BR8 M L8W. - srr. 181. Zormtag den 17 Dezember. jeßeNUMmillenbl^ WM it der Freude zieht der Schmerz Treulich durch die Zeiten, Schwere Stürme, wilde Weste, Bange Sorgen, frohe Feste Wandeln sich zur Seiten. I. P. Hebel. Die inn're Hoheit lebt von ihrer eigenen Fülle, Sie selbst, und nur sie selbst, ist ihr Gewinn. Tiedgc. Im Tannendust. (E. Polko.) ------- (Nachdruck verboten.) Kein eifrigerer Musikfreund lebte wohl im Anfang dieses Jahrhunderts in den deutschen Landen, als der Prinz Max, Vater des nachmaligen, hochgelehrten Dante - Ueber- setzers, König Johann von Sachsen. — Ein musterhafter Gatte und zärtlicher Vater, kannte er keine größere Freude, als einen Abend im engsten Kreise der Seinen und im zwanglosen Verkehr mit anregenden Menschen, aber — nur mit Musikbegleitung. Die Kinder erhielten, gleichviel, ob sie sich talentvoll oder unbegabt zeigten, von frühester Jugend an den besten Musikunterricht, natürlich von italienischen Musikern, von denen damals die Hofkapelle wimmelte, die noch, von dem berühmten Adolf Haffe her, ihre Zusammenstellung behalten und viele recht ergraute Mitglieder enthielt. Es war ein Nachkomme und Verwandter jenes Lehrmeisters der musikalischen, geistvollen Maria Antonia, Ferrandini, der eben das Diolinspiel den drei prtnzlichen B-Üdern, Friedrich August, Clemens und Johann beizubrtngen versuchte. DaS konnte doch nicht gar so schwer sein — der Vater freute sich schon im voraus auf die Hauskonzerte mit seinen Söhnen. Die hübsche, muntere Stiefmutter der Kinder, die Prinzessin Luise, zweite Gemahlin des Prinzen Max, bezauberte mit ihrer schönen Altstimme jeden Hörer und sang ihre italienischen Arien fast wie eine Primadonna. Sie lachte aber oft wie ein Kind über die Jammertöne der Geigen, und jenes Trio von zwei Geigen und einem Klavierpart, den der Vater zu übernehmen sich so brennend sehnte. Im Zusammenspiel pflegte nämlich das prinzllche Brüderpaar, gänzlich unbekümmert umeinander, seine musikalischen Pfade zu wandeln, Friedrich August als der Aelreste, gelangte gewöhnlich triumphierend um verschiedene Takte früher ans Ziel des Schluffes, und ließ seinen Partner hinter sich zurück, der das freilich nie eher als am Ende der mühevollen Laufbahn zu bemerken geruhte. — Der Lehrmeister ließ es ruhig geschehen, mit Prinzen durfte man ja überhaupt nicht heftig werden und dann — Ferrandini fühlte Mitleid mit all' diesen Deutschen, die von der Musik so wenig verstanden! Wer anders als die Italiener konnte überhaupt Sang und Klang in dieses Land des Schnees tragen?! Es war nur gut, daß sie dieses einsahen und nicht versuchten, auf eigene Hand fertig zu werden. Und so führten denn seine jungen Schüler zu allen Familienfesten auch einzig und allein von ihm gesetzte Duette auf, die er dann auf dem Klavier begleitete. Er strich vergnügt den goldenen Lohn ein, den diese Produktionen ihm allezeit brachten. — Diese Deutschen — wie sie doch jene Kunst liebten, von der sie so wenig verstanden! — Nun, man mußte ihnen dies Vergnügen lassen, wie einem Kinde sein Spielzeug. Zum Glück konnten ja Lehrmeister und Komponisten in Italien niemals aussterben. Man wollte ihnen schon etwas vorwärts helfen, durch italienische Musik, wenn sie — gut bezahlten. So war auch das WrihnachtSfest deS Jahres 1814 herangekommen, und so trübe es auch da draußen in der Welt aussah, infolge des großen Krieges, den Palast deS Prinzen Max durchflutete ein Heller Freudenschein und eS sang und klang dort vom Morgen bis zum Abend. Gewaltig schwer waren diesmal die künstlerischen Aufgaben der Prinz» lichen Kinder, es wurde Berwandtenbesuch vom österreichischen Hofe erwartet, ein neues KotzebuescheS Lustspiel und zwei Sprichwörter sollten deshalb ausgeführt werden. In den Zwischenpausen sollte der Prinz Clemens zum erstenmal ein Violinsolo vortragen und das unvermeidliche Duo zwischen Friedrich August und Johann die Feier einleitea. — Aber das Studium deS verschnörkelten Solos ließ diesmal reichliche Thränen fließen, und nicht selten flog sogar der Violinbogen aus der Hand des Prinzen Clemens in die erste beste Ecke. Und so fiel denn eines Tages der junge Solist seinem Bruder Johann schluchzend um den Hals und beschwor ihn, bei der Weihnachtsaufführung mit ihm zu tauschen und statt seiner das abscheuliche, verzwickte Ding zu übernehmen, er selber müsse daran zu Grunde gehen. Im ersten Moment schlug Johann freilich die Bitte des Bruders rundweg ab, — aber cs war seinem guten Herzen doch nicht lange möglich, den Bitten und Thränen von Clemens zu widerstehen und so versprach er endlich für ihn einzutreten. — Ach, wie oft, in den bangen Stunden der geheimen Proben, bereute Prinz Johann diese seine Willfährigkeit und nur der Gedanke - 722 — au die Freude des Vaters und der natürliche Ehrgeiz und die Stetigkeit der Knabrnnarur, hinderte ihn, mit seinem Geigenbogen dieselben Ecken Heimzusuchen wie der befreite Bruder. Er begann den Ferrandini zu hoffen, der ihm, so oft er auch bat, auch keinen einz'gen Lauf, keine Fioritur erließ. Da trat er denn eines Morgens vor seinen Lehrmeister hin und verlangte ganz kategorisch, er solle für ihn eine einfache, schlichte Melodie setzen, bei der man an Weihnachten denken könne, — sonst werde er keinen Ton geigen. Das konnte auch nur ein Deutscher verlangen! Eine schlichte Melodie! Ein Ding ohne jeden Effekt! Ja, diese Deutschen waren nun einmal nicht für die Musik geschaffen, die armen Leute! — Aber woher nun solch rin armseliges Tonstück nehmen?! — Mit dem sogenannten Vater Bach war erst recht nichts anzufangen, der ließ sich gar nicht beikommen, wenigstens Ferrandini wagte keine seiner Melodien, in seiner ihm eigenen Weise, für seinen Schüler zurecht zu stutzen, und von ihm selber konnte doch kein Prinz der Erde im Ernst verlangen, daß er eine elende, unverzierte Melodie setze. Der Lehrmeister fing allmählich an, über den Eigensinn des jungen Prinzen zu verzweifeln. Dabei verstrich die Zeit in rasender Eile und jeder Tag war unter diesen Verhältnissen als ein unwiederbringlicher Verlust zu bezeichnen. — Da, mitten in dieser ungewohnten Arbeit des Grübelns und Sinnens, traf den Geigenmeifter der Besuch eines jungen deutschen Kollegen, eines Kapellmeisters aus Prag — der sich, wie er ihm naiv gestand, einmal umsehen wollte, ob kein Plätzchen in dem großen Dresden frei werden könnte, wo er sich ein Nestchen bauen dürfe, als Musiker, Klavierspieler und Komponist. Gin Platz für einen deutschen Musiker in der Residenz an der Elbe! Es war erstaunlich, wie eingebildet doch solche Anfänger sich zeigten! — Aber zur raschen Komposition einer Melodte, wie sie der junge Prinz sich wünschte, war der Fremde vielleicht gut genug, das war der erheiternde Gedankengang Ferrandinis. Und so trug er denn seinem Gast ohne langes Besinnen den verzweifelten Fall vor. — Der aber lachte und versprach Hilfe unter der Bedingung, bet den Proben wie bei der Aufführung die Klavierbegleitug übernehmen zu dürfen. Mit lebhaftem Vergnügen sagte Ferrandini zu, — würde doch dieser junge Deutsche seinem eigenen Ruhme nimmermehr auch nur einen Moment zu schaden imstande sein. — Vielmehr war sogar mit Gewißheit eine kleine Niederlage des fremden Musikers vorauszusehen und zwar eine doppelte: denn wie konnte erstens solche Melodie so rasch aus dem Aermel geschüttelt werden, und wie vermöchte Prinz Johann sie in so kurzer Zeit zu bewältigen. Schrieb man doch schon den 18. Dezember und am ersten Weihnachtstage sollte die Aufführung sein, im Palais des Prinzen Max. „Wann können Sie fertig sein?" fragte der Italiener, etwas von oben herab. „Gleich heute!" „Keinen Scherz — ich frage im vollsten Ernst." „Der müßte doch ein schlechter Musikant sein, dem nicht zu allen Stunden irgendwelche Weise durch Kopf und Herz flöge — und nun gar im WeihnachtSmond! Wenn Sie gestatten, setzte ich mich gleich hier hin!" „Gewiß — aber kann denn bei solcher Eile etwas herauskommen?" „Wenn da drinnen," hier schlug der Fremde an seine Brust — „etwas Gutes singt und klingt, ohne Zweifel. — Und obendrein ist heut mein Geburtstag! Zu solchen Zeiten gelingt den Menschenkindern ohnehin alles bester! Wir können morgen früh zum Prinzen gehen mit dem Musikstück, mein lieber Ferrandini!" Der Italiener lächelte ungläubig. — Was sich dieser kleine, schmale, unansehnliche Mann da, mit der großen Nase, einbildete! Der Prinz würde sich wundern über diesen hinkenden, schlichten Begleiter. Ob er ihm wohl zu imponieren vermöchte?! Sicher nicht! — Der Prager Kapellmeister aber saß schon an Ferrandinis Arbeitstisch — der Italiener ließ eine Flasche Wein bringen und empfahl sich mit der Weisung, daß der „Herr Kollege" am nächsten Tage sich um 10 Uhr im Palais des Prinzen Max einzufinden habe, um von Ferrandini seinem jungen Schüler vorgestellt zu werden. Als der Herr Hofgeiger nach einer Stunde sein Arbeitszimmer betrat, waren Zimmer und — Flasche leer. — Ein Zettel lag nur da, worauf die Worte standen: „Ich bin fertig. Auf Wiedersehen!" Der Weichnachtsabend war gekommen. Im Palais des Prinzen Max ging es zu, wie in jedem tannenbaum - durchdufteten Bürgerhause- der liebe, fröhliche Chrtstbaum mit seinen Kerzen brannte für die Kinder, die Prinzessin Luise ging mit strahlenden Augen und glühenden Wangen von einem zum andern und freute sich an dem Jubel der Beschenkten und dankte Gott im stillen, daß alle die jungen Herzen voll Liebe sich ihr zugewandt. An allen Plätzen lagen kleine Gedichte der Prinzessin Amalie, der jugendlichen Hauspoetin, — und in allen Augen leuchtete die Freude. Der Prinz Max dachte schon an den morgenden Hauskonzertabend und mit ihm wohl der junge Geigensoltft- denn der Prinz Johann schlang eben seine Arme um den Nacken der Stiefmutter und flüsterte: „ich habe noch einen Wunsch!" „Was ist's mein Kind?" „Darf ich einem deutschen Musikmeister, der mir für morgen eine schöne Melodie gemacht und einstudiert hat, und den Ferrandini Euch ja zum Abend zuführen wird, — ein Stück von meinem Weihnachtskuchen bringen? Du weißt, er ist fremd und allein hier, und reist erst nach dem Feste nach Prag zurück, und niemand wird ihm also einen Christ- baum anstecken." Die Prinzesfin nickte lächelnd. „Weißt Du denn, wo er wohnt?" „In der Schloßgaffe, im grünen Baum. Unser alter Paul kennt das Haus, der kann mit gehen!" Es war nichts Ungewöhnliches, die prinzlichen Kinder, beladen mit Paketen, in Begleitung deS treuen Dieners, in die Häuser der Armen eintreten zu sehen, für welche das prinzltche Paar zu allen Zeiten offene Herzen und Hände hatte. So durfte denn auch am Christabend der junge Prinz sofort seinen Weg antreten, mit glückseligem Herzen. — Lieb gewonnen hatte er ja seinen fremden Lehrmeister in der ersten Stunde des Beisammenseins, als er ihm auf dem Klavier die neue Melodie vorgespielt, und imponiert hatte er ihm auch, trotz der unscheinbaren kleinen Gestalt, und dem etwas hinkenden Gang. Es stand da etwas auf der hohen Musikerstirn, es leuchtete da etwas aus den dunklen Musiksraugen, das die junge Seele seltsam gefangen nahm. Eine leidenschaftliche Dankbarkeit empfand er für den Komponisten einer Melodie, die fast von selber über die Saiten seiner Geige zu gleiten schien und die ihm gefiel, wie ihm noch keine Melodie der Welt gefallen. — Was wohl der Vater morgen sagen würde?! Freilich hatte der deutsche Musiker während des UebenS gar oft verzweifelt gerufen: „um der heiligen Cäcilia willen reiner, Prinz, — sonst lasse ich Sie morgen im Stich!" — aber das verzieh ihm der junge Teiger gern. Die Melodie war gar zu lieb. Und das Allerschönste schien ihm doch — daß sie so kurz war! Die Wethnachtslichter in den Fenstern waren schon fast überall erloschen, der laue Jubel verstummt. Der Schnee knisterte unter den Füßen der Wanderer, die Sterne grüßten so groß und klar vom Himmel nieder, hier und da wurde von Kinde>stimmen der süße alte Sang laut, von der stillen heiligen Nacht, und die Glocken der Kirchen verkündeten laut der Erde den heiligsten Frieden. Im grünen Baum, ganz oben im dritten Stock, war noch ein Fenster hell. „Der Herr Kapellmeister ist also daheim," sagte der alte Diener. — „Nun, er sitzt gewiß dort und schreibt wieder 728 - gedichteten Vers sprach: „Sind rein auch meine Töne nicht, Doch rein mein kindlich Herze spricht!" Bescheiden trat nun neben ihn hin ein junger, kleiner Mann — und setzte sich an das Klavier. Dann aber floß eine kurze weihevolle Melodie von den Saiten der Geige, und zwar ohne Stocken von der ersten bis zur letzten Note, umspielt und gleichsam getragen von einer vollen, meisterhaft gespielten Klavierbegleitung. Ob die Saiten ganz rein erklangen? Der Klavierbegleiter murmelte nur einmal bei etttem hohen A, dem Spieler allein vernehmlich: „Reiner, Prinz, um der heiligen Cacilia willen!" Die Melodie entzückte alle--vor allen aber den prinzlichen Vater und Musikschwärmer. Lebhaft schritt er auf seinen Sohn Johann zu, nahm ihn in die Arme und rief: „aber wer hat denn diese herrliche, schlichte Weise erdacht, die wie ein Weihnach ts gebet klingt." Doch nimmermehr unser guter Ferrandtni?! Das ist ja £int ganz neue Musik I" „Hier steht er, eS ist der Kapellmeister Carl Maria nieder - ob sie aber ko hübsch find wie I von Weber, aus Prag" antwortete voll strahlender Freude jene eine" dachte der 'junge Prinz. „Unmöglich 1" entschied der Prinz Johann und zog seinen Begleiter zu dem Vater »«« i-7«, 6"'- S'l?' 6161 6it '*■ H Ä'Ä lÄ ’g* «“ 'tat Il-Inm Ww«-n bie 8-1- biete eine, Snb ich w°°i- sie -°e „ick,। vergessen, der Herr Kapellmeister aus Prag. Es war Aber rein - mein Prinz^nicht wahr?, flüsterte eS freilich weder sonderlich warm noch hell, aber der Schall der I ganz leise . f{. h «f i n Weihnachtsglocken füllte es ganz und gar, und zog auch über Ob wohl einPlätzchen frei wur e f berühmten ein beschriebenes Blatt hin, auf dem ein kleiner Tannenzweig scheinbaren deutschen Kapellmeister, bet der veruymren L üÄirÄ « Ä» Ut. bieteibe Weble, bie b.. üetgolbete M[fe «u«. - «-- f««e« Ä -m r2-L-»l- ÄÄX Ä WÄtt d« Sie ftab nnb bleiben ein »-r-»°-bi-e- WM«, blefe ixssä.““ "* -81,0"16 snstkäm sä Si'elteie Rede und Gegenrede flog nun zwischen beiden I alles besiegend und alle Herzen schmelzend, hin Ä^bS1 U« Ä «-'n.. « iUm Also bis morgen Abend--und rein! Nicht entstand, im W-ihnachtsmonat des Jahres 1814 und - im wahr," mein Prinz?" lautete daS scherzende Abschiedswort. Tannenduft. ---------- Der prinzltche Geiger nickte doch ein wenig beklommen. I Einen raschen Blick warf er noch über den Tisch herüber, $Ottl Mimt DtZeMVer. auf das weiße Blatt mit dem Tannenzweig. — Aber da Dezember 1899. standen keine Noten in Reih und Glied aufgepflanzt — eine , ------ feste Hand hatte nur wenige Worte niedergeschrteben, auf I $er Dezember, als Winter und Weihnachtsmonat, stellt namentlich -inen gr-i-n Brie,b°,en. Di- i-n-en W» PtS'ÄJtt'Ä Mtln"me?Ä«bl-r BrSnichm'" I * ^n^ebm’be^bteTbeben Feste der Ehristerhrii geebl es im deulschen «Ktin süßes gmevte» -oraur-yen. I $olfc @e(,räud)Cr die wir gedankenlos nachleben und fort und fort Also auch eine Braut hatte er, ganz wie — — andere I wiederholen, ohne ihre Bedeutung oder ihren Ursprung zu kennen. , I Wenn es auch nicht in unserer Absicht liegt, hier einen kulturhistorischen eeute‘ . m . ... ...r hnrnfi.r Bericht zu bringen, und die sich durch Jahrhunderte hindurch erhaltenen Der junge Prinz mußte auf dem Heimwege darüber l @rinn'er° u uBn|crc3 Volkslebens darzulegcn, so wollen wir doch aus nachdenken, ob sie ihm wohl alle Melodien Vorsingen würde, einigc sich nn das Weihnachtssest knüpfende Sitten näher emgehen. die er niederschrteb. Wie herrlich mußte sich jene Melodie Zur Zeit der winterlichen Sonnenwende hielten die Götter des ger- wnbl sinaen lallen die er setzt studiert hatte! I manischen Heidentums zwölf Nächte hindurch ihren Umzu^ Diese Tage wohl slngen lassen, ote er , waren streng geheiligt, und während dieser Zelt gaben sich Götter und Am nächsten Abend nun, verlief die Weihnachtsststlichkett I ' b«. ausgelassensten Lust hin. Die Hauptsache war Ivohl damals programmmäßig, zur höchsten Freude des Prinzen Max, I ro|e ^cute uoch meistens gutes Essen und Trinken. Man aß in dieser und zum sichtlichen Vergnügen der Hörer und Zuschauer. g;eftäeit vornehmlich Lieblingsgerichte und Früchte der Götter, oder Ge- afti. vrinrlicben Brüder Friedrich August und Clemens, I back, welches die Gestalten der Götter und deren Lieblingstiere zeigte. Die prtnzltchen ^ruoer, »rteoriq «.uguic . ' s,e' @itte; ant winterlichen Sonnenwmdfest oder zur Weihnachtszeit waren diesmal nur wenige Takte auseinander, was niemand l säuisch-heidnisch und dann von den Christen über- zu bemerken schien, und die jugendlichen Darsteller in dem I ^ommro. Besonders in Schlesien und in der Lausitz, aber auch m Lusisviel: »Des Römers Fluch" leisteten vorzügliches. Wahre I vielen andern Teilen unseres deutschen Vaterlandes ißt man am Weih. S»-n ,-b-ch -.-,«.-)» jnn«- Pnn. A-h-nn «i- e. im nmst«-■«*»*«“ LL zierlichsten gestickten Hofkostüm, hie Gelge unter dem Arm, A^imchtbarkeit, und dieser Glaube hat sich bis in die heutige Zeit daS Zöpfchen fest eingedreht — sich vor dem Eltern paar I e^Q(ten, , verneiate und schalkhaft den von seiner Schwester Amalie I Wir lenken unsere Aufmerksamkeit m erster LiNie auf den Fisch- vernctgre UN juj y, l 1 matf. auf welchem unter lebenden Fischen der Karpfen überwiegend vorhanden ist. Die besten Karpfen sind die ll/8 bis 3 Kilo schweren; von Feinschmeckern wird der milcherne dem rogenen vorgezogen. Die Zubereitung ist vielseitig: gebacken, blaugesotten, m Gelöe ec. In Ost- und Norddeutschland wird er aber um die Weihnachtszeit als so» genannter Bierkarpfen, auch Karpfen in polnischer Sauce, gegessen. Der Rogen giebt eine vorzügliche Suppe, welche gleich dem Bierkarpsen und den Mohnklößeu in Schlesien eine Hauptspeise am heiligen Abend bildet Der Rogen von 1 bis 2 Karpfen wird mit etwas Master, Suppen- wurzeln, Salz, Zwiebeln und Gewürz abgekocht und in kleine Stückchen geschnitten. Hierauf bereitet man aus Butter und zwei Löffeln Mehl ■ eine hellbräunliche Mehlschwitze, in der man auch eine gehackte Zwiebel röstet verkocht diese Einbrenne mit Fischbrühe, in der man 10 Gramm Liebiq's Fleisch-Extrakt aufgelöst hat, thut den Rogen hinein und richtet die Suppe über geröstete Semmelwürfel an. Außer Karpfen sind tnt Dezember folgende Binnenfische gut: Schleie, Wels, Saibling, Lachs, Zander und Barbe. Seefische sind in reichster und guter Auswahl da, billig und gut ist der grüne Hering, dagegen ist Seelachs noch knapp. Vorzüglich sind jetzt Austern und russischer Caviar, aber leider noch zu teuer. Früher war man mit dem billigen Elbcaviar zufrieden, aber das Bessere ist des Guten Feind — heute muß es Astrachaner sein, wenn er schmecken soll. « Zu den unbedingt nötigen Kleinigkeiten für das Weihnachtssest ge- hören als symbolische Gaben unzertrennlich: Pfefferkuchen, Aepfel und Nüsse, die in anderer Form früher Opfergaben waren und heute als Zugabe von lohnenden Geschenken immer noch Brauch find. Kür Pfeffer« 724 kuchen sorgen di« zahlreichen Pfefferküchlereien, Aepfel, Nüsse und Mohn unterstehen dem Marklverkehr. Nüsse find in diesem Jahre knapp und werden hoch im Preise bleiben. Von heimischen Aepfcln bietet der Markt nur Mittelware. Gut und verhältnismäßig billig sind die in großer Menge vorhandenen amerikanischen Aepfel. Von Südfrüchten sind Feigen und Datteln jetzt in bester Ware vorhanden, Apfelsinen sind jedoch noch herzlich sauer. An seltenen Früchten giebt es: ostindische Showsow, westinditche Mangos und Custeros oder Cherimojas, japanische Li-chi und westindische Ananas, zu niedrigen Preisen, die aber mit der jetzt nur wenig in Handel kommenden schlesischen Ananas gar nicht zu vergleichen sind. Das Bild deS Gemüsemarktes ist winterlich, aber immer noch reichlich. Der Markt bietet: Kopfsalat, schöne Endivcn, italienischen Blumenkohl, Braun- oder Grünkohl, sowie alle anderen Kohl- nnd Rüben- sorlen. Wer sich aber nicht für Kohl und Rüben begeistern kann, muß sich an die Konserven oder Präscrven halten. Zu empfehlen sind von letzteren namentlich Schnitt- und Wachsbohnen, Spinat, Schoten und Karotten, dieselben bieten im Winter vollständigen Ersatz für frisches Gemüse. Interessanter als der Markt sind die Auslagen der Delikateß- läden, da giebt es täglich Neuheiten. Englische und französische Treibhäuser senden schon frischen Treibspargel, französischen Treibsalat, englische Treibschlangengurken, Stachis, Kerbelrübchen und portugiesische Zwiebeln. Der Fleischmarkt bietet der Küche in diesem Monat die reichste Abwechslung. Verehrern von Hase und Rehwild wird die Freude zuteil, daß trotz der in der Mitte des Monats beginnenden Schonzeit der Rike (weibliches Rehwild) dieses Fleisch keine Steigerung erfährt. Im Delikateß- handcl sind die ersten Zufuhren von Renntier zu verzeichnen, das dem Hirschgeschlecht angehörende Milch-, Zug- und Lasttier des hohen Nordens, das bis vor wenigen Jahren der mitteleuropäischen Küche säst unbekannt war. Ein Rücken dieses Tieres in guter Zubereitung kommt jedem anderen Wildprctt an Geschmack gleich. Der Renntierrücken wird geklopft, gewaschen, abgehäutet, gespickt, schnell abgebrüht, mit Salz und Wachholderbeeren abgerieben, in eine Pfanne gelegt, mit heißer Butter übergossen und unter Hinzugießen von V» Liter Brühe aus Liebig's Fleisch- Extrakt l