1899. ZWW 8 |illlllLÄSL> ÄUÄ^ G Ein versöhnend Licht. Rückert. ernt an heitern Farben deine Tage darben, O, so zweifle nicht; Unverseh'ns dazwischen wird sich tröstend mischen sNachdrnck verboten.] Die Sünden der Väter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) XIII. Der Rechtsanwalt Ziel und seine ■ Frau waren den ganzen Sommer über in der Stadt geblieben. Else war damit nicht recht einverstanden, allein der Arzt hatte ihr aus Gründen, die ihren Mann mit der höchsten Freude erfüllten, das Reisen untersagt) und eine Sommerwohnung wollte Ziel nicht mieten. Die Geschäfte erheischten seine Anwesenheit in der Stadt, und er wünschte sich möglichst wenig von seiner jungen Frau zu trennen. Else langweilte sich ein wenig. Ihre Bekannten waren fast sämtlich ausgeflogen, die Straßen waren leer und verödet. Mißmutig kehrte sie eines Tages von ihrem gewohnten Spaziergänge heim. Sie war zur belebtesten Zeit auf den belebtesten Straßen gewesen und hatte nichts und niemand gesehen! Langsam stieg sie die Treppe hinauf und ärgerte sich über die widerliche aus Küchen-, Hof- und Hinterhausdünsten gemischte Atmosphäre. Plötzlich drang, diese über- übertäubend, ein starker, süßer Duft zu ihr herab. Sie blickte auf. Vor ihr, durch eine Wendung der Treppe bisher verdeckt, gewahrte sie die Trägerin des intensiven Parfüms: eine, wie es ihr auf den ersten Blick erschien, elegante Dame. Ein Kleid von schwarzer Seide schleppte hinter ihr her. Beim nächsten Treppenabsatz blieb die Frau stehen, um Atem zu schöpfen. Das Steigen strengte sie offenbar an, denn sie hüstelte trocken, und ihr Busen hob und senkte sich schnell unter dem schwarzen Spitzengewebe, das sie etwas phantastisch um die Schultern geschlungen hatte. Else hemmte ein wenig den Schritt, um sie nicht zu überholen und um das Bild der Fremden in sich aufzunehmen. Diese hatte entschieden etwas Auffallendes an sich, obgleich sie weder jung noch schön war. Früher mochte sie wohl anziehend gewesen sein. Das abgezehrte Gesicht mit stark hervortretenden Backenkochen, einer feinen Nase und einem kleinen, Munde war geschickt geschminkt,- das wellige Haar, das in vielen Löckchen tief in die Stirn herabfiel, war leicht gepudert. Ein weißer Schleier hob den zarten Ton der Haut. In der Hand hielt die Frau einen Strauß großer, ausgesucht schöner Theerofen. Im zweiten Stocke angekommen klingelte sie und wollte ohne weiteres in Elses Boudoir eintreten, das früher als Privatwartezimmer benutzt worden war. „Bitte, links!" bedeutete sie der Schreiber, der die Thür geöffnet hatte. „Es ist wohl eine Aenderung vorgenommen worden?" fragte sie. Ihre Stimme klang hoch und dünn, und ihre Aussprache war geziert. „Ja. Seitdem der Herr Rechtsanwalt verheiratet ist." Die Thatsache selbst schien sie nicht zu überraschen. Nachdem sich die Thür hinter der Fremden geschlossen hatte, schlüpfte Else in ihr Boudoir und von da in das Eßzimmer, das an die Stube ihres Mannes grenzte. Sie hatte sich nicht einmal Zeit genommen, ihren Hut abzulegen, denn sie brannte vor Neugier, zu erfahren, wer die interessante Fremde sei, und was sie von ihrem Manne wolle. Sie verhielt sich mäuschenstill, um kein Wort zu verlieren. Eben sprach die Frau. Es dauerte ziemlich lange, was sie da vorbrachte. Leider dämpften die schweren Portieren beiderseits den Schall sehr erheblich, und der gleichmäßige Tonfall der dünnen Stimme machte die Rede für die Lauscherin völlig unverständlich. „Nein!" antwortete darauf Konrad laut und sehr bestimmt. „Nicht einen Pfennig mehr! Wenn Sie damit nicht zufrieden sind —" „Ich bin zufrieden — oh, ich bin zufrieden,- wenn nur er —" „Sie wissen," unterbrach sie Ziel schnell, „daß ich rechtlich zu nichts verpflichtet bin, weder ich, noch irgend ein anderer, und daß ich das Geld für den Jungen freiwillig gebe, einzig und allein unter der Bedingung, daß Sie reinen Mund halten. Mit Drohungen ist also gar nichts gethan. Sollte irgend ein Mensch, und wär' es der Junge selber, nur das Geringste erfahren, so bekommen Sie keinen Pfennig mehr/ dafür garantiere ich Ihnen. Also, Sie wissen, woran Sie sich zu halten haben. Der Junge hat mich schon genug Geld gekostet." Else lauschte mit verhaltenem Atem. Und doch konnte sie das, was die Frau halblaut, wiederholt von Hüsteln unterbrochen, jetzt erwiderte, nur zum Teil verstehen. 414 — „wie er mich mißhandelt und schlägt, weil ich ihm den Namen nicht verraten will —* hörte sie jetzt — und: »Wenn Sie mir wirklich, wie Sie gedroht haben, die Unterstützung entziehen, dann stehe ich für nichts, dann kann ich nicht mehr schweigen —" „Warum haben Sie den rohen Patron geheiratet?" rief jetzt Ziel sehr ärgerlich. „Ach Gott, ich wurde ihn ja nicht mehr los!" Es wurde wieder undeutlich, und zuletzt: „Also, ich darf zur gewohnten Zeit wieder kommen?" „Meinetwegen!" antwortete Ziel unwillig. „Aber nicht früher." „Sie haben sich inzwischen auch vermählt?" begann die Frau von neuem mit veränderter, flötender Stimme. „Darf ich mir erlauben zu gratulieren?" „Danke, danke," klang es kurz angebunden zurück. Ziel mochte dabei wohl eine entlassende Handbewegung gemacht haben, denn gleich darauf schloß sich die Thür hinter der Besucherin, nnd Else schlich sich auf den Zehen in ihr Boudoir zurück mit dem festen Entschlüsse, ihren Mann so bald wie möglich zur Rede zu stellen. „Wo hast Du denn die schönen Rosen her?" begann sie ganz harmlos, indem sie auf den Strauß Theerofen deutete, den die Frau in der Hand gehalten hatte, und der jetzt Ziels Schreibtisch schmückte. „Geschenkt bekommen," lautete die kurze Antwort. Ziel war bei der Arbeit, und Elses Besuch kam ihm offenbar ungelegen. Sie aber achtete nicht darauf. „Von?" fragte sie weiter. „Von einer Klientin." „Wohl von der langen Frau, die ich vorhin auf dem Vorsaale traf?" „Möglich, daß Du sie getroffen hast." „Wie hieß sie denn?" „Ach Kind!" rief er etwas ungeduldig, „wie kann Dich das interessieren, und Du stehst doch, daß ich beschäftigt bin." „Es interessiert mich aber sehr." „Also: „Frau Schmidt." „Frau Schmidt?" wiederholte Else halb ungläubig, halb enttäuscht. „Und warum brachte sie Dir die Blumen?" „Aus Dankbarkeit, denk' ich. Ich habe sie unterstützt und — sie hat nämlich einen Blumenladen." „Einen Blumenladen. So." Else schwieg einen Augenblick nachdenklich still,- dann, während ihre Hände mit den Blumen spielten: „Weshalb unterstützest Du sie denn?" forschte sie weiter. Er lachte. „Vermutlich, weil sie dessen bedürftig ist." „Sie sah doch gar nicht danach aus," meinte Else beharrlich. „Das kann man den Leuten nicht immer ansehen," entgegnete Konrad und wollte sich seiner Arbeit wieder zuwenden. Aber Else war entschlossen, sich nicht so kurzer Hand abfertigen zu lassen. Sie stellte sich gerade vor ihren Mann hin und fragte plötzlich ganz unvermittelt: „Worüber soll die Frau reinen Mund halten?" Konrad verfärbte sich, und Else bemerkte, daß seine Hand, die auf dem Schreibtische lag, zuckte. „Du hast gehorcht!" rief er empört. Sie schaute ihm trotzig ins Gesicht. „Was kann ich dafür, wenn Ihr so laut sprecht, daß man es draußen hört. Wenn Du ein reines Gewissen hättest, würdest Du nicht so böse und so — erschrocken sein, weil ich zufällig einige Brocken von einer allerdings sehr sonderbaren Unterhaltung gehört habe, die Du mit einer sehr sonderbar aussehenden Frau geführt hast." Er atmete schwer. Mit gerunzelter Stirn starrte er in das hübsche Kindergeflcht, das bet diesen inquisitorischen Worten einen scharfen und spitzen Ausdruck angenommen hatte. „Es scheint, ich habe einen sehr wunden Punkt berührt" meinte Else spöttisch. „Ja, das hast Du!" bestätigte er mit mühsam verhaltenem Zorn. «Aber mehr noch als das kränkt mich Dein Mißtrauen, Dein unwürdiges Spionieren, Deine kindische Neugier!" „Kindisch!" wiederholt die junge Frau. «Wo es sich um die Ehre des Hauses handelt!" „Die Ehre unseres Hauses ist bei mir gut aufgehoben," sprach Ziel ernst. »Ich will aber wissen," fing Else beharrlich von neuem an, „was das für ein Name ist, den die sogenannte Frau Schmidt nicht verraten darf —" Konrad zuckte zusammen. „Und welche Bewandtnis es hat mit dem Jungen, der Dich soviel Geld kostet." Else bemerkte sein Erschrecken und war immer zuversichtlicher. „Du stehst, ich weiß viel, und ich will alles wissen." Er blickte zu Boden und überlegte, ob er ihr Wahrheit geben solle. Sie selbst, mit ihrer Sucht nach pikanten Neuigkeiten, würde vielleicht nicht allzutief verletzt werden, aber sie würde nicht schweigen, davon war er überzeugt/ zudem schien es ihm unwürdig, sich auf solche Weise ein Geständnis abringen zu lassen. Er beugte sich sanft zu ihr herab. „Sei vernünftig, mein Elschen! Ich habe Dich so lieb und würde Dich nie durch irgend eine meiner Handlungen kränken oder beleidigen. Das mußt Du mir glauben. Und nun nichts mehr darüber." Er faßte sie an dem rosigen Kinn und hob ihr Gesicht in die Höhe, um sie zu küssen. Aber diese zärtliche Bewegung und seine sanften Worte übten eine unerwartete Wirkung auf die junge Frau aus. Sie wandte rasch den Kopf von ihm ab und brach in Thränen aus. In ihrer Erregung hatte sowohl Konrad wie Else überhört, daß schon zweimal an die Thür geklopft worden war. Diese ward geöffnet, und ganz unvermittelt standen Frau Andree und Martha im Zimmer. Einen Augenblick herrschte peinliches Schweigen. Frau Andree sah von ihrer Tochter zu ihrem Schwiegersohn. Beide blieben stumm. „Was ist Dir, Elschen? Fehlt ihr etwas?" fragte sie endlich. „Es ist nichts," antwortete Ziel ablenkend. «Eine kleine Meinungsverschiedenheit, die noch nicht ausgeglichen ist." „Macht das untereinander ab, und wir kommen einmal zu günstigerer Stunde wieder," meinte Frau Andree und wandte sich zum Gehen. Aber Else hielt sie zurück. „Nein, nein, Mama!" rief sie hastig. „Bleibt da. Es ist gut, daß Du gekommen bist, und Du auch, Martha. Ihr sollt selbst urteilen. Er behandelt mich wie ein Schulmädchen. Er empfängt Besuche, von denen ich nichts wissen soll/ bespricht Dinge, über die er mir jede Auskunft verweigert —" Ziel fiel ihr ins Wort. „Else hat während meiner Sprechstunde an der Thür gelauscht und mich nachher über fremde Geheimnisse zur Rede gestellt." Er hatte ganz ruhig gesprochen, aber mit großer Strenge im Ton. „Glaub' ihm nicht, Mama!" unterbrach ihn Else heftig. „Es handelt sich nicht um fremde Geheimnisse. Das, was da verhandelt wurde, ging ihn an, ihn allein. Die Frau erhält Geld von ihm unter der Bedingung, daß sie stillschweigt, daß sie einen Namen nicht verrät. Ist das wahr oder nicht?" „Es ist wahr." „Stehst Du! Und warum geschieht das? Warum soll ich denn nichts wissen? Ohne Zweifel sind diese Beziehungen in früheren Jahren angebahnt worden und gehen mich nichts an. Was vor meiner Zeit war, kümmert mich nicht. Das hab' ich gleich gesagt — Ihr entsinnt Euch? — Und danach handle ich auch. Gewiß! Aber nach der Verheiratung 415 — — Strich drunter. Nicht wahr,DMama, das kann ich verlangen?" Dieser direkten Frage konnte Frau Andree nicht ausweichen. (Fortsetzung folgt.) Geinernnntziges. Jeld und Karten. In diesem Monat macht sich der Maulwurf im Garten mehr als je bemerkbar. Er ist ein gegen schlechten Geruch empfindlicher Geselle. Geeignete Stoffe zu seiner Vertreibung find z. B. Hertngsköpfe und Heringslake, tote Fische und Krebse, Aas jeder Art, faul gewordenes Sauerkraut und die saure, auf demselben entstandene Flüssigkeit, das Wasser von abgewaschenem alten Käse, gewöhnlicher Theer und noch mehr Steinkohlentheer, ganz besonders aber Steinöl, sehr starkriechende Kräuter, wie Baldrian rc., ja sogar die abgeschabte Rinde von Beerenhollunder. Alles dies vertreibt ihn. Man braucht also bei Samen oder Pflanzenbeeten, um ihn abzuhalten, ringsum nur einiges von dergleichen Stoffen hin und wieder in den Boden zu gießen oder zu vergraben und mit Erde zu bedecken. Dann wird er monatelang fern davon bleiben. Wenn man findet, daß Sellerieknollen im Innern schwarzfleckig werden, so ist das ein Zeichen, daß der Boden zu fett gedüngt ist. Man gebe dann der Erde Kalk zu und der Uebelstand wird in Zukunft vermieden werden. In diesem Jahre haben überall die Erdbeeren gefault, stellenweise ist die ganze oder ein großer Teil der Ernte verloren gegangen. In der neuesten Nummer des „praktischen Ratgebers" bespricht Professor Dr. Paul Sorauer den Grund dieser Erdbeerfäule. Er findet ihn in einem Pilze Botrytis, dessen Keime in der Nässe dieses Frühjahrs einen besonders günstigen Boden zu ihrer Entwicklung und schnellen Verbreitung gefunden haben. Wir raten allen Erdbeerzüchtern, sich den intereffanten Aufsatz im Interesse ihrer Kulturen kommen zu lassen, er wird auf Wunsch umsonst zugeschickt von dem Geschäftsamt des „praktischen Ratgebers" in Frankfurt a. d. Oder. Ein guten Baumkitt bereitet man sich aus zwei Teilen Thon, zwei Teilen strohfreiem Rinderdünger und einem Teil Holzasche (oder abgelöschtem Kalk). Man braucht ihn zum Bedecken der Wunden, die beim Wegnehmen größerer Aefte an Obstbäumen, durch das Ausschneiden von Brand rc., entstehen. Für kleinere Arbeiten wende man bequemerer Weise das vorrätige kaltflüssige Baumwuchs an. — Will man sich dies nicht kaufen, sondern auch selbst machen, so ist folgendes das beste Rezept: Man schmelze 1 Kilo Fichtenharz vollständig, nehme es vom Feuer, laffe es etwas abkühlen und setze dann 200 Gramm Weingeist und einen Theelöffel Schweinefett zu, welches man gut verrührt. Als Aufbewahrungsort bediene man sich festschließender Blechbüchsen. Mit der Zeit wird dies Baumwachs auch etwas härter, aber man kann durch Erwärmen und Zusatz von etwas Weingeist dem Uebelstand leicht abhelfen. KesundheiLspffege. De« gesundheitliche Wert -es Singens. Man war bisher gewohnt, das Singen als eine physiologische Leistung anzusehen, die zwar, wie alle körperlichen Vorgänge, auf anatomischer Unterlage beruht, die aber in ihrer Wirkung ausschließlich einen künstlerischen und ästhetischen Genuß hervorbringen sollte. Wie nun der Stabsarzt Barth in Köslin in einer Abhandlung auseinandersetzt, kommt dem Singen daneben auch ein hoher gesundheitlicher Wert zu. Das Singen vertieft nämlich die Atembewegungen, erhöht die Aufnahmefähigkeit der Lunge für die Luft und kräftigt die Muskeln. Durch Vermehrung des Gaswechsels und Erhöhung der Wasserausscheidung wird der Gesamtstoffwechsel gesteigert. Appetit und Durstgefühl nehmen zu- die ausgiebigen Bewegungen des Zwerchfelles und der Bauchwand unterstützen die Verdauung. Auf die Entwicklung des Kehlkopfes selbst, auf Nase und Rachen wirkt das Singen sehr günstig- das Gehör wird schärfer. Die Beziehungen des Singens zur allgemeinen Gesundheit sind so mannigfaltige und glückliche, daß das Singen als Schutzmittel gegen chronische Lungenkrankheiten betrachtet werden kann. Aber auch der Arzt kann von dieser Wahrnehmung in der Behandlung der Herzkrankheiten, der Bleichsucht, als Ersatz der Pneumatischen Therapie erfolgreichen Gebrauch machen. Vermischtes. Preisausschreiben. Die „Illustrierte Frauen-Zeitung" (Verlag von Franz Lipperheide in Berlin) stellte bereits zu wiederholten Malen Fragen an ihre Leserinnen, die nicht nur sehr anregend waren, sondern für deren beste Lösungen auch namhafte Preise ausgesetzt waren. Die neueste Frage bezieht sich auf die Wahl einer geeigneten Sommerfrische: Eine Familie, bestehend aus einem Ehepaar und drei Kindern, im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren (zwei Knaben und ein Mädchen), beabsichtigt während vier Wochen einen Sommer- Aufenthalt in einem angenehmen Orte an der See oder im Gebirge zu nehmen. Es wird eine behagliche Wohnung von drei Zimmern verlangt und eine ausreichende, gute Beköstigung, weil die der Ruhe bedürftige Hausfrau nicht selbst kochen will. Vergnügungen, wie sie eine Sommerfrische bietet, d. h. Ausflüge, Bergpartien, Wasserfahrten, sind bei mäßigen Preisen erwünscht. Welcher Ort kann der Familie empfohlen werden, und wie hoch etwa belaufen sich die Kosten (ohne Reisespesen)? — Die charakteristischen Eigenschaften des betreffenden Ortes sind in. kurzen Worten anzugeben, und eine Kostenrechnung ist aufzustellen über alles, was während der vier Wochen gebraucht wird. Für die zehn besten Lösungen sind zehn Preise zu je dreißig Mark ausgesetzt. Die Arbeiten sind bis zum 1. September d. I. an die Redaktion der „Illustrierten Frauen-Zeitung" und Oer Modenwelt, Berlin W. Potsdamerstraße 38, einzusenden. Bom Tischgebet. Es hat einmal jemand eine Zusammenstellung aller Sitten und Gebräuche versucht, die sich bei den verschiedenen Völkern vor dem Genuß der Mahlzeit finden. Man kann daraus ersehen, daß das Gefühl der Verpflichtung gegen den Geber allgemein verbreitet ist und sich hier in dieser und dort in jener Form kund giebt. Die Neger genießen nie Speisen, ohne einen Teil davon den Göttern zu opfern- die Indianer werfen das erste Stück der Speise ins Feuer, um damit den Segen der Gottheit auf den Genuß des Restes herabzuflehen. Der Chinese setzt die Nahrung, ehe er sie genießt, auf dem Hausaltar nieder und bietet sie dadurch dem Gotte zuerst an. Die Römer und Griechen der alten Zeit verfehlten nie, vor den Mahlzeiten den Göttern das Trankopfer (die Libation) auszugießen. Die Bewohner Madagaskars beugen sich tief, wenn sie vom Tische aufstehen, und „grüßen die Geister". Die Muhammedaner sagen, wenn sie sich zum Esten setzen: „Im Namen des gnädigen Gottes, des Allerbarmers!" Israel hat stets das Tischgebet gehalten, Ps. 118: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich" usw. Und wir Christen? Humoristisches. „Gehören Sie zur Heilsarmee?" fragte ein Herr in der Pferdebahn eine resolut drein blickende Frau, die neben ihm stand. — „Nein, das nicht, jedoch —" mit einem vernichtenden Blick auf alle die sitzenden Männer „— wie Sie sehen, zum stehenden Heer". Sie erhielt einen Platz. 416 Empfehlenswerte Reklame für Nähmaschinenfabrikanten: „Radle zu Hause!" („Münch. Jugend.") * _ * Passende Bezeichnung. Bekannter: „Nun, und Du hast ein Fräulein Doktor geheiratet?" — Junger Ehemann (der die erste Gardinenpredigt erhalten hat): „Ja wohl! Sie hat mir heute früh ihre Antrittsvorlesung gehalten." * * * Backfisch-Logik. „Lieschen, Dein Vetter küßt Dich doch zu oft!" — „Aber ich bitte Dich, ich hab' ihm erst neulich wieder sgesagt, daß ich mich — nur als Cousine küssen lasse!" Wodenöericht üöer Meisekleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaktur, DresVen-lV. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbnch ä 50 Pfg. daselbst erhältlich. Reisekleider! Wie verschiedenartig sinv doch die Gefühle, welche ein einziges derartiges Wort erwecken kann. Der Modedame, deren Toilettengeld derart bemessen ist, daß sie sich ohne Bedenken jeden Luxus gestatten kann, wird es gewiß nur angenehme Gefühle erwecken, denn es bedeutet die Reiseequipierung für sie nur die Vorbereitung für neue Genüsse und neue Vergnügen. Trotzdem gibt es dabei mancherlei Aer- ger bei der Schneiderin oder in den Geschäften, wenn das Passende nicht gefunden wird, oder wenn das Gelieferte nicht sitzt, oder wenn nicht pünktlich geliefert wird. Doch im großen und ganzen bleibt es immerhin für jene ein Vergnügen, sich zu schmücken und neu zu bekleiden. Ihr haben wir nichts mehr zu sagen, denn was die Mode für den, der nicht zu rahnen braucht, an Herrlichkeiten bietet, haben wir in unseren vorangegangenen Berichten ausführlich erwähnt. Wesentlich anders gestaltet sich die Sache bei der Frau mit beschränktem Toilettenbudget, bei der sparsamen Hausfrau, 'bei der Mutter Heranwachsender Töchter. Hier bedeutet das Wort „Reisekleider" neue Sorgen, neues Nachdenken, neue Arbeit, denn obgleich man rechnen muß, so ist man doch vielleicht in der Lage, sich einen Sommeraufenthalt oder kleine Reise zu gestatten, und es ist nun Sache der Hausfrau, diese Mehrausgabe durch Toilettenaufwand nicht unnötig zu erhöhen. Hier könnten wir vielleicht noch manchen Rat erteilen, wenngleich für die gewissenhafte Mode- „Reisekleider" auch nur ein dürres Feld bedeutet, auf dem nicht viel zu ernten ist, denn so wenig glaubhaft dies auch klingen mag, so ist doch die Mode auf diesem Gebiete seit Jahren stabil geblieben. Dies hat seinen allerdings berechtigten Grund darin, daß man, gerade was Reisekleider anbetrisft, in jeder Beziehung Rücksicht auf ihre praktische Zwecke nehmen muß. Dadurch werden der Phantasie von Frau Mode allenthalben Schranken gezogen. Vor allem möchte man auf einer Reife so wenig wie möglich Gepäck mit sich führen, deshalb muß das Kleid, welches man oft als einziges mit hat, den verschiedensten Zwecken dienen. Dies erreicht man am vollkommensten durch das Jackenkleid, indem sich dasselbe durch verschiedene leichtere oder wärmere, hellere oder dunklere, elegantere oder einfachere Blusen den verschiedensten Gelegenheiten anpassen läßt. Weiter muß man auf der Reise für jeden Witterungswechsel gerüstet fein. Modische Kleider in zarten, empfindlichen Farben mit Spitzen, Volants etc. sind daher ohne weiteres ausgeschlossen, und man kommt wieder auf das Jackenkleid. Ist es warm, so trägt man nur den einfachen Rock mit hellen Blusen, ist es kalt, so zieht man die Jacke an und trägt eine wollene Bluse darunter. Regnet es, so wird dies einem praktischen Stoss, wie Loden oder ähnlichem, nicht viel schaden. Weiter muß ein Reifekleid bequem sein, weshalb anliegende Taillen, enge Aermel, hohe Stehbündchen überhaupt nicht in Frage kommen. Was ist da nun wohl das bequemste? Entschieden das Jackenkleid. Die losen Blusen mit ihren Bündchenärmeln und weißen Kragen können wohl nicht gut an Bequemlichkeit übertroffen werden. Alle diese einschränkenden Voraussetzungen, welche noch nicht einmal vollzählig sind, verweisen die Mode so entschieden auf dieses eine Kostüm, daß es eben seit Jahren für die Reife die Oberhand behalten hat. Aus gleichen Gründen durfte die Mode sich nicht allzuviel Veränderungen vornehmen, weite Röcke, weder anliegende noch reich garnierte Jacken, weder empfindliche Stoffe noch zarte Farben würden den vielseitigen ' Ansprüchen des Reisekleides genügt haben. Und so kommt es, daß wir seit lange auf der Reise immer dasselbe tragen, nämlich fußfreie, nicht zu weite Röcke, einfaches Jacket, beides von gleichem praktischen Stoff, und diverse Blusen. Daß auch die Unterkleidung bei der vermehrten Reiselust mehr und mehr vereinfacht und praktischer wird, liegt auf der Hand, und es ist wohl schon allgemein Sitte, die Unterröcke durch das Pluderbeinkleid zu ersetzen. Auch die intimeren Kleidungsstücke vereinigt man gern in die, von den Engländerinnen überbrachte Kombination, doch hat sich diese letztere Mode verhältnismäßig weniger eingebürgert, während die erstere allgemein Anklang findet. Alles dies ist jedoch hauptsächlich für eine Touristenfahrt berechnet, während für einen Sommeraufenthalt von einigen Wochen eine derart einfach-praktische Ausrüstung doch nicht ganz genügen würde. Bestimmte Vorschriften lassen sich ja nun für jene letzteren Zwecke schwer geben, denn es kommt ganz darauf an, ob man an die See geht, oder in einen einfachen Gebirgsort, oder in ein elegantes Luxusbad. Für letzteres ist wohl nichts zu gut, denn hier ist der geeignetste Ort, die größte Toilettenpracht zu entfalten, seidene Kleider mit Chiffongarnitur, duftige Organdykleider, Etamine- und Grenadinetoiletten auf abstechende Seide gearbeitet; alles das wird hier vorzüglich zur Geltung kommen. In einem kleinen Gebirgsort dagegen muß man wieder auf die Zweckmäßigkeit des Kleides etwas mehr Rücksicht nehmen. Man wird zwar auch hier gut daran thun, außer den bekannten Blusen noch ein oder zwei nette Sommerkleider mitzunehmen, wie vielleicht ein Helles Wollkleid und ein Waschkleid, aber außerdem würde hier ein Bergkostüm, wie es unsere Figur 1 darstellt, sehr am Platze sein. Es ist dies ein einfaches, aus Rock und Jacket bestehendes Lodenkleid, dessen Jacke in der für Herren allgemein bekannten Joppenform gehalten ist, welche besonders für rauhe, nasse Witterung berechnet ist. Sie schließt vorn einreihig und wird am Taillenschluß durch einen Gürtel gehalten, welcher unter den Falten hindurch geht. Trotzdem ist es sehr gut möglich, die Jacke offen zu tragen, und muß sie dann durch eine beliebige Bluse ergänzt werden. Mehr für den Aufenthalt an der See berechnet ist das Kostüm Fig. 2, denn es trägt den ausgesprochenen Charakter des Ruderkostümes. Als Herstellungsmaterial empfiehlt sich am besten einer jener hellen, waschbaren, englischen Flanelle, doch auch Piqu» und Seinen, besonders der sogenannte Matroseudrell find sehr geeignete Stoffe für derartige Kostüme. Fig. 3 schließlich bringt einen guten alten Bekannten, welcher bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gegebenen Falles gern getragen wird. Es ist ein Regenmantel. Neu ist an unserer Abbildung die Anordnung der Taschen, welche dem Mantel außen aufgesetzt sind und außerdem mit einer überzuknöpfenden Patte schließen. Fig- 1. berichterstatterin das Wort Fig. 2. auch an dem Kleide an denn weder lange-noch Fig. 3- Rebattion: 8. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.