Donnerstag den 17. August BBf rir sin er Erde köstlichster Gewinn Ist frohes Herz und reiner Sinn. Sewffie. fNachdruck verboten.f Die Sünden der Väter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) In der Umgegend wurde ein Wagen aufgetrieben, und nach langer beschwerlicher Reise gelangte Olaf glücklich nach Eskischehr. Er hatte die ganze Fahrt im Halbschlummer zurückgelegt, gedankenlos, mit geschlossenen Augen. Der Arzt, bet dem er vorsprach, war nicht zu Hause. Olaf hinterließ, daß er ihn im Hotel aufsuchen möge. Dann fuhr er zu seinem Vorgesetzten, um sich zu melden und Bericht zu erstatten. „Wie sehen Sie aus!" rief dieser ihm schon von weitem entgegen, erschrocken über Olafs Erscheinung. „Sie gehören ins Bett, mein Lieber, und das so schnell wie möglich." Olaf erklärte in kurzen Worten, daß sein schlechtes Befinden allerdings die Hauptursache seines Herkommens sei, und daß er den Arzt bereits ins Hotel bestellt habe. „Ins Hotel?" meinte bedenklich der Obertngenieur. „Am liebsten behielt ich Sie gleich bei mir." „Nein, nein!" wehrte Olaf ab. „Ich will Ihnen nicht das Fieber ins Haus bringen. Ich möchte gerne noch etwas mit Ihnen besprechen, das mir sehr am Herzen liegt; die andere Ursache meiner Reise. Karadin ist gestorben. Wüßten Sie mir nicht einen Ersatz für ihn? Bei uns ist niemand, der die nötigen Kenntnisse besäße und zugleich vertrauenswürdig ist. Es geht viel durch seine Hände- Sie kennen ja die Stellung. Der Mann muß praktisch und energisch sein und vor allem umfassende Sprachkenntnisse haben." Der Oberingenieur saun einen Augenblick nach. „Ich werde mir's überlegen. Vorderhand machen Sie, daß Sie gesund werden- dann wird sich mit der Zeit schon etwas finden." „Vergessen Sie es ja nicht." „Gewiß nicht. '— Da fällt mir ein — das wäre am Ende etwas für Sie. Vor einem Jahre oder länger bestürmte der Mann mich um Anstellung, aber er arbeitete damals in den Meerschaumgruben, und mit der Gesellschaft, die sich da zusammenfindet, mag man sich nicht gern befassen. Ich wies ihn wiederholt ab und verlor ihn schließlich aus den Augen. Vor kurzem traf ich ihn nun zufällig wieder bei Herrn C., der das ganze Meerschaumgeschäft in den Händen hat. Ich erfuhr, daß dieser ihn in seinem Bureau beschäftigte und sehr zufrieden mit ihm sei. Man könnte ja anfragen, ob er gewillt wäre, diese Stellung gegen eine bei uns einzutauschen. Ich würde ihn in diesem Fall direkt an Sie weisen, Herr Nansen- aber erst, wenn Sie sich erholt haben, nicht wahr?" „Nein, nein, sobald als möglich," drängte Olaf. Eine krankhafte Unruhe, alles zu ordnen und zu erledigen, quälte ihn. Erst, nachdem dies geschehen, würde er Muße finden, an sich zu denken, sich zu erholen, zu gesunden. „Was für ein Landsmann ist der Mensch?" erkundigte er sich noch. Der Oberingenieur zuckte mit den Achseln. „Wo er herstammt, weiß ich nicht. Wir haben seinerzeit französisch zusammen gesprochen- mit Herrn C. sprach er deutsch; und des Englischen ist er ebenfalls mächtig. Fragen Sie ihn nur selbst- und dann, mein lieber Nansen, kurieren Sie sich gründlich aus, ehe Sie uns verlassen." Olaf war noch nicht lange im Hotel, als sich der Besprochene bet ihm melden ließ. Er möge hereinkommen. Ohne sich vom Divan, auf der er sich ausgestreckt hatte, zu erheben, prüfte Olaf nach kurzem Gruße den Eintretenden. Er glaubte sich in der wechselvollen und verantwortlichen Thätigkeit der letzten Jahre Menschenkenntnis genug erworben zu haben, um die passende Wahl zu treffen. Der Mann, der da vor ihm stand, lang, hager, mit scharfen Zügen, die ein hartes Schicksal mit ehernem Meißel in das nicht unschöne Gesicht eingegraben zu haben schien, würde ihm int zivilisierten Westen vermutlich nicht sonderlich einnehmend vorgekommen sein. Hier machte man andere Ansprüche. Der energische Mund, von einem schwarzen, leicht ergrauenden Bart, halb überdeckt, die düsteren, tiefliegenden Augen, das feste, kurz angebundene Benehmen des Fremden mißfielen Olaf nicht. Er erkundigte sich nach dessen Sprachkenntnissen und übrigen Fähigkeiten, und ob er überhaupt Lust habe, die Stellung bei ihm anzunehmen. „Das kommt auf Ihre Bedingungen an/ meinte der Mann, nachdem die gewünschte Auskunft zu Olafs Zufriedenheit ausgefallen war. Die Stimme klang im Gegensatz zu der ganzen Erscheinung angenehm, fast weich. 462 — „Ich tausche natürlich meinen Posten in dem gesund gelegenen, belebten Esktschehr nicht für einen solchen in einer einsamen Fiebergegend ein, wenn ich dort nicht sehr viel mehr verdiene. Ich will vorwärts kommen. Das ist die Hauptsache." „Dazu werden Sie bei uns Gelegenheit finden," anr- wortete Olaf, „wenn Sie nämlich verstehen, tüchtig zuzugreifen und Kopf und Ellenbogen zu gebrauchen. Sie sehen aus, als ob Sie daran gewöhnt wären." Der Mann nickte. „Ich hoffe, meine Schuldigkeit zu thun." Olaf entwarf ihm nun in kurzen Strichen ein Bild deffen, was man von ihm erwarte, und nannte zugleich seine Bedingungen, die ihm selbst sehr günstig erschienen. „Nun?" fragte er nach einer Weile, da der Fremde zögerte einzuschlagen. „Ihr Gehalt beträgt für den Anfang genau das Doppelte deffen, was Sie jetzt einnehmen,- und wenn Sie sich gut einrichten, bin ich in der Lage, Sie später bedeutend besser zu stellen. Was gefällt Ihnen an meinem Vorschläge nicht?" „Ich bin mit allem einverstanden, sehr einverstanden. Nur — schenken Sie mir eine Stunde Bedenkzeit. Ich habe nicht allein über meine Zukunft zu entscheiden." „Sind Sie verheiratet?" fragte Olaf betroffen. Der andere schüttelte mit dem Kopfe. „Nein. Also in einer Stunde." Während er sich langsam entfernte, überlegte Olaf, daß es sich hier wahrscheinlich um eines jener Verhältnisse handle, wie sie hier nicht selten sind. Er erhob sich, so schnell es seine Mattigkeit erlaubte und rief den Manu, nach deffen Namen zu fragen er, wie ihm jetzt erst einfiel, vergessen hatte, noch einmal an. „Sie! Sie! Wenn sie kochen kann, so bringen Sie sie nur mit. Unsere Köchin ist uns kürzlich durchgegangen - und ein Ersatz wäre sehr willkommen." Ohne sich umzusehen, murmelte der Angeredete etwas, das eine Antwort bedeuten mochte; Olaf verstand nicht, ob sie zustimmend oder ablehnend lautete. Das wird sich finden, dachte er, und wollte sein Ruhebett wieder aufsuchen. Allein, ehe er es erreicht hatte, fühlte er plötzlich den Boden unter sich wanken, alle Gegenstände im Zimmer begannen sich im Kreise zu drehen- haltlos schwankte er hin und her. Dann legte sich ein Nebel vor seine Augen, bewußtlos sank er zusammen. XXXI. Als Olaf wieder erwachte, fühlte er sich zwar sehr matt, aber behaglich, wie seit langem nicht mehr. Er öffnete die schlummerschweren Augenlider und schaute sich befremdet um. Wo war er denn eigentlich? Das war doch nicht sein Zimmerchen in dem Holzhause am Pursak, wo auf gehobelten Brettern an den Wänden Bücher und Pläne aufgeschichtet lagen? Er rieb sich die Augen und versuchte die trägen Gedanken zu schnellerem Fluge anzuspornen. Nein, natürlich konnte das nicht sein Zimmer sein. Er war ja nach Eskischeher gefahren und dort im Hotel abgestiegen und auf dem Divan — —. Der Divan stand aber auch nicht da- die Matten, die den Boden deckten, waren andere, die Stühle waren andere- je mehr er seine Umgebung betrachtete, um so klarer wurde es ihm, daß er sich an einem Orte befinde, den er noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Vielleicht im Krankenhause. Es gab ja wohl ein Krankenhaus in Eskischehr? Bald jedoch verwarf er auch diese Annahme. Das Zimmer, sehr einfach, klein, sauber und freundlich, hatte etwas Persönliches an sich- gegenüber an der Wand stand eine Kommode, die zugleich als Schreibtisch benutzt zu werden schien- auf dem Tische in der Mitte der Raumes lag eine gestickte Decke, eine ganz eigentümliche Decke, nicht reich und farbenprächtig, wie man sie im Orient allerorten zu kaufen bekommt- nein, verblichen und geschmacklos- aber es war eine anheimelnde Häuslichkeit- etwas, das ihn un- « willkürlich an die Kinderzeit, an das Paterland erinnerte. Wie mochte die Decke nur hierher gekommen sein? uud vor allem, wie war er hierher gekommen? Diese beiden Fragen begannen sich allmählich in seinem Hirne zu vermischen. Er schloß die Augen wieder, das Denken griff ihn an. Allmählich schlief er wieder ein. Ein Halbschlummer, in dem sich in schneller Reihenfolge die Träume wiederholten, die er vordem, während jenes langen festen Schlafes, aus dem er soeben erwacht war, geträumt hatte. Oder waren es That- sachen, die ihm nur zur Hälfte zum Bewußtsein gekommen waren? Er hatte eine dunkle Vorstellung von vielen Menschen, die ihn umstanden, sich über ihn beugten, die ihn hoben und trugen- Unbekannte meist, nur sein Vorgesetzter war darunter und der lange, hagere Mann, mit dem er vordem eine Unterredung gehabt hatte. Das Bild jenes Mannes war noch öfter vor ihm aufgetaucht. Dann war ihm die Empfindung der Gegenwart immer mehr verloren gegangen, und die Vergangenheit ward lebendig - längst nicht mehr gesehene Gestalten schwebten an ihm vorüber - besonders eine, die ihm ehemals lieb und wert gewesen war. Wie solche schlummernden Erinnerungen im Fiebertraum erwachen! Ein leises Geräusch wurde hörbar, wie von einer behutsam geöffneten Thür. Er blinzelte ein wenig mit den Augen. Sonderbar! Da war dieselbe Erscheinung wieder. Er riß die Augen weit auf, alles war verschwunden. Nein, nicht alles. Eine andere Gestalt war im Thürrahmen- ein Mann, dem jemals begegnet zu sein, er sich nicht entsinnen konnte, und dessen Gesicht ihm gleichwohl nicht völlig fremd vorkam. „Ah, sind Sie endlich erwacht, Herr Nansen? Wie fühlen Sie sich? Besfer?" Er setzte sich an Olafs Bett und griff nach deffen Puls. Gewiß der Arzt. Olaf hatte ihn das gestern gefragt, aber das Reden machte ihm Mühe. „Wo bin ich?" fragte er endlich halblaut mit unsicherer Stimme. „Wir haben Sie in Pflege gegeben. Sie find sehr krank gewesen. Aber nun ist es überstanden." Dann flößte er ihm Arznei ein, und gleich darauf kam der hagere Mann mit den düsteren Augen und brachte ihm eine kräftige Brühe, die er mit Heißhunger herunterschluckte. „Herr Leonidas ist ein guter Krankenpfleger," meinte der Arzt. „Ich wünschte, wüßte ich alle meine Patienten so wohl versorgt." Olaf antwortete nicht. Die wenigen Worte, die er gesprochen, das Trinken der Brühe, die Gegenwart der beiden Männer, all'das hatte ihn dermaßen angestrengt, daß er sofort wieder in Schlaf verfiel. Es dauerte auch noch geraue Zeit, ehe er imstande war, sich in dem Geschehenen zurecht zu finden. Der Arzt, den er zu sich gebeten, hatte ihn, von einer tiefen Ohnmacht befallen, am Boden liegend aufgefunden- er hatte den Oberingenieur davon in Kenntnis gesetzt- und während die Leute noch berieten, was nun mit dem Kranken geschehen solle, war Leonidas gekommen, um zu sagen, daß er die ihm angebotene Stelle antreten werde. Er erbot sich, den Kranken zu sich zu nehmen- er habe eine gesund gelegene Wohnung, die auch geräumig genug sei - und an Pflege und Abwartung solle es nicht fehlen. „Wie sind Sie nur darauf gekommen, einem Fremden ein solches Opfer zu bringen?" fragte Olaf, nachdem er sich mehr erholt hatte und ab und zu ein Biertelstündchen mit seinem Verpfleger verplaudern konnte. „Sie sind mir kein Fremder," an wortete dieser, ohne aufzusehen. Olaf maß ihn mit einem erstaunten Blick. „Wie soll ich das verstehen?" „Ganz einfach," erwiderte der andere. „Ihr Name ist hierzulande bekannt und geschätzt. Ich Preise mich glücklich, zu Ihnen zu kommen. Ich betrachte mich gewissermaßen schon als zu Ihnen gehörig- und wer hier zusammengehört, der verpflichtet sich einander auf gute und böse Tage, nicht wahr? Wenn ich im Dienste erkrankt wäre, so würden Sie sich meiner angenommen haben. Nun war mir das Glück so günstig, daß ich Ihnen den ersten Dienst leisten durfte, und unter günstigeren Umständen, als da draußen. Ich wohne sehr hübsch, finden Sie nicht? Das Haus liegt im neuen Teil von Eskischehr- im europäischen Mertel, das sich erst seit dem Bahnbau entwickelt hat." „Sehr hübsch," antwortete Olaf zerstreut und fuhr fort, mit einer gewissen teilnehmenden. Neugier seinen Wirt, der sich zum erftenmale in eine längere Unierhaltung mit ihm eingelassen hatte, zu betrachten. „Es ist merkwürdig," meinte er, „Ihre Stimme, Ihre ganze Redeweise erinnert mich an jemand, und soviel ich darüber nachdenke, ich weiß nicht an wen." „Vielleicht sind Sie früher mit Landsleuten von mir zusammengetroffen." „Möglich. Sind Sie schon lange aus Ihrer Heimat fort?" „Mehr als sechs Jahre." Olaf fragte nicht weiter. Er wußte zur Genüge, daß die Leute, die man hier vaterlandslos, namenlos, nach Arbeit suchend, um ihre Existenz kämpfend, antraf, gewöhnlich nicht freiwillig aus der Heimat geschieden waren, daß sie an die Vergangenheit nicht gemahnt sein wollten, daß man sie nehmen mußte, wie sie heute waren, ohne dem Gestern nachzuforschen. Nach und nach, wie es der Zufall gerade mit sich brachte, hörte Olaf dann doch Verschiedenes aus dem Vorleben seines Wirtes, jedoch immer nur aus den letzten sechs Jahren. Leonidas, — er machte kein Hehl daraus, daß dies nur ein angenommener Name sei, — war mittellos in die Türket gekommen- er hatte sich dort durchgeschlagen mit seiner Hände Arbeit, wie ein Taglöhner, „hart genug, wenn man nicht daran gewöhnt ist," schaltete er ein. Was war er nicht alles gewesen! Eseltreiber, Schreiber, Wasserverkäufer, Krankenwärter, Kellner, Fremdenführer,- später, als er sich die einheimischen Sprachen einigermaßen zu eigen gemacht hatte, auch Dolmetsch. Immer waren es vorübergehende Anstellungen, auf Wochen, manchmal nur auf Tage. Häufig brach er, den körperlichen Anstrengungen nicht gewachsen, nach kurzer Frist zusammen. Wenn es sich günstig traf, wurde er ins Hospital geschafft- wenn nicht, — nun, dann blieb es dem Zufall überlassen, ob er wieder auf die Beine kam oder nicht. „Dabei altert man rasch, immer zwischen Krankheit, Sorge, Not und Ueberanstrengung. Für wie alt halten Sie mich?" „Vierzig," rief Olaf und glaubte, niedrig gegriffen zu haben. „Neunundzwanzig," sagte der andere. „Den Rest haben mir schließlich die Meerschaumgruben gegeben. Ich hörte, daß in den Minen arbeiten dürfe, wer wolle, gegen einmalige Entrichtung einer kleinen Steuer an die Regierung. Ich hatte mir das Geld zusammen gespart und wollte nun mein Glück machen, wie die Goldgräber in Kalifornien. Ich kroch also in die Minen unter beständiger Lebensgefahr. Man geht dahin auf eigene Rechnung, aber auch auf eigene Verantwortung. Für die persönliche Sicherheit ist nichts, gar nichts gethan. Nun, das Leben hat mich der Versuch nicht gekostet- allein meine Kräfte und meine Widerstandsfähigkeit hatte ich gewaltig überschätzt. Ich wandte mich zunächst um Arbeit an den Herrn Oberingenieur - der mochte mir Wohl nicht recht trauen- — ich nehme ihm das auch nicht übel. Schließlich brachten mir die Kennt« sie, die ich mir in den Gruben erworben, doch Nutzen. Herr C„ der den ganzen Meerschaumhandel in den Händen hat, stellte mich an. So kam ich zum erftenmale wieder in geordnete Verhältnisse, hatte eine bescheidene, aber sichere Existenz." „Armer Mann!" flüsterte Olaf bewegt. „O, mir geht es ganz gut!" entgegnete Leonidas in verändertem Tone. „Sehr gut! Ich hätte auch kam eine Veränderung erstrebt, wenn nicht gerade Sie gekommeü wären." „So angenehm, wie hier, werden Sie es bei uns nicht finden," meinte Olaf. „Ich wundere mich fast, daß Sie sich zu dem Tausche entschlossen haben." „Das Geschäft in Meerschaum geht jetzt nicht gut- und Ihr Name zog mich, Herr Nansen, Ihr Name!" (Schluß folgt.) Kefrmdheitspflege. Die Zähne vei Rauchern. In einer im „Weekly Dentist" erschienenen Abhandlung über den Einfluß des Tabakrauchens auf die Zähne wird hervorgehoben, daß erfahrungsgemäß die Zähne bei Rauchern sich länger unbeschädigt zeigen als bei Nichtrauchern. Ferner wurde durch bakteriologische Untersuchungen festgestellt, daß die Spaltpilze der Mundhöhle durch den Tabakrauch unschädlich gemacht werden. Auch die Entwicklung der Bazillen der Cholera, des Milzbrandes und der Lungenentzündung wird durch den Tabakrauch verhindert oder wesentlich gehemmt. Mit Mäßigkeit geübt kommt also dem Rauchen eine große hygienische Bedeutung zu. Gesimdheitsgefährttches Eis. Turch Untersuchungen im kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin ist festgestellt worden, daß das in Berlin zu wirtschaftlichen Zwecken in den Handel kommende Eis selbst bei gutem Aussehen in ihrer Entwicklungsfähigkeit nicht veränderte gesundheitsgefährliche Kleinlebewesen enthält. Es ist dadurch wahrscheinlich geworden, daß die häufiger beobachteten Krankheiten nach dem Genuß von Getränken, welche durch Hineinwerfen von Eisstückchen gekühlt wurden, weniger durch die Kälte der Getränke, als durch die im Eise vorhandenen Krankheitserreger verursacht sind. Dieselben Nachteile können durch feste Nahrungsmittel, z. B. Butter, welche durch Liegen auf solchem Eise gekühlt worden, entstehen. Diese Beschaffenheit des Eises wird, wenn man darauf untersucht, auch anderwärts ermittelt werden können, und man kann daher die Warnung des Berliner Polizeipräsidenten vor dem Genuß von Getränken und anderen Nahrungsmitteln, welche in der vorerwähnten Weise mit Eis gekühlt worden sind und deshalb gesundheitsgesährlich sein können, nur zur Beherzigung empfehlen. Vermischtes. Chemische Zusammensetzung nnv Nährwert der verschiedenen Käsetorten. Obgleich zugunsten des Nährwertes der Käse schon vieles von wissenschaftlicher Seite geschrieben wurde, so ist die chemische Zusammensetzung, auf die es hauptsächlich dabei ankommt, durchaus nicht so einfach festzustellen. Einen beachtenswerten Versuch nach dieser Richtung hat Balland neulich der Pariser Akademie der Wissenschaften vorgelegt. Danach bestehen die gewöhnlichen Kuh käse bis zu vier Fünftel aus Wasser, in den übrigen Teilen sind die stickstoffhaltigen Substanzen etwas reichlicher v:r- treten als die Fettstoffe- Umgekehrt enthalten die sogenannten Sahnenkäse, z. B. der Neuschateler, mehr Fett als Stickstoff, und das Wasser ist nur zu 50 bis 60 Prozent vertreten. Beide Käsearten geben bei der Verbrennung nur eine geringe Menge von Asche. Die schwachgesalzenen Käse sind etwas fester, besitzen weniger Fett und hinterlassen bei der Verbrennung etwas mehr Asche. Die weichen gesalzenen Käse haben 30 bis 50 Prozent Wasser und 4 bis 5 Prozent Aschengehalt. Die Fett- und Stickstoffbestandteile sind bei diesen Sorten wechselnd vertreten: beim Burgunderkäse, Münsterkäse, Fromage de Brie und ähnlichen sind die Fette überwiegend, beim Savoyerkäse die Stickstoffsubftanzen, beim Camembert halten sich beide die W-ge. Die Käse, die aus 464 — denn die schon früher Mod. 160. Mod. 159. -^rzeiyung - etwas beschränkten Geist ebenso ändern konnte, rote denSchmtt unserer Kleidung, so würde man nicht nur weit mCr*x^°betnjv Figuren sehen, sondern auch der Hygiene einen unschätzbaren Dienst erweisen. Man fragt sich nun wohl,0 woher es ihrer Herkunft. Der Nährwert des Käses kann nicht besser veranschaulicht werden, als durch den Vergleich, daß 100 Gramm bon mittterer Beschaffenheit ebensoviel Fett- und Stickstoffteile enthalten, als 1 Liter Milch, also mehr Nährstoffe, als in 250 Gramm frischen Fleisches enthalten sind, wenn letzteres einen vollen Wassergehalt von etwa 75 Prozent besitzt. 0 Mod. 157. dem fortwährenden Druck einem festen Teige bestehen, also der Chester-, Schweizer-, Hollander-Kase, Roquefort usw. haben eine gleichmäßigere Zusammensetzung - Wasser ist in ihnen nie mehr als 30 Prozent enthalten, Stickstoffe und Fette etwa in gleicher Menge, Salz in ziemlich bedeutendem Gewicht bis zu 4 bis 5 Prozent ändert sich die Zusammenstellung etwas mit ^dem Alter der Käse und auch mit den örtlichen Verschiedenheiten Modenöericht. Bearbeitet und mit Abbildungen »-riebet, »„, der J»i«rnat>°na,et> LchnMmanusaklur, Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä 50 Pfg. daselbst erhältlich Rebaltion: «. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UnrocrfMt«.8udj, kommen mag, daß die Figur eine solche Bedeutung erlangt hat, daß man chr solche Aufmerksamkeit widmet Nun, die Figur an ft» Bat ia ftett im Modeleben eine große Rolle gespielt/' aber der jetzigen Mode st sie von ganz besonderer Wichtigkeit, denn die schon früher einmal sehr beliebt gewesenen, glatt anliegen- ' 9 dm Formen kommen immer mehr in Aufnahme und zwar in allen möglichen Variationen. In erster Linie sind es die glatten Taillen, welche wieder von der Mode bevorzugt werden und zwar nicht allein die alles überdauernden, streng einfach gehaltenen Schneidertaillen, sondern die glatten Kleidertaillen überhaupt. Man giebt ihnen die verschiedensten Ausstattungen, unter denen der seitliche Schluß eine sehr bedeutende Rolle spielt. Bald läuft er einfach von der Achsel bis znm Taillenschluß und ist dabei lediglich durch Knöpfe, Borten oder Vorstoß markiert; oder er tritt in Form einer übertretenden Spitze auf; auch beginnt er manchmal erst von einer Passe an, welche, aus abstechendem Stoff gefertigt, im Ganzen bleibt. Oft markiert er sich auch in Form von Bogen, Zacken und bergt., oder wird durch Posamenten oder Stoffriegel hervorgehoben. Einsätze jeder Form treten gleichfalls wieder in den Vordergrund, jedoch seltener mit dem bekannten, glatten Abschluß, sondern vielmehr meist irgend welcher Riegelverzierung, mit Bortenabschluß oder mit Bogenverzierung. Schräg über die Taille laufende Garnituren werden gleichfalls häufig angewendet, und zwar sind für diesen Zweck die modernen wellenförmigen Besätze sehr angebracht. Besonders bemerkenswert an den modernen glatten Taillen ist das Arrangement um den Hals und den Schoßrand. Das Stehbündchen ist meist von einem abstechenden Garmturstoff, und von gleichem Material fft dann auch der Heine Einsatzteil, welcher nie fehlt ®L gewissermaßen noch ein Ueberbleibsel der im etzten Wm er so außerordentlich beliebt gewesenen Blusenformen mit abstechendem Einsatz. Das Schößchen s eht man am häufigsten mit Bogenabschluß in allen möglichen Variationen und zwar tritt dabei die Neigung, es vorn lang, hinten kurz zu halten, immer deutlicher zu Tage Ausn.°^n h-ervon bilden die Frackschößchen, welche bei gewissen Taillenformen immer wieder gern anqewendet werden. Schließlich sei beiden glattanliegenden Kleiderformen auch des Prinzeßkleides gedacht, welches unstreitia von der Mode mehr und mehr bevorzugt wird, seiner schwierigen Herstellung und in vielen Fällen fraglichen Kleidsamkeit wegen aber in Wirklichkeit noch nicht allzuviel getragen wird. Die Hauptsache ist dabei eben eme wenig komplizierte, leicht ausführbare Machart und em gut ausprobierter Schnitt. Beides bietet unser nebenstehendes Mod. 159 - ein Prinzeßtunikakleid aus modefarbenem Wollstoff. Die von oben bis unten durchgehenden Nähte sind zugleich zur Anbringung der Garnitur benutzt, indem sie mit Tressen von karrierter Seide gedeckt find, welche von Stoffröllchen begrenzt werden. Das Stehbündchen hängt mit einem breiten Spitzenkragen zusammen. Der vorangegangenen Be- schreibung der glatten Taillen entsprechen die beiden Mo- delle 157 und 160 und zwar zeigt das erstere seitlichen Knopfschluß und Frackschößchen, während das letztere ri,, . . Bogenabschluß an sämtlichen Außenrändern, einschließ- lich des Schößchens, aufweist. Das Herstellungsmaterial beider Kleider Wollstoff, und sind beide schon mehr für die kühlere Jahreszeit bestimmt, denn auch die Sametgarnitur des Modells 160 entsvrtcbt roentget dem sommerlichen Charakter. " • a ^teMten weg?" so lautet die immer roieber- Blati °uws Spottgedichtes, welches ein vielgelesenes Witz- Natt Mir Geißelung der neuesten Mode brachte. Dieses aktuelle Interesse mit dem die Oeffentlichkeit sich bereits mit den neuen Formen ber Santen' kleidung beschäftigt, liefert ben Beweis, daß bte neue Mobe bet absoluten Schlankheit schon allenthalben aeeeptiert worben ist. Die Satire hat sich ihypr bereits bemächtigt' um sie zu geißeln, wie sie seiner Zeit bte weiten Aermel, bte Tournüre und andere übertriebene neue Moden gegeißelt hat. In gewissem Sinne hat sie auch nicht Unrecht; denn bte Sucht, unter allen Umstänben modern, in biesem Falle also schlank aussehen zu wollen, verleitet wohl manche Dame zu Thorheiten, inbem sie burch mancherlei Kuren die jetzt „unmodern" gewordenen Hüften wegzubringen sucht. Durch Schnüren wenigstens ist hierbei nur schwer etwas zu erreichen, und das ist wieder das Gute der fetzigen Moderichtung. Wenn man bedenkt, um wie vieles unvernünftiger die Mode der lediglich durch Schnüren erreichbaren engen Taille war, so kann man sich im Grunde genommen nur über die Mode der jetzigen Schlankheit freuen, denn nur die natürliche Schlankheit und Biegsamkeit ist modern. Früher galt es als schön, wenn die Taille im Verhältnis zu Büste und Hüften möglichst emschmtt, sodaß diese unverhältnismäßig hervortraten. Es schnürte das Korsett den Magen unbarmherzig zusammen und die Folge davon war, daß die jungen Mädchen, , nachgebend, eine nach vorn geneigte Laltuna annahmen. Der Rucken wurde krumm, die Brust fiel ein und der Leib trat hervor, sodaß eine Silhouette entstand, welche das genaue Gegenteil der letzt als ideal befundenen Modefigur bildete 0 Gegenwärtig verlangt die Mode in erster Linie eine gerade Haltung, sodaß die Linie Über dem Magen ganz gerade und keinesfalls nach innen gebogen fein darf w°s schon an sich in gesundheitlicher Beziehung einen «nh1« Ä' Arust muß frei und breit sein und die Schultern sollen zurückgedrückt werden, sodaß der «ucken trotz breiter Schultern möglichst schmal wird. Im großen und ganzen erinnert demnach die jetzige Modefigur stark an die Gestalten unserer Soldaten und das ist doch gewiß kein Fehler. Wie erzielt man 'M" °m sichersten eine derartige Figur? Schnüren ist ausgeschloffen, aber em gutes Korsett Bedingung, und muß dasselbe besonders über dem Magen die oben beschriebene grabe Form haben. Nach unten zu kann eä sur starke Personen eher lang fein, ba es bann bie fjigur bem Mobe-Jbeal am ehesten nahe Bringt. Oben muß es leboch stets kurz fein, um ben Oberkörper möglichst wenig zu Beengen. Das Beste Mittel bie moderne Schlankheit unb Biegsamkeit zu erhalten,' sinb l-doch weder Kuren noch Korsett, sondern der Sport «'feder Forrn^ die Bewegung im Freien, die Bewegung uBerhaupt. Die meisten Frauen führen, was körper- ,che Bewegung anbetrifft, ein noch immer viel zu träges SeBen, wodurch sie in einem gewissen Alter anfangen stark zu werden. Bei lebhaften Bewegungen und ungewohnten Anstrengungen fürchtet man fich, echauffiert auszusehen, die Toilette zu berangieren unb was ber kleinlichen Bedenken mehr sind. Wenn man diesen - mit Verzeihung - etwas beschränkten Geist konnte, mtp hpn ' r. ..... L o