K,!, Mlf Zs W Tn» M /5m u "icht mit den Menschen rechten, 6%4J Weil sich ihr Weg von deinem trennt; Denn jedes Herz folgt eig'nen Mächten Und Wegen, die's allein nur kennt. Auf denen es das Ew'ge finde, Das keine Brust entraten kann, Der Eine sieht's am zarten Kinde, Der And're suchte im grünen Tann. Der Eine in den heil'gen Mauern, Wo Tausende dem Heil genaht; Der And're in den Wonneschauern Des Schaffens und der kühnen That. Doch über Jeden kommt die Stunde, Wo sich in Weihe neigt sein Geist; Arm ist nur der von Herzensgründe, Der's nie erlebt, was Andacht heißt. Carl Stieler. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Fünfundzwanzigstes Kapitel. Mein Retter. Von einem Vorfall dieser Art wird auf See nicht viel hergemacht. Das einzige, was der Kapitän darüber bemerkte, war: „In Zukunft sehen Sie sich besser vor, ich habe keine Lust, meine Boote zu riskieren, und da das Tauwerk den Menschen nicht festhält, wie die Leimrute eine Fliege, so fassen Sie ein andermal besser zu." Der Maat sagte gar nichts. Wäre ich während seiner Wache über Bord gefallen, so würde er mir wahrscheinlich einen .Fluch nachgesandt haben, weil ich ihm die Mühe machte, die Brigg beizudrehen und ein Boot nieder zu lassen. Solche Art mag manchem unglaublich oder übertrieben erscheinen, aber keiner, der je auf irgend einem englischen Kauffahrteischiff gedient hat, wird die Wahrheit meiner Darstellung bestreiten. Wenn jedoch der Unfall auch jedem andern ganz gleichgültig war, so war ich davon doch tief ergriffen. Ich hatte mich in der That dem Ertrinken viel näher befunden, als angenommen wurde oder als ich mir selbst gestehen mochte. Ein Schwimmgürtel erhält einen Menschen nicht lange am Leben, wenn die Wogen sich über ihm brechen, und ich bin überzeugt, daß, wenn mich das Boot nicht bald erreicht, ich in den nächsten zehn Minuten meine Rechnung mit dem Leben abgeschlossen hätte. Infolgedessen sah ich so feierlich aus wie ein Geist, und als ich um acht Uhr auf Deck kam, um meine Woche bis um zwölf Uhr auzutreten, war ich in so melancholischer und sentimentaler Stimmung, wie ich mich kaum erinnere je gewesen zu sein. „Wo würdest du jetzt sein ohne jene Rettungsboje?" dachte ich im stillen und sah auf das dunkle Wasser nieder/ „da unten, armer Jack, tief in dem schwarzen, grundlosen Wasser würde du als eine Leiche, als ein blasses Gespenst schaukeln, inmitten von tausend Faden Wasser, gestoßen von den Nasen der Fischen, umringt von leuchtenden Augen, die sich grauen vor deiner Häßlichkeit — und um dich her Totenstille, ach Gott, welche Stille! Tief wie jene, welche herrschte, ehe diese Erde aus dem Chaos geschaffen wurde, eine Stille, in die kein Laut des mächtigsten Orkanes dringt, welcher an dem Dach des Hauses, das dich beherbergt, rüttelt und schüttelt, als wollte er es abheben und davonführen." Es durchschauerte mich. Ich blickte auf zu den Sternen." „Gott sei Dank, daß ich euch noch sehe!" flüsterte ich wie Manfred, nur mit ehrfürchtigerer Dankbarkeit. Miß Franklin kam aus der Kajüte und schritt direkt auf mich zu. „Ich habe noch nicht Gelegenheit gefunden, Ihnen zu sagen, wie froh ich bin, daß Sie mit dem Leben davongckommen sind. Ich war auf Deck, als Sie über Bord fielen, ich sah sogar gerade nach Ihnen hin, als Sie stürzten. Es war ein furchtbarer, entsetzlicher Moment. Ich zweifle, ob Sie mehr erschrocken sein können als ich, und derMchrei des Mannes am Rade: „Mann überBord!" ging mir durch Mark und Bein." „Ein Seemann hat ein so zähes Leben wie eine Katze, Fräulein!" „Doch aber immer nur eins. Ich hielt die See zuerst für langweilig, aber ich finde jetzt, daß sie, im Gegenteil, zu aufregend ist. Sie müssen wunderbare Nerven und Kraft besitzen, um imstande zu sein, nach solchem Unfall schon wieder Dienst zu thun und sich unterhalten zu können. Müssen Sie auf Deck sein?" „Gewiß, ich muß doch meine Wache halten!" er« widerte ich. 298 „Aber wenn Sie sich noch zu angegriffen dazu fühlen, so will ich es meinem Bruder sagen und darauf bestehen, daß er Ihnen erlaubt, die ganze Nacht in Ihrer Kajüte zu bleiben." „Sie sind sehr freundlich und fürsorglich, aber meine Taufe hat mir wirklich nichts geschadet. Ich bin vielleicht etwas ernst gestimmt, aber das ist wohl natürlich nach einem Kampf mit dem Tode. Damit aber gestehe ich Ihnen etwas, was ich niemand anders sagen möchte. Es ist auch ganz richtig: Sentimentalität ist auf See nicht angebracht. Herz und Gefühl härten sich unter den steten Gefahren allmählich ab. Kommt man um, nun, dann ist es eben zu Ende- und ist man mit knapper Not einer Gefahr entgangen, dann ist die Haaresbreite, mit der man ihr entronnen, ebensogut, als wäre sie gar nicht vorhanden gewesen- man wird ausgelacht, wenn man davon spricht." „Warum sind die Seeleute so hartherzig?" „Na, hartherzig sind sie im Grunde nicht. Meist läßt ein falsches Ehrgefühl sie nur Gefühllosigkeit zur Schau tragen. Sie übertreiben eben das, was sie für männlich halten - aber auch der weichmütigste Seemann ist nur ein rauhes Geschöpf, und ich wundere mich nicht, daß Damen sie nicht lieben." Sie entgegnete hierauf nichts, sondern hielt ihre Augen eine Weile auf Deck gerichtet- dann sagte sie: „Ich dachte, das Boot würde Sie nie erreichen. Oh, wie verzweifelt langsam schien es mir zu sein, als ich ihm nachsah!" „Ja, ohne die ausgeworfene Rettungsboje wäre ich auch jedenfalls ertrunken." „Ich habe sie geworfen!" rief sie, zu mir aussehend. „Sie?" „Ja- sie hing dort am Gitter, wie man es, glaube ich, nennt. Ich machte sie eilig los und warf sie beinahe im selben Augenblick ins Wasser, als ich Sie fallen sah." „Dann verdanke ich Ihnen also mein Leben." „Mir?" fragte sie mit freudiger Ueberraschung. „Ganz gewiß, allein Ihnen. Wäre die Boje eine Minute später geworfen, so wäre sie außer meinem Bereich gewesen, ich würde nicht mehr die Kraft gehabt haben, mich gegen die schweren Wogen zu halten und auf sie znzu- schwimmen." „Gott sei Dank dann für meine Geistesgegenwart!" sagte sie. Ich war ergriffen durch den Gedanken, daß ich meine Rettung der Hand verdankte, die ich liebte, der schnellen Entschlossenheit des Mädchens, welches mein Herz erfüllte. Handlungen und Stillschweigen können einen Gedanken aus- drücken und gegenseitiges Verständnis kann durch eine Gebärde, eine Kopfbewegung, einen Blick, kurz, durch die allergeringfügigste momentane Eingebung hervorgerufen werden. So glaube ich, daß ich in diesem Augenblick, ohne meine Lippen zu öffnen, ihr sagte, daß ich sie liebte, und ich bin überzeugt, daß es dieser Augenblick war, in welchem sie meine Liebe entdeckte. Wie geschah dies? Wie konnte ich davon überzeugt sein? Wie konnte ich ihre Gedanken lesen und sie die meinen, bei keinem helleren Licht als dem schwachen Schimmern der Sterne? Sie wandte sich ab und blickte über das Geländer auf die See hinab. Ich machte einen Gang um das Deck und begegnete ihr wieder, als ich zurückkam. „Mr. Chadburn," sagte sie, „was wird wohl nach Ihrer Meinung das Resultat von Mr. Sloes schlechter Behandlung der Leute sein?" „Ich werde Ihnen offen antworten: Wenn Mr. Sloe seine Art nicht ändert, werden die Leute meutern." „Sie meinen, sie werden sich weigern, zu arbeiten?" „Nun ja, das ist auch eine Art der Meuterei." „Was, fürchten Sie mehr?" Ich gab keine Antwort. Sie legte ihre Hand auf meinen Arm, wie ein Kind, und zog mich von dem Oberlicht fort. „Sie erschrecken mich!" rief sie. „Was fürchten Sie eigentlich?" „Wenn die Leute sich der Gefahr aussetzen, mit dem Galgen Bekanntschaft zu machen, werden sie sich sagen: „Einerlei, was wir begehen, wenn wir doch dafür gehangen werden." „Wie könnten sie gewonnen werden?" „Ich weiß kaum, wie ich Ihnen antworten soll. Unzweifelhaft hat Kapitän Franklin unklug gehandelt, als er den Totschlag des Knaben mit Stillschweigen überging." „Das ist es ja, was ich ihm gesagt habe!" rief sie wie atemlos. „Ich sagte ihm: der Maat hat in seiner unmenschlichen Rohheit ein Verbrechen begangen, die Leute erwarten, daß du ihn bestrafst- aber er antwortete: was kümmert mich die Behandlung der Leute- das ist Sloes Sache- er ist der richtige Mann, das Volk in Ordnung zu halten." „Sie werden begreifen, Miß Franklin, daß ich Anstand nehme, Ihres Herrn Bruders Ansicht einer Kritik zu unterziehen." „Aber warum denn?" unterbrach sie mich. „Sie haben doch das Recht, Ihre Meinung zu sagen. Wir werden uns doch nicht den Mund verbieten lassen." „Der Kapitän eines Schiffes kann thun, was er will. Niemand darf seine Autorität antafien." „Wollen Sie damit sagen, daß er den Knaben töten kann, wenn er Lust dazu hat?" rief sie mit weit geöffneten Augen. Ich konnte das Lachen nicht unterdrücken, als ich sagte: „Natürlich ist er dem Gesetz am Lande verantwortlich- aber ich wüßte nicht, was ihn auf See hindern könnte, Knaben zu töten, wenn die Mannschafk nicht gegen ihn aufsteht." „Oh, Mr. Chadburn, wie können Sie bei einer so ernsten Sache lachen? Sie sollten meinen Bruder zur Einsicht zu bringen suchen." „Wenn ich das versuchte, würde der morgende Tag mich wieder im Vorderkastell sehen, auserwählt für die schwersten und schmutzigsten Geschäfte. Glauben Sie mir, von meiner Seite würden alle Vorstellungen nichts fruchten." „Meinen Sie nicht, daß es Ihnen gelingen könnte, die Leute zu bewegen, Mr. Sloes schlechte Behandlung geduldig zu ertragen, bis sie nach Sydney kommen?" „Wenn durch ein Wort zur rechten Zeit irgend etwas Gutes erreicht werden kann, so können Sie darauf vertrauen, daß ich dieses Wort sprechen werde," sagte ich. „Ich wundere mich, daß Kapitän Franklin nicht an die gefährliche Lage denkt, in die er Sie bringt, wenn er seinem Maat gestattet, die Leute in solchem Maße zu erbittern." Während ich so sprach, kam er auf Deck. An der Kampanje stehen bleibend und scharf nach uns blickend, schrie er: „Wer ist das?" „Sind noch andere Damen an Bord, daß du mich nicht kennst?" antwortete sie verdrießlich. „Komm in die Kajüte!" rief er zornig. Sie wünschte mir gute Nacht, und ging, sich Zeit nehmend, nach der Kajütentreppe. Dort hörte ich sie mit einem entrüsteten Schluchzen in der Stimme zu ihm sagen: „Du sprichst zu mir in einem Ton, als wenn ich einer deiner Leute wäre". Sowie sie herunter gegangen war, schritt er auf mich zu und schrie mich zornig an: „Sind Sie noch nicht lange genug aus See gewesen, um zu wissen, daß Ihnen nicht erlaubt ist, zu schwatzen, wenn Sie im Dienst sind?" „Miß Franklin beglückwünschte mich zu meiner Errettung". „Das entschuldigt Sie gar nicht, ich halte mich an Sie. Die Brigg ist während Ihrer Wache Ihren Händen ander- 299 traut, und ich erwarte, daß Sie für die Folge Ihre Pflichten besser erfüllen. Was sprach meine Schwester außerdem?'" „Nun, da Sie mich fragen, Sir, sie stimmt mit mir überein, daß die Sicherheit der Brigg durch Mr. Sloe's Brutalität gefährdet ist". „Was geht das Sie oder meine Schwester an?" donnerte er. „Habe ich Sie von dem Vorderdeck geholt, um meine Angelegenheiten zu diskutieren? Bei Gott, wenn es zu einer Meuterei kommt, werde ich nun wissen, wer sie angezettelt hat. Ihre Schliche, Str, gefallen mir durchaus nicht. Sie waren damals unter den Leuten, als jener meuterische kleine Hund sein Meffer gegen mich zog. Jetzt, nachdem Sie vorn genug geschürt haben, wollen Sie mit Ihren verdammten aufwieglerischen Hetzereien auch noch hier hinten Unheil stiften? Ah, ich durchschaue Sie. Kümmern Sie sich nicht um Dinge, die Sie nichts angehen, sondern nur um sich selbst, um Ihren Dienst, und das, was Ihnen befohlen wird. Das rate ich Ihnen. Sollten Sie das nicht thun, so will ich Sie kuranzen, daß Sie die Engel im Himmel pfeifen hören sollen. Ich werde Ihnen zeigen, wer von uns beiden der Stärkere ist. Verstehen Sie mich?" Während dieses Wortergusses stand er hoch ausgertchtet und in so drohender Haltung vor mir, daß ich mich jeden Augenblick zur Verteidigung bereit hielt. Indes das ganze Geschimpfe war nur Gepolter. Es war nur ein Versuch, mich in Furcht zu versetzen. Ich gönnte ihm den Glauben, daß ihm dies gelungen sei, denn bet dem starken Beweggrund, den ich hatte, hinten zu bleiben, zog ich es vor, kein Wort zu erwidern. Dies genügte ihm offenbar, um überzeugt zu sein, daß er mich vollständig zerschmettert habe. Er ging auf die andere Seite des Decks, steckte sich eine Zigarre an und wandelte dort in einsamer Hoheit, gemessenen Schrittes nnd hochgetragenen Hauptes bis halb zwölf auf und nieder. (Fortsetzung folgt.) Olivenöl. Von Arnold Rohde. ------- (Nachdruck verboten.) Das Olivenöl, das schon zur Zeit der Morgendämmerung früher Kultur einen wichtigen Gegenstand des Handels und der Industrie bildete, wird in vorzüglicher Qualität im südlichen Frankreich — daher der Name Provenceröl — in der Riviera, in Mittel- und Süditalien, Istrien, Dalmatien, Griechenland und der Levante, Kalifornien, Persien und Australien erzeugt. Ein besonders fruchtbares Produktionsgebiet ist die den Golf von Neapel im Südosten abschließende Halbinsel Sorrent. Die Ernte ist bisweilen noch einträglicher als die der Orangen und Zitronen. Die ganze Küstenlinie von Castellamare bis Massalu- brense ist mit herrlichen Olivenbäumen dicht bepflanzt. Sie wachsen zumeist an den Bergabhängen, denn sie gedeihen am besten auf felsigem, trockenem Boden. Ihre dicht in einander verflochtenen, knorrigen Zweige sind von phantastischer Gestalt, und die dunkelgrünen, silberweiß umrahmten Blätter gewähren dem Auge einen Ruhepunkt in der helleuchtenden Landschaft. Die Oliven ergeben ein oder zweimal im Jahr eine reiche Ernte. Im Monat September beginnt die Frucht eine blauschwarze Farbe anzunehmen, ist aber bis Oktober noch nicht völlig gereift. Zahlreiche Früchte werden von kleinen Maden angefressen und fallen dann von den Bäumenaber auch diese Oliven werden vom Boden ausgelesen und zur Bereitung einer geringeren Sorte Oel verwertet. Völlig ausgereifte Früchte liefern Oel von besonders vorzüglicher Qualität. In einigen Teilen Italiens werden sie selten vor dem Monat Dezember gesammelt, aber an der Küste von Sorrent ist es gewöhnlich erforderlich, sie schon frühek abzunehmen. Die Bauern haben die üble Gewohnheit, die Oliven durch heftiges Schütteln der Bäume herunterzuholen, um sich die Mühe des Hinaufkletterns zu ersparen. Natürlich ist das Aufschlagen der Früchte auf den Boden diesen nicht gerade zuträglich, und die Bauern schädigen sich selbst. Sind die Körbe gefüllt, so befördern sie die Frauen auf den Köpfen nach der Mühle. Die Frucht muß sofort umgeschüttet und möglichst bald verarbeitet werden, sonst beginnt sie zu gähren, und das aus ihr bereitete Oel erhält einen herben, unangenehmen Geschmack. Reichere Fabrikanten gewinnen das Oel unter Anwendung von Maschinen- aber in Sorrent und Umgebung bedient man sich meist noch der älteren Methoden. Die Oliven werden in ein ungeheures Stein-Bassin oder Reservoir geschüttet, in dessen Mitte ein Schleifstein rotiert. Die drehbar am Dachgespärre befestigte Welle ist mit einem Querbalken versehen, vor welchen ein Maulesel gespannt wird. Diesem sind die Augen verbunden, damit er nicht schwindelig werde. — Der Mühlstein wird in Rotation versetzt und die Oliven zerquetscht. Mitunter werden Menschen anstatt der Maulesel verwendet, doch ist das eine thörichte Verschwendung der Arbeitskraft, da zum mindesten vier Leute, zwei an jedem Ende des Querbalkens, erforderlich sind, um die Arbeit des einen Maultiers auszuführen. Ein Mann muß mit einem hölzernen Spaten die Oliven beständig unter den Schleifstein schaufeln, da sie stets gegen die Seitenwände des Bassins geschleudert werden. Wenn die zerquetschte Masse aus dem Bassin entfernt wird, um das Extrakt daraus zu gewinnen, ist sie dunkelbraun und dem Torf ähnlich. Sie wird nun unter die gleichfalls mit der Hand betriebene Presse gethan, welche sowohl durch Frauen wie durch Männer in Bewegung gesetzt wird. Das Extrakt strömt in einen großen Behälter, und in diesem scheidet sich eine wässerige schwarze Flüssigkeit von dem Oel. Erstere sinkt zu Boden, während das leichtere Oel an der Oberfläche schwimmt. Ist dir Behälter gefüllt, so wird das Oel in große irdene oder gläserne Krüge gefüllt, das Wasser aber abgeleitet. Nach wenigen Tagen muß das Oel in andere Krüge geschüttet werden, da sich ein Bodensatz gebildet hat. Dies geschieht nun in gewissen Zwischenräumen stets aufs Neue, bis das Produkt vollkommen klar und rein ist. Der Durchschnittspreis für feines Salat- und Speiseöl beträgt pro Liter 0,80 bis 1,20 Mark. Das während der Saison bereitete Oel ist stets wohlfeiler, als das der vorhergehenden Jahre, denn so sorgfältig das Oel gereinigt wird, bildet sich immer doch noch ein leichter Bodensatz- das ist bei älterem Oel nicht der Fall. Das Produkt wird in großen Mengen nach Neapel auf den Markt gesandt, aber nur in geringen Mengen exportiert. Feines Olivenöl sieht hellgelb aus, ist geruchlos und schmeckt mild und süßlich. Minder gutes Oel ist tiefgelb oder grünlich, riecht ranzig und hat einen unangenehmen Geschmack. Das Oel wird in der Medizin, sowohl innerlich als äußerlich, angewandt und dient namentlich zur Bereitung von Pflastern und Salben. Sehr beträchtlich ist auch die Verwendung des Oels zur Seifenfabrikation, zum Schmieren von Maschinenteilen und zum Einfctten der Wolle. Deutschland importierte 1893: 29 566 Doppelzentner in Fässern zum Gesamtwerte von 2 673 000 Mark, davon kamen 19 476 Doppelzentner aus Italien. Außerdem wurden zu technischen Zwecken 75 226 Doppelzentner denaturiertes, also zollfreies Olivenöl eingeführt, im Werte von 4 213 000 Mark, hiervon 41732 Doppelzentner aus Italien und 21 609 Doppelzentner aus Spanien. 300 Gemeinnütziges. Carbolinenm, sonst ein gutes Konservierungsmittel für Holz, ist Pflanzen schädlich. Man streiche damit niemals Pflanzenkästen, Spaliere, Baumpfähle. Der Tod ist sonst den Pflanzen sicher. Gesundheitspflege. Gegen Hüftweh. Als ein recht zuverlässiges Mittel bei Hüftweh, wo die Schmerzen fast unerträglich sind und der eine oder andere Schenkel kaum bewegt werden kann, bewährt sich die äußerliche Anwendung von Schwefelblüte, welche in folgender Weise vorgenommen wird: Ein mehrfach zusammengelegtes, längliches Tuch wird dick mit Schwefelblüten, bestreut und dann so um das erkrankte Bein gewickelt, daß die schmerzhaften Stellen mit dem Schwefel in Berührung kommen. Wie man Blutungen schnell stillt. Jedem Menschen kann es passieren, daß er sich bei der Arbeit irgend verletzt, und die Wunde stark zu bluten beginnt. Im ersten Augenblick herrscht in solchen Fällen Kopflosigkeit, und man weiß nicht schnell, wie man die Blutung stillen soll. Für solche Fälle möge man sich das folgende einfache, aber sehr wirksame Mittel merken: Nimm Watte, tauche sie in heißes Wasser und lege sie dann auf die Wunde. Der Erfolg ist überraschend, selbst bei Verletzungen der Pulsadern. Bloß Watte auflegen oder Watte in kaltes Wasser getaucht, soll nicht diese überraschende Wirkung haben. Als Blutstillungsmittel kann auch Arnikatinktur, stark mit Wasser verdünnt (10 Tropfen auf l/s Liter Wasser) versucht werden. Starke Blutungen, namentlich aus Adern, müssen durch Aerzte behandelt werden. Als innerlich kühlende Mittel sind Himbeersaft und andere Fruchtsäfte zu empfehlen. Ei« gutes Mnndwaffer, das gegen schwammiges Zahnfleisch, Lockerh it der Zähne re. sich bewährt hat, wird auf folgende Weise bereitet: Man nehme 20 Gramm Myrrhen und löse sie in 250 Gramm starken Weingeist auf, setze 20 Gramm Löffelkrautspiritus, 20 Gramm zerschnittene Brombeerblätter, 20 Gramm Salbeiblätter, 20 Gramm Pfefferminzblätter und 100 Gramm guten Weinessig zu, lasse das Ganze einige Tage in der Wärme ziehen und presse es dann durch ein Tuch. Mit dieser Tinktur, die man beim Gebrauch mit etwas Wasser verdünnt, wäscht man bei den genannten Leiden täglich mehreremale die Zähne und Zahnfleisch. Stärker verdünnt kann man die Tinktur auch zum Ausspülen des ganzen Mundes verwenden. Alumenpflege. Frisch gepflanzte Rosen, welche nicht angehen wollen, bewickle man mit feuchtem Waldmoos vom Erdboden bis in die Krone und trage Sorge, daß das Moos stets feucht bleibe. Durch dieses Umwickeln wird der Stamm in regelmäßiger Feuchtigkeit erhalten, und,der Saftumlauf der Pflanze ist ein bedeutend besserer. Besonders wenn die Sonne scheint, muß noch außerdem in den Erdboden um den Stamm herum eine gute Vertiefung gemacht werden, welche allabendlich mit Wasser gefüllt wird und in welche man zum Zwecke des besseren Einziehens des Wassers mit einem Stab Löcher bis zu den Wurzeln stößt. Man kann auch mit Hilfe einer im Boden befestigten Stange über der Rose ein Gefäß anbringen, aus welchem regelmäßig etwas Wasser in das Moos sickert und dieses feucht hält. Es dürfte sich dazu vielleicht auch ein größerer Blumentopf empfehlen, welchen man vermittelst vier in die Erde gesteckter Pfähle, welche oberhalb der Krone zusammenlaufen und mit einem Drahtring verbunden sind, über die Mitte der Pflanze befestigt. In das Abzugsloch des Topfes steckt man ein Stück Holz so, daß noch etwas Raum zum Heraussickern des Wassers bleibt, und hält den Topf stets mit Wasser gefüllt. Convallarla mnltiflora (vielblumiges Maiglöckchen). Dasselbe, obgleich auch zum Maiblumenzwiebelgeschlecht gehörig, ist von der gewöhnlichen Maiblume ganz verschieden, hat eine langgestreckte, knollige Wurzel und macht einen gegen 50 Ctm. hohen Blütenschaft, an welchem die zierlichen, walzenförmigen weißen und grüngeränderten Blümchen oder Glöckchen in Menge erscheinen. Der Blütenschaft trägt sich gebogen, ist bis zur Spitze mit Blättern versehen und die Glöckchen sitzen nicht, wie bei den gewöhnlichen Maiblumen, einzeln, sondern truppweise an diesem und duften auch recht lieblich. Will man diese Sorte im Garten pflanzen, so erhält sie einen etwas schattigen Standort, ebenso auch, wenn sie auf künstliche Steinpartien gebracht werden soll. Sie läßt sich aber auch in Töpfen ziehen und für den Winterflor treiben. Vermischtes. Einen vielversprechenden Weg -er Wirtshaus-Reform beschreitet man in England, und man hat Ein großes dabei schon erreicht: daß niemand mehr nötig hat, ein Alkohol- Wirtshaus aufzusuchen, um Hunger oder Durst zu stillen, um sich zu unterhalten oder auszuruhen. Vereinzelte Wirtschaften ohne Bier und Schnaps, wie wir sie auch bei uns haben, finden wir in England schon seit der Mitte dieses Jahrhunderts, aber in rechten Gang kam die Bewegung erst in den siebziger Jahren durch einen ehemaligen Säufer, Simon Short. Er richtete erst kleinere Kakaoschenken ein und hatte damit Erfolg; dann gründete er Aktien-Gesellschaften zur Bewirtschaftung von Kaffeeschenken, lernte die Männer und Frauen an, die sie leiten sollten, und wußte überall für das Werk Stimmung zu machen. Und heute giebt es nicht blos in den englischen Städten, sondern auch in vielen Dörfern solche alkoholfreie Wirtschaften in Menge, teils in Privathänden, teils im Besitze von Aktien-Gesellschaften. Es sind Wirtschaften für alle Klassen und Kassen da; in allen ist der Thee das wichtigste Getränk, daneben finden wir Kaffee, Kakao, Milch, Sodawasser und im Sommer namentlich Zitronenlimonade, aus den Zitronen selbst durch Auskochen bereitet, sehr billig und angenehm durstlöschend. Jngwerbier und andere Getränke sind weniger wichtig. Ein Teil der Wirtschaften bietet Mittagessen: der größere Teil hat sich jedoch nur auf leichtere Mahlzeiten eingerichtet: Butterbrote, kaltes Fleisch, Eier, Pasteten, Süßigkeiten; daran wird mehr verdient, und der größere Teil der Gäste nimmt die Hauptmahlzeit auch lieber zu Hause ein. Wenn unsere Konditoreien die Hälfte von ihren Süßigkeiten aufgeben und dafür Brot, Schinken, Wurst, kalten Braten, Käse rc. einführen wollten, so wären sie ungefähr dasselbe wie jene englischen Wirtschaften und wären viel gemeinnütziger, als sie heute sind. Das Obst gehört freilich auch noch dazu, das wir frisch oder zubereitet statt des Getränkes bekommen müßten. Von den Londoner Gesellschaften besitzt allein die Aörated Bread Companie 90 Restaurants, und ihre Aktien (auf 20 Mk. lautend) kosten jetzt 240 Mk.! — Ein großes Verdienst am Gedeihen der alkoholfreien Wirtschaften haben drüben die Konzessionsbehörden. Bei uns werden Schnaps- schenken und Milchschenken fast mit gleichem Maße gemessen, beides sind vor dem Gesetz „Schankwirtschaften", zu denen die Konzession erforderlich, von denen Betriebssteuer zu zahlen ist. In England wird der alkoholfreien Schenke teilt einziges Hindernis bereitet. Dagegen wird die Zahl der Alkoholwirtschaften so niedrig gehalten und immer mehr erniedrigt, so daß sie längst nicht mehr ausreichen würden, um das Bedürfnis der Bevölkerung nach Speise uud Trank zu befriedigen. Redaktion: I, V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.