EbÄ Imw DMG^^W^WÄMW ÄK«5 j ^^WWNWM WW^W tzM ^WAass' sie kritteln, lass' sie lachen, JUbT1 Schließ' voll Gleichmut deine Ohren; Wer es allen recht will machen, Geht am End' doch selbst verloren. G. Keil. Wer mit Schweiß und Blut erkämpfte nur die kleinste Spanne Raumes, Tauscht mit dem nicht, der die Sterne faßt im Netze seines Traumes. Psitzer. Der Weihnachtshase. Ein lustiges Geschichtchen von Nataly von Eschstrnth. Nachdruck verboten. Die liebe, fröhliche Weihnachtszeit bietet wohl für jedermann doppelt reiche Erinnerungen, ernst und heiler, je nachdem Leben und Schicksal die Lose mischte! Wenn die ersten Schneeflocken wirbeln, wenn der erste Wagen voll Tannengrün durch die Straßen fährt, wenn ein weihnachtlicher Duft von selbstgebackenem Kuchen durch das Haus zieht, wenn aller Orten und Enden die trauten Weisen der Christlieder erklingen, dann jauchzen wohl die Herzen der Kleinen und die klaren Kindetaugen blicken sehnsüchtig und erwartungsvoll voraus — nur voraus in die lockende, selige Zukunft des nahen Festes mit all seinen Herrlichkeiten,' die Großen und Alten aber lassen wohl für Augenblicke die geschäftigen Hände ruhen, lächeln wie in lieblichem Traum und blicken zurück, — oft weit zurück in eine Zeit, wo die Welt noch so offen, die Herzen so weit — und Weihnachten ein Fest war, welches selbst die heißesten, kühnsten Wünsche mit Hilfe eines Spielwarenladens noch erfüllen konnte! — Ja, dann kommen mit dem Tannenduft all die Gedanken dahergezogen, welche so lang im Herzen versargt lagen, dann steigen Bilder herauf, welche man seit Jahren vergessen glaubt, die Kindheit, die Jugend lebt neu auf und läßt die müden Herzen noch einmal schneller schlagen, — das ist der Christzauber, welcher für die Alten das schönste Weihnachtsgeschenk mitbringt — die Erinnerung. Kommt nun der Dezember ins Land gezogen, und erscheint ein saftiger Hasenbraten auf dem Tische, dann muß ich ihn jedesmal mit einem heiteren Lächeln grüßen- ist doch mit solchem Anblick auch für mich eine Erinnerung verknüpft, welche ihrer Zeit ein ganzes Städtchen höchlichst amüsiert hat! Es handelt sich nm einen lustigen Kadettenstreich, welchen ein gewisfer Großpapa mit seinem Intimus vor langen Jahren ausgeführt hat, und welchen der alte Herr gar zu gerne noch mit vergnüglichem Schmunzeln erzählt!-- Lang — lang ist's her, da wanderten zwei junge Kadetten Arm in Arm durch die kleine Residenzstadt Kassel, welche in all dem Trubel der großen Weihnachtsmesse kaum wieder zu erkennen war. Welche Herrlichkeiten boten sich den Augen, welch ungeheuer leckere Dinge lockten aus aller Buden hervor, und wie groß war schon damals ein Kadettenmagen und wie schrecklich leer die Taschen solch eines kleinen, kurfürstlichen Fräckchens mit blanken Knöpfen!! — Hermännchen und „Schorsche" lernten des Tantalus Qualen hier vollauf verstehen und in ihrer ganzen Unerträglichkeit ermessen, und je länger sie zwischen den verführerischen Budenrethen hin und her durch den Schnee stampften, je lieblicher die kleinen, verschneiten Tannenbäumchen rechts und links dufteten, je hungriger sie durch das „Bummeln" wurden, um so unerträglicher ward das Bewußtsein ihrer Mittellosigkeit, um so leidenschaftlicher ihre Sucht nach schnödem Mammon, welcher einzig und allein zu intimerer Bekanntschaft mit Pfeffernüssen, „Pflastersteinen", Rofinen- wecken und Honigkuchen verhelfen konnte! Woher nehmen und nicht stehlen?! Das war die Frage! Ein Attentat auf den Geldbeutel und ein Appell un den Opfermut der Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten hatte sich schon am vergangenen Sonntag als absolut erfolglos erwiesen! Gerade jetzt, in der seligen, fröhlichen Weihnachtszeit, wo doch alle Herzen weich wie Butter sein sollten, schien die ganze liebe Familie zu Stein erstarrt, und die Rechte sowohl wie die Linke waren nicht zu bewegen, die Börse aus der Tasche zu zieh'n. Schlechte Zeiten! — Was sollten sie anfangen? Die beiden Freunde konnten den Anblick der Leckerbuden nicht mehr ertragen, sie wandten sich mit düsteren Mienen dem „Dippenmarcht" zu und sannen auf Mittel und Wege, diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu machen. Die phantastischsten Pläne blühten in grellen Farben auf und welkten unter dem Eiseshauch der Unmöglichkeit und Unausführbarkeit sofort wieder hin, und wie des Daseins ganzer Jammer die jungen Vaterlandsstreiter immer unbarmherziger packte, da überkam sie ein ungeheurer Weltschmerz und eine Verachtung gegen alles, was da in Kassel kreuchte und fleuchte! Hinaus in die Einsamkeit! in Gottes freie, weite Natur, durch welche Nietzsche's Uebermensch als schöne, blonde, wilde Bestie ungehindert jagen darf! — Weit vor der Stadt, ein beträchtliches Stück hinter 730 dem Author gelegen, besaß Schorjches Großmama, die verwitwete Frau Generalin von M. einen großen Garten, dessen „Bäumlein rüttle dich und schüttle dich" im Sommer und Herbst eine magnetische Anziehungskraft aus die Herren Kadetten ausübten. Jetzt gab es nur Eis und Schnee dort, aber aus alter Vorliebe wanderten die beiden Freunde doch hinaus, beide mit ihren kleinen Teschings bewaffnet, um eventuell etwas Jagd auf Krähen und Spatzen zu machen. Als die beiden Miniatur-Strategen den verschneiten Gartenpfad, längst der wehmütig trauernden Kohlstrünke des Gemüselandes einherwandelten, — huscht es plötzlich aus einer Schneescholle hervor und hoppelt gemächlich der Hecke, welche den Garten vem Felde trennte, entgegen. „Ein Brummer! — Hermann! Ein Brummer!! — „Schorsche schieß! — drauf! — feste draufgehalten! — Und gleichzeitig blitzt es zweimal auf — der Hase schießt einen regelrechten Purzelbaum und macht das tragische Liedlein zur Wahrheit —: „Tas arme, arme Häsulein — dos Häsulein war tot!" — Die beiden Schützen stürzten sich mit wilden Freuden- geheul auf ihr Opfer. Einen Augenblick schwellte nur gerechter Waidmannsstolz die jugendlichen Busen, als aber Hermännchen den Freund Lampe an den Hinterläufen hochhob, ihn bedeutsam in der Hand wog und anerkennend sprach: „Alle Donnerwetter! Das ist aber ein strammer Bengel!" da zuckte es plötzlich durch Schorsches Hnn wie ein großer, leuchtender, rettender Gedanke!" „Hampler!" rief er — denn also lautete Herrmanns Spitznamen — „Hampler . . . wir haben den Hasen in Großmutters Garten geschoffen, — der Hase gehört uns!" Sein Vis-ä-vis zuckte die Achseln. „Das schon, aber was nützt das? wer soll ihn uns braten? Wenn wir ihn zu Hause abliefern, haben wir überhaupt das Nachsehen, — sic essen ihn, während wir im Korps Pamps füttern!" Schorsche trat mit lebhaft blitzenden Aeuglei» näher. „Darum liefern wir ihn nicht ab! Weißte was, Hampler? Wir verkaufen ihn! Dann haben wir Geld!" Welch ein Wort! — Wie ein Zauberklang tönte es. Geld für den Christmarkt! Beide Freunde sanken sich sprachlos in die Arme und fühlten es, noch nie im Leben waren sie so völlig zwei Seelen und ein Gedanke gewesen, wie in diesem Augenblick. Sie nahmen den Hasen in die Mitte und führten in wildem Freudentaumel einen wahrhaft indianischen Siegestanz mit dito Geheul auf. Und dann kam die Reaktion. „Wer soll ihn uns 'aber abkaufen?" Ja, der Deiwel — da lag der Hase Plötzlich im Pfeffer! - „Wir wollen ihn der Köchin im König von Preußen anbieten!" — „Geht nicht, — da sind wir beide bekannt!" — „Dann in Schirmers Hotel!" — „Da ist zuviel Verkehr! Wie sollen wir den Hasen unbemerkt dahin bringen? Wir haben doch Uniform an!" „Wir geben ihn einem Eckensteher, — der besorgt's!" — „Und betrügt uns! — Proste Mahlzeit! die zwei Groschen verdienen wir lieber selber!" — „Aber es giebt ein Geschwätz durch das ganze Nest, wie können zwei Kadetten einen Hasen verkaufen?" „Laß uns nur überlegen, — wenn der Hase da ist, muß auch noch ein guter Gedanke kommen!" Und er kam! Abermals wandelten die beiden Freunde Arm in Arm im Garten auf und nieder, aber diesmal brüteten sie nicht mit düsteren Mienen Unheil, sondern lachten und kicherten mit wahren Gaunerphystognomien und hatten die ganze Welt zum Fressen lieb, — fürnehmlich alle Honigkuchen- und Bretzelbuden auf dem Christmarkt! Und daun ward an die Vorbereitung des großen Werkes gegangen. Hermanns Vater besaß einen alten Kutscher, ein Faktotum mit Namen Wammel, — dessen Kleiderschrank ward auser- seyen, die nötigen Rüststücke für die „göttliche" Komödie zu liefern. — — — Es dämmerte früher noch als sonst, denn der Schnee wirbelte in dichten Flocken durch die Luft und verschleierte die schmalen Gaffen und Straßen, so daß ein Lichtlein nach dem anderen aufblitzte, die Herrlichkeiten der Schaufenster aufs glänzendste zu beleuchten. — — Die alte Generalin von M. saß in dem bequemen Ledersessel, -hatte die Brille in das Futteral gesteckt und lauschte sichtlich erheitert den höchst lustigen und amüsanten Geschichtchen, mit welchen sie ihr Enkelsohn Schorsche nach besten Kräften unterhielt. So hatte sich der Herr Kadett lange nicht angestrengt, die alte Dame bei guter Laune zu erhalten, aber die Großmama schrieb diese Galanterie dem nahen Christfest zu gute, welches bekanntlich einen ganz besonderen Einfluß auf die Artigkeit der großen wie der kleinen Kinder ausübt. Schorsche erzählte von den letzten Hoffesten, wo er als Page Dienst gethan, nnd ward gar nicht müde, die Herrlichkeiten des Buffets zu schildern. Vor allen Dingen lobte er den Hasenbraten — so saftig — so delikat — so reich gespickt und würzig-weich — daß er auf der Zunge verging! — Die Generalin bekam förmlich Appetit bei dieser Beschreibung und nickte mit dem Kopf: „Ja, so ein guter Hase ist die helle Freude für alte Leute! . . . hm . . . und mein Buitermann wollte mir doch schon am Dienstag einen mitbringen!" „Ja, die Hasen sind jetzt rar, Großmutter! Beim Wild in der Königftraße hängen welche aus, die kosten ihre fünfundzwanzig Groschen! — Aber zu Weihnachten könntest Du Dir wirklich mal ein Hasenbrätchen leisten! Die Zeit ist ja nun bald vorüber . . ." Und die Augen des Sprechers hasteten voll brennender Ungeduld an den Zeigern der Uhr, welche sich kaum noch erkennen ließen. Da hustet es draußen auf dem Flur und stampft auf der Treppe. „Da kommt jemand, Großmutter! ich will mal nachsehen!" — und Herr Schorsche fliegt zur Thür. Nach zwei Minuten steckt er den Kopf lachend wieder in das Zimmer: „Lepus in fabula, Großmutter! Wenn man von dem Hasen spricht, steht er hinter der Thür! — Da ist ein Mann, Großmutter, der bietet einen an!" — „So so! frag mal, ob er aus Biewelingshausen kommt!" — Leises Getuschel draußen und eine laute, sehr rauhe Stimme. „Nee, Großmutter, aus der Waldau kommt er!" „Na, dann soll er weiter geh'n — ich habe bei dem Wiedemann bestellt!" „Komm doch mal her, Großmutter! sieh ihn Dir doch mal an! Au! ein Mordshase! so groß wie sonst zweie! und mal feist!! — Der Wiedemann läßt Dich ja doch im Stich, und dann haben wir nichts zum Feste!" „Na ... wie viel will er denn haben?" Die Generalin hat umsonst nach ihrer Brille gesucht, sie erhebt sich und humpelt nach der Thür. „Guten Abend, Frau Generalin! Na — wuttse Se dann s' Hasche hawe?" „Wie teuer sind Sie denn damit, Mann?" — „Na —s' is mei letztes heit! — un feist for dreie! — die fünfunzwanzig Groschen is he wul wert . . aber weil Sie's find, Frau Generalen, da füllen Se's für zehn gute Groschen hawe — un' ausgewursen is es au noch nit, das propere kleene Hushäsche!!" Frau von M. schmunzelt. Sie befühlt zwar den Hasen noch von allen Seiten und meint, so sehr seist sei er nun grad nicht, — aber Schorsche drängt, der Mann müßte heim, und der kleine dicke Bauer in der riesigen Pelzmütze und den 731 enormen Stieseln unter der Düffeljoppe trampelt frierend auf der Treppe und meint auch, „lang verdisketieren könne er sich nicht mehr." — Na, da zieht Großmutter das Geldtäschchen und zahlt, und der Mann aus der Waldau grunzt schönen Dank und trappt die Stiege hinab. Schorsche schleppt mit wahrem Triumphgejodel den Hasen in die Küche, lobt ihn noch in und aus dem Sack, wie feist und billig er sei, versichert der Großmama: „er sei ja halb geschenkt", und meint, „den halte Dir mal warm, Großmutterchen! der ist ein echter Mann! ein ganz redlicher Mensch! zehn gute Groschen! Na — ich habe ihm nachgerufen, den nächsten soll er uns bringen!!" — Die Generalin freut sich im stillen auch über das gute Geschäft, welches sie gemacht hat, und ist mit allen Gedanken schon so völlig bei dem Hasenbraten, daß es ihr gar nicht ausfällt, welch eine Eile ihr Schorschchen Plötzlich hat, einen guten Freund zu besuchen! Sie hat nichts dagegen, und der Herr Kadett umarmt sie, als habe ihn ein heftiger Zärtlichkeitsanfall ergriffen, — greift nach Mütze und Seitengewehr und stürmt davon. — Es ist Abend, — die Lichter brennen auf dem Meßplatz, es jubelt, schrillt, pfeift, meckert, quakt, lacht und schiebt und drängt sich durcheinander. O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit! Schorsche und Hermann schleudern abermals durch den frohen Trubel, mit strahlend verklärten Gesichtern und unaufhörlich kauenden Backen. O du heiliges Linksschwenkt! Wie viel, wie unendlich viel des Schönsten und Appetitlichsten kann man für zehn gute Groschen doch kaufen! So angenehm satt — Schorsche nennt es „voll" — wie heute haben sie sich lange nicht gefühlt, des Daseins und der Weihnachtsmeffe Lieblichkeit, nie so gründlich noch durchkostet, wie an dem heutigen Tage! Ja — das Leben ist doch schön, o Königin! Fürnehm- ltch wenn Hasen in der Welt Herumlaufen und sich liebenswürdigerweise schießen lassen! Frau Generalin von M. hat noch verschiedene Hasen aus ihrem Garten bezahlt und gegessen; denn die kurfürstliche Leibhege grenzte an denselben, und die Herren Kadetten legten nicht umsonst die leckersten Kohlblätter auf den Schnee! Die Zeiten sind vorüber! Die beiden Kadetten sind alte Männer geworden, welche des Lebens Ernst reichlich erfahren haben — wenn aber die liebe Weihnachtszeit mit all ihrem glückseligen Zauber kommt und ein saftiger Hasenbraten auf dem Tische erscheint, dann schmunzeln die Grauköpfe doch recht schalkhaft in den Bart und werden wieder jung bei der Erinnerung an die zehn guten Groschen und all die unzähligen Pfeffernüffe, welche sie solch einem braven Lampe einst zu verdanken hatten! Alter »nd neuer Christbaumschmuck. Bon Marie Becker. .------- (Nachdruck verboten.) Liebes, trauliches Schaffen, wenn alle Hände sich regen, den Christbaum zu schmücken, wenn das Weihnachtsfieber erwacht! Alles regt sich in fröhlichem, geheimnisvollen Hasten für das Fest. Und hinein in alle Räume leuchtet der Baum mit seinem zauberischen, gedämpften Lichte, seinem Duft, seinem Schmuck. Wie verschiedenartig wird gerade der Tannenbaum in allen Familien geputzt! Wie schön oft, und wie bunt! aber auch überladen zuweilen. Und mit neuen Anregungen immer neuen Formen und Ziergeräten kommt der Weihnachtsmarkt in Stadt und Land uns jedes Jahr zu Hilfe. Reicher vielleicht noch als sonst ist in diesem Jahre der Vorrat der Schmuckgegenstände, da wir alle fortgerissen von der allgemeinen Begeisterung für alles Schöne im gewerblichen Leben, für das Heimische, Schmückende im eigenen Neste, völlig diesem Weihnachtszauber unterliegen. Frisch duftend aus dem Walde kommt der Baum ins Zimmer, noch feucht vom Morgenreif glänzen seine tiesgrünen Nadeln. So Prangte er einst auf demJulfeste unserer Vorfahren, ihnen wie uns das unvergängliche Leben, die Auferstehung des Lichtes verkündend. Versuchen wir es einmal, ihn zuerst zu schmücken, wie die Natur es lehrt, wie unsere Ahnen es verstanden! Er ist nicht allzu groß, wird aber etwa einen halben Meter über der Erde auf einen Hocker oder Schemel gestellt, den ein Leinentuch deckt. Hierüber Packen wir gleich einem Hügel Moos und Steine, hübsch bemooste Zweige, Tannenzapfen und pflanzen dazwischen eine Zimmerfarre oder das duftige englische Spargelkraut, das man neuerdings pflegt, ein Schlinggewächs. Das Geröll wird herumgefchichtet, und wir haben ein Stückchen Harzlandschaft von großem Reiz, ein Stückchen Waldheimat wie jene rauhen Gestalten der Vorzeit. Der Stern von Bethlehem ist immer der schönste, sinnigste Schmuck für die Spitze der Tanne — ihn wollen wir nicht vergessen! Lichtchen aus reinem, gelbem Wachs, die, am Fuß gespalten, erwärmt, um den Zweig gedrückt werden, sind ihr einziger, offizieller Schmuck — die Schönheit eines solchen tiefgrünen Baumes ist unerreicht. Doch wir können ihm noch einen weiteren Schmuck geben: den so äußerst beliebten Schnee. Die beschneite Tanne ist, für den Norddeutschen besonders, erst der rechte Weihnachtsbaum. Als Schnee wird vieles benutzt und hat sich vieles als praktisch und schön erwiesen. Sehr einfach ist flüssiger Kalk, imprägnierte Watte — letztere wird nur ganz fein gezupft, gleichsam ausgesponnen,' doch ist dies freilich eine mühsame Arbeit vieler Stunden. Ost schon erwähnt ist, wie Prächtig Kochsalz als Schnee aussieht, doch müssen hierzu erst die Zweige mit Leim überstrichen werden, ebenso für den glänzend weißen Alaun. Brillantflitter über den Baum noch außerdem zu streuen, ist eine vornehme, aber sehr kostspielige Vervollkommnung. Zum Schneeschmuck gehören aber auch die feinen, großen und kleinen Eiszapfen aus weißem Glas, die möglichst dicht am Zweige mit Blumendraht — nicht etwa mit einem farbigen Faden — befestigt werden. Die buntfarbigen, künstlerischen Wachslichter, die die neue Mode uns in so reicher Auswahl beschert hat, können ganz allein schon einen prächtigen Baumschmuck von reizendster Farbenpracht geben. Eine — fast möchte ich sagen — poetische Neuheit sind die kleinen Kugellaternchen aus farbigem Glas mit einem dicken Lichtchen darinnen, die den Baum auf das zauberhafteste erleuchten und den großen Vorzug haben, vermöge ihrer Feuerstcherheit sogar dicht am Stamm befestigt werden zu dürfen, so daß das grüne Geäst gleichsam belebt erscheint. Das ist der Christbaum für die großen Menschen, aber unsere kleinen Menschlein möchten doch auch — und an diesem Feste so ganz besonders — zu ihrem Rechte kommen! Für sie ist's ja der Wunderbaum, umweht von tausend süßen Rätseln, ein holdes, unbegriffenes Geheimnis, das für sie seine Wunderkraft in allerlei Greifbarem bethätigen muß. In vielen Familien ist er der Baum, an dem alle Tage von neuem Kuchen und Zuckersachen wachsen, und an dem die ganze Gesellschaft den Tag über nascht und knabbert. Besonders die Lebkuchentiere, -Herzen und -Puppen sind eine liebe Weihnachtszierde — ein Rest von dem heidnischen Gebrauch, die kostbaren Opfertiere durch nachgebildetes Gebäck zu ersetzen und dies den Göttern darzubringen. Aber in Wahrheit sind Aepfel und Nüsse, dieser allgemein beliebte Schmuck für den Baum, weit gesünder, als die bunten, lockenden Zuckersachen. Ich kenne ein altes Paar, das immer gemeinsam den Baum schmückt — und der Schmuck besteht aus all den Erinnerungen an all die Jahre, die sie miteinander durchlebten. Kleine Andenken an frohe Stunden sind es, auf jedem das Datum verzeichnet — tausend stille Geheimnisse und tausend Liebesbande. Da schweben Engelchen, Schifflein und Weih- nachtSmännlein — manch rosiges, frisches, manch altes, graues, unmodisches Stück um die Tanne der alten Leute. Die fleißige Hand der Tochter kann die Hutsche oder - 732 - den Holzeimer, in den der Baum gepflanzt ist, mit farbiger Brandmalerei gar reizend zieren. Auf weißem oder mattgefärbtem, handbreitem Atlasband von etwa zwei Meter Länge gemalte Wechnachtssprüche, zwischen die sich Anemonen und Christrosen schmiegen, bilden gleichfalls einen sehr künstlerischen Baumschmuck, der an das Können und an den Kunstsinn der jungen Malerin große Anforderungen stellt, aber von unvergänglichem Retz rst. Unvergeßlich werden mir allezeit die Abende vor Weihnachten sein, wenn wir Kinder mit unserem Väterchen beisammen am großen Eßtisch saßen, Mffe vergoldeten und andrahteten, die Aepfelchen blitzblank rieben — die hierbei verletzten durften sofort „geschlachtet" werden — Papierkettchen klebten und alle Lichter bereit machten. Wenn ich eine alte Frau sein werde und alle Weihnachtsabende meiner Kinderzeit vergessen habe — diese trauten Stunden erwartungsvollen Schaffens, wo selbst die kleinsten Kinderhände sich helfend regen durften, bleiben unverwischt. Vor unserem Baume stand auch eine kleine Hütte aus Holz nnd Pappe, und das Licht darinnen schien gerade auf das Christktndlein in der Krippe. Einer Tanne möchte ich noch gedenken, die ich im vorigen Jahre in München bei einer unserer ersten Malerinnen sah. Den hohen, gewaltigen Baum zierten nur Lichter und Lilien und Rosen. Lilien und Rosen — über und über — groß und klein mit leuchtenden Kelchen, schneeigte Blüten — welch eine Pracht! und welch schöner, wunderfinniger Schmuck! Alle Jahre bringt die Mode neue Scherze, neckische Atrappen mit süßer Füllung, fliegende Weihnachtsmännlein, Schornsteinfeger, Modedamen, farbige und durchsichtige Karten und singende Nachtigallen — denen im rechten Augenblick die Stimme versagt. Immer schön bleiben die Glasketten, die die armen Thüringer jahraus, jahrein dafür schaffen. Die Kinder sollten auch einmal versuchen, wie hübsch ihre Gebirgsreise - Erinnerungen zur Tanne passen — die Rübezahl- Männlein, die kleinen Holzschlitten und Wurzelwichte, die fie dort von den Bergbewohnern erstanden! Sie mögen so gern auch ihren kleinen Baum, die Mädchen in ihren Puppen- stübchen und die Buben auf ihrer Festung. Auch ein größeres Schiff kann man mit dem Bäumchen schmücken und alle Segel und Masten mit Tannen, Gaben und Lichtern behängen — das ist ein prächtiges Weihnachtsbtld für unsere Kinder! Vieles ruft der Sinn für Humor herbei — mehr noch das jeweilige Bedürfnis oder — der Mangel) und der Wunsch und die Sehnsucht nach der schönen Heimat veredelt auch scheinbar seltsame Zusammenstellungen. Im Kriege 1870 gab's in Frankreich Tannen, deren Schmuck in wenig Lichtern und viel Zigarren bestand, und von Marie Antoinette erzählt man sich, daß sie am letzten Weihnachtsabend, den sie im Schloß mit ihren Kindern verlebte, sich im engsten Familienkreise einen Mhrtenbaum schmückte, weil keiner dort eine Tanne besaß und diese liebe deutsche Heimatsitte kannte. GenBeinnrWges. Eminc6 von Hammelfleisch. Zehn Personen. Bereitungszeit 7z Stunde. Zuthaten: Genügende Reste einer gebratenen Hammelkeule, zwei Zwiebeln, 80 Gramm Butter, 50 Gramm Mehl, 7r Liter kräftige Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt, ein Glas Rotwein, der Rest der Bratensauce, 3 Eßlöffel Essig, Salz nach Belieben, eine Prise Pfeffer. Nachdem das von Sehnen und Fett befreite Fleisch in feine Scheibchen geschnitten worden ist, dünstet man die in Scheiben zerteilten Zwiebeln in der Butter weich, läßt das Mehl damit gelblich schwitzen, gießt die Brühe aus Liebig's Fleisch- Exirakt, den Rotwein und Essig nebst dem Bratenfond zu, verkocht alles zu einer semigen Sauce, die man entfettet durch ein Sieb treibt. Mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt läßt man sie noch ein wenig verdicken und das Fleisch, das nicht kochen darf, darin heiß werden. Man richtet die Emines in einem Reisrand an, oder giebt Kartoffel - Pur« dazu. ____________ Literarisches. Die Weihnachtsnummer der „Gartenlaube". Der Weihnachtsstimmnng, welche Knecht Ruprecht auf seinem Umzuge durchs Land alljährlich bei jung und alt erweckt, trägt die „Gartenlaube" als deutsches Volks- und Familienblatt seit altersher durch Herausgabe einer besonders festlich ausgestatteten Nummer von echt weihnachtlichem Gepräge Rechnung. Der von F. Reiß entworfene farbige Umschlag umschließt eine reiche Zahl von Beiträgen unserer besten Schriftsteller und Künstler. ®oS. Gedicht „Am heiligen Abend" von Paul Härtel mit künstlerischer Umrahmung in Farben von F. Bergen versetzt uns in die rechte Feststimmung. Daran schließt sich eine reizende Novellette von Anna Ritter, „In der Christnacht", die mit Bildchen von Werner Zehme geziert ist. A. Trinius hat einen Aufsatz über das altehrwürdige „Antoniusfest in Schweina" beigestenert, zu dem R. Starcke ein hübsches Bildchen geliefert hat, und L. Riedel schildert uns „Baumschütteln am Andreasabend" im Vogtland, das der Stift Fritz Bergens in Bildern veranschaulicht. Ferner veröffentlicht die „Gartenlaube" aus Anlaß der Einweihung des Pestalozzi-Denkmals in Zürich ein Bild desselben mit einem Artikel aus der Feder Oswald Heideggers, während Rudolf v. Gottschalls Bild aus deutscher Geschichte „Gefälschte Briefe" zum Abschluß gelangt. Einen ganz eigenartigen poetischen Zauber entfaltet I. C. Heer mit seinem spannenden Roman aus dem Engadin „Der König der Bernina". Von dem reichen Bilderschmuck möchten wir noch erwähnen die Kunstbeilage „Christkinds Weckruf" von I. R. Wehle, „Christkinds Gaben" von G. Mühlberg (beide in farbigem Druck ausgeführt), „Weihnachtsbescherung" von Herm. Kaulbach, H. Leflers „Weihnachls- fest der Wiener im Jahre 1227", „Friede auf Erden!" von Wilhelm Schade und „Nikolaustag in den Niederlanden" von I. Gehrts. Dem Krieg zwischen den Burenrepubliken und England in Südafrika sind reich illustrierte Sonderbeilagen gewidmet Kollektion Hartleben. Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. ä 75 Pf. Jährlich 26 Bände; bisher Band 1 bis 8 vom VIII. Jahrgang ansgegeben (A. Hartlebens Verlag in Wien). Bon der Roinanbibliothek „Kollektion Hartleben", diesem handlichen und hübschen Unternehmen, welches die größte Verbreitung verdient, liegen uns bereits Band 1 bis 8 des VIII. Jahrganges vor. Das Publikum ersieht aus dem abwechslungsreichen Programm, in welchem jede Nation zu Worte kommt, wie sehr Verleger und Redaktion bemüht sind, ihr Bestes zu leisten in Wahl der Stoffe und Ausstattung des Ganzen. Der neue Jahrgang wurde mit dem dreibändigen Roman von Rens de Pont-Iest „Eine vornehme Ehe" eröffnet. Diesem folgte die polnische Arbeit von Elise Orzeszko, „Der Australier". Band V —VI brachte „Die gefangene Prinzessin" des Engländers Savage. Band VII Novellen der in der Wiener Gesellschaft bekannten nnd beliebten Schriftstellerin Baronin Paula Bülow; Band VIII bis IX umfaßt Girolamo Rovetta's „Das Idol"; Band X die nngarische Arbeit „Anna Huszar" von Elek Benedek; Band XI bis XII den Roman „Vom Sturm getragen" von M. A. Fleming; Band XIII bis XIV „Die Studentin" von Jeanne Mairet. Das internationale Unternehmen wird auch im weiteren Verlaufe nur bestrebt sein, Gutes und Bestes zu bieten. Es appelliert an den guten Willen des Publikums und wird sein Möglichstes thun, um zu verdienen, daß man Freunde für dasselbe werbe. Ergänzungsrfllsel. Nachdruck verboten. In den nachstehenden Wörtern sind die Striche durch Vokale nnd die Punkte durch Konsonanten sinngemäß zu ergänzen. R — . t — . . ä . m . . — . h; F — . t — . . r — m . . — . h; . . e — ß — r . ä . . t . — . h, . . h . e — ß — b — . — h.t . — . h! Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des geographischen Verschiebrätsels in vor. Nummer: L ondon Frankr e ich Berl i n Ko p euhageu Floren z Thür j ngen / Ae g ypten Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.