m iW mm P'raS-J •H ffiO im* MÄr WH er hat noch immer Trost gefunden, Der ihn zu suchen war bereit; Ein Kranker, der nicht will gesunden, Krankt mehr an Selbstsucht, als an Leid. Ohne Kampf und Entsagung ist kein Menschenleben, auch das glücklichste nicht. Das wahre Glück baut sich jeder nur dadurch, daß er sich frei vom Schicksal macht. Bulwer. Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. D i t f u r t h. (Fortsetzung.) VIII. Die beiden jungen Damen gingen den Ankommenden entgegen, während der Professor im Hintergründe des Gartens verschwand. Es war Viktor Burghoff und mit ihm kam ein junges, frisch und lustig dreinschauendes Mädchen, die Renaten als seine Schwester vorgestellt wurde. Die Gäste wurden hinauf geführt und hier von der Hausfrau und Max begrüßt. Frida und ihre Freundin lachten und schwatzten viel und neckten sich mit den jungen Herren. Renata kannte den Verkehr unter jungen Leuten wenig und fand sich deshalb schwer in diese Art Unterhaltung. Bald saß sie schweigsam unter dem übermütigen Völkchen und kam sich recht ungeschickt und schwerfällig vor. Anna Burghoff richtete anfangs das Wort hier und da an sie, aber das Ergebnis schien sie nicht zu befriedigen, sie schien den stillen Gast bald gänzlich vergessen zu haben. Als nun auch Frau Falkner abgerufen wurde, fühlte Renata sich so isoliert, daß sie bei passender Gelegenheit ans Fenster flüchtete. Plötzlich schlug Burghoffs Stimme an ihr Ohr: „Weshalb ziehen Sie sich so zurück, Fräulein Wendelin?" „Ich fühlte mich fremd," erwiderte sie, flüchtig zu ihm aussehend. „Fremd unter uns oder nur diesem Jugendmute gegenüber?" fragte er betroffen. „Das letztere, Herr Burghoff." „Es thut Ihnen weh, nicht wahr?" fragte er teilnehmend weiter. „Das wäre wohl sehr egoistisch," antwortete sie, „nein, ich sehe sogar gern fröhliche Menschen um mich, vielleicht gerade weil ich deren so wenig gesehen- aber ich denke, ich störe mit meinem Wesen, ich muß erst lernen, was Jugend ist." „Das werden Sie baldigst, Fräulein Wendelin," sagte er mit zuversichtlichem Lächeln, „ich glaube sogar, Sie brauchen das gar nicht erst zu lernen, vielmehr werden Sie eines Tages inne werden, daß Sie recht jung sind." Sie legte die Hand auf den Tisch und schüttelte leise das Haupt. „Ob das aber bald sein wird? Und wenn nicht, dann habe ich kein Recht mehr dazu." Er lächelte wieder. „Das sagen Sie, weil Sie eben noch recht jung sind, und außerdem besteht doch die Jugend nicht blos im Lachen und Necken, das sind nur Symptome." „Da haben Sie wohl recht, Herr Burghoff, und ich hoffe auch, den trüben Geist mehr und mehr zu bannen, aber jetzt wird es mir noch so schwer," sagte sie leise. „Das glaube ich von Herzen, Fräulein Renata", erwiderte der junge Mann mit ernster Herzlichkeit, „und seien Sie überzeugt, wir alle ehren Ihren Schmerz." Sie blickte auf in sein junges, klares Gesicht und reichte ihm unwillkürlich die Hand. Die beiden andern Mädchen warfen forschende Blicke in die Fensternische, die Max' Aufmerksamkeit schon länger in Anspruch genommen hatte. Er spielte mit dem Klemmer und zog ein ungeduldiges Gesicht. Wie kam es, daß dieser Viktor solches Glück bei der unnahbaren Renata hatte? Er hatte sein möglichstes in Liebenswürdigkeit und Galanterie geleistet, aber stets blieb sie die Kühle, die ihn entweder verwundert oder ein wenig spöttisch oder gar nicht ansah. Welch horrendes Glück hatte er sonst bei den Damen, er kannte sie ja so gut. Nicht, daß ihm dies ernste Mädchen so besonders gefiele, nein, seinetwegen ärgerte er fich. Frida und Anna erhoben sich und Max ebenfalls. Um Fridas Mund spielte ein mokanter Zug. Renata sah es- eine leise Nöte stieg in ihr Gesicht und sie trat schnell hervor. „Wohin wollen die Damen?" fragte Viktor. „In den Garten", warf Frida über die Schulter zurück und zog Anna so schnell hinaus, daß Renata unmöglich ebenso folgen konnte, ohne lächerlich zu erscheinen. So mußte sie in Gesellschaft der beiden Herren bleiben, was ihr keineswegs angenehm war, wenn sie an Fridas Blick dachte. Unten im Garten nahm Boxer, der in tollen Freuden- 598 sprüngen auf Burghoff loskam, diesen in Anspruch, aber Max blieb hartnäckig an Renatens Seite. Er hatte sich vorgenommen, zu ergründen, ob ihre Gleichgültigkeit gegen ihn auf jener ersten Begegnung gründete und somit eine gespielte war, oder ob wirklich seine Liebenswürdigkeit bei diesem Mädchen so wenig Widerhall fand. Seine Eitelkeit stützte sich auf ersteres und so war auch sein Auftreten wohl geschmeidig, aber doch mit Selbstbewußtsein stark durchsetzt. Viktor beobachtete das Paar und konnte verschiedene Stadien des Ausdrucks in Maxens Gesicht wahrnehmen. Es wurde immer weniger zuversichtlich bis zur Verdrossenheit. Dann verneigte Renata sich und ging in das Haus. Max spielte durchaus keine glänzende Figur, er biß unbarmherzig einen kleinen Zweig entzwei und wich beharrlich den klugen, lachenden Augen seines Freundes aus, der sich breit vor ihn hinstellte, seinen Stock mit beiden Händen auf- und niederwippend. „Nun Bruderherz, wie schaust Du so sieghaft drein?" fragte er lustig neckend. Max fuhr sich ärgerlich durch sein Lockenhaar: „Sie ist entweder sehr hochmütig oder sehr dumm." „Haha, Freundchen," lachte Viktor, „wie magst Du so gegen Deine Üeberzeugung sprechen- oder willst Du eingestehen, daß Dummheit Dich so geschlagen hätte? Ich dachte mir, was Du vorhattest- wußte sie noch etwas von der Begegnung von damals?" „Sie that, als wisse sie nichts - bah, das macht sie mir nicht weis," sagte Max mit seiner ganzen Selbstüberhebung. „Max, sei nicht albern, sie hat sich jedenfalls zehn Mal klüger benommen als Du- Deine beliebte Art und Weise paßt bei diesem Mädchen nicht, das müßtest Du nun totff en - sie hält Dich für einen grünen Jungen. Ich würde den Gast Eures Hauses aus alle Fälle anders behandeln." Renata war während dessen durch den Bogengang und die Hintertreppe hinaufgegangen, um sich nach der Hausfrau umzusehen. Als sie den Korridor betrat, bemerkte sie, daß die Thür zu des Konsuls Zimmer wett offen stand und hörte zugleich Frau Charlotte um Beistand rufen. Im Nu war sie dort und fand den alten Herrn am Boden liegend, und seine Tochter bemüht, ihn empor zu heben. „Ach Gott sei Dank, daß Sie kommen- schnell rufen Sie meinen Bruder oder Marianne." Ohne sich zu besinnen, lief Renata den Korridor hinunter an des Professors Zimmerthüre. Sie klopfte energisch an und öffnete sogleich, hinein rufend: „Bitte kommen Sie schnell zu Ihrem Vater!" Ehe sich der Gelehrte aus seinen Büchern heraus gefunden, war Renata schon längst wieder bei dem alten Herrn und suchte seiner Tochter behilflich zu sein, deren Kräfte nachzulassen begannen. Das junge Mädchen hob den weißhaarigen Kopf des besinnungslosen alten Mannes mit ihren Armen höher, während Charlotte sich erhob und nach Marianne klingelte. In diesem Augenblick öffneten sich die großen dunklen Augen des Kranken, und ihr Blick fiel auf Renatens erblaßtes, ängstliches Gesicht, das sich über ihn beugte. „Gylfen!" stöhnte er- sein Gesicht verzog sich in grimmiger Angst, und seine geballte Faust traf Renatens weiße Stirn. Diese unterdrückte mühsam einen entsetzten Schrei, ihre Arme zitterten, sie konnten kaum dir Last noch halten. Da wurde sie im nächsten Augenblick sanft wegge- schoben und des Professors starke Arme hoben den Vater auf. Renata lehnte wortlos, mit wankenden Knieen an dem hohen Schreibtisch, wie gelähmt vor Schreck. Marianne eilte herbei, und mit ihrer Hilfe wurde der Konsul auf sein Bett im Nebenzimmer gelegt. „Werner, Werner!" kam es in gebrochenem Laute über seine Lippen. Frau Falkner trat zu Renaten. „Armes Kind!" sagte sie und blickte traurig in das bleiche Mädchengeficht. „Wie mir das leid thut." Sie legte die Hand über die Augen. „Madame!" rief Marianne. Der Professor trat über die Schwelle des Schlafzimmers. „Gottfried," sagte seine Schwester hastig, „führe daS Kind fort, sie ist halb ohnmächtig, o Gott, wie kam der Vater darauf!" Sie eilte zu ihm. Renata hatte sich schon etwas erholt und versuchte, das Zimmer zu verlassen. „Bitte, Herr Professor, bleiben Sie hier, man wird Sie brauchen, ich kann allein fertig werden." Er schüttelte nur den Kopf und legte dann ihre Hand auf seinen Arm, und nun fühlte sie auch, daß es doch noch nötig war. Ein dumpfer Schrei drang aus dem Nebenzimmer, hastig zog er das zusammenzuckende Mädchen über die Schwelle und schloß die Thür. Er führte sie in ihr Zimmer und sie nahm ermattet auf dem kleinen Sofa Platz. Der Professor blieb noch vor ihr stehen. „Armes Kind, wie mögen Sie erschrocken sein," sagte er ebenso traurig wie seine Schwester. „Verzeihen Sie meinem armen Vater, er liegt im Banne eines tiefen Jammers, den seine Seele nicht überwinden konnte." „Glauben Sie wirklich, es bedürfe mir gegenüber dieser Bitte?" sagte Renata. „Wie furchtbar mußte das Schicksal sein, daß es diesen gewaltigen Stamm so treffen konnte. Der alte Mann jammert mich unbeschreiblich." Sie legte plötzlich die Hände vor das Gesicht und brach in Weinen aus, wohl mit unter der Einwirkung des gehabten Schreckens. Der Professor seufzte tief auf und blickte bekümmert auf das weinende Mädchen, welches sich zu fassen suchte. „Ja, es war ein hartes Schicksal und wohl geeignet, ein Gemüt wie das meines Vaters zu verbittern," sagte Onkel Gottfried. „Sie haben recht, er war ein gewaltiger Stamm, aber spröde bis in das Mark- biegen konnte er sich nicht, so mußte er brechen. Wir dachten oft, der Lebenssaft sei zu Ende und das Feuer am Erlöschen, aber dann bricht es wieder heraus wie aus einem Vulkan. Und wenn alles in ihm stürbe, ich glaube, das eine glühende Gefühl, es nimmt nicht ab." Er schüttelte schmerzlich den Kopf. Eine Pause trat ein, dann fuhr er fort: „Ich sollte nicht davon zu Ihnen gesprochen haben, Fräulein Renata, Sie sind noch so jung und eine Fremde, und wenn ich auch weiß, Sie würden nichts als Erbarmen haben für meinen armen alten Vater, so ist es doch besser, Sie blicken nicht in dies traurige Familiendrama. Ich will Sie allein lassen, Sie bedürfen der Ruhe." Die Thüre schloß sich hinter ihm, und Renata hörte ihn nach dem Krankenzimmer gehen. Ihre Gedanken folgten ihm dorthin und umkreisten unablässig die Gestalt des Konsuls und sein Schicksal. Ein Schauer durchbebte ihre Seele, wenn sie an jenen Blick, den er ihr zugeworfen, dachte. Sie wußte, daß sie ihn nicht vergessen würde ihr lebenlang. Was mochte der Ruf „Gylfen" bedeuten! Sie hatte durch den Professor doch erfahren, daß das Geschlecht ausgestorben sei seit langen Jahren, und doch wob sich dieser verschollene Name in die Geschichte des alten Mannes da drüben? — Von unten aus dem Garten scholl das heitere Plaudern der jungen Leute zu der einsam Grübelnden herauf, in seltsamem Kontrast zu der erschütternden Szene, die sich eben abgespielt. Die Gäste gingen fort, und Renata saß noch immer allein in tiefem Sinnen, bis Frida kam, sie zum Abendessen zu rufen. „Großpapa ist wieder einmal krank," sagte sie leichthin. 599 „Onkel Gottfried sagte es mir eben, dann kommt Mama nicht znm Abendbrot, es wird höchst ungemütlich sein." „Frida," erwiderte Renata vorwurfsvoll, „ich finde das traurig, sehr traurig, und wenn es auch für Ihre Jugend ein Schatten ist, so ist Ihr armer Großvater am meisten zu beklagen." Frida schlug die Augen nieder, sie konnte den ernsten, tiefen Blick dieser Augen nicht gut vertragen. Schweigend ging sie neben Renaten her. Wie kam es, daß dies fremde Mädchen eine Macht über sie gewann? Es war ein unerquickliches Beisammensein im Eßzimmer. Der Profeffor war schweigsam, Max mürrisch, Frida ebenfalls, und die liebenswürdige Hausfrau fehlte überall. Renata war herzlich froh, als man sich bald nach dem Abendbrot trennte und sie ihr Zimmer wieder aufsuchen konnte. Sie setzte sich an das Fenster und blickte in den Garten. Schneewittchen girrte leise im Schlaf und unten im ungewissen Sternenschein ging Onkel Gottfried rastlos die Gartenwege auf und ab. Renata dachte an das alte Bild im Archiv, dem sie so gleichen sollte, und an den Ruf des Konsuls. Warum grübelte sie so viel darüber? Sie war eine Fremde, wie Onkel Gottfried gesagt, und doch, und doch — Sie fuhr plötzlich zusammen, es klang ihr wieder wie ein Schrei da drüben. Leise glitt sie vom Stuhl in die Kniee, und ein heißes Gebet rang sich aus ihrer Seele um Frieden für den armen, -alten Mann. (Fortsetzung folgt.) Von einem Mittel, die Fliegen zu verscheuchen, das auch bei uns bekannt zu werden verdient, berichtet das Internationale Patentbureau Karl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6. Es mag manchen Touristen aufgefallen sein, daß in den Läden der Fleischer in Genf die Thüren im Sommer weit offen stehen, ohne daß auch nur ein einziges Exemplar der in Genf besonders zahlreichen Fltegenfamilie in einem solchen Laden zu erblicken wäre. Die Wände sind hier nämlich mit Lorbeeröl bestrichen, einer Substanz, die den Fliegen aus unbekannten Gründen einen heiligen Abscheu einflößt. Auch Privatleute machen sich die abschreckende Wirkung dieses Oels zu nutze, indem sie durch einen derartigen Anstrich die vergoldeten Rahmen von Spiegeln, Bildern u. s. w. gegen Beschmutzung schützen. Die Aufvewahrimg gefüllter Flaschen geschieht vorzugsweise liegend, weil man durch Aufetnanderschichten der Flaschen bei größerer Anzahl den Raum besser ausnützen kann, als wenn die Flaschen stehen, ferner auch damit der Kork feucht bleibt und das Kahnigwerden des Weins verhindert wird. Bei schlechten Korken wird der Wein aber dennoch verdorben, dadurch, daß er den muffigen Korkgeschmack annimmt. Wo man mit größter Sorgfalt und Reinlichkeit hantiert, die Korke mit der Verkorkungsmaschine eintreibt, ist es nicht notwendig, die Flasche liegend aufzubewahren, weil der Verschluß derart sicher ist, daß das Eintrocknen der Korke selbst nach Jahren nicht stattfindet. Gewöhnlich werden beffere Flaschenweine außerdem verlackt. Deshalb dürfte es nicht ohne Vorzug sein, die Weinflaschen stehend aufzubewahren, denn das Kahnigwerden ist bei gutem Verschluß ebenso ausgeschloßen wie der Korkgeschmack, weil der Wein mit dem Kork gar nicht in Berührung kommt. Dazu kommt noch der Umstand, daß viele Weine besonders Rotweme, bei längerem Lagern einen Absatz am tiefergelegenen Teil der Flasche abscheiden. Bei liegenden Flaschen geschieht dies natürlich an der Seite. Wird nun eine Flasche geöffnet, so verteilt sich dieser Niederschlag wieder im Wein und macht denselben beim Einschenken trüb, unverkäuflich und für längere Zeit ungenießbar. Das kann besonders für Wirte sehr mißlich werden. Bewahrt man die Flaschen aber stehend auf, dann bleibt der Satz bei einiger Vorsicht am Boden, und der Wein kann bis auf einige Tropfen klar abgegossen werden. Korkgeschmack und Trübung sind dadurch vermieden. Deshalb sollte jeder Wirt wenigstens einige Flaschen stehend ausbewahren, damit er bet Bedarf jederzeit seinen Gästen einen ganz Hellen, reinen Wein vorsetzen kann. Vevnrischtss. Brutpflege der Fische. Die Beobachtung der Fortpflanzung vieler Fische ist im Aquarium von hohem Reiz, namentlich bei den zu den Raubfischen gehörenden nester- bauenden Arten. Bei diesen Fischen wird die Brutpflege ausschließlich durch das Männchen besorgt, während sich das pflichtvergessene Weibchen nicht um seine Nachkommen bekümmert. Zur Paarungszeit prangt das Männchen in den herrlichsten Farben. Am prächtigsten sind diese Farben bei den siamesischen Kampffischen, kaum weniger schön bei den Makropoden. Stundenlang kann man den Liebesspielen dieser herrlichen Fische zusehen. Aus Schaumblasen bauen die Männchen leichte Nester, die an der Oberfläche befestigt werden. Nachdem das Weibchen im Nest die Eier abgelegt hat, wird es vom Männchen vertrieben, welches das Nest allein bewacht und später die junge Brut führt und beschützt und die sich zu weit vom Neste entfernenden Kleinen wieder in dasselbe hineinträgt. Das Weibchen muß zeitig aus dem Aquarium entfernt werden, da es die eignen Kinder frißt, nach 10—12 Tagen muß dann auch das Männchen entfernt werden. Eine ähnliche Brutpflege kann auch bei unseren gemeinen Stichlingen beobachtet werden. Der amerikanische Chan- chito, ein interessanter Raubfisch, formt Nester in den Aquarienboden und trägt dann die Jungen von den alten Nestern immer wieder in neu hergerichtete. Die Aufzucht der Fischbrut geschieht mit winzigen Wassertierchen, die mit Gazenetz in stehenden Gewässern gefangen werden. Das Alter der Bäume. Von allen Bäumen soll der Baobab der langlebigste sein, — er soll es auf gegen 6000 Jahre bringen. Dann folgen die kalifornische Zeder (taxodium distichum) mit 4500 Jahren, die Eibe mit 3000 Jahren, die Eiche mit durchschnittlich 1600, die Linde mit 1200, die Zeder mit 900 und die Platane mit ungefähr 800 Jahren. Der Oelbaum wird durchschnittlich 750, der Pomeranzenbaum 650 und die Kastanie 600 Jahre alt. Die Lärche lebt 600, der Epheu 500, der Birnbaum 450, die Cypresse 380, die Rüster 350 und der Feigenbaum 280 Jahre. „Herr Fährmann," sagte eine ängstliche Frau zum Schiffer, der sie über einen Fluß führte, „gehen jemals Menschen auf diesem Flusse zu Grunde?" — „Oh nein," war die beruhigende Antwort, „nach drei bis vier Tagen kommen sie immer wieder in die Höhe." Citaterrrätsel. Nachdruck verboten. Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Citat ergibt: 1. Du hast Diamanten nnd Perlen, hast alles, was Menschenbegehr. 2. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. 3. Fürchterlich ist einer, der nichts zu verlieren hat. 4. Nicht für die Schnle, sondern für das Leben lernen wir. 5. Zum Raube lächeln, heißt den Dieb bestehlen. 6. Den Augenblick ergreife, der ist dein! 7. Was geboren ist, muß sterben. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Waldshut — Jrtisch — Salmiae — Sahara — Edam — Newport - Iltis. Wissen i st Macht. 600 Modenbericht. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-bl. Reichhaltiges Modenalbum ä 50 Pfg. daselbst erhältlich. ytg- an, und hören wir, Sicher ist aber, daß man immer wieder viel von der Französin lernen kann; denn einen vorzüglichen, bis in die kleinsten Details verfeinerten Geschmack kann ihr kein Mensch abstreiten. Am deutlichsten zeigt sich derselbe an der, bei aller raffinierten Eleganz immer wieder auffallenden Einfachheit, oder vielmehr „Einheit" in der ganzen Toilette. Sämtliche Garnituren, und seien es deren auch sechs bis acht verschiedene, sind immer so zusammcngestellt, daß sie genau übereinstimmen und fast als eine einzige wirken. Die Farben sind so zu einander gestellt, daß stets eine, dem Ange wohlthuende Harmonie entsteht. Die Formen sind immer so gewählt, daß sie für die betreffende Gestalt kleidsam sind; kurz, alles wirkt zusammen, um das, was wir „eine geschmackvolle Toilette" nennen, zu erzeugen. Die beste Probe, um zu wissen, wann wir einer Toilette die Bezeichnung „geschmackvoll" geben können, besteht darin, daß man sie daraushin prüft, ob nichts an ihr sozusagen „in die Augen springt". Fällt der Besatz, der Einsatz, die Schnittform des Rockes, der Taille, des Aermels, der Hut oder irgend etwas besonders ans, so ist wohl kaum die vorgenannte Bezeichnung voll berechtigt, und besteht eben die große Kunst und das Talent der Pariserin darin, die Toilette so herzurichten, als sei sie ein einheitliches Ganzes. Darum nehmen wir ruhig die Mode von Paris Herbst! Schlimme Zeit für die Mode. Alles ist zwar in Vorbereitung, aber noch nichts ist genau präzisiert, und doch möchte man so gern wissen, was modern ist, denn man kommt von der Reise mit aufgetragenen Kleidern zurück, muß neue Toiletten anschaffen und will dabei natürlich die neue, womöglich die zukünftige Mode berücksichtigen. Nun, wir wollen der freundlichen Leserin mit einigen Ratschlägen zu Hilfe kommen und ihr für die schwierige Wahl einige Anhaltspunkte geben. Wenn wir dabei gestehen müssen, daß wir zu unserer eigenen Belehrung über den Werdegang der Mode ein ganz klein wenig hinüber nach den Pariserinnen geschaut haben, nm zn sehen, was jene in neuester Zeit trugen, um darnach beurteilen zu können, was wir in Deutschland tragen werden, so ist das zwar für uns als Deutsche etwas unbequem, aber es ist eben doch — man mag sich noch so sehr dagegen ereifern — eine allgemein übliche Gepflogenheit. Natürlich werden auch alle von den Franzosen herrührenden Moden dem deutschem Geschmacke angeformt. Die Kleiderformen sind ja im Grunde genommen die alten, denn mehr als je heißt die Devise: „Schlanke Hüften um jeden Preis!" Dieselben wirken ganz besonders schlank, wenn der Oberkörper voll erscheint, daher ist für die Taille stets eine lose Form geboten, wie z. B. die Bluse, d. h. die glatte, nur im Taillenschluß wenige Fältchen zeigende Schnittform, oder dasJäckcheninallenVariationen. Die glatte Taille, welche wir seinerzeit anzeigten, hat sich, wie es scheint, nicht so eingebürgert, wie zu erwarten stand, denn man trifft sie nur noch vereinzelt an, und ist dann das erste Gebot trotz faltenlosem Sitz reichliche Weite. Von den Röcken müssen wir leider berichten, daß man in Paris „Schleppen" trägt. Nun, uns kann das ja nicht weiter genieren, denn wirhabcnuns doch vorgenommen, nur das anzunehmen, was uns gefällt. Trotzdem wird das nicht ohne Einfluß auf unsere Rockformen sein, und wenn wir auch nicht direkt Schleppen tragen werden, so werden wir wohl kaum vermeiden können, um elegant zu sein, lange Kleiderröcke zu haben. Dabei hält die obere Enge fortdauernd an, wenn auch nicht mehr so arg übertrieben, denn 10 bis 12 Centim. unterhalb desTaillenschlusses beginnen Fig- 2. die Tütenfalten, welche den Ansatz zur unteren Weite ergeben. Dieselbe beträgt im Durchschnitt ungefähr 3 bis 4 Meter. Dies ändert sich jedoch, was jetzt dort getragen wird. Das Thörichte nnd Unzweckmäßige lassen wir weg, und das Brauchbare und Hübsche beherzigen wir. sobald der Rock mit Tunika geschnitten wird, was mehr denn je modern und besonders für die Ballsaison von Wert ist, denn die Tunika gestattet nicht nur eine ungemeine Verschiedenartigkeit, sondern sie ist auch für sparsame Hausfrauen wertvoll, indem man dadurch Kleidern zu neuem Glanze verhelfen kann. Die mit dem Rock gleich geschnittene nnd auch ans dem gleichen Stoff wie der Rock gefertigte Tunika, wie man sie jetzt häufig sieht, hat allerdings wenig Wert und kann fast durch einen Besatz ersetzt werden. Wirkungsvoll wird die Tunika erst dann, wenn sie vom Rock sowohl durch Schnitt, als auch durch Farbe und Stoff absticht. Damit meinen wir, daß die Tunika eng und anliegend, keinesfalls abstehend sein darf, während der darunter sichtbar werdende Rock sich nach unten merklich verbreitern muß, sei es nun durch Serpentineform, durch Volants oder, was besonders bei duftigen Balltoiletten reizend wirkt, durch gebrannte Plissees. Leidet es das übrige Arrangement der Toilette nicht, daß man den Rock von anderem Stoff als die Tunika fertigt, so wird man immer gut daran thun, denselben reichlich zu besetzen, damit er sich von der Tunika möglichst abhebt. Für diese Besätze hat die Mode eine Anzahl reizvoller Neuheiten gebracht, unter denen die vornehmste die Zierstepperei ist. Sie kann zwar nur von geübten Kräften hergestellt werden, ist aber, wenn gut ans- geführt, von ganz besonderem Reiz, denn sie wirkt trotz aller Einfachheit und Unauffällig» teil ungemein schmückend. Eine ähnliche Ausstattung bilden die aufgesteppten Atlas- . blenden, welche zwar schon im vergangenen Jahre und zwar besonders an Konfektions- gegenständen gesehen wurden, in diesem Jahre aber gleich den Ziersteppereieri auch für Kleider sehr beliebt sind. Wirkungsvoll kommen diese Blenden an dem Kostüm Fig. 1 zur Geltung, woselbst sie sämtliche Ränder, sowohl der schräg geschlossenen Taille, al§ auch der dreifach Übereinander fallenden Tunika, umranden. Dieses Kostüm bestand aus dunkelbraunem Tuch, wozu die Atlas- bleudeu in schwarz und der kleine Einsatz, sowie Stehkragen in ecru vorzüglich harmonieren. Nicht zu leugnen ist indes, daß diese aufgesteppten Atlasblenden schwieriger anzubringen sind, als irgend ein einfach aufzunähender Besatz, weshalb man sie gern und besonders bann, wenn man sich nicht die Fig. 3. erste Schneiderin halten kann, durch die fertig zu kaufenden, mit der Hand cmfzunähendeu Atlasröllcheu ober bnrch beliebigen Posamentenbefatz ersetzt. Besonbers ber letztere bietet in seinen mannigfachen Ausführungen reichliche Auswahl. Eine sehr nette Toilette mit berartigem Besatz zeigt Fig. 2. Auch hier ist der Besatz in schwarz gehalten, währenb ber Wollstoff borbeauxrot war. Die tief ausgeschnittene Bluse ist an den Seiten geschlitzt, unb siub sämtliche Räuber mit einem kleinen Posameutenbörtchen umgeben. Der Einsatz besteht aus schwarzem, rot unterlegtem Spitzenstoff, welcher auch zwischen ben Schlitzen sichtbar wird. Der Rock ist mit tief ausgebogter Tunika gearbeitet, deren Ränder gleich der Taille mit Posamenten besetzt sind. Ein anderes Gesellschaftskleid aus hellgraublauem Tuch zeigt Fig. 3. Hier wurde die jetzt sehr beliebte Maschinenstickerei angetoenbet, um bie Ränder der vorn schließenden Tunika zu verzieren. Vorn ist ein Einsatz von in Fältchen genähtem Chiffon sichtbar; derselbe wird zu beiden Seiten von dem Revers eines ecru-farbigen, kurzen Jäckchens aus Spitzenstoff begrenzt. Unter Frauen ist es allgemein bekannt, daß die Mvdeschvilte der Internationalen Schnittmannfaktnr in Dresden ein wirklich vorzügliches Hilfsmittel zur Selbstherstellung einer kleidsamen unb modernen Garderobe sind. Welche große Bequemlichkeit liegt schon darin, für dm billigen Preis von 50 Pfg. ein überaus reichhaltiges, neuestes Modmalbum und Schnittmusterbuch zur Auswahl der Kostüme zu erhalten. Alle Arten der Damengarderobe vom neuesten Pariser Modell bis zum einfachen Hauskleid, ebenso Mädchen- und Knabenkleidung sind darin vertreten, und von allen Abbildungen sind zur Selbst- Verfertigung vorzüglich ausgearbeitete und in der Anwendung bis in's kleinste Detail erklärte Schnitte zu billigem Preis zu haben. Wer diese bequemen Hilssmittel benutzt, kann durch seiner Hände Fleiß mit der Zeit manch' hübsches Sümmchen Geld ersparen, und wird außerdem immer chik und modern unb nach individuellem Geschmack gekleidet sein. Um dieser Ursachen willen werden die Schnitte nicht nur von praktischen Hausfrauen, von felbstschneibernden jungen Mäbchen benutzt, sondern auch Damen ber besten Gesellschaftskreise bebienen sich derselben mit Vorliebe, um ihren eigenen Geschmack in einer eleganten Garderobe zur Geltung bringen zu können. Redaktion: $. Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'schen Universttätl-Buch» und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Ließen.