Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. D i t f u r t h. (Fortsetzung.) IX. Die Osterfesttage waren still vorübergegangen, die Krankheit des Konsuls dämpfte die lebhaftere Fröhlichkeit, obgleich er sich schneller erholte, als man anfangs zu hoffen gewagt. Frau Charlotte mußte viel bei ihm sein, und es war gewiß kein leichtes Amt, wenn sie es auch schon mit jahrelanger Geduld geübt. Wie gern hätte ihr Renata beigestanden, aber sie wagte nicht, sich anzubteten. Das junge Mädchen war öfter allein,- Frida war der Leidenschaft des Briefschreibens ergeben und übte diese Kunst nach Kräften, und Renaten fiel es nicht ein, dies übel zu nehmen. Max hatte während der Festtage einen Bekannten auf dem Lande besucht und sollte morgen zurückkehreu. Es war eine stille Stunde nach Tische, und Renata saß allein im Wohnzimmer. Da fiel ihr die Ghlfen'sche Chronik ein. Ihr Jntereffe dafür war in letzter Zeit noch erhöht worden, und die Tage, die sie noch in diesem Hause zubringen durfte, neigten sich ihrem Ende zu. Sie mußte den Schlüffel vom Profeffor erbitten und erhob sich sofort, ihren Vorsatz auszuführen. Etwas bedenklich zögerte sie aber doch vor seiner Thüre - sie störte ihn vielleicht. Nun dachte sie aber daran, wie gütig und freundlich er immer gegen sie gewesen, und so klopfte sie leise, aber sicher an. Auf zweimaliges Klopfen ertönte kein Herein, und so öffnete sie, auf das Vertiestsein des Gelehrten rechnend, behutsam die Thüre. Der Profeffor saß in dem breiten, tiefen Fensterbogen, 1899. m Wrr sh MWM er Gedanke des Vaterlandes ist die Seele aller gesunden Kultur, arbeit. Joh. Scherr. Blond der Haare, Blau der Augen Macht den Deutschen, wie es heißt; Besser zu Wahrzeichen taugen Deutsches Herz und deutscher Geist. Joh. Scherr. der den Blick in den Garten gewährte, an seinem, diesen Platz ausfüllenden Schreibtisch- doch er schrieb weder, noch las er. Er hatte die untergeschlagenen Arme auf den Rand des Tisches gelegt und den Kopf etwas geneigt, starrte er über das ausgeschlagene Buch in tiefen Gedanken hinweg. Der unverhoffte Besuch trat etwas geräuschvoller näher, und das veranlaßte ihn endlich, aufzubltcken. Mit einem Ruck war er aufgesprungen und sah Renata einen Augenblick wie eine Erscheinung aus anderen Welten an. „O, Herr Profeffor, ich habe Sie sehr gestört," begann sie unsicher und blickte betreten zu ihm hinüber. Der Angeredete strich jetzt das dichte Haar aus der Stirn, auf der eine ungewöhnliche Röte lag. „Sie kommen zu mir, Fräulein Renata? Was wünschen Sie, bitte, sagen Sie es mir," redete er eigentümlich hastig, und seine träumerischen Augen irrten dabet so sonderbar über ihr Gesicht, daß sie unwillkürlich die ihren wandte und nun entschloffen, wenn auch etwas schüchtern, ihr Anliegen vorbrachte. Er trat schnell an ein einfaches Wandschränkchen und holte den gewünschten Schlüssel heraus, um ihn Renaten zu übergeben. Diese hatte ihren Gleichmut längst wieder gewonnen und lächelte. „Aber, Herr Profeffor, Sie liefern ja nun Ihre Heiligtümer ohne weiteres in meine Hände, wenn ich nun etwas zerbreche?" Sie hob ihre Augen zu ihm auf und sah in sein eigen- thümlich belebtes Gesicht, über das ein Widerschein ihres Lächelns glitt. „Sie wissen, daß ich in jeder Beziehung ein gutes Vertrauen in Sie setze, und sollte Ihnen etwas zerbrechen, so seien Sie sicher, daß ich nicht so schlimm bin, wie mich meine Nichte immer darstellt." „Ich werde sehr vorsichtig sein, Herr Professor," sagte Renata, „ich habe es ja auch nur auf die bewußte Chronik abgesehen- nicht wahr, sie steht in dem Schranke rechts ganz unten?" „Gewiß," wiederholte er, „ich darf Ihnen vielleicht behilflich sein?" „Ich danke sehr, Herr Professor, ich habe Sie schon genug in Anspruch genommen," rief sie beim Hinauseilen. „Er blickte ihr einen Moment nach, dann schloß er sachte die Thüre. Renata stand nun, nachdem sie das schwierige Aufschließen 602 - der Archivthüre glücklich überwunden hatte, ganz allein in dem wunderlichen Raume. Vorsichtig öffnete sie den Schrank und betrachtete zuerst die sonderbaren Gefäße, Münzen und sonstigen Raritäten, die sorgfältig geordnet waren, mit einer gewiffen Scheu von ferne, dann holte sie mit einiger Mühe den Folianten aus dem untersten Fach und sah sich nach einem Sitzplatz um. Der Bücherstoß neben dem alten Gylfen- bilde bot ihn ganz vortrefflich, und nachdem sie ein Fenster geöffnet, ließ sie sich darauf nieder. Von Zeit zu Zeit flog ein Frühlingshauch herein und strich über ihre sich vor Eifer nach und nach rötenden Wangen. Erich Gylfen war Anfang des sechzehnten Jahrhunderts aus dem Norden eingewandert und wählte sich hier seinen Wohnsttz. Er kaufte zuerst das verlassene und, wie Renata schon durch Wolfram erfahren, von einer Feuersbrunst zerstörte Kloster mit etwas Acker an und baute es nach Gefallen zu einem bequemen Wohnhaus aus. Nach und nach erwarb er immer mehr Land dazu und betrieb eifrig Ackerwirtschaft, wobei ihn sein jüngerer Sohn unterstützte, während der ältere Mönch wurde. Von letzterem rührten wohl die ersten Aufzeichnungen her. Der Erbe führte eine reiche Hausfrau heim, und der Wohlstand blühte überall. All' dieser Reichtum fiel nun an einen einzigen Sohn, der von fünf Kindern übrig geblieben, und auch er wußte ihn gut zu vermehren. Manches wurde kurz berichtet, anderes sehr ausführlich mit wundersamen Geschichten verflochten. Einmal hatte sich sogar eine gelehrte Ghlfin in Aufzeichnungen versucht, aber sie waren recht langweilig, wie es Renaten vorkam. Auch konnte sie sich zuweilen in der wunderlichen Schreibweise und verschnörkelten Schrift nicht gleich zurechtfinden. Sie lehnte etwas ermüdet ihren Kopf an die Stein- j mauer und schloß die Augen. I heraufkämen, und dann glaubte ich, ich hätte es überhört, bis —" „Bis Sie den Schlüssel zu lange vermißten," unterbrach Renata, etwas verlegen lächelnd, sein liebenswürdiges Schelte«. „O nein, aber ich gab mich der Befürchtung hin, daß Sie wohl gar hier vertieft säßen und sich tüchtig in dem kalten Raume erkälten würden. Sie werden selbst am besten merken, wie wenig ich mich täuschte." Er lächelte und trat von der Thüre zurück, ihr den Ausgang freigebend. Sie ging schnell an ihm vorüber, und er hatte den Gedanken, wie ihre Erscheinung so selbstverständlich zu der Umgebung hier unten paßte. Er schloß die Thüre und gab ihr den Schlüffe!. „Uebergeben Sie ihn mir so ohne jede Sorge auf länger?" „Gewiß, so lange Sie ihn brauchen, nur wünsche ich dringend, daß Sie sich nicht wieder so lange hier unten aufhalten, denn es könnten doch Tage kommen, wo ich nicht zu Hause bin, und wer soll Sie dann erlösen, im Falle das Schloß wieder so eigensinnig ist?" Hatte wirklich niemand weiter an sie gedacht wie er? Warum war er so gütig gegen sie? Ein wohlthuendes Gefühl bewegte ihr Herz, und warm hob sich ihr Blick zu ihm: „Ich danke Ihnen, Herr Professor, ich ahnte gar nicht, daß Sie so freundlich meiner gedenken." Er sprach kein Wort und schritt an ihrer Seite die Treppe hinauf. Frida hatte sich beim Briefschreiben so vertieft, daß sie weder an den Besuch bet Anna Burghoff noch an Renata gedacht hatte. Am anderen Tage sagte sie zu ihr: „Aber Renata, du hast ja Onkel Gottfried den Schlüssel nicht gegeben, er liegt noch in deinem Zimmer." Wie erstaunt war sie aber, als Renata ihr von des Professors Erlaubnis erzählte. „Da muß er dich sehr in sein Herz geschloffen haben, so etwas ist noch nicht dagewesen." „Meinst du?" fragte Renata erfreut, „darauf würde ich sehr stolz sein." (Fortsetzung folgt.) Ein traumhafter Zustand kam über sie: und ihr war, als träte der alte Erich Gylfen aus seinem Rahmen heraus und spazierte in seiner ehemaligen Kapelle mit zürnendem Antlitz herum, ihr dabei die geballte Hand entgegenhaltend. . ,, „ , r t Ä Sein Gesicht sah bald dem Konsul, bald dessen Enkel gleich. I Welche» Welt hat düs GUkgel»? Eine beklemmende Angst legte sich auf ihre Brust, und sie Der Wert dieses altehrwürdigen Heilverfahrens, das wollte schreien, da weckte sie ein dumpfer Krach, und sie fuhr I sich von jeher bei Laien wie bei Aerzten einer großen Be- versiort aus. I liebtheit erfreut hat, wird neuerdings auf Grund genauerer alkte? nn? toSLTfl, Cn TV? fin $er?ud,c ftarf angezweifelt. Die Frage, ob das Gurgeln f $ bMte' aufzuheben, horte sie I em zweckmäßiges Heilverfahren ist, hat eine außerordentlich entfernt eine Uhr schlagen. praktische Tragweite, denn man vertraut seiner Wirkung . Sie blickte erst ganz bedenklich den alten Gylfen an, I selbst bei schweren Erkrankungen, z. B. bei der Rachen- vh? V Elchen schrecken eingejagt, dann zog sie ihre kleine I bräune u. s. w. Ein Einwand, den verschiedene AerUe Uhr hervor. Sie hatte sich wirklich einige Stunden hier I auf Grund sorgfältiger eigener Beobachtungen gegen den aufgehalten und nun dachte sie daran, daß Frida mit ihr zu Wert des Gurgelns erhoben haben, ist, daß die Gurgelflüssig- T 2lnfna.iU bÄen; r keit mit der Rachenschleimhaut gar nicht in Berührung .. Sie legte die Folianten auf einen Bücherstoß und ging, komme. Dies ließ sich-scheinbar leicht durch Gurgeln mst merkte sie aber zu ihrem Schrecken, gefärbter Flüssigkeit feststellen. Soweit die Schleimhaut daß sie sich selbst zur Gefangenen gemacht. Unbedacht hatte I des Mundes und des Rachenraums dann gefärbt ist, so- l>as alte Schloß einschnappen lassen, und den verrosteten I weit muß auch die Gurgelflüssigkeit gedrungen sein, und Schnepper zurückzuziehen ging über ihre Kräfte. man könnte darnach sehr gut beurteilen, ob Krankheits- Sie trat an das Fenster und rief, denn vielleicht war Vorgänge im Munde und Rachen, z. B. belegte Mandeln, jemand im Garten, aber vergebens, es regte sich nichts. noch in dem Wirkungsbereiche der Gurgelflüssigkeit sich be- ® £, ^lte/ moderige Luft verursachte ihr einen Schauer, I finden. Auf diese Weise sah man in der That oftmals die und dst Totenstille fing an, ihr unheimlich zu werden. Erneute I Mandeln, ja auch noch die Hintere Rachenwand mit der Versuche, das Schloß zu öffnen, waren ebenso fruchtlos wie Flüssigkeit gefärbt. Indes hierbei konnte fchon eine f Tk*? drinnen bleiben mußte viel- I Täuschung mit unterlaufen; die Hinterwand war wohl qe- leicht die Nacht? Der Gedanke war doch unbehaglich, dazu färbt, war sie damit aber auch thatsächlich von der Flüssiq- fiel ihr Fridas Bemerkung ein, daß der alte Gylfen umgehe, keit bespült worden? Berechtigte Zweifel erweckte schon die seine Augen blickten schon ganz gespenstisch dort von der I Beobachtung, daß manchmal die Hinterwand des Rachens ^anb Mg eine Thüre und rasche Schritte kamen I allerdings gefärbt war, nicht aber waren es die Mandeln. ^erab<.’ "aherten sich der Thüre und ehe I Eine Erklärung hierfür war nur so zu geben, daß beim Renate rufen konnte, wurde riese geöffnet: „Dacht ich's doch, I Gurgeln einige „Spritzer" der Gurgelslüssiakeit nach hinten ®e 9 Sr<Ä ber Professor und drohte schossen und so die Färbung hervorbrachten. Genauere mit dem Finger, „erst habe ich gewartet, daß Sie wieder । Versuche, die nach der „Tägl. Rundschau" neuerdings — 603 — Dr. W. Saenger in Magdeburg anstellte, haben nun die Frage nach dem Werte des Gurgelns geklärt. Er stellte seine Versuche sozusagen nach dem umgekehrten Verfahren an. Er umwickelte das Ende einer Sonde mit einem Wattebausch, tauchte diesen in Wasser und hernach in eine stark färbende Flüssigkeit, das Metylenblau, und betupfte damit beide Mandeln eines Kranken, der an Halsentzündung erkrankt war. Im Anschluß hieran ließ er mit reinem Wasser gurgeln. Bespülte die Gurgelflüssigkeit auch die beiden Mandeln, dann mußte sie von dem Metylenblau stark blau gefärbt werden; denn die gleiche Menge Farbstoff genügte, um einem Weinglase Wasser, also weit mehr, als beim Gurgeln in den Mund genommen wird, nach kurzem Umrühren eine tiefblaue Färbung mitzuteilen. Das Ergebnis war, daß die Gurgelflüssigkeit klar abfloß und daß auch in der Mundhöhle keine Blaufärbung sich fand, während die Mandeln und auch die Hinterwand des Rachens sehr stark gefärbt waren. Die Gurgelflüssigkeit konnte also nicht bis zu den Mandeln gelangt sein. Unter Umständen können ja, wie schon bemerkt, „Spritzer" auf die hintere Rachenwand gelangen, auch wohl kaum manchmal etwas Gurgelflüssigkeit, zumal wir mit nach hinten gelegenem Kopfe gurgeln, in den Rachen hinabfließen; die Regel jedoch ist, daß beim regelrechten Gurgeln weder die Mandeln, viel weniger die hintere Rachenwand benetzt werden. Doch wird es immerhin vereinzelte Personen geben, welche so zu gurgeln verstehen, daß die Gurgelflüssigkeit wirklich, nicht blos scheinbar, die rückwärts von den Gaumenbögen gelegenen Teile bespült, aber das sind Ausnahmefälle. Jedenfalls ist es ein Kunststück, das für viele schwer zu erlernen sein mag, das jedoch, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, erlernt werden kann; man vermag die Gurgelflüssigkeit dann sogar bis in den Kehlkopf fließen zu lassen, ohne daß — wegen der Gewöhnung — jener heftige Hustenreiz auftritt, der ja für den „unrechten Hals" bezeichnend ist. Wer mit einer völlig unschädlichen Flüssigkeit gurgelt, thut gut, während des Gurgelns einige Schluck davon zu verschlucken; hält er sich beim Schlucken dann noch die Nase zu, so wird er fühlen, daß öfter Spuren der Gurgelflüssigkeit bis in den Hinteren Nasenrachenraum dringen, zumal wenn der Kopf schnell vornüber gebeugt wird. Diese Weise des Gurgelns empfiehlt sich, weil dadurch fast alle Teile des Rachens mit der Gurgelflüssigkeit bespült werden. Dr. Saenger will an die Stelle des Gurgelns das Auftupfen der Flüssigkeit mit einem Wattetupfer treten lassen. Solche Wattetupfer lassen sich ja leicht Herstellen, und nach seiner Erfahrung lernen die Angehörigen der Kranken auch leicht das Verfahren. Jedenfalls wird auf diese Weise eine sichere und viel innigere Berührung des Heilmittels mit der erkrankten Schleimhaut erreicht, als durch das Gurgeln. Gemeinnütziges. Beseitigung von Stockflecken aus Papier. Um fleckige Kupfer- und Stahlstiche wieder wie neu herzustellen, verfährt man nach der „Leipz. Ztg." auf folgende Weise: In ein halbes Liter Wasser gibt man 30 Granim pulverisiertes phosphorsaures Natron und bringt das Wasser zum Sieden; hierauf gießt man dasselbe in eine flache Schale, die zur Aufnahme des zu reinigenden Stiches bestimmt ist, und legt letzteren hinein. Je nach dem jeweiligen Zustande des Stiches nun läßt man diesen einige Stunden, wenn nötig auch einen bis zwei Tage, in dieser Lösung liegen, spült ihn dann mit ganz reinem Wasser vorsichtig nach und hängt ihn zum Trocknen auf, oder man legt ihn auch auf reines Fließpapier zum Trockenwerden. Das Papier wird dadurch nicht im geringsten angegriffen, es erscheint nach Lieser Prozedur vollständig gereinigt; das Vergilbte, sowie Lie häßlichen Stockflecke verschwinden davon vollständig. Da die Lösung geruchlos ist und eine überraschende Wirkung hat, so sei das Verfahren jedem anderen vorzuziehen. Ziergarten und Alumeupflege. Die Ueberwiuterung der Pelargonie« in Käste» kann dann geschehen, wenn man dabei die größte Vorsicht anwendet, da sonst Frost und große Feuchtigkeit bei der so oft notwendigen Lnftentziehung den ganzen Pflanzenbestand zerstören würde. Auf alle Fälle muß man den Mistbeet- kästen auch von der Außenseite mit einer breiten und hohen Schicht Pferdedung umgeben. Bei stärkerem Froste muß der Kasten sowohl durch gut verschließbare Fenster als auch durch Läden, doppelte Strohdecken und eine Laubschicht zugedeckt werden. Bei milderem Wetter müssen die Fenster gegen die Mittagszeit abgehoben werden, aber noch vor dem Eintritt des Frostes ist das Schließen der Kästen wieder vorzunehmen. Jedenfalls ist es unbedingt notwendig, schon jetzt mit dem Begießen der Pflanzen aufzuhören und sie an kalte Luft zu gewöhnen, damit das Holz ausreift und sie sich abhärten. Fuchsten können in gleicher Weise überwintert werden, sie sind etwas weniger empfindlich. Beim Niederlege« der Rosenstämme müssen wir uns daran gewöhnen, stets dieselbe Richtung der Rose zu geben. Wir vermeiden so am besten den Bruch. Ueber die mit Haken am Boden festgehaltenen Kronen legen wir ein Dächlein aus Brettern, über welches bei strenger Kälte Laub rc. gedeckt wird. Ist dieselbe sehr streng, dann ist eS gut, auch den Stamm durch Einbinden zu schützen. Die Spaliere von Rosen, welche Kulturmethode noch viel zu selten in den Gärten gefunden wird, werden, wenn die dazu verwendeten Arten nicht durchaus winterhart sind, mit Fichtenzweigen bedeckt. Petunie» lassen sich wohl überwintern, doch lohnt die Ueberwinterung nicht, weil die Pflanzen sich nur im ersten Jahre üppig zu entwickeln pflegen. Aehnlich verhält es sich mit der Cobäa. Will man diese Pflanze doch überwintern, so muß es in einer kühlen, aber frostfreien Stube bet Hellem Standort geschehen. Iür die Küche. Küchenzettel. Montag: Pökelzunge mit Grünkohl. Dienstag: Königsberger Klops mit Reffklößen. Mittwoch: Rindfleisch mit Reis. Donnerstag: Kalbsgekröse. Freitag: Weinsuppe, Semmelpfanne mit Birnen. Sonnabend: Rindfleisch mit Reis. Sonntag: Suppe mit Flocken, Kalbsbraten mit Selleriesalat und Backobst. Ein altes wahres Wort sagt, daß Probieren über Studieren geht, und dieses Wort läßt sich ganz besonders in der Hauswirtschaft anwenden. Täglich fast erscheinen Neuerungen auf dem Gebiete der Küche, welche Erleichterung und Verbesserung bedeuten, aber immer nur ist es eine im allgemeinen kleine Anzahl von Frauen, die sofort diese Erleichterung in ihrer Küche und Haushaltung einsührt, bei vielen dauert es eine geraume Zeit, ehe sie einen Versuch machen. Eine immer hervorragendere Bedeutung gewinnt die Maggi-Würze, die mit bestem Erfolge hier eingeführt und in unzähligen Küchen unentbehrlich geworden ist. Sie will nichts weiter sein als eine Würze, kann aber in der That als „Königin der Würzen" bezeichnet werden. Vorzüglich bewährt sie sich zur Herstellung guter Suppen und Saucen. Ein Zusatz von Maggi macht eine dünne Fleischbrühe sofort kräftig, verleiht einer faden Sauce einen pikanten, aromatischen Geschmack. Wenn man Gemüse ohne Zusatz von Fleisch, nur n Wasser mit etwas Butter kocht, erhalten dieselben den ehlenden würzigen Geschmack, wenn man beim Anrichten einige Tropfen Maggi zusetzt. Ganz besonders vorzüglich ist Maggi an allen Salaten, Remouladen- und Mayonnaisen- aucen; das feine Aroma, welches die Würze denselben verleiht, wird durch nichts anderes ersetzt. Gleich köstlich ist die Würze an allen Suppen, besonders Wurzel-, Kräuter- und Hülsefrüchtesuppen. In vielen großen Küchen, in den 604 meisten renommierten Restaurants, Anstalten, Hotels ist Maggi schon eingeführt, und jede Hausfrau sollte es stets im Hause haben. Ouitlen-Liqnenr. Mau schält 4 bis 6 Quittenäpfel und reibt sie auf dem Reibeisen, wenn man es hat, auf einem porzellanenen. Man läßt sie über Nacht stehen, damit sie mehr Saft absondern, dann preßt man sie durch ein Tuch. Darauf läutert man 250 Gramm Zucker in 1 Liter Wasser, gießt den Quittensaft hinzu und läßt alles tüchtig durchkochen. Zuletzt gießt man es, während es noch heiß ist, mit V3 Liter — will man ihn sehr stark haben, mit einer Flasche — reinem Kornbranntwein in eine Terrine, deckt diese zu und filtriert, sobald der Liqueur erkaltet, denselben durch Fließpapier, wonach er in Flaschen gefüllt, verkorkt, versiegelt und im Keller recht lange lagern gelafsen wird. Kalmus-Likör. Man grabe die an Teichrändern häufig wachsende Kalmuswurzel, spüle diese rein aus, schneide die Hauptwurzel in Scheiben und trockne sie aus. Getrocknete Kalmusscheiben röste man in einem Kaffeebrenner etwas bräunlich und gebe auf einen Liter Kornbranntwein 1 Dekagramm, digeriere fünf Tage und versüße mit Syrup. Enten-Suppe. 10 Personen. Bereitungszeit drei Stunden. Zuthaten: Eine Ente, 2 Liter Wasser, 1 Liter Brühe aus Liebig's Fleischextrakt, eine Zwiebel, vier Eßlöffel geschnittenes Wurzelwerk, */2 Kilo kleine Kartoffeln, ein Kräuterbündchen von Kerbel, Selleriekraut, zwei Löffel Schwitzmehl, Petersilie uud Majoran, Salz nach Geschmack. Die Ente, welche nicht ganz jung zu sein braucht, wird in bekannter Weise vorbereitet, mit dem Waffer, der Zwiebel, dem Wurzelwerk und Salz vollkommen weich gekocht und durchgeseiht, mit der Brühe aus Liebigs's Fleisch-Extrakt noch einmal zum Kochen gebracht. Mit dem Schwitzmehl semig gemacht, mit den sein gewiegten Kräutern abgeschmeckt, fügt man die in Waffer halb gar gekochten Kartoffeln zu, läßt die Suppe noch eine Viertelstunde auf dem Feuer ziehen und richtet sie mit dem kleingeschnittenen Entenfleisch zusammen an. Teltower Rüven mit Sahne. Zehn Personen. Be- reitungszeit zwei Stunden. Zuthaten: V/4 Kilo Teltower Rüben, 20 Gramm Liebig's Fletschextrakt, 175 Gramm Butter, i/8 Liter süße Sahne, 30 Gramm Mehl, eine Prise weißer Pfeffer, Salz und nach Belieben Zucker. Die echten Teltower Rüben sind klein, schlank, in der Farbe gelblich und von scharfem Geruch, sie werden sauber geputzt und wenn man sie nicht sofort kocht, mit etwas Mehl überstreut, damit sie weiß bleiben. Heiß gewaschen und mit kochendem Waffer, Salz, Butter und Liebigs's Fleisch-Extrakt aufgesetzt, müssen sie langsam weich dünsten. Nachdem dies geschehen ist, nimmt man die Rüben aus der Brühe, macht letztere mit dem in der Sahne verquirlten Mehl semig, giebt den Pfeffer hinzu, ebenso die Rüben, die nach Geschmack einen kleinen Zuckerzusatz erhalten können und richtet sie — heiß geworden — an. Die Fray Bentos-Zunge kann erwärmt oder kalt dazu gereicht werden. Vermischtes. Höfliche Kinder. Es giebt viele Eltern, die es unnötig und unnatürlich finden, schon die Kleinen anzuhalten und zu gewöhnen, die einfachsten Höflichkeitsformen zu beobachten. Und doch wie einfach ist es, ein Kind zu gewöhnen, seinen Hut abzunehmen beim Eintritt in ein Zimmer, den Personen, die sich darin befinden, guten Tag zu sagen. Dieser Zwang, wenn man will, hat für das Kind selbst nichts Zwingendes, er vereinigt sich ganz gut mit den lieblichen Eigenarten des Kindes, deren Naturell und der Aufrichtigkeit. „Fangen wir mit der Praxis an, der Glaube wird folgen", sagt ein berühmter Mann. Der Mensch hat einen Leib und eine Seele, und dieser Leib kann mitunter der Seele als Lehrer dienen. Die Gewohnheit ist eine große Lehrerin. Wenn das Kind grüßt, ist es zuerst nur sein Kopf, der sich neigt; wenn sein Mund guten Tag wünscht, ist es nur sein Mund, welcher spricht, aber je nachdem sich diese Bewegungen und Worte wiederholen, gehen sie nach und nach von den Lippen ins Herz, von der Stirne in die Intelligenz; die Bewegungen verwandeln sich in Gefühle! Dazu fügen wir hinzu, daß aus höflichen Kindern einzig und allein auch junge höfliche Leute werden! Die Höflichkeit muß man recht früh lernen, sonst lernt man sie nie. Die Höflichkeit hat als ersten Grund die Ehrfurcht für die Frauen, und diese Ehrfurcht lernt sich niemals besser als auf der Mutter Schoß ! Ein fünfjähriges Kind trifft eines Tages einen armen, sehr alten, gebrechlichen Mann an. Seine Mutter gibt ihm ein Geldstück für den armen Mann, aber ehe das Kind es ihm gibt, zieht cs zuerst seine Kappe vor ihm und grüßt ihn. Ist das nicht köstlich! Dieses Kind besaß die rechte Höflichkeit, den Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Nächsten. Eine tiefe Lehre! Tas Kind verbindet mit der äußerlichen Gabe diejenige des Herzens und zeigt uns die Höflichkeit unter einer neuen Form! Es sagt uns, ohne es zu wissen, daß wir in jedem menschlichen Wesen ein Geschöpf Gottes ehren sollen und einen leidenden Bruder, und so haben wir das Recht zu sagen: Die Höflichkeit ist wie die großen Gedanken; sie kommt aus dem Herzen! (Praktischer Wegweiser", Würzburg.) In welchem Monat ist die Sonne am weitesten von der Erde entfernt? — Die meisten Leute werden antworten: im Dezember, weil es nämlich dann am kältesten ist. Das Internationale Patentburean Karl Fr. Reichelt, SerlmNW.G, gibt die richtige Antwort: im Juli, und zwar am 4. Juli, wo wir durch einen Zwischenraum von rund 150 Millionen Kilometer von unferm Tagesgestirn getrennt sind. Die höchste Instanz wechselt in den einzelnen Jahren etwas; im ganzen handelt es sich um einen Unterschied von „höchstens" 5 Millionen Kilometern. In diesem Jahre waren es genau berechnet 150983 700. Diese Entfernungsschwankungen haben ihre Entstehungsursache in Störungen, welche Venus, Mars und Jupiter in unserem System Hervorrufen. Während wir also im Juli am weitesten von unserem himmlischen Ofen entfernt sind, herrscht doch gerade zu dieser Zeit die größte Hitze. Es kann also von einem Einfluß der Sonnennähe auf die irdische Temperatur nicht die Rede sein. In Wirklichkeit hängt diese von der Tageslänge und von der Größe des Winkels ab, in dem die Sonnenstrahlen die Erde treffen. Steigen sie senkrecht auf uns hernieder, dann ist es Sommer; müssen sie breite Schichten der Erdatmosphäre durchdringen, bis sie zu uns gelangen, so frieren wir. Auch steht die Sonne im Juli 16 Stunden am Himmel, im Dezember, wo wir ihr am nächsten sind, leuchtet sie uns nur 8 Stunden. Deutsch und italienisch. Ein Deutscher befand sich eines Tages in Gesellschaft eines Italieners nnd rühmte ihm die Schönheit der deutschen Sprache so sehr, daß er sogar behauptete, sie müsse diejenige gewesen sein, die man im irdischen Paradiese redete. „Ohne Zweifel," erwiderte ihm darauf spöttisch der Italiener, „war sie gerade die, deren Gott sich bediente, um Adam aus dem Paradiese zu vertreiben." — „Wenn das wahr ist," entgegnete darauf rasch der Deutsche, „so muß damals der Teufel zuerst die Eva verführt haben, indem er mit ihr italienisch sprach." Anagramm. (Nachdruck verboten.) Hart und beständig als Baum, so steh' ich im heimischen Boden. Stellst du die Zeichen mir um, schlüpf' ich dir glatt aus der Hand. P. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer: Was glänzt, ist für den Augenblick geboren. h e; g l< « L u u d a e v d e fi u f ö b »rtaltiou: S. Burkhardt. — Druck trnb Verlag der Brühl'sche« lluiverfitätS-Buch- und Steiadruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.