1899. Mf MliTJriyjl WWW ZMM LI »II MW sfayypp1 Ä#öi M ifl ?ELMMU< uMMM- WJMUMÄN RÜ^SiS chmerz und Frcude liegt in einer Schale; Ihre Mischung ist der Menschheit Los. S eum e. Nachdruck verboten. Die Sünden der Väter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) XXVIII. «Aber, liebes Kind!" — Es ist Konrad, der diese Worte spricht- und vor ihm auf den Knien liegt Martha und dankt ihm in überschwenglicher Weise für alles, was er für sie gethan, für ihren Vater, für die Ihren, für Olaf — Er weiß gar nicht, was ihr einfällt, und allmählich versteht er, daß sie durch irgend einen Zufall Kenntnis erlangt hat von dem, was sich zwischen ihm und Olaf abgespielt hat, und daß sie sich ihm dadurch ganz besonders verpflichtet wähnt. Ein überspanntes Mädchen! denkt er. Was verlangt sie eben wieder? Olafs Adresse will sie haben. Sie müssen ihm schreiben. „Aber, liebes Kind!" sagte er noch einmal abwehrend. Aus ihren unklaren Reden hat er, der im Erraten nicht allzu geschickt ist, herausgehört, daß sich die beiden ehemals geliebt haben. Was aber will sie ihm jetzt schreiben, sie, die Braut eines anderen. Nein, sie ist nicht mehr Braut. Sie hat ihre Verlobung aufgelöst. „Ah!" Konrad weiß im ersten Augenblick nicht, ob er sich über die Neuigkeit freuen oder ob er sie beklagen soll. Dievenow paßte nicht zu ihr, und angenehm war er ihm nie gewesen. Und doch hätte Martha an ihm den Halt gefunden, dessen sie jetzt so dringend bedurfte. Nun erschien es ihm erst doppelt bedenklich, daß sie mit Olaf wieder anknüpfen wolle. Der hatte die flüchtige Jugendneigung sicher längst vergessen- und Konrad ahnte für Martha nur neue Enttäuschungen. „Schreibe ihm nicht, Martha!" bittet er. Sie errät seine Bedenken. „Hab' keine Sorge, Konrad," sagt sie. „Denke nicht, daß ich mir irgend welche Illusionen mache. Siehst Du, ich schließe jetzt meine Rechnung mit der Vergangenheit ab." Konrad gab ihr die gewünschte Adresse, und Martha schrieb: „Sehr geehrter Herr Nansen. Verwundern Sie sich nicht allzu sehr, wenn Sie diese Zeilen erhalten. Nur wenige Worte möchte ich Ihnen schreiben, um Ihnen eine schwere Schuld abzubitten, nicht die furchtbare, nie wieder einzulösende, die mein unglücklicher Vater begangen hat, sondern die, welche ich hinzugefügt habe in Gedanken und harten Worten, ohne zu ahnen, wie ungerecht ich war, Sie zu beleidigen. Ich möchte Sie um Vergebung bitten für kleine Nadelstiche, die Sie vielleicht nicht einmal sehr empfunden haben, die mir aber auf dem Gewissen lasten und deren peinigende Erinnerung ich nicht anders los werden kann, als durch dieses Bekenntnis. Als solches nur faffen Sie dieses Schreiben auf. Ich erwarte keine Antwort. Ich weiß, daß Sie mir verzeihen werden, und das Bewußtsein genügt mir." Ihrem Wunsche wurde Rechnung getragen. Martha erhielt auf diesen seltsamen Brief nie eine Antwort. Auch von Leonhard kam keine Nachricht. „Er ist tot. Wohl ihm!" sagte Frau Dorothea. Aber im innersten Herzen klammerte sie sich mit allen Fasern an der Hoffnung fest, daß er noch lebe, daß sie ihn doch noch einmal umarmen werde. Von Rößler hatte sie ebenfalls nichts mehr gehört. Schaudernd hatte Dorothea ihrem Schwiegersöhne von dem Austreten des Herrn Schmidt erzählt. Der war sehr ruhig geblieben: das sei nichts als Schwindel und Erpressung- es sei schade, daß sie dem Manne Geld gegebener habe weder Ansprüche an sie, noch irgend welche Ausgaben für seinen Stiefsohn. Auch sei kaum zu befürchten, daß er sich wieder werde blicken lassen, sobald er von seiner, Konrads, Rückkehr unterrichtet sei. Leo Rößler lag unterdessen im Lazarett, fiebernd und nach Atem ringend. Die Kopfwunde war langsam geheilt. Dann hatte sich eine Rippenfellentzündung angeschloffen, vielleicht veranlaßt durch Erkältung, vielleicht eine Erbschaft des mütterlichen Blutes. Schon seit Wochen litt er daran - und immer entschiedener neigten sich die Aerzte der Ansicht zu, daß die Krankheit tuberkulöser Natur sei. Im Februar starb er. - 458 Else öffnete den Umschlag. „Leonhard! — er ist tot!" schrie sie. Es wurde ihr Plötzlich schwarz vor den Augen. thale beschäftigt gewesen, dann nach Fertigstellung der ihm zngeteilten Strecke als Sektions-Ingenieur ostwärts in die „Nein!" sagt es mir nicht — aus Barmherzigkeit!" stöhnte Dorothea mühsam. — wurde, verlor er den Kopf — und handelte, unbesonnen, leichtfertig, schlecht — aber nicht mit Vorbedacht/ aus Leichtsinn und ohne die Folgen nur im geringsten zu ermessen." Frau Dorothea nickte ein paarmal stumm mit dem Kopfe, und — „Mama!" rief Else Plötzlich, „was ist Dir?" Es war mit Frau Andree eine seltsame Veränderung vorgegangen, während sie still vor sich hinschauend in ihrem Lehnstuhl saß. Ein plötzlicher Verfall, als sei sie binnen weniger Minuten um Jahre älter geworden,- die Gestalt erschien zusammengeschrumpft, das Gesicht kleiner. XXIX. Es war gerade an Frau Dorotheas Geburtstag, daß Konrad ihr diese Kunde brachte. „Gestorben — von niemand beklagt, von keinem vermißt — Wie traurig!" sagte sie. Es war das erste milde und teilnehmende Wort, das sie für Leo hatte. „O Gott!" fügte sie erbebend hinzu, „ich habe eine Ahnung, daß dieses nicht die einzige Todesnachricht ist, die ich heute erhalte." Konrad verstand sie und wollte ihr derartige Grillen - ausreden. „Ich habe diese Nacht von ihm geträumt," sprach sie leise vor sich hin, „ich sah ihn vor mir als Knabe — ich sehe ihn niemals wieder!" „Mama, er ist wohl, er lebt!" jubelte Else. Dorothea schüttelte ungläubig den Kopf. „Das war Niederungen des Pursak geschickt worden. Ein schlechter n. ----au uujuu. ] Tausch. Leicht hatten sich am Saccaria die Dämme auf» no tote sie sich »»häuften, tote er ihrer nicht mehr Herr I werfen und die Brücken spannen lassen/ am Pursak erschwerte „Es ist nichts," wehrte sie ab. „Ich fühle mich nicht wohl. Aber es geht vorüber —" Else holte ein Glas Wasser. Die Mutter streichelte ihr sanft die Wange. „Es ist schon wieder gut —" In diesem Augenblick brachte das Dienstmädchen einen Brief, der soeben abgegeben worden war/ Dorothea griff hastig danach. Ein kleines Kouvert, eine unbekannte Handschrift — eine ausländische Briefmarke. — Konrad erwiderte nichts. Frau Andree war heute anders als sonst, weich und mild, der Gegenwart entrückt, in Erinnerung lebend, als wäre die jüngste Zeit ganz aus ihrem Gedächtnisse weggelöscht. Eine ernste Feiertagsstimmung schien von ihr auszugehen und sich den Ihren mitzuteilen. Dabei war sie körperlich so matt und kraftlos, daß sie kaum ihren Lehnstuhl zu verlassen vermochte. Martha und Else hätten vorgezogen, des Geburtstags gar nicht Erwähnung zu thun/ aber Lottchen hatte es sich nicht nehmen lassen, der Mutter ein Veilchensträußchen zu bringen, und Bruder Konrad hatte aus Berlin geschrieben. So beschloß man, in stiller Feier den Nachmittag zusammen zu verbringen. Und das that Dorothea wohl. Ganz gegen ihre Gewohnheit kam sie immer wieder darauf zurück, wie nicht seine Handschrift —■ e$ früher in den Jahren ihres Glücks an ihrem Geburtstage Else trat ans Fenster, weil sie die feinen Schriftzüge gewesen war. in dem herrschenden Dunkel nicht zu erkennen vermochte. ., c ®u$ no$' ivte schon es war? Wenn I „Madame Andree,“ entzifferte sie. „Ihr Sohn L. A. 'S* schon alle da, beauftragt mich, Ihnen mitzuteilen, daß er gesund sei, und festltch gekletdet, ein Blumenstöckchen in der Hand. Ihr hattet I daß es ihm wohl gehe — Irschen gelernt und sagtet sie nun auf - Martha aus- „Nicht wahr!" stieß Dorothea hervor, drucksvoll und verständig, Leonhard sprudelte seines herunter, " ' — - froh, wenn die Sache abgethan war. Mein Elschen blieb erhoben. . , „ Ist es wahr?" wiederholte sie flüsternd. Sie hatte sich aus ihrem Sessel , ~ - . । crhcbcu. Mit wankenden Schritten eilte sie auf Else au. «T™8 ^cken- Der kleine Konrad gewissenhaft, Silbe Plötzlich tastete sie mit der Hand in der Luft herum. Ehe srl a 66 betonend. Lreb Lottchen schlang ihre dicken I jemand ihr zu Hilfe herbeizuspringen vermochte, war sie in Aermchm um mich und stammelte: Ich gratuliere. Wie alle I schwerem Falle zu Boden gesunken. unsere Gaste Euch liebkosten, und wie sie meine reiche Be- Er lebt!" klang es gurgelnd aus ihrem Munde, scherung bewunderten, viel zu reich für mich. Papa ver- I Das waren ihre letzten Worte. wöhnte mich so. Er war sehr, sehr gut." Mit ihrer tiefen, weichen Stimme sprach sie das alles I XXX. als ob sie es aus einem Buche ablese. Ihre Zu- Olaf Nansen war nach der Türkei zurückgekehrt. Er I?en»infa*et? S^°nin,mUtlb wie ein hatte der Eröffnung der großen Eisenbahnlinie Konstantinopel Nebelbild tauchte in weiter Ferne ein Stück Vergangenheit —Wien—Paris und den glänzenden Festen, welche sie mit oor ™, | sich brachte, beigewohnt. Er war in die Dienste der ana- Nur Martha hatte keinen Teil an der andächtigen ! tolischen Baugesellschaft getreten, die es sich zur Aufgabe ^itmmung. Wie konnte man sich einer Vergangenheit freuen, macht, Klein-Asien der Kultur zu erschließen ober vielmehr rb ” „ °Us unb ^tug aufgebaut war? Bet den wieder zu gewinnen. Ist es doch historischer Boden, den letzten Worten der Mutter warf sie den Kopf zurück. die Bahn berührt. Der Boden, auf dem sich die ersten _.r "Echt' rief sie leidenschaftlich. „Für Dich Ereignisse unserer christlichen Geschichte in friedlichen und ° k rei3 n’$tS f^n genug, Du Edle, Du Engels- blutigen Bildern absptelen. Hier sind die Stätten, wo die $ater nid,t Wie hätte er sonst Apostel predigten/ hier in Bithynien fanden die grausamen r • 1 ü6et un§ bringen können. Jede Christenverfolgungen des Kaisers Diokletian statt, und in °E^"g^ l°b°" Kuß möchte ich ungeschehen machen —" Jsnik, dem alten Nicäa, wurden auf den beiden Konzilen Sie hielt plötzlich inne, selbst erschreckt von dem Ueber- I im 4. Jahrhundert die Glaubenssatzungen festgestellt. Jetzt 1 8£r?' Die Mutter blickte sie mit matten, herrscht der Islam/ Türken bewohnen die fruchtbaren Land- X, ^U0eiUtumm warf einen ängstlichen striche. Der Handel liegt in den Händen von Griechen und 8 W ^uuu, und Konrad sagte ernst: Armeniern/ und Tscherkessen, vor nicht allzulanger Zett hier bisher zu den Anklagen, dte sich im Munde eingedrungen, schrecken die friedlichen Ansiedler. Ein buntes ÄrnP sefinb:rS ?°^ch ausnehmen, geschwiegen. Völkergemisch, aus aller Herren Länder zusammengeströmt, muß ich doch einmal etwas darauf erwidern, nicht um aber hat sich dem Bahnstrang entlang festgesetzt. Arbeiter, ®a,ter 8U verteidigen oder auch nur zu entschuldigen, Ingenieure, Leute, die von diesen zu verdienen hofften, wie J6?6 schuld auf das rechte Maß zu be- Händler mit allen möglichen Bedarfsartikeln! Bauern, die Vater, Martha, war ein sehr gutherziger, weitsichtig genug sind, sich beizeiten in der Nähe der großen 13 "benswurdiger Mann/ ein Mann, der gewohnt war, I Verkehrsader anzusiedeln. Olaf war anfangs im Sacearia- daß alles thm glucke, daß alles seinen Wünschen entgegen- ‘ ' k°mme. Er war geschaffen, im Sonnenschein zu leben. Und als die Sorgen kamen, zeigte er sich ihnen nicht gewachsen. Er schüttelte sie ab, ohne ihrer weiter zu achten. 459 der feuchte, wasserdurchzogene Boden die Arbeiten ungemein, und die ungesunde Sumpfluft forderte große Opfer an Menschenleben. Eben war wieder ein Angestellter der tückischen Krankheit erlegen,- eine sehr tüchtige Kraft, eine Mittelsperson zwischen Ingenieur und Arbeiter. Olaf selbst fühlte sich schon seit längerer Zeit unwohl. Er achtete nicht darauf. Er war noch niemals krank gewesen/ er wollte, er durfte jetzt nicht krank werden. Zunächst nahm er seine Zuflucht Zu den Likören und Spirituosen, die man dort in reicher Anzahl des Klimas wegen mit sich führt, dann wandte er die Mittel an, die er seinen Leuten zu verordnen Pflegte. Aber das Fieber packte ihn doch. Glücklicherweise ging der Anfall vorüber, das Chinin that seine Schuldigkeit. Indes Mattigkeit und Schwäche, Appetitlosigkeit und Kopfschmerz wollten nicht weichen. Vergeblich nahm er alle Energie zusammen. Er wußte, sein Aufenthalt in dieser schlimmen Gegend neigte sich dem Ende zu,- was er zu thun hatte, war bald vollendet, und dann würde er aus den feuchten Niederungen abermals ostwärts in gesündere Landstriche geschickt werden. Nur noch eine kurze Frist in voller Kraft, in alter Frische! Umsonst! Von Tag zu Tag wurde er elender. Die langen Ingenieure, die ihm beigegeben waren, drangen darauf, daß er ärztlilche Hilfe aufsuche und, sei es auch nur auf Tage, die Gegend verlasse. Er müsse es doch einsehen, daß das, was er jetzt treibe, einem Selbstmorde gleiche. Olaf sah das endlich ein, er mochte wollen oder nicht,- die zunehmende Mattigkeit machte ihm jede ernstliche Thätigkeit unmöglich. So entschloß er sich denn, nach Eskischehr, der nächsten großen Stadt, in der auch sein Vorgesetzter wohnte, zu fahren, um einen Arzt zu Rate zu ziehen. Zugleich wollte er sich bemühen, dort einen Ersatz für den verstorbenen Angestellten zu finden. (Fortsetzung folgt.) Billiges Fleisch. Von Alfred Hofmann. In einem Irrenhaus Westdeutschlands lebt ein Narr, der die soziale Frage auf eilte sehr einfache Weise lösen möchte: er will aus Kartoffeln Fleisch machen. So unfinnig die Idee scheint, so erklärlich ist es, daß einer darauf verfallen konnte/ denn Kartoffeln und mageres Fleisch enthalten ungefähr gleich viel Nährstoffe, nämlich coT 25 Prozent. Wer also je 1 Kilogramm Kartoffeln und 1 Kilogramm Fleisch fftuft, bezahlt in beiden Fällen 750 Gramm Wasser, das er aus dem Brunnen billiger erhalten könnte. Und im ersten Augenblick erscheint es durchaus nicht gerechtfertigt, daß die übrigen 250 Gramm Nährstoff der Kartoffeln mit etwa 5 Pfennig und die 250 Gramm Nährstoff des Fleisches mit dem Dreißigfachen: mit mindestens 150 Pfennig bezahlt werden / denn daß der Nährstoff im Fleisch zur Hauptsache Eiweiß und in der Kartoffel sogenanntes Kohlehydrat ist, das sind rein chemische Unterschiede, mit denen das naive Gemüt wenig anfängt. Dem müßte schon anschaulich gezeigt werden können, wie das Eiweiß der eigentliche Nährstoff ist, aus dem sich der Körper in Magen und Lunge den Ersatz für verbrauchte Muskelsubstanz und Muskelkraft kocht, indem er sozusagen mit Fett einheizt und die sogenannten Kohlehydrate zur Mischung braucht. Erst wenn derartig die Wichtigkeit des Eiweiß vor allen andern Nährstoffen deutlich wird, ist der hohe Preis der speziell eiweißhaltigen Nährmittel verständlich. Dann zeigt sich allerdings auch, daß der Ruf nach billigem Fleisch nichts weiter ist als der Ruf nach billigem Eiweiß. Insofern war der erwähnte Irre schon auf keinem falschen Weg, wenn er dieses aus andern Nahrungsmitteln gewinnen wollte/ denn alle Nahrungsmittel, die * „pflanzlichen" sowohl wie die „tierischen" enthalten Eiweiß, nur meist nicht in genügender Menge/ oder wenn das der Fall ist, wie z. B. bet den Hülsenfrüchten (trockenen Erbsen, Bohnen, Linsen), in nicht genug verdaulichem Zustand. Während nämlich das Eiweiß des Fleisches ohne weiteres vom Blut ausgenommen und als Muskel angesetzt wird, geht fast die Hälfte des Eiweiß in Hülsenfrüchten unverdaut durch den Magen und hat nicht nur keinen Nutzen, sondern verursacht sehr oft direkte Beschwerden. Außerdem müßte man, um die täglich notwendige Portion von 120 Gramm Eiweiß z. B. in Erbsen zu sich zu nehmen, täglich mindestens 500 Gramm trockener Erbsen essen, das wären annähernd 9 Pfund oder 44/z Liter Erbsensuppe, also schon ein kleiner Eimer voll. Bei andern pflanzlichen Nahrungsmitteln ist das noch ungünstiger. Von Kartoffeln z. B. müßte man täglich ca. 24 Pfund verzehren, um den Körper mit dem nötigen Eiweiß zu versehen. Allerdings würde dann der gesamte tägliche Eiweißgebrauch nur etwa 50 Pfennig kosten, also beträchtlich weniger als bei Fleisch. Das legt natürlich den Gedanken nahe, die 120 Gramm Eiweiß aus den 24 Pfund Kartoffeln chemisch zu gewinnen, oder wie der Irre sagte, aus Kartoffeln Fleisch zu machen. Und das nun, was bei dem Irren offenbarer Wahnsinn schien, ist durch den bekannten Bonner Professor I)r. Finkler zur exakten Lösung gebracht worden. Eigentlich geht er noch darüber hinaus, indem er sein „Fleisch" aus noch billigeren Rohstoffen herstellt. Zwar macht er noch nicht „aus Steinen Brot", aber er gewinnt aus sonst wertlosen Pflanzen- und Tiersubstanzen das Eiweiß in verdaulicher und durchaus reiner Form und bietet in seinem „Tropon" thatsächlich das langersehnte billige Fleisch. So garantiert er endlich auch den breiten Volkskreisen eine ausreichende Ernährung, die bislang in Wirklichkeit nicht möglich war, weil eben die Pflanzenspeisen zu wenig verdauliches Eiweiß enthalten und ausreichende Fleischportionen den Minderbemittelten zu teuer waren. Ein Pfund Tropon kostet zwar 2 Mark 70 Pfennig, hat aber eben so viel Ernährungswert wie 5 Pfund besten Rindfleisches oder 100 Eier. Es ist ein hartes Pulver, das absolut keinen Geschmack hat, bei jahrelanger Aufbewahrung nicht verdirbt und jeder Speise zugesetzt werden kann. Wer 710 Pfund, also 50 Gramm täglich seinen anderen Speisen: dem Gebäck, den Getränken, Suppen, Gemüsen usw. beimischt, hat durch eine tägliche Mehrausgabe von 27 Pfennig einen vollständigen Ersatz für jede Fleischspeise. Dementsprechend hat man nach der Bekanntgabe der Finklerschen Erfindung auf dem IX. Internationalen Kongreß für Hygiene zu Madrid sofort in zahlreichen Kliniken und hervorragenden Heilanstalten genaue wissenschaftlich beobachtete Proben angestellt und ist zu den überraschendsten Erfolgen gekommen. Auch von dem schwächsten Magen wird Tropon genommen und verdaut. In kurzer Zeit werden Gewichtszunahmen festgestellt, die bislang nicht möglich waren, und — was für die Hausfrau vielleicht das wichtigste ist — noch obendrein pro Kopf beträchtliche Ersparnisse erzielt. In allen Fachkreisen wird deshalb die Verwendung von Tropon in Krankenhäusern, Menagen, als sogenannte, „eiserne Portion" beim Militär, als Sportnahrung eifrig besprochen und empfohlen. Aber die eigentliche Aufgabe des Tropon liegt darin, daß es ein Nahrungsmittel für die breitesten Kreise wird. Seine leichte Zubereitung, indem es allen gewohnten Speisen beigemischt werden kann und also gar keine Aenderung dec Lebensweise herbeiführt, seine vielfache Verwendung zu Tropon-Suppenmehl, Tropon-Chokolade und -Kakao, Tropon- Kindernahrung, Tropon-Zwieback und -Bisquits, seine ungemein leichte Verdaulichkeit und sein geringer Preis machen es in Wahrheit nicht nur zum billig st enFleisch, sondern zum wertvollsten Nahrungsmittel der Gegenwart überhaupt. 460 Gemeinnütziges. Herstellung von Kohlenanzündern. 10 bis 15 Teile Colophonium und 80 bis 85 Teile Sägespähne bilden die Bestandteile der Kohlenanzünder. Zu ihrer Herstellung schmilzt man das Colophonium bei niederer Temperatur, rührt in die heiß zu haltende Masse die gleichfalls warmgehaltenen Sägespähne hinein und gießt die heiße Masse in Formen aus. Künstliches Gnmmiarabienm erhält man durch folgendes Verfahren: 5 Kilo Leinsamen werden mit 5 Liter Wasser, dem vorsichtig in kleinen Mengen 4 Kilo Schwefelsäure beigemengt wurden, drei bis vier Stunden gekocht. Die Flüssigkeit wird alsdann filtriert und ihr das Vierfache an Alkohol zugesetzt. Der entstehende Niederschlag wird gesammelt, gewaschen und getrocknet. Man erhält ein farb- und geruchloses Pulver, das mit Wasser gemischt einen ausgezeichneten Klebstoff giebt. Schrrellgervung. Unter den zahlreichen Methoden, welche darauf abzielen, den langwierigen Prozeß der Ledergerbung (bei schweren Rindshäuten mehrere Monate) abzukürzen, soll folgende sich vorzüglich bewähren. Die Häute werden nach dem Einweichen, Wässern und Enthaaren in einem rotierenden Behälter (Walkfaß) der Einwirkung einer acht Mal so starken Gerbeflüssigkeit, wie sie sonst gebräuchlich ist, ausgesetzt und diese Brühe während der ganzen Zeit auf derselben Stärke gehalten. Kleinere Felle, wie Schaffelle, sollen in zwei bis vier Stunden, die schwersten Rindshäute in 20 bis 36 fertig gegerbt sein. Gesundheitspflege. Ein Mittel gegen die Schwindsucht. Unter den vielen gegen die Lungentuberkulose empfohlenen Mitteln nimmt das Ichthyol mit den ersten Rang ein. Die auf dasselbe gesetzten Hoffnungen haben sich in den fünf Jahren, seitdem es im Gebrauch ist, durchaus erfüllt. Zwar wird auch das Ichthyol die Tuberkulose nicht gänzlich aus der Welt schaffen, in dem einzelnen Falle aber vermag es bei noch nicht erheblich vorgeschrittener Krankheit eine sehr gute Wirkung zu entfalten. Am günstigsten erweist es sich allerdings bei beginnender Erkrankung. Seine Wirkung beruht darauf, daß es den Körper in hohem Grade kräftigt und ihn dadurch in den Stand setzt, die eingedrungenen Tuberkelbazillen unschädlich zu machen. Dabei ruft es indessen nicht, wie andere ähnliche Mittel, ungünstige Nebenerscheinungen im Körper hervor. Unter seinem fortgesetzten Gebrauch verringern sich oder (im Beginn der Erkrankung) verschwinden die krankhaften Allgemeinerscheinungen, sowie die örtlichen in der Lunge,- selbst die Tuberkelbazillen im Auswurf verringern sich erheblich beziehungsweise verschwinden gänzlich. Der Appetit hebt sich, das Körpergewicht nimmt zu, und die Kranken erlangen neuen Lebensmut und ihre Arbeitskraft wieder. Die gleichzeitige Anwendung von hygienisch-diätetischen Maßnahmen trägt erheblich zu dem Erfolg bei. Wenn nun auch das Ichthyol kein wirkliches Heilmittel der Tuberkulose darstellt, so bildet es doch eine sehr wertvolle Bereicherung des Arzneischatzes und der wirkungsvollen Waffen im Kampfe gegen jenen furchtbarsten Feind der Menschheit. Uebrigens hat sich das Ichthyol auch noch bei verschiedenen anderen Lungen- und Brusterkrankungen bewährt, so besonders bei dem einfachen und bei dem eitrigen Luftröhrenkatarrh. Auch bei tuberkulösen Erkrankungen anderer Körperorgane ist es bereits mehrfach mit Erfolg angewandt worden. Diese neu entdeckten Heilwirkungen des Ichthyols vermögen seinen guten Ruf, dessen es sich betreffs verschiedener anderer Krankheiten als Heilmittel schon seit langer Zeit erfreut, nur noch zu erhöhen und zu befestigen. Der „Häusliche Ratgeber" schreibt in Nummer 29 unter „Ausstellung für Krankenpflege in Berlin", wie folgt: „Als ein unvergleichlicher Zusatz zur Krankenkost tritt uns hier wieder „Maggi" entgegen. Von Patienten und Rekonvaleszenten gern genommen, besteht seine hauptsächlichste Wirkung darin, daß die mit Maggi angerichteten Speisen besser verdaut und ausgenutzt werden- es erhöht somit den Nutzwert der mit ihm vermischten Nahrungsmittel. Aus gleichen Gründen wird die sparsame Hausfrau auch Maggi bet Bereitung des täglichen Mittags- und Abendtisches nicht entbehren wollen - kann doch beispielsweise die, an sich ziemlich geschmacklose, aus Hammelfleisch oder Rindfleisch gewonnene Brühe durch Maggi sehr vorteilhaft verbessert werden- ebenso Braten, Saucen, kurz alle Speisen zu denen man sonst Fleischbrühe verwendet. Für Wassersuppen und in Wasser gekochte Gemüse gilt dasselbe. Mr die Küche. Fisch Blanqnette mit Eiern. Von übrig gebliebenen, blaugesottenen Fischen löst man Haut und Gräten und erwärmt die in nette Stücke zerteilten Reste mit etwas Fischsud und Zitronensaft. Bereitet aus hellem Buttermehl mit Ftschsud eine leichtgebundene Sauce, läßt sie aufkochen und zieht sie mit Zitronensaft und Eigelb ab. Nachdem man die Sauce mit etwas „Maggi" fein abgeschmeckt hat, gießt man sie über die heiß gehaltenen Fischstücke und garniert die Schüsseln mit pochierten Eiern. Vermischtes. Englische Sonntagsruhe. Zwei hervorragende englische Zeitung n gingen vor einigen Wochen dazu über, auch am Sonntag eine Nummer drucken zu lassen, aber sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht: ein Sturm des Unwillens erhob sich gegen diese revolutionäre Neuerung. Die Bischöfe erklärten sich dagegen, fromme Bürger beriefen Protestversammlungen ein, viele Leser der Zeitungen zogen ihr Abonnement zurück, und selbst die öffentlichen Behörden gerieten darüber in Erregung. Eine der beiden Zeitungen, der „Daily Mail", erscheint wieder wie früher nur sechsmal wöchentlich, und die andere wird vermutlich auch bald in ihr altes Geleise zurückgehen. Der „Daily Mail" begründet seine Rückkehr zur alten Gepflogenheit mit dem Hinweis auf die öffentliche Meinung und auf ein Bittgesuch seiner Bediensteten, worin diese geltend machen, daß die Sonntagsausgabe es ihnen unmöglich mache, vormittags den Gottesdienst zu besuchen und nachmittags Lawn-Tennis, Krocket usw. zu spielen oder dem Rudersport zu huldigen. So seltsam und echt englisch diese Eingabe uns erscheinen mag, so drückt sich doch in ihr bündig das aus, was die Stärke der Angelsachsen ausmacht: die Achtung vor der nationalen Ueber- lteferung, die Uebung der religiösen Pflichten und die Pflege der Gesundheit. Bilanz eines Einnahmen. München, bronz. Med. u. 150 Mk. Geldpreis Mk. 150,— Berlin, silb. Medaille u. 200 Mk. Geldpreis „ 200,— Paris, zweite gold. Med. Geldpreis in deutsch. Geld.....„ 240,— Summa Mk. 590,— Davon ab: Gelöst f Radfahrers! Ausgaben. Ein Beinbruch (links) Kurkosten . . . . Mk. 173,50 Ein Beinbruch (rechts) Kurkosten. ... „ 188,70 Zwei Rippenbrüche . „ 54,— Ein Beinbruch (rechts) Kurkosten. ... „ 210,25 Zwei Rippenbrüche . „ 119,— Ein Schädelbruch . .„ 438,13 Summa Mk. 1183,58 Also — 593 Mk. 58 Pfg. Med. 39 „ 13 „ Bleibt — 554 Mk. 45 Pfg.!II („Münch. Jugend.") »ebaftion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmversitätS-Buch- und Steindruüerei (Pietsch Erben) in Gießen.