1899. Donnerstag den 24. August MI /(mV6 Freundschaft ist ein Kind an Liebe und Vertrauen, Ein Jüngling an Gemüt, an Kraft und Wirksamkeit, Jfe*« Ein Greis an Weisheit und einst bei des Todes Grauen Ein Engel, der uns mild den Kelch des Trostes beut. Th. Hell. (Nachdruck verboten., Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) „Adalbert ist zu jung, nach ihm wird sie ihre Schlingen nicht auswerfen," sann sie weiter, die meisten Chancen hätte sie immer noch bei Konstantin — weiß ich doch, wie leicht er zu fangen ist! Ich hätte länger schweigen, sie in Sicherheit wiegen sollen! Ich würde dann endlich überzeugende Beweise entdeckt haben. O, ich habe mich übereilt, aber ich werde künftig besser aufpassen!" Der Eintritt des Dieners unterbrach sie- er brachte ihr auf silbernem Tablett einen soeben für sie eingetroffenen Brief. Sie streckte die Hand danach aus und fuhr zurück wie vor der Berührung einer Schlange. Nur mit großer Anstrengung bewahrte sie ihre Haltung, bis sie sich wieder allein sah. „Diese Handschrift!" murmelte sie. „Ich erkenne sie auf den ersten Blick wieder, obwohl ich sie viele Jahre nicht gesehen!" Immer noch zögernd hielt sie das Kouvert aus dickem, glattem Elfenbeinpapier in der Hand und konnte sich nicht entschließen, es zu öffnen. Endlich that sie es mit einem scharfen Ruck. Der Bogen, den sie entfaltete, enthielt nur wenige Zeilen, die sie schnell mit den Augen überflog. „Er lebt! Er ist hier!" rief sie. „In den artigsten Worten meldet er mir seine Ankunft und bittet mich, mir und dem Herrn Kommerzienrat seine Aufwartung machen zu dürfen. Mein Mann kann diesen Brief lesen, niemand könnte etwas arges dabei finden! Und doch, was steht zwischen diesen unverfänglichen Zeilen! Was ich lange begraben wähnte, erhebt sich wider mich. Ich bin in seiner Gewalt, und er wird sie ausnutzen!" Sie sank in den Sessel und brach in ein herzbrechendes Schluchzen aus. Ein Stück Vergangenheit war lebendig geworden! II. In der Friedrichstraße in Berlin, wo sie sich dem Belle-Allianceplatz zuneigt, lagen noch einige aus der ersten Bebauungszeit dieses Stadtteils stammende unscheinbar kleine Häuser, die nicht mehr recht zu der stattlich entwickelten Umgebung passen wollten. Es erregte daher allgemeine Befriedigung, als bekannt wurde, die „Baracken" wären von einem Unternehmer angekauft worden, sollten demnächst niedergerissen werden und einem Neubau Platz machen. Auch der Bankier Sommer sprach im Kreise der Seinen über diese in Aussicht stehende Veränderung seine Genug- thuung aus. Er besaß das neben den kleinen Häusern gelegene große und ansehnliche, wenn auch nicht mehr neue Eckhaus und hatte im Erdgeschoß desselben sein Geschäftslokal, während die geräumige Wohnung der Familie sich im zweiten Stockwerk befand. „Der Wert meines Hauses steigt um fünfundzwanzig Prozent, wenn daneben moderne Häuser stehen," sagte er vergnügt zu seinem Sohn und seiner Tochter, mit denen er morgens am Kaffeetische saß, „vielleicht baue ich selbst noch. Aus unserem Hause ließe sich noch viel machen." „Laß uns lieber erst abwarten, wie es dem Baumeister Schüller mit seinen neuen Prachtbauten geht," erwiderte der Sohn, ein junger Mann von sechs bis achtundzwanzig Jahren mit blondem Kraushaar, hellen blauen Augen und einem unregelmäßigen, aber offenen und intelligenten Gesichte. „Ich halte es mit dem englischen Sprichworts: „Thörichte Leute bauen Häuser, kluge Leute wohnen darin!" „O, o, es ist schon manch schönes Stück Geld beim Häuserbau verdient worden," murmelte Bankier Sommer, ein kleiner, sehr beweglicher Mann, indem er die Kaffeetasse von sich schob und nach einer Zigarre griff, die er abschnitt und in Brand setzte. Der Sohn folgte seinem Beispiel, bemerkte dabei aber kopfschüttelnd: „Und auch recht viel verloren worden." „Und unser liebes altes Haus, in dem wir geboren sind und wo unsere gute Mutter gestorben ist, das könntest Du doch nicht niederrießen lassen, Vater!" fiel die Tochter ein. Sie war um mehrere Jahre jünger als der Bruder und ein sehr hübsches Mädchen mit ihrem bernsteinfarbigen Haar, das fie auf dem Kopf gescheitelt und im Nacken in zwei dicken Zöpfen aufgesteckt trug, ihren braunen Aurikelaugen, der weißen, niedrigen Stirn, an die sich die steile Nase schloß, dem runden und doch festen Kinn und dem blühenden Munde mit den weißen kleinen Zähnen: „Mir thuen die armen 478 Leute leid, die aus ihren kleinen Wohnungen ziehen müssen. Wo werden Sie gleich wieder ein Unterkommen finden?" fügte sie hinzu. „Ohne Sorge, Aurelie, ein besieres als sie hier gehabt haben, es ist ja genug draußen gebaut worden," erwiderte der Vater. „Die Hauptsache ist, daß nebenan bald geräumt wird. Nicht wahr, der Auszug ist im vollen Gange?" Die letzten Worte waren an eine ältliche, sauber gekleidete Dienerin gerichtet, die ins Zimmer gekommen war, um das gebrauchte Kaffeegeschirr abzuräumen, und sie antwortete sogleich: „Ja wohl, Herr Sommer, die kleinen Leute ziehen alle ab, und wunderlich genug ist der Kram, der dabet zu Tage kommt. Aber e8. zieht auch einer wieder ein." „Was?" rief der Bankier, „es zieht einer ein? Da haben Sie wohl nicht recht gesehen, Sophie." „Doch, doch!" versicherte diese. „Herr Sommer brauchen ja nur aus den Fenstern zu schauen, da werden Sie es gewahren." Der Bankier that, wie ihm die alte Dienerin geheißen, zog aber bald wieder den Kopf zurück und sagte, das Fenster schließend: „Man kann aus dem unten herrschenden Wirrwarr nicht klug werden. Ich sehe aber Schüller auf der Straße stehen, da will ich doch einmal hinuntergehen und mich nach der Geschichte erkundigen." Eilfertig verließ er das Zimmer. Die Tochter schaute ihm mit. einem leichten Seufzer nach und sagte in besorgtem Ton zu ihrem Bruder: „Ernst, meinst Du, daß der Vater wirklich an einen Umbau denken könnte?" Der junge Mann zuckte die Schultern. „Wer kann das sagen? Du weißt ja selbst, wie eindrucksfähig er ist?" „Ja, ja, er interessiert sich für den Neubau nebenan in einem Grade, der in gar keinem Verhältnis zur Wichtigkeit der Sache steht," sagte Aurelie, den hübschen Kops wiegend. „Wir müssen auspassen, daß er aus der Sache nicht Ernst macht." „Je nun, meinem Schwesterchen, die bald als vornehme Dame in einer Villa im Tiergartenviertel wohnen wird, könnt's eigentlich gleich sein, was aus dem alten Hause wird," neckte der Bruder, aber Aurelie rief lebhaft: „Ach, Ernst, Du weißt doch recht gut, wie ich es meine! Der Vater darf dem Geschäft keine Mittel entziehen und sich auch nicht anderweitig Lasten aufbürden. Er hat redlich zu kämpfen, wenn er es auf seinem jetzigen Stande erhalten will." „Du hast nur zu recht!" stimmte Ernst zu, und ein Schatten flog über sein offenes Gesicht. „Ich fürchte, er ist den Anforderungen, welche die jetzige Zeit an den Bankier stellt, nicht mehr gewachsen! Die großen Banken saugen die kleineren Geschäfte auf." „Das wäre alles noch nicht schlimm- der Vater hat eine ganz gute, solide Kundschaft - wenn er sich begnügen wollte, deren Aufträge auszusühren, ginge es ganz gut. Aber er ist so unruhig- der Erfolg, den die großen Geschäfte haben, läßt ihn nicht schlafen." „Ja, wer mit Millionen arbeitet, wie Helldorfs!" fiel Ernst ein. „Und doch sind sie weit vorsichtiger als der Vater. Hans deutet mir das manchmal an." Eine höhere Röte in dem lieblichen Gesicht verriet, was dieser Hans dem jungen Mädchen war, und in der That war sie seit kurzem mit Johannes Helldorf heimlich versprochen. Ihr Bruder achtete nicht auf ihre Bewegung, sondern fuhr, seinem eigenen Gedankengange folgend, fort: „Ich bereue es jetzt doch zuweilen, daß ich nach dem Tode des armen Otto nicht vom Studium abgegangen und in des Vaters Geschäft getreten bin." „Nicht doch!" rief sie lebhaft. „Du liebst Deinen Beruf." „Es würde mir recht schwer geworden sein, ihm zu ent- agen," gab er zu, „es wäre aber vielleicht für uns alle wsser gewesen. Sie lächelte wehmütig. „Ach nein, der Vater hätte ich von Dir so wenig dreinreden lassen, wie von Bruder Otto, wenn er am Leben geblieben wäre- eö hätte nur endlose Zwistigkeiten gegeben und ist viel besser so wie es ist. Ein großes Stück Geld, daß ihm imponiert hätte, würdest Du durch Deine Heirat auch nicht ins Geschäft gebracht haben, fügte sie jetzt, ihrerseits zur Neckerei übergehend, hinzu: Ernst Sommers ehrliche Augen leuchteten auf. „Sie bringt mir in ihrer Person mehr mit als Millionen!" rief er, dann war es aber, als ob eine harte Hand den Sonnenglanz aus seinem Gesicht wegwische, und mit ganz verändertem Ton sagte er: „Jahre wird es freilich noch dauern, bevor ich meiner Felicitas auch nur das bescheidenste Heim bereiten kann, und während besten muß sie harte Dienstbarkeit ertragen." „Willst Du nicht lieber von Frohnarbeit reden?" lachte die Schwester. „Ich leugne es nicht, Felicitas ist bei der Kommerzienrätin Helldorf nicht auf Rosen gebettet, aber eine Persönlichkeit, wie sie, weiß stets ihre Stellung zu behaupten." „Ich wünschte doch, sie gäbe sie auf," sagte Ernst nachdenklich. „Du solltest ihr das nicht zumuten," erwiderte die Schwester. „Sie ist für die kleine Hermine von großem Segen, hat an dem Kommerzienrat und seinen Söhnen kräftige Stützen und — „Bezieht ein Gehalt, wie sie es kaum in einem fürstlichen Hause bekommen würde!" unterbrach sie Ernst mit Bitterkeit, „und das fällt schwer ins Gewicht." „Gewiß, da sie doch für ihren Bruder August sorgen muß. Du kannst ihr das nicht verargen. Der arme Bursch hat ja niemand als sie." „Nein, nein, das thue ich auch nicht- er schränkt sich ja nach Möglichkeit ein und verbraucht sicher nicht den zehnten Teil von dem, was Adalbert von Helldorf ausgiebt. Aber es schmerzt mich so sehr, daß Felicitas sich dafür abquält und ich ihr keine Erleichterung verschaffen kann!" entgegnet Ernst mit gepreßter Stimme. „Sie würde das gar nicht von Dir annehmen, und ich kann das nur billigen," versetzte die Schwester. Ernst wollte etwas darauf erwidern, aber das Schlagen einer Uhr schnitt ihm gleichsam das Wort vom Munde ab. „Schon zehn Uhr! Die höchste Zeit, daß ich ins Geschirr gehe! Ein wahres Glück, daß ich es nicht weit habe!" Sich von der Schwester verabschiedend, verließ er das Zimmer und bald darauf das Haus, um sich nach dem in der nahegelegenen Lindenstraße befindlichen Kammergericht zu begeben, wo er als unbesoldeter Assessor arbeitete. Unterdessen war Bankier Sommer mit dem auf dem Trottoir vor seinen Häuser stehenden Baumeister Schöller in einer lebhaften Unterhaltung begriffen. Die Angaben der alten Sophie hatten sich als wahr erwiesen. Während alle anderen Mieter die Häuser räumten oder bereits geräumt hatten, zog in die dicht neben dem Hause des Bankiers be- legenen Parterreräumlichketten, in denen bisher ein Viktualien- geschäft betrieben worden war, ein neuer Mieter ein. „Was wollen Sie?" fragte der Baumeister, als Sommer ihn zur Rede stellte. „Ich brauche ein heilloses Geld und kann mir keinen Vorteil entgehen lasten, und der Mann hat mir einen recht anständigen Mietszins geboten." „Aber was will er denn in dem Hause? Sie reißen ihm ja demnächst das Dach über dem Kopf weg?" fragte Sommer. „Doch nicht. Ich fange mit dem Abbruch an der anderen Seite an- das Haus neben dem Ihrigen bleibt bis zuletzt stehe», es kann September werden, ehe es daran kommt." „Aber was will er denn in der kurzen Zeit in der 479 — schrecklich eingewohnten Wohnung vornehmen?" fragte I enthielt. Der Wärter drängte diese zurück und war bemüht, Sommer. fte ruhig zu erhalten. Da aber streifte em Pedal, eines der Was anders als einen sogenannten Ausverkauf aus I wütenden Tiere, das sofort aufsprang und mit seiner mächtigen einem' verkrachten oder aufgelösten Geschäft," entgegnete Pranke die Felgen aus einem Rade riß. Aber das durchdringende Schöller, „was kümmert es mich? Doch da kommt er so- Auge des Tierbändigers und die wuchtigen Schlage femer eben daher, Sie können es von ihm selbst erfahren." I Peitsche bezwangen das Tier, so daß der tollkühne Radler Ec winkte mit der Hand, und sogleich näherte sich »och rechtzeitig die Thür zu erreichen vermochte ihnen ein mittelgroßer Mann, dessen übrigens ganz gute ! Einer der kühnsten Radfahrer der Welt ist der einbeinige Kleidung nach Schnitt und Stoff ihre Herkunft aus der I Amerikaner Kilpatrik, von dem man sich manche tollen, fast Werkstatt eines Schneiders in einer Provinzialstadt verriet. I unglaublichen Streiche erzählt. Eines Tages radelte er die Auch das Wesen des Mannes zeugte von einer solchen Her- I hohen Kapitolstufen zu Washington hmab, daß alle, die es kunft. Nachdem der Baumeister ihn mit Sommer bekannt I sahen, ein Schauder ergriff, «pater suchte ihm ein anderer gemacht, begrüßte er den Bankier wie einen guten Nachbar j dieses tollkühne Spiel nachzumachen, aber da stürzten Maschine und erkundigte sich sogleich nach allem. Nach den Kursen, und Radler die steilen stufen hmab- glücklicherweise kam nach dem Gange des Geschäftes, kurz nach Dingen, nach I der Radler mit einem blauen Auge davon. welchen man sonst nicht gefragt. Es lag etwas so Zutrau- I Ein gewisser Loms C. Wahls hatte die verrückte Idee, liches, Freundliches in seinem Wesen, daß es Sommer nicht ! sich auf dem Gipfel des Pike s Peak photographieren zu Äber sich gewann, ihn mit Kälte zu behandeln, zumal er I lassen. Die zerklüfteten Abhänge, auf denen weder Baum nun auch mit der größten Offenheit und Mitteilungslust noch Strauch wuchs, erklomm er, das Rad auf den Rucken erzählte, daß er leider sein Geschäft nicht eröffnen könne, I geschnallt, aber ein andermal brachte er es fertig, die stelle da seine Waren noch nicht angekommen wären und auch I Eisenbahnlinie, welche vom Gipfel des Pike s Peak bis zu -kaum vor der nächsten Woche zu erwarten seien. | dessen Fuße abwärts führt, hinab zu radeln. ’ „Aber warum ziehen Sie denn in ein Haus, das auf Ein Fahrrad hat gewiß in einer Stierkampf-Arena nichts Abbruch steht?" fragte nun seinerseits der Bankier. suchen- aber ManuelGaroin, e n berühmter mex kan scher ' . ° ~ . r}. ,, I Verfechter, fuhr thatsachlich auf seinem Rade in die Arena Der Fremde, der sich «chäfer nannte, lächelte mit | , tnirbpn Meier den Kamvi tu beginnen, riner Pfisfigkeit, die seinem Gesichte nun erst den Stempel I ' . , . ei,te ^^r- es bohrte seine der Einfalt verlieh und erwiderte, sich die Hande reibend: I { die Speichen und schleudert/ Rad und Radler „Ha, ha, bis dahin hab' ich rein ausverkauft. Ich V weiß, wie man d-eSache ^Lusangen hat. Ger ad em ein @in ebenso sensationelles Schauspiel bot ein gewisser Haus, das auf Abbruch steht, >etze ich mich, da meinen die I ^inem Publikum; er radelte über eine 180 Fuß Seute, ich hab s eilig und muß um reden Preis lossthlagen. ( aber nur ^hn Zoll breite schwingende Bohlenbrücke, In Posen und in Bromberg hab ich s ebenso gemacht. I . —nUY bon zwei Drahtseilen gehalten — den Hoosac- "3n ^iedocheinetwas schwierigeres (Nord-Amerika) überspannt. Ein einziger Draht bildete Publikum finden, bemerkte der Baumeiste.. I Geländer. Als nun Round diese gefährliche Brücke Schäfer lachte. Ach, das ist ja ganz gleich, ob hier, | pa^ext h^te, wendete er um und machte kaltblütig den Weg ob dort, die Leute kommen schon, wenn man nur den Rummel über ben fdbma[en Pf„d zurück, während ein Photograph ein versteht!" Momentbild herstellte. Unter dem tollkühnen Radler gähnte Sommer und der Baumeister schauten sich an; sie I M Abgrund von mehreren hundert Fuß Tiefe, aber er erteilten die Zuversicht des biederen Pronvinztalen keineswegs, I reichte glücklich das steil abfallende Felsenufer, der letztere fuhr unbekümmert fort: | An einem Feiertage fand in Luton in England ein „Ich werde mir sogar, Ihre Erlaubnis, Herr Schöller, I Athletenfest statt, zu welchem ein zahlreiches Publikum er- vorausgesetzt, noch einen Schrank in die Mauer der Wand toar- Man hatte angekündigt, daß ein Professor einlassen müssen. Die Räumlichkeiten des Ladens sind doch I sga[bro{n „au§ den Wolken" auf dem Zweirade herabsteigen gar zu beschränkt." toürbe. Baldwin stieg in einem Ballon bis zu einer Höhe (Fortsetzung folgt.) I tioa viertausend Fuß empor und machte mit Hilfe eines Fall- I schirmes den Abstieg, fest auf seinem Bichcle sitzend. Aber es ereignete sich ein bedenklicher Zwischenfall. Eines der Tollküüne Radsllürer. ©eile des Fallschirmes hatte sich mit der Lenkstange seines v lNa-bdruck verboten 1 Fahrrades verwickelt und konnte nicht eher freigemacht werden, T„ , „ ,-----; (Nachdruck oerbolln.) Zugseil des Ballons gelöst war- und llä. Vor einiger Zeit wußte die »m«t£anW geffe ’ bies geschehen, konnte sich auch der Fallschirm nicht von einem Radfahrer zu berichten, der eine englische Meile Baldwin stürzte nun etwa fünfzig Fuß tief wie ein weit hinter einer Lokomotive herfuhr, und zwar in der außer- berflb be^'eIt „ber doch seine Geistesgegenwart, riß ordentlich geringen Zeit von 65 Sekunden. Das war eme jm ba§ ^il los, so daß sich der Fallschirm plötzlich große Lerstung und auch kein ungefährliches WagMck, aber « ufib m(t Sicherheit den Abstieg bewirken konnte, das Beispiel steht nicht für sich allein da, und Tit-Bits weiß 'e§ aicht gelungen, das Seil zu lösen, so hätte von einer großen Zahl tollkühner Radfahrer zu berichten, | Stadt Luton an diesem Tage eine schreckliche Tragödie welche jenen Amerikaner noch weit Überboten haben. Unter Chronik verzeichnen können. anderem bot noch in den Zeiten des Hochrades ein Kunst- I 9 9 sahrer, namens Maltby, den erstaunten Bewohnern von I Aberdeen ein merkwürdiges Schauspiel. An einem Sonntag- I morgen sahen sie plötzlich einen Radfahrer auf der ganz I MN slyrelMlykS ^kkkgrNMM. ) schmalen Hafenmauer entlang fahren, von einem Ende zum I ------ (Nachdruck verboten.) anderen. Bei dem geringsten Versehen wäre er 40 Fuß tief I Der Kaufmann stieß einen Schrei aus und sank in seinen in das strömende Wasser gestürzt. Er hatte das Wagstück I Stuhl zurück. Ein Telegramm fiel aus seiner bebenden infolge einer Wette unternommen, und er gewann sie. | Hand. Seine Augen standen weit offen, sein Gesicht war Aber noch wett tollkühner war eine Fahrt des Mr. Stanley I kreidebleich und dicke Schweißtropfen standen auf seiner Stirn. Hart, eines Radfahrlehrers in der Riviera, zu welcher dieser I Die Leute im Kontor flüsterten miteinander, gleichfalls durch eine Wette veranlaßt wurde. Er fuhr mit I ------------ seinem Rade durch einen Käfig, der zwei äußerst wilde Löwen I * Nach Tit-Bits. 480 — „Ein Herzleiden?" fragte der eine. „Nein, der Alte wird wohl Zahlungsschwierigkeiten haben", sagte ein anderer. „Ich habe so etwas gehört. Wir werden uns nach einer anderen Stelle umsehen müssen". — „An die Arbeit! Er kommt wieder zu sich". Der Kaufmann trocknete sich die Stirn, seufzte ver- zwtzifelt, nahm das Papier von der Erde auf, stampfte mit dem Fuße auf, als ob er dadurch, alle seine Entschlossenheit sammeln wollte, legte das Telegramm auf den Schreibtisch und zwang sich, die bittere Botschaft noch einmal zu lesen. Sie lautete: „Liebster James! — Bitte, schicke mir sofort die Taille zu meinem Grosgrain-Anzug. Du wirst schon wissen, welche ich meine/ sie hat vorn Aufschläge, und auf dem Rücken ein Muster in Kettenstich. Sie liegt in dem unteren Koffer in dem Schrank neben dem Hinterzimmer, unter Deinem Winterüberzieher. Ist sie da nicht, so muß sie in der versiegelten Schachtel auf dem dritten Brett des Schrankes im Vorderzimmer sein. Solltest Du sie da auch nicht finden, so ist sie anderswo. Die Kofferschlüssel liegen in der zweiten Garderoben- schieblade, wenn sie nicht im Toilettentisch liegen/ vielleicht liegen sie auch in einer Vase auf einem Kamin. Packe die Taille so ein, daß sie sich nicht drückt. Oh! James, bitte, sei nicht böse. Deine Dich liebende Frau". Gemeinnütziges, Krystall-Porzellankitt. Man erhält diesen praktisch sehr gut bewährten Kitt, indem man in kleine Teile zerschnittene wasserhelle Gelatine mit ein wenig Essigsäure überschüttet, und beides in einem Porzellanschälchen solange schwach erwärmt bis das ganze eine dickflüssige, gleichmäßige, beim Erkalten wieder fest werdende klare Masse bildet. Beim Gebrauche hat man nur nötig, die Bruchflächen eines Gegenstandes mit dem wiederum schwach erwärmten, resp. flüssig gemachten Kitt mittels eines kleinen feinen Pinsels zu bestreichen, dann fest an einander zu drücken und zirka zwölf bis 14 Stunden ruhig liegen zu lassen. Lötwaffer, welches reinen Rost verursacht, wird auf folgende Weise hergestellt: Man wirft kleine Stücke Zink in Salzsäure und läßt sie darin sich auflösen, bis die Salzsäure gesättigt ist, was man daran sieht, daß die Säure nicht mehr aufbraust und kein Zink weiter gelöst wird. Dann setzt man ungefähr ‘/a der Lösung Salmiak hinzu, wodurch alle freie Säure neutralisiert wird und verdünnt zuletzt mit der gleichen Menge Regenwasser die Lösung auf das Doppelte. Dieses Lötwasser soll keinen Rost an Eisen und Stahl Hervorrufen und für alles Löten sowohl als auch für Verzinnung gute Dienste leisten. Schwarzlakiertes Leder glänzend zu machen. Fünf Teile Stearin werden in sieben Teile Terpentinöl warm gelöst und drei Teile Kienruß eingerührt. Man nimmt etwas von dieser Salbe auf ein Läppchen und reibt das lakierte Leder damit ein, dann poliert man mit einem reinen weißen Läppchen nach. Um Fensterscheiben zn reinige«, werden dieselben mit scharfem Essig eingerieben, mit Wasser abgespült und mit Lederlappen trocken gerieben. Kefimdtzeitspffege. Heilmittel. Brennnessel gedörrt und zu Thee verwertet, löst die Verschleimungen in Brust und Lunge und reinigt den Magen von abgelagerten.Stoffen. Kräftiger als die Blätter wirken die Brennnesselwurzeln. Eine beginnende Wassersucht kann durch Thee von diesen Wurzeln beseitigt werden. Wer unreines Blut hat, sollte zur Sommerszeit recht oft Brennnesseln, wie Spinat gekocht, essen. Breithinger Salbe. Eine ausgezeichnet wirkende Salbe für Wunden aller Art erhält man auf folgende Weise: Man schmelze in einem irdenen Tiegel 200 Gramm gelbeK Bienenwachs und setze der flüssig gewordenen Masse unter Umrühren allmählich dasselbe Quantum Hirschunschlitt bei, bis beide Stoffe innig miteinander vermischt sind. Nun gebe man auf die gleiche Art 200 Gramm Tannen- oder Fichtenpech bet und setze darnach noch 200 Gramm Butter unter beständigem Umrühren zu. Die so erhaltene Salbe läßt man erkalten und bewahrt sie sorgfältig gegen Staub rc. geschützt auf. Alle eiterigen Wunden, Geschwüre auch Schnittwunden und dergleichen können mit dieser Salbe behandelt werden, und der Erfolg ist ein geradezu überraschender. Mädchen, die in der beginnenden Reifezeit stehen, bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit in der Behandlung. Man verschaffe Arbeit und Ruhe in genügender Abwechselung. Körperliche Beschäftigung in Haus, Küche und Garten ist entschieden jeder abspannenden Handarbeit vorzuziehen. Die fitzende Beschäftigung ist meist die Schuld an späteren Krankheiten, die sich nur mehr schwer oder gar nicht bekämpfen lassen. Nicht zum mindesten ist aber das Tragen eines Korsetts in der Entwicklungszeit das Hauptübel aller Krankheiten der Brust- und Unterleibsorgane und es wird geradezu zum Verhängnis, wenn eine fitzende Lebensweise nicht zu umgehen ist. Bleichsucht, Blutarmut, Kongestionen, verschiedener Art und wie alle die bekannten Uebel heißen, find oft die Folge einer vernunftwidrigen Lebensweise. Die nächtliche Belenchtnng von Krankenzimmern erfolge nie mittels Petroleumlampen, denn wird der Docht heruntergeschraubt, so entwickelt er leicht schädliche Gase. Zur Beleuchtung genügt jede beliebige Kerze. Um dieselbe mit schwacher gleichmäßiger Flamme die ganze Nacht über brennen zu lassen, braucht man nur soviel fein gepulvertes Kochsalz um den Docht herum anzuhäufeln, daß es bis an den schwarzen Teil des Dochtes reicht. Das Licht brennt dadurch auch nur ganz langsam ab, sodaß ein kleines Stück Kerze die Nacht über ausreicht. Der Sängling soll nie bei der Mutter schlafen, da er durch Einatmung fremder Ausdünstungen sich schwere Erkrankungen und nicht selten den Tod zuzieht. Der gesunde Schlaf des Säuglings erfordert Alleinschlafen, reine Zimmerluft und zweckmäßige Bettung. Letztere besteht am besten aus einem mit Wolldecke und Betttuch bedeckten, nicht zu weichlichem Unterbette zum zudecken. Die Bettwäsche muß oft gewaschen werden. Kühlgetränk ans Honig. Ein liebliches, kühlendes, belebendes und stark moussierendes Getränk bereitet man, wenn man auf einen Wassereimer voll Waffer 1 bis 1 */2 Pfund Honig nimmt, beides miteinander erhitzt, darauf in offenem Eimer angähren läßt, was man durch Zusatz von etwas Bierhefe schnell erreicht, und nach eingetretener Gährung, gleich am ersten Tage die Masse auf Brunnenkrüge oder starke Mineralwasserflaschen faßt, die Flaschen gut verkorkt und verbindet und dann in einen kühlen Keller einstellt. Nach acht Tagen ist es trinkbar und wird von vielen allen anderen Getränken vorgezogen. Mlumenpsiege. Palmenkrankheilen. Eine ernste, unter Umständen sehr verhängnisvolle Erkrankung der Palme ist es, wenn ein in der Bildung befindliches Blättchen nicht vorwärts kommt, an der Spitze eintrocknet oder gar faulen will. Die Heilung kann alsdann nur in einem wohl temperierten Zimmer dadurch erfolgen, daß man durch Aufgießen von warmem Wasser oder Ausstellen des Topfes auf erwärmte Backsteine die Topferde erwärmt. Die Krankheit hat ihre Ursache in unrationeller Behandlung und hauptsächlich ungünstigen Temperaturverhältnissen. Eine andere Krankheit, das Gelbwerden der ausgewachsenen Blätter, entsteht aus gleichen Ursachen, hat aber auf das Fortkommen der Pflanze keine wesentliche Einwirkung. Redaktion: (S. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitätl-Buch» und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Aießm.