^tnhdqff re icht jeder liebt den Arzt, der mit dem Messer, Kühn in das faule Fleisch der Lügen dringt. Das Vorurteil ist mächtig in der Welt, Und wer da rührt an einer alten Satzung, Sei auch gefaßt, daß tausend drum ihn hassen. M. Ring. (Nachdruck verboten.) Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) „Hand weg!" rief dieser, „wir könnten uns da arg die Finger verbrennen". „Erst die großen Worte, und dann giebst Du die Sache auf. Wo nicht andere für Dich die Kastanien aus dem Feuer holen, , da bist Du nicht zu haben!" höhnte der andere. „Schwatze nicht so blödsinnig in den Tag hinein!" schnob ihn Corbus an. „Selbstverständlich habe ich den Plan im Auge behalten, bin unter allerlei Vorwänden mehrmals bei meinem lieben Vetter, dem Herrn Kommerzienrat, gewesen, und habe mich scharf umgesehen und genau unterrichtet. Ich sage Dir, es ist dort absolut nichts zu machen". „Warum nicht?" grunzte Homann, der nicht so leicht zu überzeugen war. „Weil zwei Hausdiener dort schlafen, der eine sogar im Kassenzimmer". „Nun, könnte man die nicht?" — Homann machte eine sehr bezeichnende Gebärde. „Nein, lieber Freund", erwiderte Dr. Corbus trocken, „auf dergleichen Unternehmungen möchte ich mich nicht einlassen, nicht einmal als stiller Teilnehmer- übrigens wär's damit auch noch nicht gethan. Es brennt während der ganzen Nacht Licht und zwei große bissige Hunde, die auf den Mann drejsiert sind und bei dem geringsten Geräusch ein wütendes Gebell erheben, laufen auch frei herum". „Homann kratzte sich hinter den Ohren. „Hunde!" sagte er kleinlaut, „da ist freilich nichts zu machen. Aber da sieht man's wieder, je reicher die Leute sind, je weniger lassen sie anderen was zukommen. Dieser Lump von einem Kommerzienrat weiß sich gut zu wahren". Sein Zorn hatte etwas so überwältigend Komisches, daß Corbus in ein lautes Gelächter ausbrach. t „Es ist wirklich unerhört von den Helldorfs, daß sie Vorkehrungen treffen, um nicht —" „Lache nicht! höhne nicht!" unterbrach ihn wütend, mit mit dem Fuße stampfend, Homann. „Sage mir lieber, wie ich auf andere Weise zu Geld komme". „Ich weiß es nicht". „So müssen die Aktien heran. Friß Vogel oder stirb!" „Noch einmal —" „Du willst mir nur nichts davon geben, hab's lange gewittert, daß Du mich darum zu beschwindeln denkst". „Alberner Schnack!" fuhr ihn Corbus an, „da solltest Du mich doch wirklich besser kennen!" Er ging schweigend und nachdenkend ein paarmal im Zimmer auf und ab, blieb dann vor dem Gefährten stehen und sagte: „Du sollst Deinen Willen haben —** „Na, endlich nimmst Du Vernunft an!" rief der andere dazwischen. „Die muß ich für uns beide haben!" knurrte Corbus, „also Du sollst Deinen Willen haben, aber auf Deine Gefahr!" „Schon gut, schon gut!" „Ich gebe Dir einen kleinen Teil der Aktien —" „Warum einen kleinen Teil?" „Weil sie in meinen Händen immer noch sicherer sind als bei Dir und weil ich die, die am unverdächtigsten sind, heraussuchen will. Verschone mich doch mit Deinen Zwischenbemerkungen!" antwortete Corbus sehr von oben herab, und knurrend wie ein Hund, der Schläge bekommen hat, schwieg der andere. Corbus ging in sein Schlafzimmer, löste eine Schnur, die er beständig um den Hals trug, und an welcher ein kleiner Schlüssel hing. Dann nahm er aus seinem Kleiderschrank einen kleinen Koffer und schloß mittels des Schlüssels das sehr kunstreich gearbeitete Schloß desselben auf. Mehrere Wäschestücke zur Seite schiebend, zog er einen auf dem Boden des Koffers befindlichen Blechkasten hervor, den er mit einem zweiten an der Schnur befindlichen Schlüssel öffnete. Er suchte lange unter den Papieren, mit denen der Kasten angefüllt war, setzte, nachdem er seine Auswahl getroffen, mit großer Behutsamkeit alles wieder in den früheren Stand und kehrte dann in das Wohnzimmer zu dem ihn ungeduldig erwartenden Homann zurück. „Hier hast Du Russen und Rumänier, die lassen sich, denke ich, leichter verkaufen als deutsche Papiere!" sagte er, 538 — Homann die Aktien hinreichend. „Aber sei vorsichtig. Nicht etwa in Berlin". „Na, so dumm!" lachte Homann. „Ich reise noch heute ab". „Besser wär's schon, Du wärest jetzt gar nicht hergekommen. Die Polizei sucht noch immer eifrig nach dem famosen Mieter in der Friedrichstraße". „Oho! Wer mich fangen will, der muß früh aufstehen. Na, leb' wohl, altes Haus!" Er wollte sich entfernen. Corbus hielt ihn zurück. „Höre, man kann bet aller Vorsicht Pech haben", sagte er mit verlegenem Gesicht. „Wenn Dir etwas passierte —" Homann lachte laut auf. „Hast doch Angst, ich könnte dann pfeifen", sagte er. „Höre, man sucht keinen hinter dem Busch, man hätte denn selber dahinter gesteckt. Ich bin ein Kerl, der Ehre im Leibe hat und bringe keinen Freund ins Schlamassel- es müßte mir ganz niederträchtig mitge- spielt werden, wenn ich dergleichen thun sollte. „Na, leb' wohl, Alter, auf Wiedersehen!" Er hielt seinem Gefährten die Hand hin, in welche dieser nach unmerklichem Zögern die seinige legte, und ging. Dr. Corbus schaute ihm mit gemischten Empfindungen nach. XII. „Liebe Eugenie, so leid es mir thut, Dich beunruhigen zu müssen, kann ich gegen Dich über ebenso unangenehme, wie rätselhafte Vorgänge in unserem Hause doch nicht länger schweigen" sagte Kommerzienrat Helldorf, der mit ernster, umwölkter Miene in das Zimmer seiner Frau getreten war. „Wie Du das sagst, Konstantin!" schrie fie auf. „Du erschreckst mich ja auf den Tod! Kann denn niemand auch nur die allergeringste Rücksicht auf mich nehmen!" Schon lehnte sie wieder bleich, zitternd, mit Thränen in den Augen in den Kissen ihres Stuhles. „Nähme ich nicht so große Rücksicht auf Dich, würde ich eher gesprochen haben", erwiderte der Kommerzienrat, zu sehr erfüllt von dem, was er mitzuteilen hatte, als daß er dem Schwächezustand seiner Frau allzu große Aufmerksamkeit geschenkt hätte. „Aus dem Geheimfach in meinem Zimmer ist mir zweimal hintereinander eine namhafte Summe entwendet worden". Voll Entsetzen fuhr sie auf und rief: „Aber Konstantin, was Du da sagst, ist ja ganz unmöglich! Du mußt Dich irren!" „Das habe ich auch geglaubt, als ich die ersten 3000 Mark vermißte- heute sind 7000 auf dieselbe rätselhafte Weise verschwunden", entgegnete der Gatte. „Ich wollte Dich schonen und habe Dir von dem ersten Verlust nichts gesagt, da sich indes das unliebsame Ereignis im verstärkten Maße wiederholt hat —" „Mußtest Du mich davon in Kenntnis setzen, das ist selbstverständlich!" fiel sie ein und zeigte sich jetzt merkwürdig gefaßt. „Du hättest es lieber schon beim erstenmale thun sollen". „Vielleicht hast Du recht, es waren aber mancherlei Umstände dabei, welche die Sache verwickelter machten", antwortete er und erzählte ihr nun von dem Verdacht, den er gegen Adalbert gehabt, wie von der Lösung, welche die Angelegenheit gefunden, und nun geriet sie von neuem ganz außer sich. Mit gerungenen Händen im Zimmer auf und ablaufend, schluchzte sie: „Mein armer, armer Adalbert! Gegen einen solchen Verdacht hast Du Dich verteidigen müssen! Wie abscheulich! Wie unwürdig! Wie konntest Du das thun?" „Der Schein war allzu sehr gegen ihn. Ich war ja nur zu glücklich, als die Sache sich so günstig aufklärte", erwiderte der Kommerzienrat und wollte den Arm um ihre Schulter legen, um sie wieder zu ihrem Sitze zu führen, aber sie stieß ihn zurück und rief mit großer Bitterkeit: „Es bedurfte erst des Zeugnisses Deines geliebten ältesten Sohnes, um Dich von der Unschuld des armen Burschen zu überzeugen! Und zum Stiefbruder hat er in der Angst seines Herzens seine Zuflucht nehmen, ihm den Triumph gönnen müssen, den großmütigen Retter in der Not zu spielen!" „Aber, Eugenie!" versuchte der Kommerzienrat dazwischen zu rufen. Sie hörte nicht auf ihn, sondern fuhr in steigender Erregung fort: „Wenn Adalbert in Wucherhände geriet, wenn er sich vor seinem Bruder demütigen mußte, ja, wenn er auf die abschüssige Bahn, auf der ihn Dein liebevolles Vaterauge bereits zu sehen glaubte, geraten wäre, wessen Schuld würde das sein? Einzig und allein die Deine. Weshalb giebst Du ihm nicht, wie es sich gebührt? Weshalb bist Du so schäbig gegen ihn? „Ich werde Dir eine Ausstellung der Summen, die Adalbert in dem letzten Jahre erhalten hat, • vorlegenbegann der Kommerzienrat, aber sie überschrie ihn: „Ach, bleibe mir doch mit Deinen Krämerrechnungen fern, die haben keinen Wert für mich. Gegen Hans würdest Du so nicht handeln. Aber meine Kinder sind Dir nichts, das weiß ich schon lange!" Lauter weinend und mit allen Gliedern zuckend sank sie auf den nächsten Lehnstuhl. Ihr Gatte wußte aus Erfahrung, daß diesem Gebühren gegenüber jede vernünftige Vorstellung nutzlos sei und wartete deshalb ruhig bis sie sich ausgetobt hatte. Dann trat er ihr näher und sagte mild, aber ernst: „Eugenie, Du hast unser Gespräch auf ein ganz anderes Gebiet hinübergespielt, es ist notwendig, daß wir zu seinen Anfängen zurückkehren. Hast Du eine Ahnung, wer das Geheimfach geplündert haben könnte? „Wie kannst Du eine solche Frage an mich richten?" fuhr sie auf, und gelassen erwiderte er: „Vier Menschen wissen um die Existenz des Geheimfaches: Du, ich und unsere beiden Söhne. Von diesen kann cs keiner gewesen sein, wer aber sonst?" — „Ich weiß es nicht! Ich weiß es nicht! O, was verlangst Du von mir? Willst Du mich töten? Mein Kopf! Mein armer Kopf!" Das Tuch vor das Gesicht pressend, sank sie zurück. Jeder Versuch, mit ihr noch weiter über die Angelegenheit zu sprechen, erwies sich als vollständig vergeblich. Es blieb dem Kommerzienrat nichts übrig, als sie den Händen ihrer Jungfer zu übergeben und sich schleunig zu entfernen. Er war gewohnt, seine Frau nach derartigen Auftritten den Tag über nicht wieder zu sehen zu bekommen und begab sich recht niedergeschlagen in sein Zimmer. Um so erstaunter war er, als sie ihn nach Verlauf von kaum zwei Stunden wieder zu sich entbieten ließ. Sie hatte jetzt ihre kleine Tochter bei sich im Zimmer und trug ein sehr ernstes, fast feierliches Wesen zur Schau. „Setze Dich hier recht nahe zu mir, Konstantin", sagte sie halblaut und deutete mit der Hand auf einen dicht neben ihrem Ruhebette stehenden Sessel. „Ich habe Dir Dinge von höchster Wichtigkeit mitzuteilen, die darum mit der größten Vorsicht behandelt sein wollen". Er folgte ihrem Wink, und sie fuhr in geheimnisvoller Weise fort: „Deine Mitteilung hat mich nicht ruhen und rasten lassen. Trotz der Schmerzen, von denen mein armer Kopf gefoltert ward, sann und sann ich doch, und — habe etwas gefunden!" „Du hast gefunden!" rief er in seiner Ueberraschuag laut aus. Ihm die Hand auf den Arm legend, warnte sie: „Leise, leise, ich fürchte, bei uns haben die Wände Ohren- beuge Dich noch näher zu mir!" Er that es, und sie fuhr fort: „Du sagtest, es wüßten vier um die Existenz des Geheimfaches. Wir haben nicht an eine fünfte Person gedacht". „Wer?" Sie winkte mit den Augen nach Hermine, die sie durch ein Bilderbuch, das fie ihr gegeben, zu beschäftigen gewußt hatte, und fuhr fort: „Weder Dir, noch mir ist im ersten — 539 — Augenblicke eingefallen, daß die Kleine mehrmals mit mir in Deinem Zimmer gewesen ist, wenn Du das Geheimfach geöffnet hast". „Das ist wahr", gab der Kommerzienrat zu, „ist doch aber für den vorliegenden Fall ohne Belang". „So, meinst Du?" lächelte fie überlegen, „ich muß Dir leider widersprechen. Hermine hat, wie ich durch ein Gespräch mit ihr mich vollständig überzeugt habe, sich den Mechanismus und deffen Behandlung recht gut gemerkt". „Aber das Kind kann doch nicht", begann der Kommerzienrat unmutig, und sie fiel mit hämischem Lachen ein — „Sich in Deiner Abwesenheit in Dein Zimmer geschlichen und das Geld entwendet haben. Das hat sie allerdings nicht gethan, aber sie hat geplaudert — zu einer Person, die die gewonnene Kenntnis sehr schlau zu benutzen verstanden hat". „Eugenik!" „Dämmert Dir jetzt das Verständnis auf?" „Das ist unmöglich!" „Natürlich! Wie wirst Du denn dergleichen von Deinem Idol, von Deinem Tugendspiegel glauben?" höhnte sie. „Viel näher liegt es ja, den eigenen Sohn zu beschuldigen. Doch, ich will kein Wort weiter sagen/ höre Dein unschuldiges, harmloses Kind und bilde Dir selbst ein Urteil". (Fortsetzung folgt.) Das Kochen. Eine populär-physikalische Studie von Fritz Eckhardt. ------- (Nachdruck verboten.) Es gibt zwar viele Hausfrauen, und wir wagen nicht, daran zu zweifeln, daß sie alle in den verschiedenen Zweigen der Kochkunst wohlerfahren sind; wenige von diesen dürften indes sich schon einmal die Frage vorgelegt haben, worin denn eigentlich der Vorgang des Kochens besteht? Will man untersuchen, auf welche Weise der Kochprozeß zu stände kommt, so thut man am besten, einen offenen, wassergefüllten Topf in Betracht zu ziehen, welcher über ein Herdfeuer gesetzt wird. Hat das Wasser anfangs die Temperatur des umgebenden Küchenraumes, so wird nun seine Temperatur steigen, und es wird endlich ein Moment eintreten, in welchen! sich ein vom Wasser ausgehendes Summen bemerkbar macht. Dieses Geräusch zeigt an, daß die Temperatur des Wassers dein Kochgrade nahegekommen ist. Ehe wir aber der Ursache dieses Vorganges nachforschen können, müssen wir uns das Naturgesetz vergegenwärtigen, nach welchem alle Körper bei aufsteigender Temperatur sich ausdehnen. Das Wasser hat seine größte Dichtigkeit bei einer Temperatur von 4 Grad Wärme, und dehnt sich aus, sobald es über diese Temperatur hinaus erwärmt wird. Ist die Temperatur in die Nähe des Kochgrades gelangt, so hat sich der Wasserinhalt im Topfe ungefähr um den zwanzigsten Teil seines ursprünglichen Bestandes ausgedehnt. Bedenkt man nun, daß die Ausdehnung nur in der Richtung der Höhe stattfinden kann, so hat sich also die Wassersäule bedeutend erhöht, und da das Ausdehnungsgesetz selten beobachtet zu werden pflegt, so erklärt es sich dadurch, daß der Topf oft wider Erwarten „überkocht". Die Ausdehnung des Wassers als solches hat jedoch bei 100 Grad Celsius, dem Kochgrade, ihr Ende erreicht. In einem Topfe, welcher nicht hermetisch gegen die Außenluft abgeschlossen ist, läßt sich das Wasser nicht höher erwärmen, als bis zu diesem Kochgrade. Alle Wärme, welche diesem Temperaturgrade noch hinzugefügt wird, dient nur dazu, das Wasser in Dampf zu verwandeln. Diese Neigung des Wassers, zn verdampfen, ist aber nicht durch Erhitzung bedingt, denn alles Wasser auf der Erdoberfläche ist fortwährend bestrebt, sich in ganz kleinen Partikelchen von der Wasseroberfläche loszulösen, die Dampfform anzunehmen und aufsteigend die Wolkenbildung zu fördern. Durch das Steigen der Temperatur wird diese Dampf- bildung auf der Erdoberfläche begünstigt. Es bilden sich umsomehr aufsteigende Wasserdämpfe, je heißer die Jahreszeit wird. Demgemäß muß also auch im Kochtopfe durch Er^ Hitzung des Wassers die Dampfbildung begünstigt werden. Sie geht in vermehrtem Maße vor sich, wenn die Temperatur in der Nähe des Siedepunktes angelangt ist. Dann aber bilden sich die Dämpfe' in der Weise, daß an den heißesten Stellen unten im Topfe eine Menge kleiner Orte entstehen, deren Wasser sich vollständig in Dampf verwandelt. Der winzige Dampfkörper wird offenbar unten am heißesten sein. Nun muß aber ein Körper, welcher unten stärker erhitzt wird, als an den Seiten, oben in drehende Bewegung geraten, wenn er sich frei bewegen kann. Hängt man eine kleine Kugel an einer leicht drehbaren horizontalen Achse über einer Lampenflamme ans, so wird sie unten erhitzt, die erhitzten Teile dehnen sich aus und streben also, die benachbarten, weniger heißen beiseite zu schieben, daher muß die Kugel in drehende Bewegung geraten. Da nun auch die Dampfblase im Kochtopfe unten heißer i]t, als oben, so wird sie eine wirbelnde Bewegung annehmen, und vermöge der dadurch hervorgerufenen Centripetal- kraft, der Kraft, vermöge welcher die einzelnen Teilchen nach den: Schwerpunkte streben, sich kugelig gestalten. Unzählig viele solcher kugelförmigen Dampfbläschen werden also auf dem Grunde des Topfes sich bilden und in wirbelnde Bewegung geraten. Da sie aber leichter sind, als das Wasser, auch eine durch größere Erhitzung erhöhte Spannkraft besitzen, so werden sie vermittelst der letzteren, die Wasierschichten durchbrechend, in die Höhe steigen. Durch diese wirbelnde und zugleich senkrecht aufgehende Bewegung findet zwischen ihnen und den benachbarten Wafferteilchen eine starke Reibung statt. Nun bringt jede Reibung zwischen zwei Körpern eine Bewegung hervor, die sich durch die Körper und das sie umgebende Medium — Luft oder Wasser — in Form von Schallwellen fortpflanzt, bis sie unser Trommelfell erreicht, welches diese Erregung vermöge der Gehörsnerven dem Gehirn mitteilt. Dieses aber bringt uns die jeweilige Art der Erregung in einer Form zum Bewußtsein, die wir mit Klang, Ton, Geräusch und ähnlichen Namen belegen. Das Reibungsgeräusch eines über das Pflaster fahrenden Wagens, ferner das einer den Holzblock durchschneidenden Säge können wir durch das Gehör so deutlich unterscheiden, daß wir im stände sind, die Vorgänge des Fahrens und Sägens auszukundschaften, ohne uns erst vermittelst der Augen davon zu überzeugen. Ebenso bringen uns unsere Gehörnerven den Reibungsvorgang zwischen den hochgespannten, emporwirbelnden Dampfbläschen und den benachbarten Wasserflächen durch ein Geräusch besonderer Art zum Bewußtsein, welches die Volkssprache mit den Worten: „Das Wasser singt" bezeichnet. Dieses „Singen" des Wassers unterscheidet man vermittelst des Gehörs deutlich vo>n „Kochen". Beim „Singen" sind nur die unteren Wasierschichten im Topfe bis auf den Kochgrad erhitzt. Die Dampfblasenbildung geht also beim „Singen" auch nur in den unteren Wasierschichten vor sich. Da nun die oberen Schichten bedeutend kühler sind, so ist die Folge davon, daß die Dampfblasen, sobald sie nach dein Aufstiege die kälteren Schichten erreicht haben, sich wieder zu Wasser verdichten. Während also in diesem Zustande des Wassers die glühendheißen Dampfblasen unten aufsteigen, finden sie oben in den kühlen Wasierschichten einen Gegendruck, ähnlich wie 540 — das Balkenholz der Sage, die es zerschneiden will, Widerstand leistet. Daher haben auch beide Arten von Geräusch, das des Holzfägens und des Wassersingens, insofern Aehnlichkeit miteinander, als sie beide Töne in den höheren Lagen hervorbringen. Diese weichen beim Wasser, sobald das Kochen beginnt, den brodelnd tiefen Tönen, wie sie das Kochgeräusch mit dem des Wagenfahrens über das Pflaster gemein hat, wobei dem Rade kein direkter Widerstand entgegengesetzt wird. Das „Kochen" des Wassers unterscheidet sich aber von dem „Singen" dadurch, daß bei ersterem dem Aufsteigen von Dampfblasen ebenfalls kein direkter Widerstand mehr entgegengesetzt wird. Denn inzwischen ist das Wasser bis zur Oberfläche kvchheiß geworden und die Dampfblasenbildung geht auch in den obersten Schichten vor sich, sodaß die obengebildeten Blasen den unteren freie Bahn machen und die unteren nur nachzufolgen brauchen. Daher kann das Reibungsgeräusch nicht mehr stattfinden, die Reibung ist zu gering geworden, weil der direkte Widerstand aufgehoben ist. Die brodelnd-tiefen Töne aber entstehen nun dadurch, daß die Wasseroberfläche abwechselnd sich mit Geräusch trennt, um Dampfbläschen durchzulassen, und mit Geräusch wieder sich schließt, bann sich wieder trennt, um abermals Bläschen durchzulassen. Diese Vorgänge gehen mit rasender Geschwindigkeit vor sich, und die Summe der unendlich vielen, dadurch entstehenden Töne bildet das Brodelgeräusch des Kochens. Es ist weiter oben schon erwähnt worden, daß alle Wärme, welche dem also kochenden Wasser noch hinzugefügt wird, nur dazu dient, es in Dampf zn verwandeln. Gleichwohl kommt ein gut unterhaltenes Feuer auch unter bereits kochendem Wasser den zu kochenden Substanzen zugute. Denn wenn auch das Wasser nicht heißer wird, so werden doch durch vermehrte Hitze mehr Dampfblasen erzeugt, und diese letzteren erweichen die Speisen viel eher, als das Kochwasser, da die Dämpfe sich in unbegrenztem Maße erhitzen. Es weiß denn auch jede Hausfrau aus Erfahrung, daß die Speisen viel eher weich werden, wenn man die Bildung der Dampsblasen begünstigt, die Speisen „flott kochen läßt". Aber es gibt ein billigeres Mittel, die Speisen weich zu kochen, als übermäßiger Verbrauch an Heizmaterial. Wie nämlich durch Erhitzen alle Körper aus einander- getrieben werden, so ziehen sie sich bei Erkältung zusammen, erleiden daher eine Pressung. Wenn also infolge des Kochens die Atome —- etwa einer Erbse — von einander entfernt werden, die Kohäsionsoder Zusammenhaltungskraft der Erbse also durch eine Zugkraft immer mehr vernichtet wird, so muß sie, wenn man plötzlich einen eiskalten Wasserstrahl in das Kochgefäß gießt, einem großen Drucke ausgesetzt sein. Dieser Druck aber thut dieselben Dienste, wie die entgegengesetzte Kraft, er zerstört den Zusammenhang der Urteilchen ober Atome ber Erbse. Wieberholt man also diese Prozedur öfters, so wird die Zusammenhaltungskraft ber Erbse balb nach ber einen, balb nach ber anbern, entgegengesetzten Richtung angegriffen, ihre Atome werben sozusagen hin unb her geschüttelt, infolge bessen sie sich balb trennen, bie Erbse balb „gar" wirb. Unsere Ur-Ur-Großmütter haben biesen Vorteil beim Kochen schon gekannt unb bie Methobe bes „Abschreckens" mit kaltem Wasser angeroanbt, ehe sich bie Wissenschaft mit der Lehre von ber Ausbehnnng durch Wärme beschäftigte. Im Gegensatz zu diesem Schnellkochverfahren steht der Kochprozeß, wie er sich in ber Natur abspielt. Durch bie steigeube Temperatur vom Frühling bis in den Hochsommer wird den Früchten Gelegenheit gegeben. sich auszudehnen, zu „wachsen". Sind sie ausgewachsen, so treten bie kalten Septembernächte mit in Thätigkeit, welche im Verein mit ben noch warmen Tagen bieses Monats ben Apfel, bie Traube burch ab wechseln!) es Ausbehnen unb Zusammenpressen ebenso behanbeln, wie wir es beim Kunst- kvchen beschrieben haben, bis im Spätherbst alles Obst mürbe ist unb gegessen werben kann. Die Natur kocht also bei einer sehr langsam sich ent- wickelnben Wärme, währenb bie Menschen zum Zwecke bes Kochens eine Höllenglut entfachen. Daher kommt es benn auch, baß ber Familienmutter hin unb toieber einmal eine Mahlzeit mißrät, währenb ber Mutter Natur in ihrem Haushalt noch niemals bas Versehen untergelaufen ist, welches im menschlichen Haushalt in ben Schreckertsms austönt: Angebrannt! VermEchtes. Ein seltsames Tier. . Schöne Kundin: „Ich wohne in der Vorstadt und möchte einen guten Haushund haben." — Händler: „Ja, gnädige Frau." — „Aber natürlich möchte ich keinen haben, ber uns bie ganze Nacht wach hält mit Bellen um nichts unb toieber nichts." — „Nein, gnäbige Frau." — „Er muß groß, stark unb toilb sein, wissen Sie?" — „Ja, gnäbige Frau." — „Aber gegen uns so sanft wie ein Lamm." — „Ja, gnäbige Frau." — „Unb er muß auf jeben Lanbstreicher, ber kommt, losstürzen unb ihn wegtreiben." — „Ja, gnäbige Frau." — „Aber er barf keinen armen, ehrlichen Mann anfallen, ber sich nach Arbeit umsieht." — „Nein, gnäbige Frau." — „Wenn ein Dieb in ber Nacht stehlen will, so müßte ber Hunb ihn in einem Augenblick in Stücke reißen." — „Ja, gnäbige Frau." — „Aber er barf keinen Nachbar angreifen, ber abenbs einen kleinen Besuch macht." ■— „Nein, gnäbige Frau." — „Unb natürlich barf er feine Leute belästigen, bie zu allen Stunben ber Nacht eilig kommen, um meinen Mann zu holen. Er ist nämlich Arzt." ■— „Nein, gnäbige Frau. Ich weiß jetzt, was Sie wünschen. Sie wollen einen gebankenlesenben Hunb." — „Ja, so etwas ähnliches. Können Sie mir einen schicken?" — „Thut mir sehr leib, gnäbige Frau, bie Sorte ist mir gerabe ausgegangen." Aengstliche Mutter: „Bridget, ehe Sie das Baby baden, wünsche ich, daß Sie jedesmal erst die Wasserwäime mit dem Thermometer fiststellen. — Bridget: „E chon recht, Madame; aber das mach' ich viel einfacher, ich brauch'keinen Thermometer : Wenns Kmderl im Wasser rot wird, dann ist's zu heiß, wird's aber blau, dann ist es halt zu kalt." ( Münchener Jugend/) Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. ___________ In bie Felber nebenstehenben Qua- _______I I brates ftnb bie Buchstaben a, e e e e e, f, g g, i, r r, u u, z z berart einzu- i tragen, baß bie wagerechten unb senk- j" rechten Reihen gleichlautenb solgenbes --!— --- ergeben: 1. Unersetzliches Gut. 2. Ist an Flüssen unb Seen zu finben. 3. Tabelnswerte Eigenschaft. 4. Förbert ber Bergmann zu Tage. Auflösung in nach st er Nummer. Auflösung bes Homonym in voriger Nummer: Hof. »-d-ition: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitäU-Buch. und Steindcuckerei (Pietsch Erben) in Meßen.