Nachdruck verboten. Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) „Muß ich Euch schildern, in welche Empörung mich diese Sprache versetzte? Mit welchen Worten des Zornes ich die ungeheure Beschuldigung und den mich tief demütigenden Antrag von mir wies? Ich machte damit auf Dr. Corbus nur einen sehr geringen Eindruck. Mit unterschlagenen Armen, kalt lächelnd stand er vor mir und sagte höhnisch: „Ganz recht so, wehren Sie sich, verteidigen Sie sich, leugnen Sie aus Leibeskräften, ich verdenke Ihnen das keineswegs und würde an Ihrer Stelle es ganz ebenso machen. Nur erwarten Sie nicht, daß ich Ihnen Glauben schenken soll. Nur ein so überaus gutmütiger Mann wie Kommerzienrat Helldorf kaun daran zweifeln!" „Ha, er zweifelt also doch daran! Gott sei Dank!" rief Ernst tief aufatmend. „Er kann sich nicht zu dem Glauben bequemen und hat befohlen, mich unbehelligt in meiner Stellung zu lassen und mir auch von dem Verdachte nichts zu sagen, bis sich wirklich Beweise gegen mich fänden — das sei jedoch nur eine Galgenfrist, denn diese Beweise werde man schaffen. — „Ach, erlaßt mir die Schilderung des empörenden Auftrittes, der nun folgte, es geht über meine Kräfte!" unterbrach sie sich, indem sie vom Sofa aufsprang und wie von Verfolgern gehetzt händeringend im Zimmer hin und her lief. Zuletzt erklärte er mir, es gäbe für mich nur die Wahl: 1899 »4 Wb M NU Hl u 11 M SD SS Blumen am Wege, fr* u seufzest über dürres Land, — Oh, sei nur nicht so blind, so träge! Viel Freuden schmachten unerkannt, Das sind die Blumen am Wege. Sie winken still, sie duften sein, Erheischen nicht deine Pflege, Sie möchten nur geerntet sein, Die kleinen Blumen am Wege. Nach gold'nem Sterne, weit entrückt, Blickst du, nach fernem Gehege, Diewell verblühen, ungepflückt. Viel tausend Blumen am Wege! A. Godin. seine Frau zu werden oder gewärtig zu sein, daß man mich als Diebin den Gerichten überliefere. Wenige Tage Bedenkzeit sollten mir gegönnt sein. Mit dieser Erklärung hat er mich verlaffen, und in meiner Herzensangst bin ich zu Euch geeilt. Helft mir! Ratet mir!" Sie warf sich wieder in des Assessors Arme und dieser erklärte, sie fest an seine Brust drückend: „Du kehrst nicht in das Helldorfsche Haus zurück. Du bleibst hier bei Aurelie. Ich werde das weitere mit dem Kommerzienrat besprechen." „O, Ernst, das wolltest Du! rief sie, sich an ihn schmiegend. Sie war so wund, so gebrochen, daß in diesem Augenblicke sie nichts süßer dünkte, als hier eine Zuflucht zu finden gegen alle Mühsal, gegen alles Ungemach des Lebens. Ihre Augen suchten Aureliens, um darin die Zustimmung zu des Bruders Worten zu lesen,- aber betroffen senkte sie den Blick und sagte kleinlaut: „Du bist anderer Ansicht, Aurelie, Du —" Schon war die Freundin an ihrer Seite, ergriff ihre beiden Hände und bat: „Mißverstehe mich nicht, Felicitas! Ich wüßte mir nichts Besseres als Dich, meine geliebte Schwester, hier neben mir zu haben, aber Du darfst jetzt das Hellöorfsche Haus nicht verlaffen, es gliche dies einem stillschweigenden Eingeständnis der Schuld." „Das sehe ich doch nicht ein," entgegnete Ernst. „Nach einer Beleidigung, wie sie Felicitas zugefügt ist, und nach der Auseinandersetzung, die ich mit dem Kommerzienrat haben werde —" „Die wirst Du eben nicht haben," unterbrach ihn die Schwester und, als er und Felicitas sie verwundert ausahen, nahm sie jeden an einer Hand, führte sie wieder zu ihren Sitzen zurück und flüsterte: „Ist Euch denn gar nicht ausgefallen, daß in dieser ganzen Angelegenheit ein geheimnisvolles Einverständnis zwischen der Kommerzienrätin und Dr. Corbus obwaltet?" Felicitas wollte eine Bemerkung machen, aber Aurelie hat, sie ausreden zu lassen und fuhr fort: „Der Mann ist plötzlich erschienen, er gilt für sehr reich, niemand hat etwas von diesen Reichtümern gesehen oder kennt die Quellen, aus denen sie gefloffen. Er ist ein Verwandter der Kommerziemätin, sonst weiß man nicht viel von ihm. Wie, wenn er nun ein Abenteurer wäre, wenn er aus irgend einem Grunde eine Gewalt über jene Frau hätte?" „Wie kommst Du auf eine solche Vermutung?" fragte Ernst, während Felicitas nachdenklich vor sich hin schaute. „Ihr oft so seltsames Wesen," entgegnete Aurelie. „Erinnert Euch nur an den Auftritt, als sie bei Hans un- — 550 vermutet das Bildnis von dessen Mutter sah. Das kann nicht bloß Nervosität und Launenhaftigkeit sein, das deutet auf einen dunklen Punkt in der Vergangenheit." „Aurelie, Du sprichst aus, was ich lange geahnt, aber mir selbst nicht zu gestehen gewagt habe!" rief hier Felicitas. „Wenn ich jetzt rückschauend mir eine Reihe an und für sich ganz unbedeutender Vorfälle vergegenwärtige, so werden sie zu einer Kette, die viel, recht viel ergiebt." „Nehmen wir an, Corbus ist nicht der reiche Mann, für den er sich ausgiebt," nahm Aurelie wieder das Wort, „er braucht Geld, er verlangt es von der Kommerzienrätin, die aus irgend einem geheimnisvollen Grunde ihm nichts verweigern darf. Sie giebt und giebt, ihre Mittel sind erschöpft, er drängt, und sie kennt den Zauberspruch, der das Geheimfach ihres Gatten öffnet." „Aber, Aurelie! Du schilderst, als ob Du dabei gewesen bist!" rief Ernst bewundernd. „O, meine Phantasie geht noch weiter. Der Herr Doktor hat seine Augen zu unserer Felicitas erhoben, ich will annehmen, daß es wirklich aufrichtige Liebe sei —" „Nein!" rief Felicitas dazwischen, „wenn dieser Mensch mir naht, so ist es, als züngele nach mir eine Schlange, die mich in ihren Umschlingungen ersticken will" „Nun, gleichviel weshalb," sagte Aurelie wieder, „sein Begehren ist auf Dich gerichtet, und die Kommerzienrätin unterstützt ihn dabei. Warum sollte sie das thun, wenn sie ihm nicht unterthan wäre?" „O, weil sie von thörichter Eifersucht gegen mich erfüllt ist, weil sie mich gern mit guter Manier und, ohne mich fortschtcken zu müssen, aus dem Hause hätte," erwiderte Felicitas, aber die Freundin beharrte: „Das wag alles sein. Darum hätte sie Dich aber doch wohl nicht des Diebstahls beschuldigt, wenn sie nicht die That von sich abwälzen müßte, wenn sie nicht auf diese Weise Dich gleichzeitig ihrem Vetter in die Arme zu treiben gedächte." „Aurelie, Aurelie, was macht Dich so hellsehend? Du sprichst meine innersten Gedanken aus!" schrie Felicitas auf. „Weil sie sich mir unabweislich aufdrängen, deshalb muß ich aus dem Helldorfschen Hause fliehen." „Nein, deshalb mußt Du darin bleiben," erwiderte das junge Mädchen mit großer Bestimmtheit. „Aber, Aurelie, welches Verlangen!" rief Ernst vorwurfsvoll. „.Ich gehe zum Kommerzienrat Helldorf und sage ihm alles." „Was denn? Die Gebilde meiner Phantasie oder die Ergebnisse meiner Kombination, nenne es, wie Du willst?" fragte mit einem leisen Lächeln Aurelie. „Damit willst Du etwas bei dem Manne ausrichten, der sich wahrlich schwererwiegenden Verdachtgründen gegenüber nicht leichtgläubig verhält. Bedenke, was es heißt, dem Gatten die eigene Gattin anklagen!" „Was aber sollen wir thun?" „Still sein, abwarten und die Augen offen halten," sagte sie. „Ach, wir haben gesehen, was dies in der anderen Angelegenheit gefruchtet hat!" seufzte Ernst. „Wir werden auch in dieser noch zum Ziele gelangen," versetzte sie zuversichtlich, „und hier liegen die Dinge doch anders. Ich hege die feste Ueberzeugung, daß sich in kurzer Frist Beweise finden werden. Ueberlassen wir auch etwas dem viel geschmähten, und doch allezeit wirksamen Helfer, — dem Zufall." „Und ich soll Felicitas wieder in diese Räuberhöhle zurückkehren lassen? Nimmermehr!" schrie Ernst Sommer auf und legte den Arm, wie schützend, um die Geliebte. Aurelie lächelte. „Der Besitzer dieser Räuberhöhle ist ein Ehrenmann, wenn auch jetzt in einem verhängnisvollen Irrtum verstrickt, und außerdem hat seine Wohnung darin noch ein anderer, Hans Helldorf. Seinem Schutze kannst Du Felicitas anvertrauen." „So sollen wir ihn einweihen?" „Ueberlaßt das mir, ich habe kein Geheimnis vor ihm," sagte mit schelmischem Lächeln Aurelie, wollt Ihr Euch seiner Entscheidung unterwerfen?" Felicitas sagte dies sofort, Ernst erst nach einigem Zögern zu, und sie kehrte, von ihm begleitet, in das Hell- dorfsche Haus zurück, um es vorläufig nicht zu verlassen. Hans Helldorf, den seine Braut am nächsten Tage mit dem von Dr. Corbus gegen Felicitas unternommenen brutalen Angriff, wie mit ihren Vermutungen und Folgerungen bekannt machte, stimmte ihr völlig bei, und es ward beschlossen, fich abwartend zu verhalten. Felicitas gewann es über sich, mit völlig gelassener Miene ihren Obliegenheiten nachzugehen und sich weder durch die zur Schau getragene Mißachtung der Kommerzienrätin, noch durch die ungewohnte große Zurückhaltung des Kommerzienrates aus ihrer Fassung bringen zu laffen. Corbus ließ sich nicht blicken, und so verstrichen die Tage anscheinend im gewöhnlichen Gleichmaß. XIII. Wieder stand Homann vor dem Polizeirat Reder. „Sie bleiben also dabei, daß von den Aktien, die Sie dem Bankier Sommer entwendet haben, keine wieder zum Vorschein kommen können?" redete der letztere den Gefangenen an. Homann stutzte. Etwas in dem Wesen des Beamten verriet dem schlauen Patron, daß sich hinter dieser Frage eine Falle für ihn bergen könne, und er war deshalb doppelt auf seiner Hut. „Das habe ich nicht behauptet, Herr Polizeirat", sagte er bedächtig. „Ich sagte nur, der Krempel habe nicht viel ausgemacht und sei lange versilbert. Es ist ja nicht unmöglich, daß noch nachträglich irgend ein überkluger Bankier ein Papier anhält. Er hat es dann aber aus zweiter oder dritter Hand". Der Polizeirat schwieg einige Minuten. Der Mensch sprach so ruhig und überlegt, als stehe er nicht im Verhör seinem Richter gegenüber, sondern sei als Sachverständiger in einer ihm persönlich gleichgültigen Angelegenheit befragt worden. Es konnte sich auch verhalten, wie es von ihm dargestellt ward, und trotzdem hatte Reder die feste Ueberzeugung, die Lage der Dinge sei eine andere. „Es ist, wie Sie sagen", erwiderte er mit angenommener Nachlässigkeit, behielt seinen Mann aber scharf im Auge. „Es sind einige der Papiere zum Vorschein gekommen". „I, sehen Sie mal. Wirklich?" entgegnete Homann mit einem Lächeln, das halb Zweifel und halb Befriedigung ausdrücken sollte. So sehr er sich aber auch in der Gewalt hatte, entging es dem Polizeirat doch nicht, daß er durch die Nachricht überrascht ward und innerlich vor Begierde brannte, Näheres darüber zu erfahren. Er hielt es deshalb für geraten, ihn noch etwas „zappeln" zu laffen, kramte in seinen Papieren, machte Notizen und gab sich den Anschein, als habe er vergessen, daß jemand vor ihm stehe, der durch ihn vernommen werden solle. Homann konnte es zuletzt nicht mehr aushalten und fragte hastig: „Haben Sie denn jemand beim Verkauf der Aktien abgefaßt? Und was sind es denn für welche?" Der Polizeirat lachte. „Das möchten Sie also doch gern erfahren", sagte er gut gelaunt. „Eigentlich sollt' ich's nun machen wie Sie und Sie auch lange warten lassen, ehe ich Ihnen sage, was Sie gern wissen möchten, aber ich will nicht so sein. Es sind Cöln-Mindener und Hamburger Prämien-Anleihe zum Vorschein gekommen". Homann fuhr sichtlich zusammen. „Cöln-Mindener und Hamburger Prämien-Anleihe!" wiederholte er. „So ist es". „Und der, welcher sie verkauft hat, ist festgenommen — 551 worden?" fragte Homann rasch und unbedacht. Schnell rief -er Polizeirat: „Hab' ich Sie endlich, Homann? Sie behaupteten immer keinen Gefährten zu haben. Nun vermuten Sie doch, daß ein solcher beim Verkauf der Papiere dingfest gemacht worden sei". Der Schurke hatte sich schon wieder gefaßt. „Ich bleibe auch jetzt noch dabei, daß ich die Arbeit allein ausgeführt habe", entgegnete er, „darum kann aber doch derjenige, der die Papiere zum Verkauf angeboten hat, abgefaßt worden sein. Der unschuldige Mensch dauert mich!" fügte er ganz gemütlich hinzu. „Das Mitleid können Sie sich sparen", lachte Reder, den die Frechheit des Patrons belustigte, „die Papiere sind über Wien an die hiesige Börse gelangt, der Käufer und jetzige Verkäufer derselben hat im guten Glauben gehandelt". „Und von wem hat dieser sie gekauft?" fragte Homann in steigender Erregung. „Allem Anschein nach auch in einem Wiener Bankhause", war die gelassene Antwort. „Und von wem hatte sie dieses?" Jetzt lachte der Polizeirat laut auf. „Sind Sie hier der Fragende oder ich, mein werter Homann? Wenn Sie, wie Sie wiederholt angegeben, die Papiere selbst verkauft haben, so müffen Sie ja wissen, wo sie geblieben sind. Haben Sie freilich einen Gefährten —" „Ich habe keinen!" rief Homann dazwischen- der Polizeirat fuhr aber unbeirrt fort: „Haben Sie freilich einen Gefährten, so ist es für Sie immerhin von Interesse zu erfahren, was derselbe während Sie hier im Untersuchungsgefängnis fitzen mit den noch in seinem Gewahrsam befindlichen Papieren anfängt. Er scheint jedenfalls geschickter als Sie zu Werke gegangen zu sein, denn es ist ihm gelungen, die Aktien zu verkaufen, ohne daß man Verdacht geschöpft und ihn festgehalten hat". Homanns Geficht verzerrte, seine Fäuste ballten sich. Er murmelte unverständliche Laute. „Nun, wie ist es, Homann, haben Sie mir noch immer Nichts zu sagen?" ermunterte ihn der Polizeirat. Noch ein kurzer Kampf, dann schrie er: „Ja, ja, ich will ihn nennen. Wenn ich hier in Nummer Sicher sitzen und nachher, wer weiß auf wie lange, auf die hohe Schule spazieren muß, braucht er nicht frei umherzulaufen und den großen Herrn zu spielen, da er so niederträchtig ist, die von Rechtswegen mir gehören —" „Na, na, Homann!" warf der Polizeirat sarkastisch dazwischen, und kleinlaut schloß der Spitzbube: „Die er für mich aufbewahren soll, verkauft und das Geld verbraucht. Lasse ich den so wirtschaften, habe ich gar nichts mehr, wenn ich herauskomme!" „Das könnte sich ereignen", sagte der Polizeirat, sehr belustigt durch diese grenzenlose Naivetät des anderseits so abgefeimten Verbrechers. Recht ernst und streng fügte er aber alsdann hinzu: „Hören Sie, Homann, meine Geduld ist jetzt erschöpft, und ich bin durchaus nicht weiter aufgelegt zum Scherzen. Antworten Sie mir nun kurz und bestimmt auf meine Fragen: „Sie gestehen jetzt zu, daß Sie Mitschuldige haben?" „Ja", war die knappe Antwort. „Wie viel?" „Einen". „Homann!" rief der Polizeirat warnend. „Ach, Herr Rat, die beiden armen Kerle, die die Wände rinschlagen halfen und ein paar Mark dafür bekamen, die möchte ich wirklich nicht erst in die Tinte bringen, sie fallen Ihnen auch so schon in die Hände", sagte Homann ordentlich treuherzig. „Es kann Ihnen wirklich nur auf den einen ankommen". „Gut, bleiben wir zunächst bet dem einen, mit den anderen, das wird sich finden", versetzte der Poltzeirat, der lange eingesehen hatte, daß man mit diesem eigenartigen Verbrecher nicht nach der Schablone verfahren könne. „Wer ist es?" „Herr Polizeirat, Sie werden es mir gar nicht glauben". „Warum nicht?" „Es ist ein sehr vornehmer Herr". (Fortsetzung folgt.) Ein vorzüglicher Burgunder aus Aepfeln. Auf 40 Liter Apfelmost nehme man 21/2 Kilo zerschnittene Rosinen, iy2 Kilo braunen Zucker, 1 Liter Heidelbeersaft, 125 Gr. roten Weinstein, bringe alles in ein Faß und lasse die Gährung verlaufen, wie beim Apfelwein angegeben. Nun kläre man mit Hausenblase, gebe 40 Gr. Essenz von bitteren Mandeln zu und ziehe den Wein in einigen Wochen auf Flaschen. Etwas über Beleuchtung. Oft klagt man, daß die Lampen nicht gut und hell brennen, insbesondere, wenn den Dienstboten die Reinigung derselben überlassen wird. Da ist es nun am Platze, daß die Hausfrau selbst Hand anlegt oder doch wenigstens die Arbeit beaufsichtigt. Mit einer guten, warmen Sodabrühe und Seife sollten die Bassins wenigstens jeden Monat einmal gereinigt und sorgsam ausgetrocknet werden. Der Docht muß gewaschen, getrocknet und dann eine Stunde in Essig gelegt, abermals getrocknet und dann in die Lampe gezogen werden. Die Petroleumkannen werden ebenfalls mittelst der angeführten Mischung gereinigt und an der Luft getrocknet, damit kein bischen Feuchtigkeit darin bleibt. Kesundyeitspflege. Ursachen der Ohnmacht. Es herrscht noch bei manchen Personen rechte Unkenntnis über die plötzliche Schwäche, die manche öfters befällt, und sie wissen sich nicht zu helfen. Vor allem ist das Einatmen frischer Luft das erste, dann lagere man den Kranken horizontal und lasse ihn ein wenig Essig oder Kölnisches Wasser einatmen, zu starke Essenzen vermeide man. Man öffne auch die Kleidungsstücke und benetze fortwährend die Stirn mit einer schwachen Essenz, nach und nach werden die Lebensgeister wiederkommen, dann erst gebe man ihm ein Stückchen Zucker, in Rotwein getränkt. Die Ursachen der Ohnmacht sind verschiedene, sie können herrühren von heftigen physischen Eindrücken, von Ueberraschungen und Schrecken, von Einatmen schlechter Luft, schneller Zunahme des Druckes auf das Gehirn, gewöhnlich aber ist die Ursache der Ohnmacht eine schnell eintretende Ueberfüllung des Gehirns mit Blut oder umgekehrt eine schnelle Verminderung des Blutes in der Gehirnmaffe. Auch bei überladenem Magen kann Ohnmacht entstehen, dann gebe man reichlich laues Wasser zu trinken, damit Erbrechen eintritt. Bei schweren Ohnmächten und da, wo die angegebenen Hilfsmittel nicht ausreichen, muß der Arzt schnell herbeigerufen werden. (Prakt. Wegw.) Aür die Küche. Cröey-Suppe. 10 Personen. Bereitungszeit 21/9 Stunden. Zuthaten: 8 große Mohrrüben, 3 Kohlrüben, 1 großer Selleriekopf, 3 Zwiebeln, 2 Porrees, 2 Petersilien-Wurzeln, 160 Gramm Butter, Salz nach Geschmack, 21/2 Liter Brühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt. — Man putzt, schneidet und wäscht die genannten Wurzeln, und schwitzt sie in der zerlassenen Butter, ohne daß sie sich bräunen dürfen. In den Suppentopf gethan und mit 2>/2 Liter Brühe aus Liebigs Fleisch-Extract übergossen, kocht man sie etwa zwei Stunden, bis sie breiartig weich geworden sind. Durch ein Sieb gestrichen, läßt man die Suppe heiß werden und richtet sie mit gerösteten Semmel-Croutons an. — 1)52 — Enten-Ragout. 10 Personen. Bereitungszeit 3 Stunden. Zuthaten: Zwei Enten, 175 Gramm Butter, 40 Gramm Mehl, Vs Liter kräftige Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt, 1 Zwiebel mit 3 Gewürznelken besteckt, 6 Gewürz- und Pfeffer-Körner, die Schale einer halben Citrone, der Saft derselben, 1 Glas Portwein oder Madeira, Salz nach Geschmack, eine kleine Prise Cayenne-Pfeffer. —- Zur Verwendung können ältere Enten kommen, die in bekannter Weise vorbereitet, in 125 Gramm Bntter halbweich gebraten, dann in beliebig kleine Stücke zerlegt, mit der Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt überfüllt, mit der Zwiebel, Salz, Gewürz, Pfefferkörnern, Citronenschale, vollständig weich gekocht werden. In einer anderen Kasserole bräunt man indessen den Rest der Butter mit dem Mehl, verkocht die Schwitze mit dem durch ein Sieb gegebenen Bratenfond, fetzt die Entenbrühe zu, würzt mit Citronensaft, Wein und einer ganz kleinen Messerspitze Cayenne, legt das Entenfleisch in die Sauce, läßt es in dieser kochend heiß werden und richtet das Ragout mit Fleurons umkränzt an. Es kann diese Schüssel auch von Resten gebratener Enten bereitet werden. Vepinrschtes. Falsche Sparsamkeit. An der rechten Stelle zu sparen ist eine Kunst, die von hundert Menschen kaum einer versteht; und so unwahrscheinlich es klingt: gerade der kleine Mann, der es doch am nötigsten hätte, versteht diese Kunst am seltensten. Geld zusammenscharren ist noch keine Sparsamkeit. Ein Mann, der sein Gut ständig vergrößert und dabei seine Kinder liederlich aufwachsen läßt, gilt nur bei Unverständigen als sparsam, in Wirklichkeit ist er ein Verschwender, denn was er mühselig zusammenscharrt, bringt die nächste Generation wieder auseinander. Es gibt Menschen, die sich mit ihrer Familie aus lauter Sparsamkeit schlechter als dürftig ernähren. Dadurch ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten so gering, daß sie häufiger und mehr Geld für Arzt, Apotheke und — was leider so ost der Fall ist — für Kurpfuscher ausgeben müssen, als eine kräftige Ernährung sie kosten würde. Aus Sparsamkeitsrücksichten werden im Winter namentlich auf dem Lande ängstlich Thüren und Fenster geschlossen gehalten, damit es recht wenig Feuerung koste. Für das, was dann in solchen beständig geschlossenen Räumen eingeatmet wird, ist die Bezeichnung „Luft" nicht mehr zutreffend. Für die Lunge ist diefes Gemisch aus allen möglichen ekelhaften Stoffen, Krankheitskeimen usw. ungefähr ebenso schädlich, wie Kloakenwasser für den Magen. ■— Es ließe sich ein langes Kapitel über diese falsche Sparsamkeit schreiben. Es muß auch hier wie bei allem andern Einsicht und Verstand walten, Klugheit und Sparsamkeit müssen Hand in Hand gehen Das Saccharin in Belgien verboten. Da es einer Fälschung gleichkommt, wenn man einen jeden Nährwert entbehrenden Versüßungsstoff als Ersatz für ein Nahrungsmittel, wie Zucker, in den Handel zu bringen sucht, so hat auch die belgische Regierung sich entschlossen, den Verkauf des Saccharins auf die Apotheken zu beschränken und dessen Verkauf als angebliches Nahrungsmittel zu verbieten. Die photographierte Berdaitimg. Die erste Röntgen-Photographie des Magens eines lebenden Menschen wurde der Academie de Medecine in Paris kürzlich von Dr. Foveau de Courmelles vorgelegt. Es war bisher unmögich, eine solche zu erhalten, da der Magen im allgemeinen sür die Röntgenschen Strahlen durchlässig ist und sich außerdem im Zustande der Nüchternheit hinter den benachbarten Organen verbirgt. Man hat allerdings versucht, diesem Umstand auf verschiedenen Wegen abzuhelfen, indem man die betreffende Person z. B. große Mengen von Selters- wasser trinken ließ oder indem man den Magen in nüchternen nem Zustande vermittelst einer Sonde aufblies, bis er seine ganze Größe erreicht hatte. Letzteres Verfahren ist natürlich nicht für jedermann und namentlich nicht für einen empfindlichen Kranken geeignet, auf dessen Untersuchung es doch in erster Linie ankommt. Foveau de Courmelles hat sich des schon einmal bei kleinen Tieren angewandten Hilfsmittels bedient, eine für die Röntgen-Strahlen undurchlässige Substanz in Gestalt von salpetersaurem Wismut in den Magen einzuführen. Er gab einem Patienten nach dem Mittagessen 10 Gr. dieses Stoffes, die in Konfitüren verborgen waren, zu schlucken und versuchte nach etwa halbstündiger Ruhe den Magen des Patienten mit Röntgenschen Strahlen aufzunehmen. Nach einem einmalichen Fehlschlage gelang der Versuch, und Courmelles erhielt auf diesem Wege die erste Radiographie des Magens von einem lebenden Menschen) die bisher überhaupt gewonnen wurde. Die Aufnahme dauerte fünf Minuten. Die Umrisse des Magens sind auf dem Bilde freilich noch nicht in vollkommen befriedigender Schärfe zu erkennen, aber man hofft, daß weitere Versuche die Mängel beseitigen werden. Damit wäre der Röntgen- Photographie ein neues Spezialgebiet innerhalb der Heilkunde erschlossen, indem sie auch bei der Feststellung von Magenkrankheiten gewisser Art ein wichtiges Hilfsmittel werden würde. Ei« Geheimnis. Jeder Apfel hat ein Kernhaus, das aus 5 Fächern besteht. Wie jede Regel Ausnahmen hat, so gibt es auch Früchte mit einem 4fächerigen Kernhaus. Oft kommt diese Unregelmäßigkeit beim „Roten Wintertaubenapfel" vor. Geradezu überraschend wirkt es, wenn man von einem Apfel, bevor man ihn aufgeschnitten hat, behauptet, daß er diese Ausnahme bildet, und die That- sache dann bei einem Querschnitt zutrisft Die Sache ist einfach wenn man sie weiß. Man sehe oben nach den Kelchblättchen. Sind deren 5 vorhanden, so sind immer 5, wenn nur 4, so sind immer auch nur 4 Fächer anzutreffen. — Röntgenstrahlen ohne Apparat! Kapselrätsel. (Nachdruck verboten.) Aus dem ersten und dem letzten der folgenden Wörter sind je drei, aus jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, sodaß sich daraus ein Sprichwort ergibt. Uhrfeder — Meister — Tanne — Warmbier — Festrede — Gänsebraten — Orden — Feigenbaum — Grenzsperre — Taube — Malerei — Richter. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel, Treff; b = Grün, Pique; c — Rot, Coeur; d — Schellen, Carreau; A — Aß; U = Unter, Bube, Wenzel; D — Dame, Ober.) Mittelhand erhielt a U, b U, c U, d U, a 9, b K, b 9, b 8, d 9, d 8, im Skat lagen b 7 und d K; Rest für Hinterhand. Gang des Spieles: 1. V. a 8. M. a 9. H. b A = — 11. 2.—5. M. zieht jetzt der Reihe nach ihre vier Jungen, worauf von Vorhand 17 und von Hinterhand 26 Augen fallen, fodaß die Gegner insgesamt 62 erhalten. Mithin hat Vorhand ihr Spiel verloren. Redaktion: 8, Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.