D InlechattMWblalt M MießmerKn^eiAer Geneml-AllMer) MWMWjW Dienstag den 19. Dezember Milien^,, ‘SäSiSyiteVvi Ak rf mich nur in einer Sache loben, wenn man haben daß ich sie mit mehrerem Ernste treiben soll. Lessing. Lob ist ein treffliches Mittel, die Menschen zu lobenswerten Handlungen zu bestimmen; schon das unverdiente Lob ist ein Sporn. Zachariae. Herrn Mosers letzter Weihnachtsabend. Von Elsa d'Esterre-Keelins. Autorisierte Uebersetzung von Emil Ernst. ------- Nachdruck verboten. Macht das Zimmer ein wenig dunkler! Rückt ein wenig näher dem Kamin! Ich will Euch eine Geschichte erzählen — eine wahre Geschichte! Eine kleine Dame im Schwanengewand trippelte durch alle Lande und kam auch nach Deutschland — eine kleine Schönheit — abgesehen von ihrem durch den Frost geröteten Näschen/ so gerötet wie Deine und meine und Herrn Mosers Nase. Ja, Herrn Mosers Nase war ganz entschieden gerötet! Es war ja auch gar nicht anders möglich. Einen so rauhen Dezember hatte man seit Jahren nicht gehabt. Kalt? — Das sollte man meinen! — Das Niesen nahm in jenem Jahre überhaupt kein Ende. Die oberen Zehntausend niesten. (Genesung!) Die mittleren Zehntausend niesten. (Gesundheit!) Und die unteren Zehntausend niesten. (Helf Gott!) Was sollen diese Paranthesen wohl sagen? — Kennt man nicht das Histörchen von jenem Bauernjungen, dem sein Lehrer gute Manieren beibringen wollte und ihm daher, als jemand nieste, gemäß der Sitte seines Landes, mit wichtiger Miene folgende Lehren erteilte: „Wenn ein Edelmann niest, ruft man: „Genesung!" Niest eine weniger hohe Persönlichkeit: „Gesundheit!" Und bei einer ganz unbedeutenden Person: „Helf Gott!" Worauf der würdige Pädagoge selber vom Niesen befallen wurde und der kleine, ungehobelte Bauernjunge eifrig hervorsprudelte: „Helf Gott, Herr Lehrer!" Bitte um Verzeihung, lieber Leser, für Anekdote und Abschweifung. Um wieder auf meine Geschichte zurückzukommen: Seltsamerweise beginnt diese auch mit einem Niesen. Denn als erstes muß ich mitteilen, daß ein alter Herr in Herrn Mosers Zimmer laut zu niesen anfing. Nicht ein oder zweimal, nein, viele, viele Male hintereinander, so daß Herr Moser, der eine humoristische Ader besaß, in Lachen ausbrach, und während er bei jedem Nicken des niesenden alten Herrn mitnickte, lachend ausrief: „Gesundheit, Gesun—, G'sun—, G'sun—, G'sundheit!" Er konnte das lange. Wort nicht in einem Zuge herauS- bringen, weil ihn das beständige Niesen des alten Herrn daran hinderte. Und wenn man obiges Wort so recht aufmerksam liest, die Kehl- und Zischlaute ineinander laufen läßt, wie Herr Moser es in der Hast that, wird man finden, daß keine menschliche Seele es unterscheiden könnte, ob gesprochen oder geniest wird. In der That, viele würden gedacht haben, Herr Moser niese ebenfalls, anstatt seinem niesenden vis-ä-vis Gesundheit zu wünschen. „Gut, daß es vorüber ist," sagte er endlich und nickte dazu. Die angeredete Person antwortete nur mit einem Lächeln — in den Augen, denn sie hielt ihr Taschentuch — und zwar ein großes — so vor ihr Gesicht, daß alles außer den Augen verborgen war, gleich einer Orientalin. „Nun aber an die Arbeit!" sagte Herr Moser plötzlich. Und sogleich begannen die beiden alten Burschen im Zimmer umherzutrotten. Zwei Tische wurden sich gegenüber gerückt und auf jeden derselben ein Weihnachtsbaum gestellt. Und dann begann das Schmücken. Es war drollig mitanzusehen, auf welche Weise die beiden alten Freunde das Ausputzen ins Werk setzten. Jeder von ihnen warf einen flüchtigen Blick auf den Baum des andern und kopierte ihn dann ganz genau. Wenn der alte Herr Moser eine Nuß anhing, hing sein Freund auch eine an, und wenn der alte Herr Moser ein Licht auffteckte, that sein Freund es ebenfalls. Und so fort, daß die Bäume, als sie fertig und die Lichte angezündet waren, einen ganz gleichen Anblick darboten. Die beiden Herren, die nun einige Schritte zurücktraten, um ihr Werk zu betrachten, brachen dann auch, als ihre Blicke sich dabei zufällig begegneten, in ein herzhaftes Lachen aus. Um nun ihrer jährlichen gemeinsamen Feier einen würdigen Abschluß zu verleihen, bedurfte es nur noch eines Gläschens Wein. Bald war derselbe auch eingeschenkt, und die beiden alten Herren ließen ihre Gläser an einander klingen. Kling! Kling! „Ein gesegnetes Weihnachtsfest!" sagte der alte Moser, und die Lippen seines alten Gefährten bewegten sich ebenfalls, aber kein Laut wurde hörbar. Noch einmal stießen die Gläser an einander. Kling! Klang! an d will, 726 Dann tiefes Stillschweigen. — — Et, was ist denn aus dem andern alten Burschen geworden? Leser, Leser, denke nicht länger an den „andern". Wirf lieber einen aufmerksamen Blick auf unseren guten alten Herrn Moser. Was mag ihm nur fehlen? Behaglich in seinen altertümlichen Sorgenstuhl zurückgelehnt, hält er die Hand über seine geblendeten Augen. „Geblendet!" — Guter Gott! Durch diese sechs kleinen an einem Baum flimmernden Kerzchen! Still! Still! Sie sind nicht die Ursache! — Rur sechs kleine Wachskerzen, meint man? — O Du meine Güte! — Sein Baum schwimmt ja förmlich im Lichterglanze — im Lichterglanze der früheren Jahre! Er wirft seinen Schein auf die Zuckerfiguren, die vergoldeten Nüsse und Aepfel und die kunstvoll verschlungenen Ketten aus Gold-, Silber- und Buntpapier — den sorgsam gehüteten Schatz vieler Jahre! Und wie mit einem Glorienschein umwebt er das reiche, weiche Sibcrhaar seines Weibes, wie sie neben ihm steht, umgeben von all ihren Kindern — Albrecht, dem verheirateten Sohne, nebst seiner Gattin/ Ella, der ältesten, eben verlobten Tochter/ Getrud, der goldigen, dem Liebling aller/ Fritz, strahlend in seiner neuen Uniform, und Baby, Albrechts Baby, das wie ein Vögelchen auf seines Vaters Schulter hockt und voll Seligkeit ein Zuckerspielzeug nach dem andern vom Baume reißt! Nur sechs kleine Kerzchen! — Nun, die hellste Mittagssonne könnte sich nicht mit dem Glanze, den diese kleinen Lichte um sich verbreiten, messen. Herrn Mosers Augen scheinen denn auch wirklich geblendet. Und doch — was mag ihm nur sein? — Er hält sie ja auf — weit auf--— Jemand klopft. „Darf man herein, Herr Moser?" Keine Antwurt. Nur das Knistern der sechs kleinen Kerzen, und der angebrannten, einen lieblichen Drift um sich verbreitenden Tanne. „Herr Moser, ist Ihnen nicht wohl? Ach, lieber Gott, Herr Moser, ist denn alles aus mit Ihnen?" Ja, leider war alles aus mit Herrn Moser! — Als die Eintretende diese traurige Thatsache erkannt, drückte sie Herrn Moser sehr sanft, sehr behutsam die Augen zu und küßte sie. War sie nicht auch eine Tochter, wenn auch nicht seine? Dann verbarg sie ihr Gesicht in den Händen und schluchzte bitterlich. Hatte er sich ihr nicht stets als ein gütiger Herr erwiesen? • * * Anmerkung: Noch heute giebt es Menschen, die Herrn Moser gekannt. Sie könnten erzählen, wie er eine lange Zeit, Jahr für Jahr einen Weihnachtsbaum für sich allein schmücktte, einem Spiegel gegenüber, und das Fest damit beendete, daß er dem heiteren, alten, vereinsamten Burschen, der ihm aus dem Spiegel entgegenblickte, einen Weihnachtsgruß zutoastete! Die schlesische Hausweberei. Mit der schlesischen Hausweberei geht es unwiderruflich zu Ende. Langenbielau und Peterswaldau am Fuße des Eulengebirges, wohin Gerhard Hauptmann den Schauplatz seiner „Weber" verlegt, find jetzt große, reiche Fabrikdörfer geworden, in denen die Leinwand fast durchweg auf mechanischen Stühlen hergestellt wird. Das Klappen der Handstühle in den kleinen, früher für die ganze Gegend typischen Holzhäuschen hört man jetzt nur noch in den einsamen Dörfern weiter oben im Gebirge. Hauptsitze der Hausweberei sind heute noch die Laubaner Gegend, der südliche Teil des Landes- huter Kreises und die Grafschaft Glatz, aber auch hier ist i von Jahr zu Jahr ein Rückgang in der Fabrikation zu bemerken. Die Löhne sind durch die Konkurrenz der Fabriken soweit herabgesunken, daß die Weber auch bei den bescheidensten Ansprüchen kaum noch ihr Leben fristen, und wenn ganze Familien es bei angestrengter Arbeit nur auf 5 und 6 Mark die Woche bringen, wenn der Verdienst des einzelnen Webers, • sofern er nicht bessere Sachen herstellt, höchstens 2 Mark 70 Pfennig bis 3 Mark, der einer Spulerin 1 Mk. 50 Pfg. für sechs Arbeitstage beträgt, so ist es natürlich, daß die Leute dorthin auswandrrn, wo ihnen, wie in Landeshut und Bielefeld, in mechanischen Webereien ein höherer Lohn geboten wird. Die Bevölkerung im südlichen Teile des Landeshuter Kreises ist in ständiger Abnahme begriffen. Das Städtchen Schömberg, welches vor zehn Jahren 2200 Einwohner hatte, zählt deren jetzt nur noch 1950, in Blesdorl bei Schömberg hat die Abnahme im letzten Jahre allein 5 Prozent betragen, und in Berthelsdorf und Albendorf an der österreichischen Grenze stehen bereits viele Wohnstätten leer und verlassen. Mit der Bevölkerung ist aber auch die Wohlhabenheit der Gegend zurückgegangen, und um die Lage der Weber etwas zu beffern, hat die Regierung an verschiedenen Orten Weberei- Lehrwerkstätten errichtet, in denen die Weber auf alle modernen Verbesserungen an Handwebestühlen aufmerksam gemacht werden, auch neue Stühle geliefert erhalten. Daß es der Regierung aber nur darauf ankommt, den Webern die Uebergangszeit weniger empfindlich zu machen, geht daraus hervor, daß sie neben den Webeschulen auch Stickschulen begründet hat, um durch sie die Bevölkerung in neue Erwerbszweige hinüberzuleiten. Thatsache ist, daß junge Leute sich nicht mehr der Handweberei zuwenden, und daß auch die Mädchen mehr und mehr einen anderen Beruf bevorzugen, so daß es den Fabrikanten von Jahr zu Jahr schwerer wird, die ihnen gewordenen Aufträge für Handarbeit ausführen zu lassen. Wie sollen wir rauchen?*) ------- Nachdruck verboten. Der praktische Arzt vr. Keibel hat zehn Rauchregeln aufgestellt, die wir für recht praktisch und zweckmäßig halten und daher in ihrem Wortlaute folgen lassen. 1. Rauche nie eine Zigarre weiter, die nicht zieht oder nicht luftdicht ist, kurz eine solche, die nicht brennt, denn unter solchen Umständen geht viel Nikotin in den Rauch über und damit auch in den Körper des Rauchers. t 2. Rauche in der Pfeife nur ganz leichten Tabak/ schwerer Tabak entwickelt, namentlich in Pfeifen, wo der Luftzutritt ungenügend ist, viel Nikotin. 3. Hüte dich vor dunklen Zigarren/ sie enthalten, da sie eine starke Gährung durchgemacht haben, viel Ammoniak. 4. Da erfahrungsmäßig importierte Havannazigarren am schädlichsten wirken, so rauche man dieses Kraut nur selten, höchstens 1 bis 2 Stück am Tage und dann stets nach Tisch. 5. Rauche nie eine Zigarre bis zum Ende. Je kürzer die Zigarre wird, desto schwerer wird sie. Hüte dich auch vor dem Schlucken des Rauches, denn der Magen wird durch das scharfe Nikotin gereizt. 6. Rauche womöglich keine Zigarre, die ausgegangen und liegen geblieben ist, von neuem an. 7. Wenn irgend möglich, so rauche stets aus einer Pfeife mit recht langem Rohre/ sei aber peinlich sauber mit dem Rohre, weil sich sonst darin mit der Zeit viel Nikotin ansetzen würde. 8. Rauche weder Zigarre noch Zigarette ohne reinliche Zigarrenspitze/ durch Kauen und Zerbeißen der Zigarre ge- *) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche: „Michaelis, Grundzüge einer allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,—, Verlag von Hugo B cr- mühler, Berlin. 727 langt viel Nikotin in den Speichel- zudem können durch Zigarren gewisse Krankheiten, wie z. B. die Schwindsucht, übertragen werden. 9. Kein Mensch soll vor seiner vollständigen körperlichen Ausbildung, also etwa vor dem 80. Lebensjahre rauchen. 10. Weder Zigarre, noch Zigarette, noch Pfeife rauche man, ohne Lust dazu zu haben. Man treibt Mißbrauch mit dem Rauchen, wenn man 1) zu viel und andauernd raucht- 2) zu schwere Zigarren und Tabaksorten wählt- 3) bet leerem Magen oder früh nüchtern raucht und 4) viel trinkt während des Rauchens. Gemeinnütziges. Um Vas Anlaufen von Brillengläsern zu verhindern, wird empfohlen, dieselben auf beiden Seiten mit Glycerin zu bestreichen. Der Niederschlag wird verhindert, und die Fläche bleibt blank. La« für Gummischuhe. 150 Gramm Kautschuk werden in der' Wärme in 250 Gramm Terpentinöl gelöst. Unter fortgesetzter Erwärmung giebt man hierzu noch 290 Gramm Kolophonium und 40 Gramm Beinschwarz. Warzen beseitigt der französische Arzt Vidal mit der gewöhnlichen Schmierseife, die er auf Flanell ausstreichen und nachts über die Warzen legen läßt. Selbstverständlich darf das Pflaster auch am Tage liegen bleiben, wenn man eS leiden kann- denn dadurch wird das Erweichen der Warze beschleunigt. Dieselbe kann nach 14 Tagen ohne Mühe und Schmerzen mit dem Fingernagel entfernt werden. (Praktischer Wegweiser, Würzburg.) Die Artischoke erwirbt sich auch in Deutschland immer mehr Bürgerrecht. Verehrer der edlen Distel wird es interessieren, aus der soeben erschienenen Nummer des „praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau" zu erfahren, daß man sehr wohl die Artischoke auch in Deutschland anbauen kann, ja daß sie, die bisher immer als erst im zweiten Jahre fruchtbringend angesehen wurde, bet richtiger Kultur schon im ersten Jahre ihre wohlschmeckenden Blütenkelche reifen läßt. Die Kultur ist eingehend geschildert und kann man darnach schon im Herbste von der Pflanze bis 5 Früchte ernten. Wie sich das von selbst versteht, muß die Artischoke im Winter eingedeckt werden. Aür die Küche. Für die Winterszeit. Wer hätte es nicht schon am eigenen Leibe erfahren, wie wohlthuend namentlich zur Winterszeit ein warmer Trunk wirkt? Nur muß man auch ein wirklich bekömmliches Getränk aussuchen. — Es ist eine bekannte Thatsache, daß alkoholische Getränke, wie Grog, Glühwein und Punsch, erschlaffend auf Gehirn- und Herz- thätigkeit einwirken, während Kaffee und Thee einen aufregenden Einfluß auf den Organismus ausüben. — Wirklich zuträglich dagegen ist eine gute Bouillon, da durch die wirk- samen Bestandteile derselben Appetit und Verdauung vorteilhaft angeregt werden. Setzt man dieser Bouillon noch einige Tropfen Maggi-Würze zu, so erhält man ein geradezu vollkommenes Getränk- denn Maggi giebt der Bouillon einen seltenen, kräftigen Wohlgeschmack. — Wer daher auf ein billiges, gesunder Wintergetränk Wert legt, der genieße Bouillon mit Maggi. Steivvutt mit Hummer-Ragout. Zehn Personen. Bereitungszeit zwei Stunden. Zuthaten: 2l/2 Kilo Stetnbutt, recht frisch, die untere Sette rahmweiß, 1 Kilo Hummer, 125 Gramm, Butter, 50 Gramm Mehl, Vs Liter Brühe aus Liebig'S Fleisch-Extrakt, drei Eidotter, Salz nach Geschmack. Der Fisch wird gesäubert, ausgenommen, an den Flossen ver- stutzt, mit Salz eingerieben, eine Stunde in frischem Wasser gewässert, mit der schwarzen Seite — in die man quer über l mit dem Messer einen Kerb schneidet — nach unten in die gischwanne gelegt, mit einer Hand voll Salz überstreut, mit frischem Wasser übergossen auf's Feuer gesetzt, zum Kochen gebracht, dann zu langsamem Ziehen an die Seite gestellt (40 bis 50 Minuten). Die Hummern kocht man in etwa 15 bis 20 Minuten, bricht das Fleisch aus den Schalen, zerstampft die letzteren im Mörser, schmort sie in der Butter, fügt das Mehl bei, verrührt sie gut mit demselben, gießt die Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt zu, läßt die Sauce eine halbe Stunde kochen, seiht sie durch ein Sieb, zieht sie mit den Eidottern auf und giebt das scheibig geschnittene Hummerfleisch hinzu. Beim Anrichten wird die weiße Seite des SteinbuttS nach oben gelegt, das Ragollt seitlich aufgefüllt, der Rest desselben in einer Sauciöre präsentiert. Sehr viel reicher ist dasselbe mit Champignons, Trüffeln, Fischklößchen rc. herzustellen. Kalbsmilch en fricandeau. Zehn Personen. Bereitungszeit 11/2 bis 2 Stunden. Zuthaten: IV2 Kikd Kalbsmilch, 125 Gramm fetter Speck, zwei Löffel geschnittenes Suppengrün, eine Zwiebel, ein Kräuterbündchen, einige Nelken« Gewürzkörner, Vi Liter kräftige Bouillon aus Liebig's Fleisch- Extrakt, zwölf reife Tomaten, zwei Schalotten, 90 Gramm frische Butter, Salz nach Geschmack, 50 Gramm Mehl, 1 Glas Weißwein. Die blanchierten Kalbsmilche werden in Scheiben geschnitten, fein gespickt, mit dem übrig gebliebenen Speck, dem Suppengrün und genannten Gewürzen in eine Kasserole gelegt, mit der Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extrakt übergossen und eine Stunde bei gelindem Feuer und unter fleißigem Begießen gedämpft. Währenddessen schneidet man die Tomaten in Hälften, entkernt und schmort sie mit den Schalotten und streicht sie durch ein Haarsieb. Bon der Butter und dem Mehl wird ein Weißmehl bereitet, das man mit dem durchgeseihten Fond der KalbSmilche und einem Glase Weißwein verkocht- dann giebt man das Tomaten- Puree hinzu, läßt die Sauce mit diesem ungefähr 10 Minuten durchziehen, so daß sie dick semig wird, und richtet die Kalbsmilche in dieser schön rot aussehenden Tunke an. Neues Unterhaltungsspiel. Salta-Spiel. Dem altehrwürdigen und edlen Schachspiel ist ein scharfer Konkurrent entstanden in einem neuen Spiel, das jetzt von Hamburg aus seinen Siegeslauf durch die Welt antritt. Ist Schach das bewunderungswürdigste Produkt kühnen Menschengeistes aus fernster Zeit, so ist — nach Professor Schubert, der, wie wir jüngst berichtet, bereits eine interessante Abhandlung über das neue Spiel geschrieben hat — „Salta" das geistreichste Brettspiel der Gegenwart. Wie das Schach kann auch „Salta" als eine Art Kriegsspicl angesehen werden. Nur bietet „Salta", mit dreißig durch Sonnen, Monde und Sterne gekennzeichneten Steinen auf hundert Feldern gespielt, eine weit größere Anzahl von Kombinationen als Schach, zumal sämtliche Steine, auch die geschlagenen, d. h. übersprungenen, beim „Salta" bis zum Schluß der Partie auf dem Brett bleiben; andererseits sind die Spielregeln des „Salta" weit einfacher als beim Schach. Zur Pflege dieses neuen Spiels hat sich in Hamburg unlängst ein „Salta-Verein" gebildet, dessen Mitglieder im Cafs Imperial, dem neuen Spiel huldigen. Die Spielregeln sind folgende: Das Saltaspiei wird von zwei Gegnern auf einem Saltabrett von hundert Feldern gespielt; der eine benutzt die fünfzehn grünen, der andere die fünfzehn roten Steine. Das ganze Spiel bewegt sich nur auf den schwarzen Feldern. In der ersten Reihe (vom Spieler aus der dritten) befinden sich die Sonnen, in der zweiten die Monde, in der dritten, dem Spieler zunächst liegenden Reihe, die Sterne. Jeder der beiden Gegner hat seine Steine vor sich in der Reihenfolge 1 bis 5 von links mit 1 anfangend. Das Spiel besteht darin, daß beide Spieler ihre Steine aus die entgegengesetzte Seite zu bringen suchen, und zwar so, daß sie schließlich in der- selben Schlachtordnung stehen, wie anfangs. Beide Gegner ziehen Zug um Zug, und zwar immer von einem Felde auf eins der vier benachbarten Felder, falls dasselbe leer ist; sobald aber ein benachbartes Feld von einem Gegner-Stein besetzt ist, muß derselbe übersprungen werden, falls das in derselben Linie liegende folgende Feld frei ist. Züge: 1. Ich ziehe wie beim Damenspiel mit einem Steine auf ein benachbartes schwarzes Feld, entweder schräg vorwärts oder auch schräg rückwärts. 2 Kommt mir ein Stein des Gegners quer vor einem meiner Steine zu stehen, so m u ß ich bei freiem folgenden Felde den Gegnerstein überspringen, wie beim Damenspiel. Es wird jedoch niemals ein Stein fortgenommen. 3. Wenn ich das Springen vergessen sollte, so muß der Gegner mir „Salta!" (Springe!") zurufen. 4. Ich darf also nicht an einer anderen Stelle mir einem Steine schieben, wenn ich irgendwo überspringen muß. Doppel- oder dreifache Sprünge auf einmal machen, ist nicht zulässig. Zurückspringen gilt auch nicht, wohl aber, wie schon oben bemerkt ist, zurückziehen. 5. Werde ich an mehreren Stellen zu gleicher Zeit in Springstellung versetzt, so darf ich nur an einer Stelle springen, mein Gegner muß dann, ehe ich die weiteren Sprünge ausführen darf, zuerst einen Zug thuu; denn die ganze Partie besteht aus lauter abwechselnden Zügen bezw. Sprüngen der beiden Gegner. Habe ich alle meine ©teilte zum richtigen Ziele geführt, — sodaß sie also die Stellungen der Steine des Gegners einnehmen — so hat der Gegner verloren, und zwar soviel Points, als er noch allein Züge zu machen hat, nm auch seine Steine alle am Ziele zu haben. Zwei dem Spiele beigefügte Stäbe dienen zum Schieben der (eigenen) Steine, wie zum Berühren derjenigen Steine des Gegners, mit welchen letzterer vielleicht vergessen sollte, zu springen. Die Kamst des Saltaspieles besteht vornehmlich darin, seine eigenen Steine ihren Zielen näher zu bringen, wie dem Feinde seine Stellungen zu entreißen, was durch Zersplitterung der gegnerischen Truppen am ehesten und besten erreicht wird. Die Zahl der Kampfarten, welche man zu diesem Zwecke anwenden kann, ist eine ganz erhebliche, und die Bereinigungen derselben ergeben zahlreiche Spielweisen, wie Gambit-Eröffnung, Bohrmethode, die gedeckten schrägen Linien, Abschließungswall, Retirierung, Kontrahierung, Festsetzung usw. Je mehr man Salta spielt, desto mehr kommen diese Begriffe zum Bewußtsein. Vermischtes. Mädchennamen, lieber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten, und der Geschmack legt ebenso oft wie die Mode und auch Pietät Kindern ihre Namen bei. Gewiß wird durchschnittlich wenig nach der Bedeutung des Namens gefragt, hauptsächlich wohl geht man nach dem Klange oder auch nach der Mode. Zur Zeit als Wagner's „Lohengrin" seinen Siegeszug über die deutschen Bühnen begann, wurden ganz besonders viele Mädchen Elsa getauft, ein Name, der übrigens im Lause der Zeit wenig von seiner Beliebtheit verloren hat. Die Eigentümlichkeit . der betreffenden Länder übt auch einen Einfluß auf die Taufnamen, besonders die weiblichen aus. In Italien finden sich weichklingende, z. B.: Angiolina (Angelica: Engelgleiche), Felicia (die Glückliche) ec., während im Norden mehr härtere gäng und gäbe sind: Jngeborg oder auch Fruke — Wiebcke (Frau — Weibchen) findet man in Friesland, Holstein usw. Unsere heutigen Mädchennamen bilden ein buntes Gemisch aus allen möglichen Sprachen: von fremden Sprachen haben hauptsächlich die hebräische, griechische und lateinische Beiträge dazu liefern müssen. Ans der griechischen Sprache stammen z. B. folgende Namen: Cynes (die Keusche), Dorothea (das Geschenk Gottes), Doris (die Reichbegabte), Elenore und Laura (die Mitleidige), Helene (die Leuchtende), Katharina (die Züchtige), Melanie (die Dunkle) usw. Der lateiuischen Sprache sind entnommen: Beate, (die Selige), Benedicta (die Gesegnete), Desideria (die Erwünschte), Esperanza (die Hoffnung), Angelica (die Engelhafte), Anguste (die Erhabene), Aurora (die Morgenröte), Clara (die Reine), Clementine (die Sanfte), Emilie (die Artige), Franziska (die Freie), Leonie (die Mutige), Lucie (die Erleuchtete). Margarethe (die Perle), Natalie (die Lebensfrohe), Ottilie (die Glückliche), Pauline (die Geringe, die Zufriedene), Rosalie (die Rosenschöne), Sabine (die Geraubte), Ursula (die Bärenstarke), Felicia (die Glückliche) usw. Der morgenländischen und hebräischen Sprache entstammen die Namen: Anna (die Liebliche), Aline (die Erhabene), Elisabeth (die Gottgelobte), Gabriele (tue Göttliche), Johanna (das Gnadenkind, auch Gottliebe), Martha (die Betrübte!, Marie (die Herbe), Rebekka (die Wohlgenährte), Sara (die Herrschende), Esther (die Sternenglänzende), Susanne (die Lilienreine), Sidonie (die Fischerin), Ruth (die Freundliche). Schließlich sind folgende Namen aus dem Altdeutschen: Albertine (die Edelberühmte), Bernhardine (die Bärenkühne), Bertha (die Glänzende), Brigitta (die Strahlende), Emma (die Häusliche), Friederike ober Frieda (die Friedreiche), Gertrud (die Speerjungfrau), Hedwig (die Kriegerische), Hulda (die Holde), Mathilde oder Mechthild (die Heldin), Minna (die Zierliche), Selma (die Besitzreiche), Wilhelmine (die Schätzerin), Heinrike (die Wirtschaftliche). Dazu kommen noch die gleichfalls aus dem Altdeutschen stammenden Namen Hildegard (des Hauses Schutz), Luitgard (der Leute Schutz), Edelgard (des Edleu Schutz), Irmengard (der Götter Schutz) usw. Ein Bubenstreich. „Was lacht ihr denn, Jungen?" — „Ach, wir haben dem Onkel Professor einen Knoten ins Sacktuch gemacht: jetzt denkt er schon seit zwei Stunden darüber nach, an was ihn der Knoten eigentlich erinnern soll!" Bitter. A.: „Warum ist denn Mayer so ärgerlich?" — B: „Er sagte zu seiner Frau, sie hätte weniger Geschmack, da sah sie ihn von oben bis unten an und meinte, er könnte recht haben." m — Nette Wirtschaft. Gast: „Sie, Herr Wirt, .da schau,n vom 1. Januar 1900 an veröffentlicht und daß vom 1. Januar ab eine Beilage: „Die Gesundheitspflege der Frau" beigegeben werden wird. Geographisches Verschiebrätsel. (Nachdruck verboten.) Nebenstehende geographische Namen sollen derart unter einander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe entsteht, welche von oben nach unten gelesen, den Namen einer sächsischen Stadt ergießt. Auflösung in nächster Nummer. des Arithmogriphs in Voriger Nummer: Krone — Olm — Rom — Nornen — Bober — Leber — Ulm — Moor — Eber; Kornblume. London Frankreich Berlin Kopenhagen Florenz Thüringen Aegypten Uedastien: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UniserfitStr-Buch- und Steinbruderei (Pietsch Erden) in Gieje«,