^Botoär.-aMfg. H.'Nou..6ie.Ss.an IMV äl sSr Ul w gp,!»a MAS g b-i iliÜ mBLmm yil'UI ünsche, sie verklingen, Hoffnungen verweh'n, Eins vor allen Dingen, Wahrheit bleibt Lesteh'n. E. Rissel. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Zwanzigtes Kapitel. Ich avanciere. Der nächste Tag brachte mir einen Glückswechsel, der mir für eine ganze Zeit Deacon und seine Insel aus dem Sinn vertrieb. Wir waren auf Deck mit Scheuern beschäftigt. Ein Schiffsjunge pumpte, und Welchh wirbelte Kübel voll Wasser um unsere Füße. Wir hatten eine warme, frische Brise gerade von hinten, und die Brigg segelte ruhig auf der stillen See mit aller Leinwand, die sie zu tragen vermochte. Der alte Windwärts überwachte unsere Thätigkeit vom Oberlicht aus. Eben beugte er sich zu der Oeffnung nieder, um irgend etwas in der Kajüte Gesagtes zu beantworten. Darauf rief er mich zu sich. „Der Kapitän will dich in seiner Kajüte sprechen," sagte er. „Schlage deine Hosen herunter und ziehe dir Stiefel an. — Sei flink." Im geheimen etwas beunruhigt durch diesen unerwarteten Ruf und im Geiste mein Verhalten in letzter Zeit einer eiligen Prüfung unterziehend, um zu entdecken, was ich begangen haben könnte, um einen Rüffel zu verdienen, eilte ich ins Vorderkastell, machte mich sauber und ging nach hinten. Der alte Windwärts sah mich, wie mir schien, mit besonders bösem Blick an, seine Augen hatten ja ohnedies nicht die Eigenschaft, dem, den sie anschielten, Selbstvertrauen einzuflößen- mein Herz sank daher bedeutend/ als ich die Kajütentreppe hinabstieg, jedenfalls klopfte es stärker in mir, als mein Finger an die Thür des Schiffers klopfte. Auf sein „Herein" trat ich ein. Ich fand ihn am Tisch sitzend und schreibend,- er legte die Feder nieder, wandte sich rasch nach mir um und fragte barsch: „Können Sie als zweiter Maat dienen?" „Ich denke, das kann ich, Sir." „Ihr denken nützt mir nichts, ich will genau wiffen, ob Sie es können." „Ja, gewiß- ich besitze zwar kein Zeugnis darüber, aber den Dienst kann ich verrichten." „Warum sagen Sie das nicht gleich," schrie er mich verdrießlich an; „so ein um den Brei gehen ist 'mir verhaßt, wenn eine Frage nur mit einem einfachen „Ja" oder „Nein" zu beantworten ist. Banhard ist ein Dummkopf - Sie wissen das vermutlich." „Ich bin nicht in seiner Wache, habe also kein Urteil darüber," erwiderte ich. „Die Leute erlauben sich Freiheiten mit ihm, und der Mann, welcher Autorität besitzen soll, aber mit sich scherzen läßt, ist nicht nach meinem Geschmack. Der Einfaltspinsel soll mir keine Meuterei an Bord meines Schiffes großziehen, weil er nicht versteht, seine Fäuste zu gebrauchen. Können Sie astronomische Beobachtungen machen?" „Ja, Sir." „Haben Sie einen Sextanten?" „Ich bejahte auch diese Frage, da ich das Instrument wirklich zufällig bei mir hatte. Wäre ich so glücklich gewesen, eine Heimat zu besitzen, würde ich es jedenfalls dort zurückgelaffen haben." „Mit welchem Lohnsatz sind Sie geheuert?" fragte er, indem er seine Hand auf das Loggbuch legte. „Mit drei Pfund zehn Schilling monatlich." „Gut, Banhard erhält vier Pfund, und die sollen Sie auch bekommen. Ich erwarte, daß sie stets anständig aussehen werden, wenn Sie Ihren Dienst hier hinten thun, und verbitte mir alle ferneren Vertraulichkeiten und Späße, geschweige denn gar gegenseitiges Geschimpfe mit Ihren Maats - sollte ich Sie je dabei erwischen, werde ich kurzen Prozeß mit Ihnen machen." Sein Wesen war noch beleidigender als seine Worte. Ich biß mich auf die Lippen, um meine Aufwallung zu beherrschen, aber das Blut stieg mir denn doch zu Kopfe und ich blickte weg, damit er nicht die in mir kochende Wut und den Haß, der in mir aufstieg, in meinen Augen lesen sollte. Stolz ist eben an Bord eines Schiffes nicht angebracht, und Zorn nützt dem Menschen überhaupt nirgends etwas. Auf See muß man die Dinge nehmen, wie sie kommen. Ich wäre ein Narr gewesen, das sich mir bietende Glück zu verscherzen, indem ich dem Kapitän zeigte, welchen Eindruck auf mich 274 die widerwärtige, verletzende Art gemacht hatte, mit welcher er für gut befand, mir seinen Antrag zu stellen. Nachdem er eine Bemerkung in das Loggbuch gekritzelt hatte, befahl er mir, nach vorn zu gehen, um Banhard zu ihm zu schicken. „Wo werde ich von jetzt ab mein Logis haben, Sir?" fragte ich. „Nun, natürlich im Deckhaus. Ich habe Ihnen gesagt, daß Banyard Ihren Platz einnimmt." „Der Koch ist keine passende Gesellschaft für den zweiten Maat eines Schiffes wie dieses, Sir," wagte ich zu sagen. Er sah mich nach diesem Einwand stirnrunzelnd an, trotzdem aber fuhr ich fort: „Wenn ich die Leute beaufsichtigen und Autorität haben soll, kann ich nicht in engem Verkehr mit ihnen leben. Die Mannschaft wird dem Offizier keinen Respekt bezeigen, den der Kapitän nicht ehrt/ kein Kapitän aber, welcher seinen Maat ehrt, wird ihn zum Logisgefährten des Schiffskochs machen.".i Zu meiner Ueberraschung schien er hiervon betroffen zu fein; er sah mich mit einer Art an, die mir sein höfisches Benehmen im Hotel in Erinnerung brachte. „Nun wohl, Sie sind ein Gentleman und können hier hinten leben. Es liegt Wahrheit in dem, was Sie sagen, und nach dem, was gestern vorgefallen ist, muß ich mich «ach Unterstützung umsehen. Bringe« Sie Ihre Sachen in die Backbord - Koje, neben der Vorratskammer, und schicken Sie Banhard zu mir." Dann entließ er mich. „Welches mag ihre Kajüte sein, dachte ich im stillen und fühlte, wie mein Herz klopfte bei dem Gedanken, daß ich von jetzt ab ihr nahe sein, am selben Tisch mit ihr sitzen, aller schmutzigen Arbeit überhoben und vor ihren Augen als der gebildete Mensch erscheinen sollte, als welchen mich zu fühlen ich sicher mehr berechtigt war, als der alte Windwärts. Am Lande, sagt man, steckt eine Frau hinter allem, was geschieht; aber sonderbar ist es, dem weiblichen Einfluß auch am Aequator, in der Mitte des Atlantischen Ozeans, zu begegnen, im Vorderkastell, einer kleinen Brigg zu hören, wie er die armen Teerjaken erfüllt, sie unzufrieden macht mit ihrer Lage, die ihnen fortwährend die Kluft zeigt, welche sie trennt von dem Wesen, unter dessen Augen ihnen die Arbeit zur Lust wird und sür welches sie sich gern den Hals brechen würden, wenn es ihm zum Besten wäre. Ich ging nach vorn. Klein-Welchh und die anderen sahen mich scharf an, als ich vorüber ging; wahrscheinlich hatten sie erwartet, mich mit einem blauen Auge und einer gebrochenen Nase zurückkommen zu sehen. Als ich in das Deckhaus kam, rüttelte ich Banyard in seiner Hängematte, denn hier gab es keine Pritschen, und rief: „Stehen Sie auf, Banhard, der Schiffer will Sie in seiner Kajüte sprechen." Sein wetterhartes Gesicht fuhr auf, wie von einer Sprungfeder in die Höhe geschnellt. „De Schipper raupt mi, seggst du? Wat is all wedder lot?" „Wenn Sie unschuldig daran find, brauchen Sie sich nichts daraus zu machen." „Brauchen Sie sich nichts daraus zu machen? — So, wat fall dat bedüden?" schrie er. »Es soll heißen, daß, falls der Schiffer denkt, Sie hätten versucht, das Schiff anzubohren, Banyard, so könnte das Ihnen gleichgültig sein, vorausgesetzt, daß nicht Suds und der alte Sam beschwören, sie hätten Sie mit einem Stangenbohrer nach unten gehen sehen," antwortete ich, und ging eilig hinaus, um nicht in Lachen auszubrechen; denn nie hatte ich etwas Komischeres gesehen, als Pendels erschrockenes Gesicht. Er stürzte fort, noch ehe ich das Vorderdeck erreicht hatte, um sich möglichst schnell zu rechtfertigen. Angesichts seiner Absetzung ihn noch so zum besten zu haben, war eigentlich graufam; auf See wird man aber leicht herzlos. Mit Hilfe von Scum, dem Koch, brachte ich meine Kiste nach meiner Koje im Hinterdeck; darauf kehrte ich zurück, um mein Bettzeug zu holen. Die Mannschaft ging kurz vor acht Uhr zum Frühstück, und jetzt war es beinahe so spät. Alles war deshalb auf den Beinen, und die Wache auf Deck, welche mit scheuern fertig war, kam eilig herunter, um neues von mir zu hören und zu erfahren, warum ich meine Kiste nach hinten geschafft hätte. „Ei, Jack is tweiten Maat worden," schrie Blunt, als Antwort auf Suds Frage. „Banhard is afsett un kümmt für Jack tau uns; ’t is en gauden Sprung, hat iS 't, ik sägg äwer nich, dat Jack sik nich för so 'n Posten schicken däd." „Ik hop, du wardst di nich gor tau sihr upspeelen," murrte der alte Sam. „Du weitst, wo dat dauht, bi kein Mütz vull Wind, blot taum Tiedvertrieb, in ’t Takelwark herüm Handtieren möten. Ik hew schon erlewt, dat einer vörnam worden is dörch so 'n Wechfel, äwer ik kann nich seggen, dat ich vel dorvon Hollen däd." „Nun, Maats, laßt mich mal sprechen," sagte ich. „Ich habe nichts dazu gethan, daß ich zweiter Maat geworden bin. Nennt es nicht Beförderung! Dies ist kein Kriegsschiff. Wäre ich statt dessen Koch geworden, so würde ich Kupfer putzen müssen und auch nichts dazu sagen. An Bord muß man eben thun, was einem befohlen wird. Sam will natürlich knurren, aber laßt ihn keinen Unsinn schwatzen. Es liegt doch wahrhaftig nichts Großes darin, ein Vorderkastell zu verlassen, um zweiter Maat einer so kleinen Brigg zu werden." „Jack ist ein Gentleman," mischte sich hier Deacon ein, „und ik will doch leiwer ihn taum Vörgesetzten hebben, as einen unwissenden Zimmermann." „Wer seggt denn, dat hei kein Gentleman is," brummte der alte Sam. „Is äwer etwa en Gentleman wat beteres? De Schipper näumt sik seker ok en, un dorbi is hei blot so 'n Ort Schinnerknecht." „Aewer Sammy, up weck Sid drückt di denn hüt de Leber," schrie Klein-Welchh. „Mi fall de Düwel Halen, wenn ik nich glöw, du ärgerst di blot, dat Oll-Windwärts nich in ’t Vörderkastell verfett worden is. Mi bucht, de ganz Sak kümmert uns nicks; ’t is nich dat irst Mal, dat hei Maat is, un wenn hei blot mal Oll-Windwärts in en dustern Nacht äwer de Sid schubbsen will, denn will ik gier« üm de ganze Welt mit em segeln." „Ich nehme keinen Abschied von euch," setzte ich meine unterbrochene Rede fort, „denn es könnte da hinten einen Zank geben, der mich, ehe zwölf Stunden vergehen, wieder hierher zurückführt. Bleibe ich aber hinten, so soll euch niemals eine hilfreiche Hand bei einem schweren Stück Arbeit fehlen, und wenn ich den anderen auch keine besseren Manieren beibringen kann, so sollt ihr euch doch über die meinigen nicht zu beklagen haben. Daß ihr mir meine Pflichten nicht schwerer machen werdet, als sie wahrscheinlich ohnedies schon sein werden, das hoffe ich von euch." Nachdem ich diese schönen Worte gesprochen hatte, schulterte ich mein Bettzeug und ging in mein neues Logis. (Fortsetzung folgt.) Die Liebe höret nimmer auf. Skizze von C. Carpenter-Meyer. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Eilig, wie um die rote Farbe zu verdecken, hängt sie das flockige, dunkle Krimmer-Cape um die Schultern, drückt den kleinen jetfunkelnden, schwarzen Sammettoque auf ihr Haar, nimmt die Handschuhe, tadellose weiße Amazonen mit schwarzen Steppnäthen und geht ins Nebenzimmer. Eilig, 276 ein wenig befangen, nimmt sie von Lizzi Abschied und steigt in die unten harrende Droschke.-- Mit klopfendem Herzen steht sie endlich nach langer Fahrt auf Bahnhof Friedrichstraße. Wie lange ist sie nicht in der Reichshauptstadt gewesen — seit damals — zwölf Jahre find's her —. Der Lärm, das brausende, hier doppelt pulsierende Leben der Großstadt überwältigt sie fast — oder ist es die Aufregung, die sie erzittern macht. Aber, nein doch, Thor- heit — die Nerven sind's, die abgespannten Nerven einer alten Frau. Die Droschke, in die sie am Bahnhof gestiegen, hält vor einem vornehmen Hause im Tiergarten. Elisabeth steigt aus, zahlt und dann öffnet sie die gußeiserne Thür des Vorgartengitters und mit schwerem, schleppendem Schritt durchquert sie die kleine Anlage vor der Villa. Mechanisch zieht sie die Klingel — wie lange war sie nicht hier gegangen — wie lange hatte ihre Hand den Messingknopf hier nicht berührt — und wie gut sie es dennoch alles wieder- kennt. Die Thür öffnet sich, und gleichzeitig erscheint in der Portierloge der Kopf einer Frau — forschend betrachten ihre Augen die elegante Dame. „Zu wem wünschen Sie?" fragt sie — Wie im Traum schreitet Elisabeth die Stufen empor — 8 wie gut sie das alles kennt — die Marmorwände, die teppichbelegten Treppen, dort auf dem Absatz die bronzene Krtegergruppe, die hohen Palmen — nur die Frau dort unten ist neu — fremd — sie beachtet deren Frage nicht und schreitet weiter hinauf zum ersten Stock. ' Hier bleibt sie stehen und klingelt da, wo neben der Klingel ein Messingschild „Profeffor Hartung" befestigt ist. Ein Diener öffnet. Sie fragt nach dem Professor. Der Diener führt sie nach dem Empfangssalon und bittet dann um ihren Namen. — Elisabeth zögert — dann sagt sie leise — „Elisabeth Senden" — es war ihr Mädchenname. — Ein banger Schreck peinigte sie, als der Diener gegangen. — Wie würde „Er" sie aufnehmen — würde er überhaupt zu sprechen sein? „Der Herr Professor wird sofort erscheinen", meldet der zurückkehrende Diener. Sie wartet. Unwillkürlich steht sie sich in dem Raum um — es ist noch ganz so wie damals, die Möbel, die Bilder, die Vorhänge, nur älter, fast nichts ist verändert. —-- Sie nimmt am Fenster Platz, bewegungslos verharrt sie auf ihrem Stuhl — wenn er nun kam — was sollte sie sagen? Sie hat es nicht bemerkt, daß hinter ihr die Portiäre geräuschlos zurückgeschlagen wurde und eine hohe, schlanke Männergestalt ihr zur Seite steht. Ihr Blick hängt wie fasziniert an dem Bilde des Mannes, das dort an der Wand vor ihr hängt. — Ja, so sah er aus, das war sein Lächeln, das waren seine Augen — fast glaubte sie sein gütiges „Lizzi" zu hören — wie gut sie den schönen Kopf kennt — freilich damals waren seine Locken noch glänzend schwarz — eine große, schwere Thräne löst sich von ihren Wimpern. Den Mann, der sie stumm beobachtet, packt es eigentümlich — wie schön sie noch immer ist — nicht mehr das tolle, eigensinnige Kind, das weder Maß noch Schranken kannte — aber eine gereifte, sinnige Schönheit — er sieht ihr Auge an seinem Bilde hängen, er sieht die Thränen über ihre blassen Wangen herabrinnen — — — endlich reißt er sich los von dem Bann, der ihn gefangen hält — er tritt auf sie zu: „Elisabeth!" „Theo!" sie stammelt es verlegen, die schrecklichste Verlegenheit bemächtigt sich ihrer, — ach — — „Elisabeth", hilft er ihr, „was führt Dich zu mir?" Er fragt es gütig und milde — er sieht den Kampf in ihren Zügen, er sieht den Gram auf ihrem Gesicht, den dunklen Schatten in ihren Augen — er sieht, daß sie die Farbe trägt, die er einst so an ihr geliebt. — — — „Theo, ich komme zu Dir — ich — um Dich zu bitten--" sie kämpft heroisch mit den hervorbrechenden Thränen--sie hat es jetzt, in dieser Stunde erst, ganz erfahren, begriffen, was sie gelitten in all' der langen Zeit, sie weiß aber jetzt erst ganz, wie sie, sie nur allein alle, alle Schuld trägt — und dieses Schuldbewußtsein ist es, das ihre Stimme festigt und ihr den verlorenen Mut zurück giebt, bis jetzt hat sie wohl immer gewußt, daß sie ihn, ihren Mann, noch immer liebte — aber sie gab ihm stets die größte Schuld--sie war eine unverstandene Frau gewesen, die der Mann ihrer Schönheit willen an sich gerissen — um sie dann bald zu vergessen, über seine Studien, seine Bücher---und dann, und dann — dann begann erst ihre Schuld — --- Sie fährt zu sprechen fort: „Lizzi, die jetzt sechszehn Jahr alt ist, hat sich verlobt mit einem jungen, achtbaren Manne, einem Architekten und--— * „Es ist außerordentlich liebenswürdig von Dir, Elisabeth, mir diese Nachricht persönlich zu bringen — aber das Opfer war doch wohl zu groß — es hätte genügt, wenn Lizzi mir geschrieben hätte. Du weißt, ich habe Dich niemals mehr zu beeinflussen gesucht, seit Du von mir gegangen, auch mit keinem Wort Dich oder mein Kind zurückgefordert — deshalb liegt auch wohl der Entschluß über diese Angelegenheit ganz in Deinen Händen. Natürlich werde ich für ihre Ausstattung sorgen, sie soll alles haben, wie sie es sich wünscht. Nach meiner Ansicht ist das Kind noch zu jung für die Ehe — aber verzeih, ich wiederhole, das ist allein Deine Angelegenheit!" Elisabeth ist totenbleich geworden, sie hat sich erhoben. Das Cape ist ihr von den Schultern gesunken, und leuchtenden Flammen gleich erscheint der weiche Sammt in der ungewiffen Dämmerbeleuchtung des Winterabends, aller Weltschmerz liegt auf dem marmorbletchen Gesicht, wie weh das that — o diese herbe Zurechtweisung: Lizzi konnte mir schreiben--— nun weiß sie ja genau, daß sie, noch lebend, tot für ihn ist, schwere Thränen rinnen herab auf den flammenden Sammt- endlich sagt sie mit bebender, schwankender Stimme: „Das ist es ja, weshalb ich komme; — Lizzi konnte Dir nicht schreiben —" Der Mut der Verzweiflung reißt ihr das Bekenntnis von den Lippen — „Lizzi konnte Dir nicht schreiben,,, wiederholt sie noch einmal, „sie glaubt — daß ihr Vater--tot — Es schien mir leichter damals, ich war zu feige, meine Schuld einzugestehen — ich fürchtete — ich brachte es fertig, nachdem man es soweit gebracht hatte, uns vollkommen zu entfremden — Dir davonzugehen — mit — mit jenem Elenden — den ich einen Ehrenmann glaubte, wollte ich gehen — er ließ mich im Stich, er fürchtete wohl noch im letzten Augenblick die Folgen eines solchen Schrittes — und da ging ich allein, denn ich wußte ja, daß Du mir nicht verzeihen würdest — Du, Du glaubtest ja an meine Schuld---und dann — ich fürchtete die Fragen des Kindes nach seinem Vater, so log ich--" Sie ist am Ende ihrer Kräfte und schweigt. Schweigend auch sitzt ihr der Mann gegenüber, mit keinem Wort mildert er ihre Qual, mit keiner Silbe kommt er ihr entgegen. Nach einer langen Pause entnimmt sie ihrer Tasche ein Bild, das sie ihm reicht. „Das ist Lizzi, sie gleicht Dir äußerlich und auch im Wesen — sie ist ein gutes Kind," sagt sie fast tonlos. Er hat das Bild genommen und es schweigend betrachtet. Er reicht es ihr zurück, dann sagt er ebenso ruhig als alles andere vorher, aber doch so ganz anders: „Elisabeth, ist das alles, was Du mir zu sagen hast — sonst nichts?" Er sieht sie an — eine große bange Frage leuchtet in den schönen Männeraugen, in dem liebevollen Blick, mit dem er das zitternde Weib vor sich betrachtet. Er ist auf- gestanden. Und da — und da liegt sie vor ihm auf den Knieen, und glückestrunken, wonnebebend stammelt ihr Mund: Theo, Du — Du fragst — was ich Dir zu sagen habe — darf ich, darf ich es Dir sagen — wie namenlos ich Dich liebe und wie elend ich war alle die Zeit hindurch und wie ich mich nach Dir gesehnt habe, wie ich fast gestorben bin vor Herzeleid — gestorben wäre — hätte ich nicht unser Kind gehabt--" 276 — « „Elisabeth, mein Weib! mein armes, liebes Weib! Wir haben beide schwer gefehlt — auch Du hast mir zu verzeihen. Du warst ein Kind noch und kanntest nicht die Gefahren des Lebens — und ich gab mir nicht die Mühe, Dich zu verstehen, hätte ich mehr Deiner Eigenart gelebt und Dich durch Liebe an mich, den älteren Mann zu fesseln gesucht — aber ich zog mich zurück — überließ Dich, das schwache Kind, den Einflüsterungen neidischer Freunde und glaubte schließlich, ohne an eine Entschuldigung zu denken —dem Schein, der gegen Dich war. Elisabeth, mein Weib, kannst Du vergessen, kannst Du mich noch ein wenig lieb haben — sieh, wenn ich auch ein alter Mann bin und mein Haar ergraut ist, wenn auch die lange, bange Trennungszeit zwischen uns liegt — ich liebe Dich doch noch ebenso heiß und innig, aber gereifter als damals, noch ebenso wie in der Stunde, als ich um Dich warb — Elisabeth, kannst Du mir noch einmal vertrauen?" Er hat sie in feine Arme gezogen. „Theo, o wie ich Dich liebe, immer geliebt habe, immer, immer — Du willst mir verzeihen, mir vergeben — ich brauche nicht zu sterben, nicht von Euch zu gehen? Ich habe Dich nie aufgehört zu lieben, selbst damals, — da habe ich versucht. Dich zu hassen; aber ich liebte Dich, weil ich Dich verloren wähnte, für immer, nur heißer noch." Er preßt sie stürmisch an sich und küßte sie, lange und leidenschaftlich. Leise, verschämt wehrt sie ihm: „Aber Theo, ich bin eine alte Frau, eine Frau in meinen Jahren küßt man nicht so stürmisch!" Ein langer neuer Kuß ist seine einzige Antwort. Und dann sitzen sie und plaudern und beraten — es ist ihnen ganz, als wären sie nie getrennt gewesen. Sie erzählt von ihrem Leben, ihrem Kämpfen, ihrem Ringen, von dem Kinde, und Sie bauen eine Zukunft für dieses Kind und für sich. Wie ein verheißender Glücksbote schimmert das herabsinkende, goldige Abendrot durch die hohen Fenster und umhüllt die beiden. Das Zimmer ist mit rosigem, mattem Glanz erfüllt. — „Theo", flüstert erschauernd und bebend Elisabeth und schmiegt sich inniger noch an seine Brust: „Es kommt das Glück!"—-- GeMeinnütziges. Oelgernälbe zu reinigen. Das Bild wird aus dem Rahmen genommen, abgestaubt und mit Wasser abgewaschen. Mit dichtem Rasierseifenschaum 8—10 Minuten lang belegt, wird es mit einem starken Pinsel abgewaschen, mit Wasser abgespült und abgetrocknet. Dann taucht man ein reines Leinwandläppchen in Nitrobenzol (Mirbanöl, auch künstliches Bittermandelöl genannt) und übergeht damit das Bild, bis das Läppchen rein bleibt. Schließlich überstreicht man das Bild mit reinem Olivenöl und überzieht dasselbe nach einiger Zeit mit einem guten, leicht trocknenden Firniß. Um Gegenstände ans Elfenbein zn färben, werden dieselben, nachdem sie fertig geschliffen, vollständig in's Wasser gelegt; für einen Billardball z. B. genügt dann der Zusatz von zwei Kaffeelöffel voll Essig und 1 Gramm Anilinrot. Zu Hochrot verwendet man Korallin, zu Amaranth Rossin, Carmosin Fuchsin. Hat der Gegenstand die gewünschte Färbung angenommen, so wird er mit reinem Wasser abgespült und nach dem Trocknen mit Seife und Wiener Kalk poliert. Um Mauern an der Wetterseite zu schütze«, empfiehlt es sich, dieselben in trockener Jahreszeit mit dünnem Seifenwasser von harter Seife zu überstreichen. Die feinen Poren der Steine füllen sich mit dem Seifenwasser an und werden, nachdem das Wasser verdunstet, durch die rückständige harte Seife verstopft, so daß sie keine Feuchtigkeit mehr aufziehen. Schölte Ofenschwärze. Es wird Lampenschwarz mit einer Auflösung von Wasserglas zur Syrupkonsistenz gemischt und mit einem Pinsel dünn und gleichmäßig aufgetragen. Man läßt es 24 Stunden trocknen und gibt einen Anstrich mit gewöhnlicher Ofenschwärze (Reisblei), die mit dünnem Gummiwasfer versetzt ist, worauf man dem Ofen durch bürsten Glanz giebt. Ei« Wa«zeitp«lver, das allen Anforderungen gerecht wird, erhält man nach folgender Vorschrift: 82 Gramm Alaunpulver, 6 Gramm Borsäure und 12 Gramm Salicyl- säure werden gut miteinander vermischt. Hierauf werden 10 Prozent dieser Mischung der Anstrichsfarbe zugesetzt. Bettstellen, Fußböden, Thüren, Schränke, soweit thunlich Tische und Stühle sind mit heißer Seifenlauge, der 10—20 Prozent dieses Pulvers beigemengt werden, gründlich zu reinigen. Bettstroh, Brettereinlagen der Bettstellen sind ebenfalls mit dem Pulver einzustreuen, dasselbe muß in den Fugen der Fußböden, der Holzwände, überhaupt allerwärts, wo sich die Tiere vielleicht einuisten können, eingestreut werden. Strohhüte aufft-ifche«, reinige«. 1. Weiße Strohhüte auffrischen. Man reibt die Hüte mit Schwefelblume und dann mit einem in Branntwein getauchten Tuche ab. Nach dem Trocknen bürstet man sie ab und bestreicht sie auf der linken Seite mit Gummiwasfer. 2. Gelbe und weiße Strohhüte werden gut ausgebürstet und mit einer schönen, saftigen Zitrone vollständig abgerieben, dann noch feucht mit fein abgeriebenem Schwefel dick bestreut und mit einer reinen Bürste tüchtig gebürstet. Sie werden dadurch wieder wie neu. 3. Nicht ganz vergilbte Strohhüte werden erst mit Schwefelblume und dann mittelst eines mit reinem Branntwein angefeuchteten Tuches abgerieben; sobald sie wieder trocken sind, werden sie aufgebürstet und auf der linken Seite mit Gummiwasser bestrichen. 4. Gelb gewordene Strohhüte erhalten durch Abreiben mit trockenem, gestoßenem Schwefel ein besseres Aussehen. 5. Braune und schwarze Strohhüte kann man dadurch auffrischen, daß man zu den braunen Hüten nußbraunfarbigen und zu den schwarzen, schwarzen Spirituslack nimmt. Die Hüte werden erst gut gebürstet, dann mittelst eines feinen Haarpinsels zwei bis drei Mal mit dem Lack bestrichen und langsam getrocknet. Sie erhalten dadurch nicht nur hübschen Glanz, sondern auch Steifheit. Futter für die insektenfreffe«de« Vögel, die wir im Zimmer halten, sind alle Kerbtiere und Insekten, sowohl in vollkommen entwickeltem Zustande als auch in allen Verwandlungsstufen: Käfer, Schmetterlinge, Fliegen, Puppen, Larven, Raupen. Am meisten verfüttert werden Ameisenpuppen, fälschlich Ameiseneier genannt; sehr gut zu verwenden sind auch Weißwürmer (gekochte Körper der Eintagsfliegen), Mehlwürmer, hart gekochtes Hühnerei, rohes oder gekochtes, mageres Rindfleisch oder besser Herzfleisch von Rind, Kalb und Schaf, geschabt oder, wenn gekocht, getrocknet und gerieben. De« Vögel« gebe man recht oft Gelegenheit zum Bade«. Das Badegefäß sei aber nicht zu klein und nicht zu tief. Ist das Gefäß zu tief, so ist die Möglichkeit vorhanden, daß junge Vögel ertrinken; ist es zu klein, so kann sich der Vogel nicht vollständig baden und verspritzt viel Wasser in den Käfig, welches einen üblen, dem Vogel gesundheitsschädlichen Geruch verbreitet. Um letzteres zu verhüten, ist ein breiter Untersatz aus Zinkblech zu empfehlen. Will man haben, daß der Vogel sich nicht badet, so kann man dies dadurch verhindern, daß man in das Gefäß ein Eisendrahtgitter mit Füßchen stellt. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.