MU ' &mbös)f MM 'M) in gut Wort und ein sanfter Regen dringen überall durch. Sprichwort. Ein gutes Word bleibt lange im Gedächtnis. Sprichwort. Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. Ditfurt h. (Fortsetzung.) XIII. An einem herrlichen Maitage saß Renata mit Frau Charlotte auf der Terrasse im Garten des Gylfenhofes. Der Garten war nicht groß und schloß dem Vordergebäude gegenüber mit besagter Terrasse ab, die ihrerseits durch eine hohe Mauer begrenzt war. Auf der einen Seite lag der alte Flügel mit dem Archiv, auf der anderen eine hohe, fensterlose Hauswand. Frida und Max waren heute zur Hochzeitsseier, bei Burghoffs, und Charlotte hatte Renata gebeten, den stillen Nachmittag mit ihr zu verplaudern. Ihre Unterhaltung wurde bald eine eifrige und eingehende. Renata sprach von ihrer einsamen und voraussichtlich oft schweren Zukunft- es graute ihr, in die Welt zu treten, und zu Charlottens freundlichem Zureden hatte sie nur trübes Kopfschütteln. „Ich weiß es nicht, aber mir ist manchmal, als ruhe ein Fluch auf meiner Familie," sagte sie mit zitternder Stimme. „Aber mein liebes Kind, weshalb solch' schwarze Gedanken?" sagte Frau Falkner liebevoll. „Ach mein trauriges Elternhaus mit seinen Schatten/ mein düsterer Vater, vor dem ich mich fürchtete/ meine Mutter, die ich nie habe lächeln sehen. Der ältere Bruder ertrunken, und der jüngste überfahren." Sie barg ihr Gesicht schluchzend in den Händen und lehnte den Kopf an Charlottens Schulter, während diese das aufgeregte Mädchen fest mit dem Arm umschloß. „Sprechen Sie weiter, Kind,* sagte sie leise, „es erleichtert Ihr Herz." Renata drückte ihr die Hand und fuhr fort: „Einen freundlicheren Eindruck habe ich von unserem guten, alten Onkel behalten, er war manchmal heiter und sehr gut gegen uns Kinder. Wir hingen mit großer Liebe an ihm, aber nach meines Vaters Tode wurde er immer stiller und ging ost stundenlang allein spazieren. Vor seinem Ende habe ich ihn viel weinen sehen, und wenn ich fragte, warum? dann wmkte er so wehmütig und sagte: „Gott helfe Dir, mein Kind, ich möchte alles fortwaschen mit meinen Thränen, und es geht nicht mehr." „Und Ihre Mutter starb Plötzlich?" fragte Charlotte. „Ja," erwiderte Renata, „sie war zwar schon lange leidend, aber ihr Ende kam doch recht schnell, es war wohl ein Herzschlag." Ein schwerer Schritt vom Hause her unterbrach den traurigen Bericht des jungen Mädchens. Der Konsul, auf einen Stock gestützt, schritt auf die Terrasse zu. Renata begrüßte ihn stumm, während seine Tochter es ihm in einem Gartensesiel bequem machte. Der alte Mann achtete nicht sonderlich auf den Gast und dieser zog sich etwas beklommen zurück. Heute sah man dem Konsul nicht an, welcher Dämon seinen Geist gefangen hielt. Auf einen Wink der Hausfrau trat Renata wieder näher und nahm neben ihr Platz. Sie konnte nicht umhin, den Konsul verstohlen zu beobachten. Wie schön mußte dieser Männerkopf einst gewesen sein, noch jetzt war er es, und nie hatte Renata ein Gesicht gesehen, das diesem an edlem Schnitt und tadelloser Regelmäßigkeit gleichkam. Welche Macht mußten diese Augen gehabt haben, die noch jetzt, wo ein düsterer Schleier darüber lag, solche Gewalt besaßen, daß man bange wurde unter ihrem Blick. Frau Charlotte sprach mit ihm freundlich über harmlose Dinge, aber er antwortete entweder gar nicht, oder nickte nur gleichgültig mit dem Kopfe. Renata hatte die feste Ueberzeugung, daß er ihre Anwesenheit vollständig vergessen hatte, um so überraschter war sie, als sich der alte Herr plötzlich an sie wandte mit der kurzen Frage: „Warum kommen Sie so selten?" „Ich komme wohl öfter, als Sie vermuten, Herr Konsul," ewiderte sie etwas befangen. „Aber ich sehe Sie nie und habe auch Ihre Musik nicht -wieder gehört," sagte er nach einer kurzen Pause vor sich hin, ohne sie anzusehen. In Charlottens Augen leuchtete ein Strahl auf, und sie nickte dem jungen Mädchen ermunternd zu. „Ich glaubte, Sie hätten mich und mein Spiel längst wieder vergessen,"^, versetzte Renata schon mutiger und mit einem freundlichen^Lächeln. 614 „Nein, ich vergesse nichts," sagte er rauh und hart, so daß Charlotte ihn ängstlich anblickte. Sein Stock entfiel ihm und rollte auf den Boden. Renata hob ihn schnell auf, und indem sie denselben überreichte, traf sie ein durchdringender Blick aus den gewaltigen Augen. Erft als sie ihren Platz bereits wieder eingenommen, kam ein nachlässiges „Ich danke" aus seinem Munde. Er legte beide Hände auf den Knopf des Stockes und stützte das Kinn darauf, dann fragte er plötzlich nach den Kindern und schien kaum die Antwort seiner Tochter zu beachten, sondern verfiel in ein finsteres Schweigen, während Frau Falkner mit Renata ein alltägliches Gespräch begann. Nach einer Weile wandte sich Frau Falkner wieder an ihren Vater, der noch immer in derselben Stellung verharrte: „Vater, sollen wir Dich ein wenig herumführcn? Du sagst ja, daß es Dir zuweilen gut thut, und es ist heute so schön." Er hob den weißhaarigen Kopf und blickte fie mürrisch an: „Wohin denn? Doch nicht dahin, wo ich will," entgegnete er finster. „O Herr Konsul," wagte Renata zu erwidern, „wir führen Sie beide, sagen Sie nur wohin, ich bin gern behilflich." Sie stand freundlich vor dem alten Mann, der fie eigentümlich lauernd betrachtete. „Gut, gut," murmelte er dann und streckte ihr die Hand hin, in die fie die ihre ohne Bedenken hinein legte. „Ist die Thür dort offen?" fragte er plötzlich aufstehend und deutete nach dem kleinen Pförtchen in der Mauer. Seine Augen leuchteten unheimlich, und dem jungen Mädchen ward es bange. Da trat Frau Falkner heran und flüsterte ihr zu: „Um Gottes willen kein Wort mehr, verlassen Sie uns, Kind." Renata blickte Charlotten erschrocken an, hatte sie unbedacht gesprochen und einen Sturm heraufbeschworen? Das Gesicht ihrer mütterlichen Freundin verriet eine innere Angst, die sich auch in der Stimme nur mühsam verbarg. Einen Augenblick zögerte Renata, sie hätte der armen Frau gern beigestanden, aber ein bittender Blick aus deren Augen veranlaßte sie, sich zurückzuziehen. „Bleiben Sie," herrschte der alte Mann sie an. „Warum schickst Du die Kleine da fort?" wandte er sich dann mit unterdrückter Heftigkeit an seine Tochter. „Geh, Charlotte, Du möchtest mich binden an Händen und Füßen- ja wohl, Kleine," fuhr er fort, und ein entstellendes Lächeln, das alle seine gut erhaltenen weißen Zähne sehen ließ,,zog die Oberlippe empor — fast dasselbe Lächeln hatte sie schon an Frida und Max gesehen — „ja wohl, Du siehst, ich bin gefangen innen und außen." Er schlug mit der Faust an seine Stirn, und Renata schauerte zusammen, an jene Szene denkend, wo diese Hand auf ihre Stirn niederste!. Charlotte stand mit gesenktem Kopfe da, und Renata sah wie ihre Hände zitterten. Da trat sie mutig vor: „Stützen Sie sich auf mich, Herr Konsul, ich führe Sie durch den Garten, es ist zu spät zu einem weiteren Wege." „Renata, was thun Sie?" murmelte Charlotte und sah das junge Mädchen zweifelnd an. „Ich will Dich auf der andern Seite führen," sagte sie zu ihrem Vater, besorgt die schlanke Mädchengestalt messend, die allein solcher Last kaum gewachsen schien. „Nein," erwiderte rauh der Konsul, „die Kleine soll mich allein führen." Durch Widerspruch durfte man ihn nicht noch mehr reizen, und so folgte Frau Falkner in einiger Entfernung dem seltsamen Paare. Renata kämpfte tapfer ihre innere Unruhe und ihr Herzklopfen nieder und führte den Greis, dessen Hand schwer auf ihrer jungen Schulter lag, vorsichtig im Garten herum. Er schien ruhiger zu sein, wenigstens sprach er anfangs kein Wort, bis er sich plötzlich zu seiner jugendlichen Führerin herunterbeugte und ihr mit gedämpfter Stimme zuflüsterte: „Sie meinen es gut mit mir, nicht wahr?" Renata nickte, sie erschrak von neuem über den sonderbaren Ausdruck seines Gesichts, das ihr jetzt so nah war. „Ich weiß, Kleine, Sie versprechen es mir, mich dahin zu führen und geben mir die Hand, und ich halte Sie beim Wort," raunte er ihr zu. Ein Grauen zog durch die Seele des jungen Mädchens - o, was hatten ihre harmlosen Worte angerichtet! Der glimmende Funke war angefacht, und jede unbedachte Aeußerung konnte ihn zur Flamme schüren- eine unnennbare Angst schnürte ihr die Brust zusammen, sie blickte sich nach Charlotte um, die zwar das Flüstern des Konsuls nicht verstand, aber auch ahnungsvoll rasch näher kam mit der Frage, ob der Vater nun müde sei. „Ja," sagte er mit veränderter Stimme, „du hast recht, ich bin müde, aber die Kleine soll mir Vorspielen, wie David dem Saul." Seine Begleiterinnen führt«, ihn ins Haus. Still wie damals saß der alte Mann im Seffel und lauschte der wunderbaren Musik. Unwillkürlich faltete er die Hände und schloß die Augen. Das Fenster stand weit offen, und die Frühlingsluft wehte herein. Da kam es weiß dahergeflogen durch die stille Straße und Schneewittchen ließ einen freudig gurrenden Laut hören. Beinahe hätte die traurige Charlotte aufgeschrieen vor Freude, es fiel wie der Strahl einer Verheißung in ihr Herz, daß doch noch alles, alles gut würde. Schneewittchen schwirrte wie im Triumphgesühl, daß es den Weg nach der alten Heimat gefunden, durchs Zimmer und ließ sich auf der hohen Lehne des Sessels, worin der Greis ruhte, nieder. Als das Spiel verklungen war, herrschte erst eine tiefe Stille, bann seufzte der Konsul schwer und öffnete die Augen: „Ich will schlafen gehen, Charlotte," sagte er und erhob sich. Renaten noch einmal flüchtig zunickend, verließ er mit seiner Tochter das Zimmer. Zugleich öffnete sich die andere Thüre und der Professor trat ein. Mit sichtlicher Freude begrüßte er das junge Mädchen, das sich ebenfalls freute, ihn zu sehen. Sein Erstaunen über Schneewittchens Anwesenheit war natürlich groß, und Renata berichtete die Flucht des Tierchens. Sie bemerkte gar nicht, wie die ernsten Augen des Gelehrten fast unausgesetzt an ihrem Gesicht hingen. „Sonderbar," begann er, „wenn ich an Sie denke, sehe ich auch Schneewittchen neben Ihnen, als sei es Ihr Symbol." Sie lächelte wehmütig: „Ich kam ja durch das Tierchen ins Haus." Er trat an sie heran und legte seine Rechte auf ihre Schulter: „Renata, ich bin überzeugt, daß Gott Sie nicht umsonst in unser Haus geführt- meine Hoffnung will aufleben, hoffen Sie mit uns und werden Sie nicht müde." Seine Stimme klang tiefbewegt. Sie hatte den Kopf gesenkt. „O was möchte ich thun und geben für dieses Haus, wo ich eine Heimat fand," sagte sie leise, „aber meine Kräfte sind schwach, erwarten Sie nichts Großes von mir, Herr Professor, ich kann nur Treue, unerschütterliche Treue geben." „Das ist genug," sagte er und ließ die Hand sinken, „das Große muß Gott überlassen bleiben." Bei der Heimkehr wurde Renata von den Damen mit etwas betretenen Mienen empfangen. Schneewittchen war ihnen entflogen und sie waren ganz außer sich darüber. Um so größer war die Freude, als der kleine Flüchtling wohl geborgen in einem geliehenen Käfig zum Vorschein kam. (Fortsetzung folgt.) 615 Das erste Frühstück. Von I. v. Sydow. ------- (Nachdruck verboten ) Das erste Frühstück soll die kraftspendende Grundlage für die Tagesanforderung sein. Die Verdauungsarbeit, die beim gesunden Menschen sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, ohne vom Schlaf gestört oder beeinflußt zu werden, mechanisch vollzieht, hat in der Ruhe der Nacht den Magen vollständig entleert, und strotzend von Sastfülle erwartet er die Aufnahme neuer Nahrung. Was uns als Appetit an den Frühstückstisch lockt, bei vorkommender Verzögerung der Morgenmahlzeit bis zu nagendem Hungergefühl sich steigern kann, Uebelbefinden als Ausdruck einer natürlichen Schwäche-Empfindung hervorruft, ist Wirkung des Reizes, den die scharfe Substanz des unbeschäftigten Magensaftes auf die Schleimhaut der Magenwände übt, der nach frischer Arbeit, nach Nahrungszufuhr, nach Stoff für sein Laboratorium verlangt, wie die züngelnde Flamme nach .dem Aufschütten des Materials für die Glut. Schon oft ist darauf hingewiefen worden, daß es von allergrößtem Wert für die Gesundheit ist, schon das erste Frühstück gehaltreicher zu gestalten, als dies bei uns in Deutschland zu sein Pflegt. Mit diesem, nach vielstündiger Ernährnngspause nach Kraftzufuhr und Ergänzung lechzenden Magen — denn dieser Hunger nach Einnahme ist da, auch wenn unter etwa nervöser Reizablenkung das Gefühl davon fehlt, — setzen sich Neunzehntel der arbeitenden Menschen zu ihrem Frühstückskaffee. In der Arbeiterwelt, in der Kantine dampft der Kaffee- keffel und zieht aus den wertlosesten Surrogaten die täuschende Farbe der Kraft. Im Bauernhause hat er mehr und mehr die altväterliche, brave Suppenschüssel verdrängt, und am Frühstückstisch der guten Kreise hat er, trotz der steigenden Bewegung, ihn durch Kakao oder Thee zu ersetzen, wohl noch immer im Vergleiche dazu das Achtfache der Anhänger — kurz, der Kaffee beherrscht die Morgenmahlzeit in Deutschland. Was ist aber Kaffee? Jedenfalls kein Nahrungsmittel, noch weniger ein empfehlenswertes Nahrungsmittel. Allerdings ein hoher Genuß, wenn sorgfältige Zubereitung der edlen Bohne jene eigentümlich feine Wirkung auf Zunge und Gaumen abgewinnt, und der Duft einer guten Cigarre den Frühstückstisch einhüllt; ganz sicher unentbehrlich unter den anregenden Kräften, mit denen die Berechnung des Arztes den ermatteten Herzschlag, den gesunkenen Puls hebt; dennoch aber steht es fest: als tägliches, gewohnheitsmäßiges Morgengetränk ist der Kaffee nicht nur das wertloseste, nein, ein direkt bedenkliches Genußmittel. Langsam und unmerklich, wie der Wurm hinter der Tapete das Holz verletzt, zerstört der Kaffee das Nervensystem. Künstliche Täuschung ist jenes gehobene Leben, das arbeitende Herz, das gesteigerte Kraftgefühl des Erschlafften, welches als unmittelbare Wirkung einer guten Tasse Kaffee eintritt, und ob bewußt oder- unbewußt, dem daran Gewöhnten dieses Getränk oft ganz unentbehrlich macht. Wie dieses gehobene Leben leuchtet etwa die Kerze, die an beiden Seiten brennt; jene Kraft ist die Leistung des Pferdes unter der Peitsche — verbraucht und abgenützt vor der Zeit; überall rächt sich der künstliche Reiz durch natürliche Ermattung, die unnatürliche Steigerung durch Schwäche und Niedergang. Die Maschine, der Tag um Tag zuviel abverlangt wird, verliert ihre Spannung und versagt; die Pumpe macht nur eine Zeitlang die dreifachen Schwingungen, dann setzt sie aus. Mag der Alkohol in erster Linie als die zerstörende Kraft des Nervenlebens genannt sein, der Kaffee als Gewohnheitsgetränk ist sein nur wenig ungefährlicherer Konkurrent bei dieser Zerstörung. Es ist eine auffallende Erscheinung, wie oft man heute von „Herzschwäche" hört. Blühende Leute, wahre Hünengestalten, klagen über das Nachlassen ihrer Herzkraft; schon die Mehrleistung, die etwa das ungewohnte Ersteigen einer Treppe, einer Anhöhe beim Spaziergang, sowie oft nur ein längerer Marsch auch ohne Wegschwierigkeit erfordert, sieht man Herzklopfen Hervorrufen, Ermattung, plötzliches Versagen der Kräfte. Das ist die nur mühsam arbeitende, die aussetzende Maschine, die täglich ohne Not gereizt, gesteigert, herausgefordert, ihr einfaches Pensum etwa noch abrasselt, vor der vermehrten Aufgabe aber ermattet und gelegentlich stillsteht. Diese fast beunruhigende Häufigkeit, mit welcher in unseren Tagen vorzeitige Herzschwäche auftritt, nicht als erklärlicher Rest schwerer, akuter Erkrankung, nein, als mechanisches Resultat abnützender Reizmittel und ungeeigneter Lebensweise, ist neben der zunehmenden Gewöhnung an alkoholhaltige Getränke zum großen Teile dem täglichen Kaffeegenuß zuzuschreiben. Bleiben größere Anforderungen, stärkere Erschütterungen, gefährlichere Angriffe auf den Körper aus, lebt der in seiner Nervenkraft Geschwächte in sonst günstigen Verhältnissen, so mag es schon vorkommen, daß man auch bei starkem Wein- und Kaffeegenuß alt werden kann; aber jede akute Erkrankung erfordert für ihre Ueberwindung ein leistungsfähiges Herz, und die Schwäche, das Versagen dieses Herzens bedeutet dann immer das Leben selbst. Das Licht, das an beiden Enden brannte, ist im Luftzug schnell auf den Rest gekommen. Der Wurm, der hinter der Tapete leise und unmerklich das Holz verletzte, ist damit fertig geworden; die Holzfpreu trägt und widersteht nicht mehr. Berechtigt ist wohl der Einwand, daß im breiten Konsum der Kaffee in sehr verdünntem Zustande, der Gefahr einer Gesundheitsschädigung also ziemlich entzogen, genossen wird. Was der Fabrikarbeiter, der Soldat in der Kantine trinkt, und von der minder bemittelten, insbesondere der Arbeiterbevölkerung zu Hause genossen wird, ist ein dünner Aufguß, der durch Surrogate, Farbe und Geschmack, durch Wusser und dünnen Milchzusatz Quantität erhält. Er bietet ja die Gefahr nicht, bei dauerndem Gebrauch eine verhängnisvolle Herabsetzung der Herzkräfte, wenigstens nicht direkt zu bewirken. Von dem zweischneidigen Schwert bleibt nur eine Schneide übrig — die völlige Wertlosigkeit für die Ernährung und den Aufbau der Körperkraft. Die mit Kaffee aufgezogenen Kinder der großstädtischen Proletarierviertel, die kraftlosen, siechen Gestalten unter den jugendlichen Fabrikarbeiterinnen liefern eine erschreckende Zahl der vorzeitig Herzschwächen, auch wenn nicht das Kofföin hier den Muskel gelähmt und das Leben gestört hat. sondern nur der versteckte Hunger, der in ihren Kaffeetöpfen sitzt, die blos den Magen füllen. Die Lebensführung der breiten, arbeitenden Schichten hat sich in den letzten dreißig Jahren wohl außerordentlich gehoben. Fortgesetzt steigende Löhne, die Gleichmachung der sozialen Lebensanschauung haben im allgemeinen dem Arbeiter eine auskömmliche Lebenshaltung ermöglicht, und zu berechtigter Klage ist heute wohl nur insoweit Grund, als die Löhne, die zu zweckmäßiger und gesunder Ernährung der Arbeiterfamilie ausreichen könnten, in den meisten Fällen wirtschaftlich falsch verwertet werden, in verständnisloser Anlage für Gesundheit und Ernährung verloren gehen. Die hervorragend volkswirtschaftliche Bedeutung einer vernunftgemäßen Ernährung gerade in denjenigen Kreisen zum Verständnis zu bringen, bei denen der Verbrauch und die vorzeitige Abnützung körperlicher Kraft am stärksten ist, bildet eine der brennenden Aufgaben unserer Zeit. Die bessere, die gute Lebenshaltung hat die Bedeutung der grundlegenden Morgenmahlzeit immer allgemeiner erkannt. Das zweischneidige Schwert des gewohnheitsmäßigen Kaffeegenusses soll auch hier nur eine Schneide behalten. Was hier aber leer bleibt, füllen wenigstens nebenher genossene Nahrungsmittel aus. Der englische Frühstückstisch, der seine kräftige Scheibe Fleisch, seineweichgesottenen ■*“ Eier zum Thee verlangt, wird in der Lebenshaltung der Wohlhabenden auch bei uns immer allgemeiner. Der Mann wenigstens, der von der Morgenmahlzeit an die Tagesarbeit geht, nimmt bei uns doch meist kräftige, eiweißreiche Sachen zu sich. Auch die Kinder erhalten schon vielfach Ei, ge- fchabten Schinken, ein Tartarbrötchen; neben der Butter zum Weißbrot steht der gesunde, nährende Honig aus dem Frühstückstische. Mit solchem Frühstück kann der Mensch auskommen, wenn er sonst gesund ist und verarbeiten kann, was er empfängt Kann aber die Haushaltung des Mittelstandes diese Gewöhnungen gutsituierter Kreise doch wohl nur ganz vereinzelt sich aneignen, so weist die überraschende Beobachtung, daß Blutleere, Nervosität, allerlei Ernährungskrankheiten in den Häusern der Reichen fast noch häufiger anzutreffen sind, als da, wo ein mäßigerer Tisch die Familienglieder nährt, doch darauf hin, wie Ueberfiuß gleichwohl etwas anderes ist als Genüge, Angebot noch nicht die Aufnahme sichert, und das, was gemeinhin unter Kraftküche verstanden wird, durchaus nicht immer den gehegten Erwartungen entspricht. So widersinnig es klingt: an tausend und abertausend üppig besetzten, vollen Tischen, an denen sich Menschen Tag für Tag ohne besonderen Appetit, noch viel weniger je mit dem Gefühl des Hungers niedersetzen, von denen sie auf- stehen nach Genüssen und sogenannten Stärkungen, die dem Armen auf der Straße die Bitterkeit in's Herz und die Begehrlichkeit in's Auge treiben, sitzen oft Leute, die an schlechter Ernährung, an mangelhafter Versorgung des Organismus gerade so sicher zu Grunde gehen, wie er. Die Formen der Ernährungsfehler, zu welchen der Reichtum so oft verführt, sind nur andere, als diejenigen, welche den sorgenvoller mit der Existenz Ringenden ihre Kräfte kosten; — die Wirkung dieser Fehler ist überall dieselbe. Der Körper steht unter einem gleichen Gesetze für Leben und Tod, ob der Luxuskonsum oder der Hunger es verletzt, und gestört wird das Leben, wenn die Ernährung eine falsche oder unzulängliche ist, so oder so. '■ Wir stehen beim ersten Frühstück; ja, wie soll es denn beschaffen sein, um zu bieten, was man braucht, um auch im sparsam wirtschaftenden Haushalt eine wirklich nährende und ernährende Mahlzeit, eine Grundlage, eine Zufuhr, die sich im Körper wirklich in Kraft umsetzt, zu bilden? Das erste Frühstück verlangt zunächst immer warmes Getränk. Jenes eigentümliche Gefühl der Nüchternheit, das die lange Ernährungspause in ihrer Wirkung auf den Magen hervorbringt, zeitigt, ganz unabhängig von der uns umgebenden Temperatur, das Bedürfnis nach Aufnahme von etwas Warmem. Hat ein Nährmittel die Aussicht, sich die Frühstücksmahlzeit in Deutschland mit der Zeit vollständig zu erobern, so ist es der Kakao. Jemehr es gelingt, seine Verdaulichkeit und Nährkraft zu steigern, seinen Preis herabzusetzen, tunso sicherer wird er eins der wichtigsten Volksnahrungsmittel werden. Seine Verbindung mit geschrotetem und gemahlenem Hafer hat ihn zugleich gekräftigt und verbilligt. Der Zusatz von Tropon macht ihn hinsichtlich seiner Leistung zum idealen Nährgetränk. Wem die Kraftküche kein Stück saftiges Roastbeef oder anderes Fleisch für den Frühstückstisch liefern kann, der gewöhne sich, zu seinem gewohnheitsmäßigen Morgengetränk, es bestehe nun in Thee oder Kaffee, doch ein oder zwei Eigelb mit Tropon angerührt zu genießen. Das Jdeal-Morgengetränk bleibt der Tropon- Kakao. Die Tasse Tropon-Kakao hat den doppelten, Tropon- Ehokolade den dreifachen Nährwert gegen alle sonstigen Kakaos und Chokoladen, die im Konsum sind. Das Glas gewöhnlicher Milch, dem beim Aufkochen ein Löffel Tropon- pulver zugesetzt wird, ist ergiebiger, als zwei ganze Liter ohne diesen Zusatz. Dieser Zusatz inacht jedes Nährmittel zur Kraftspeise. Es ermöglicht der Küchenleitung, den Nährgehalt der gewohnten Schüssel zu regeln, und erleichtert ihr die Aufgabe^ auch die richtigen Auwendungsformen zu finden. Denn das Pulver kann, unbeschadet für den Geschmack, allen Speisen und Getränken zugesetzt werden. Schon gibt es Tropon-Brot, Backwaren aller Art, Tropon-Suppenmehle. Von ganz besonderem Werte für die Frühstücksmahlzeit der praktischen Kraftküche ist das Tropon-Sano. Es ist das ein ganz feines, gemahlenes Gerstenmehl, welches durch einen Gärungsprozeß von allen schwerverdaulichen Schalenresten befreit und durch Zusatz von 25 % Tropon auf den höchsten Nährwert gebracht ist. Eine Anzahl klinisch-praktischer Versuche und wissenschaftlicher Analysen haben festgestellt, daß gerade die im Tropon- Sano dargestellte Verbindung von gemalztem und gegorenem Gerftenmehl mit dein leistungsfähigsten Eiweißkörper, bei der ihm eigenen, besonderen Verdaulichkeit, an Kraftzufuhr außerordentliches leistet. Schon für die normale Küche von entsprechender Bedeutung, steigert sich der Wert dieser Verbindung in besonderen'Fällen. Magenleidende pflegen, selbst bei schweren Störungen, Tropon-Kakao wie Tropon-Sano noch gut zu verdauen und seine Kraft auszunützen, und die Tropon- Kindernahrung löst alle Aufgaben und Erwartungen, die an ein Nährmittel für den normalen Aufbau des zarten Kindes-Organismus gestellt werden können. Selbst bei kranken, in der Ernährung völlig herabgekommenen Kindern kann man die besten Resultate beobachten; mit der Tropon- Kindernahrung hat man auch das Mittel in der Hand, mancher Verdauungsstörung des zarten Kindesalters vorzubeugen. Groß oder klein — die Kraftküche soll unseren Körper eben in der ergiebigsten Weise ernähren. Denn dieser Körper braucht, wie wir oben sagten, eine Ernährung, die aufbaut, anpaßt, Verfall aufhält, ein Kapital ansammelt für den Verbrauch durch Anstrengung und die Angriffe der Krankheit. Hnimomstisches. Kindlich. Vater (am Tisch): „Pfui, das ist ja ein faules Ei!" — Fritzchen: „Nicht war, Vater, das hat ein faules Huhn gelegt!" (Posener Tierschutzzeitschrift.) Vermutung. Einspännerkutscher (zu seinem lahmen Gaul): „Bräundl, Bräundl, — i mein alleweil, du hast nimmer weit zum Salamihändler!" Trumps. Mann: „Denke Dir, diesen Abend wollte sich in meiner Kneipe jemand mit meinem Ueberzieher entfernen; ich erkannte ihn an den beiden Knöpfen, die vorn feblen." — Fran (triumphierend): „Wem hast Du das zu verdanken, daß die Knöpfe nicht angenäht waren?" Eine Litteraturfreundiu. Buchhändler: „Und was für Gedichte wünschen gnädige Frau?" — Dame: „Das ist mir ganz egal, wenn nur die Farbe des Einbands mit den Tapeten im Salon übereinstimmt." Kapselrä 1 fel. (Nachdruck verboten.) Ans dem ersten der folgenden Wörter sind drei, aus jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, sodaß sich daraus ein Sprichwort ergibt: Stiernacken — Hirschgeweih — Ruhebett — Johannes — Krone — Drama — Garbe — Heinrich — Stammtisch — Festtag — Gnben — Strychnin — Tanzschuhe — Genua. (Auflösung solgt in nächster Nummer.) Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: HEBE EBER BEIL ERLE Rebatfien: 8. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'sckcn Universttäls-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben' in Gieße«,