Nachdruck verboten. Die Armenhausprinzessin. Roman von O. Elster. III. Der kleine, verwilderte Garten des Armenhauses grenzte an den großen, herrlichen Obstgarten des Rektors, welcher sich den Abhang des Berges hinaufzog, auf dessen Gipfel das Asyl der Armen und Elenden der kleinen Stadt lag. Elsie spähte oft mit neugierigen, großen Augen durch eine Lücke der H cke in den Garten hinein, auf dessen zahlreichen Obstbäumen die prächtigsten rotbackigen Aepfel und Birnen und die dunkelblauen Pflaumen erglänzten. Als das Kind wieder einmal mit sehnsüchtigen Blicken nach den Herrlichkeiten des Rektorgartens schaute, sah es einen Knaben, der unter einem breitästigen Apfelbaum stand und behaglich einen Apfel verzehrte. Der Knabe mochte einige Jahre älter sein als Elsie,- er war einfach, aber sauber und geschmackvoll gekleidet, der blaue Kittel mit dem hellbraunen Gürtel, das kleine Strohhütchen, die kurzen Höschen mit den goldenen Knöpfen und die derben Schnürschuhe kleideten den dunkellockigen, braunäugigen Jungen vortrefflich. Auf seinen Wangen lag die Röte der Gesundheit, doch in seinen großen, dunklen Augen machte sich ein sinnender Ernst geltend, der zu seinen elf oder zwölf Jahren nicht recht passen wollte. Mit atemlosem Staunen blickte Elsie zu dem Knaben hinüber,- plötzlich schrak sie vor einem auffliegenden, Vogel zusammen und verursachte dadurch ein Geräusch in den 1899. yy -' gg fn den Fenstern klar und hell Weiße Blumen prangen, Duftgeboren, sind sie schnell Nächtlich ausgegangen. Aber wärmer wird die Luft In dem Stübchen innen Und der Blumen zarter Duft Fängt an zu zerrinnen Deine Freuden, armes Herz, Sind ein nächtlich Wähnen, Das am Morgen rinnt in Schnier; Wieder ab als Thränen. Bogt. dürren Zweigen des Zaunes. Der Knabe sah nach ihr hin und entdeckte das kleine Mädchen in der Lücke der Hecke. Eine Weile schauten sich die beiden Kinder stumm an. Dann trat der Knabe auf Elsie zu. „Wer bist Du?" fragte er. „Ich heiße Elsie. " „Aha, die Tochrer des alten Hannecken im Armenhause!" „Mister Hannecken ist mein Vater," entgegnete Elsie, gekränkt durch das Lachen des Jungen. „Na, brauchst nicht gleich böse zu werden. Willst Du einen Apfel?" „Ach ja." „So komm in den Garten." „Darf ich?" „Natürlich darfst Du, wenn ich Dtr's sage. Ich heiße Paul Ahrens, mein Vater ist der Rektor Ahrens." Er bog die Zweige der Hecke etwas zurück/ wie ein geschmeidiges Wiesel schlüpfte Elsie durch den Zaun und stand aufatmend und tief errötend vor Paul, der mit lächelndem Wohlgefallen das hübsche Kind betrachtete. „Komm, ich will Dir Aepfel geben." Er ergriff Elsie bei der Hand und führte sie unter den großen Baum, unter dem viele herrliche Aepfel lagen. „Setz Dich zu mir und iß. Wir haben so viel Obst, sagt Mama, daß wir nicht wissen, wohin damit." Elsie ließ sich nicht zweimal auffordern. Sie setzte sich in das hohe Gras und biß herzhaft in einen rotwangigen Apfel hinein. Seit dieser Stunde war Elsie täglicher Gast in dem Rektorsgarten und dem Rekrorshause. Rektor Ahrens und die -Iran Rektorin nahmen sich der kleinen Waise liebevoll an, und Paul, der Untertertianer auf dem städtischen Gymnasium, hing mit knabenhafter Schwärmerei an dem hübschen, blonden Kinde, das mit den großen, tiefblauen Märchenaugen so erstaunt-neugierig, so scheu-erschrocken in die Welt hinaussah. Das stille Rektorhaus, der weite Garten mit den herrlichen Blumen, den Obstbäumen, Stachelbeer- und Johannisbeere Sträuchern, der ernste Rektor, die sanfte Frau Rektorin, der dunkeläugige Paul, der Bergesabhang mit dem undurchdringlichen Gestrüpp wilder Rosen und Brombeerranken, der majestätische Buchenwald, welcher die Kuppe des Berges krönte bis zur höchsten Spitze hinauf, auf der die Trümmer der alten Ritterburg Benneckenstein lagen — alles das war für Klein-Elste eine neue Welt, welche ihr täglich neue Eindrücke, täglich neue Stimmungen, neue Anregungen brachte. Und wenn Paul ihr von seinen Studien erzählte, von den 122 Lebensanschauung wollen Sie Ihr Kind wird die Lebensanschauung schon selbst kann." — „Hannecken, Mann, welche lächerlichen Worte." „Alles andere ist Unsinn, wie man da drüben sagt. Die Jagd nach dem Dollar da drüben, die Wissenschaft, die Kunst oder wie die schönen Dinge alle heißen — alles Un- Einen Winkel, um ruhig zu sterben — alten Griechen und Römern, den alten Germanen, den deut- I wunschenen Prinzen mehr gäbe, und daß die Kümgssöhne $eute ?chen Kaisern und FiUsten, und von einerreichen und schönen nur noch Königs- und Fürftentllchter heirateten voller bochherziger Thaten, kühner Gedanken und „Weshalb bist Du denn kein Prinz und Komgssohn, ?dlem Wissen schwärmte, dann erzählte Klein-Elfte von der schmollte Elfte. „Dann würde ich Dich heiraten und r weiten wetten Welt da draußen, dem rollenden, schäumenden I lebten herrlich und in Freuden. ta Äi. >«uf4«l.en, «4s.nt.cn «»-clk-- P°»l l-chtt. „Em Känlg.fnh« bin i« Nicht und I-n» Tt^mnfErn nun len arofe«, qlöntcnden Städten und Palästen, I cs nicht werden, aber Dich heiraten will tch, wenn ich groß ton 1« 6r.nVnb™ Umnil. nnd den bin uni biet gelernt habe uni nn« einstd-nc«, Uch-n Grasste ?-n w-'it, weit dahinten tat lernen Westen, bauen kann Und Du i-llst in dem ®n»st 1=6«, °l« w-rch w° »I- S°°n° -e-I-n- *" ”'9' ®“ 1“ L.« di-Kinder zninwmen, wenn st- nnter de» Träumenden Auges lamchte der Knabe den seltsamen I Apfelbaum im Garten saßen, in Wald und Flur Erzählungen des Kindes- erstaunt blickte er m dre aufleuch- | reiften oder am Bücherschrank des Rektors kauerte« tenden Augen Elftes, sah, ihre roten Lippen sich zu einem Wider in den Büchern aufstolzen Lächeln kräuseln, rhre Wangen sich röten in heißer | betrQ^teten. Der Rektor saß vor seinem Schreib- Sehnsucht nach der weiten, großen Welt da draußen, nach I laufcbte lächelnd auf das Gespräch der Kinder, dem Schönen, "bem Herrlichen, dem Guten und Edlen,. en 4 x^ges, als Elfte wieder einmal ihrer Sehnsucht Thaten und Gedanken eines großen, wetten Lebens. Wenn I Welt? nach dem großen Leben, nach Wissen, Schön- Paul erzählte, daß er einst als Student de große Stadt nach der , ^ob stch der Rektor, besuchen werde, daß er sich der arztttchen Wissenschaft widmen I £ b{£ ( e in die Ecke und begab sich geradewegs wollte, daß er die armen, kranken Menschen heilen werde I f ^en ^Hans Heinrich Hannecken, der damit beschäftigt °Sch-ch"de?'V, L K-L-' ÄMw »«J 'm G-ri-n «Mm« »U hochstämmig«R.I« aufs«, süchtiger Seufzer die Brust Elftes, ihre Augen sullten sich tn enVQnnc(fen/v redete der Rektor den alten Mann a«, mit Thränen, ihre Wangen brannten, traurig ließ sie das ^abei Ste schon einmal über die Zukunft Ihrer Tochter blonde Köpfchen hängen und flüsterte: „Ich wünschte, ich wäre ein Junge wie Du und könnte mit Drr in die Welt, I 9^^ $n0Qlibe au§ bent nordamerikanischen Bürgerkriege in die weite, weite Wett hinausziehen. | leire tn hinein. Rektor Ahrens beobachtete mit heimlichem Erstaune» b, w f^on darüber nachgedacht, Herr Rektor/ das seltsame, kluge und wie eine Rose erblühende Krnd, das ^taeanete er. „Aber was hilft's? das Mädel muß sich halt so wenig in die elende Umgebung des Armenhauses paßte, I bur(j,g geben schlagen, so gut cs gehen will." das eher einer verkleideten Prinzessin als der Tochter des I @te biilten nicht so sprechen, Hannecken," mahnte der Kriegs-Invaliden und Armenhäuslers Hans Heinrich Hannecken ^or. „Man muß seine Kinder mit guten Waffen für glich, und von den flachshaartgen Buben des Korbflechters | b£n mit fcem geben ausrüsten." Pannkuchen und der Enkelin des Waldarbetters Brendrcke I Hans Heinrich, der alte Sergeant von der leichten als „Armenhaus - Prinzessin" gehänselt und gefoppt wurde. | Missouri-Artillerie, grinste gemächlich in den struppigen Bart. „Armenhaus-Prinzessin" klang es höhnend hinter ihr her, I „Herr Rektor," erwiderte er, „das Leben kümmert sich wenn sie sich an den wilden Spielen der Korbflechter - Kinder | ben Kuckuck um unsere Waffen, die es hohnlachend zerbricht, nicht beteiligen wollte- „Armenhaus-Prinzessin" schalten sie a(g wären es Strohhalme. Ich glaubte wunder, wie stark spöttisch, Herr und Frau Pannkuchen, wenn sich Elfte in den unb wohlgerüstet ich war. Ich wollte Offizier und General Rektorsgarten schlich oder weinend zu Frau Dorette Pinke- | werden, Herr Rektor und ich hätte es erreicht, wenn die pank flüchtete. Die Schulkinder riefen ihr den Spottnamen Büchsenkugel bei Brandy - Station nicht meine Waffen mit nach, die Erwachsenen lächelten über die seltsame Bezeich- I elnem Schlage zerschmettert hätte. Aber ich gab die Hoffnung, fanden sie aber sehr treffend, und als Armenhaus- nung nicht auf, ich fing ein neues Leben an, nahm mir ein Prinzessin war Elsie bald in dem ganzen Städtchen bekannt. | Weib und gründete mir im Hinterwald an der Kalifornischen Frau Dorette Pinkepank focht manchen Strauß der I Grenze eine Heimat. Da kam das Leben und schickte mir kleinen Elfte wegen mit den übrigen Jnsaffen des Armen- | die rothäutigen Teufel auf den Hals. Sie zündeten mein bauses aus. Paul Ahrens prügelte die Korbflechters-Kinder I Haus an, töteten meinen Sohn, quälten mein Weib zu Tode, mebrere Male weidlich durch, wenn sie seine kleine Freundin j machten mich zum Bettler und Armenhäusler. Was hälfe» neckten und höhnten, aber der Spottname „Armenhaus- I mir meine Waffen? Der Teufel — verzeihen Sie, Herr Prinzessin" blieb an ihr haften, und schließlich gewöhnte sich Rektor, aber das Leben schert sich den Kuckuck um uns und Elfte selbst an den Namen und zuckte nur verächtlich mit unsere Waffen." . n , ben Schultern, wenn ein Bube ihr den Namen nachrtef. | Der alte Hinterwäldler spuckte seitwärts und steckte ein Fa fte wurde stolz auf diesen Titel! Eine Prinzessin frisches Stück Kautabak in den Mund. • hnmi>hm wollte sie werden. Der | „Sie haben nicht mit den rechten Waffen gekämpft, Svott^sollte zur Wahrheit werden — da draußen in der Hannecken," sprach ernst der Rektor. „Ihnen fehlt die beste wetten, großen, schönen Welt! Wie sie es anfangen wollte, Waffe: der Glaube, das Vertrauen auf die ewige ®e- -ine Brinresftn" tu werden, das vermochte sie nicht zu sagen. I rechtigkeit. . r„ = SnS °n d« langen wlntcr. | «td-n hat, indem,- ruljlg feint« End- entgegen wgttta« abenden nicht die schönsten Märchen von armen Gänsehirtinnen, die später Prinzesftnnen wurden? Von verzauberten Prinzen und Königssöhnen, die durch ein armes Mädchen erlöst wurden, das dann von dem Königssohne zur Prinzessin und Königin gemacht wurde? Konnte nicht auch zu ihr ein Prinz und Königssohn kommen? War sie nicht | sinn, H^r Rekror.„ ebenso schön und klug wie die Gänsehirtinnen und Aschenpuddel 1 das 'st das Beste, der Märchen der Frau Dorette Pinkepank? Ordentlich böse I „Unb in dieser konnte sie werden, wenn Paul sie auslachte und behauptete, erziehen? daß die Märchen nicht wahr seien, daß es heute keine ver- > „Das Mädchen 123 — zu werden durch den andere Sitten, andere ein anderes Denken Es wird ein Abgrund „Und Du widersetzt Dich dem — oh Hans Heinrich. „Still! Ich weiß, was Du sagen willst. Der Rektor mag sehen, wie er's fertig bringt — wenn's der Elfte nur gut bekommt." (Fortsetzung folgt.) gewinnen, Herr Rektor. Vorläufig fehlt ihm ja nichts, und später — pah, wer wird an später denken!" „Hannecken, Elsie hat Gaben und Talente — „Teufels Blendwerk, Herr Rektor!" „Sie können zu Teufels Blendwerk werden, aber aus die richtige Bahn geleitet, zum Gottessegen für Ihr Kind Md die Menschheit." „Was kümmert mich die Menschheit." „Hannecken, wollen Sie mir Ihr Kind anvertrauen?' „Wie meinen Sie, das Herr Rektor?" „Ich will Ihr Kind in mein Haus nehmen, ich will es unterrichten, ich will es erziehen, als wäre es weine eigene Tochter, damit es dereinst ein wahrhaft nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft wird/ Hans Heinrich blickie eine Weile sinnend zu Boden, dann richtete er seine gebückte Gestalt straff empor und sagte mit leicht bebender Stimme: „Herr Rektor, Elsie ist das einzige, was mir das Leben gelaffen hat, wollen Sie es mir nun nehmen?" , „Aber wer spricht davon? Ich will Elsie in treuer Liebe zu Gott und zu Ihnen erziehen." Hannecken schüttelte das graue, verwitterte Haupt. „Wenn sich mein Kmd selbst von mir trennt, dann muß tch rs tragen, aber freiwillig gebe ich es nicht her." „Es bleibt in Ihrer Nähe." „Um mir desto ferner gerückt Aufenthalt in Ihrem Hause, wo es Gewohnheiten, ein anderes Leben, lernt, als bet mir, seinem Vater. _ - sich zwischen uns aufthun — lassen Sie mir mein Kind, Herr Rektor." . „Nun gut, mag Elsie bei Ihnen bleiben. Frau Pinke- pank ist eine brave Frau, sie wird Elsie nichts Unrechtes lehren. Ader erlauben müssen Sie mir, daß ich Elsie unterrichte, daß ich sie weiter fördere, als das in der Armenschule geschehen kann, es wäre eine Sünde, wollte ich die Talente des Kindes verkümmern taffen. Sie selbst werden es mir später danken." , , j Oder auch nicht, Herr Rektor. Mit dem Wissen ziehen die Wünsche in des Menschen Herz, und diese Wünsche, Herr Rektor, diese Wünsche sind unser Verderben. Sagt nicht selbst der Herr Jesus Christus: Selig sind die Kinder und die im Geist Unmündigen." „Der Herr spricht aber auch: Wuchert mit Eurem Pfund! Das Wissen, das sich auf Jesus Christus, auf die Lehren Jesu Christi aufbaut, wird uns stets zum Segen gereichen. , Es wird die wilden, verderblichen Wünsche bändigen, die in unserem Herzen erwachen, es wird uns stark machen, des Lebens Not, des Lebens Kampf zu bestehen. Und dieses | Wissen auf dem ewigen Grunde des Wortes Gottes will ich Ihr Kind lehren, wie ich es meinen Sohn gelehrt habe, und Sie dürfen mich nicht daran hindern, wollen Sie sich nicht an Ihrem Kinde versündigen." „Ich will Sie nicht hindern, Herr Rektor, thnn Sie, was Sie vor Ihrem Gewissen verantworten können — Die tragen die Schuld an dem, was kommen wird und kommen Ich nehme die Verantwortung freudig auf mich und werde Ihre düsteren Prophezeiungen zu schänden machen. In tiefer Erregung entfernte sich der Rektor. Ueber des alten Hinterwäldlers Gesicht zuckte es wie Wetterleuchten am düsteren Abendhimmel, dann spritzte er den Tabaks saft aus, brummte etwas in den Bart und nahm seine Arbeit „Was wollte der Herr Rektor von Dir, Hans Heinrich?" flüsterte es neben ihm. „Oh, Du bist es, Dorette Pinkepank! Der Rektor will weiter nichts, als aus Elsie 'ne vornehme Dame machen... „Ach, Du lieber Gott I" "Schrei nicht so. Es hilft nichts. Der Rektor hat es sich in den Kopf gefetzt." Die Menschenrassen im Lichte moderner Forschung. Von vr. R. Grabow. (Nachdruck verboten.) KO. Derjenige Teil der physischen Anthropologie oder Raffenkunde, welchen mau die historische Menschenkunde zu nennen pflegt, ist auf dem besten Wege, eine selbständige, hochbedeutende Wiffenschaft zu werden. Immer waren die schriftlichen Geschichtsquellen die Richtschnur, nach welcher man die Menschenkunde und die Weltgeschichte beurteilte. Aber es ist nicht zu leugnen, daß diese Quellen trübe und unsicher sein können, da sie Menschen z« Verfassern haben, die dem Irrtum und der Parteilichkeit unterworsen sind. Die anthropologischen Merkmale aber, die der Mensch nicht wie Sprache, Gewohnheit, Sitte oder Ansicht vertauschen kann, beruhen auf der Wirkung ewiger Gesetze. Nach Jahrtausenden noch, wenn jede Erinnerung oder Ueberlieferung erloschen und verschwunden ist, dann trägt eine Rasse immer noch die Merkmale ihres Ursprungs, und selbst da, wo sich dieselbe nicht rein erhalten hat, taffen sich in den Mischraffen zu jeder Zeit die zusammensetzenden Bestandteile erkennen und unterscheiden. Das ist eine hoch- ! wichtige Errungenschaft der modernen Anthropologie oder ff Eine andere wichtige Entdeckung dieser Wiffenschaft ist diejenige, welche beweist, daß die Wiege der Gesamt-Mensch- heit nicht in Asien gestanden hat. In Mittelasien ist nur ein Teil der Menschheit entstanden und zwar die rund- I köpf ige Raffe. * Die moderne Anthropologie kennt nur zwei Hauptraffen von Menschen und zwar nur die Langköpfe und die "Diese haben, wie schon gesagt, ihren Ursprung in Mittelasien, jene, die Langköpfe, stammen nach der modernen I Anthropologie von der skandinavischen Halbinsel. Diese Behauptung mag vielen kühn erscheinen, aber die moderne Menschenkunde hat durch bewundernswürdige Studien ihre Gründe dafür gefunden. Auch spricht für diese Behauptung die Thatsache, daß Europa und Afrika das Vaterland der langköpfizen Affen: Schimpanse und Gorilla, I Mittelasien aber dasjenige der rundköpfigen Affen: Orang- Utang und Gibbon ist. , rir. Die langköpfige Menschenrasse umfaßt die kaukasische I „ad die rundköpfige die mongolische der alten, bekannten | Einteilung. Einige Vertreter der modernen Raff-nkunde I wollen die Afrikaner, welche gleichfalls Langköpfe sind, als I besondere Raffe angesehen haben. I Mehr als diele drei Rassen aber erkennt keine moderne | Anthropologie an.' Aus ihnen sind alle andern Rassen oder I Arten durch Mischung entstanden. Die Langköpfe find die edelste Raffe, sie haben die schönste Körperbildung und das größte Gehirn. Sie haben I die größte Rolle in der Weltgeschichte gespielt, und werden sie immer spielen. Das Urbild dieser Raffe ist folgendes: | Hoher, kräftiger Wuchs, länglicher Schädel, schmales Gesicht, | etwas fliehende Stirn, schmale, vorspringende Nase, weiße, I rosig gefärbte Haut, gelbliches, weiches Haar und starker 1 Bart. Das ist der Typus eines Ariers, der sich ganz rein I nur in Schweden und Norwegen erhalten hat, also auf der i I skandinavischen Halbinsel. Es ist aber ein Naturgesetz, daß I das Verbreitungszentrum da ist, wo sich die Rasse am 124 reinsten erhalten hat. So ist es beim Menschengeschlecht, so ist es auch im Tierreich. Dieses erreicht auch an seinem Ursprungsort den höchsten Gipfel der Entwicklung. Die niedrigsten Vertreter sind an den äußersten Grenzgebieten. Nach der modernen Forschung hat alles Leben am Nordpol begonnen. In der fürchterlichen Etsperiode unseres Weltalls wurden Mensch und Tier immer mehr nach Norden getrieben, den Spuren des Renntiers folgend, welches seine einzige Nahrung in jener schweren Periode war. Im Norden entstand so ein Entwicklungspunkt. Von hier aus begann der Mensch seinen erbitterten Kampf ums Dasein. Hier waren eine lange Zeit, nachdem er den Spuren des Renntieres nicht mehr folgen konnte, die Erzeugnisse des Meeres seine einzige Nahrung. Er verzehrte ausschließlich Fische und Austern eine lange Zeit hindurch. Dafür sprechen die heute noch teilweisevorhandenen ungeheuren Muschelhaufen (Kjökken möddinger) an der dänischen Küste. Von Norden aus, man nimmt an, von Schonen, fanden dann später die Auswanderungen statt, als die Halbinsel die sich immer mehr vergrößernde Menschenmenge nicht mehr bergen und ernähren konnte. Einwanderungen fanden niemals statt, so daß sich hier die Rasse rein erhalten konnte. Aus diesem Steinzeitvolk auf Schonen sind alle Arier hervorgegangen. .Die Gründe, welche die moderne Rassenkunde dafür angiebt, sind folgende drei: Erstens den naturwissenschaftlichen, der also lautet: „Das Verbreitungszentrum einer Rasse ist immer da, wo es sich am reinsten erhalten hat." Zweitens den geschichtlichen, der lautet: „Bei allen Stämmen der Germanen hat sich die Ueberlieferung von der Auswanderung aus Skandia oder Skandinavien erhalten." Drittens den palanographischen, der sagt: .In den skandisch- germanischen Runen ist das Ur-Alphabet der alt europäisch en Schrift enthalten. Tie skandinavische Halbinsel ist auch der Verbreitungsmittelpunkt der heute noch gebrauchten Buchstaben." Die skandinavische Erde barg reiche Funde an besseren Steinwerkzeugen, die Zeugnis dafür ablegten von der allmählich steigenden Kultur der ureuropäischen Einwohner. Man fand dort die steinerne Pfeilspitze der Urzeit, die Knochennadel, mit denen die ersten Gewänder zusammengenäht wurden, dann Handwerkszeugs aus Stein der verschiedensten Art und Güte. Auf die Hautfarbe der verschiedenen Völkerschaften vom Weiß bis zum tiefsten Schwarz legt die moderne Wissenschaft im Gegensatz zur alten fast gar keinen Wert. Für sie ist die Hautfarbe und Haarfarbe lediglich Sonnenwirkung, die bei allen Rassen auf die Dauer im selben Klima dieselbe ist, also kein Rassenunterschied. Für sie giebt es nur zwei Raffen, beziehungsweise drei und diese sind: 1. die langköpfige, weiße, europäische Nordlandsrasse - 2. die langköpsige, schwarz-braune, afrikanische Mittelmeerrasse- 3. die rundköpfige, gelbe, asiatische Rasse. Diese drei Rassen würden auch heute noch rein und allein vorhanden sein, wenn die Völkerwanderungen nicht ge wesen wären. Immer mehr und mehr wuchs die Menschheit an, kein Land konnte schließlich mehr die auf ihm geborenen Kinder ernähren. Die langköpfigen, ureuropäischen Völker, sowohl wie die rundköpfigen asiatischen mußten immer weiter und weiter wandern, so weit schließlich, daß ihre Ströme, ihre Scharen aufeinander stießen, um sich in bitterstem Kampfe gegenseitig zu vernichten oder schließlich sich friedlich auf dem neueroberten Landstriche zu vereinigen. Die Raffe der Arier blieb nicht mehr rein. Tie rundköpfigen Hunnen, Avaren, Magyaren, Türken und andere mischten sich im Laufe von Jahrtausenden mit ihnen. Diese Mischungen, haben immer zugenommen, so daß die langköpfige Raffe in manchen Stammsitzen beinahe verschwunden ist. Freilich können die mit ihrem Blut gekreuzten Rundköpfe als Ersatz dafür gelten. Geinernnritziges. Außerordentlich haltbaren Bindfaden, haltbarer' noch als die sogenannte Zuckerschnur, gewinnt man, indem man ein gut Teil Alaun in Wasser auflöst. Wird der Bindfaden in diese Auflösung gelegt und nachher getrocknet,, so ist er unzerreißbar. Zur Reinigung weißer Strohhüte aller Art löse man eine kleine Quantität Kleesalz in Wasser vollständig auf, nehme eine reine Bürste und bürste den Hut mit der Lösung, ohne ihn jedoch ganz zu durchnässen. Hierauf spüle man ihn mit klarem Wasser ab und lasse ihn in der Sonne trocknen. Ein so behandelter Hut bleibt in seiner Faxon. Tiuteuflecken verschwinden aus bunten Woll- und Baumwollstoffen durch Einreiben mit Glycerin und Nachwaschen in warmem Wasser mit etwas Seife. Tintenflecken in weißen Stoffen behandelt man mit Zitronensäure, indem man dieselben einige Zeit darin weichen läßt und event. das Verfahren wiederholt. Der zurückbleibende gelbe Flecken wird in gleicher Weise mit Kleesalz Präpariert. Aeld und Karten. Richtiger Heckenschuitt. Man schneide Hecken nie senkrecht viereckig, sondern stets konisch zu und zwar so, daß sie bei einer Breite von 50 Zentimeter am Boden oben blos eine solche von 35 Zentimeter haben. Es erhalten dadurch auch die untersten Zweige Luft, Licht und Regen, und bleiben grün. Ein lästiges Unkrant im Garten ist das Kreuzkraut (Sencio vulgaris), denn es trägt eine Menge Samen, die vom Winde nach allen Seiten hingefüyrt werden, sodaß überall im Garten junge Unkraulpflanzen erscheinen, die sich ungemein schnell entwickeln, blühen und wieder Samen tragen. Das Pflänzchen ist kaum aufgebiüht und es zeigen sich auch schon die kleinen, mit weißen »ilughaaren versehenen Samen - bis dahin darf man es aber nicht kommen lassen, es ist vielmehr ganz jung schon auszurupfen oder umzuhacken. Ein fchönblühenber Frühlingsstranch ist die japanische Quitte, Cydonia japonica; sie wäcdst wehr breit als hoch und steht am prächtigsten als Einzelpflanze. Wlumenpffege. Bei Düngung von Blumenbeete« muß der Dünger gehörig untergegraben werden, damit die Wurzeln der Pflanzen nicht direkt auf denselben zu stehen kommen. Der Staub ist einer der größten Feinde unserer Zimmerpflanzen, und deshalb sucht auch jeder'Blumenliebhaber seine Pflanze nach Kräften davon zu reinigen. Hierbei wird aber meist ein großer Fehler begangen, indem man die bestaubten Blätter mit einem feuchten Schwamme abwiicht und so erst recht den Staub in die Poren der Pflanzen schwemmt. Ordnungsgemäß sind die bestaubten Blätter trocken mit einem wollenen Läppchen abzuwischen und dann erst mit einem feuchten Schwamme zu überfahren. Man hat dabei zwar etwas mehr Arbeit, doch lohnen die Pflanzen dieselbe reichlich durch frischeres Aussehen. Hrrinsmstisches. Humor des Auslands.—Opferbereit. Hausfrau (leise zu ihrem Gatten): „Um Himmels willen, unsere Gäste fangen an, sich zu langweilen. Was werden wir nur thun?" Hausherr (achselzuckend): „Ja, es wird uns weiter nichts übrig bleiben, als eine Weile aus dem Salon zu gehen, damit sie ungestört über uns sprechen können". Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniversilüts-Buch- und Steinbruderei (Pieisch Erben) in Gießen.