Millers lMUN KVT u -L-LLLLL Illi W ÄL': WM Ku B/M mA M MW t frag' ein Herz den Freuden offen, Doch zum Leidenskampf bereit; Lern' im Mißgeschicke hoffen; Denk' des Sturms bei heit'rer Zeit. Salis. Nachdruck verboten. Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) „Ich danke Dir, Hans !" murpiclte der Kommerzienrat. Hans Helldorf machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand und erzählte weiter: //Ich gab ihm das Geld, forderte aber sein Ehrenwort, niemand, ohne jegliche Ausnahme, zu sagen, von wem er es erhalten habe. Er hat das Wort strenger gehalten, als ich unter den eingetretenen Umständen von ihm zu fordern berechtigt gewesen wäre." „Und ich lobe ihn dafür !" rief mit leuchtenden Blicken der Kommerzienrat. Er hatte sich aus seiner gebeugten Stellung aufgerichtet, sein Wesen war völlig verändert. „Es gefällt mir von dem Burschen, daß er eher alles über sich ergehen ließ, als daß er ohne Deine Erlaubnis das Dir gegebene Wort brach, darin liegt doch Charakter. Aber warum hast Du es ihm denn abgenommen?" Hans Helldorf zögerte mit der Antwort; die Frage mochte ihm unerwartet kommen, und der Kommerzienrat glaubte die stumme Sprache zu verstehen. Dem Sohn die Hand auf die Schulter legend, sagte er weich, abbittend: „Ach mein lieber Sohn, ich weiß gar wohl, daß Dir manches Unrecht im Hause Deines Vaters geschieht, und ich leide schwer darum „Vater, Vater, das sollst Du nicht! Nicht um meinetwillen!" rief Hans dazwischen „Ich —" „Ich weiß, welch ein guter Sohn Du bist!" fiel der Vater wieder ein, „und deshalb empfinde ich es oft als ein Unrecht, daß ich Dir diese — daß ich Dir eine Stiefmutter gegeben habe!" Hans Helldorf lächelte hier in einer Weise, die sein Gesicht, wenn nicht schön, doch ungemein anziehend erscheinen ließ, und er antwortete: „Meine arme Mutter mußte nach kurzer Ehe sterben, indem sie mir das Leben gab; es ist nur natürlich und völlig berechtigt, daß Du in einer zweiten Ehe das zu früh zertrümmerte Glück wieder aufzurtchten bedacht warst. Nie habe ich Dir in meinem Herzen daraus nur den leisesten Vorwurf gemacht, nie hat das meine Liebe zu Dir nur im geringsten beeinträchtigt. Gern hätte ich Deine zweite Gattin geehrt, geliebt, in ihr die Stellvertreterin meiner verstorbenen Mutter gesehen, wenn — wenn — sie mir dies nur hätte gestatten wollen." Ec suchte augenscheinlich nach dem mildesten Ausdruck für das Verhalten der Frau, die er Mutter nennen sollte, und die diesen Namen doch so wenig rechtfertigte. „Zürne ihr nicht, Hans, vergieb ihr, betrachte sie wie eine Kranke, die sie ja in Wahrheit auch ist," bat der Kommerzienrat. „Ich habe sie nicht lange gesund an meiner Seite gehabt. Ihre unglückliche Nervosität hat ihr und mein Leben vergiftet!" „Armer Vater!" entfuhr es Hans unwillkürlich. „Jede Erinnerung an Deine verstorbene Mutter erregte ihre Eifersucht," fuhr der Kommerzienrat fort, und in aufsteigender Bitterkeit setzte der Sohn hinzu: „Bis zu dem Grade, daß sie kein Bild von ihr im Hause duldet, ja sogar einen Nervenanfall erlitt, als sie ein solches unversehens in meinem Zimmer entdeckte." „O, dieser Auftritt war entsetzlich!" rief der Kommerzienrat,- „aber die unglückliche Frau ist krank. Ihre Eifersucht auf Dich, ihre Behauptung, ich zöge Dich Deinen Geschwistern vor, ist ebenfalls krankhaft und ungerecht. Mir sind meine drei Kinder ganz gleich lieb." „Und ich liebe meine Geschwister von ganzem Herzen," sagte Hans. „Davon hast Du einen schönen Beweis gegeben," erwiderte der Kommerzienrat, das Gespräch wieder zu seinem Ausgangspunkte zurücklenkend. //Ich hoffe, zwischen Adalbert und mich wird hinfort niemals etwas treten können, wir werden Brüder im vollsten, schönsten Sinne sein!" sagte Hans mit einem bei ihm nur selten hervorbrecheuden Enthusiasmus. „Und ich darf meinen beiden Söhnen das gleiche Vertrauen schenken und stolz auf sie sein!" rief der Kommerzienrat. „Ach, Hans, Du weißt nicht, was Du mir soeben gegeben hast!" Die Erklärung des Sohnes hatte noch eine Besorgnis von der Seele des alten Herrn genommen. Da Adalbert von seinem Bruder aus der Verlegenheit geholfen worden war, hatte für die Mutter nicht die Versuchung vorgelegen, um seinetwillen sich an der Kasse des Vaters zu vergreifen. — 534 Um so mehr drängte sich aber nun die Frage auf, wer den Diebstahl ausgeführt habe, und das Gespräch der beiden Helldorf wandte sich jetzt diesem Punkte zu. Hans suchte den Vater für die Ansicht, die er schon gegen Adalbert geäußert hatte, zu gewinnen, wurde aber auf das schlagendste widerlegt: „Ich habe gerechnet und gerechnet, als hätte es gegolten, die Inventuren der letzten Jahre zu revidieren," erwiderte der Komerzienrat, „und bin stets zu demselben Ergebnis gekommen. Von den 5000 Mark, die ich immer in das Geheimfach lege, um die Bedürfnisse des Haushaltes zu bestreiten, sind 2000 verausgabt und 3000 auf unerklärliche Weise verschwunden." „Aber Vater, wie soll das möglich sein?" „Ich weiß es nicht!" antwortete der Kommerzienrat achselzuckend, „und nun ich die Ueberzeugung gewonnen habe, daß mein Adalbert das Geld nicht genommen hat, soll mich der Vorfall nicht so schwer bekümmern. Ich kann den Verlust verschmerzen." „Darum ist es nicht," bemerkte Hans, „der Vorfall an und für sich ist nur beängstigend." „Ach laß es gut sein," sagte der Vater, dem ein solcher Stein vom Herzen gefallen war, daß die ganze Angelegenheit ihm dagegen geringfügig erschien/ „ich werde meine Frau von dem Vorfall gar nichts wissen laffen, man weiß nicht zu welchen Auftritten es bei ihrer Nervosität Anlaß geben könnte. Hans gab dem Vater recht, nahm sich indessen im Stillen vor, die Augen offen zu halten und wenn irgend möglich den geheimnisvollen Dieb zu entdecken. Unwillkürlich ließ er alle Hausbewohner, sowie diejenigen Personen, die am häufigsten in der Familie verkehren, im Geiste an sich vor- übergehen und sagte dann laut: „Beiläufig gesprochen, Vater, wie gefällt Dir eigentlich der Doktor Corbus?" Ueberrascht schaute der Kommerzienrat auf. „Wie kommst Du auf den? Du meinst doch nicht etwa, der könne bei meinem Geheimfach gewesen sein?" „Ach nein," erwiderte Hans lachend, „man spricht nur so. Er ist ja koloffal reich." „Man sagt's/ gesehen hab' ich von dem Reichtum noch nichts," entgegnete der Kommerzienrat, „und die Sache kann uns auch gleichgültig sein. Wenn Du mich übrigens aufs Gewiffen fragtst, so giebt es für mich angenehmere Leute als Corbus." „Das heißt so viel als er ist Dir unangenehm/ ganz mein Fall." „Was will ich machen? Ich kann einem Verwandten meiner Frau in meinem Hause nicht unfreundlich begegnen", erwiderte der Kommerzienrat, „und allzu lange wird er es in Berlin ja nicht aushalten". Es kam nicht oft vor, daß der Kommerzienrat und sein Sohn über Dinge, die nicht das Geschäft betrafen, so vertraulich mit einander redeten, und Hans ging es durch den Sinn, ob er nicht den Vater mit der von der Stiefmutter unterstützten Werbung des Dr. Corbus um Fräulein von Kressen, die er selbst durch Aurelie erfahren, bekannt machen solle. Er unterließ es jedoch, aus Furcht das Zartgefühl der Erzieherin zu verletzen und wollte sich entfernen, da war es aber als ob der Kommerzienrat die gute Stunde noch auszunutzen trachte. Er legte dem Sohn die Hand auf die Schulter und fragte: „Du selbst, Hans, hast mir nichts mitzuteilen?" „Nichts!" entgegnete, ihn sehr wohl verstehend, der Sohn traurig: „Es ist alles beim alten. Die Diebe und mit ihnen das gestohlene Gut sind wie vom Erdboden verschwunden, die schwache Spur, die uns von London zugegangen war, ist ganz wieder verloren gegangen". „Und dennoch bin ich der Ueberzeugung, daß die Aktien zum Vorschein kommen müssen/ solche Leute werden mit der Zeit keck und unvorsichtig, sie haben keine Ahnung, daß ich die Nummern immer wieder bekannt machen lasse. Ob mein armer Freund Sommer die Entdeckung erlebt, ist freilich eine andere Frage". „Du hast ihn kürzlich wieder besucht?" „Und ihn sehr leidend gefunden. Lange kann sein Leben nicht mehr währen, und ich mußte Aurelie zustimmen, daß ihr nichts übrig bleibt als ruhig auszuharren. Nun, wenigstens habe ich dafür Sorge getragen, daß er lebend die langgewohnten, liebgewordenen Räume nicht zu verlassen braucht. Ich habe das Haus gekauft". „Vater! Und davon erfahre ich erst jetzt etwas!" „Es ist erst in den letzten Tagen geschehen, und ich hatte den Kopf so voll von anderen häßlichen Dingen. Du brauchst übrigens meine Großmut nicht anzustaunen, ich mache bet diesem Hauskauf ein ganz gutes Geschäft", erwiderte, den lebhaften Dank des Sohnes ablehnend, der Kommerzienrat. Von Rührung übermannt schloß er ihr plötzlich in die Arme: „Mein Hans, mein lieber, guter Sohn, möge Dir des Lebens höchste Glückseligkeit beschieden sein!" sagte er inbrünstig. Hans küßte ihm die Hände. Er verstand sehr wohl, was in diesem Wunsche unausgesprochen lag. Der Vater erflehte für ihn ein Glück, das ihm selbst versagt geblieben war. Beiden Männern war es, als seien durch diese Unterredung ihre Herzen noch fester in einander gewachsen, als sei auch der leise Schatten, der doch zuweilen noch zwischen ihnen gestanden hatte, jetzt auf immer verflogen. XI. Der zweite Tag des Sommermeetings in Hoppegarten war vorüber und sehr erfolgreich verlaufen. Im hohen Grade vom Wetter begünstigt, war das Treiben auf dem Sattelplatz und am Totalisator ein sehr lebhaftes gewesen, die Logen und Tribünen hatte ein Flor schöner und interessanter Damen in hellen, duftigen Toiletten besetzt gehalten, die die Vorgänge auf der Rennbahn mit ebenso gespannter Aufmerksamkeit verfolgt hatten, wie die meist sportsmäßig gekleideten und sich sehr sportsmäßig gebärdenden Herren. Den Ehrenpreis des Tages von zehntausend Mark hatte Herrn von Langfelds „GHoire de Dijon" über den „Sperber" des Grafen Dux davongetragen. Zur großen Enttäuschung eines nicht geringen Teiles der Zuschauer, die ihr volles Vertrauen auf den berühmten „Sperber" gesetzt und hohe Summen auf letzteren gewettet hatten, die nun von ihren glücklichen Gegnern eingeheimst wurden. Zu diesen Verlierenden gehörten auch zwei anscheinend den vornehmeren Stünden angehörende, tadellos gekleidete Herren, die sich etwas abseits vom Strome der jetzt von der Rennbahn nach der Stadt zurückflutenden und alle Beförderungsmittel mit Beschlag belegenden Menge hielten. Der eine von ihnen war groß und schlank, hatte ein dunkles Gesicht, das wie eine undurchdringliche Maske auf die Menge schaute und dunkle Augen/ der andere war klein, blond, weiß und rosig im Gesichte und sehr beweglich, schien aber in der denkbar schlechtesten Laune zu fein. „Ich habe wunder gedacht, was Du für Pferdeverstand hast und nun reitest Du mich so nichtswürdig in die Tinte!" sagte er mit einem giftigen Blick zu seinem Begleiter. Mit Achselzucken und sehr von oben herunter, erwiderte dieser: „Ist es mir denn besser ergangen? Hab' ich nicht auch auf den Sperber gewettet und kolossale Summen sitzen lassen?" „Du behauptetest aber immer, es könne Dir nicht fehlen, Du wärest Deiner Sache sicher. Ich bin Dir gefolgt und —" „Ach mache mir doch nicht den Kopf warm —" unterbrach ihn der andere. „Wer konnte denn denken, daß diese niederträchtige Stute dem Sperber noch im letzten Augenblick den Sieg streitig machen würde. Es ist ein schauderhaftes Pech". *- 535 — Die beiden Herren hatten unter diesem Gespräch den Bahnhof erreicht, von wo sie mit der Ringbahn nach Berlin zurückfahren wollten,- es dauerte indes einige Zeit, bevor sie in einem der überfüllten Züge Platz finden konnten. Während des Wartens raunte der kleinere dem andern zu: „Du mußt mir Geld schaffen, Michels —" Eine nervige Hand packte seinen Arm wie in einem Schraubstock, während sein Begleiter laut und sehr höflich zu ihm sagte: „Wollen Sie nicht einsteigen, mein bester Herr von Blankenfeld?" Gleichzeitig schob er den Kleinen in ein Wagenabteil erster Klasse, an das sie gelangt waren, stieg hinter ihm ein und stellte sich und ihn den beiden bereits darin befindlichen Offizieren mit der Haltung des vollendeten Kavaliers vor: „vr. Corbus; Rittergutsbesitzer von Blankenfeld". Die Vorstellung ward erwidert, und es kam ein Gespräch über das Rennen in Gang, an dem sich aber von den Neuangekommenen nur Corbus beteiligte, der sich in der That sehr erfahren in Sportsangelegenheiten erwies. Als die Offiziere am Lehrter Bahnhof ausgesttegen waren, war denn auch das erste Wort, das der vorgebliche Herr von Blankenfeld im Weiterschreiten zu ihm sprach: „Reden kannst Du wie ein Buch —" „Aber so nenne mich doch nicht immer öffentlich Du, das macht sich schlecht", unterbrach ihn Corbus; „reden wir überhaupt auf der Straße so wenig wie möglich miteinander". Er mußte ein. großes Uebergewicht über seinen Begleiter besitzen, denn dieser knurrte zwar noch etwas Unverständliches, gehorchte aber und verhielt sich still bis sie das elegante Junggesellenquartier, das Corbus in einem Gartenhause der Lnisenstraße bewohnte, erreicht hatten. Hier freilich machte er es sich sofort auf einem Sofa bequem und begann von neuem die Rede, die Corbus ihm vorher abgeschnitten hatte: 7,®« mußt mir Geld schaffen. Ich bin ganz blank". Corbus, der sich im Zimmer allerlei zu thun gemacht hatte, blieb vor ihm stehen, schlug die Arme übereinander und entgegnete: „Ja, lieber Junge, ich hab' ja selber nichts". „Du hattest aber was, das Geld von —" „Nenne doch keine Namen,- wie oft hab' ich Dir das verboten", unterbrach ihn Corbus. „Das Geld, was Du meinst, ist rein alle, und was ich sonst gehabt habe, dazu; ich sitze ganz auf dem Trocknen". „So mach' Dich wieder flott und mich dazu". „Ja, wie soll ich denn das anfangen?* „Deine Sache. Die Alte muß wieder 'rausrücken". „Das geht auch nicht so im Handumdrehen. Man kann nicht die Gans schlachten, die goldene Eier legt". Der Kleine sprang jetzt vom Sofa auf und trat drohend vor Corbus hin. „Ich will aber Geld haben, ich muß es haben. Du bist es mir schuldig. Hast Du nicht das meiste aus der Sommer'schen —" „Schon wieder ein Name!" schrie Corbus mit dem Fuße stampfend. „Na, meinetwegen nicht. Es ist doch so. Wir haben das bare Geld geteilt —" „Und es ist in die vier Winde zerstoben!" rief Corbus sich selbst verspottend dazwischen. „Die Aktien, die mindestens zehnmal so viel ausmachen, hast Du aber allein für Dich genommen". „Weil ich sie an den Mann bringen will". „Und ich habe keinen Pfennig davon gesehen", schloß der andere. „Ich etwa?" fragte Corbus heftig. „Die verdammten Papiere lassen sich nicht so leicht versilbern; die Nummern sind überall bekannt. Ich hab's in London versucht und bin nur mit genauer Not davongekommen". „Ach, wenn man's nur geschickt anfängt", sagte Blanken- feld wegwerfend. Sich in die Höhe reckend fuhr er fort: ,Jch will Dir mal was sagen, ich hab' den Schwindel nun satt. Wer hat die Aktien geholt, Du oder ich?" „Wer hat den Einfall gehabt? Du oder ich?" fragte Corbus dagegen. „Das ist ganz gleich. Ich hab's gemacht und will nun endlich was davon haben. Kauf' mir meinen Teil Aktien ab". „Aber Du weißt voch, daß ich kein Geld habe". „So gieb sie mir. Ich werde sie schon loSschlagen". „Homann, nimm Dich in acht, ich warne Dich!" rief Corbus, seiner eigenen Warnung entgegen, den Genossen bei seinem wahren Namen oder wenigstens bei dem, unter dem er den Spießgesellen bekannt war, nennend. „Mit dem Verkauf der Aktien ist das eine verdammt kitzliche Geschichte". „So schaff' auf eine andere Weise Rat!" sagte Homann grob. Als er darauf von Corbus keine Antwort erhielt, fuhr er fort: „Wie steht es denn mit einem Besuch bei Deinem lieben Verwandten in der Burgstraße? Auf den war's doch eigentlich abgesehen, als Du mich nach Berlin locktest. Die kleine Geschichte in der Friedrichstraße wurde ja doch nur unternommen, weil die Gelegenheit so günstig schien. Wird's nun endlich was damit? Da muß doch ganz was anderes zu holen sein als bei dem lumpigen Bankier. He, wirst Du endlich antworten?" Er war während seiner Rede aufgestanden, ganz nahe an Corbus herangetreten und stieß diesen kordial in die Seite. (Fortsetzung folgt.) Kopsweh, Reißen und ähnliche Schmerzen. Ein geistreicher Schriftsteller behauptete einmal von dem Schmerz, er sei eine der größten' Wohlthaten, welche die Natur dem Menschen gegeben. Derselbe hat insofern recht, als der Schmerz uns aufmerksam darauf macht, daß in unserem Körper etwas nicht in Ordnung ist, und als er uns mahnt, etwas zu thun, um unsere Gesundheit wiederherzustellen. Meistens sind übrigens, wie I)r. Szana in den Kurberichten mit Recht betont, nicht die schmerzhaften Krankheiten die gefährlichsten, sondern die, welche sich mit wenig oder gar keinen Schmerzen einschleichen, und erst beachtet und behandelt werden, wenn es zu spät ist. So wäre z. B. die Lungenschwindsucht seltener und weniger gefährlich, wenn sie in ihrem Anfangsstadium schmerzhafter auftreten würde. Denn bekanntlich ist sie nur int Anfangsstadium heilbar. Von Wichtigkeit ist die Thatsache, daß die Ursachen der Schmerzen nicht immer da zu suchen sind, wo man den Schmerz empfindet. So z. B. sind Schmerzen in der Nierengegend sehr häufig, ohne daß den Nieren irgend etwas fehlt. Die Ursache des so häufigen Kopfschmerzes ist sehr oft eine Erkrankung der Unterleibsorgane, oft auch Blutarmut. — Immer größer wird die Anzahl derer, die an „Reißen" leiden, Reißen in den Armen, in den Beinen, in den Schultern oder ini Kopfe. Auch hier wird meist ohne nähere Untersuchung bezüglich der Ursache des Uebels da, wo der Schmerz sitzt, herummassiert und geschmiert. Nun nmß man wissen, daß das Reißen bei dem einen die Folge schlechter Blutmischung bezw. verkehrter Lebensweise ist, bei den: andern die Folge der Berufsthätigkeit und dergleichen. Eine sehr häufige Ursache des Reißens ist der unausgesetzte Aufenthalt in schlecht gelüfteten, rauchgefüllten Räumen, fo z. B. in Kanzleien und Büreaus, in. Kaffee- und Geschäftshäusern. Dadurch, daß das Blut infolge der Atmung in fo schlechter Luft immer mangelhaft erfrischt wird und die Nerven mit diesem blos mangelhaft erfrischten Blute ernährt werden, bildet sich das Reißen — der Rheumatismus. Eine weitere Ursache des Reißens bildet auch die Kleidung. Es ist erwiesen, daß durch die Haut sehr wichtige Giftstoffe sich ausscheiden. Der Schweiß des kranken Menschen ist so giftig, daß kleine Mengen davon, — 536 Tieren unter die Haut gespritzt, genügen, diese Tiere zu töten. Jüngst wurde auch noch nachgewiesen, daß Millionen und Millionen Bazillen durch die Haut aus dem Körper herausbefördert werden. Es ist also klar, daß, wenn die Ausscheidung dieser Stoffe verhindert wird und das Gift im Körper zurückbleibt, dies ohne schwere Schädigung der Gesundheit nicht geschehen kann. Schlechte Kleidung, die nicht genug luftdurchlässig, porös ist, kann auch die Hautausscheidung behindern und so Krankheiten verursachen. Anderseits kann aber jemand, der schon Reißen hat, durch richtige Kleidung das Auftreten von rheumatischen Schmerzen verhüten, er kann sich gegen die ärgste Zugluft unempfindlich machen, ja oft den Rheumatismus zur Heilung bringen. Durch schlechtgewählte Kleidung aber kann aus leichtem Reißen ein schwerer Rheumatismus sich bilden. Beim Reißen wie bei allen anderen Schmerzen kommt es aber vor allem darauf an, deren Hauptursachen zu ermitteln, nm durch deren Beseitigung das Nebel selbst zu beseitigen. ■ ______________ GeineinMtzigeG. Entfernen des Rostes aus Stahl- und Eisenteilen. Ist der Rost noch frisch und nicht eingefressen, so nehme man einen mit Oel befeuchteten Kork und reibe damit die verrosteten Stellen ab, wodurch sie Reinheit und Glanz zurückerhalten, ohne durch Kratzen beschädigt zu werden. Hat der Rost dagegen schon weitere Fortschritte gemacht, so empfiehlt der „Praktische Wegweiser", Würzburg, die angerosteten Stellen mit einem Gemisch aus feinem Trippel und Schwefelblüte, welche mit Hilfe von Olivenöl zu einem Teige geknetet werden, zu bestreichen und nach einiger Zeit mit einem weichen Leder abzureiben. Dadurch werden die betreffenden Stellen, soweit es überhaupt möglich ist, zu ihrem ursprünglichen Aussehen zurückgebracht. Teppichelken, welche sich umrollen, bringt man wieder rasch in die richtige Lage, wenn man sie mit einem in Wasser getauchten und wieder ausgedrückten Tuch belegt und mit einem heißen Stahl bügelt und glättet. Kesirndheitspffege. Verschlucken bei Kindern. Es ist ganz verkehrt, wenn man beim Verschlucken den Kindern auf den Rücken klopft und ebenso zwecklos. Ein einfaches Mittel besteht darin, daß man die beiden Hände des Kindes faßt und die Arme gestreckt nach oben hält. Dadurch erweitert sich die Brust, so daß das liebel augenblicklich verschwindet. Rntzen des Honigs. Viele ärztliche Autoritäten empfehlen den Honig als treffliches Hausmittel. Er stört die Pilzbildung und ist daher von jeher gegen sogenannte Schwämmchen der Säuglinge von sicherem Erfolge gewesen. Mit Mehl zu einer Salbe verarbeitet, gibt er heilsames Pflaster für böse Finger. Durch den Genuß des Honigs werden angehende Husten, Katarrhe, Schnupfen, Halsentzün- ungen im Keime erstickt und Bakterien wie Pilzbildungen vernichtet. Gegen Krankheiten der Mundhöhle, des Schlundes und der Atmungsorgane erweist sich reiner Vlütenhonig bei anhaltendem Gebrauche und entsprechender Diät unfehlbar wirksam. Es ist anzunehmen, daß die im Honig ent- haltene^Ameisensäure dies bewirkt. Alle halbe Stunde einen Theelöffel voll Honig genommen, wirkt bei. einem Katarrh überraschend, und viele Krankheiten der Lunge werden an ihrer Ausbildung verhindert, wie auch Magenleiden wesentlich gebessert. Der Honig sollte überall dem Publikum em» psohlen werden, da er in der That ein Segen der Menschheit ist. Iür die Küche. Damwilvziemer gebraten. Das schön herans- gehauene Rückenstück wird abgehäutet und in Essigbeize gelegt, die mit Wurzelwerk, Lorbeerblatt, gequetschten Pfefferkörnern und Citrouenmarkscheiben abgekocht wurde. Beim Gebrauche spickt man den Ziemer dicht, salzt und pfeffert ihn und brät ihn mit gutem Bratenfett, Zwiebel- und Gelbrübenscheiben unter öfterem Zugießen der zur Hälfte mit Wasser verdünnten Beize saftig weich. 2 Kochlöffel Mehl verrührt man mit einem Glase Wein, gießt dies langsam an die Sauce, die nur leicht gebunden sein soll, passiert und entfettet sie, und gibt sie mit etwas „Maggi" gehoben zu dem Braten. Geschmorte Gurken. 10 Personen. Bereitungszeit 1 Stunde. Zuthaten: Zwei große Schlangengurken, V8 Eßlöffel Salz, 3 Eßlöffel Essig, V, Eßlöffel Mehl, V2 Liter Brühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt, 2 Eidotter, eine Prise weiser Pfeffer. Die Gurken werden geschält, der Länge nach in Hälf- ten-geschnitten, mit einem'silbernen Löffel entkernt, in etwa 5 Ctm. lange und 3 Ctm. breite Stücke zerlegt, mit dem Salz bestreut, gemengt und zugedeckt, bis zum Gebrauch eine Stunde hingestellt. Hierauf schmort man fie in der Brühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt langsam weich, quirlt den Essig mit dem Mehl, fügt Salz und Pfeffer hinzu, und legiert damit die Sauce. Da die Schärfe des Essigs oft sehr verschieden ist, muß es dem Geschmack überlassen bleiben, die rechte Quantität zu nehmen, auch kann den Gurken ein Zusatz von etwas Zucker gegeben werden. Omelette mit Pöklingen. 10 Personen. Bereitungszeit 1/2 Stunde. Zuthaten: 6 Pöklinge (Bücklinge), 12 Eier, 4 Löffel Milch, 1 Bündchen Petersilie, 2 Chalotten in Butter geschwitzt, 100 Gramm Butter, 40 Gramm Mehl, Liter Brühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt, Salz nach Geschmack. Man häutet und zerpflückt die Pöklinge, an deren Stelle auch Sprotten Verwendung finden können, entfernt sorgfältig alle Gräten, bereitet von 50 Gramm Butter und Mehl ein Braunmehl, verkocht dies mit der Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt, gibt Petersilie, Chalotten und Pöklinge hinein und schmeckt die dickliche Füllse mit Salz a6; Inzwischen backt man mit dem Rest der Butter zwei Omeletten, je von 6 Eiern bereitet, und zwar nur auf einer Seite, gibt auf die obere Seite die Hälfte der Pöklinge, rollt die Omelette zusammen und bringt sie recht heiß auf den Tisch. H0M0NYM. (Nachdruck verboten.) Es ist das Reich des Purpurs und der Kronen, Hier glänzen Perlen, Gold und Edelstein; Und doch, sobald die Armen darin wohnen, Siehst oft du weder Glück noch Sonnenschein. Bei Mondenschein läßt sich's bisweilen sehen, Und täglich bildet es sich beim Gericht. Du siehst es auch auf Bayerns Karte stehen, Bei Damen schließlich scheint es Ritterpflicht. P. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung der KönigSpramenade in voriger Nummer: Wer Ueberflüssiges entbehren kann, Der ist mit wenigem ein reicher Mann; Doch wer, im Ueberflusse schwelgend, noch entbehrt. Der ist als armer Mann beklagenswert. Daniel Sanders. Redaktion: S. Burkhardt. — Druck uab Verlag der Brühl'scheu UuiversttätS-Buch- und EtcindMckerei (Pietsch Erben) in Gieße».