(Nachdruck »erboten.] Die Sünden der Väter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) Dort neben Bergmann hatte Olaf sonst gesessen, vielleicht auch mit so erhitztem Gesicht wie Müller, mit so stechenden Augen wie Bergmann. Ein sonderbares Vergnügen! Sie sprachen fast nicht mehr, nur das, was zum Spiele gehörte, und lachten nicht einmal mehr über das stereotype „Woso" des dicken Schaufler. Wie anders sich eine Szene ausnimmt, wenn man Mitspieler, wie anders, wenn man Zuschauer ist! Olaf wandte sich ab, um mit Milow zu sprechen. Der unterhielt sich unterdes mit der Kellnerin und flüsterte ihr Zoten ins Ohr. So setzte er sich an das Ende des Tisches und starrte in sein Glas Bier. Er wollte trinken, aber ein Gefühl physischen Ekels schnürte ihm die Kehle zu. Ohne den anderen Lebewohl zu sagen, legte er den Betrag der Zeche neben sein Glas, nahm den Hut und ging. Wohin? Die Straßen waren menschenleer. Mitternacht war längst vorüber. Eine kühle, frische Luft strich ihm ins Gesicht, wie aus tiefem Schlafe erwachend, fuhr er sich über die Augen. Kam ihm doch alles, was er in den letzten Stunden erlebt hatte, wie ein Traum vor, so fern, so unwirklich, daß er sich nicht einmal das bittere, schmerzliche Gefühl voll vergegenwärtigen konnte, das die Nachricht von dem Zusammenbruch seiner ganzen Existenz in ihm wachgerufen hatte. Und dann gleichfalls, wie das Gaukelspiel eines Traumes, das Bild seines bisherigen Lebens. Die Freunde alle so schal, so hohl, so kernfaul im innersten Marke. Und Müller, am Vorabend einer Katastrophe, vielleicht den geladenen Revolver in der Tasche, noch einmal alle Genüsse im Fluge durchkostend — War das nicht auch seine Absicht gewesen? Und wie widerlich war ihm das Spiegelbild seiner selbst erschienen. 1899. Rr. 100 WM tu I> oMW D WM blicke, wenn den Sinn dir will die Welt verwirren, Zum ew'gen Himmel auf, wo nie die Sterne irren. Am Himmel weichen Sonn' und Mond sich freundlich aus; Selbst ihnen wäre sonst zu eng ihr weites Haus. Rückert. Im Planlosen Hin- und Herlaufen war er an die Promenade gekommen, die im Osten wie ein großer Garten die Stadt begrenzt. Am Horizont zeigte sich schon ein schmaler, gelber Streifen. Ein paar Vögelchen, zeitiger als die andern aus der Ruhe erwacht, begannen ein rücksichtsloses Geschwätz. Bald weckten sie andere- immer lauter wurde die Unterhaltung der hellen, piepsenden Stimmchen, und immer breiter wurde der gelbe Streif im Osten. Olaf fröstelte. Er erhob sich von der Bank, auf ver er gesessen hatte und lief eilenden Schrittes heim. Dort warf er die taufeuchten Kleider ab, legte sich ins Bett und schlief so fest, daß er erst am Mittag erwachte. Gegen mittag kam Milow zu ihm. „Wissen Sie schon?" „Was?" „Müller hat sich erschossen. Total ruiniert. Ich sagte es Ihnen doch schon gestern. Wollte sich noch einmal im Jeu auf die Beine helfen. Gewann erst rasend, setzte immer verrückter, verlor alles und dann — rien ne va plus." — Olaf war nicht überrascht. Er hatte das schon deutlich vorausgesehen. „Natürlich," murmelte er, „natürlich." Es ging ihm nicht einmal sehr nahe- er konnte gar kein Mitleid mit dem Menschen haben. Nur über eines war er froh: In der Gesellschaft hätte er nicht aus dem Leben scheiden mögen. IX. „Familienpension Andree. Geräumige, sonnige Wohnung in einer ruhigen Straße nahe dem Stadtzentrum. Möblierte Zimmer oder vollständige Pension in feiner Familie. Kräftige Kost, freundliche Bedienung. Man spricht englisch und französisch." Fünf Jahre sind vergangen, seitdem diese Anzeige zuerst in den Blättern der Residenz auftauchte. Jetzt bedarf die Pension keiner Anpreisung mehr. Sie hat sich allmählich eine geachtete Stellung zu erringen gewußt und ist meist so besetzt, wie es ihre Inhaberin nur wünschen kann. Vorüber sind die Zeiten, wo Frau Dorothea sich täglich vom Lager erhob mit der bangen Frage: Wird unser Unternehmen gelingen? und wo sie sich nach einem in angstvollem Harren verbrachten Tage mit derselben quälenden Frage zur Ruhe legte. Die Pensionäre stellten sich anfangs nur spärlich ein, und mit schmerzlicher Bitterkeit bemerkte sie, daß niemand aus dem großen Bekanntenkreise ihres verstorbenen Mannes die Hand für sie rührte. Man war vor- 398 sichtig- man mußte doch erst sehen, wie die Witwe sich in den veränderten Verhältnissen zurechtfand. — Der erste Lichtblick, der in das trostlose Dunkel fiel, war Hilfe von einer Seite, von der Frau Andree sie nie erwartet hätte. Der Onkel, der von ihrer mißlichen Lage gehört hatte, schrieb ihr einen sehr herzlichen Brief. Er entschuldigte sich zunächst, daß er seines Alters wegen nicht habe zum Be- gräbniffe seines Neffen kommen können- er nehme aber aufrichtig teil an Dorotheas Schmerz und ihrem Unglücke- und wenn sie irgend welcher Unterstützung bedürfe, möge sie sich an ihn wenden. Ob es ihr recht sei, wenn er für das Fortkommen seines Patenkindes, ihres Sohnes Leonhard sorge. Er habe vernommen, daß der Knabe, den er nur dem Bilde nach kenne, begabt und fleißig sei und gerne studieren möchte. Wenn sich alles so verhalte, wolle er ihm die Mittel dazu geben. Leonhard möge ihm seine Schulzeugnisse schicken oder, wenn es anginge, sie ihm in den nächsten Ferien persönlich überbringen, da er den Wunsch hege, den Knaben kennen zu lernen. Die Reisekosten werde er selstverständlich vergüten. Die Zusammenkunft erwies sich als überaus glückbringend. Leonhard mit seinem klaren Verstände, seinem offenen, lebhaften Wesen, machte einen so günstigen Eindruck auf den Onkel, daß dieser ihm sofort eine Summe aussetzte, die ihm ermöglichte, seine Gymnasialbildung zu vollenden und die Universität zu beziehen. „Große Sprünge kannst Du freilich damit nicht machen," bemerkte der Onkel dazu- „ist aber auch gar nicht nötig. Ich hab' mich seinerzeit sehr kärglich behelfen müssen und war doch ein ganz fideler Bursche. Also Glück auf!" So war Leonhard versorgt. Sein jüngerer Bruder war zu einem Kaufmann in Berlin in die Lehre gegeben worden- die Schwestern waren zu Hause. Lottchen ging noch zur Schule. Martha und Else halfen der Mutter in der Wirtschaft. Elschen war allerliebst geworden, ein zierliches Blondinchen mit Wangen wie Milch und Blut, dem niedlichsten kleinen Stumpfnäschen und vollendeter Grazie in allen Bewegungen. Sie war von der Familienkatastrophe am wenigsten ergriffen worden und vertrauerte ihr Leben nicht. Sie amüsierte sich mit den Pensionären, wenn diese ihr gefielen, und besaß ein merkwürdiges Talent, mit Leuten bekannt zu werden, die Bälle gaben und geneigt waren, sie dazu einzuladen. „Die dritte Einladung für nächste Woche!" rief sie eines Tages triumphierend ihrem Bruder zu. Dieser war nach Hause gekommen, um Weihnachten mit den Seinen zu verleben, „die letzten Ferien als Student!" wie er voll Stolz erklärte. „Gleich nach Weihnachten geht's ins Examen." „Ach Du armer Mensch!" klagte Else. „Sag' mal, Kleine,/ fuhr Leonhard, die Unterhaltung von sich ablenkend, fort, „Du hast wohl viele Verehrer?" „An allen fünf Fingern," antwortete sie schnell, denn das angeschlagene Thema war ihr besonders angenehm. „Meinen glühendsten Verehrer kennst Du übrigens. Das ist Max Hoffmann, der Rotbackige. Der ist jetzt Leutnant." Leonhard verneigte sich gravitätisch. „Ich gratuliere.^ Elschen machte eine wegwerfende Bewegung. „Keine Ursache, mein Junge. Er hat nichts, ich desgleichen. Nichts und nichts macht nichts — also." — „Aha! Mein Schwesterchen macht Ansprüche." „Ja, mein Lieber, auf eine Hütte und ein Herz fall' ich nicht rein." „Sehr praktisch gedacht," bemerkte Leonhard philosophisch. „Das wäre eher etwas für unsere liebe Schwester Martha." „Warum wird Martha nie mit eingeladen?" fragte Leonhard, ernster werdend. „Weil sie alle Einladungen abschlägt." Und dann den Ton der Schwester nachahmend. „Sie amüsiert sich nicht." „Das ist eigentlich merkwürdig," meinte Leonhard sinnend. „Weißt Du auch warum?" fragte Else plötzlich mit wichtiger Miene, indem sie ihre Stimme dämpfte. „Weil sie den Schweden nicht vergessen kann." Leonhard schüttelte ungläubig den Kopf. „Du kannst Dich darauf verlassen. Natürlich würde sie es nie zugeben. Und dumm genug ist's von ihr. Wie hat sich dieser Mensch benommen, nicht wahr? Was hat Papa alles für ihn gethan! Er gehörte ja beinahe zur Familie. Und nun, wie wir ins Unglück gekommen sind, macht er sich einfach aus dem Staube — abgedampft ohne Abschied. — Ich denke immer, es steckte etwas dahinter. Schulden oder Furcht vor dem Examen — gebummelt hat er ja auf eine kolossale Art und Weise. Aber Lebewohl hätte er uns totz alledem sagen müssen." — Sie hielt mitten im Satze inne, denn Martha war eben ins Zimmer getreten. „Ich störe wohl?" fragte diese, die Verlegenheitspause bemerkend, etwas spitz. „Nein, gar nicht," erwiderte Else. „Leonhard wollte wissen, warum Du weder Bälle noch Gesellschaften besuchtest. Nun kannst Du es ihm ja selbst sagen." ,,Weil ich zu alt bin." „Ja, recht hast Du!" spottete Leonhard gutmütig. „Zweiundzwanzig oder gar schon Dreiundzwanzig?" „Und mit ihrem Nonnenkleide und dem griesgrämigen Gesicht steht sie um zehn Jahre älter aus." „Macht Dreiunddreißig," fügte Martha hinzu- und damit war das Gespräch beendet. Am Wethnachtsmorgen gingen die Geschwister aus den Friedhof, um, wie sie es alle Jahre gethan hatten, das Grab des Vaters mit frischen Blumen zu schmücken. Dorothea, die sonst häufig an solchen Tagen, häuslicher Abhaltungen wegen, zurückgeblieben war, begleitete sie. Sie sprach ein stummes Gebet- dann mit liebevollem Blick ihre blühenden, wohlgeratenen Kinder umfangend, sagte sie mit weicher Stimme: „Wenn der Vater Euch so sehen könnte, wie glücklich würde er sein!" Innige Dankbarkeit erfüllte sie, daß nach so schweren Prüfungen sich alles so freundlich gestaltet hatte. Keine drückenden Nahrungssorgen mehr- die Kinder zu tüchtigen Menschen heranwachsend, mit Verehrung zu dem toten Vater emporblickend, dessen Andenken sie ihnen hatte ungetrübt erhalten können. Wenn je einmal etwas Ungünstiges an deren Ohr gedrungen war — und selten genug war jemand unzart genug gewesen, dergleichen vor den Kindern auszusprechen — so wiesen die Geschwister solche Anschuldigungen mit Empörung zurück. Mit der Zeit verstummten die Redereien ganz von selbst- und das traurige Geheimnis, das Dorothea entdeckt hatte, trug sie im eigenen Busen begraben für ewig. Am Nachmittag, wie Dorothea gerade mit den Vorbereitungen für die Bescherung beschäftigt war, ließ sich eine Dame namens Schmidt melden, sie wünschte Frau Andree in einer Privatangelegenheit zu sprechen. Diese war ärgerlich, daß das Mädchen die Besucherin überhaupt angenommen hatte - sie hatte alle Hände voll zu thun. Sie hörte auch nur mit halbem Ohre auf das, was die Fremde, eine anständig gekleidete Frau mit einem Schleier vor dem Gesicht, vortrug — früher bessere Tage gesehen — genötigt einen Erwerb zu suchen — schlechter Geschäftsgang, besonders im Winter. — ,>Aber, liebe Frau!" unterbrach Dorothea die Bittstellerin, „Sie sind bei mir wirklich an die falsche Adresse gekommen- ich habe seit dem Tode meines Mannes selbst Mühe genug, mit den Meinen durchzukommen. Es thut mir wirklich leid. —" Sie erhob sich. Die Frau folgte zögernd ihrem Beispiel, unschlüssig, ob fie ihrem Gesuche noch etwas hinzufügen solle oder nicht. Dorothea, die im Geiste mit der feinen Bettlerin, die ihr kein Mitleid einflößte, fertig war, achtete nicht darauf. 399 wie es t— —„ reinen Trinkwaffers und Kanalisation, d. i. Säuberung des Untergrundes von allen Schmutzstoffen, schreckliche Epidemien Als ein ferneres Mittel, um < , Leben zu erzielen, ist die Reinlichkeit genannt worden. Es die Muskulatur. Die Muskeln, d. i. dasjenige, was man „ES thut mir leid," wiederholte sie noch einmal zer- I zu beseitigen. Hier soll nur auf die Sauberkeit für die streut. „Wie sind Sie nur gerade auf mich gekommen?" I eigene Person und im Hause naher eingegangen werden. Die Frau zupfte nachdenklich an den Fransen ihres I Derselben kommt zunächst im höchsten Maße eine krankheits- Sammetmantels. „Ich habe den Herrn Rechtsanwalt ge- I verhütende Bedeutung zu, und zwar durch die Pflege der kannt, recht gut gekannt: — er — er war mein Rechts- I äußeren Haut und der von ihr aus zu erreichenden "meren fipiftrtnh in der irüberen outen Reit." I Organe. Die erstere ist ein ganz außerordentlich lebens- Das alles kam langsam und ruckweise hervor. I wichtiges Gebilde, sie spielt eine hervorragende Rolle: tn^der „Dann werden Sie auch wissen," antwortete Dorothea Wärmeregulierung des Körpers undist Sug bich ein Aus- ruhia, „daß mein Mann uns bei seinem Tode in recht un- I scheidungs- unb Sinnesorgan. Zu dem Behufe ist sie mit aünstiaen Verhältnissen zurückgelassen hat." I unzähligen nervösen Apparaten, in welche die feinsten Nerven- „Ah, wirklich? Das bedauere ich." Dabet ließ die fasern hineinmünden, sowie mit massenhaften Drusen der- Fremde ihren Blick mit schlecht verhehlter Neugier im I sehen- jene vermitteln das Tast- und Temperaturgefuhl, diese Rimmer umherschweifen. „Da ist sein Bild," sagte sie sondern Schweiß und Hauttalg ab. Die besten Bestandteile Ä d°- O-lg-mSld-. ,,S°H. des Teil .«« »«ff-. -» “ ®?"''S aut getroffen, sehr! So sah er immer aus, wenn er ver- I zersetzen sich unter dem Einfluß des Sauerstoffes der Luft anüat war " und bilden dabet allerlei übelriechende, die Haut reizende Diese Worte machten einen außerordentlich unangenehmen Stoffe, wie man das namentlich> beim'Schweißfuß beobachtet Eindruck auf Dorthea. Warum, hätte sie selbst nicht zu Der Hauttalg, der^in der Hauptsache Fett enthalt, dem sich sagen gewußt. Sie konnte das unbehagliche Gefühl den I noch abgestorbene Schüppchen der Oberhaut beigesellm, soll ganzen Nachmittag nicht los werden, und selbst abends, so die Haut geschmeidig erhalten- wie alle Fetteten wir oft ihr Blick auf das Bild fiel, sah sie vie Bittstellerin vor sich leicht ranzig, d. h. er verändert chemisch. Bleibt er nu und hörte die seltsam vertraulichen Worte und den vertrau- I auf der Haut haften, so mengen sich noch überdies Schmutz liehen Ton, in dem sie gesprochen worden waren. Offenbar I teilchen sowie massenhaft Bakterien bei, die Hautdrüsen werden war es der Ruiab wenn er vergnügt war", der sie so I verstopft, ihre Funktionen gehemmt, wenn nicht gar Ent- ^aentümlick berührt Chatte! zündungen aller Art auftreten. Es wird so ohne weiteres Entsinnen Sie sich einer Klientin meines Mannes, verständlich, daß die Haut das gomze Leben hindurch von allen XÄl*''M MB** "* ÄWtt'M’Ä?? i0 «X” 7.L" ’S «X ”"ab‘5abtn? *" * b,”n 3iäb"Ä X „Ich weiß es nicht. Sie ist in ihren Verhältnissen Gradmesser für die Zivilisation eines Volkes. Demgemäß nnh iefct in 920 " wird die Reinigung des Körpers durch Waschungen und Bader heruntergekommen unb Ntz i N . an J unb in Verbindung mit ihnen durch gewisse mechanische S Manipulationen, nämlich Abreibungen der Körperoberflache Dorothea beantwortete die Frage nicht. „Sie wissen vermittels der Hand oder Schwamm und Bürste und der- wnbl ietzt um wen es sich handelt?" fragte sie, glaubend, I gleichen, sowie mit dem Trockentuche vorgenommen. Faßte Es Ä T»fb“ «4K Ä LK m.n «« bl- Säubert,It In« A»«°, I. wär- nicht- »,-S«. cvj. nein! Ganz und gar nicht!" wehrte er eifrig I licher, als möglichst heißes Wasser, denn dieses beseitigt am ab "Aber einen guten Rat will ich Ihnen geben, Frau I besten jeden Schmutz. Nun hat aber die Hautpflege noch Andree. Lassen Sie sich auf derartige Anknüpfungsversuche I eine andere Seite, sie will nämlich, indem sie sich zum An- fei« « an ^durch^ WaMngen^ a er d un Gefühl der "So —" Er betrachtete das Bild - dann brach er in Erfrischung und des wohligen Behagens, sowie durch erhöhte ein lautes Gelächter aus: es klang etwas gezwungen und I Leistungsfähigkeit geltend macht. . , ., tSi* 4tW 55l,t' ...ÄSm. rUtt8 Nehmen Sie mir's nicht übel- aber ich dächte, wenn wir gewießen, ergänzt werden muß, bedarf keiner Erklärung, (Fortsetzung folgt.) I &erreren Stände des englischen Volkes maßgebend sein, zu — --------- I deren „Komfort" ein tägliches Bad unerläßlich ist. Außer- „ , , I spm mu6 der Reinigung der Mundhöhle und der Zahne Die Kunst lange zu leben. vollste Beachtung geschenkt werden, denn durch sie allein erhält Von Dr. med. Hermann Armin. man sich bis ins Greisenalter hinein ein tadelloses Geblß. ______ (Nachdruck verboten.) | Nicht minder wichtig ist die Beeinfluffung des Nerven- (Schlutz.) systems durch das kalte Wasser. Dadurch wird zugleich eine Gesundheit und langes I vernünftige Abhärtung erreicht, welche den Körper stahlt und I befähigt, den Unbilden der Witterung Widerstand zu leisten. Hand in Hand mit richiger Ernährung und Sauberkeit 400 im gewöhnlichen Leben Fleisch nennt, sind die Bewegungsorgane par excellence, alle willkürlichen Verrichtungen, die gröbsten wie die feinsten, verdanken denselben ihr Dasein, sie sind es also gewiß schon an und für sich wert, daß sie sorgfältig auf ihrem Bestände erhalten werden. Das geschieht durch Uebung, durch welche ein einzelner Muskel oder eine Muskelgruppe sich bis zu einem erstaunlichen Grade entwickelt, während Nichtgebrauch zur Entartung und Leistungsunfähigkeit führt. In einem Falle beobachtet man Massenzu- nahme, im anderen Abnahme: Der Arm eines Holzhackers z. B. zeigt einen, erheblich größeren Umfang als der eines Stubenhockers von gleicher Konstitution) wird ein Bein infolge Knochenbruches auf Wochen oder gar Monate zu unfreiwilliger Muße verurteilt, so ist es erheblich dünner geworden. Dahingegen leidet gleichfalls die Ernährung des Muskels, sobald man ihm zuviel zumutet, und es tritt schließlich ein Versagen seiner Funktion ein. Hiernach könnte es den Anschein gewinnen, als ob es nur darauf ankäme, daß jeder den Teilen seiner Muskulatur Aufmerksamkeit schenkte, welche er für seine Zwecke am meisten in Anspruch nimmt, wohingegen die Pflege des gesamten Muskel- shftems als unnütz sich erübrige. Das wäre jedoch eine gänzlich irrige Auffassung, weil eine vernünftig bemessene, allgemeine Muskelthätigkeit die wesentlichsten Körperfunktionen, die Atmung, den Blutkreislauf, die Hauptthätigkeit und die Verdauung aus's günstigste beeinflußt. Aber auch hier verkehrt sich die nützliche Wirkung mechanischer Arbeit alsbald in das Gegenteil, falls man des Guten zuviel thut. Bei übermäßigen Anstrengungen irgendwelcher Art, wozu der sogenannte Sport nur zu leicht verleitet, werden die allerschwersten Erscheinungen auftreten, alle die eben genannten Körperfunktionen arg geschädigt werden. Die Schlüffe aus diesen Erörterungen sind nicht schwer zu ziehen. Wir haben einfach dem Beispiel jenes erhabenen Griechenvolkes zu folgen, dessen gewaltige Leistungen auf geistigem Gebiete im schönsten Emklang standen mit der harmonischen Ausbildung des Körpers,- wie sie sollen wir uns der edlen Kunst der Gymnastik mit regstem Eifer hin- geben. Eine der schwersten Schäden der modernen Zeit besteht darin, daß man nur zu sehr geneigt ist, das Physische auf Kosten des Physischen zu vernachlässigen, man scheut kein Opfer für die geistige Ausbildung, aber man läßt die körperlichen Anlagen ruhig verkümmern und vergißt ganz, daß in einem schlaffen und welken Organismus auch die mühsam eingepflanzten Samenkörner geistigen Lebens verdorren müssen. Gewiß stellt das Leben von heule die allergrößten Ansprüche an die seelischen Kräfte, und dem kann und will man sich ja auch nicht entziehen, aber eben deshalb müssen alle Kopfarbeiter, so der Gelehrte, der Kaufmann, jede freie Stunde, jede freie Minute auf körperliche Uebungen verwenden, um dem drohenden Gespenst der Nervosität zu entgehen. Wie soll man die Gymnastik betreiben? Die Antwort lautet: „Es führen viele Wege nach Rom". Es wird eben so sehr von äußeren Verhältnissen als von der Körperbeschaffenheit abhängen, ob man sich damit begnügen will, sich tüchtig in Wald und Feld herumzutummeln, oder ob man eine bestimmte Uebung, Schwimmen, Rudern, Radfahren, Turnen, Reiten usw. vorzieht. Hier sollen die Vor- und Nachteile der einzelnen gegen einander nicht abgewogen werden, sondern es sei der Rat gegeben, zum mindesten eine derselben, diese aber mit vollster Energie, wie eine gebotene Pflichterfüllung, Tag für Tag zu treiben. Dabet verfalle man aber nie in den Fehler, daraus einen Sport zu machen, man schwimme, reite, rudere usw. der eigenen Person wegen, nicht etwa um des falschen Ehrgeizes willen, es besser zu machen als andere. Im Obigen ist der Weg gezeigt, auf dem man sich die Kunst erwirbt, es zu einem langen Leben zu bringen. Langes Leben wünscht man demjenigen, den man liebt und schätzt. Nun wohl! wer sich selber liebt und schätzt, wird vor der Mühe nicht zurückschrecken, sich in die Lehren der Hygiene zu vertiefen und ihnen nachzuhandeln, den Lohn dasür heimst er in eigener Person ein. (Semeirmii^ige^ Kesundheitspffege. Persönlicher Schutz gegen Influenza. Die Krankheitsursache der Influenza ist zwar noch nicht mit der wünschenswerten Klarheit bekannt, allein es steht doch fest, daß die Krankheit durch Bakterien hervorgerufen wird, daß dieselben durch die Atmossphäre verbreitet werden, und daß der Eintritt der Bakterien in den Körper durch die oberen Luftwege, die Nase und die Mandeln stattfindet. Will man deswegen der Influenza vorbeugen, so hat man vor allem dasür zu sorgen, daß die Schleimhaut des Nasenrachenraumes in gesundem Zustande sich befindet, weil ein gesundes Organ dem Eintritt der Krankheitserreger besser Widerstand zu leisten vermag, als ein solches, dessen Widerstandsfähigkeit durch irgend welche krankhaften Halsprozesse herabgesetzt ist. Letzteres ist am häufigsten der Fall, wenn die Nasenmuscheln geschwellt, dadurch die Nasengänge verlegt sind und die Nasenatmung behindert ist. Um diesen Uebelstand zu beseitigen und die Funktion der Nasenschleimhaut wieder herzustellcn, giebt es kein besseres Mittel, als die Einatmung von frisch entstehendem Salmiakgase. Dieses kann am einfachsten und angenehmsten mit Hilfe der von Dr. Breitung konstruierten „Influenza-Fläschchen" bewerkstelligt werden. Man macht die Einatmungen abends vor dem Niederlegen und gurgelt nachher sorgfältig mit Zitronenwasser. Mr die Küche. Risotto. Sechs Personen. In 50 Gramm gesalzenem, würfelig geschnittenem Speck und ebensoviel Butter röstet man eine ganz feingeschnittene Zwiebel minutenlang, schüttet 250 Gramm schönkörnigen Reis, der nicht gewaschen, jedoch •n einem reinen Tuche leicht abgerieben ist, dazu und läßt ihn mit allmählich und schöpflöffelweise zugesetzter Hühnerbrühe ausquellen. Die Körner dürfen nicht zerfallen. — Ist es so weit, so schwenkt man den Reis, ohne darin zu rühren, mit 100 Gramm geriebenem Parmesankäse und etwas Maggi gut durcheinander und giebt ihn mit dem gekochten Huhn zu Tisch. Salz und etwas Muskatnuß nach Geschmack. Paprika-Koteletten. Schöne Kalbsrippchen werden etwas geklopft, gesalzen und papriziert, dann in heißer Butter rasch auf beiden Seiten abgebraten und ausgelegt. Das zurückbleibende kocht man mit einigen Eßlöffeln saurem Rahm, etwas Zitronensaft und Paprika auf, fügt ein wenig Maggi hinzu und gießt die Sauce, die einen blaßrosa Schimmer haben soll, über die Koteletten. Beilage: Maccaroni, Reis oder Bratkartoffeln. Hrrnrsvistisches. Mißtrauisch. Jakob: „Dieser Anzug ist unter Brüdern zehn Thaler wert, so wahr ich hab' zehn Finger an den Händen!" — Veigelstein: „Zeig' her, ob Du hast zehn Finger an den Händen!" * • • Kindermund. Mutter: „Aber Kinder, macht doch nicht solchen Skandal! Unser Zimmerherr, der Engländer, kann ja nicht schlafen!" — Klein Trudchen: „Ach, Mama, der kann ja blos Engländisch, der versteht unfern Skandal gar nicht!" Äitbaltion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UmversitätS-Buch- und Steindruckcrci (Pietsch Erben) in Gießen.