(Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Miß Franklin sah ihm lächelnd nach, als er wegging, dann kam sie an das Kompaßhäuschen, auf welches sie einige Minuten schweigend blickte. „Jetzt," dachte ich, „komme ich brcttt.* „Ist das Steuern schwer?" fragte sie. „Oh, nicht sehr," antwortete ich. Mein Herz schlug doch ein wenig rascher, nachdem sie mich angeredet hatte. „Ich möchte es gern lernen," sagte sie. „Ich würde glücklich sein, es Sie zu lehren, wenn der Kapitän es erlaubte." Sie wandte sich um, um mich anzusehen, und ich war betroffen von ihrem Blick. Er war sicherlich kalt, hatte aber nichts Verletzendes oder Verächtliches an sich, nur ein gewisses Sinnen, etwas ernst Prüfendes lag darin. Ihre schönen Augen trieben mir das Blut ins Gesicht- habe ich nicht schon gesagt, daß Jack ein schüchterner Mensch ist? Ich zweifle nicht, daß ich wie ein rechter Esel aussah in dem Wunsch, ihren mich gan^ verwirrenden Blicken ruhig zu begegnen. „Ich wundere mich, daß ein Mann wie Sie zum Vorderdeck gehören kann," sagte sie. (Hierbei betonte sie „Vorderdeck- stark.) Mr. Sloe, als Offizier, ist schon schlimm genug, wie müffen da seine Untergebenen, die Matrosen sein!" Der alte Windwärts sah zufällig in diesem Augenblick zu uns hin. Er runzelte zornig die Stirn, als er uns sprechen sah, konnte doch aber nichts sagen. Die Schwester des Kapitäns durfte sich unterhalten, mit wem sie Lust hatte, und es war nicht meine Schuld, daß sie mich angeredet hatte. „Sind Matrosen weniger wert als er?" antwortete ich. Wf* icht der ist auf der Welt verwaist, Dessen Vater und Mutter gestorben, Sondern der für Herz und Geist Keine Lieb' und kein Wissen erworben. Rückert. „Er hat diesen Morgen einen Mann geprügelt, hörte ich. „Mit einem Tauende," sagte ich, meinen Blick auf die Segel richtend. „So erzählte mir mein Bruder. Wie können Männer es nur ertragen, geschlagen zu werden! Ich möchte um alle Schätze der Welt nicht Seemann sein- und wenn ich dafür nach fünf Jahren Königin von England werden könnte. Ich darf gar nicht daran denken, daß ich die schöne Sommerlandschaft, die Heuernte, die Felder und Blumen aufgebe für — für die Möglichkeit, zu ertrinken." Ich wagte nicht zu fragen, warum sie denn bei solchem Widerwillen gegen die See das Land verlassen hätte. „Was soll ich nur anfangen, wenn ich nach Sidney komme?" sagte sie. „Sind lauter Verbrecher da?" „Das glaube ich nicht," antwortete ich ernsthaft. „Gott gebe nur, daß ich glücklich wieder nach Hause komme. Ich würde niemals in einem Schiff wie dieses gesegelt sein, wenn mein Bruder nicht gesagt hätte, es würde mir gut thun. — Ah, da ist er ja. — Nun, Pfefferbüchse, ich hoffe, dein Schlaf hat dich erfrischt." Augenscheinlich mißfiel ihm diese Form der Anrede in meiner Gegenwart, aber er hatte Takt genug, zu lächeln - dann sagte er mit leiser Stimme: „Du solltest nicht mit dem Mann am Steuer sprechen." „Das ist aber dumm. Es ist doch niemand da, mit dem ich sprechen könnte außer —" und sie machte eine Grimasse in der Richtung nach dem alten Windwärts. Er nahm ihren Arm und führte fie weg. Es kam mir vor, als wenn er fie schalt, aber nicht unfreundlich. Jedenfalls glaubte ich zu erkennen, daß, aus welchem Stoff auch sein Herz bestand, es seiner Schwester gegenüber doch weich war. Gleich nachdem sie ihre Strafpredigt entgegengenommen, ging sie nach unten, und ich hatte eine Stunde ungestörten Nachdenkens für mich, die ich ihr widmete. Der Schluß, zu dem ich gelangte, w«r, daß fie ein frisches, ganz wunderbares Landkind wäre, wahrscheinlich eine Waise, die ihr Bruder wie ein Kettenhund bewachte, da er es plötzlich nicht länger verantworten zu können glaubte, sie unbeschützt und allein am Lande zu lassen. Vielleicht hatte er recht, wenn nämlich meine Vermutungen zutrafen - aber wollte er fie denn auf seinen Reisen mit sich umherschleppen, bis er selbst die See verließ? Dreizehntes Kapitel. Deacon. Bis jetzt habe ich es unterlassen, den Leser mit einem Mann bekannt zu machen, welcher eine hervorragende Rolle in dieser Erzählung spielt. Als ich das erstemal auf der Brigg war, hatte der Kapitän spottend von einem neuen Matrosen gesprochen, welchen er in Bayport geheuert hatte. Er sagte von ihm, er brauche nur Tonsur und Brille, um ein leibhaftiger Kaplan zu sein. ES war dies derselbe Mann, der betrunken ins Wasser gefallen war. Sein Name war Deacon, aber die Mannschaft hielt diesen zu vornehm und hochtönend, und verwandelte ihn in Sniggers, eine Anspielung auf die Eigentümlichkeit seines Trägers, Gesichter zu schneiden, wenn er in Gedanken war. Ich werde aber unter seinem richtigen Namen von ihm schreiben. Er war in der That eine bemerkenswerte Person,- ein sehr tüchtiger Seemann, behend und waghalsig im Takelwerk ; gewiß in jeder Hinsicht der gewandteste und gleichzeitig Pfisfigste Matrose unter uns allen. Trotzdem aber bin ich nie einem Menschen begegnet, der äußerlich so gar nichts von einem Seemann an sich hatte. Seine Gesichtsfarbe war ein ungesundes Weiß, seine Stirn frei und breit, sein Haar schwarz und in der Mitte gescheitelt. Dies letztere war mir ein Wunder/ denn da ich ihn nie einen Kamm benutzen sah, begriff ich ebenso wenig wie der Scheitel dahin kam, als König Georg begriff, wie das Mus in den Pfannkuchen gelangte. Mit roter Nase, schwarz gekleidet, ein weißes Tuch um den Hals, war Deacon die vollendetste Karrikatur jener Klasse von Reisepredigern, die im Freien ihre Versammlungen abhalten und dort wimmern und plärren. Trotz seines heiligen Aussehens war er aber durchaus nicht besser wie die anderen, und eine ganze Woche, nachdem wir Bayport verlassen hatten, war er beständig betrunken, wenn auch nicht so, daß er seine Arbeit auf Deck nicht hätte verrichten können. Wir zerbrachen uns alle den Kopf, wo er sein Getränk her hatte. Einige glaubten, er wüßte einen geheimen Weg zu den Rumfässern, und Schnarch Jimmy bewachte seine Bewegungen mit höchstem Eifer, aber ohne Erfolg. Der schöne Blunt deutete an, er möchte nach Art der Kameele, die doch einen Wasserranzen in ihrem Bauch mit sich schleppen sollten, einen Grogranzen haben, aus dem er söffe, wenn ihn dürstete. In einer Nacht jedoch, als das Vorderdeck vom Schnarchen wiederhallte, sah ich, wie er zu seiner Kiste schlich, eine Flasche herausnahm und trank. Am nächsten Morgen erzählte ich, was ich gesehen hatte. Seine Kiste wurde aufgebrochen und sieben Flaschen kamen zum Vorschein, von denen vier leer und drei mit Rum gefüllt waren, die sehr sorgsam unter seinen Kleidern verpackt lagen. Sofort wurde natürlich unter allgemeinem Jubel auf seine Gesundheit getrunken und nicht ein Tropfen übrig gelassen, damit, wie Liverpool Sam zu ihm sagte, er nicht fürder in Versuchung geführt werden möchte, seiner Gesundheit heimlich zu schaden. Deacon nahm die Plünderung seines verborgenen Schatzes sehr gutmütig auf. Er sagte, er freue sich, daß Jack Chadburn die Entdeckung gemacht hätte. Ich wäre sein Lebensretter, und mir gehörte alles, was er besäße. „Worüm heft du denn äwer de gauden Droppeü nich mit em dellt?« fragte der schöne Blunt. „Weil ich mir nich Feinde aus euch andern machen wollte," antwortete Deacon, ohne zu zögern. „Außerdem macht sich Jack Chadburn nich genug aus Rum, als daß ich ihm eine Freude damit gemacht hätte." „Da hast du recht, Sniggers," sagte ich. „Js dat nich eigendlich en lütten Deiwstahl?" erkundigte sich Welchh, das braune Naß auf dem Grunde seines Töpfchens betrachtend. „Natürlich is es das," antwortete Deacon. „Wenn ich euch vor den Richter bringen wollte, würde jeder von euch wenigstens vierzehn Tage lang, bei Haferschleim, über seinen guten Witz nachdenken können." „Herrgott! iS dat en See-Avkat!" schrie der glückliche Billy. „Oh ja, ich kenne etwas vom Gesetz," erwiderte Deacon mit großer Wichtigkeit in Ton und Stimme. „Ich habe mir schon einmal durch meine Kenntnis desselben fünfhundert Pfund gemacht, Maats." Ich sah ihn an, als er so sprach, denn er hatte sich dabei mir zugewandt. „Wie kam das?" fragte ich. „Na," erwiderte er, „wenn du deine Schnauze halten willst, Billy, so will ich euch erzählen, wie ich das anfing." „Also, Maats," begann er, „ich war Vollmatrose an Bord des „Monarch", eines Jndienfahrers, voll von Paffagieren und wertvoller Ladung. Ich hatte eine üble Angewohnheit, ich kann nicht sagen, wie ich dazu gekommen bin, aber ich schnitt zum Zeitvertreib in alles. Holzwerk, was mir gerade zur Hand war, meinen Namen und allerhand Figuren. Da seht mal, ich habe hier auch schon angefangen," unterbrach er sich und zeigte dabei auf das Kopfende seiner Pritsche, auf welcher sein Name Jasper Deacon sehr hübsch eingeschniten war. „Also," fuhr er fort, eines Nachmittags stand ich am Rade, wir waren im Stiltegürtel, Windstille hatte das Schiff befallen, zu steuern gab es nichts, kein Mensch war in meiner Nähe,- da nun, in Gedanken, ohne zu wiffen, was ich thue, ziehe ich mein Messer raus und fange an, das Rad zu kerben. Ich war so emsig bei meiner Arbeit, daß ich nicht bemerkte, wie der Kapitän kam, und als der steht, was ich gethan habe, fluchte er, schreit, es müsse ein neues Rad beschafft werden, und schwört es, ich solle es bezahlen. Er hielt auch seinen Schwur, denn es wurden mir richtig zehn Pfund von meiner Heuer abgezogen. Anstatt aber in Kalkutta nun auch wirklich ein neues Rad zu besorgen, behielt er das alte, und das Schiff wurde mit diesem ruhig heimgesteuert. Das hatte mich natürlich geärgert, und ich ging deshalb gleich nach der Ankunft zu Hause zu einem Advokaten. Dem erzählte ich die Geschichte uud fragte ihn dann: „Kann ich nicht gegen die Reeder klagen, weil sie mein Rad benutzt haben, das Rad welches ich bezahlt habe?" „Natürlich können Sie das," sagte der. „Gut," fuhr ich fort, „dann werden Sie auch meiner Meinung sein, daß, wenn der Kapitän nicht mein Rad gehabt hätte, er auch nicht das Schiff mit Ladung und Passagieren würde haben nach Hause steuern können." „Ganz richtig," sagte der Advokat. „Uebergeben Sie mir den Fall." „Das that ich. Der Advokat verklagte nunmehr die Reeder wegen einer Schuld von tausend Pfund und der Richter, nachdem er die Sache nach allen Seiten gedreht und sich zurecht gelegt hatte, sah ein, daß das Schiff ohne Rad nicht hätte fahren können, und daß es mein Rad war, mit dem es gesteuert worden war,- er erklärte den Sachverhalt den Geschworenen, und diese erkannten mir die Summe zu, die ich euch genannnt habe." Ich sühre diese Erzählung nur an als Beispiel von Deacons Sprechweise. Er war kein gewöhnlicher Mann, in dem Sinne, in dem es die anderen waren. Er besaß eine Kenntnis des Lebens, oder vielmehr der Zustände am Lande und des Treibens in den Städten, wie man sie selten bei Seeleuten findet- und dies verriet sich auffallend bei allem, was er so bei Gelegenheit erzählte. Im allgemeinen sehen die Matrosen die Welt in ähnlicher Weise als ein Vorderkastell an, wie der Philosoph sie als eine Schaubühne betrachtet. Deacon war in Schiffen von allen Größen und Arten gesegelt- als Schiffsjunge hatte er seine Laufbahn auf einer Schmacke begonnen, mit der alleruntersten Sprosse der nautischen Leiter also angefangen- dann Hatto er auf — 3W — verschiedenen englischen Schissen gedient, aber auch auf französischen und sogar auf einem Kriegsschiff. Oft erregte er unser Gelächter mit seinen trockenen, von Witz gespickten Beschreibungen französischer Seeleute- drastisch schilderte er ihre Gebete zur Jungfrau bei einem Sturm, ihre Tapferkeit bei Windstille, und mit viel Komik sprach er von ihren Knebelbärten, ihrem Geküffe, ihren Thränen, ihrer soupe und ihrem vin ordinaire. Nachdem sich meine Aufmerksamkeit ihm erst einmal zugewandt hatte, blieb sie auch gefesselt. Ich will damit sagen, daß er mich sehr interessierte, und wenn er sprach, so hörte ich unwillkürlich hin und sah ihn an. Auf die anderen übte er eine geringere Anziehungskraft aus, wiewohl sie ihm gern zuhörten, und seine geistige Ueberlegenheit anerkannten. Mich berührte er wie ein Rätsel. Etwas gewissermaßen Magnetisches im Ausdruck seiner Augen und seines Gesichtes machte, daß ich ihn oft im stillen beobachtete und über ihn nachdachte. (Fortsetzung folgt.) Eine deutsche Hausfrau am Kilimandscharo. Die Gattin des bekannten Hauptmanns Johannes ist ihrem Manne nach der Station Moschi gefolgt. Von ihrem Leben giebt sie selbst in einem Aufsatze Bericht, den die „Lpz. N. Nachr." veröffentlicht haben. Unsere Leserinnen werden sicher mit Teilnahme lesen, wie ihre Geschlechts- genosstn im fernen Afrika sich ihr Leben gestaltet hat. „Stundenweit kamen uns die Eingeborenen entgegen. Die Häuptlinge hatten ihren besten Staat angelegt, einer erschien sogar in Husarenuniform, was zu lächerlich aussah, er schien sich aber ganz besonders fein zu dünken. Kurz vor der Station erwarteten uns die Frauen mit einem ohrenzerreißenden Geschrei. Das war ein Johlen, in die Hände Klatschen, daß einem Hören und Sehen verging. Viele warfen uns mit Reis, und meinem Esel wurde es bei dem Höllenlärm so ungemütlich zu Mute, daß er mich um ein Haar in sehr ungalanter Weise abgesetzt hätte. Da waren wir denn nun zu Hause. Ich muß gestehen, so schön hatte ich mir die Station nicht vorgestellt. Das Fort ist aus Fachwerk ein Stock hoch gebaut. Die Front wird vom Haupthaus, in dem wir wohnen sollten, eingenommen, links davon die Wache und der Gefangenen-Raum. Der dahinter liegende Hof ist gestampft, was sich sehr gut ausnimmt, und wird begrenzt von dem Unteroffiziershaus, der Küche und den Baderäumen. Alle Gebäude tragen einen weißen Anstrich, der sich sehr freundlich ausnimmt, und sind mit Wellblech gedeckt, welches zur Ablenkung der Sonnenstrahlen und zur Schonung desselben rot angestrichen ist. Die unteren Räume der Häuser dienen teilweise als Bureaus, teilweise als Magazine. Nachdem wir von den Europäern begrüßt worden, zogen wir uns in unsere Gemächer zurück. Die ersten Tage gab es natürlich viel zu thun. Mit welchem Vergnügen machte man sich an das Auspacken der Kisten, um bald- möglichst den Zimmern ein behaglicheres Gepräge zu verleihen. Dieselben sind in weißer Oelfarbe gehalten, der Fußboden gestampft. Die Hauptmöbel waren uns vom Gouvernement gestellt. Kleine Luxussachen fertigten wir mit der Zeit selbst an. Es galt also vorläufig dem Ausschmücken der Wohnung, worin ich von den Herren in der liebenswürdigsten Weise unterstützt wurde. Da thronte man hoch in den Lüften, machte Portiären an, drapierte möglichst allerlei bunte in Sansibar erstandene Tücher, legte Teppiche und stellte Nippsachen auf. Luxus war keiner vorhanden, aber als alles fertig war, schaute es ganz gemütlich aus, und das ist doch die Hauptsache. Das Nette ist eben in Afrika, daß man selbst sehr viel thun muß, um es sich behaglich zu machen. Dadurch schätzt man alles sehr viel mehr, und jedes neue Stück,-das man sich zurechtgezimmert, macht Einem eine Riesenfreude. Die ersten Tage aßen wir mit den anderen Herren der Station, was mir eine große Erleichterung war, da ich mich so mit Ruhe in meinen neuen Wirkungskreis einleben konnte. Zuerst dachte ich im stillen: Wie wird das wohl gehen? Der Sprache war ich so gut wie gar nicht mächtig, und machte ich einmal einen schwachen Versuch, meine paar aufgeschnappten Suahelibrocken anzuwenden, so konnte ich sicher sein, daß ich etwas recht Dummes sagte. Die unglaublichsten Mißverständnisse kamen vor, und ich wurde oft ausgelacht. Doch den Mut ließ ich deshalb nicht sinken. Nach und nach lernte ich mich ganz gut verständigen und ich muß sagen, ich habe mit unseren Dienstboten weniger Aerger gehabt, als manche Hausfrau in Europa. Allerdings muß man sich ja im Anfang an manche sonderbare Angewohnheiten der Leute gewöhnen. Wir haben fünf Boys und drei Mädchen. Dieselben stehen im Alter von 12 bis 20 Jahren. Mancher Junge war schon verheiratet und glücklicher Vater. Jeder Boy hat nun seine bestimmte Arbeit- ist diese verrichtet, so muß er um Erlaubnis fragen, nach Hause gehen zu dürfen. Sie find, ausgenommen die Küchenjungen und der Koch, von 6 bis 9 Uhr morgens, 1 bis 3 Uhr und von 6 bis 9 Uhr im Hause beschäftigt. Die übrige Zeit benutzen sie, um sich im Freien zu amüsieren. Ich kann von unseren Boys nicht anders sagen, als daß sie recht brav und treu sind. Das einzige, was sie reizt, ist Zucker, Milch und Seife, nun, dazu braucht man gerade nicht Neger zu sein. Derartiges kommt auch in Europa vor. Der Tag, an dem ich unsere eigene Wirtschaft in die Hand nahm, rückte nun auch heran. Welcher jungen Frau macht es wohl nicht Freude, derselben vorzustehen, besonders, wenn das Feld so dankbar ist, wie in Afrika. Verwöhnt sind die Männer nicht draußen, und wenn es auch unmöglich ist, die Speisen so auf den Tisch zu liefern wie in Europa, so bringt eine Frau immerhin einige Abwechslung in den etwas monotonen Küchenzettel. Die Küche selbst ist sehr nett, sie besteht aus einem Anrtchteraum und der eigentlichen Küche. Den Herd, sowie die nötige Einrichtung hatten wir uns von Europa mitgebracht. Sogar die Wasserleitung über dem Spülstein fehlte nicht, gewiß alles Mögliche im Inneren Afrikas! Ein Raum, um den mich manche deutsche Hausfrau sicher beneiden wird, ist die Vorratskammer. Hier sind die Fleischkonserven, Büchsengemüse u. s. w aufgestapelt, auch eine Weinabteilung gab es, und selbst ein Trunk guten Bieres fehlte nicht. Ich führe dies nur an, um zu zeigen, daß mein materielles Los doch nicht gar so bemitleidenswert ist, wie manche meiner Freundinnen in Europa glaubt. Allerdings sind die zuletzt angeführten Sachen für uns auch Luxus, und wir leeren z. B. eine Flasche Bier vielleicht mit ebenso viel Andacht, als man sich zu Hause für eine Flasche Champagner leistete. Auf der Station sind wir glücklicher Weise nicht darauf angewiesen, von Konserven zu leben, sondern diese sind nur zur Mitnahme auf Reisen vorhanden. Zweimal die Woche wird geschlachtet.. Ochs, Hammel oder Ziege. Kalb und Schwein giebt es nur selten. Schweine sind nur wenig vorhanden und Kälber können deshalb nicht geschlachtet werden, weil die afrikanische Kuh die eigentümliche Angewohnheit besitzt, nur Milch zu geben, wenn das Kalb dabei ist. Stirbt ein solches, so ziehen die Eingeborenen vas Fell ab, hängen es über einen Stock und betrügen auf diese Weise die Kuh- Dieselbe beschnuppert das Fell, als dar ihres Jungen und läßt sich melken. Unser Brot backen wir selbst, auch wird gebuttert und Käse bereitet. Frisches Gemüse liefert der, Garten, um den sich Herr Leutnant Werker in verdienter Weise bemüht. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Bohnen, Erbsen und Gurken, alles gedeiht sehr schön, und man widmet selbst als Stadtkind der Gartenkultur das größte Interesse. Ich bin die einzige weiße Frau auf der Station, doch kann ich im Osten in vier Stunden, im Westen in neun Stunden Damenverkehr haben. Es sind dies Missionarsfrauen, die sich ganz in derselben Lage befinden, wie ich, und ich glaube, keine von uns hat je über Langeweile zu 236 klagen. An sonstiger Abwechslung fehlte es auch nicht. Müssen wir auch Konzerte und Theater entbehren, so hat man hier wieder Interessen anderer Art. Ost auch haben wir Besuch von Europäern, die verstreut am Berge wohnen, oder von jagdlustigen Afrikareisenden. Da die Station in der Mitte und am Hauptwege von drei großen Landschaften liegt, so muß notgedrungen der ganze Verkehr an unserem Hause vorbei, wodurch es Leben genug giebt. Im Norden liegt der mit ewigem Eise bedeckte Kibo, der höchste Gipfel des Kilimandscharo. Die schönsten idyllischen Spaziergänge sind ganz in der Nähe der Station, und eS ist meine große Liebhaberei, durch die Bananenwälder zu streifen und das Leben und Treiben der Eingeborenen zu beobachten und kennen zu lernen. Aus dieser kleinen Beschreibung werden meine Schwestern in Europa sehen, daß es sich doch nicht ganz so schlecht im schwarzen Erdteil leben läßt und wenn ich der einen oder anderen Reiselust erweckt habe, so rufe ich ihr zu, sie soll uns herzlich willkommen sein, denn selbst für ein Fremdenzimmer ist bei uns gesorgt*. Geineinnritziger. Lheeftecke entfernt man au§ leinenen Tafeldecken auf folgende Weise: Man verrührt ein rohes Gelbei mit Glycerin zu gleichen Teilen, bestreicht damit den Fleck, wäscht ihn dann mit einem Schwämmchen und heißem Wasser aus und plättet die Stelle noch halb feucht mit einem nicht zu heißen Eisen auf der linken Seite. Fleckwaffe« für Wollstoffe. 1 Liter Regenwasser, 1 Liter Kornbranntwein, zwei Ochsengallen, vier Eidotter, 65 Gramm venetianische Seife, 275 Tropfen Bergamottöl werden in einer Glasflasche gut geschüttelt. Mit diesem Wasser wird ein wollenes Läppchen gut befeuchtet. Man reibt damit den Fleck solange, bis er fort ist, und spült die Stelle in kaltem, reinem Wasser aus. Fettflecke werden jedoch nicht durch dieses Wasser entfernt. Kitt für Waffervasstas und Brunne«. 9 Teile fein gestoßenes und gesiebtes Zicgelmehl und 1 Teil Blesglätte werden gut vermischt und durch Zusatz von Leinöl in der gehörigen Konsistenz zum Gebrauch fertig gemacht. Dieser Kitt, welcher kalt angewendet wird, hält das Wasser sehr gut zurück. Er braucht aber fünf bis sechs Tage bis er trocknet. Aeld und Karten. Ueber die Wirkungen künstlicher Düngemittel an Ohstbüumen werden seit einigen Jahren umfassende Versuche angestellt. Interessant sind die Beobachtungen, die ein Landwirt des Alten Landes in seinen Baumschulen und Obstanlagen bei Anwendung von Chilisalpeter gemacht hat und über welche er in der neuesten Nummer des „praktischen Ratgebers" berichtet. Die betreffende Nummer wird Gartenfreunden vom Geschästsamt des „praktischen Ratgebers" in Frankfurt a. Oder kostenfrei zugeschickt. Wie schützt ma« „geschriebene Namenbezeichnungen" im Garten gegen Rege«? Man bestreiche die geschriebenen Namenschtldchen mit einem Lacke, bestehend aus einer dicken Lösung Gummi arabicum, welcher man etwa 30 Prozent Alkohol zusetzt. Zum Bestreichen verwende man einen weichen Pinsel und streiche vor allen Dingen die Ränder recht sorgfältig. Ist dieser Lack getrocknet, so überstreiche man die Schildchen nochmals mit einem solchen aus 10 Teilen Mastix, 0,2 Teilen flüssigem Storax und 35 Teilen Alkohol. Dieser Lack ist sehr ausgiebig. Kür die Küche. Einfacher Küchenzettel. Sonntag: Bouillonsuppe mit Etergelee, Schweinebraten, Kartoffelklöse und Dämpfkraut oder Salat. Montag: Reissuppe, Maccaroni mit Schinken. Dienstag: Nudelsuppe, Rauchfleisch mit Spinat und Kartoffeln. Mittwoch: Hagebuttensuppe, Hammelfleisch mit grünen Bohnen. Donnerstag: Mehlsuppe, Kalbsbraten, Kartoffeln und Kompott oder Salat. Freitag: Selleriesuppe, Eierkuchen und gedämpfte Pflaumen. Sonnabend: Porreesuppe, Spinat mit Eiern und gebratener Kalbsleber. Frikassee vo« Froschkeule«. Die Keulen werden in heller Fleischbrühe mit Wurzelwerk und feinen Kräutern gar gemacht. Mit einer Mehlschwitze wird die gewonnene Brühe zu einer dickfließenden Sauce verkocht, dieselbe mit Eigelb, Weißwein, Zitronensaft und einer Wenigkeit-Sardellenbutter gebunden und abgeschmeckt. Die Froschkeulen läßt man in der durchgestrichenen Sauce heiß werden — nicht kochen — und richtet das Frikassee in einem Blätterteigrande an,- oder man umgiebt es mit Fleurons. Waldmeister-Sauee. In 5 Dezigramm Butter läßt man eine kleine Prise Zwiebel anlaufen, fließt 5 Dezigramm Mehl dazu, läßt es rösten, doch nicht braun werden, übergießt es mit Suppe und Rahm, giebt einige Tropfen Zitronensaft und Salz dazu, läßt alles gut verkochen und giebt zwei Löffel voll gewiegtes Waldmeisterkraut hinein, welches noch eine Weile kochen muß. Brot vor dem Tchimmligwerde« z« schütze«. Um das Schimmligwerden zu verhüten, steckt man das frisch gebackene Brot, sobald es aus dem Ofen kommt, in einen Mehlsack, aus welchem noch nicht alles Mehl entfernt ist, und zwar so, daß die Oberrtnden des Brotes aufeinander- liegen. Hierauf bindet man den Sack zu und hängt ihn an einem lustigen Orte frei schwebend auf. Auf diese Weise hält sich das Brot vier bis sechs Wochen frisch, ohne trocken zu werden und ohne Schimmel anzusetzen. Bor dem Gebrauch bürstet man es mit einer feinen Bürste ab und legt eS eine Nacht vorher in den Keller, damit es wieder geschmeidig wird. Humoristisches. In der Schule. Lehrer: „Wilhelm, wieviel find 5 und 1?" — Wilhelm (schweigt). — Lehrer: „Aber Junge, wenn ich Dir jetzt fünf Aepfel gebe und dann noch einen, wieviel Aepfel hast du dann? — Wilhelm: „Sieben". — Lehrer: „Was, Junge, sieben?" — Wilhelm: „Ja, einen hab' ich schon in der Tasche". * • * Kindermund. „Emil, Du kommst ja heut so spät aus der Schule, wie geht denn das zu?" — „Ach, Papa, ich — ich — es war heut so schön, da bin ich länger dageblieben". * * * Im Theater. Herr: „Darf ich bitten, meine Gnädige, den Hut abzunehmen? Ich habe doch für meinen Platz fünf Mark bezahlt . ." — Dame: „Und ich habe für meinen Hut fünfzig Mark bezahlt". * Sonntagsjägerei. „Auf Eurer Jagd ist wohl oft Veränderung?" — „Ja, die Jagdgäst' wechseln — aber der Hase ist immer derselbe". * * * Aus der Jnstruktionsstund e. Feldwebel: „Müller, wer ist nach dem Herrn Leutnant Ihr nächster Vorgesetzter? —Müller: „Der Herr Hauptmann". — Feldwebel: „Richtig. Nun, sagen Sie mir aber: Vor wem muß auch der Herr Hauptmann Respekt haben? — Müller: „Bor der Frau Hauptmann!" Redaktion: <5. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schcn UniversttätS-Buch- und Hteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,