W A^U LsR W kWMEN?W M'SWÄWZBB MM ör' mein Gebot: o taffe vom Brot, ■JE*®" Das du gespeist, auf dem Tisch einen Bissen! ^P'1' Vielleicht mit dem Reste hast du der Not, Dem Tod ein hungerndes Kind entrissen! Laß einen Zug vom Tranke im Krug, Den sonst dn verschüttest, den Boden zu netzen! Vielleicht ist die Neige gerade genug, Eines Verschmachtenden Lippe zu letzen! E. Claar. Nachdruck verboten. Pygmalion. Novelle von Anton Frhr. von Perfall. (Fortsetzung.) Wachtmeister Opel vergaß den Dienst und trat schmunzend näher. „Das freut mich, Frau Geiger, daß Sie die Sache so aufnehmen. Wie ich sehe," er wies auf die Uniformstücke in Holaus' Arm, „war der Herr Gemahl selbst Soldat." „Und ob er Soldat war,- durch und durch! Ja, mein guter Geiger, war das ein Mann. Und hat so früh sterben müssen — in den besten Jahren — ja, das war was! — schon hart." Während fie sprach, war sie in beständiger Thätigkeit, bald am Herd, bald bei der Kleinen, und alles stand ihr so trefflich an in des Wachtmeisters Augen, die sich nicht mehr von der drallen Frau wandten. „Und wie lange ist's schon her, daß der Herr Feldwebel das Zeitliche gesegnet?" sagte Opel, seinen schon etwas ergrauten Schnurrbart drehend, während Frau Geiger eben abgewendet stand. „Auf Weihnachten wird es sechs Jahre. Denken's nur an, keine 35 Jahre war ich alt." „Oh, das seh ich, Frau Geiger, das seh' ich, Sie haben sich trotz allem Kummer ausgezeichnet erhalten und haben sich wirklich nicht mehr entschließen können — wieder zu heiraten?" fragte Opel, seinen Säbelgurt rückend. „Wenn mich keiner mag." Frau Geiger lachte, während sie das Feuer schürte. „Oh, was das betrifft —" Opel bekam einen Hustenanfall. „Nun ja, wissen's, — ein' jeden — wenn man ein' Geiger gehabt hat —" „Einen braven Soldaten —" ergänzte Opel. „Da wird man ein bisl heiklig," meinte Frau Geiger. „Aber schaun's nur gerad' den lieben Schnak —" Sie kniete vor der kleinen Marie, welche auf dem Sofa die warme Decke sich vom Leibe strampelte und mit der guten Frau liebäugelte, als habe Sie von jeher dagelegen und nie eine Mutter im kalten, häßlichen Strome verloren. „Große Kinderfreundin, Frau Geiger?" sagte Opel. „Das gefällt mir von einer Frau. Bin's auch, und wie! Zum Anbeißen das Mäd'l." „Das gefällt mir von einem Mann!" meinte Frau Geiger, den stattlichen Wachtmeister sich jetzt erst genau ansehend. Der wurde ganz verlegen unter dem forschenden Blicke der schwarzen Augen. Er erinnerte sich plötzlich seiner Dienstpflicht und holte sein Schreibbuch hervor. „Frau, — wenn ich um Ihren Vornamen bitten darf. Es ist nur wegen der Formalität." „Theres', Rest hat der Geiger mich immer genannt." „Feldwebelswitwe, nicht wahr?" „Ja, grab' ein Jahr vor sein'm Tod ist er Feldwebel worden." „Herr Holaus wohnt bei Ihnen, seit — ?" „Oh, mein Gott, zwei Jahre wird'S bald. Hat schon sein Not mit dem Menschen, aber brav ist er doch. A gut's Herz hat er, und das ist die Hauptfach'." „Maler, nicht wahr?" „Ja, das ist ja das Kreuz, — mit der Malerei. — Alles malt ja heutzutage. Ich sag' Ihnen, Herr Wachtmeister, — verbieten soll man's den Herren, die ewige Batzerei, mit der man sich keine Brennsuppen aufschmalzen kann." „Ganz meine Ansicht, Frau Geiger, aber wie will denn der Mensch das Kind —" „Das Kind ist vor der Hand mein' Sach', lassen Sie's voch erst recht trocken werden," erwiderte energisch die Frau. — „Oh, wenn Sie sich daran machen, Frau Geiger. — Der Dienst ruft mich." „Bet dem Wetter! Na, das muß was Arges sein. — Aber warten's nur einen Augenblick —" Sie lief an einen Schrank und holte ein Fläschchen heraus. „Ein Glas'l voll müssen's doch noch mitnehmen — Selbstangesetzter! — Wär' nit Übel, hat der Geiger immer ff'sagt." — 670 — „Wenn Sie gestatten, Frau Geiger." Opel trank auf einen Zug das Glächen leer. „Ausgezeichnet! Ja, das wär' freilich was, wenn man fich's nicht immer in den Kneipen holen müßte. In einer so gemütlichen Stube. — Wenn Sie gestatten, so werde ich mich morgen früh erkundigen, wie's der Kleinen geht, und daun setzt es vielleicht noch so einen Bittern. Meinen Sie nicht, Frau Geiger?" „Gern, so oft Sie wollen. Sie haben mir alle Scheu vor der Polizei genommen. Bei Ihnen können es die Spitzbuben selber net schlecht haben." „Oh, da irren Sie sich aber, ich kann auch streng' sein, sehr streng'.* ,,A gehen's, thun's net so mit Ihren guten Augen Opel hustete und lachte dazu verlegen. „Gute Nacht, Frau Geiger. Auf Wiedersehen!" Rasch verließ er das Zimmer, die Wohnung, ohne noch einmal nach Holaus zu sehen. Er hatte über den schwarzen Augen ihn ganz vergessen. Dieser war unterdes in sein Zimmer, von ihm Atelier getauft, gegangen, hatte die Lampe angezündet, seine nassen Kleider vom Leibe gerissen und war in die blaue Uniform des Feldwebels geschlüpft. Die Hose war viel zu kurz, der Rock zu weit, und er konnte darüber so herzlich lachen, wie er noch nie gelacht. Und er lachte über Wachtmeister Opel, über die brave Frau Geiger in der weißen Nachthaube, über ihren dicken Feldwebel, über sich selbst, über die ganze herrliche Welt," die ihm vor wenig Stunden noch so schwarz und feindselig erschienen. Dann kam Frau Geiger, machte Feuer, wärmte das Bett und ließ sich die kühne That des Malers erzählen. Sie lachte unter Thränen und weinte unter Lachen: „Hab' t's net immer g'sagt, — hab' i's net immer g'sagt, das 's a Schänd is um Jhna. So a Mann! So a Mann wird doch a Bild'l zusamm'bringa, das sich sehen lassen kann." „Wird er auch. Verlassen Sie sich d'rauf, Frau Geiger," erwiderte Holaus, sich in der Uniform streckend. „Jetzt muß er, der Holaus. Nicht für sich, für sein Kind, für seine Marie muß er. Das ist was ganz anderes. Ja, — schauen Sie nur, für sein Kind. Wird wohl sein Kind sein, wenn er ihm das Leben geschenkt. Ist auch keiner da, der es ihm streitig macht. Mein, ganz mein!" „Ganz? Net nur für heut' Nacht? Ganz bleibt's da, das liebe Ding?" jubelte Frau Geiger. „Ja, das ist ja großartig! Da sollen's was erleben! Jessas, da schreit's schon. Ja, schrei nur grab’, das is gesund." Sie eilte hinüber. Holaus folgte ihr. Das Mariele streckte ihm die Aermchen entgegen, wie einem alten Bekannten. Nach ihm hatte es geschrieen, nach seinem einzigen Freund auf der weiten Welt. Und er konnte sich nicht satt sehen, nicht satt herzen an dem rosigen Körperchen, das der Hauch des Todes schon berührt. Ein neuer, kräftiger Lebensodem ging von ihm aus, der sein ganzes Wesen durchdrang. Frau Geiger mußte gewaltsam ein Ende machen. Jetzt hatte sie zu befehlen. Holaus ging nur mit Widerstreben in sein Atelier. In allen Ecken standen und lagen angefangene Bilder, Skizzen, Zeichnungen. Mit nervöser Hast wühlte er darin. Das Blut schoß ihm in das Antlitz. Alles schwächlich, unfertig, Entwürfe, die mit seinem Können nicht Schritt hielten. Eine sprunghafte Entwicklung, die tausend Lücken zeigte. Das alte Angstgefühl schlich wieder heran, die alte Mutlosigkeit. Da schrie Mariele drüben, daß die Wände gellten, für ihn war es ein schmetternder Trompetenstoß, der den wankenden Kämpfer zur Pflicht rief. Narr, stehst Du denn noch nicht klar? Du hast kein Recht, die Welt anzuklagen, das Geschick, wie Du es bisher gethan. Du verdienst keinen Erfolg. Die Kunst ist kein glitzerndes Stück Spielzeug- nicht geniales Getändel, nur ernste Arbeit führt zum Ziel. Und ist Dir das höchste Ziel versagt, brauchst Du darum zu verzweifeln? Liegen auf dem Wege nicht andere, ehrenvolle, die Du bisher sträflich verachtet in Deinem Hochmut? Auf dem Tische lagen Bleistiftzeichnungen, Ornamentstudien. Bor Wochen hatte er in der ärgsten Bedrängnis die Bestellung einer Tapetenfabrik entgegengenommen, jedoch als entwürdigend wieder aufgegeben. Rot vor Scham griff er jetzt darnach. Es lag mehr Reife des Könnens in den paar Blättern, als in all' den Malereien ringsum. Es war ihm, als müsse er sich heute noch htnsetzen und zu arbeiten beginnen. Oh, diese Wonne der That, die eben sein ganzes Wesen aufgerüttelt, einen neuen Menschen aus ihm gemacht, er wollte sie tausendfältig genießen. Und er fühlte, daß es dazu nicht einmal eines großen Erfolges bedürfe, auch nicht eines heldenhaften Eingreifens wie heute, sondern nur schlichter Arbeit, eines ehrlichen Strebens. Jetzt erst vollzog sich seine innere Umwandlung. Lange genoß er sie schweigsam, wie um die inneren Stimmen nicht zu hören, bis ihn die Müdigkeit übermannte. Ehe er zur Ruhe ging, schlich er noch einmal vor die Thüre der Hausfrau und lauschte. Durch das Schlüsselloch erblickte er gerade das schlummernde Kind. Seine Bäckchen waren vom Schlafe gerötet. Ein seliges Lächeln verklärte das liebliche Antlitz. Er fühlte mehr als Vaterliebe für das kleine Wesen. Er hatte nicht nur Leben gegeben, sondern selbst neues empfangen. Ein doppelt unzerreißbares Band schlang sich um beide. Des Glückes voll ging er zur Ruh'. Das Mariele entfaltete sich wie eine Knospe, Blatt für Blatt, und plötzlich stand eine holderblühte Jungfrau vor ihm. Es war ihm, als ob sie aus einem Bilde herausgetreten, das er gemalt, das in das Leben getretene Geschöpf seiner Phantasie. Und sie kam auf ihn zu, breitete die weißen Arme nach ihm aus, drückte einen heißen Kuß auf seine Lippen. Ein fremder Mann mit rohem Gestchtsausdruck wollte sie aus seinen Armen reißen. Er rang mit ihm um das Mädchen an den Ufern eines reißenden Stromes. Plötzlich verlor er den Boden, die eisigen Wasser umgurgelten ihn, er hörte den Schrei eines Kindes — und erwachte. Da schien die Morgensonne lustig zum Fenster herein, und vor ihm stand Frau Geiger, das kleine Mariele im Arme, neben ihm, den Schnurrbart stramm gewichst, der lachende Wachtmeister Opel, bex, sich seinen versprochenen Frühtrunk geholt. Zweites Kapitel. Die Tapeten-Fabrik von Herrmann & Holaus hatte sich zu einem förmlichen Stablviertel erweitert. Das alte, einstöckige Gebäude mit den einfachen Druck- und Walzmaschinen, welches noch vor zehn Jahren das ganze Herrmannsche Anwesen bildete, stand jetzt nur als eine pietätvoll gehütete geschichtliche Erinnerung inmitten der vielgestaltigen Baulichkeiten, Maschinenhallen und Lagerräume. Der alte Herrmann, ein tüchtiger Arbeiter, der von der Pike auf gedient, gab sich mit dem kleinen, aber trefflich rentierenden Geschäft vollauf zufrieden und war mit den, allen alten, ihm teueren Mustern und Formen völlig widersprechenden Zeichnungen des Malers Holaus, welche ihm eines Tages fein Sohn brachte, durchaus nicht einverstanden. Das hieß ja die ganze Fabrikation auf den Kopf stellen. Doch es half alles nichts, der Junge hatte sich den Holaus einmal in den Kopf gesetzt. Die Probe mußte gemacht werden, und sie fiel glänzend aus. Die neue Ware fand reißenden Absatz. Die Jugend triumphierte wieder einmal über das bedächtige Alter. Und es war, als ob der leibhaftige Teufel in den verbummelten Maler gefahren wäre, welcher den ersten Auftrag monatelang verzottelte. Er kam selbst in das Geschäft, eignete sich in kurzer Zeit die nötigen Fachkenntnisse an, brachte unermüdlich neues von auserlesenem Geschmack, machte Vorschläge zu Verbesserungen und Erweiterungen, schritt von dem Einfachsten zu dem Verwickelsten vor, studierte die Arbeiten des Auslandes, der alten Meister des Gewerbes, kurz, machte sich unentbehrlich. Der Alte, welcher nicht mehr Schritt halten konnte, übergab seinem Sohn Franz, dem Entdecker des Holaus', das Geschäft mit dem wohlmeinenden Rat, den Maler unter den günstigsten Bedingungen als Teilhaber aufzunehmen, um sich diese Kraft für immer zu sichern. Franz befolgte mit Freuden den väterlichen Rat, und nun begann zwischen beiden ein edler Wettstreit in dem Bestreben, es vorwärts zu bringen. Franz war der Kaufmann, Holaus der künstlerisch Schaffende. Hatte er früher ein Vorurteil gegen dieses Herabsteigen zum Gewerbe, so sagte ihm nach der eigentümlichen Gewaltkur, die er durchgemacht, dieses Schaffen auf reeller Grunde läge, dieses handfeste Zugreifen mehr zu, als das Phantastisch-- Geniale der reinen Kunst, in der er das Höchste doch nicht erreichen konnte. Dabei begriff er immer mehr, welch reiches Feld vor ihm liege, welch edle Frucht darauf zu zeitigen war. (Fortsetzung folgt.) Die Zigarette. Von Fred Hood. ------- (Nachdruck verboten.) Die Zigarette, eines jener kleinen Genußmittel, die infolge grenzenlosen Mißbrauches von thörichten Menschen ihrer Harmlosigkeit beraubt sind, verdankt ihre Entstehung einer wohlberechtigten Spekulation. Es gilt, gewisse Tabake verschiedenen Ursprungs, deren Blätter für die Verarbeitung zu Zigarren nicht geeignet sind, in eine zigarrenartige Form zu bringen, um sie in der so beliebten Gestalt des „Glimmstengels" genießen zu können. Warum sollte man auch diese feingeschnittenen Tabake, die nicht mit Deckblättern des eigenen Materials zusammengehalten werden können, nur den Pfeifenrauchern zugänglich machen? Man verfiel nun auf die unglückselige Papierhülse, welche beim Rauchen mitverbrennt, aber auch leider mitgenossen wird. Nun, die Leute, welche die Zigarette nur als eine Art Lückenbüßer betrachten, wenn die Zeit zu knapp ist, um eine Zigarre oder eine Pfeife zu entzünden, auf dem Wege zum Besuch, zum Theater, zum Kolleg, die werden von einigen Blättchen brennenden Papiers nicht viel Schaden nehmen. Aber wer all die theerigen und brenzlichen Produkte, die das glimmende Papier entwickelt, tag täglich in größeren Portionen zu sich nimmt, der darf nicht erwarten, daß der Organismus diese mit Dank annimmt. Indessen die Massenraucher find da, und die Industrie muß mit ihnen rechnen/ sie thut dies sogar in möglichst humaner Weise, indem sie bestrebt ist, ein besonders feines und reines Zigarettenpapier zu liefern, das möglichst wenig schädliche Produkte enthält. Das beste Zigarettenpapier liefert Frank reich, wo es aus sehr feinen und gar sorgfältig gereinigten Leinwandlumpen erzeugt wird. Die Mode des Zigarettenrauchens kam bei uns in den Vierziger Jahren auf, indem man den Tabak für den Bedarf selbst freihändig in das bereit gehaltene Blättchen Seidenpapier wickelte. Viele sehen ja heute noch in dem selbstbereiteten Fabrikat den höchsten Genuß. Allmählich folgten Erfindungen einfacher Vorrichtungen zum Rollen von Zigaretten. Man begann dieselben auf Vorrat zu arbeiten und schließlich ging man, nach hinlänglicher Vervollkommnung der Apparate und Maschinen, von der Handarbeit zum großen Fabrikbetrieb über. Die Zigarettenmaschinen — meist sehr sinnreiche Konstruktionen — sehen sehr kompliziert aus, doch wird uns versichert, daß dieselben sich fast sämtlich höchst einfach und ohne Anstrengung handhaben lassen. Eine besonders leistungsfähige englische Maschine arbeitet z. B. in folgender Weise: Das Rohmaterial — d. h. der Tabak und das Papier wird an einer Seite in die Maschine gethan, und die fertigen Zigaretten kommen auf der anderen Seite heraus. Der Tabak wird in eine Art Trichter geworfen, aus welchem er, sobald der Mechanismus in Bewegung gesetzt ist, mittelst Rädern, die mit kleinen Messtngstiften besetzt sind, heruntergezogen und in loser Beschaffenheit vorwärts getrieben wird. Das Papier gelangt in Form eines dünnen weißen Bandes, das um eine Rolle gewickelt ist, in die Maschine und weist gerade die sür eine bestimmte Zigarettenstärke erforderliche Breite auf. Sobald die Maschine in Betrieb gesetzt ist, bewegt sich ein dünner Strom lockeren Tabaks in einem sich mehr und mehr verengenden Kanal vorwärts, bis das duftende Kraut zwischen zwei Metallräder gepreßt wird, deren äußerer Rand mit einer dem halben Querschnitt der Zigarette entsprechenden Höhlung versehen ist. Die Radreifen laufen gegeneinander und die Höhlung in denselben bildet zusammen den vollen Querschnitt der Zigarette. Natürlich wird durch eine Vorrichtung der Maschine die Tabakmenge derart bemessen, daß sie die Oeffnung zwischen diesen Rädern gerade so weit füllt, um den nötigen Druck zur Bildung der Zigarettenform zu erhalten. Der Tabak läuft zwischen diesen Rädern wie ein schwaches braunes Seil hindurch und trifft auf der anderen Seite mit dem Streifen Papier zusammen, welcher sich von der Rolle abwindet. Das Papierband gelangt flach unter den heraustretenden Tabak, um sich nun, diesen ausnehmend, vorwärts zu bewegen. Soll eine gedruckte Aufschrift auf der Zigarette erscheinen, so ist die Maschine auch dafür eingerichtet, und die Aufschrift wird automatisch in geeigneten Zwischenräumen auf der Unterseite des Papiers erzeugt. Der Mechanismus besorgt diesen Druck als einen Teil seines Tagewerkes, sobald das Papier die Spule verläßt. Das schmale Papierband mit dem runden Tabaksseil durchläuft nun die ganze Maschine von einem Ende zum anderen — das ist eine Entfernung von etwa 8 bis 10 Fuß. Während dieser Bewegung biegt der Mechanismus allmählich die Kanten des Papiers über den Tabaksstreifen, bis sie fast zusammentreffen. Wenn das Papier diesen nahezu umschließt, berührt einer seiner äußeren Ränder beim Vorüberstretfen eine kleine mit einem Klebstoff versehene Walze, welche dem Papier ein wenig von diesem Klebstoff mitteilt und es weitergehen läßt. Dieser Rand legt sich nun flach auf den Tabak, und die andere Kante kommt schnell herab und klebt an der ersteren fest, und die Zigarette ist fertig. Dann wird sie schnell, und zwar gleichfalls automatisch, von dem Strange abgeschnitten und gleitet eine Rinne hinab in einem zum Auffangen derselben bestimmten Aufnahmebehälter. Es giebt jedoch auch Maschinen, welche keines Klebestoffes bedürfen und höchst sinnreich die beiden Kanten durch bloßes Falten und Pressen zusammenfügten. Hierdurch wird natürlich jeder nachteilige Einfluß, den Gummi oder eine ähnliche Substanz auf den Geruch oder Geschmack des Tabaks ausüben könnte, vermieden. Die Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit mancher Zigarettenmaschinen muß als geradezu fabelhaft bezeichnet werden. So laufen z. B. aus der „Baron"-Maschine 240 bis 400 Zigaretten pro Minute, klar weiß und völlig gerundet, in vollkommener Form und mit gleichmäßiger Füllung die kleine Auslauf-Rinne am Ende hinab. Aber wieviel Zeit und Mühe erforderte es, um die Maschinen bis zu diesem Grade zu vervollkommnen! Zuerst war keine dieser Erfindungen voll und ganz brauchbar. Der Tabak war ungleichmäßig verteilt, und der Klebstoff reichte nicht aus. Manchmal ver- 672 sagte er überhaupt und eine zu große Ueberdeckung des Papiers gab dem Tabak einen unangenehmen Geschmack. Bei den besten Maschinen jedoch sind heut alle diese Mängel beseitigt, und die mit der Hand gefertigten Zigaretten werden immer mehr aus dem Handel verdrängt. Und doch giebt es einige Marken, d. h. die teuersten, die immer noch mit der Hand gefertigt werden müsien. Fachleute behaupten, daß die aus dem allerfeinsten türkischen Tabak hergestellten Zigaretten durchaus mit der Hand gearbeitet werden müßten, auch wenn das Fabrikat nicht bester ausfiele als durch Anwendung der Maschine. Denn der Tabak, sagen diese Leute, ist so empfindlich, und der Geschmack des wirklichen Kenners so fein — oder die Einbildungskräfte derjenigen, die sich als Kenner betrachten, so lebhaft — daß man fürchtet, das Metall der Maschine könne dem Tabak einen unangenehmen Geschmack mitteilen. Da der Preis aber für viele Raucher durchaus kein Hindernis bildet, das kostbarste Kraut zu genießen, so werden immer noch einige Zigaretten hergestellt werden, und das ist im Interesse der Industrie und der armen Zigarettenarbeiterinnen gewiß nicht zu bedauern. Vermischtes. Der köstlichste Wohlgeschmack. Obwohl die Vanille das feinste Gewürz nnd geeignet ist, selbst einfachen Gerichten hohen Reiz zn verleihen, ist sie doch bisher nur auf Gastrollen im Haushalt erschienen. Ihr hoher Preis, ihr unsicherer Einkauf und die aufregenden Eigenschaften, die ihr eigen sind, ließen sie in der bürgerlichen Küche nicht heimisch werden. Heute können wir die Vanille - Schoten ganz entbehren und trotzdem ihren herrlichen Geschmack in unvergleichlicher Reinheit, mit geringeren Kosten und ohne jede Befürchtung übler Einwirkung auf unser Nervensystem genießen. Der Körper, der der Vanille ihr köstliches Aroma verleiht, das Vanillin, ist in seiner chemischen Zusammensetzung erforscht und seine Abscheidung in reinem Zustand aus anderen billigen Naturstoffen von den Chemikern Dr. Wilhelm Haarmann in Holzminden und Geheimrat Dr. Ferd. Tiemann, Professor der Chemie an der Universität zu Berlin, erfunden worden. Das patentierte Verfahren wird von der Firma Haarmann u. Reimer in Holzminden ausgeübt. Sie stellt z. B. aus Koniferin, einem im Bastsaft der Nadelhölzer vorkommenden Stoff, Vanillin in höchster Reinheit her. Diesem Körper, der sich auch auf der Oberfläche feiner Vanille-Sorten in Form eines zarten Flaums abscheidet, hat die Vanille ihr köstliches Aroma ausschließlich zu verdanken, denn die in der Schote sonst noch enthaltenen Bestandteile, Harze, Fette und Gummen, die man unter dem Namen Extraktivstoffe zusammenfaßt, sind weder wohlriechend noch wohlschmeckend, überdies der Währung und Zersetzung unterworfen. Ebe» diese Neben- bestandtcile sind auch die Träger der gesundheitsschädlichen Eigenschaften der Vanille-Schoten, die sich schon zu Vergistungsfällen durch Vanille- Eis gesteigert haben. In dieser Hinsicht sind besonders sehr billige Sorten verdächtig, die sich teilweis schon in verdorbenem Zustand befinden und mit Milben durchsetzt sind, welche höchst unangenehme Hant- ausschläge herbeizusühren imstande sind. Das reine Vanillin, welches keine Spur dieser Beimengungen besitzt, wird entsprechend der Menge, wie cs in der allerseinstcn Vanille enthalten ist, mit Zucker verbunden und in den Originalpäckchen von Haarmann u, Reimer (Generalvertreter Max Elb in Dresden) in den Handel gebracht. Nur diese von den Patentinhabern und Fabrikanten selbst hergestellten Päckchen bieten dem Publikum Garantie für Reinheit und stets gleichmäßige Ausgiebigkeit. Das Aroma ist in dieser Form sofort löslich, teilt sich daher Beim Backen und Kochen den Speisen und Getränken schnell mit, verursacht auch nicht wie die Vanille häßliche schwarze Punkte in den Gerichten und braucht — zum Vorteil der Ausgiebigkeit — nicht mit gekocht, sondern nur mit den Speisen gut verrührt werden. Die Einführung des Mahagoniholzes itt Europa datiert vom Jahre 1724 her. In diesem Jahre brachte der Kapitän eines englischen Schiffes von einer Fahrt nach Wcstindien eine Ladung eines harten, von den Eingeborenen Mahagoni genannten Holzes mit. Es hatte eigentlich nur als Ballast gedient, da aber sein Bruder, ein Londoner Arzt von einigem Ruf, Dr. William Gibbons, gerade ein Haus baute, machte ihm der Kapitän das Holz zum Geschenk. Die Zimmerleute erklärten jedoch, das Holz sei zu schwer zu bearbeiten, und so ließ man es liegen. Nach einiger Zeit nun ließ sich der Doktor ans dem fremden Holz einen kleinen Kasten, einen Behälter für Lichte Herstellen, nnd da das Holz, nachdem es bearbeitet worden, vorzüglich aussah, ließ er sich auch einen Schreibtisch aus demselben Material ansertigen. Einzelne Mitglieder der Londoner Gesellschaft, die diesen bei dem Arzt sahen, fanden Gefallen an dem neuen Holz; es begann eine rege Nachfrage danach, und bald wurde Mahagoniholz regelmäßig nach England eingcführt, um zur Möbelfabrikation verwendet zu . werden. Gemütlich. Herr Bemmchen: „Ei, mei' lutester Herr Taschendieb. ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber ich hab' Se mei' Portemonnaie leider nicht bei mir." Der zerstreute Professor. „Ganz merkwürdig, Herr Professor, wie Ihre beiden Söhnchen sich ähnlich sehen! Es sind Zwillinge, nicht wahr?" — Ja, ja, besonders der ältere." Aus per Schule. Lehrer: „Als Cäsar seine Verbindungen mit Rom abbrach, wen überschritt er da? (Der Schüler schweigt). Nun, den — den —" — Schüler (Offizierssohn): „Den Urlaub." Praktisch. Patientin: „Muß ich noch immer die Zunge herausstecken, Herr Doktor?" — Arzt: „Jawohl, bis ich das Rezept fertig geschrieben habe." Litterarisches. Geschichte des deutschen Zeitungswesens von den ersten Anfängen bis zur Wiederanfrichtung des deutschen Reichs. Von Ludwig Salomon. Erster Band: Das 16., 17. und 18. Jahrhundert. Broschiert Mk. 3.—. Oldenburg, Schulzesche Hof-Buchhandlung. (A. Schwartz). Eine Geschichte des deutschen Zeitungswesens giebt es zur Zeit noch nicht. Wiederholt ist es unternommen worden, eine solche zn schreiben, aber immer ist die Arbeit unvollendet geblieben. Nun entwirft das Buch Salomons zum ersten Male ein großes vollständiges Bild von der Entstehung und Entwickelung des deutschen Journalismus und füllt damit eine längst empfnndene Lücke in unserer geschichtlichen Litteratur aus. Mit dem Zeitalter der Reformation beginnend, wo sich die ersten Keime des Journalismus regen, und, dann fortwandernd durch die düstere Periode des dreißigjährigen Krieges, durch die Frühlingslandschaften der Friedericianischen Zeit, bis herüber in die sonnige Lichtfülle der Gegenwart, führt der Verfasser uns eine Reihe der interessantesten Kulturgemälde, eine lange Galerie der eigenartigsten Charakterköpfe vor. Ein ganz neues, bisher nur hie und da gestreiftes Gebiet der Geschichte unserer Bildung wird uns dabei eröffnet, eine der gewaltigsten Mächte der Gegenwart, die öffentliche Meinung, sehen wir von ihrem ersten Emporwachsen bis zu ihrem heutigen gigantischen Einflüsse sich entwickeln, ja das ganze mühevolle Ringen und nicht rastende Kämpfen der letzten drei Jahrhunderte zieht in einem eigentümlich scharfen Spiegel an uns vorüber, denn in einer so umfassenden und erschöpfenden „Geschichte des deutschen Zeitungswesens", wie der vorliegenden, bietet sich uns auch zugleich ein Spiegelbild unserer gesamten nationalen Entwickelung. Ludwig Sal om on hat sich durch seine „Geschichte der deutschenNationallitteratur des 19. Jahrhunderts,, einen geachteten Namen gemacht; hier in seinem neuesten Werke fügt er zu den bisherigen Vorzügen noch den Reiz außerordentlicher Mannigfaltigkeit; denn welche Fülle bunten Lebens, welche großartige Entwickelung unserer Kultur, welches Wogen nnd Fluten der politischen Bestrebungen, welche wunderbaren Erfolge auf den weiten Gebieten des Handels, der Industrie und vor allem der Erfindungen tritt in der Zcitungslitteratur in die Erscheinung. So möge das verdienstvolle Buch Salomons, ein neues, hochinteressantes Kulturbild dreier Jahrhunderte, als eine wertvolle und willkommene Morgengabe der Litteratur in das neue zwanzigste Jahrhundert eintreten. Das Werk erscheint in zwei Hälften zum Ladenpreise von je 3 Mk. für das geheftete Exemplar. Die zweite Hälfte wird der ersten bald Nachfolgen. Rösselsprung. (Nachdruck verboten.) fei harrst schlack ten du ten re bens dUNst du z°i gold thor was b-ff' war zei ewig le aber ei har des ten be aus ten schö auf der aus die re ist dem sich nicht rei ne j- tel harrst von kunst Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: gebet — Hagebutte — Arabien — Marienburg — Padua; Champagner. BsMtisit; G. «ttrkherdt. — Bruck und Verlag der Brühl'schen Umversitits-Buch- und Steindrucker« (Pietsch Erden) in Gieße«.