(Nachdruck verboten) Gesühnte Schuld. Roman von Alexander Römer. (Fortsetzung.) Achtes Kapitel. In dem Leben auf Trautdorf trat im Laufe der Jahre eine Veränderung ein. Eine junge Dame residierte zeitweilig neben dem weiberscheuen Hagestolz, der infolgedessen eine regere Gastlichkeit übte und seine Prunkgemächer häufiger der aristokratischen Gesellschaft der Umgegend öffnete. Der Graf zur Lippe war schon ein Jahr nach seinem Besuch auf Trautdorf gestorben und hatte den Baron Jobst zum Vormund seiner Tochter bestellt. Er war ein sehr gütiger, milder Vater gewesen, der seinem Kinde nie einen Zügel anlegte. Seit er aus dem Leben geschieden, fühlte Komteß Hertha eine große Lücke. Sie war nun ganz frei, auch Herrin ihres Vermögens, das sie sorgenlos stellte, ohne ihr Extravaganzen zu gestatten. Baron Jobst bot ihr sehr herzlich eine Heimat auf seinem Schlosse an, und sie hielt auch während der ersten Trauerzeit bei ihm aus, aber sie fühlte bald — sie genierten sich gegenseitig. Er war ein Kavalier der alten Schule, er ließ es an keiner Rücksicht mangeln, aber Komteß Hertha wußte ganz genau, er ächzte innerlich unter der ihm auferlegten Last. Und ihr war nicht minder beklommen zu Mute. Trotz gelegentlicher Besuche und Ausfahrten langweilte sie sich entsetzlich und glaubte mitunter • kaum noch atmen zu können in den großen, leeren, weiten Räumen. Leutnant Albert kam öfter, aber der Ton zwischen ihr und ihm blieb ungefähr so wie am ersten Tage. Sie wußten es beide, daß der alte Herr, so wenig er auch das Zeug zu einem Heiratsstifter hatte, eine Verbindung zwischen ihnen Lamstag dm 21. Januar. Wt1 iTjra ilUiJ ilSl ie ein Adler aus dem Blauen Ist der Schmerz, der seine Klauen Jählings scharf in's Fleisch dir schlägt, Aber dann mit starkem Flügel Ueber Wipfel dich und Hügel Zu des Lebens Gipfeln trägt. Geibel. wünsche, sie erwogen vielleicht beide still für sich zuweilen den Fall, aber sie ließen einander kalt. Sie fand bei näherer Bekanntschaft, daß Albert ein ganz netter Mensch sei. In seiner sorglosen, ungebundenen Lustigkeit, wie er an jenem Tage war, da sie sich zuerst sahen, kannte sie ihn gar nicht. Damals fiel ja gleich allerlei vor, was sie auf den Gedanken brachte, daß ihm etwas Absonderliches passiert sei. Das hatte zuerst ein Interesse für ihn geweckt, zu Anfang erschien er ihr recht unbedeutend. Aber sie behauptete seitdem immer in intimem Kreise, wo von ihm die Rede war, er habe eine unglückliche Liebe gehabt und kranke noch an derselben. Womit sie diese Annahme begründen wollte, blieb freilich dunkel, ihr war die Rede aber auch darum bequem, weil sie den Gerüchten von seiner Courmacherei und Bewerbung die Nahrung entzog. Thatsache war, daß man an Baron Albert ein ernsteres Wesen als früher beobachtete. Er galt jetzt für einen tüchtigen, soliden Offizier, der redlich dahin strebte, sich zu rangieren. . Ob ihm das gelang, war eine andere Sache, aber nach des Oheims Tode wurden seine Verhältnisse ja glänzend. Komteß Hertha betrachtete es als eine Pflicht der Pietät, in jedem Jahre einige Wochen dem alten Herrn, ihrem Vormund, zu widmen, die übrige Zeit verbrachte sie auf Reisen, in Bädern und bei befreundeten Familien. Sie war von früh auf ein Wanderleben gewöhnt und führte es fort. Sie verlebte jetzt die Herbstsaison in Baden-Baden, mit den Winterfelds, einem kinderlosen Ehepaar und langjährigen Freunden. Die Frau zählte etwa zehn Jahre mehr als sie t und harmonierte mit ihr in Geschmacks- und Geistesrichtung. Es war sehr voll und intereffant in diesem Jahr in Baden-Baden, die Rennen waren überaus glänzend verlausen, in den Sportkreisen sprach man nur von dem Hauptsieger auf der Rennbahn, einem Amerikaner, welcher ein ungewöhnlich kühner und sicherer Reiter war, und die schönsten Pferde besaß, die man seit lange gesehen. Hertha, welche sich lebhaft für alle Sorten von Sport und für schöne Pferde insbesondere interessierte, brannte darauf, diesen Helden des Tages kennen zu lernen. Sie hatte den herrlichen Bollbluthengst, Almanzor, und die schlanke Fuchsstute, Elvira, welche den Sieg erftritten hatten, an der Barriöre bewundert und hörte allemal mit besonderem Interesse zu, wenn von dem Eigentümer gesprochen wurde. Es waren allerlei Anekdoten über ihn in Umlauf, er war plötzlich aufgetaucht, mußte sehr reich sein, spielte sich in 42 mancher Beziehung als Original auf, aber man wußte nichts über feine Herkunft und Vergangenheit. Seine Erscheinung war Komteß Hertha auf dem Rennplatz aufgefallen — er ritt den Almanzor selbst — aber die Entfernung von ihrem Platz auf der Tribüne aus war zu groß, seine Züge hatte sie nicht erkennen können. Endlich sollte nun ihr Wunsch erfüllt werden. Herr von Winterfeld, der sie mit ihrer Neugier überhaupt und in diesem Fall besonders, neckte, überraschte sie und seine Gemahlin eines Tages, indem er den Helden des Tages ihnen zusührte. Es war ihm gelungen, seine Bekanntschaft zu machen, und Mr. White, der ihm von anderen als schroff und unzugänglich geschildert worden war, ließ sich gleich willig finden, ihn zu seinen Damen zu begleiten. Es war um die Mittagsstunde. Hertha und Frau von Winterfeld waren eben vom Lawntennisplatz heimgekehrt und saßen auf der Terrasse der Villa in der Ltchtenrhaler Allee. Herr von Winterfeld sah neckend zu Hertha hinüber, während er den Fremden vorstellte, und wunderte sich dabei über die augenscheinliche Erregung, welche sich auf ihrem Gesicht spiegelte. Sie war eine so gewandte Weltdame, so gewohnt, mit jeder Sorte von Fremden zu verkehren, daß er sich ihre Verwirrung nicht zu erklären vermochte. Frau von Winterfeld war selber lebhaft interessiert und beobachtete Hertha weniger. Mr. White verbeugte sich höflich, mit den Manieren eines Mannes von guter Erziehung,- ihm merkte man keinerlei Ueberraschung oder besondere Stimmung an. Hertha faßte sich indes bald, die jähe Röte, die ihr ins Gesicht gestiegen war — bei ihr etwas ganz Ungewöhnliches — verblaßte, sie war zuerst ein wenig schweigsam, plauderte aber dann in gewohnter Weise, lebhaft und sachkundig. Natürlich drehte sich das Gespräch ausschließlich um Pferde, ein Thema, das für diese Kenner und Liebhaber ausgiebigen Stoff bot. Es dauerte gar nicht lange, so waren allerlei Verabredungen getroffen, — Mr. White war jedenfalls ein Mann von Welt, der sich in einem Salon so gut zu benehmen wußte, wie auf der Rennbahn, und erbot sick zu allerlei Diensten für die Damen. Hertha konnte sich nicht den Luxus eines eigenen Reitpferdes, zumal bei ihren Nomadengewohnheiten, gestatten- auf Trautdorf stand ihr jederzeit ein Roß aus dem Marstall zur Verfügung, hier versorgte sie sich im Tattersall. Auch als der Fremde gegangen war, fanden ihre Freunde Hertha noch ungewöhnlich erregt und bemerkten es lächelnd zu einander. Der Aufenthalt in Baden-Baden bot nun noch mehr Anziehung. Mr. White führte die Damen spazieren in seinem eleganten Cab mit den beiden prächtigen Isabellen, und es war an sich schon Vergnügen, ihn die Zügel führen zu sehen. Er ritt mit Komteß Hertha in der Reitbahn, sie streichelte voll Entzücken den glänzenden Hals seiner Favorite, seiner goldbraunen Stute, ein Rassepferd von herrlichem, schlankem Gliederbau. Sie bot dem Tier Zucker aus ihrer Hand und frohlockte, wenn es die Nüstern hob und den Leckerbissen lammfromm von ihr nahm. Sie hatte ihn gebeten, ihr den Almanzor in der Bahn vorzureiten. Welch ein Anblick! Roß und Reiter wie aus Erz gegossen, die Gruppe erregte allgemeine Bewunderung. Jetzt — ein Schnalzen mit der Zunge, ein leichter Gertenschlag, und langsam setzte sich das edle Tier in Bewegung. Gehorsam folgte es jedem Schenkeldruck seines Herrn, leicht tänzelnd schwebte es über den Boden, mit den zierlichen Hufen kaum den Sand der Manege aufwühlend. Hertha verfolgte gespannt diese kunstvolle Produktion und klatschte begeistert, als das Tier jetzt in gestrecktem Lauf mit fliegender Mähne und geblähten Nüstern das Feuer seiner Natur entfaltete und mit seinem Reiter durch die Bahn jagte, daß die Funken stoben. Ein Schenkeldruck, und es stand. Mr. White lüftete den Hut vor der Komtesse, welche jetzt in die lebhaftesten Ausdrücke ihres Entzückens über die Kunstleistung ausbrach. „Ja — Gott ist groß, er hat viel Schönes geschaffen, aber solch ein Tier ist sein Meisterstück," meinte der Amerikaner mit siegesfrohem Lächeln, „Verzeihung, Komtesse, sür solch ungalantes Wort. Aber — ich werde die Favorite in den nächsten Tagen vornehmen und sie für den Damensattel zureiten, dann können Sie sie probieren. Wie?" Er schaute ihr vertraulich blinzelnd in die Augen, und sie antwortete mit einem Seufzer. „Ach, was hilft mir das — Sie sind sehr freundlich, aber es bleibt ja doch Tantalus- qual. Ich bin nicht reich genug, um mir den Schatz zu sichern, und Sie geben ihn vielleicht nicht einmal weg. Sonst — der Baron Jobst auf Trautdorf — Sie kennen den Baron?" Die Frage kam unvermittelt, und Hertha fixierte plötzlich ihren neuen Freund scharf. „Ja, ich kenne ihn. Er besitzt einen sehr wertvollen Marstall." Die Antwort kam ruhig und ohne Zögern heraus. Hertha senkte unwillkürlich ihre Augen vor den seinen, welche forschend, fast streng, ihren neugierigen Frageblick erwiderten. Aber sie fuhr fort, während sie beide mit einander die Bahn verließen: „Und Sie waren auf Schloß Trautdorf?" „Ja, ich war dort." „Oefter?" Er schwieg, und sie mußte jetzt doch aufsehen und ihn anblicken, sie wurde rot und lachte dann in ihrer offenen, angenehmen Weise. „Ich muß es Ihnen nur sagen," platzte sie heraus, „ich habe Sie sofort erkannt, und grübele seitdem über allerlei. Können Sie meine Neugier befriedigen?" „Ich weiß nicht, was Sie zu wissen wünschen, Komtesse." „Ach, bitte, wenn ich nun so offen bin, da spielen Sie auch nicht länger Komödie. Ihr Gesicht ist eins von denen, welche man nie vergißt, wenn man es einmal gesehen hat. Es war an dem Tag, da ich meinen ersten Einzug auf Schloß Trautdorf hielt und den alten Herrn, der mir seitdem ein so lieber, väterlicher Freund geworden ist, kennen lernte. Da spielte ich mit seinem Neffen, einem jungen Leutnant, Reifen auf dem Kiesweg vor der Rampe, und Sie standen plötzlich wie aus der Erde gewachsen zwischen uns mit der Miene eines Drachentöters, und gingen dann an uns vorüber ins Schloß, direkt zum Alten. Ja, ja, ich weiß das alles." Sie sah ihn mit schlecht verhehlter Erregung lachend an. Er zuckte kaltblütig die Achseln. „Wohl möglich, Komtesse." „Und ich, enfant terrible, weiß noch mehr aus jener Stunde. Drüben, jenseits des Rasens, stand unter einer Hängebirke ein junges, bildschönes Mädchen, das mich anstarrte, als erblickte sie eine Medusa, und aussah, als verginge sie vor Schreck und Schmerz. Und ich bildete mir ein, doch kein Gegenstand des Schreckens zu sein. Es war ein denkwürdiger Tag! Und am denkwürdigsten war das, was sich nach Ihrem Abgang begab, denn Sie gingen ja ebenso plötzlich und geheimnisvoll, wie Sie gekommen waren. Sind Sie nicht ein klein wenig neugierig, Mr. White?" „Gar nicht, Komtesse." „Ach! Sie sind ein Mann ohne Fleisch und Blut." „Schwere Anklage für einen Mann, der Ihnen gegenüber steht." „Dergleichen kleidet Sie nicht, das ist das Genre anderer Leute. Nun, ich will Ihnen, obgleich Sie nicht neugierig sind, erzählen, wie jener Tag verlief. Mein Spielkamerad, damals noch ein ziemlich grüner Jüngling, bot bei Ihrem Anblick ein wahres Jammerbild. Das Gefühl seiner Größe und Wichtigkeit verließ ihn plötzlich, er konnte sich gar nicht wieder zurechtfinden. Ich habe nie Geheimnisse gehabt und würde mich in solchem Falle auch nicht zu benehmen wissen, daher bemitleidete ich ihn. Er hatte offenbar ein Geheimnis, und ich glaube, ihn drückt noch heute eins. Das muß ein schlimmer Zustand sein, wenn man nicht wahr sein darf." "f» „Nur der freie Mensch kann wahr sein," schaltete ihr Zuhörer ein. „Und der mutige," rief sie lebhaft. . „Und der mutige, richtig. Aber Sie unterbrachen sich in Ihrer Erzählung." „Sehen Sie, nun sind Sie doch neugierig. Also zu unserem Leutnant zurück, dem in dem Augenblick die Dressur verloren ging. Ich kämpfte bei seinem Anblick zwischen Lachen und Mitleid. Er und ich, wir wolltest beide sehr gern wissen, was Sie bei dem Alten gewollt und ausgerichtet hatten, er aber hatte einen Vorsprung, denn er wußte, wer Sie waren, ich wußte es nicht. Der Alte war ein siebenfach versiegeltes Buch. Erdfahl sah er aus den ganzen Tag, auch noch den folgenden Tag. Sie müssen ein furchtbarer Mensch sein, Mr. White. WaS thaten Sie dem eisernen alten Herrn an in jener Stunde?" „Das hätten Sie besser ihn fragen sollen, Komtesse." „Also das ist Geheimnis. Gut. Aber das Mädchen drüben unter der Hängebirke, kannten Sie das Mädchen?" „Ich kannte es, Komtesse. Es ist indessen bester, wenn Sie es nicht kennen, nie, wo es Ihnen auch begegnen mag." Sein Ton war plötzlich ernst, fast drohend. Sie sah ihn erstaunt an, ihr kecker Fragemund schwieg einen Augenblick. „Was kann ich für mein gutes Phhstognomiengedächtnis", sagte sie dann. Ich habe jenes Mädchen schon wiedergesehen und habe es erkannt." Sein Kopf fuhr herum, er sah erschrocken aus, aber auch zornig. „Ja, was wollen Sie?" sagte sie ruhig und hielt seinem Blicke stand. „Kennen Sie die berühmte Klothilde Villanh? Natürlich kennen Sie sie und werden sie auch gehört haben. Sie spielt Klavier und Geige gleich vollendet und wühlt alle Saiten im Menschenherzen auf durch ihr Spiel. Alle Blätter sind ihres Ruhmes voll. Sie hat zuerst in Amerika ihre Triumphe gefeiert, jetzt macht sie hier in Europa mit ihrem Impresario ihre Tournee. Ich berichte Ihnen das alles so naiv und weiß doch genau, daß ich Ihnen nichts Neues erzähle. Denn wenn Sie jenes Mädchen kannten, so kennen Sie auch die Künstlerin Klothilde Villanh, sie find identisch." „Kommt Ihnen nie einmal der Gedanke, Komtesse, daß es täuschende Aehnlichkeiten gtebt im Leben?" „Möglich, ich bin aber überzeugt, daß ich mich nicht täusche. Ich hörte die Villany zuerst in Wien, sie wurde dort zu Hofe befohlen und vom Kaiser ausgezeichnet. Sie spielte dann noch einmal in einem auserlesenen Zirkel der hohen Aristokratie, und da lernte ich sie kennen und stand ihr unmittelbar, Äug' in Auge, gegenüber. Ich sagte mir, die Aehnlichkeit ist mehr als wunderbar, wenn es nur Aehnlichkeit ist. Auch sie hat ein Gesicht, was man nicht vergißt. Und sie wirkt ja durch ihre Schönheit fast ebenso, wie durch ihr Spiel. Uebrigens," Hertha wandte sich zu ihrem Begleiter mit einer spöttischen Verneigung, „ich befolgte instinktiv Ihre mir noch unbekannten Befehle, ich verriet nicht, daß ich sie kenne. Aber ich schloß Freundschaft mit ihr, was gar nicht leicht ist. Sie ist, wie alle gefeierten Menschen, sehr vorsichtig und zurückhaltend, die Herren schmachten sämtlich unerhört. Ich erfuhr aus sicherer Quelle, daß sie glänzende, solide Anträge hatte, ihr Herz ist hieb- und schußfest. Sie hat auch ihr Geheimnis." „Sie sind ungemein scharfsinnig, Komtesse, ich bewundere Sie aufrichtig." „Hm — ich hätte mir also meine lange Rede und all meine Offenheit sparen können. Sie sind ebenso wie der Alte auf Trautdorf, auch ein siebenfach versiegeltes Buch." „Mir scheint, Komtesse, Ihre Wtßbegierde hat auch bei den anderen keine Siegel gelöst." „Sie haben gut spotten, Sie sind in vorteilhafter Position. „Nun, gleich, ich tröste mich in dem Gedanken, daß Sie jetzt wenigstens wissen, was Sie von meinem 43 -* Scharfsinn noch zu fürchten haben. Ich spiele mit offenem Visier." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Geruchloses Petroleum. Ein absolut geruchloses Petroleum soll man nach einer Vorschrift erhalten, für deren Wirksamkeit wir allerdings nicht unbedingt einstehen möchten. Der „Moniteur des pvtroles" empfiehlt, wie die „Technische Rundschau" mitteilt, 4,5 Liter Petroleum mit 100 Gramm Chlorkalk lebhaft zu mischen und dann in ein Gefäß mit Aetzkalk zu gießen und von neuem zu rühren. Die Flüssigkeit setzt sich dann klar ab und kann abgegoffen werden. Für Leuchtzwecke wäre dies Petroleum ein wenig teuer, aber man kann es in gewissen Fällen vielleicht gebrauchen. * * * Um Gewebe und Kleidungsstücke wasserdicht zu machen, empfiehlt Berthier in Paris deren Behandlung und Imprägnierung mit Wollfett. Er löst reines Lanolin in Benzin und durchtränkt damit die Gewebe oder bestreicht sie auch mit einem mit der Lösung befeuchteten Schwamm. Versuche mit derartig behandelten Kleidungsstücken in der französischen Armee gaben günstige Resultate. * e • Beim Reinigen von Nickel, Messing und anderen polierten Metallen, sollte der Gebrauch von sogenanntem „Polier-Kleister" vorsichtigerweise vermieden werden. Die Chemikalien, aus denen solche mehr oder weniger hergeftellt werden, sind alle Säuren, die trotzdem anscheinlich und momentan unschädlich, doch im Laufe der Zeit schlechten Einfluß auf die Metalle haben, die damit bearbeitet werden. Pariser Rot und Spiritus mit einem Fensterleder gut angewandt und dann mit einem trockenen Leder abgerieben, wird sich immer als das beste, billigste und zuverlässigste Mittel zeigen, um trübe Metalle zu polieren. • • • Malereien ans Holz zu poliere«. Um Aquarell. Malereien mit einer Politur zu überziehen, macht sich immer erst ein guter Ueberzug von feinem, weißem Lack nötig, und zwar verwende man Damarlack. Dieser Ueberzug dient in erster Linie als Schutzdecke, welche bei dem zur Erzeugung der glatten Fläche nötigen Schleifen und dem darauf folgenden Polieren die Malerei vor zerstörenden Angriffen bewahrt. Jedenfalls muß dann aber zur Politur der reinste, weiße Politurlack verwandt werden, um ein auffälliges Verdunkeln der weißen Malfarben zu verhüten. Natürlich hängt hier auch der Erfolg von der Geschicklichkeit des Poliers ab. Man muß, um auf Holzflächen ausgeführte Malereien polieren zu können, zumeist ein weißes, dichtes und feinfaseriges Holz wählen, welches vor dem Bemalen eine recht glatt gearbeitete Oberfläche mit einem feinen, leicht trocknenden, wafferhellen Lack, schwach überzogen. Ist dieser Ueberzug gut trocken, so wird er mit fein pulverisiertem Bimsstein, mit Talg oder weißem Schweinefett vorsichtig und fein abgeschliffen, und nun wird diese Fläche mit einer guten, aus bestem weißem Schellack bereiteten Lösung in bekannter Weise poliert. * * * Für die Lötung vo« verbleitem Blech darf nur gutes Zinnlot (fünf Teile Zinn, drei Teile Blei) genommen werden. Der Lötkolben muß nicht nur fest, sondern auch längere Zeit aufgedrückt werden. Es schadet nichts, wenn, um die Lötung zu beschleunigen, die gelötete Stelle mit einem in Wasser getauchten Lappen abgekühlt wird. Bei Dachrinnen, Abfallrohren rc., bet welchen als Flußmittel für das Lot nur Kolophonium verwendet werden darf, hält die Lötung sehr gut. 44 Gegen erfrorene Glieder. 10 Tramm Benzoe, 10 Gramm Storax, 10 Gramm Ochsenblut, 10 Gramm Alkohol. Die- alles wird mit einander vermengt und auf den Ofen gestellt, bis es flüssig ist, dann bestreiche man die Froststellen dreimal täglich: morgens, mittags und abends. Dieses Mittel ist ausgezeichnet; wenn man Frostbeulen auf den Händen hat, soll man alte dänische Handschuhe tragen. * Das Einfrieren -er Pumpbrunnen zn verhüten. Ein einfacher und sicheres Mittel zur Verhütung dieses Uebel- standeS besteht darin, die Brunncnröhre etwa 1 Meter unter dem Brunnenkranz anzubohren, damit das Wasser abfließen kann, und die Wassersäule in der Brunnenstube unter den Brunnenkranz zu stehen kommt. Zur besseren Sicherheit wird der Brunnendeckel mit etwas Laub und strohigem Dünger überdeckt/ das Einbinden der Brunnenröhre ist nicht erforderlich. Bei diesem Mittel hat man allerdings einige Züge zu machen, bis das Wasser die Ausflußröhre erreicht. Beim Frühjahrseintritt wird eine Holzschraube in das Bohrloch eingetrieben und bei Eintritt des Winters wieder herausgezogen. « „ • Vergesset Vie hungernden Vöglein nicht! Leider wird dieser Mahnruf von vielen überhört. Andere wollen ihm nachkommen, verfehlen aber den richtigen Weg. Wir muffen das geeignete Futter an geeigneten Plätzen verteilen. Für die Meisen, Finken, kleinen Spechte, Baumläufer usw. bringe man etwa 2 Meter vom Boden entfernt ein mit vorstehenden Leisten benageltes Brett im Geäste eines Baumes an und bestreue es mit Hanfkörnern, Rübsen, Kürbis- und Gurkenkernen, Küchenabfällen, Stückchen ungesalzenen Specks, Talg, Nußkernen usw. Für die Meisen hänge man auch Knochen mit Fleischresten und reife Sonnenblumen auf. Viel Vergnügen wird es den Kindern machen, wenn dann die Meisen erscheinen und fleißig daran picken. Noch schöner wird es, wenn man sich die kleine Mühe macht und eine etwas geöffnete Nuß vermittels eines Fadens frei an einen Zweig aufhängt. Ihre helle Freude werden die Kinder haben, wenn sich die Meise daran klammert, Nuß und Bogel frei in der Luft herumwirbeln, ohne daß beide zur Erde fallen und nun in den possierlichsten Stellungen der Kern ausgepickt wird, wobei die Meise ihr lustiges ping, ping, hören läßt. Ist die Nußschale leer, so kann man etwas Fett oder Butter (aber ja nicht Stearin oder Paraffin) hineindrücken, was dann ebensogern ausgepickt wird. Gewiß wird sich manches Kind veranlaßt finden, ein bischen seiner freien Zeit den armen Vöglein zu widmen- erwirbt es sich doch das Verdienst, nicht allein ein barmherziges sondern auch ein nützliches Werk gethan zu haben. Eine solche Futterstelle kann man auch auf einem Fensterbrett errichten, wenn in der Nähe hohe Bäume sind. Ein Fichtenbäumchen oder ein paar Nadelholzzweige an dem Brett befestigt, locken die Vögel an. Die Nor hat die kleinen Tierchen bereits sehr zahm gemacht, und eifrig suchen sie die Stellen auf, wo eine menschenfreundliche Hand ihnen Futter gestreut hat. Das Ende -er Puppe. Im „Journal des Dsbats" veröffentlicht Maurice Muret eine aktuelle Plauderei. Die Spielwarenhändler jammern, führt er aus, sie versichern mit betrübten Mienen, daß das Geschäft nicht mehr geht. Wie es scheint, verzichtet man heutzutage, dem kleinen Mädchen zu Weihnachten Puppen zu schenken. Die Puppe ist im Sterben, ja sie ist bereits gestorben. Es ist die Debacle der Puppe. Ein Pariser Modejournal hat über dies Thema einen Artikel voll philosophischer Ideen gebracht. Das Ende der Puppe habe seinen tiefen Grund, heißt es, darin, und könne mit den heutigen Kulturzustäuden leicht erklärt werde». Das älteste der Spielzeuge ist im Begriffe, zu Grunde zu gehen als ein Opfer des Fortschrittes der Wissenschaften. Diese Behauptung, die im ersten Augenblicke paradox klingt, erweist sich als ganz plausibel. Früher schenkte man den kleinen Mädchen zur Weihnachtszeit unbekleidete Puppen. Der jungen Mutter" oblag die Sorge, Hemdchen zu fertigen, Kleider zu schneiden, Hüte zu bauen. Heute wird niemand wagen, eine Puppe ohne Aussteuer zu schenken. Sie muß auch mindestens „Papa! Mama!" sagen können, sonst wird sie dem kleinen Fräulein verächtlich. Alle diese Vervollkommnungen haben aber das ärgerliche Resultat im Gefolge, daß sie jungen Mädchen keinen Ansporn zur Thätigkeit und Sorgfalt geben. Das Spielzeug erfordert blos Schonung und keine Wartung. All der Glanz ermüdet und das ewige „Papa! Mama!" wird lästig. Früher, in der guten alten Zeit, da die Puppen stumm waren, führten sie noch mit ihren jugendlichen Pflegerinnen niedliche Gespräche, deren Kosten durch die Phantasie des Kindes getragen wurden. Auch konnten die Mädchen früher nicht müde werden, die selbstgefertigten Kleidchen den Puppen anzuprobieren, während ihnen dies jetzt bei den von Fremden hergestellten Lappen kaum jemals einfällt. Wie anders ist es in Japan. Im äußersten Osten spielen die Puppen im Leben der Frauen eine große Rolle. Ein reizendes Fest ist diesem graziösen Spielzeug, den Hinamatssuris, geweiht. Am 3. März unserer Zeitrechnung ist es Mode, den kleinen Mädchen, die einen mit ihrer Freundschaft beehren, Puppen zu schenken. Diese bilden dann eine Reliquie, welche sich von der Mutter auf die Tochter forterbt, und auf die auch die Taglöhnerin stolz ist. Sie hat hundert, fie hat zweihundert Puppen, sagen dann die Mädchen untereinander mit dem Tone unendlichen Respektes. Ist es nicht eine der Lösung würdige Frage: Wie pflanzt man ein wenig Japanertum in die Seele der europäischen Mädchen, die blasiert ihre Puppe wegwerfen und sich nur eins wünschen: ein Bicycle. Ein A«achronism«s. Dubufes berühmtes Gemälde „Adam und Eva" befand sich auf der Kunstausstellung in Philadelphia. Auch der renommierte Obstzüchter Mac Nab nahm es kopfschüttelnd in Augenschein. „Was denken Sie von dem Bilde?" wurde er gefragt. — „Ich habe nur eine sehr geringe Meinung von dem Maler, mein Herr!" war die Antwort. — „Wie, eine geringe Meinung von dieser großartigen Kunstschöpfung?" — „Well", sagte der biedere Obstzüchter, „wie kann der Maler der Eva einen Apfel in die Hand geben von einer Sorte, die noch keine 25 Jahre existiert?" y Ein Mustkverständiger. Protz: „Meine Tochter wünscht den Klavierauszug vom „Lohengrin"!" — Kommis: »Der vollständige Klavierauszug ist augenblicklich nicht da!" — Protz: „Hm . . . Haben Sie denn vielleicht einige hübsche Couplets daraus?" * * * Wink. Unteroffizier: „Was ist Ihr Vater, Kunze?" — Kunze: „Schweinemetzger!" — Unteroffizier: „Na, wir werden sehen!" ♦ * Lehrer: „Sind die Hauptwörter steigerungsfähig?" — Der kleine Kohn: „Ja, Herr Lehrer." — Lehrer: „Nun sage mir ein Beispiel." — Der kleine Kohn: „Zum Beispiel: . . . Mai .... Maier .... am Maisten". ♦ ♦ * Vom Bücher-Ausleihen. A.: „Was für eine wunderschöne Bibliothek" Sie haben! Könnten Sie mir nicht einmal ein Buch leihen?" — B.: „Bedaure, ich ver- lelhe prinzipiell keine Bücher". — A.: „Und warum nicht?" V.: „Ja, was glauben Sie denn, wie meine Bibliothek entstanden ist?" Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.