Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. Ditsnrth. (Fortsetzung.) XI. Als Renata am anderen Morgen eben angekleidet war, trat Frau Charlotte mit herzlichem „guten Morgen" ein. Sie jah verwacht und verweint aus. „Nicht wahr, Kind, Sie hörten den Lärm?" Das junge Mädchen nickte. „Es thut mir so leid, wie gern hätte ich Ihnen das erspart." „Sie sprechen von mir, und ich sehe, was Sie wieder durchkämpft haben!" sagte Renata abwehrend. „Ach, mein gutes Kind," sagte Frau Falkner, zärtlich über Renatens Gesicht streichend, „wenn ich Ihr junges Gemüt noch mehr belasten wollte, ich müßte Ihnen eine lange Geschichte erzählen voll Jammer und Herzeleid- aber ich kann und will es nicht. Wir würden ja alles überwinden und mit Gottes Hilfe überwunden haben, aber mein armer Vater wühlt in der Vergangenheit, und es wird immer dunkler in ihm. Seit Jahren ringe ich für ihn um einen Strahl von oben und nach oben, ich kann ihn nicht so dahinfahren sehen!" Renata faßte wortlos die Hände der Erregten, da umklammerte plötzlich diese daS junge Mädchen, legte ihren Kopf auf deren Schulter und brach in bitteres Weinen aus. Tief erschüttert blickte Renata auf die sonst so feste, energische Frau. Jedes Wort erstarb ihr' im Munde, was sollte sie auch diesem Jammer gegenüber sagen? Charlotte richtete sich auf: „Ich weiß nicht, ob es recht war, in dieser Aufregung zu Ihnen zu kommen," sagte sie, ihre Augen trocknend, „es Dienstag den 24. Dfaräer. v LL 1 f enn dich die Stürme des Lebens bedräuen, Sinke dir niemals der tröstende Mut. Lache des Sturmes, — es wiegen die Möven Auch sich ergötzend auf zürnender Flut. Lottrow. Große Gedanken und ein reines Herz, das ist'S, was wir uns von Gott erbitten sollen. Goethe. kommt selten so über mich, ich habe gelernt, mich zu beherrschen, aber es ist oft so schwer, es zu ertragen, da thut das Ausweinen gut. — Doch nun ist es genug," fuhr sie mit veränderter Stimme fort, „mein armes Kind, Sie sind ganz blaß geworden. Sehen Sie den Tag mit dem Frühlings- geficht, er muß uns das Herz helle machen." Um die Mittagszeit schlug Renatas Abschiedsstunde, und nachdem sie Frau Falkner versprochen hatte, bald wieder zu kommen, verließ sie, von Frida, die heute ihr böses Benehmen gut zu machen suchte, geleitet, den Gylsenhof, ein stilles Heimweh mit sich nehmend. Wehmütig war ihr doch, als sie ihr Stübchen wieder betrat, aber sie kämpfte tapfer den Trübsinn nieder und traf mit Fridas Hilfe Vorbereitungen zum Empfang der Nolteschen Damen. Sie freute sich wirklich, die beiden guten Frauen wiederzusehen und überhaupt für jemand sorgen zu können. Frida verließ sie bald, und so saß sie noch ein Weilchen still träumend am Fenster bis das Rollen eines Wagens sie aufschreckte. Es waren die Erwarteten, und das junge Mädchen eilte ihnen freundlich entgegen. Frau und Fräulein Nolte schienen sich sehr über den festlichen Empfang zu freuen und waren die Herzlichkeit selbst. „Nein, aber Fräulein Renatchen!" rief die kleine Dame ein über das andere Mal, „wie allerliebst von Ihnen, einen Kranz über der Thüre, und Kaffee und Kuchen, und alles so sauber, nein zu nett! Sie sollen auch gleich einen Kuß dafür haben!" Selbst Fräulein Lina lächelte befriedigt und strich mit ihren runden Fingern zärtlich über Renatens Gesicht. Diese selbst war ganz gerührt und glücklich, daß ihre kleinen Aufmerksamkesten den Damen solche Freude machten - die vielen Dankesäußerungen machten sie beinah verlegen. Sie mußte nun viel Interessantes mit anhören, denri es war außerdem noch Tauffest bei dem Sohn und Bruder gewesen. Der Täufling wurde von der stolzen Großmama beinahe persönlich vorgestellt. Dann kamen die Paten, die Pfarre und das Dorf an die Reihe. „Ach, und die lieben Kinder alle! Sie sollten sie nur sehen, Renatchen!" rief die alte Frau strahlend. „Ja, und der Lärm," schaltete Lina trocken ein, „ich wußte bei dem Spektakel manchmal nicht, wo mir der Kopf stand." „Freilich, Linchen," gab die Mutter zu, „da hast du recht, aber es sind auch sieben, und vier wilde Jungen darunter. Ihr wäret nur zwei, und du bist immer so ruhig gewesen." Renata sollte nun auch ihrerseits Erlebnisse erzählen, ™ 610 aber da gabs wenig zu berichten, die Tage im Ghlfenhofe waren ja meist gleichförmig verlaufen, und auf einige angelegentliche Fragen nach dem Wesen und Treiben des alten Konsuls ging sie natürlich nicht näher ein. Man trennte sich abends mit großer gegenseitiger Zufriedenheit, und Lina äußerte gegen ihre Mutter: „Siehst du, das junge Ding hat am Ende doch gemerkt, was sie an uns hat." Die Zufriedenheit der beiden Damen wuchs noch, als ihnen in den nächsten Tagen Frau Falkner einen Besuch machte. Sie hielt es der Artigkeit für angemesfen, da doch Renata mehr oder minder von ihnen abhing, munterte auch diese selbst auf, sich den herzensguten Frauen vertrauensvoll anzuschließen, und Renata kam dem auch bereitwillig nach. Frau Charlotte lud auch die Damen balö zu einer Tasse Kaffee ein, leider konnte Renata heftiger Kopfschmerzen wegen sie nicht begleiten. Sie kamen sehr befriedigt heim und hatten sogar Anerkennung für Fridas Betragen. Sie wußten freilich nicht, daß, nachdem sie gegangen waren, das übermütige king sich totlachen wollte über die sonderbaren Damen: „Wie es nur die Renata dort aushält," sagte sie zu Max, „ich stürbe vor Langweile. Aber sie wird sehr verständig mit den Damen sprechen und bei Zeiten eine alte Jungfer werden, die über jedes Lachen und Vergnügen die Nase rümpft." „Schäme Dich, Frida," ließ sich da Plötzlich eine ganz andere als des Bruders Stimme vernehmen, „wie kannst Du es wagen, so absprechend über Fräulein Wendelin zu urteilen, über sie, die Dir so viel Nachsicht entgegenbringt, wie Du es nicht im mindesten verdienst) denkst Du nicht an ihr schwarzes Kleid, an ihr einsames Leben, Du leichtsinniges, gedankenloses Kind?" Frida starrte den Bruder und dann mit ihm den Onkel Gottfried an. War er es wirklich, der so scharf, ja beinahe zornig sprach? Frida hatte bei ihren unüberlegten Aeußerungen nicht an seine Nähe gedacht) er hörte ja nach ihrer Meinung nie auf das, was man sprach. Sie schwieg und wandte sich errötend ab, während Max kopfschüttelnd hinter dem Onkel hersah, der rasch und entschieden ärgerlich das Zimmer verließ. Frida blickte jetzt den Bruder fragend an und hatte Lust, ihre Betroffenheit unter Lachen zu verbergen. Max steckte die Hände in die Tasche und schritt gravitätisch im Zimmer auf und ab: „Ich würde Dir auch raten, etwas anders über diese Renata zu sprechen. Ich ärgere mich auch zuweilen über sie, und sie ist mir keineswegs grün, die Gefahr gegenseitiger Liebe also vollständig ausgeschlossen, aber trotzdem hat sie Eigenschaften, die ich Dir von Herzen wünschte." Er setzte sich ans Klavier und spielte: „Ach, du lieber Augustin." Frida verließ das Zimmer und warf die Thüre ziemlich hörbar ins Schloß, Max in gewaltigem Stolze über seine Ruhe und Ueberlegenheit zurücklassend. XII. „Einen Krankenbesuch muß ich Ihnen doch machen," sagte lachend Frau Charlotte zu Renata, die warm eingehüllt in ihrem Zimmer saß, während draußen Regentropfen und Schneeflocken einen lustigen Apriltanz aufführten. Renata war stark erkältet gewesen und hatte auf strenges Gebot ihrer beiden Damen das Bett hüten und Thee trinken müssen nach Möglichkeit. Nun war sie ziemlich wieder hergestellt, sah nur noch etwas blaß aus. Sie freute sich sehr über diesen Krankenbesuch ihrer lieben Frau Falkner, der sich auch Frida angeschlossen hatte, und nötigte ihre Gäste eifrig zum Sitzen. „Wir wollen in die Kunstausstellung," sagte Frau Charlotte, „mein Bruder möchte uns einige Bilder von uns persönlich bekannten Malern zeigen, da können wir uns nicht allzu lange aufhalten." Ein Regenschauer schlug prasselnd an die Scheiben und Charlotte ries: „Ach, mein armer Bruder wartet draußen auf uns." „Aber, warum kam der Herr Professor nicht mit herein?" sagte Renata lebhaft, „hole ihn schnell, Frida, bitte." Frida eilte hinaus und kam bald mit dem Onkel zurück, der lachend seine Dankbarkeit versicherte. Renata begrüßte ihn mit anmutiger Würde, es war ja der erste Herrenbesuch, den sie in ihrem Zimmer empfing, und daß es gerade der Herr Professor war, machte fie besonders stolz. Sie sprach so lebhaft und frisch, daß Frau Falkner fie mit liebevoller Befriedigung betrachtete. Wolfram ließ verstohlen seine Blicke in diesem zierlichen Mädchenheim umherschweifen,- jeder Gegenstand schien ihn zu interessieren. Eine lebhafte Unterhaltung war im Gange, bis Frida fie unterbrach mit den Worten: „Sage nur, Mama, wollen wir denn eigentlich noch in die Ausstellung? Das Wetter hält uns schon seit einer Stunde nicht mehr ab." „Ja so, Kinder, das haben wir ja ganz vergessen!" rief lachend Frau Charlotte. „Gottfried, dachtest Du denn nicht daran?" , Nein, nicht im geringsten," erwiderte dieser, einen Band Gedichte, in dem er geblättert, beiseite legend. Er zog seine Uhr: „Uebrigens ist es nun auch zu spät, die Ausstellung wird in einer halben Stunde geschlossen." „Daß Sie nun um diesen Genuß kommen, thut mir herzlich leid," sagte Renata, aber ihr Gesicht mit seinem beinah schelmischen Ausdruck strafte sie Lügen, „besonders für den Herrn Professor, der hier in meinem kunstlosen Reiche hat eine ganze Stunde aushalten müssen." „Müssen! müssen!" sagte er lächelnd vor sie hintretend, „wer von uns mußte denn, Fräulein Renata? Oder wollen Sie ein Kompliment hören?" Er hob drohend den Finger und noch nie hatte sie diese ernsten, ruhigen Augen so ausleuchten sehen. „O nein, nein," wehrte fie und senkte errötend das Gesicht, eine eigene Befangenheit überkam sie. Frida lachte: „Nein, Onkel, daß Du necken kannst, habe ich auch noch nicht gewußt, und es steht Dir ganz gut." Der Onkel griff nach seinem Hute, während Charlotte die jugendliche Wirtin in die Arme schloß,- vielleicht regte sich in ihrem Herzen ein Gedanke, der fie heute so besonders herzlich sein ließ. Als die Gäste gegangen, kam Renaten ihr Zimmer recht öde vor, und doch war sie so befriedigt. Dem Professor hatte es hier gefallen, das war klar und machte ihr viel Freude, wann würde ihn sein Weg wohl einmal wieder in ihr stilles Heim führen? Einige Tage vergingen, und die Sonne schien wieder hell und warm. Renatens Fenster stand offen, und ein Lichtstrom flutete herein, getragen von der mildesten und duftigsten Frühlingsluft. Es war Sonntag, und von allen Türmen läuteten die Glocken den Gottesdienst ein. Renata kehrte eben zurück von Walters Grabe,- der Gang hatte sie müde und still gemacht. Sie setzte sich an das Fenster und ließ das Sonnenlicht und die Frühlingsluft um sich her wogen. Heute war ihr Geburtstag, und es lebte nun niemand mehr, der ihn wußte oder daran dachte. Sie faltete die Hände, es war so friedlich in ihr wie lange nicht, sie fühlte so deutlich, jetzt, wo fie an diesem Tage ganz allein war auf der Welt, daß Gott fie nicht verlaffen, wenn auch ihr Vater, ihre Mutter es gethan. Sie lauschte dem feierlichen Chorgesang der Glocken, der über die Stadt hinschallte. „Und die Erde ist doch schön, und auch ich werde ein Plätzchen für mich finden," dachte sie. Sie griff nach dem Taschentuch, das fie bei ihrer Heimkehr achtlos auf ihr Nähtischchen gelegt, und wollte sich erheben, aber wie festgewurzelt blieb sie sitzen. Ein duftender Veilchenstrauß lag unter dem Tuche, kunstlos zusammengebunden, halb auf dem Tische, halb auf — eil -* dem Fensterbrett. Hastig griff Renata danach: „Woher kam er?" Ihr Zimmer war verschlossen gewesen, er konnte nur durchs Fenster geworfen sein. „Frau Falkner oder Frida/ blitzte es durch ihren Kopf. Wahrscheinlich hatten sie ihren Geburtstag erfahren und wollten sie gleich am Morgen begrüßen. Mit inniger Dankbarkeit dachte Renata an die liebe Frau. Eine zierlich bedruckte Karte fiel heraus mit den kurzen Worten beschrieben: „Ein Geburtstagsgruß/ Kopfschüttelnd betrachtete Renata die Karte, aber sie wollte sich d'e Freude nicht verderben lassen. Gewiß hatten Falkners sich einen Scherz gemacht und kamen noch heute selbst zu ihr. So versank sie wieder in Sinnen, bis ein fester Schritt auf der sonntäglich stillen Straße sie aufschreckte. Er näherte sich rasch, und eine schlanke Männergestalt ging langsam an ihrem parterre gelegenen Fenster vorüber, artig grüßend zu ihr hinaussehend. Viktor Burghoff! Renata richtete sich hastig auf, ein jäher Gedanke durchbebte sie, der ihr Herz wild pochen machte. Hatten nicht seine Augen den Veilchenstrauß gestreift und ein eigenes Lächeln diesen Blick begleitet? Mit einem Schlage war die weihevolle, friedliche Stimmung den unruhigsten, verworrensten Gedanken gewichen, und sie ängstigten das arme Kind beinahe zu Thränen. Hilflos blickte sie den Strauß an, der sie so aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Und jetzt läuteten die Glocken zum Gottesdienst und sie hörte drüben die beiden Damen in den Flur treten, denen sie sich zur Kirche anschließen wollte. Sie wollte sich die Sonntagsstimmung nicht nehmen lassen und kämpfte tapfer alle zerstreuenden, thörichten Gedanken in den Hintergrund. Aber sie blieben doch dort und kamen siegreicher hervor, als Renata wieder allein saß. Fast gewaltsam nahm sie an, daß der Strauß doch eine Gabe von Frau Charlotte oder Frida sei, und sie horchte fieberhaft auf jeden Schritt, aber sie kamen nicht. Sie kannte ja auch die Handschrift der beiden Damen, sie hatten die wenigen Worte nicht geschrieben. Gegen Abend Begleitete Renata Frau und Fräulein Nolte auf einem Spaziergange und auf dem Nachhausewege begegnete ihnen Viktor Burghoff. Es war gut, daß der dichte Schleier die tiefe Glut verbarg, die bei seinem Gruße in ihr Gesicht stieg. In den nächsten Tagen kam Frau Charlotte mit Frida, aber beide erwähnten nichts von Renatens Geburtstage, sie ahnten ihn gar nicht/ Frida hätte sonst gewiß nicht geschwiegen. So welkte der Strauß, und nur ein einziges Veilchen fand seinen Platz im Gebetbuch des jungen Mädchens. (Fortsetzung folgt.) Sardinen in Del. Von Fred Hood ------- (Nachdruck verboten.) Die Sardine ist die würdigste Vertreterin der weitverzweigten und sehr ehrbaren Familie Hering in den südlichen Küstenmeeren Europas. Sie spielt dieselbe Rolle im Mittelmeer und dem Atlantischen Ozean, wie die Sprotte in der Nord- und Ostsee, und wird in konserviertem Zustande als der feinste und wohlschmeckendste aller heringsartigen Fische geschätzt. Die Hauptfangplätze liegen an der nordfranzösischen Küste, vorzüglich aber an der Küste der Bretagne. Der Fischfang beginnt in Frankreich zur Laichzeit, also zu Anfang des Monats Juni. Sobald die Fischer an der Küste der Bretagne zahlreiche Scharen von Tümmlertauben über der See bemerken und zahlreiche Möven in kurzen Zwischenräumen in die Tiefe tauchen sehen, werden die Boote ausgerüstet; die Fische sind eingetroffen. Die Boote fassen gewöhnlich ein Dutzend Tonnen und werden mit sechs vis zehn Personen bemannt. Nur der Kapitän und der Steuermann sind Fischer von Beruf; die übrigen Gehilfen find Handarbeiter, Landleute, Winzer usw. Der ganze Fangapparat besteht aus dichtmaschigen Netzen von 300 bis 1500 Fuß Länge. Der obere Rand wird durch Korkstücke an der Wasser-Oberfläche schwebend erhalten, während der untere Rand mit Bleigewichten beschwert ist, die das Netz straff spannen. Sobald man die ersten Fischschwärme vom Lande aus bemerkt, werden die Segel gehißt, und die Boote fahren hinaus. Eine Schicht öliger, auf der Meeres-Oberfläche schwimmender Substanz, sowie eine beträchtliche Menge kleiner, im Wasser schwebender Schuppen von metallischem Glanz verraten die Anwesenheit der Fische. Das Boot wird nun, damit es nicht von der Strömung fortgetrieben werde, durch leichte Ruderschläge über dem Fischschwarm erhalten, und das Netz ausgeworfen. Der Kapitän steht im Heck und streut mit vollen Händen den Köder in's Meer. Es ist Dorschrogen, dazu bestimmt, die Fische an den gastlichen Ort zu fesseln. Bald sieht man neue Mengen Schuppen emporsteigen, während das Netz durch die von allen Seiten herbeiströmenden Scharen lebhaft bewegt wird. Dann wird es eingeholt und zugeschuürt, die Segel werden gehißt, und das» Boot nimmt seinen Kurs nach dem nächsten Hafen, wo die stets reiche Beute auf das Deck geschüttet wird. Es ist eine eigentümliche Thatsache, daß man selten eine lebende Sardine aus dem Wasser zieht; geschieht dies doch einmal, so stirbt sie fast augenblicklich. Von den 250 bis 300 Fischerbooten, die während der Fangzeit in Belle-Jsle ausgerüstet werden, gehören 200 nach dem Hafen von Palais, die übrigen nach Sauzon. Diese beiden Häfen bilden zugleich die Haupt-Sardinenbörsen. Jedes Boot erzielt einen Ertrag von ungefähr 8000 bis 10000 Fischen, und man berechnet den Marktpreis nach der mit den ersten Schiffen eingebrachten Menge. Auf den Molen warten schon die Vertreter der großen Konserven- Handelshäuser, um ihre Einkäufe zu machen. Ist dieses Geschäft erledigt, so werden die Sardinen zu je 200 Stück in Körbe gezählt und sogleich von den Fischern nach den Konservenfabriken befördert. Eines der größten Etablissements dieser Art ist das des Herrn Amieux zu Sauzon. Es liegt an der Meeresküste, an einem reizenden, natürlichen Hafen, in welchen die Fischerboote leicht und bequem einfahren können. Die Gebäude beherrscheu die Küste. Während der Fangzeit sind hier 300 Frauen und 50 Männer dauernd in der Fabrik beschäftigt; sie erwarten in einer gewissen Aufregung die Ankunft der ersten Boote. Die weiblichen Angestellten, in ihrer malerischen Bretagner Tracht, nehmen Aufstellung in dem ersten Zubereitungs-Saal, wo die Fische auf Tischen ausgebreitet und zunächst leicht gesalzen werden. Sodann werden sie gereinigt, und die Köpfe und Eingeweide entfernt. Sobald dies geschehen ist, sortieren Knaben die Sardinen nach ihrer Größe und tragen sie nach einer anderen Fabrikabteilung, wo die Fische, je nach ihrer Größe, für längere oder kürzere Zeit in Salzwasser gelegt werden. Nach dem Einsalzen werden sie in einer großen Wassermenge gewaschen und dann sorgsam, jedes Stück von dem anderen getrennt, auf besondere Drahtvorrichtungen, sogen. „Roste", gelegt, und sofort zum Trocknen an die frische Luft gelegt. Ist das Wetter aber regnerisch oder auch nur feucht und'neblig, so ist das Trocknen unmöglich, und die Fische sind verloren. Sie sind dann gerade noch als Dungstoff, aber sonst absolut nicht verwendbar. Natürlich hat man sich bemüht, diesem großen Uebel- stande zu begegnen. Die Firma Amieux hat zu diesem Zwecke einen großen mechanischen Trockcnapparat beschafft, welcher sich sehr gut bewährt. Es ist dies ein riesiger Ventilator, der durch Dampfkraft betrieben wird. Die Sardinen werden einige Augenblicke einem starken Luftstrom ausgesetzt, um unmittelbar danach, auf den Rosten - 6iä - Nutzend, in große Pfannen mit siedendem Olivenöl eingetaucht tu werden. Diese Verrichtung dauert je nach der Größe der Fische 3 bis 5 Minuten. Damit das Olivenöl seinen natürlichen Geschmack behält, wird es nicht über offenem Feuer erwärmt, sondern es wird überhitzter Dampf durch das Oel hindurchgeleitet. Nach dem Sieden werden die Sardinen, immer noch auf den Rosten, zum Abtropfen aufgestellt, und nach dem Trocknen in Büchsen verlegt. Diese gelangen dann in den Oelraum, wo die Lücken zwischen den Fischen mit frischem Olivenöl ausgefüllt werden. Auch die Gewürze, Tomatensauce und Sardellenpaste, welchen die französische Sardinenbereitung hauptsächlich ihren Weltruf verdankt, werden hier beigefügt. Auf Schienen lausende Wagen befördern die Büchsen nach dem Lötzimmer, wo einige 30 Arbeiter mittelst Lötkolben die Deckel befestigen. Die Büchsen werden, um die etwa in ihnen eingeschlossenen Mikroben zu zerstören, in große, mit kochendem Wasser gefüllte Pfannen gebracht, in diesen dem Kochprozeß unterworfen, hierauf in Sägespänen getrocknet und genau untersucht. Die Untersuchung erfolgt durch einen besonders sorgfältigen, gewissenhaften Beamten, durch dessen Hände jede Büchse geht. h Zeigt sich ein Fehler in der Lötung, so wird das Stück zurückgewiesen und nach dem Abfallraum befördert. Der Inhalt einer solchen Büchse hat keinen Nahrungswert. Die tadellosen Stücke werden zu je hundert in Kisten verpackt, und in dieser Form in den Handel gebracht. Die Sardinen sind aber, das muß hier noch betont werden, recht komische Geschöpfe. Während sonst alle Welt bem Grundsatz huldigt: „Frische Fische, gute Fische", werden die Sardinen erst köstlich, wenn sie ein Jahr in der Büchse zugebracht haben. Sie gewinnen in dieser Zeit erheblich an Geruch und Geschmack, während man frische Sardinen keineswegs als Delikatesse anzusehen pflegt. GeineinnAtziges. Aür die Küche. Gedämpftes Kaninchen. Man zerlege zwei Kanin» chen in gleiche Stücke und bestreue sie mit Salz und ziemlich viel gestoßenem Pfeffer, schneide vier mittelgroße Zwiebeln in Scheiben, lege eine Schicht davon auf den Boden eines Topfes, der gerade groß genug ist, um die Kaninchenstücke aufzunehmen, und einen gutschlteßenden Deckel hat; über die Zwiebeln giebt man eine Schicht Fleisch, darüber wieder Zwiebeln und wechselt so ab, bis alles Fleisch eingelegt ist, worauf man nun eine Schicht Speck, in nette, mundgerechte Stückchen geschnitten, legt und über diese noch eine Schicht von Zwiebeln, deckt den Topf jetzt zu und läßt die Kanin» chen in einem schwach geheizten Ofen oder auf einer heißen Stelle des Herdes zwei Stunden lang gelinde dämpfen, denn da keine Flüssigkeit zugesetzt wird, würde die Speise sonst leicht anbrennen. Beim Anrichten stürzt man sie auf eine erwärmte Schüssel und serviert sie möglichst heiß mit frisch »bgekochten Kartoffeln dazu. Es ist eine kräftige, sehr gute Speise und besonders bei Herren sehr beliebt. Lttterarisches. — Äircheugeschichte. Von Karl von Hase. Zwölfte Auflage. Leipzig, Breitkopf und Härtel 1899. Karl von Hases, des berühmten Jenenser Kirchenhistorikers Ausspruch: „Wir gehen einer Zeit entgegen, in der man die Kirchengeschichte zur allgemeinen höheren Bildung rechnen wird" hat seine große Berechtigung, wenn man berücksichtigt, wieviel gerade feine glänzende feinsinnige und bis dahin in chrer knappen gehaltvollen Art unübertroffene Darstellung der Kirchengeschichte dazu beigetragen hat, unter den Gebildeten überhaupt, nicht blos unter Theologen das Interesse an der Kirchengeschichte zu erhöhen. Die jetzt vorliegende neue Ausgabe — in zehn Lieferungen ä 50 Pfg. — hat für weitere Kreise den Vorzug, daß sie, losgelöst von dem Ballast der Quell- und Litteraturübersichten, ein rechtes Volksbuch für die Gebildeten sein will. Jeder, der sich in das seit vielen Jahren so sehr geschätzte Buch vertieft, wird seine Freude haben an der kraftvollen pointierten Darstellung, aufgebaut auf dem Fundamente gründlicher wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Durch den Professor der Theologie D. Krüger in Gießen, der sich um die Herausgabe von Hases Werken bereits sehr verdient gemacht hat, ist auch die Neuauflage der Kirchengcschichte besorgt worden. — Richard Leanders sämtliche Werke in io Lieferungen zu je 50 Pfg. oder in 1 Band geh. Mk. 5. Leipzig, Breitkopf u. Härtel. Es ist ein großes Verdienst der oben bezeichneten Verlagsbuchhandlung, daß sie die Schätze unserer deutschen Litteratur in der Form billiger und dabei in Druck und Papier gut ausgestatteter Volksausgaben den weitesten Kreisen zugänglich macht. Es handelt sich hierbei nicht blos um die älteren Klassiker, sondern auch die Erzeugnisse der Litteratur aus neuerer Zeit werden auf diese Weise verbreitet. Daß zu diesen auch Rich. Leanders Werke zählen, ist dankbar zu begrüßen. Seine „Träumereien an französischen Kaminen" — echt deutsche Märchen, ersonnen bei der Belagerung von Paris 70/71, ein Liebesgruß an Gattin und Kinder in der Heimat — sind bereits ganz zu Volksmärchen geworden und verdienen es auch, denn sie zeichn n sich nicht blos durch wohlthuende Kürze aus verbunden mit einer außergewöhnlichen Tiefe in der Empfindung, sondern sind auch ihrer ganzen Art nach so angelegt, daß sie ebenso Kindern vorerzählt oder vorgelesen werden können, wie sie Erwachsene fesseln und erfreuen. Wer Leanders „Träumereien" bereits kennt, wird sich freuen in dieser erstmaligen Gesamtausgabe seiner Werke auch mit seinen übrigen Erzeugnissen: Neue Geschichten, Gedichte, alte und neue Trubadourlieder bekannt zu werden. Man findet da dieselben Vorzüge, die sein erstgenanntes Werk auszeichnen. Die ganze Sammlung bildet eine wirklich wertvolle Bereicherung für jede Familienbibliothek. . — Kan-i-alenfahrlen von H. A. Köstlin. 2. Auflage, Verlag von I. C. B. Mohr, Freiburg, 1899, Mk. 1.20 geh. Es ist sehr erfreulich, daß das Jugendwerk des rühmlichst bekannten Gießener Professors für praktische Theologie neu aufgelegt worden ist, hat es doch in seiner 1. Auflage sich sehr viele Freunde erworben und dem leisen Bedenken des Herrn Verfassers, jetzt nach 25 Jahren diese „Ergüsse gärungsvoller Jugend" noch einmal in die Welt gehen zu lassen, kann man entgegenhalten, daß solch tief angelegter, nach Wahrheit und Klarheit ringender Charakter, wie er sich in dem Kandidaten Christoph Maier, der Hauptfigur des Buches, ausprägt, stets namentlich in solch gemütvoller Darstellung, — einen tiefen Eindruck bei den Lesern hinterlassen muß. Wir begleiten den jungen Theologen aus der ausklingenden Studienzeit in die einsame Stills eines schwäbischen Gebirgsdorfes zu seinem ersten amtlichen Wirken unter dem Einfluß eines würdigen, in sich geklärten Pfarrers, wir durchleben mit ihm die an Ereignissen reiche Hauslehrerzeit in der Weltstadt Paris und finden ihn schließlich wieder in seinem Heimatland an der Stätte seiner ersten Thätigkeit, wo er das Glück seines Lebens findet. In diesem Rahmen ist nun eine Fülle von edlen, ehrlichen Selbstbekenntnissen des Kandidaten bezw. Vikars enthalten, aus welchen uns die großen inneren Nöte aber auch die segensreichen Erfahrungen eines Anfängers im geistlichen Amte entgegenklingen. — Kurz ein nach den verschiedensten Seiten anziehendes und anregendes Buch. Endlich sei noch die gediegene einfache äußere Ausstattung des Büchleins erwähnt, wodurch es sich zu Geschenken recht empfiehlt. G. Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben b b b, e e e e e e e, h, i, 1 I, r r derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Griechische Gottheit. 2. Ein Tier. 3. Werkzeug. 4. Einen Baum. (Auflösung in nächster Nummer.) 1. V. 50?. aK M. V. H. B. H. b 9 M. dU 33. bZ 3W.aU b 8 a 7 b 7 a D Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel, Treff; b = Grün, Pique; c = Rot, Coeur; d = Schellen, Carrean; A — Aß; U — Unter, Bube, Wenzel; D = Dame, Ober.) 2. 3. 4. 5. H. a 9 — — 4. V. bA. H. c U = — 4. M. bD. Der Spieler tournierte a A und fand außerdem dZ im Skat, worauf er cZ und c 9 drückte. Mittelhand bekam a U, dU, aK, b K, bD, b8, cK, cD, dD, d9; die übrigen für Hinterhand. Spielgang: 1. V. a 8 " ~ H. bU — 7. Der Rest fällt numnehr dem Spieler zu. Redaktion: 8. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Uuiverfitätr-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.