g.AS.g.0 'S [dmitrirl eins Kleinigkeit dir nicht näher treten, als sie wert ist. Die Wage gleicht der großen Welt: Das Leichte steigt, das Schwere fällt. Alle Arten, fein Brot zu verdienen, sind einem ehrlichen Manne gleich anständig. Lessing. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Zweiundzwanzigtes Kapitel. Ein zärtliches Bekenntnis. Nirgends vergeht die Zeit so schnell wie auf der See. Die Einförmigkeit macht, daß die Tage schnell dahin eilen. Es schien mir, als wären wir gestern erst aus Bayport heraus bugsiert worden, und jetzt hatten wir die Linie hinter uns. Neue Sternbilder stiegen jeden Abend vor uns auf, und jene Welten, die der heimsegelnde Seemann so liebt wie sein Leben, versanken immer mehr vor unseren Blicken. Ich will schon jetzt bekennen, — denn das Geständnis läßt sich nicht mehr lange hinausschieben, daß ich begann, mich ganz verzweifelt in Luise Franklin zu verlieben. Bisher hatten ihre dunklen Augen und ihr holdes Gesicht sich nur als ein Zauber erwiesen, der wohl meine Bewunderung, aber noch kein tieferes Gefühl in mir hervorgerufen hatte. Das war, als ich noch vorn und sie hinten lebte, als die ganze Länge der Brigg uns trennte. Das Bewußtsein meiner bescheidenen Stellung, die Arbeit, die ich zu verrichten hatte, und des alten Windwärts Roheiten, welche ich schweigend ertragen mußte, ließen ein tiefer gehendes Gefühl gar nicht aufkommen. Ich dachte an sie wie an etwas ganz Fernes- der Teer, der mir anklebte, die Männer, welche meine Gefährten waren, die Niedrigkeit meiner Arbeiten war wie eine Decke, unter welcher die Liebe so wenig brennen konnte, wie ein Licht im Bauche eines lebenden Stockfisches. Aber jetzt hatten die Dinge ein anderes Aussehen gewonnen. Erstens, und vor allem, hatte die Veränderung meiner Stellung mein im Vorderdeck vernichtetes Selbstbewußtsein wieder gehoben. Ich konnte meinen natürlichen Charakter wieder annehmen, welcher mir im Borderkastell nur böse Worte und Fußtritte von denjenigen Leuten eingebracht hätte, die Lust gehabt hätten, ihre Füße gegen meine Fäuste zu versuchen. Ich war wieder Jack Chadburn, Gentleman, allerdings rauh in Manieren und Sprache, aber doch berechtigt, wie ich glaube, mich in der Unterhaltung mit dem Mädchen auf gleichem Fuße zu fühlen, und imstande, des alten Windwärts grobes Anschreien in einer Weise zu erwidern, die mich in ihren Augen nicht herabsetzte. Das aber, nämlich ihre gute Meinung von mir, war alles, woran mir überhaupt gelegen war. Dazu kam, daß ich viel mit ihr zusammen war. Oft wurden die ersten Wachen zu einem gemütlichen Gedankenaustausch mit ihr benutzt, wenn der alte Windwärts in seiner Koje schnarchte, der Schiffer unten war und die Brigg ruhig über die See dahinglitt. Ich hatte ihr alles von mir erzählt, von meiner Heimat, meiner Mutter, meines Vaters zweiter Heirat, von meinen Reisen uttb meiner Armut. Dabei ruhten ihre braunen Augen auf den meinen, und ihr liebreizendes, in der Dunkelheit blaß aussehendes Gesicht, zeigte Mitgefühl und Jntereffe. Nach und nach erfuhr ich denn auch alles, was sie von sich erzählen konnte: daß sie eine Waise sei (wie ich schon vermutet hatte), daß ihr Bruder, nachdem er diese Brigg gebaut und sie ihr zu Ehren „Die kleine Lulu" getauft, — „denn manchmal liebt und manchmal haßt er mich", fügte sie lachend hinzu —, sie überredet hätte, mit ihm nach Australien und wieder zurück zu reifen; daß sie eigentlich nur eingewilligt habe, um der Langenweile des kleinen kentischen Dorfes zu entfliehen, in welchem sie ein Haus besäße, aber wie sie gänzlich ohne Ahnung gewesen sei von der entsetzlichen Einförmigkeit solcher langen Seereise auf einem so kleinen Schiffe. Nach den Beschreibungen, die man ihr von dem Leben der nach Indien und anderen Weltteilen reisenden Passagiere gemacht hätte, welche sich die Zeit mit Musik, Tanz, Karten- und Theaterspiel angenehm vertrieben, habe sie sich das natürlich ganz anders gedacht. Und wie stand es mit ihr? Ich konnte aus ihr nicht klug werden. Sie liebte meine Gesellschaft, das war gewiß. Oft fand ich sie noch am Tisch, nachdem ihr Bruder und der alte Windwärts schon fort waren, um mich zu empfangen, wenn ich herunter kam. Sie war unerforschlich, eine schwarzäugige, kleine Hexe, manchmal ernst, manchmal heiter, oft den blühendsten Unsinn, oft verständig wie das Alter sprechend, ein schwer lösbares, aber reizendes Rätsel für mich, über welches ich mir, wenn ich allein war, mit Entzücken und Qual den Kopf zerbrach. - 288 — M blickte ihn verwundert an/ denn er kam mir in ganz richtig vor, und Dein Geheimnis ist bei mir sicher, ob ich dir helfe >icht," antwortete ich ungeduldig. „Na, man kann keinem Menschen recht trauen," entgegnete er, mich unruhig anblickend. „Du hast mir aber vertraut, und jetzt ist es au spät, es zu bereuen." ' „Was weißt du?" „Was ich weiß? Nun, was du mir erzählt hast." „Was war das?" ' “•~’S - !'. «JVSS-EjS I - » — !“i“ * ’ " sie a" Land kommen, und sie wird nur noch mit Lachen d°en fie « ®5enJatI b" bewunderte L öen fie im Geiste ewig mit dem Fetttopf sehen wird, mit Berte.” 6nt Unt6r i§ren 2tu0en die Oberbramstangen derlangst du, daß ich dir die ganze Geschichte wiederhole?" //Ich frage, was es war — was ich dir erzählt habe?" Ich l*“el6"le*' “•S-rtitommt, „Vielleicht ist der Mond daran schuld.* saote ick, baUt ^erlicht wegbegebend, da ich nicht m be? ^°^itän mich sprechen hören sollte. be,r Mond stört mich nicht," antwortete er. //Ich passe schon eine Stunde auf die Gelegenheit, um wieder ieMr S-«° 3- r=6m/to'i"te 6„ einigenWochen anvertraute. Die Stunde scheint mir günfiia um noch einmal mit dir davon zu sprechen." ß/ spukt/wk?" natÜrH* toieber d^ne Insel, die dir im Kopfe „Fm Kopse spukt? — Pah, — bu toirft Mm» «n* anbei# barütier denken lernen. Allerdings, es ist die Insel w-il^ führt. Ich erzählte weit ich hoffte, deine Hilfe zu gewinnen. Es ist ein großes Ding, was ich dir da anvertraut habe, das sage ich dir dak ick iR Es macht mir stets Sorge,' daß ich es that/ denn es giebt Menschen, die das Vertrauen L andern mißbrauchen und zu ihrem Vorteil verwenden. toria ich nun gerade nicht von dir denken, aber mir find willst" — Ä0eix °6 ?,u 3U mir ^lten und mir helfen willst. Während er dies sagte, ruhten seine Augen mit mocht^ich Pe "ebte? Darüber ver- « £ E klar zu werden. Ich vermute, daß meine ©efii^te i^r nicht ganz verborgen blieben, wenn die Dunkel- 71 "ich zu empfindsamen Worten ermutigte, aber ich blieb 1 fraae .7 CS.. ........... »—SS~F-.7,* "arts die leiseste Ahnung hatten von dem, was in mir vor- I in - erzähltest mir von irgend einer Insel 3..,7/ a**BÄ“1’** snrj’AWK Ääs "* SH®? """" b,m teWra U"b wartete nur noch auf ein entschiedeneres Anzeichen des I Mann Geraks TL Ji ei» unsinnig reicher kommenden Windes, um die Wache an die Brassen ,„777 I S c. Gerade so reich wie jener Mann, welcher bei niedrigem Wir hatten die ganze letzte »eit »77 8“ rufen; I Wasserstande auf den Godwin-Sands stand und sagte: Hier See „Damen - Wetter" nennt/gehabt, d.^ h' glattes Waffer m^G^ld77?6en die Wracks von Jahrhunderten, ganz leichte Brisen und nachts einen Wind der sT» ^°ld genug, um die Nationalschuld abzuzahlen." Silberschein auf die weite Wasserfläche warf und die Seael I ries "W^soüensolcheBergleiche?Spar'dirdeineSpöttereien!" der Brigg wie Perlmutter schimmern ließ ®eßCl L 7 „Der Reichtum unter den Godwin-Sands mä" k,sWT,Ä5rÄ«ä Kegels, den der Mond auf die See warf. Es war ein^Nackt I Geheimnis nicht weiter dringen/ da voller Romantik in der Natur, - ein ^dvllLwlmSr t SmttetE W, s° behalt es. Es mag ebensogut und Ozean. ' ettt W tion " deiner Tasche aufgehoben sein, wie auf dem Grunde der Eine Gestalt schlich das Deck entlang und aus mick ' l7Lbieilni9®rt ? vermuten, denen es eigentlich gehört." Am Gange konnte ich leicht erkennen, wer es war abesf M ", seine Arme verschränkend, „Bist du es, Deacon?" ' ±7/77" "ef"e Gründe, daß ich gerade dich aus der „Ja/ ist das nicht eine schöne Nacht?" wäbl7?" öIS Teilhaber meines Geheimnisses aus- »■”' »ie tornmt d-i du nl«, „Ich WM, ,« «M» st-l ich el„. //Ich brauch- ein Schiff, dieses Geld abzuholen," fuhr I er gereizt fort, „und einen Mann, der es an Ort und Stelle L- ^En^rsteht. Weil ich dich für diesen Mann hielt" habe ich dich zu meinem Vertrauten gemacht und dich aufgefordert, mein Partner bei dem Geschäft au sein Won h/n sechzigtausend Pfund, die da sind, M g zwanzigtausen? wir, dir und der Mannschaft gehören." „Aber der Plan, den du mir da gemacht hast, rieckit' Materie. Du sprachst davon, dich dieses .^ch sse^ bemächtigen zu wollen. Glaubst du wirklich, daß würde?"" entm foI$e” Unternehmen meine Hand leihe!- „Warum nicht?" „Weil ich ich kein Schurke bin." .Er starrte mich mit blitzenden Augen an, während er mit den Fingern auf seinen verschränkten Armen trommelte 06 er eine Klavierübung machte. Dann überflog sein ""°°b -- L 'L hft6 steint, der Kapitän hat dich verdorben dadurch, enLa "b ^ 8Um 2toettcn Maat machte und unserem Kreis naN$u 6ift ei« Narr/ was veranlaßt dich zu dieser An- - 2s8 GeMeinnÄtziges L)unioviftischeL dame lange, bevor er aufgeht. Es erschien im Verlag, „Europ. Modenzeitung", Dresden, und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen: Neuer Leitfaden für moderne re C . .----”"O........v....av «..v | Damenschneiderei, reich illustriert mit über 50 Abbildungen, Preis nahrhafte Erde, einen halbschattlgen Standort und ist mehr I Seb. 1 Mark. Dieses Merkchen will ein Wegweiser und Ratgeber auf durch Aussaat, als Teilung zu vermehren. Leider liegt der I dem Gebiet der Damenschneiderei fein, die es bis in die kleinsten Äame lange, bevor er aufaeht J I ’’’ nnfacher, lelchtfaßlicher Sprache erklärt und das Verständnis !U y " 1 durch zahlreiche mstruküve Abbildungen unterstützt. Es ist für alle Primula japonicfc. Japan, dem mir so manche schöne Zierpflanze verdanken, beschenkte uns auch mit dieser prächtigen Primel. Dieselbe dürfte wohl die stattlichste aller Primelarten sein, denn sie wird bei guter Kultur im Glashause beinahe meterhoch, aber auch im freien Lande kultiviert, erreichen ihre Blütenstengel nicht selten eine Höhe von 60 Ctm. Ihre Blumen stehen nicht so, wie bei manch anderer Primelart in einem flachen oder halbkugeligen Strauße, sondern etagenartig, in Quirlen um den Stengel herum. Sie sind prächtig rot gefärbt, doch giebt es auch noch anders gefärbte, die aber, was Farbenpracht betrifft, der Stammart kaum gleich kommen. Primula japonica hat sich bei uns als völlig winterhart erwiesen und verlangt eine lehmige und Essig als Heil- unt> Vorbeugungsmittel. Personen, die wenig Sauerstoff im Blute haben und daher zu Scorbut neigen, sollen dem Trinkwasser einen Eßlöffel voll reinen Weinessigs zusetzen, und mit Vorbedacht Speisen wählen, die mit Essig zubereitet werden. Aus Berlin W. Mutter: „Aber Karl, Du hast schon wieder gelogen, was soll denn nur aus Dir 'mal werden?" — „Afrikareisender, Mamachen!" * * * Unerhört. Hausfrau: „Diesen Herrn Müller lade ich Nicht mehr zum Essen ein. Nicht genug, daß der Mensch kommt, er bringt auch noch Appetit mit!" („Münchener Jugend.") * * * Fort mit den Hosenträgern! Richter: „Sie sind bisher unbescholten; wie kamen Sie dazu, das Dutzend Hosenträger aus dem Laden zu, entwenden?" — Angeklagter: „Ich hatte auf der Straße ein Plakat gelesen: „Fort mit den Hosenträgern!" fr * * Nomaden. Lehrerin: „Nomaden sind Leute, welche nirgends heimisch werden, d. h. niemals lange an einem Platz bleiben. Kannst Du mir solche Nomaden nennen, Martha?" — «Ja, Fräulein, Köchinnen und Stubenmädchen." Neid und Karten. Die Apfelsorte, die jetzt in Deutschland „Mode" ist und überall zur Anpflanzung empfohlen, auch massenhaft angepflanzt wird, ist die Wintergoldpnrmäne und sie wird ja auch meist den auf sie gesetzten Hoffnungen entsprechen. Trotzdem warnt unter ausführlicher Begründung seiner Bedenken der hochverdiente Obstkenner Professor Dr Selig in Krel in einem längeren Aufsätze in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau bei aller Anerkennung der vorzüglichen Eigenschaften der Winter- goldparmäne dringend davor, sie überall und unter allen Verhältnissen anzubauen, da statt erhoffter Erfolge leicht trübe Erfahrungen eintreten könnten. Wir raten allen Verehrern der Goldparmäne, die häufig auch an öffentlichen Wegen angepflanzt wird, sich den lehrreichen Aufsatz des Professors Selig kommen zu lafsen. Die betreffende Nummer des praktischen Ratgebers wird auf Wunsch gern von dem Geschäftsamt des praktischen Ratgebers in Frankfurt a. d. Oder umsonst zugeschickt. — „Die Brutalität des alten Windwärts und die Kalt- I Herzigkeit des Schiffers vermögen nicht mehr, dich wild zu machen. Dein Herz ist gefangen, Jack, du steckst in den Influenza wird vielerseits Schafgarbenthee Banden des Mädchens, denkst nur noch an dieses." I Schleuderhonig tn der Weise angewendet, daß man beim „Ihren Namen laß aus dem Spiel, Maat," sagte S™miFeSÄ ft ich streng. „Das Benehmen des Kapitäns und des Maats « ™ W ÖCcW' trUlfL erregt meine Entrüstung noch ebenso, als da ich noch unter ® $U Umschlägen sind zu empfehlen bei euch lebte; aber gleichviel, welche Stellung ich auch an Bord I ^^rer Halsentzündung, bei Lungen- und Bronchialkatarrhen eines Schiffes einnehme, so wirst du nie erleben, daß ich mich I ähnlichen Krankheitszuständen der Organe der Brust- an einer Meuterei beteilige. Das erkläre ich dir." I JrCtLaIte? ■8etten waren die Salzbäder hochgeschätzt. Nack diesen Worten ftrrnh™ mir „nL Q_i. I H^ste Salz-Fußbäder haben sich bei Blutandrang nach dem MM SsSSSä feiner testen Hand Mtz-nd. Um diese mir peinliche Situation 8zgeha'f"(ans u” ‘ ®uto"" «"b®ron™ sS gr* h» t c „. I haltigen Heilquellen werden zur Unterstützung der an er« //Ach du Tugendbold, habe nur keine Angst um deine I krankten Atmungs.organen Leidenden auch Einatmunaen ^inn^ deinen Schaden thun. Bor der Hand salzgeschwängerter Luft ärztlicherseits angeordnet, ein Ver- boltnn» °inmal daran, daß du Geheim- ähren, das sich auch bei Croup und Diphterie empfiehlt Haltung beschworen hast«. (6—8prozentige Salzlösung). //Das hast du gar nicht nicht nötig", brummte ich ver- Gegen Unterleibsbeschwerdem Ein 2 Meter stimmt, ohne ein weiteres Wort schlich er wieder leise langes und y2 Meter breites Handtuch wird bis über die nao; vorn. Hälfte aufgewickelt. Der freie Teil wird in kaltes Wasser (Fortsetzung folgt.) | getaucht, gut ausgewunden und dann so um den Unterleib gewickelt, daß die trockene Hälfte den nassen Teil gut bedeckt. Diesen Umschlag macht man jeden Abend. Arn Morgen nimmt man ihn ab und reibt den Unterleib tüchtig trocken. 284 Lernenden von groß« Zweckmäßigkeit und für alle Könnenden ein Nachschlagsbuch von beträchtlichem Wert. Ueber die Vielseitigkeit des Buches mag die nachfolgende gedrängte Inhaltsangabe orientieren: Das Zuschneiden, daS Füttern des RvckeS, die verschiedenen Nähte, der Rock- schwcif, der Rockbund. — DaS Zuschneiden des Futters, des Oberstoffes, das Aufheften, di« Anprobe, das Ausarbeiten der Nähte, das Plätten, das Einstigen deS Fischbeins, der Haken-, Knopf- und Schnürverschluß, Taillenband, Kragen, Stetmd. — Die englische Taille. Das Merkchen dürfte seine Aufgabe, ein wirklicher nützlicher Ratgeber zu sein, zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllen. Wodenbericht. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Echnittmannfaktnr, Dresden-^. Neuestes Modenalbum und Schnittmusterbuch Preis nur 50 Pfg. daselbst erhältlich. Modell Nr. 151. Modell Nr. 152. Ich zu verschönen und in ein günstiges Licht zu stellen. Die Versucherin „Mode" versteht es aber auch gar zu gut, ihre Gaben verlockend darzubieten, so daß es schon einer besonders starken Natur bedarf, um diesen Versuchungen zu widerstehen. Man werfe nur einen Blick auf all die entzückenden Neuheiten, welche sie in verschwenderischer Fülle auch dieses Jahr wieder uns beschert hat. All die kleineren Gegenstände, welche eigentlich nicht die Hauptbestandteile der Toilette bilden, welche aber zur Vervollständigung derselben unumgänglich notwendig sind, erfreuen sich der besonderen Gunst von Frau Mode und unternehmen daher immer von neuem Attacken auf unsere Standhaftigkeit und — unsere Börse. Wer sollte aber auch standhaft bleiben beim Anblickder entzückenden Sonnenschirme, Hüte, Gürtel, Schleifen, Spitzenjabots, und was der Kleinigkeiten mehr sind. Schon die eleganten Schirm; allein find äußerst begehrenswert für jede Dame. In den zartfestesten Farben gehalten, sind sie duftige aus Weiß und Schwarz, Rot, Lila oder anderen beliebigen Farben den entzückendsten Hintergrund für ein frisches, vor allen Dingen aber liebenswürdiges Gesicht ab, denn nebenbei bemerkt, kann auch der prächtigste Schirm ein mürrisches Gesicht nicht schön machen, während ein freundliches Gesicht auch mit einer weniger kostbaren Folie als diese duftigen Chiffonschirme seinen Reiz behält. Da sind außerdem die reizenden taffetseidenen Schirme in einer Farbe, deren Hauptoriginalität darin besteht, daß sie im geschlossenen Zustande ganz eng gewickelt mit dem genau gleichfarbigen Schirmstock gewissermaßen Eins bilden und somit den Eindruck eines Stockes machen, wodurch die jüngste Mode, welche den Damen Spazierstöcke vorschreibt, gestreift wird. Besonders beliebt sind diese Stockschirme in Weiß, Türkisblau, Rosa, Rot und Veilchenblau. i i Einen nicht minder gefährlichen Angriff auf unsere Börse unternehmen in diesem Jahre auch die Hüte. Welch eine Fülle von Neu- Roufselinchiffon und Spitzen zusammengestellte Gebilde, welche, wenn geschlossen, ein bauschiges, duftiges Etwas darstellen, aus dem der Schirmstock stets in genau der gleichen Farbe herausragt, welche der Schirmbezug zeigt. Wenn offen, gießt diese duftige Wolke, in Weiß, „Schwachheit, dein Name ist Weib", so sagt mit Recht der Dichter, und auch die jetzige Zeit, welche dieses Wort in mancher Beziehung Lügen strafen möchte, muß seine Berechtigung doch anerkennen, zumal wenn eS sich um Modeangelegenheiten handelt. Welche Frau, und wäre er auch die einfachste Frau aus dem Volke, zeigte nicht eine gewisse Schwäche, wenn es gilt, ihr eigenes heit und Originalität! Da sind zunächst die mehr für den Saisonübergang bestimmten Toques und Boleroformen, ganz aus Flittertüll best.hend. Die nicht zu kleine Form ist auf der linken Seite hoch aufgeschlagen und daselbst meist mit drei bis fünf blätterlosen, vollerblühten Rosen geschmückt, welche sich in reizvoller Weise in das lose, bauschige Haar der Trägerin schmiegen. Diese Garnitur fehlt wohl fast an keinem der modernen Hüte und sind daher auch alle mobernen Hutformen, gleichgültig ob groß oder klein, darauf eingerichtet, indem die linke Seite oder auch die rechte, hochgebogen ist. Eine andere reizvolle Neuheit, welche auch ziemlich unbekannt sein dürfte, sind die Tüll- und Gazeschals. Dieselben sind hinten am Hute befestigt und werden unter dem Kinn oder seitlich zu einer vollen Schleife mit flatternden Enden gebunden. Neu ist diese Mode ja nicht, denn man hat sie schon vor Jahren gehabt, aber gerade ihre Wiederkehr beweist, daß es eine hübsche Mode ist. Für praktische Zwecke ist auch in diesem Sommer der allbeliebte Matrosenhut wiedergekehrt, wenngleich seine Form sich ein wenig verändert hat. Er ist höher und schmalkrempiger geworden und statt des Breiten Bandes schlingt sich nur ein ganz schmales Sammetband von leuchtender Farbe um den unteren Rand des Kopfes. Gleichfarbiges Band faßt den Rand der Krempe ein. Es sind diese einfachen Matrosenhüte gewiffermaßen das Gegengewicht zu den jetzt mit großem Luxus hergestellten Phantasiehüten aus Spitzen, Blumen, Federn rc. zusammengestellt, welche, trotzdem sie eigentlich nur ein allerliebstes kleines Nichts darstellen, doch oft Unsummen kosten. Wie viel könnte manche Dame ersparen, wenn sie sich die Mühe nehmen würde, aus den übriggebliebenen Herrlichkeiten verfloffener Saisons, verbunden mit einigen neuen Kleinigkeiten selbst ein solches reizendes Gebilde zu schaffen. ES ist wirklich gar nicht so schwierig, als es vielleicht den Anschein haben mag und sogar von hohen Persönlichkeiten, wie die Kaiserin Viktoria und die russische Kaiserin, erzählt man sich, daß sie sich ihre reizendsten Hüte selbst Herstellen. Auch in der Herstellung eleganter Toiletten leisten oft vornehme Damen, deren Toiletten-Budget es wahrlich nicht erfordert, Erstaunliches. So soll z. B. Mrs. Makay, die Gattin des berühmten amerikanischen Eisenbahnkönigs, ein ganz besonderes Vergnügen darin finden, ihre Haustoiletten selbst zu arbeiten. Die stets wechselnde, anspruchsvolle Mode stellt oft so hohe Anforderungen an das Toilettengeld der Frau, daß derartige Beispiele von vielen nach- geahmt zu werden verdienen. Und auch das Schneidern ist nicht so schwer, als es den Anschein hat, wenn man sich z. B. der Schnittmodelle der Internat. Schnittmanufaktur, Dresden, bedient. Die reizendsten Neuheiten sind jederzeit in verschiedenen Größen vorrätig. Auch sind die Schnitte so bequem zu handhaben und mit genauen Angaben versehen, daß ihre Verwendung in den meisten Fällen nur ein Vergnügen bedeutet. Wie reizend sind z. B. die drei neuen Modelle, 151, 152 und 153. Trotzdem sie die letzten Modeneuheiten repräsentieren, sind die Schnittformen doch so gewählt, daß ihre Herstellung auch der ungeübteren Hand des Laien keine Schwierigkeiten Bietet. Modell 151 ist ein Miederkleid, dessen Rock und Mieder aus Wollstoff durch eine seidene Bluse ergänzt wird, wodurch es sich gegeßenen Falles auch zum Aufarbeiten getragener Kleider eignet. Modell 152 zeigt eine speziell für zweierlei Stoffe paffende Form, denn der den unteren Teil des Rockes ergebende glatte Stoff bildet gleichzeitig die Ausstattung der Blusentaille. Modell 153 ist besonders für zierliche, junge Mädchen geeignet, denn der bauschige Einsatz, mit seiner neuartigen Anordnung hebt die Figur in reizvollster Weise. Wenn die natürliche Eitelkeit der Frau in der Weise zum Ausdruck kommt, daß sie Ursache wird, sich die geschmackvollen Anzüge selbst herzustellen, so werden sicher selbst die strengen Herren der Schöpfung nichts dagegen einzuwenden haben und dem Anfangs erwähnten Dichterwort: „Schwachheit, dein Name ist Weib!" wird, wenigstens was die Toilettenbedürfniffe Betrifft, der verletzende Stachel genommen sein. Modell Nr. 153. Redaktion; 8. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.