „Sie sehen ja ganz ängstlich aus, Fräulein Renata?" „Ach, es ist mir so sonderbar unter den vielen fremden Menschen," seufzte sie. Er betrachtete sie mit unverhohlenem Wohlgefallen, so jugendlich und echt mädchenhaft hatte er sie noch nie gesehen. Er nahm lächelnd ihren Glückwunsch an und behauptete, die neue Würde noch gar nicht repräsentieren zu können. „Haben Sie Frida schon begrüßt?" fragte Renata. „Es war nicht möglich durch den Schwarm, der sie umgiebt, durchzudringen." Frida feierte allerdings Triumphe, und wie eine Feenkönigin nahm sie die Huldigungen an, in einer Wolke von Liebenswürdigkeit schwebend. Sie hatte wohl bemerkt, daß Viktor da war und nicht sofort die Kette ihrer Ritter durchbrochen hatte, und jetzt stand er neben Renata im eifrigen Gespräch,' ein Schatten flog über ihr helles, rosiges Gesicht. Man zog in den Garten, der trotz seiner mäßigen Größe in sommerlicher Pracht blühte. Viktor begrüßte die Festkönigin, aber sie warf den rosenbekränzten Kopf auf und sagte spitz: „Sie kommen spät, Herr Doktor." „Meine Anstrengungen, den Kreis Ihrer Trabanten zu durchdringen, waren vergeblich, ich mußte warten, bis die Sonne hinter den Wolken wieder vorkam," sagte er mit einer tiefen Verbeugung. „Andere machten doch wohl noch größere Anstrengungen," erwiderte sie kurz und wandte ihm den Rücken. Er sah ihr nach, und sein hübsches, feines Gesicht rötete sich vor Unwillen, aber dann mischte er sich unter die Bekannten. Das Feuerwerk war abgebrannt- es wurde kühl im Garten, und die junge Welt wollte tanzen. Das große Wohnzimmer war dazu hergerichtet, und so ordnete sich schon die Polonaise im Garten. Frida stand mit einem auffallend hübschen Studenten an der Spitze und ließ die strahlenden Augen übermütig umherschweifen. Doktor Burghoff war nicht sür sie da, was brauchte sie ihn denn? Sie zogen an Viktor vorüber, sein Gesicht war ruhig, er trat zu Renata und bat sie um diesen und den nächsten Tanz. „Ich tanze nicht," sagte sie leise, einen Schritt zurücktretend. „Warum nicht?" „Ich bin ja in Trauer," fuhr sie beklommen fort, sie fühlte einen Stich im Herzen, als er forrfuhr: „Aber heute doch nicht," und mit seinen Augen ihr weißes Kleid streifte. „Laffen Sie mich," bat sie- „es sind ja so viel hübsche Mädchen da," und doch war sie traurig, daß sie nicht mit ihm gehen sollte. „Rein, Fräulein Renata, ich möchte mit Ihnen gehen, und wollen Sie nicht tanzen, dann gewähren Sie mir nur die Polonaise." Er sprach so warm und offen und sah sie so bittend an- konnte sie widerstehen? Sie senkte den Kopf, und im nächsten Augenblick lag ihre Hand auf seinem Arm. An der Hausthür blickte sie auf, da stand der Profeffor, dem sie vorhin gesagt, sie werde nicht tanzen. Sein großer, erstaunter Blick traf sie, und wieder senkte sie den Kopf wie unter einer Schuld. Aber dann kam die noch nie gehörte Tanzmusik mit ihren verführerischen Weisen, sie sah die Jugend in anmutiger Gestalt rings um sich, und sie ging an Viktors Seite. Nach Beendigung der Polonaise blieb sie aber fest, sie tanzte nicht, und war es denn nicht viel schöner, daß er neben ihr stand und mit ihr sprach? Hernach zog sie sich still zurück und sah ihn mit manchem hübschen Mädchen vorüber fliegen. Jetzt stand Viktor vor Frida und bat um einen Tanz. War es möglich, daß er das mit solch unbefangenem Lächeln that? Empört wollte sich die zürnende kleine Fee abwenden, aber seine Augen blickten so eigen in ihr Gesicht, ein dunkles Gefühl sagte ihr, daß er, abgewiesen, nicht wieder kommen würde, vielleicht nie. Ihre feinen Hände zerbrachen fast den Fächer in innerem Kampfe, und er sah sie noch immer so ruhig an- seine Augen siegten, und sie sagte ihm mit stummem Nicken zu. Zur Sühne fertigte sie ihn am Schluß mit einer hochmütigen Gebärde ab und wandte sich, ohne ihm ein Wort zu gönnen, an ihre Nachbarin. Er schien aber auch keins zu erwarten, sondern drehte sich gleichfalls nach der anderen Seite. Mit Mühe hielt Frida das strahlende Lächeln auf ihrem Gesicht fest, in ihr wogte es unbeschreiblich, ihre Eitelkeit war tief verletzt durch Viktors Benehmen- meinte er wirklich Sieger zu bleiben? Nein, sie wollte es ihm zeigen, daß er ihr ganz gleichgültig sei. „Sieh Dir nur diese Renata Wendelin an, Viktor", sagte Max, seinen Kneifer zurecht rückend, „sie sieht aus wie eine Prinzessin- schade, daß sie nicht tanzt." Renata zog noch mehr Blicke auf sich, ohne es zu ahnenzuweilen begegnete sie auch den ernsten Augen des Professors. Gesprochen hatte er wenig mit ihr und wie dachte er wohl über sie, daß sie hier war im weißen Kleide? Wars doch noch kein Jahr, daß er den Bruder bleich und sterbend ins Haus getragen. Der Kopf that ihr weh von all dem ungewohnten Lichterglanz, es war so heiß und drückend. Sie warf ein Tuch auf die Schultern und verließ das Zimmer, sie sehnte sich nach kühler Nachtluft. Vom Vorsaal aus führte eine Glasthüre auf eine hölzerne Gallerte, die an der Hinterseite des Hauses entlang lief. Dorthin ging Renata, aber keine erfrischende Luft wehte ihr entgegen, obwohl Millionen Sterne am Himmel funkelten. Im Südwesten rückte es dunkel und unheimlich herauf, und dann und wann flammte es in der Wolkenwand auf. Unten im Grase zirpten die Grillen, und die Leuchtkäfer flogen durch die Augustnacht. Renata schreckte auf, ein fester, elastischer Schritt kam über den Vorsaal und näherte sich der Glasrhüre. Sie wurde geöffnet und an den Umrissen erkannte Renata Viktors Gestalt. „Renata, find Sie hier?" fragte er gedämpft. Sie bejahte leise, aber er hörte es und trat rasch heran, die Thüre hinter sich schließend. „Fräulein Renata," sagte er mit erregter Stimme, „ich suchte Sie, hören Sie mich nur wenige Minuten an." — 619 — Sie blickte zu ihm auf wie träumend mit zitterndem Herzen, zitternd in glückseliger Ahnung von etwas wunderbar Schönem. Einen Augenblick lehnte der junge Mann stumm an der hölzernen Brüstung und starrte in die Dunkelheit. „O diese köstliche Stille, sie bringt mich wieder zu mir selber," sagte er dann. „Es kommt ein Gewitter," murmelte Renata. „Nun, das ist mir recht," fiel er hastig ein, „Blitz und Donner ist mir lieber als diese Spannung, ich ertrage sie auch nicht länger." Er trat dicht vor sie hin: „Renata, helfen Sie mir mit Ihrer Klarheit, Ihrem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn, ich lege eine Lebensfrage in Ihre Hände mit festem Vertrauen, daß Sie fie friedlich lösen werden, wollen Sie?" Sie neigte den Kopf und meinte, er müffe das Pochen ihres armen Herzens hören. „Sie müssen es längst bemerkt haben," fuhr er fort, „wie es um mich steht, wie ich hin und hergezogen werbe. Ost werde ich zurückgestoßen, daß ich meine, es ist aus und doch fühle ich, ich kann nicht von ihr taffen." Er schwieg einen Moment, dann sprach er weiter: „Ich bin überzeugt, Sie kennen Frida besser als wir alle,- Ihr treues Festhalten ist mir eine Gewähr für das launenhafte Kind gewesen. Sprechen Sie, Renata, glauben Sie, daß Frida ein warmes, treues Herz hat, das herzlich zu lieben vermag?" Renatens schmale Hand lag auf der Brüstung, sie zitterte, und ihr Gesicht war so weiß wie ihr Kleid. Es war gut, daß sie an einer hölzernen Säule stand, fie lehnte fich ermattet daran und schloß einen Augenblick die Augen. Ein flammender Schein fuhr über den Nachthimmel und erhellte sekundenlang die Umgebung. „Die Lösung ein Wetterleuchten," sagte Renata leise vor sich hin. „O, bitte, sprechen Sie, Renata," drängte Viktor und faßte ihre kalte Hand. Er ahnte nicht den Kampf, der hier vor ihm während weniger Minuten durchgerungen wurde. Renata segnete die dunkle, dunkle Nacht. Es lag in ihrer Hand, einzugreifen in diese zwei Menschenschtcksale und in ihr eigenes. Ein Wort von ihr, und Viktor wandte fich vielleicht auf immer von Frida ab. Wieder flog ein Leuchten über den Himmel und drang bis in ihre dunkle Seele,- es zeigte ihr, wie weit fie gekommen. „O Gott, wo bin ich?" seufzte sie. Sie richtete sich auf mit herber Energie und sagte mit leiser, aber fester Stimme: „Legen Sie diese Lösung in Gottes und nicht in meine schwachen, irrenden Hände. Aber das sage ich aus voller Ueberzeugung: Frida hat ein Herz, und Sie werden es finden, wenn die echte Treue arbeitet und das Unkraut niederschlägt. Scheiden Sie jetzt, so geschieht es im Trotz, und das trägt auch Ihnen bittere Früchte." „Und mein Mannesstolz?" fragte er. „Den wird sich die rechte Siebe stets bewahren. Sie werden den Weg besser finden, als ich ihn weisen kann. Verlangen Sie nicht mehr von mir," schloß sie beinah flehend mit sinkender Stimme. Sie legte die Hand an die klopfende Schläfe,- war fie es selbst ober sprach eine anbere? Der weiße Rosenzweig löste sich unb fiel über die Galerie hinunter in den Garten zu den Füßen eines Mannes, der fich wandte und in das Haus ging. Viktor streckte dem verstummten Mädchen die Hand hin: „Ich danke Ihnen, Renata," sagte er mit tiefer Herzlichkeit, „Gott segne Sie für Ihre Worte, bleiben Sie Frida treu." Sie nickte müde und sah ihm nach, bis sein Schritt verhallte. (Fortsetzung folgt.) Um das Platzen der Wasserleitungsrohre zu verhindern, hat man Gummi-Einlagen hergesteut, die ein Ausdehnen des Wassers beim Gefrieren ermöglichen, ohne daß ein Druck auf die Rohrwandung stattfindet, der ein Reißen des Rohres verursachen könnte. In das Leitungsrohr wird eine dünnwandige Zinn- ober Bleiröhre, die mit einer elastischen Gummtmafle ausgefüllt ist, etngesührt. Wenn nun das Wasser beim Gefrieren einen größeren Druck ausübt, wird die Einlage entsprechend zusammengepreßi,- beim Auftauen dehnt sich die Einlage wieder aus. Die Umhüllung der Gummimaffe mit Zinn ober Blei hat ben Zr>ek, bie Berührung bes Wassers mit bem Gummi zu verhinbern, da bas Wasser sonst den Geschmack des Gummis annehmen würde. Photographische Aufnahme« im Innern eines Gebäudes, z. B. in einer Kirche haben immer ihre Schwierigkeiten, indem die Beleuchtung fast immer ungünstig ist unb starke Lichthofbilbung meistens nicht vermieben werben kann. Aufnahmen mit Manguestumlicht ergeben hier gewöhnlich auch ein schlechtes Resultat. Hat man nun eine solche schwierige Aufnahme zu machen, so befolge man nachsteheubes Verfahren. Die Aufnahme hat mit einer farbenempfinblichen Platte zu geschehen. Bei ber Entwicklung stellt man sich ein kleines Gefäß mit lOprozentiger Bromkalilösung zur Hand- auch einen ganz Weichen Pinsel hat man nötig. Erscheinen nun im Entwickler bie starküberlichteten Stellen wie z B. bie Fenster, so nimmt man bie Platte aus ber Schale h.raus unb bepinselt btefe Stelle mit Bromkalilösung,- bann spült man kurz ab und entwickelt weiter. Nötigenfalls wiederholt man das Bepinseln noch ein ober mehrere Male. Durch bteses Verfahren Wird der Lichthof zurückgehalten, und falls noch ein Rest verbleibt, kann man denselben nachher mit Mattlack oder Collodium abdecken. Kesundyettspflege. Das Tiefatme« wird seit alter Zeit als kräftiges Heilmittel angesehen. Neuerdings ist man wieder darauf aufmerksam geworden und hat es als Lungenghmnastck für Lungenleidende empfohlen,- aber auch Gesunden ist dieses Allheilmittel anzuraten, umsomehr, da man es zu jeder Zeit unentgeltlich haben kann. Das Tiefatmen fördert den Kreislauf des Blutes in allen Organen, steigert bie Lymphbe- wegung faugartig, erleichtert ben Gaswechsel deS Blutes unb bie Arbeit des Herzens. Demnach würde Tiefatmen Kompensationsstörungen deS Herzens gegenüber günstig wirken. Oberstabsarzt Matthann mißt dem Tiefatmen sehr große Bedeutung zu und rät zur planmäßigen Anwendung, die er „Sportatmen" nennt. Er versteht darunter ein wenn möglich stundenlanges Tiefatmen bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit und anschließendes Anhalten des Armens während etwa Vt Minute oder 4—8 Schritt beim Gehen. Bei solchem Sportatmen steigt die Körperwärme nicht so leicht wie bei dem Schlechtatmen. Aus eignen Versuchen hat Matthann festgestellt, daß eine durch leichte Halsentzündungen bewirkte Fieberwärme von 39,2 Grad Celsius durch sportatmendes Wandern in einigen Stunden fast um ein Grad herabgebrückt wurde. Das Peste Mittel gege« Sch«upfe« soll Citronen- saft sein. Man gießt in die hohle Hand eine ordentliche Portion Saft einer gut reifen Citrone und zieht denselben durch die Nase in ben Mnnb. Zwei bis drei solcher Aufsaugungen genügen zur Heilung. Auch bei chronischer Halsentzündung und solchen, die sich im Schlund lokalisieren, soll das Verfahren ausgezeichnete Wirkung thun. Esse« vor -em Schlafe«. Viele Personen find, wenn auch nicht krank, so doch schwach und mager. Dies hat seinen Grund in der langen Zwischenzeit, welche sie vom Frühstück bis zum Mittag vergehen lassen und hauptsächlich itt dem Verlllngen des Magens' während des Schlafes, welches Schlaflosigkeit und allgemeine Körperschwäche erzeugt. Die Physiologie belehrt uns, daß im Wachen wie während des Schlafes ein ununterbrochener Stoffwechsel in den Geweben des Körpers stattfinder. Es ist also ein logischer Gedanke, daß die Ernährung besonder- in derjenigen Periode nötig ist, in welcher unser Körper der Schwäche unterworfen ist. Während des Schlafes bestehen Verdauung, Assimilation und die ernährende Thätigkeit des Körpers fort. Die während dieser Periode gelieferten Nährungsmittel producieren eine größere Zahl von Nährstoffen — daher das Anwachsen der Kraft und deS Gewichtes des Körpers. Die Abendmahlzeit ist Mithin ein Mittel zum gettwerden. Kür die Küche. Las Mürbe- und Weichsteden der Brate« ist ein überwundener Standpunkt. Schnelles Anbraten bei beträchtlicher Ofenhitze hält, durch schnelles Schließen der Poren, den Saft am besten beisammen. Ein junger Hase brate nur 85 Minuten, eine Rehkeule nur eine gute Stunde, ein Lendenstück 40 Mtn., Roastbeef je nach Größe 49—60 Min., die schwerste Hammelkeule nur 2i/3 Stunden, kleiner Kalbs- und kleiner Hammelrückm nur 45 Minuten. Gut abgehangenes Fleisch erster Güre und starkes Klopsen sind dabet Vorbedingung. Natürlich ist bei einer Methode, welche allen Saft dem Fletsch erhalten will, die Sauce minderwertig. Hier ist Ltebrg's Fleisch-Extract unersetzlich; nichts kommt ihm gleich, wenn es sich darum handelt, der Sauce sofort und nttt geringen Kosten die ihr fehlende Kraft und Wohlgeschmack zu verleihen. Räuchern eingesalzener Schinken. Jede praktische Hausfrau )oUte eS nicht veriäumen, sich für den Wmter rechtzeitig einen oder mehrere Schinken, je nachdem der Haushalt groß ist, ein,walzen. Für einen Schinken von etwa l 5 Pfund rechne ich 3/t Pfund fein geriebenes Salz und 15 Gramm pulverisierten Salpeter. Zuerst reibe ich den Schinken überall mit dem Salpeter und dann ringsumher mit Salz tüchtig ein, lege ihn auf der Schwarte in ein paffendes, mit Salz bestreutes Faß, streue das übrige Salz darauf und stelle ihn an einen kalten Ort. Mit der sich nun bildenden Soole muß man den Schinken täglich vermittelst eines hölzernen Löffels gehörig begießen, auch muß derselbe täglich umgelegt werden. In der Soole läßt man ihn 3—4 Wochen liegen und bringt ihn dann, falls nicht eine eigne Rauchkammer zur Verfügung steht, zum Räuchern nach einem Schlächter. Was mundet wohl im Frügjahr, im Sommer besser zu all' den jungen Gemüsen, wie Rüben, Erbsen, Wurzeln, Bohnen u. s. w., als ein schön geräucherter Schinken? Wie manches Mal kann derselbe der Hausfrau aus der Verlegenheit helfen, denn ein gutes Stück Schinken ist immer willkommen. Durch die geringe Mühe, daß man sich denselben selbst einsalzt, macht man eine große Ersparnis, denn während sich der Schlächier den geräucherten Schinken pro Pfund mit 90 Pfg. bis 1 M. bezahlen läßt, kostet dis Pfund grüner Schmkcn nur 60—65 Pfg. ( Prakt. Wegweiser, Würzburg/') Vermischtes. Araf Cavour und Al-ssandro Manzoni. Unter dm Senatoren, die im Jahre 1860 nach Turin eilten, um über die Proklamation des neuen Königreichs Italien abzustimmen, befand sich auch der in seinem Baterlande hochgefeierte Dichter Gras Alessandro Man- zoni (f 1873), dessen allgemein bekannter, durch spannende Handlung wie großartige Schilderung des italienischen Volkslebens im 17. Jahrhundert gleich ausgezeichneter Roman: ,1 promessi sposi* (Die Verlobten) viele hundertmal aufgelegt und in alle europäischen Sprachen übersetzt worden ist. Als die Abstimmung beendet und die Versammlung geschlossen war, bot Graf Cavour beim Herausgehen dem edlen Dichter seinen Arm an. Die Menge, die auf den Treppen des Palazzo Madama und der Piazza Castello munter sich drängte, brach, als sie die beiden berühmten Männer in so freundschaftlicher Haltung miteinander verkehren sah, in die wärmsten Beifallsbezeugungen und das lauteste Händeklatschen 620 — aus. „Diese Applaus« gelten Ihnen," sagte Cavour, indem er sich zu Manzoni hinwandte. Aber dieser rief: „Wie! wie!" und begann, nachdem er den von Cavour festgehaltenen Arm freigemacht und zu diesem sich hingewandt hatte, selbst kräftig in die Hände zu klatschen. Als die Menge das sah, wurden die Beifallsbezeugungen noch viel geräuschvoller und begeisterter, und nun sagte der bescheidene Manzoni: „Sehen Sie jetzt, Herr Graf, wem die Applause gelten?" Und so mußte der kühne, schon im solgendcn Jahre durch den Tod abgerufene Begründer der unita Italiana den Beifallssturm ruhig über sich ergehen lassen. Ciiterarifctyes. Michaelis, Ad. Alf., Grunvzüge einet allgemeinen Hygiene. Erfahrungen und Thatsachen auf dem Gebiete der Gesundheitspflege. (Preis Mk. 2,—.) Verlag von Hugo Ber- mühler, Berlin 81V. 61. — Wenn über das jüngste Kind der modernen Heilkunde, die Hygiene, auch schon viel geschrieben worden ist, so fehlte doch ein kurz- und klargefaßtes Buch darüber, das ebenso den Laien wie den Aerzten Interesse bietet. Michaelis, der berühmte medizinische Schriftsteller, hat in seinem neuesten Buche cs nicht nur verstanden, diese Lücke voll und ganz auszufüllen, sondern bietet seinen Mitmenschen in seinen „Grundzügen" ein Buch von unschätzbarem Wert. Dem Leser werden hier die Fundamentalsätze der gesamten Gesundheitslehre in prägnanter, oft aphoristischer Form vor Augen geführt, wobei alles Wesentliche genaue Berücksichtigung findet. Andererseits fehlt es auch nicht an wiffenschastlichen Hinweisen und Begründungen. In dem Buche wird uns überhaupt viel Neues geboten, das man in ähnlichen Werken wohl vergebens suchen wird. Der Stil ist fließend und leicht verständlich, sodaß diese Grundzüge frei von aller Trockenheit, einem jeden eine angenehme und unterhaltende Lecktüre sind, sowohl dem Laien als auch dem Gelehrten, denn auch dieser findet hier dankbaren Lesestoff. Das Buch trägt alle Eigenschaften in sich, um ein Volksbuch zu werden. Möchte es für viele ein treuer Hüter der Gesundheit und ein zuverlässiger Berater in mancherlei Gefahren und Fahrnissen des täglichen Lebens fein. Kindermodenwelt mit der Beilage: Illustrierte Kinser- zeitung ist eine praktische, die Aufmerksamkeit aller Kreise aus sich ziehende Zeitschrift, welche seit Oktober d. I. im Verlage von W. Vobach u. Co., Berlin und Leipzig erscheint. In ihrem Modenteil ist dies Blatt eine Zeitschrift für Mütter, in ihrem Unterhaltungsteile eine Geist und Humor anregende Zeitschrift für die liebe Jugend rc. Alle 14 Tage erscheint ein Heft. Jedes Heft kostet nur 20 Pfg. und enthält: acht Seiten Mode, einen Schnittmusterbogen und sechzehn Seiten „Illustrierte Kinderzeitung". Jährlich gegen 800 Modenbilder für Kinder jeden Alters und 26 Schnittmusterbogen ermöglichen den Müttern die Selbstanfertigung der Kinderkleidung. Die unter der Redaktion deS berühmten Jugendschriftstellers Dr. Julius Lohmeyer stehende Beilage zur Kindermodenwelt, die „Illustrierte Kinderzeitung", ist eine wahre Fundgrube echter Geistes- und Herzensbildung, und so wird die Kiuder- modenwelt mit ihrer prächtigen Beilage „Illustrierte Kinderzeitung" in jedem Hause, wo es Kinder gießt, herzlich willkommen und bald unentbehrlich fein. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen Bestellungen zum Preise von 20 Pfg. für das Bierzehntagshest entgegen. Vierteljährlich 1 Mk. 25 Pfg. Eine empfehlenswerte Lektüre für Frauen ist die „Sonntasszrilung für Deutschlands Frauen". Sie vereinigt in sich eine „Gartenlaube", eine „Modenwelt" und eine „Hausfrauenzeitung", und kostet trotz dieser Reichhaltigkeit mir 20 Pfg. pro Woche. Verlag von W. Vobach u. Co., Berlin, Halleschestraße 18. Den unterhaltenden Teil des neuen Jahrgangs eröffnet der neueste Roman der gefeierten Schriftstellerin Naialy von Eschstruth: „Nachtschatten", sowie eine hervorragende Arbeit von Franz Sassen, „Prinzeß Klementine". Der Moden- und Handarbeitsteil der „Sonntags-Zeitung" umfaßt die Beilagen: „Modenzeitung für's deutsche Haus", „Wäschezeitung", „Kinderzeitung" und „Album praktischer Handarbeiten". Küche und Hauswirtschaft werden in der Beilage: „Die Kochschule" erschöpfend behandelt. Herz und Gemüt finden reichliche Nahrung in der Buchbeilage: „Grüße deutscher Dichter", während die liebe Jugend in der Beilage: „Illustrierte Jugendzeitung" eine von frischem Humor getragene Kinderzeitung findet. ErgSnzungsrätsel. Nachdruck verboten. S..c.p..m.u g°ü..n A . l . e . t t . . e . b . g, L . h . . n u . . s . . n . f . e . n, A . e . . . s . S . d . g! (Auslösung in nächster Nummer.) Auflösung des Kapselrätsels in voriger Nummer: Nach gethaner Arbeit ist gut ruhen. Rebeftien: 4, Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniversttSls-Bnch- und Äteiudnick-rei (Pietsch Erden) in Gieße«.