(Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) EinundzwanzigsteS Kapitel. In der Kajüte. Ich brauchte nur wenig Zeit, meine neue Koje etnzu- richten. Ich borgte mir von dem Koch einen Spiegel, und da ich vermutete, ich würde Miß Franklin beim Frühstück treffen, so machte ich aus mir, wie Jack es elegant bezeichnet: „einen regulären, aufgedonnerten, polterten Stutzer." Glücklicherweise für meine Eitelkeit war die Reise noch kurz und meine Kleidung infolgedeffen noch ziemlich gut. Meine Narrheit ging so weit, daß es mich einen Kampf kostete, meine Weste nicht mit meiner Uhrkette zu schmücken, aber ich fürchtete zu sehr des Maats boshaftes Auge. Daher steuerte ich klar von Juwelenschmuck und beschränkte mich auf den einfachen Anzug von: schwarzer Hose, Lotsen- Jacke und wehendem, seidenem Halstuch. ES war jetzt acht Glasen- ich ging daher hinauf, um den Maat abzulösen. Er starrte mich mit häßlichem Grinsen an, und nachdem er mir den Kurs deS Schiffes angegeben hatte, fragte er mich, wo ich meine Mahlzeiten einnehmen würde. „In der Kajüte," sagte ich. „Ah, große Ehre," höhnte er, und sein Lachen verzerrte sein Gesicht derart, daß es bet seinen Runzeln und seiner Farbe einer Wallnußschale glich. „Es genügt vollkommen, einen so einfachen Menschen wie mich, eitel zu machen, wenn ihm daS Glück zu teil wird, Mit-Offizier eines so wohlerzogenen Gentleman zu werden, wie Sie sind," sagte ich. „Da haben Sie ganz recht- Sie, junger Fant, werden 1899. 1 Lp. WZ enschen irren sich Und sind der Täuschung unterworfen allzumal; Den aber nenn' ich weise, der, sobald er sieht, Daß er geirrt, den Fehler gut zu machen sucht, Und nicht in seinem starren Eigensinn beharrt; Denn Unvernunft und Thorheit zeigt ein starres Herz. Sophokles. noch viel von mir lernen können, besonders auch Manieren," erwiderte er. „Davon bin ich überzeugt," antwortete ich, „und da ich die Gesellschaft von Damen sehr liebe, würden Sie mich außerordentlich verpflichten, wollten Sie die Güte haben, mich über die Art und Form zu belehren, wie man sich denseben angenehm macht. Sie haben darin ganz sicher große Gewandtheit und Uebung, wie ich aus Ihrem Wesen und Ihrer Sprache schließen darf." Er warf mir einen finsteren, vernichtenden Blick zu, sagte aber nichts weiter und wandte sich, um nach unten zu gehen. Ich hielt ihn jedoch auf, indem ich bemerkte: „Ich habe noch nicht gefrühstückt, Mr. Sloe- vielleicht lösen Sie mich ab, wenn Sie fertig sind." „Wen mistern Sie hier?" schrie er. „Sie fangen früh an, sich aufzuspielen, Bursche. Ich bin Maat hier und Ihr Master — Ihr Vorgesetzter, verstehen Sie mich, Sie frecher Bube. Erlauben Sie sich nicht, in einer Weise mit mir zu sprechen, als ob Sie mir gleich ständen." „Ich habe, meines Wissens, ja nur eine bescheidene Bitte auszusprechen gewagt," entgegnete ich, wobei ich mein Aeußerstes that, meine Selbstbeherrschung zu bewahren. Ich setze voraus, daß hier dieselbe Etikette herrscht, wie auf großen Schiffen." „Hol' Sie der Teufel mit Ihrer Etikette! Ich verbitte mir solche Worte, — sprechen Sie englisch, wenn Sie mit mir reden, das merken Sie sich, oder Sie werden bald wieder verstehen lernen, was ich meine, wenn ich Ihnen den Befehl gebe, mit einem Fctttopf ins Takelwerk zu steigen." Damit ging dieser Hausknecht herunter. Wie ich mir schmeichelte, war es mir gelungen, ihn zu ärgern, und deshalb fühlte ich keinen Zorn, sondern nur erhöhten Abscheu gegen diesen rohen Kerl. Ich fand mich in meiner Stellung auf dem Hinterdeck ganz in meinem Element- denn vorn war ich mir bet meinem Bildungsgrad immer sehr vereinsamt vorgekommen. Ich schritt stolz das Deck entlang, blickte bald aufs Takelwerk, bald auf den Kompaß, und stellte mit dem denkbar größten Wohlbehagen die Wache zur Arbeit an. Es liegt gewiß keine Eitelkeit darin, wenn ich sage, daß die Uebernahme meines neuen Dienstes mir keinerlei Schwierigkeiten verursachte. Das in meiner Natur liegende ungezwungene Benehmen kam mir hierbei sehr zu Hilfe, denn dieses war, mir ganz unbewußt, unter den obwaltenden Berhältniffen auch sehr politisch- die Leute beobachteten mich natürlich zuerst scharf- sie redeten mich vertraulich an und sprachen von mir unter einander, — 27s — manchmal mit lautem Lachen, wohl in der Erwartung, daß dies ein ermunterndes, freundliches Zunicken meinerseits Hervorrufen, in mir daS Bewußtsein meiner Kameradschaft mit ihnen aufrecht erhalten und mich die ganze Sache nur als einen zeitweiligen guten Spaß betrachten lassen sollte. Hierin aber hatten sie sich sehr geirrt. Sie fanden mich meiner neuen Würde ganz bewußt- umgänglich genug, um mich nicht gerade in ihren Augen hochmütig erscheinen zu lassen, aber auch reserviert genug, um ihnen die Veränderung in unseren Beziehungen immer gegenwärtig zu erhalten. Das Lange und Breite von der Sache war: ich hatte meine seemännische Erziehung auf großen Schiffen erhalten und dort gelernt, wie die Disziplin gehandhabt wird. Die alten Gewohnheiten frischten sich in mir wieder auf und kamen mir nunmehr zu gut. Ich ahmte in meinem Benehmen gewissen Vorbildern nach, an die ich zurückdachte, und so, glaube ich, schadete ich Kapitän Franklin wie Mr. Sloe, indem ich unbewußt der Mannschaft einen Kontrast bot zu dem kalten Despotismus des einen und der gemeinen Brutalität des anderen. Ich kehre zurück zu dem Augenblick, wo der Maat nach unten ging. Durch das Oberlicht blickend, als ich das Deck entlang schritt, sah ich den Schiffer an der Spitze des Tisches sitzen, neben ihm Miß Franklin und dieser gegenüber den alten Windwärts. Ich hörte den Maat meinen Namen nennen und vermutete, daß er dem Kapitän wohl eine Beschreibung meiner neuen, feinen Manieren zum besten gab. Es war ein herrlicher Tropen-Morgen. Die glühende Hitze war durch den Wind gemäßigt, und lustig spielten die schaumgekräuselten Wellen unseres Kielwassers. ES war ein Morgen, der Körper und Geist erfrischte und belebte. Das von der Sonne getrocknete Deck glänzte wie gebleichte Leinwand, das Messing blitzte bei den Bewegungen des Rumpfes. Während um Mittag — in der Breite, unter der wir uns befanden — die Strahlen des Tagesgestirns unseren Schatten senkrecht unter unsere Füße legten, zeichneten jetzt die Segel schwarze Linien quer über die Planken. Die unter dem Langboot in ihren Käfigen von der Hitze leidenden Hühner gaben ihrer Unbehaglichkeit in jämmerlichen Klagetönen Ausdruck. Ein buntes, malerisches Bild boten die auf dem Deck beschäftigten Leute. Da war der schöne Blunt mit seinem dunklen Gesicht und rotem Hemd, der alte Sam mit dem eisengrauen Haar und Teerhosen und Jimmy in seiner schottischen Mütze. Andere hantierten mit nackten Armen, bloßen Füßen und weit über der kräftigen Brust zurück- geschlagenem Hemd. Alle trugen ihre Matrosenmesser um die Hüften geschnallt. Das Bild erinnerte an das sonderbar gekleidete Volk, welches man auf alten holländischen Seeftücken erblickt. Nachdem der Maat eine halbe Stunde unten gewesen war, kehrte er auf Deck zurück, und mit ihm kam der Schiffer. „Jetzt können Sie frühstücken gehen, aber denken Sie gefälligst daran, daß ich Sie nur vertrete und daß ich seit vier Uhr auf Deck war." Ich ging mit klopfendem Herzen herunter, ich will das nur gestehen, denn ich glaubte, Miß Franklin noch am Tische zu finden. Ihr Platz war jedoch leer, und der Koch, welcher den Dienst des Steward versah, war beschäftigt, die Teller und angebrochenen Gerichte wegzuräumen. Er brachte mir ein Stück Schinken, und dieses mit einer Tasse Kakao und gutem, weißen Zwieback lieferte mir das beste Mahl, welches ich seit meinem letzten Bissen im Hotel in Bahport genossen hatte. Während ich in dieser Weise angenehm beschäftigt war, trat Miß Franklin aus der Kajüte, welche neben der ihres Bruders lag. Ich stand sogleich auf und verbeugte mich, aufs neue von ihrer Schönheit und den dunklen Augen bezaubert, welche im Schatten ihres Hutes glänzten. Sie sah erfreut und amüsiert zu mir herüber. „Bitte, vergeben Sie mir, wen« ich Sie nach Ihrem Namen frage," sprach sie. „Jack Chadburn," antwortete ich und setzte mich wieder an mein Frühstück, denn den alten Windwärts durfte ich nicht warten lassen. „Mein Bruder sagte, Sie hießen „Chadwick." „burn," nicht „miet’", verbesserte ich. Sie lachte. „Ich denke, Sie werden lieber hier als bei den Leuten sein," bemerkte sie. „Ja, das weiß Gott," sagte ich nachdrücklich, mit einem Blick in ihre braunen Augen. „Das sind ja ganz schreckliche Menschen- Mr. Sloe werfen sie zu Boden und schlagen ihm die Nase blutig, und meinen Bruder bedrohen sie mit Dolchen! Wo nimmt er unter solchen Umständen noch den Mut her, weiter zu fahren? Oh, wollte er sich doch bewegen lassen, umzudrehen und heimzureisen, wie ich es so sehr wünsche. Ich habe ihn darum gebeten, aber er hört ja kaum auf mich. Ach, ich habe die See so schrecklich satt! Möchten Sie es nicht einmal versuchen, ihm zur Umkehr zuzureden?" „Das kann und darf ich nicht," erwiderte ich, den Kopf schüttelnd und im stillen überlegend, ob sie etwa erwarte, daß ich über ihren Einfall lachen solle. „Aber ich fürchte mich, mit solchen Leuten in einem Schiff zu sein. Mein Bruder meint, es wäre eine furchtbare Rotte Menschen, es sei die schlechteste Mannschaft, die er je an Bord gehabt hätte." haben keinen Grund, vor ihnen Angst zu haben, Miß Franklin." „Aber ich fürchte mich. Es ist doch entsetzlich, von geschwungenen Dolchen zu hören." Ich gab keine Antwort. Nach kurzem Stillschweigen sagte sie, mich freundlich anlächelnd: „Ich freue mich so sehr, daß mein Bruder Sie vom Vorderkastell weggenommen hat- ich sagte Ihnen schon neulich, daß Sie dort nicht auf Ihrem richtigen Fleck wären." „Wahrhaftig, Sie werden mich eitel machen - wenn S i e das sagen, muß ich es doch glauben." Jetzt wurde das Oberlicht von des alten Windwärts Kopf verdunkelt und mit seiner Stierstimme brüllte er herunter: „Na, wird's bald? Wie lange soll ich noch auf Sie warten?" Ich stand sogleich auf und ging nach der Treppe- im Vorbeigehen sagte ich aber zu Miß Franklin: „Es ist nicht die Mannschaft dieses Schiffes, welche Sie zu fürchten haben, sondern die Männer sind es, welche die Mannschaft befehligen." „Sie haben ganz recht", antwortete sie rasch, und mit einem Ernst, der mich bei ihr überraschte, fügte sie hinzu: „Ich habe meinem Bruder schon dasselbe gesagt. Wenn die Geduld gebildeter Menschen ihre Grenzen hat, so muß dies doch erst recht der Fall sein bei so rohen Naturen, wie sie das Vorderkastell birgt". Als ich auf Deck ging, wünschte ich, daß der Kapitän ein wenig Einsicht von seiner Schwester lernen möchte. Er hielt sich während der ganzen Zeit meiner Wache auf Deck auf, selbstverständlich um zu beobachten, wie ich mich den Leuten gegenüber benehmen würde. Dies war sehr unangenehm für mich, Miß Franklin saß am Oberlicht, und ich hatte gehofft, mit ihr plaudern zu können. So lange sein Auge auf mir ruhte, durste ich aber nicht wagen, mich diesem Glück hinzugeben. Dafür hatte ich in anderer Weise eine Entschädigung. Wunderbar genug, bot sich mir nämlich sehr bald Gelegenheit, zu zeigen, daß ich meinem neuen Dienst vollkommen gewachsen war. Mit dem zunehmenden Morgen wurde die Brise stärker und unter voll gerundeten Segeln verfolgte die Brigg schnell ihren Kurs. Gerade um zehn Uhr, ohne Warnung, ohne die geringste Andeutung am Himmel, sprang der Wind plötzlich - 279 - üach Süden herum. In einem Nu schlappte die Leinwand gegen die Maste, die Raae« schaukelten, die Brigg lag wie ein Klotz auf dem Wasser, und ein scharfer Wind pfiff uns um die Ohren. Das war eine Gelegenheit, mich auszuzeichnen und meine Gewandtheit vor Miß Franklins bewundernden Augen leuchten zu lassen. Auf der Stelle, ohne irgend eine Ueberraschung zu zeigen, gab ich die nötigen Befehle. Der Kapitän konnte keinen solchen aussprechen, dem ich nicht schon zuvorgekommen war. Ich hatte sofort alle Mann aufgerufen, die Backbord- Borderbraffen bemannt, die Leesegel auf der Leeseite ein- holen, die großen Brassen abfieren, das Gaffelsegel aufgeien und die Schoten der Vordersegel steif anholen lassen. Die Brigg hatte sich auf dem Fuß des Hinterstevens gedreht wie ein Kreisel. Ich sprang den Leuten bei der Arbeit bald da, bald dort bei und zog mit ihnen um die Wette an den Brassen. Die flinksten Leute aus meiner Wache, deren Ehrgeiz ich noch obendrein durch schlaue Bemerkungen über des alten Windwärts Leute anspornte, schickte ich ins Takelwerk, die Leesegel-Spieren einzuholen. Innerhalb einer Viertelstunde nach dem plötzlichen Umschlagen der Brise waren die Raaen scharf beim Winde gebraßt, die Segel neu gestellt und die Brigg furchte mit frischer Kraft die mit weißen Kämmen geschmückten Wogen, daß der Gischt an unseren Backen hoch emporstaubte. Der Kapitän erteilte mir kein Lob, das war von ihm nicht zu erwarten, aber der eifersüchtige, finstere Bück, welchen der alte Windwärts, der ebenso wie alle anderen auf Deck gestürzt war, mir zuwarf, verriet mir, daß ihm jedenfalls ein günstiges Wort über mich zugeflüstert worden war. Es ist ein böser Wind, der niemand etwas Gutes bringt und die Wirkung, die dieser Stoß aus Süden hatte, war, daß der Schiffer erfuhr, daß ich den Pflichten meines Dienstes gewachsen war. Von nun an überließ er die Brigg meinen Händen, und ich hatte stets klares Deck, meine Arbeit darauf zu verrichten. (Fortsetzung folgt.) Ueber Verwechslung wichtiger Pflanze«! Die Zeit des Waldmeisters und — Maiweins ist wieder gekommen, der würzige Duft gelegentlich angesetzter Bowlen erfreut Weiblein und Männlein, da erscheint es denn nicht ungerechtfertigt, darauf aufmerksam zu machen, daß Waldmeister, zumal von sammelnden Kindern und unkundigen Dämchen, häufig mit Labkraut verwechselt wird. Man hat mir zwar auf diese Aeußerung einmal in einer Gesellschaft erwidert, daß eine Verwechslung von Waldmeister, Asperula oder ata, und Labkraut, Galium Mollugo, kaum möglich sei und zwar wegen der Behaarung und dem abweichenden Geruch des letzteren, doch entspricht diese Verneinung mehr theoretischer Erwägung als praktischer Erfahrung. Meine Ueberzeugung möchte ich dahin aussprechen, daß bei ganz kleinen Pflänzchen bon Asperulaunb Galium die Ähnlichkeit sehr groß ist. Schon Joh. Gottl. Nann sagte in seinem botanischen Werke: „Deutschlands wildwachsende Arzneipflanzen, Stuttgart 1828", daß der Waldmeister häufig mit dem Labkraut verwechselt werde. — Nach meinen Wahrnehmungen werden nun eingesammelt ganz junge Pflänzchen von 1) Galium silvaticum, Waldlabkraut. Dies ist zu unterscheiden von Waldmeister durch die nicht viereckigen, sondern runden Stengel und, wie auch bei den folgenden, durch den fehlenden Wohlgeruch. 2) Galium Mollugo. Ganz junge Pflänzchen, wie sie hier in Betracht kommen, können nur durch den fehlenden Geruch erkannt werden. 3) Galium Apariue. Dies ist zu unterscheiden durch die am Kiele und am Rande der Blätter rückwärts gerichteten kleinen Stacheln- die aber auch bei kleinen Pflanzen leicht übersehen werden. Was nun den allen diesen drei Arten fehlenden Geruch anbetrifft, so gestand mir vor Jahren einmal ein Einsammler von jungen Labkrautpflänzchen zu, daß er denselben durch einige Tropfen Waldmeistereffenz aus der Apotheke ersetzt habe. Viel wichtiger als die Unterscheidung des Waldmeisters vom Labkraut ist diejenige der Brunnenkreffe vom Bittern Schaumkraut- denn der Name „Labkraut" sagt schon, daß es unschädlich ist, gleichviel ob es zu Bowlen oder sonstigen Zwecken Verwendung findet, während das bittere Schaumkraut ungesunde, magenverderbende Eigenschaften besitzt. Letzterer wird massenhaft, besonders in meiner Heimat, der Rheinprovinz, für die gewürzhafte, wohlschmeckende, magenstärkende und blutreinigende Brunnenkresse verkauft und genossen und zwar zumeist int März und April, wo die Brunnenkreffe im Freien (außer überwinterten Pflanzen, die tief unter Waffer stehen), noch gar nicht zu finden ist. Die Unterscheidungszeichen beider Pflanzen sind folgende: Brunnenkresse: Stengel hohl und aus den Blattachseln wurzelnd. Geschmackgewürzhaftangenehm. Schaumkraut: Stengel nicht hohl, mehr aufrecht und in den Blattachseln nicht wurzelnd. Geschmack scharf, auf der Zunge brennend und nach dem Genüsse meist längere Zeit andauerndes Ausstößen erregend. Mir ist ein Fall bekannt, wo eine ganze Familie durch öfteren Genuß des letzteren magenkrank wurde. Deshalb schauet zu, was ihr pflückt und kauft! Ba. Ein billiger Barometer. Man löse in 60 Gramm Alkohol auf: 8 Gramm Kampher, 2 Gramm Salpeter, 2 Gramm Salmiak und bringe die Lösung in einen Glaszylinder oder in eine enge Flasche. Bei trockener Zeit bleibt die Flüssigkeit hell- bei wechselndem Wetter zeigen sich in der Mitte kleine Sterne- bei stürmischem Wetter dagegen tritt eine vollständige Bewegung der Lösungen ein. Gegen das Antanfen der Silberwaren. Zu diesem Zwecke wendet man das Kollodium an, verdünnt mit Alkohol ungefähr so, wie die Photographen dasselbe gebrauchen. Die Oberfläche silberner, plattinierter, versilberter, neustlberner re. Gegenstände wird durch einen Ueberzug von solchem Kollodium längere Zeit vor Anlaufen geschützt- das Verfahren kann sowohl bei polierten Gegenständen als auch bei solchen angewendet werden, welche schon matt und weiß sind, da das Kollodium bekanntlich wafferhell und farblos ist. Die silbernen oder mit Silber belegten Waren werden etwas erwärmt und dann das Kollodium mit einem elastischen Pinsel aufgetragen, jedoch so sorgfältig, daß alle Punkte mit Kollodium überstrichen sind- jene Stellen, welche übersehen wurden, laufen in kurzer Zeit um so auffallender an. Um hölzerne Pfosten re. im Boden dauerhaft zu machen, nimmt man gekochtes Leinöl und rührt in dasselbe pulverisierte Kohle, bis diese Mischung die Konsistenz einer Anstrichfarbe erhalten hat. Damit streicht man den Teil der Pfosten an, welcher in den Boden getrieben werden soll. So zubereitetes Holz hält im Boden länger als Eisen. Um Zitronen «nv Orangen zn konserviere«, d. h. frisch zu erhalten, löst man Schellack in Weingeist auf und taucht die Früchte in diese Flüssigkeit. Durch den leichten Harzüberzug werden sie konserviert und behalten ihren Saft und ihr Aroma. Der Schellack läßt sich, wenn man außer der Frucht auch die Schale benutzen will, durch Kneten der elastischen Frucht in der Hand zum Abspringen bringen und so entfernen. — 980 — Hesundyettspflege. Beförderu«g des K«oche«wachstumS hei Kindern. Wenn Kinder schwache Knochenglteder haben, so ist dies ein Zeichen, daß sie entweder wenig oder gar nicht zur Bewegung kommen, oder aber mit Nahrungsstoffen gespeist werden, die arm an Knochen bildenden Stoffen sind. Die Erscheinung kann jedoch auch in einem Geburtsfehler ihren Grund haben. Vor allen Dingen muß das Kind zu Bewegungen angehalten werden, d. h. es ist, wenn es noch nicht laufen kann, an den Händen zu führen. Alsdann hat das Kind auf eine längere Zeit Kalkwasser zu trinken, dessen Herstellung in jeder Apotheke geschieht. DaS Kalkwaffer enthält die nöthigen Stoffe, die zur Muskelbildung und Knochen- stärkung erforderlich sind. Statt Kaffee und Thee ist nur gesunde Kuhmilch täglich mehrmals zu verabreichen. Täglich ein rohes Hühnerei gereicht, das mit etwas Zucker unterrührt wird, befördert die Knochenbildungfähigkeit. Kann das Kind täglich gebadet werden, so ist dies dem Knochenwachstum sehr sörderlich. Dem Bade können auch verschiedene Satze be gefügt werden, über deren Zuthat jeder Apotheker und Drogurist Auskunft giebt. Keld und Karten. Schwer zu vertilgende Unkräuter entfernt man aus Gartenrasen auf folgende Weise: Ein spitzes Stäbchen taucht man in Vitriolöl und drückt es dann in das Herz der Unkraut- Pflanze, die davon unfehlbar zu Grunde geht. Epheu in Töpfe«. Um schönen Epheu von besonderer Größe und Frische der Blätter zu ziehen, pflanzt man die Stöcke in Moos, das man mit etwas Wald- oder Lauberde vermischt. Wenn sich das Moos setzt, muß frisches aufgelegt werden. Der Epheu bedarf besonders im Sommer viel Wasser. Kür die Küche. Lardellenschnitzel mit Schloßkartoffel«. Kleinfingerdicke, rohe Kalbsschnitzel werden leicht geklopft, gesalzen, gepfeffert, mit Mehl überpudert und in heißer Butter gebraten,' dann ausgelegt und gitterartig mit Sardellenstreifchen belegt. Die mit Zitronensaft, etwas saurem Rahm und Kapern aufgekochte Bratbutter wird, mit etwas Maggi der- feinert, darüber gegossen. Neue Kartoffeln werden geschält, in ziemlich dicke Scheiben geschnitten, gewaschen, mit reinem Tuche trocken gerieben, schwimmend in heißem Schmalz gebacken, und, nachdem sie gut abgetropft, zu obigen Schnitzeln gegeben. Eine gute nahrhafte Mehlspeise find Gries schnitten. Man bereitet sie folgendermaßen: Gries wird in Milch ausgequollen, muß aber fest bleiben. Nachdem er etwas verkühlt ist, werden zwei bis drei Eier und Zucker darunter gerührt. Nun schüttet man den Griesbrei auf eine flache Schüssel. Ist er erkaltet und steif geworden, so schneidet man ihn in längliche Streifen, wälzt diese in Ei und Semmelbrösel und bäckt sie in Schmalz oder Butter schön hellbraun. Diese Griesschnitten giebt man mit Zucker und Zimmt bestreut zu eingemachten Früchten oder Weinsauce zu Tisch. Zitro«e«mehlspeise. Man giebt 9 Eidotter, 130 Gr. Butter, 30 Gr. Zucker und den Saft einer großen Citrone in eine Kasserolle und rührt die Masse auf dem Feuer zu Cröme, schüttet sie in einen Reibenapf und mischt die auf Zucker abgeriebene Zitronenschale darunter, rührt aber so lange weiter, bis die Masse kalt ist, giebt alsdann den Eierschnee hinzu, füllt den Teig in eine gebutterte, mit einem Papierblatt ausgelegte Form und bäckt sie 1% Stunde im bain-marle. — Die Speise wird gestürzt und mit Chau- deau gegeben. Böhmischer Käsekuchen. Aus 1 Kilogr. Weizenmehl, 3 Eiern, einem Kaffeelöffel Salz, 45 Gr. Hefe und etwa y4 Liter süßer Milch macht man einen festen Teig an, läßt denselben aufgehen und knetet ihn gehörig durch, worauf man ihn zu einem oder mehreren runden Kuchen ausrollt, die man mit fingerbreitem, eingekniffenen Rand versieht. Nachdem diese Kuchen nochmals aufgegangen sind, bestreicht man sie dick mit frischem Quark, den man mit 4 Eidottern, etwas Salz, Zucker, fettem Rahm und Korinthen vermischt hat, und bäckt sie % Stunde im Backofen. Ragout ist eine saure, pikante Speise von Fleichresten; sie wird verschiedenartig bereitet. Man röstet einige Eßlöffel Mehl in zerlassener Butter gelb, dämpft darin Schalotten, etwas Zitronenschale, Petersilie, Sardellen oder Häring, alles zerkleinert, gießt Bouillon oder kochendes Wasser dazu und läßt die Masse aufkochen. Hierauf schneidet man übriggebliebenen Kalbsbraten (auch Rinderbraten oder Geflügel) in Würfel, schüttet das Fleisch nebst Essig oder Citronensaft, Lorbeerblättern, ganzen Nelken und Pfefferkörnern in die Sauce, gießt, wenn man solche hat, Bratenbrühe hinzu und läßt gut durchkochen. Suppe vo« trockene« Semmel«. Man zerschneidet je nach der Personenzahl 2—4 Semmeln in feine Scheiben, röstet sie nebst Zwiebeln und Petersilie in Butter hellbraun, fügt genügend Wasser hinzu, läßt dies kurze Zeit kochen und rührt ein Ei mit einem Löffel dicken Rahm beim Anrichten, dazu Salz, Pfeffer, Muscatnuß nach Geschmack. Hunrsvistifches. Repräsentanz. Herr (im Tabakladen): „Was find denn das dort für feine Zigarren in Staniolpapier?" — Verkäuferin: „Das sind „Brillantos", unsere theuerste Sorte, die wir auf Lager haben- die werden nur von Studenten gekauft, wenn sich zufällig zwei von verschiedenen Korps hier im Laden treffen." * * * Bureau-Chef: „Zum Kuckuck mit dem Burschen — Nie ist er da, wenn man ihn braucht." — Kassierer: „Das muß ein Familienübel sein; sein Vater ist Polizist!" Lttterarisches. Nr. 20 der „Jugend", Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben (G. Hirth's Verlag in München, Preis Mk. 3.— pro Quartal, Mk. 1. — pro Monat excl. Porto), enthält unter anderem: Titelblatt: „Leichte Kavallerie" von I. R. Witzel. — „Platzende Kometen", Skizze von Paul Scheerbart. — „Genre" von Julius Diez. —„ Hinter uns im Grau'» der Nächte„ von K. v. Ronin. — Landschaft von Hans Roßmänn. — „Reisegrüße auS Bozen" von A. Mo. — „Die Pauke", Rovellette von Jules Lemaitre, mit Zeichnungen von Angels Jank. — „Neues von Serenissimus". — „Ueberraschende Bekanntschaft", Gedicht von Anna Ritter. — Kleinigkeiten. — Witze. — Humor des Auslandes, — Die aktuelle Beilage enthält unter anderem: „Der alte KinderverS und die Affaire." — „Bertha's Frühlingslied." — „Die immer schwärzer werdende Seiltänzerin." — „Italia." — Lustige Rachrichten. — Sonstige künstlerische und litterarische Beiträge von H. Christiansen, A. Halmi, M. Feldbauer, R. Wilke, W. Harlan. Sport und Mode. Eine Spezialrevue für Sport aller Art ist das soeben erschienene 16. Heft der „Wiener Mode"; dem Radfahren und Tennis, der Touristik und Jagd, dem Rudern und Schwimmen sind reizende Bilder gewidmet, die beweisen, daß das praktische Sportkleid immer auch das Fescheste und Eleganteste ist. Es ist das wieder eines der Sonderhefte, womit sich die „Wiener Mode" schon so oft ausgezeichnet hat und die immer .in kurzer Zeit vergriffen waren. Preis des Heftes 45 Pf. Abonnement Mk. 2,50 vierteljährlich. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und vom Berlage der „Wiener Mode", Wien, IV., Wienstraße. RtbeMon: ®. Burkhardt. — Druck und Derlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch« und Tteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.