1899. VKT ä|Ä tlKÖ^ MM H# in schweigsam^ Weib ist Goldes wert. Sprichwort. Nachdruck verboten. Auf Freiersfüßen. Von P. Ditfurth. (Fortsetzung.) Eine dunkle Röte flog über sein hübsches Gesicht, und auch seine Augen blitzten: „So, Sie weisen mich fort, ohne mir zu sagen, aus welchem Grunde/ darf ich fragen, ob Sie die Gaste Ihres Hauses stets in dieser Weise auszeichnen?" Sie drehte ihm, von seinem Tone doch etwas betroffen, halb den Rücken zu, so daß er nur ihr Profil sah: „Speziell unser Gast sind Sie doch wohl nicht, und ich meine, Ihre Zeit gehört hauptsächlich Ihrer — Fräulein Selterlein." „Wie mir scheint, glauben Sie nicht an die Vetternschaft und ganz mit Recht," sagte er wieder ruhiger, „um so eher sollten Sie verstehen, daß ich meine Zeit eben nicht vollständig dem Fräulein widmen will" — In Fränzchens Augen loderte schon wieder der Zorn, aber er fuhr fort: „Diese seltsame Dame hat mich entschieden in ein schiefes Licht gebracht, schon wie ich sie sah —" Ein schneidend Helles Lachen aus Fränzchens Munde unterbrach ihn: „Ha, ha, mein Herr, das war kaltes Wasser, nicht wahr?" rief sie spöttisch, „und schließlich möchten Sie den Kopf aus der Schlinge ziehen, die Sie selbst gedreht! — Es ist genug jetzt, glauben Sie, ich werde meine Person in diese Angelegenheit verwickeln lassen, nein, dazu bin ich nicht da, mein Herr Keller," mit einer hochmütig herrischen Bewegung wandte sie sich ab und verschwand hinter den Büschen. Er sah hinter ihr her, bleich vor Erregung und unfähig, dieses Rätsel zu lösen, sie aber schüttete die unglücklichen Erbsen in die erste beste Ecke und flog wie gehetzt durch den Garten/ sie wollte allein sein und niemand sehen, sie mußte erst mit dem Gefühl einer tiefen Demütigung kämpfen, das ihr ganzes Sein durchwühlte. Als was betrachtete sie dieser Mann, der es wagte, ihr sich zu nahen, während er einer anderen wegen kam, deren bischen Vermögen ihn lockte, aber deren Person ihn abstieß, der nun mit ihr sich — amüsieren wollte. Sie stampfte mit dem Fuße vor zorniger Scham in den Gartenktes und preßte die Hände an die Schläfen, wahrlich, die Thränen, die nun kamen, waren eine Erlösung. Eine ganze Weile saß sie so ins Gebüsch gedrückt und weinte bitter und schmerzlich über — den gleichgültigen Mann, der ihr das gethan. Die Sonne stand schon tiefer, und es wurde kühler, der Abend kam heran. Fränzchen erhob sich und schlich sich an das Thor, das auf die Straße führte/ ein Gedanke belebte sie, vielleicht kam der Papa, sie hatte vorhin den Zug pfeifen hören. Ach, wie würde er mit einem Worte der heillosen Wirtschaft ein Ende machen und sein Kind schützen. Sie spähte die Straße entlang/ wirklich, da hinten kam ein menschliches Wesen, rasch trocknete sie mit dem Taschentuch die letzten Spuren der Thränen aus dem Gesicht und ging schnellen Schrittes vorwärts. Doch bald blieb sie stehen. Der Kommende konnte der Papa nicht sein, er war viel kleiner und hatte nicht den militärischen Schritt. Sie zog sich vorsichtig neben das Thor zurück, um zu warten, bis der Wanderer vorüber sein werde, aber dieser kam direkt auf sie zu und nahm grüßend den Hut ab. „Guten Abend, mein liebes Fräulein," sagte er, sich drei-, viermal verbeugend, „nicht wahr, dies ist Kirchfeld?" Fränzchen erwiderte mit kalter Verwunderung den Gruß und blickte auf die kleine, kugelrunde, säbelbeinige Männergestalt, die sich so ohne weiteres neben sie pflanzte und deren Aeuglein sie sonderbar anblinzelten. „So betrog mich meine Ahnung nicht," fuhr er fort, „als ich in Ihnen schon von weitem die Tochter dieses Hauses erkannte und das Winken Ihres Tuches mir sagte: „Sie ist's!" Er strich glättend über das glänzend braune Toupet über seiner Stirn und trat noch näher. Fränzchen war aufgestanden und musterte mit ängstlichem Befremden den sonderbaren Menschen: „Wünschen Sie meinen Vater zu sprechen?" er ist nicht zu Hause, kann aber jeden Augenblick kommen." „Oh nein, mein teures Fräulein," beeilte sich Herr Gotthold Keller zu sagen, „noch achte ich den Zeitpunkt nicht für gekommen, heute wollte ich nur Sie sehen, Sie kennen lernen, Ihre Stimme hören. Vergebens suchte ich Ihre holde Gestalt am Bahnhofe, wie wir verabredet, schon meinte ich, traurig heimkehren zu müssen, da gab mir mein ungeduldiges Herz ein, den Weg hierher zu nehmen, und nun merke ich, daß die Sorge, der Herr Papa könne dazu 106 — kommen, Sie hier zurückhielt." Mit Feuer redete Herr Gotthold, und seine Blicke hingen entzückt an dem reizenden Mädchen, das ihn sonderbarer Weise so entsetzt und bleich anstarrte. „Mein Herr, was wollen Sie von mir, was soll das heißen?" fragte sie, angstvoll zurückweichend, „ich kenne Sie nicht." „Natürlich," begütigte Herr Gotthold mit süßem Lächeln, „darum wollten wir uns doch treffen, um uns kennen zu lernen, und wie übertrifft Ihr Anblick alle meine kühnsten Erwartungen,- ach, mein Fräulein, wenn Sie ahnten, wie glücklich ich bin." Er schlug dröhnend beide Hände auf die Brust und schaute gen Himmel. Eine schreckliche Gewißheit überfiel das arme Fränzchen, der arme Mensch war verrückt! Sollte fle um Hilfe rufen? fie wagte nicht fort zu laufen in der Furcht, er käme ihr nach. Unterdessen sprach Herr Keller weiter: „Ich verstehe Sie vollkommen, Sie glaubten, ich werde jünger sein, ach, denken Sie doch nicht, daß nur die Jugend Glück bringt, meine süßeste Aufgabe soll es sein, Ihre holde Jugend —" „Vater, Vater! schrie Fränzchen, in Todesangst an dem schrecklichen Menschen vorbei stürzend und flog dem jetzt wirklich auftauchenden Papa entgegen. Schluchzend, am ganzen Körper zitternd, lag sie an seinem Halse und er drückte sie erschrocken an sich: „Kind, mein Kind, was ist Dir geschehen, sprich doch, Liebling." „Oh Papa, ein Wahnsinniger kam, als ich hier nach Dir sah, er hat mich so furchtbar erschreckt mit seinen wirren Reden, wie gut, wie gut, daß Du da bist, ach, es war überhaupt ein schrecklicher Tag!" „Aber wo ist denn der Kerl?" fragte Papa Ellner, sich umschauend. „Er muß fortgelaufen sein," meinte Fränzchen umherspähend, „es ist nichts mehr von ihm zu sehen." Sie bemerkten beide nicht, daß sich die Zweige des nächsten Gebüsches verräterisch bewegten. „Nun, sage mir nur, Mädchen, was ist Dir denn außerdem passiert, Du hast ja ganz verweinte Augen?" fragte der Papa besorgt. Ach, denke nur, da kommt heute vormittag ein Mensch an, den Fräulein Agnes als Vetter einschmuggeln will, und der benimmt sich so unausstehlich, daß ich beinahe krank vor Aerger bin." „Was, solch unverschämter Patron wagt Dich zu ärgern, was will denn der Mensch hier in meinem Hause!" rief Ellner entrüstet. — „Onkelchen, da bist Du ja schon, ei, das ist hübsch!" erklang jetzt Tonis Stimme, und die junge Frau begrüßte fröhlich den Angekommenen, ,,und auch den Ausreißer," wandte sie sich an Fränzchen, „wo hast Du denn den ganzen Nachmittag gesteckt? wir fingen schon an, uns zu ängstigen und haben Dich gesucht," „sieh, da kommt auch Fräulein Agnes." „Ach, Herr Ellner, welche Ueberraschung," lächelte diese etwas sauersüß den Hausherrn an. „So, überrasche ich Sie, Fräulein Agnes? ich hatte mein Kommen doch in Aussicht gestellt." Sie murmelte etwas Unverständliches und blickte scheu um sich. Im stillen hatte sie doch gehofft, er werde erst morgen kommen, um so mehr, als unerklärlicherweise ihre zarte Angelegenheit keinen Schritt weiter gediehen und zwar aus Mangel an Beteiligung seitens der Hauptperson, die ihr auswich, wo sie konnte- es hatte sie schon heimliche und unheimliche Seufzer genug gekostet. Sie sah aus wie eine Fregatte, die alle Segel beigesetzt hatte zu flotter Fahrt und nun in einem windstillen Winkel mit schlaffen Segeln liegen mußte. In diesem Augenblick freilich war es ihr nicht unlieb, daß Herr Georg Keller sich nicht sehen ließ. „Was war denn das?" fragte Fränzchen plötzlich aufmerksam," ich hörte einen sonderbaren Ton." „Du irrst Dich wohl, Kind," erwiderte Papa Ellner, und sich an Fräulein Selterlein wendend fuhr er fort: „Wie ich höre, haben Sie heute Besuch bekommen, einen Vetter?" Die Angeredete fuhr mit dem Taschentuch über das Gesicht, um die Röte desselben zu verbergen: „Ja" hauchte sie. Indem schrie Fränzchen laut auf und sprang von dem Busch fort, vor dem sie gestanden: „Da hinter mir hat es gestöhnt, ganz gewiß, Papa!" rief sie, schreckensbleich zu ihm flüchtend. Herr Ellner teilte das Gebüsch, und da kam zuerst ein gänzlich auf der Seite sitzendes, übel zugerichtetes Toupet und darunter ein angstverzerrtes Antlitz zum Vorschein. „Der Kerl, der verrückte Kerl!" schrie Fränzchen und klammerte sich an Toni an. Energisch zog Ellners kräftige Hand den Unglücklichen, in dessen Kleidung sich einige wütende Ameisen verirrt und ihm die Seufzer ausgepreßt hatten, aus seinem Verstecke hervor, und in jammervollster Figur stand nun Herr Gotthold Keller vor den entsetzten Augen der Damen. „Wer sind Sie, was wollen Sie hier in meinem Garten!" donnerte ihn Papa Ellner an. Völlig geknickt brachte der Aermste vorläufig nur einige unartikulierte Laute über dieMppen und schüttelte krampfhaft die bissigen Tiere ab. „Nun, ich bitte um Antwort, Sie da," herrschte Ellner ihn wieder an, erst belästigen Sie meine Tochter auf unerhörte Weise und alsdann versteckten Sie sich, was soll das heißen!" Jetzt fand Herr Gotthold die Sprache wieder. „Ich — ich komme mit den friedlichsten Absichten," stotterte er; „um diese Dame da, er wies auf Fränzchen, „zu schonen, mußte ich verschwinden," er wischte sich stöhnend den Schweiß von der Stirne. „Was hat überhaupt Ihre Person mit meiner Tochter zu thun, die kennt Sie gar nicht, Sie haben sie zu Tode erschreckt; wie kommen Sie hierher; heraus, oder ich lasse Sie festnehmen: Beschwörend hob der Arme seine Hand: „Das nur nicht, das habe ich nicht verdient!" „Er ist verrückt," flüsterte Toni dem Onkel zu, bitte, laß ihn festnehmen." „Sie scheinen mir ein wenig verwirrt, mein Guter," sagte Ellner etwas milder, oder gar," er machte die Geste des Trinkens. Entrüstet funkelten Herrn Gottholds sonst so gutmütige Augen, da wurden sie gleich darauf starr, und sein Mund zur Verteidigung geöffnet, blieb wortlos stehen. Eine stattliche Gestalt kam schnell daher, blieb aber mehrere Schritte von der Gruppe ebenfalls überrascht stehen und starrte Herrn Gotthold in gleicher Weise an wie dieser ihn. „Gotthold, Bruder, um alles in der Welt, wie kommst Du hierher?" rief Georg Keller zugleich, voll entsetzten Staunens über die so traurig zugerichtete Erscheinung seines sonst so sauberen Bruders. In Herrn Gottholds Brust rangen die wildesten Gefühle, darunter die tiefste Beschämung vor seinem jungen Bruder. „Ach, Georg, ich wundere mich über nichts mehr," sagte er mit matter Stimme, „oh dieser Tag, dieser Tag!" „Wie, Sie kennen diesen Menschen?" fragte Herr Ellner den jungen Mann nicht eben freundlich." „Ja, aber erst erlauben Sie, daß ich mich vorstelle, mein Name ist Georg Keller, Landwirt; ich komme in durchaus geschäftlichen Angelegenheiten zu Ihnen, und dies ist mein Stiefbruder Gotthold Keller, Kaufmann; wir sind beide aus Lendheim. Was meinen Bruder herführt, weiß ich absolut nicht; das ist Deine Sache, Gotthold." Dieser hatte sich einigermaßen gefaßt und nestelte an seiner Brusttasche, seine Miene drückte verzweifelte Entschlossenheit aus, als er ein blaßgrünes Briefchen hervorzog, bei dessen Anblick sich Fräulein Agnes entfärbte. -07 — „Da die Dame mich so vollständig im Stiche läßt," sagte er, auf Fränzchen weisend, „so bleibt mir nichts weiter übrig, als mein zartes Geheimnis zu enthüllen und die heiligsten Gefühle des Menschenherzens preiszugeben, bitte, lesen Sie," er reichte Herrn Ellner den Brief. „Er lügt, er ist verrückt! schrie Fräulein Agnes zitternd auf und fiel dann in Ohnmacht, Toni und Fränzchen brachten sie auf die Gartenbank. Papa Ellner las den Brief, seine mißtrauische Miene, womit er die zwei unter so seltsamen Umständen auftretenden Brüder betrachtet hatte, verlor sich dabei mehr und mehr, ja, ging schließlich in eine schmunzelnde über: „Dieser Brief erklärt vieles," sagte er, ihn an Georg gebend, „die Handschrift erkenne ich für die Fräulein Selterleins, aber wie hängt das alles mit meiner Tochter zusammen?" Herr Gotthold schielte nach Fränzchen hinüber: „Sie wurde mir als die Dame bezeichnet, die diese Briefe von der Post in Langendorf abholte," erklärte er kleinlaut. „Fränzchen!" rief Papa Ellner. Die Gerufene trat vor: „Einen dieser grünen Briefe A. S. 150 habe ich allerdings gestern von Langendorf mit gebracht, der Beamte gab ihn mir für Fräulein Selterletn mit, die tags vorher vergebens danach gefragt." „Also ein tolles Mißverständnis. Kannten Sie denn die Dame, mit der Sie Briefe wechselten, nicht?" fragte Ellner Herrn Gotthold. „Nein, heute wollten wir uns ja erst kennen lernen," flüsterte dieser. „Und Sie, Fräulein Agnes, redete Ellner die sich eben Erholende an, ist Ihnen der Herr auch gänzlich unbekannt?" „Ja, vollständig," hauchte sie, ihre Frisur glättend. „Haben Sie noch mehr solcher Beweismittel, mein Herr?" fragte Ellner. „Ja, noch zwei," erwiderte Keller. „Mein Fräulein, es ist kein Zweifel, dies ist Ihre Handschrift, mit diesem Herrn haben also lediglich Sie zu thun wie Sie mit dieser Dame," er gab dem Widerstrebenden einen kleinen Ruck nach Fräulein Selterlein hin, die das Antlitz im Taschentuch vergrub. Georg Keller hatte kopfschüttelnd die Adresse des Briefes gelesen, alsdann eiligst ein Zeitungsblatt aus der Tasche gezogen und blickte nun Hellen Auges auf: „Jetzt beginnt sich die verwickelte Sache zu lösen, Herr Ellner," begann er, näher tretend, „bitte, überzeugen Sie sich, diese Annonce veranlaßte mich, mich um die Jnspektorstelle zu bewerben, und zwar meldete ich mich schnell entschlossen gleich selbst an/ hier das Fräulein wird uns den Beweis liefern. In Ihre Hände ist, wie Sie versichern, meine Anmeldung gelangt, und ich kann mir nun vollständig Ihr rätselhaftes Benehmen erklären, bitte, wo ist der Brief?" Angstvoll faßte die verwirrte, verstörte Dame nach ihrem Kopfe: „Ich weiß nichts," flüsterte sie schwach. „Sie müssen es wissen, ich bestehe darauf." (Schluß folgt.) Wie Banknoten entstehen. Von Fred. Hood (Charlottenburg). —----- (Nachdruck verboten.) Unter den Wertpapieren, soweit sie mit Hilfe graphischer Künste erzeugt werden, erfreut sich das Papiergeld einer gewissen Popularität, da es im Gegensatz zu den Aktien, Obligationen und Checks durch die Hände aller Volksklassen wandert und, so lange der Staat auf festen Füßen steht, von jedermann eben so gern vollgiltig in Zahlung genommen wird, wie die blanke Münze. Sobald aber das Vertrauen zu den Finanzen des Ausstellers ins Wanken gerät, erfährt man, daß diese „Banknoten"' eigentlich ein Nichts bedeuten/ und wie leicht das Vertrauen des Publikums wanken und schwanken kann, hat ja die Grünenthal'sche Schwindelaffaire hinlänglich bewiesen. In diesem Fall hat der deutsche Staat glücklicherweise noch rechtzeitig jedem Schrecken vorgebcugt, indem er die „Grünenthaler" als vollgiltig honorierte/ andernfalls wäre sein Kredit empfindlich geschädigt worden. Da also Fälschungen und Betrügereien dieser Art zu den schlimmsten Konsequenzen führen können, gilt es als erforderlich, selbst unter Aufwendung ungeheurer Kosten, alle Mittel anzuwenden, um diese zu verhindern. Jedes einzelne Stück muß — das ist die erste Bedingung — technisch so vollendet sein, daß die Nachahmung so gut wie unmöglich gemacht wird. Sodann müssen aber auch alle ausgegebenen Scheine unter sich völlig übereinstimmen. — Man steht heute nicht mehr auf dem Standpunkt, daß man durch allerlei Schnörkel und krauses Figuren-Ornament die Nachahmung erschweren müsse, sondern verleiht dem Papiergeld vielmehr einen schlichten, einfachen Charakter, damit sich der Eindruck desselben auch beim Publikum befestige, und so leichter eine allseitige Kontrolle stattfinden könne. Dafür erfolgt aber die Ausführung des heutigen Papiergeldes unter Anwendung sinnreicher und sehr kostspieliger Maschinen oder durch die kunstfertige Hand des Graveurs, Stahlstechers oder Schriftschneiders. Es leuchtet ein, daß schon hierdurch der Aussteller des Geldscheines bis zu einem gewissen Grade gegen Nachahmung gesichert wird, da Leute, die sich einer derartigen besonderen Kunstfertigkeit rühmen können, so gut bezahlt werden, daß sie nicht leicht zur Fälschung und zum Betrüge ihre Zuflucht nehmen. Allerdings giebt uns das noch keine Gewähr, und der Staat ist auch weit davon entfernt, auf die Tugend dieser Leute zu bauen. Vor allen Dingen hat man schon beiHerstellung des Papiers darauf Bedacht zu nehmen, durch gewisse Eigentümlichkeiten des Fabrikats der Nachahmung besondere Schwierigkeiten zu bereiten. In der Regel bildet Hanf das Hauptmaterial dieser raffiniert gemusterten Papiere, welche gewisse, scheinbar zufällige Unregelmäßigkeiten zeigen, deren unvollkommene Nachahmung dem Eingeweihten jedoch sofort auffällig wird. Dem Rohmaterial werden Segeltuch, leinene Lumpen, Baumwolle oder dergleichen zugesetzt, je nachdem man auf Festigkeit, Drucksicherheit, Durchsichtigkeit und andere schätzbare Eigenschaften besonderen Wert legt. Eines der Merkmale des Geldpapiers bildet das Wasserzeichen, das in hellen Linien zur Erscheinung tritt, wenn man das Papier gegen das Licht hält. Es ist ein Wappen, ein Ornament, eine Chiffre, welche man durch feine Konturen aus Messing- oder Kupferdraht erzeugt, die auf die Drahtgitter der Form aufgeheftet werden. Indem das in die Form geschöpfte weiche „Zeug" sich mehr oder weniger in die Vertiefungen der Form senkt, erhält es an den betreffenden Stellen eine größere Stärke, während es an allen Punkten, welche über der Form erhöht liegen, dünner wird. Es ist aber heute möglich, dem Maschinenpapier auch hell und dunkel wirkende Wasser-eichen dadurch einzuprägen, daß man die Zeichnungen in erhöhten Drahtkonturen oder vertiefter Gravierung auf den Mantelflächen eines Siebcylinders anordnet, welcher auf das nasse nachgiebige Papier drückt. Diese Wasserzetchenformen werden im deutschen Reiche zur Anfertigung des Papiers von der mechanischen Werkstatt der Reichsdruckerei geliefert. Was nun die Kunst des Banknotendrucks unter Verwendung dieses mehr oder minder raffiniert behandelten Papiers betrifft, so besteht der Hauptwitz in der Vereinigung mehrerer graphischer Verfahren, d. h. in der Herstellung farbiger Unter- und Ueberdrucke, welche jedoch insgesamt dem Auge als ein harmonisches, künstlerisch abgerundetes Ganze erscheinen. Nun bedient man sich aber bei Herstellung dieser Farbendrucke auch gewisser chemischer Verfahren, deren Wirkung dem Auge unauffällig ist, in der photographischen Reproduktion aber grell und störend hervortritt. Der Fälscher muß aber nicht nur mit der Paptertechnik und den verschiedensten Verfahren des Kunstdrucks, sondern auch mit der Chemie recht vertraut sein, um möglichst vollkommene Stücke zu erzeugen. — 108 — Ich betonte schon, daß bei Herstellung des Druckes verschiedene graphische Künste mit einander wetteifern. So findet der Stahlstich vorzüglich für die bildlichen Darstellungen, der Holzschnitt für kräftige Linienornamente und der Typendruck für die Schrift Verwendung/ bisweilen kommen dann auch noch lithographierte Zeichnungen hinzu. Sehr wesentlich aber für die Musterung des Papiers sind noch Druckplatten aus Metall, deren eigenartige Zeichnung durch sogenannte Guillochier- maschinen erzeugt werden. Unter Guillochieren versteht man nämlich ein Verfahren, mittelst dessen man auf Gegenstände aus Metall, Holz, Elfenbein usw., und zwar mit großer Regelmäßigkeit und Akkurateste, feine Linienornamente graviert. Diese bestehen in der Regel aus kunstvoll verschlungenen Kreisen, Bogen, Wellenlinien, welche die ganze Fläche gleichmäßig bedecken. Zur Herstellung des Banknotendrucks bedient man sich nun derartiger, mit der Guillochiermaschine behandelter Metallplatten, wodurch das Papiergeld eine gleichmäßige Musterung erhält, die wiederum auch an den Fälschungskünstler neue Anforderungen stellt. Ferner bemerken wir auf den Scheinen Unterschriften und Nummern. Die Namenszüge der Beamten werden heute nicht mehr wie in früherer Zeit mit unverlöschbarer Tinte geschrieben, sondern nach den Originalen in Metall geschnitten und mit abgedruckt. Das Numerieren erfolgt durch die Numeriermaschine. Es ist dies ein kleines, mit selbstthätigem Schwärzapparat versehenes Druckwerk, in welchem sich die Ziffern nach jedem einzelnen Abdruck selbstthätig verstellen, so daß sich die Zahlen ohne jede weitere Kontrolle in natürlicher Reihe folgen. Die Ziffern stehen sternförmig auf drehbaren Scheiben, und jedesmal wenn die Einerscheibe zehn Mal ruckweise vorrückt, hat die Zehnerscheibe einen Schritt vorzuschreiten und so im gleichen Verhältnis die Hunderte und so fort. Man hat diese Maschinen auch mit der Druck- und selbst mit der Schnellpresse in Verbindung gebracht und derart eingerichtet, daß sie auch ganze Zahlenreihen zu drucken vermögen/ es genügt ein einziger Hebeldruck, um die jedesmalige Umstellung der Ziffern zu bewirken. Es gilt aber nicht nur ein unnachahmbares, sondern «uch rin schönes und widerstandsfähiges Papiergeld zu erzeugen. Denn ein Schein, der durch alle Hände wandert, erzählt auch der Welt, wie es mit dem Aussteller des Scheins steht. Nun, die deutsche Reichsregierung läßt sich nicht lumpen/ sie hat sich die künstlerische Ausstattung der Reichsbanknoten etwas kosten lassen und für die Entwürfe die ersten Künstler zur Konkurrenz herangezogen. Aber auch die Ausführung erfolgt durch wohlgeschulte künstlerische Kräfte. Schon die Sorgfalt, mit welcher das in die Banknotendruckerei (es ist hier nicht nur von unserer Reichsdruckerei die Rede) eingelieferte Papier geprüft und nachgezählt wird, verrät uns, daß es zu etwas ganz Besonderen bestimmt sei. Es trifft nicht wie gemeines Druckpapier in großen Ballen ein, sondern in wohlverschloffenen Kästen und Kisten, deren Jnbalt schon in der Papierfabrik unter amtlicher Kontrolle gezählt wird. In der Druckerei erfolgt eine zweite Kontrolle, damit kein Blankett zu viel übergeben wird/ und jedesmal, wenn die Scheine für eine weitere Manipulation in eine andere Hand wandern, erfolgt eine neue Zählung unter gleichzeitiger Aufnahme eines Protokolls. Geht ein Stück verloren, so ist die Druckerei regreßpflichtig, und deshalb muß auch jedes verdorbene und zerrissene Blankett mit abgeliefert werden. Daß trotzdem Unterschleife Vorkommen, beweist nur, daß es nichts Vollkommenes auf der Welt giebt und daß mit den großen Fortschritten auf allen Gebieten auch die Betrüger forrschreiten. — Wenn wir uns das Papiergeld etwas genauer ansehen, lo finden wir häufig, daß der Grund, von welchem sich das Bild oder der i ruck abhebt, aus einem in feinen Linien ausgesührten Muster besteht. Dieses Muster wird aus einem fich unzähligemal wiederholenden Motive gebildet^, und zwar derart, daß der Grund fast gleichmäßig getönt erscheint. So besteht dieser Fond z. B. bei den Zwanzigmarkscheinen aus lauter kleinen Rosetten und kleeblattartigen Zwischenfüllungen. Dieses Muster ist mit einer Platte gedruckt, auf welcher die Zeichnung absolut gleichmäßig und korrekt graviert ist. Dies mit der Hand auszuführen, wäre natürlich unmöglich, aber unter Anwendung eines Pantographen bedarf es nur einer leichten Hand und einiger Sorgfalt und Geduld, um das schwierige Werk zu vollbringen. Ddr Pantograph ist nichts Anderes, als eine Vervollkommnung des bekannten Storchschnabels, mit dessen Hilfe man jede Zeichnung verkleinert oder vergrößert zu kopieren vermag. Diese Instrumente verwendet man heute direkt zum Gravieren auf Stein und Metall, nur tritt dann an die Stelle des Bleistifts die Radiernadel oder eine Diamantspitze. In unserem Falle besteht das Muster aus einer Rosette und einer Kleeblattfüllung/ diese werden nur einmal in recht großem Maßstabe auf Papier gezeichnet und bilden dann die Vorlage für den Pantographen, also die sogenannte „Patrone". Der Apparat bewirkt die Uebertragung auf die Kupferplatte nach erfolgter Einstellung in dem gewünschtem Maßstabe einzig und allein dadurch, daß man den Führungsstift über alle Linien der Zeichnung führt. Ist das Muster einmal vollendet, so rückt eine besondere Vorrichtung die Platte gerade um ein entsprechendes Stück weiter, so daß eine neue noch unberührte Stelle der Platts unter die Nadel kommt. Die deutschen Kassenscheine weisen auch noch eine besondere Eigentümlichkeit des Papiers auf. Diese Scheine sind nämlich auf der einen Seite zur Hälfte blau gefärbt, und auf dieser Fläche sehen wir, völlig willkürlich und unregelmäßig verteilt, in der Papiermaste liegende Fasern von dunkelblauer Farbe, die jedoch ohne Schwierigkeit aus derselben herausgelöst werden können. Warum verwendet man nun gerade dieses merkwürdige Papier mit „lokalisierten" Fasern? Zunächst natürlich deshalb, weil es sich von jedem anderen in den Handel gebrachten Faserpapter in seiner Zusammensetzung wesentlich unterscheidet. Hauptsächlich aber, weil diese Fasern nie und nimmermehr durch photographische oder chemigraphische Verfahren, die heute ja so außerordentlich vervollkommnet sind, nachgeahmt werden können. — Das sind die Grundzüge, nach welchen die Herstellung der Banknoten erfolgt. Ich kann natürlich diese umfassende Technik an dieser Stelle nicht erschöpfen, da es kaum ein graphisches Verfahren giebt, welches nicht, mehr oder minder modifiziert, in den Dienst dieser Kunst gestellt wird. Aber jeder Kassenschein hat noch seine besonderen Eigentümlichkeiten, und gerade die Erzeugnisse der wichtigsten Merkmale ist natürlich auch mir ein Geheimnis, das ich nicht enthüllen kann. Und es ist auch gut so/ denn andernfalls käme ich vielleicht in Versuchung, das undankbare Geschäft des Feuilletonisten mit dem einträglicheren eines Banknoten- Fabrikanten zu vertauschen. Es ist schon dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen und die Kassenscheine nicht die Welt überschwemmen. Humoristisches. Sein Stolz. Kaufmann: «Wie, Sie junger Mann wollen mir altem Hause Lehren geben? Ich habe schon Konkurs gemacht, als Sie noch gar nicht aus der Welt waren!" * * * Auch ein Klaviervirtuos. Ein Bauer (einige Tasten anschlagend, höchlichst verwundert): Dat hadd' ick ja gornich mußt, dat ick ook späten künn! (Lust. Bl.) Aiedaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.