Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Sine Erzählung von P. Ditfurth. (Fortsetzung.) Professor Wolfram kam eben aus dem Kolleg und schritt den jungen Damen entgegen nach seinem Zimmer zu. Er grüßte artig, und seine Nichte brachte trotz Renatens Abwehr ihr Anliegen vor. Würde er nicht diese Anforderung, in sein Heiligtum dringen zu wollen, anmaßend finden? Sie legte die Hand auf die Klinke ihrer Thüre und sagte hastig: „Herr Professor, halten Sie mich nur nrcht für unbescheiden, Frida hat es sehr eilig, Ihnen meinen leisen Wunsch zu offenbaren." „Und ich finde daS nur richtig von meiner Nichte," erwiderte er lächelnd. „Sie können sich etwas darauf einbilden, Renata, daß mein Onkel einmal etwas richtig von mir findet, denn Sie find die Ursache," meinte Frida gut gelaunt. „Sie sollen die Archivschlüssel sofort haben, Fraulein Wendelin," sagte Professor Wolfram und schritt schnell nach seinem Zimmer, von Frida gefolgt, die bald schlüffelraffelnd zurückkehrte. Es war keine leichte Arbeit, den großen, wunderlich geformten Schlüssel in dem rostigen Schlosse herumzudrehen, und alsdann bewegte sich die schwere, eichene Thür knarrend in den Angeln. Eine dumpfe, moderige Luft schug ihnen entgegen, trotzdem ein kleiner Fensterflügel geöffnet war und die warme Frühlingsluft heretnließ. Das Gelaß war ziemlich groß und hatte eine gewölbte Decke. Die Fenster lagen nach der Gartenseite in tiefen, runden Bögen. Es waren nur zwei vorhanden, die gegenüberliegenden hatte man vermauert. Im Hintergründe standen zwei riesige Schränke von bedeutender Tiefe, die den Raum beträchtlich verkleinerten. Einige Stöße dicker Bücher waren hier und da aufgeeRi»u: 8, Burkhgr-t. — Druck und Verlag der Brühl'schen Umversitäts-Kuch- und Steindrrrcktrri (Pietsch Erben) in Gießen.