I Donnerstag den 14. Dezember. ; 8 ? eZ'D JsE/er Strom der menschlichen Geschäfte wechselt, ctm# Nimmt man die Flnt wahr, sühret sie zum Glück! Sero Versäumt man sie, so muß die ganze Reise Des Lebens sich durch Not und Klippen winden. Shakespeare. Nachdruck verboten. Pygmalion. Novelle von Anton Frhr. von Perfall. (Schluß.) Von dem Gartenhause her kam Frau Opel atemlos gerannt. Von der anderen Seite Leute mit Lichtern, zum Glück allen voran der alte Wachtmeister. Er machte rasch dem Jammern und Fragen seiner Gattin ein Ende und traf seine Anordnungen. Marie wurde in das Gartenhaus getragen, gefolgt von der rastlosen Frau Opel, die Leiche des Erschossenen in die Fabrik gebracht. Holaus war ihm dankbar für sein Eingreifen, noch mehr dafür, daß er keine Frage stellte. Holaus und Herrmann blieben allein zurück. Letzterer war weniger rücksichtsvoll, obwohl er die Wahiheit ahnte. „Wer war dieser Mensch?" fragte er. „Er war ihr Vater," erwiderte HolauS. .Verdammt!" Herrmann schleuderte den Revolver in da- Gras. «Und Du hast es gewußt? Natürlich hast Du eS gewußt!" „Ich habe es gewußt." «Und doch geschwiegen?" „Ihr zu Liebe! Wenn es ein Fehler war, so geschah es in relnster Absicht. Das kann ich beschwüren. Morgen hättest Du eS erfahren, daß sie nicht meine Tochter ist." „Morgen!" Herrmann lachte zornig auf. „Wir sprechen uns morgen." Er ging der Fabrik zu. Holaus folgte ihm wankend wie ein Betrunkener. Er fand den Weg nicht und irrte in der Finsternis umher. Wie war eS denn geschehen? Was wollte der Unglückliche mit Marie? Sie mit sich nehmen, sie töten?" „Alles in Ordnung, wir verstehen uns, Herr HolauS." DaS waren feine letzten Worte. Was war in Ordnung? In was verstanden sie sich? „Sie sprechen ja doch nicht, Sie find zu feig dazu." Ja, so sprach er. — Wie kam er dazu? Es lag ja eine Aufforderung darin, zu sprechen. Und der Unglückliche kam der Aufforderung nach. Er wollte sich dankbar erweisen und ging zu Marie, wartete, bis str allein war und sprach. Ja, so war es, nicht anders. Er hat ihn geschickt, unbewußt trat der ungezügelte Wunsch auf seine Lippen. Er war an allem schuld. An dem Mord? Nein, Mord war es nicht. Die Heirat ist aber unmöglich. Der den Vater getötet, kann nicht der Gatte der Tochter werden. Er ging immer rascher, völlig planlos. Die Zweige peitschten sein Gesicht, Dornen zerrten an seinen Kleidern, plötzlich stand er wieder vor dem Gai-tenhause. Das Eckfenster im ersten Stocke war beleuchtet — Mariens Zimmer I Das Zimmer der Braut. Lange blickte er hinauf. Und war eS nicht bester so? Liebte sie denn diesen Mann? Nein! „Der Rechte kommt nicht, kann nicht kommen — das sage ich Dir nicht —" Deutlich hörte er ihre Stimme. „Nun, weil er gerade so aur sehen müßte, empfinden wüßte — —" Da floh er wieder in die Nacht hinaus. Nein und abermals nein! Er darf sich den L hn nicht holen diese- heimtückischen Verrates, es klebt Blut daran, ihres Vaters Blut. Letztes Kapitel. Drei Tage waren vergangen, deren Schwüle sich jede» bis zum geringsten Ai beiter herab fühlbar machte. Man flüsterte sich alles Erdenkliche zu über die Leiche des Erschaffenen, die endgiltig als der gesuchte Dieb und Fälscher Andreas Fichtner festgestellt wurde, und doch kam nichts der Wirklichkeit gleich. Die Villa lag still mit verhängten Fenstern Wie ein beunruhigendes Geheimnis da. Herr Herrmann ging wider seine Gewohnheit wortlos mit gerunzelten Brauen umher. Er war nicht der Mann, sich über die rasche Thatache lange Vormüise zu machen. Außerdem war er ja in seinem vollen Rechte gegenüber diesem Schurken, der es gewagt, sich an seiner Braut, dem allgemein verehrten Fräulein, zu vergreifen. W nn man auch die Beweggründe dieses Uebersalles nicht begreifen konnte, so ließ man seinen Bermuiungen in dieser Beziehung freien Lauf. Darin war man einig, daß man an Stelle 718 des Bräutigams ebenso gehandelt hätte. DaS Gericht selbst teilte die Anschauungen, indem der Untersuchungsrichter nach Feststellung des Thatbestandes die Angelegenheit als erledigt, Herrmann als in berechtigter Abwehr handelnd erklärte. Erst den vierten Tag nach der verhängnisvollen Nacht betrat er die Billa. Einer beobachtete ihn genau, — Opel. Nach einer Stunde kam er erst heraus, noch immer ernst, aber nicht so finster, nicht mehr so drohend, eher traurig. Ja, wenn es dem Herrn Herrmann zuzutrauen gewesen wäre, Opel hätte geschworen, diese Augen seien etwas gerötet. Nun, ein Wunder wäre eS ja nicht. Opel wußte von seiner Ehehälfte alles, was sich im Gartenhause zugetragen. Am Nachmittag desselben TageS reiste Herrmann ab, auf lange Zeit, wie er selbst äußerte, unterdes werde Herr Holaus seine Stelle vertreten. DaS war eine Erlösung für Opel. Sie waren doch nicht auseinandergekommen über bett unglückseligen Menschen. Und am dritten Tage verließ Herr Holaus selbst die Alla. Er entging Opel nicht, der ihn umlauerte wie ein Wegelagerer. Drückte ihn doch noch immer das Bewußtsein, durch seinen Uebereifer die ganze Katastrophe herbeigeführt zu haben, welche alle Pläne seines Herrn mit Fräulein Marte für immer vernichtete. Scheu trat er seinem Herrn entgegen, ängstlich seine Mienen durchforschend. Eine milde Klarheit lag darin, der Sieg der Ueber- wtndung. Opel sah nur eines, wie er ihm zulächelte, mit der Hand winkte. Da stand er schon bolzengrade vor seinem Herrn. „Opel, das waren schlimme Tage," sagte Holaus milde. „Nur meine Schuld, Herr Holaus. Jagen Sie mich zum Teufel. So ein alter Polizeimensch taugt zu nichts anderem mehr in der Welt. Holaus legte seine Hand auf des Alten Schulter und schüttelte den Kopf. „Glauben sie daS nicht. — Ihre Schuld! So wenig Ihre Schuld, als die Geschichte in jener Regennacht, die uns zusammengebracht, die meine. Alles höhere Fügung. In drei solchen Tagen, wie ich durchgemacht, gehen einem die Augen auf, lieber Opel. Wir bleiben beisammen." Er drückte dem treuen Diener die Hand. Der spürte ein verdächtiges Kitzeln in den Augen, die Enden des weißen Schnurrbartes zitterten bedenklich, und um alles hätte er kein Wort herausgebracht. Es kam nur ein schnarrendes, unverständliches Stöhnen auS seiner Kehle. Holaus ging dem Gartenhause zu. Manchmal blieb er stehen, legte die Hand auf das Herz und atmete tief die würzige Herbstluft. Frau Opel empfing ihn mit dem feierlichen Flüstern und Deuten, daS uns stets in dem Hause eines Kranken begegnet. Dann beichtete sie ihm, wie Marie ihr keine Ruhe ließ, btS sie ihr alles erzählt von der armen Mutter, von der Rettung aus dem Strome, von allem Großen, was er an ihr gethan von der ersten Stunde an. „SRa, da können Sie sich denken, wie ich loSgelegt habe," meinte die gute Frau. „Grad' auf den Mund geschaut hat sie mir wie ein Kind, dem man ein Märchen erzählt. Und wenn er schon Dein Vater nicht ist, so ist er doch Dein größter Wohlthäter, ein Freund, um dem man zwanzig solche, wie der Herrmann ist, verlieren kann. So hab' ich gesprochen, und wie sie mir dann so verständnisvoll zugenickt hat, habe ich sie was gefragt."-- Frau Opel machte ein verschmitztes Gesicht, das Holaus beunruhigte. ES war die höchste Zeit, ihrem Redefluß Einhalt zu thun, wenn er nicht selbst schwach werden sollte. „Ich hoffe/ nichts, wozu Sie keine Berechtigung hatten," erwiderte er streng verweisend, jede Erwiderung abschneideud. Die Stiege erschien ihm steiler als je, die Füße mit Bleisohlen behaftet. Frau Opel öffnete leise die Thür zu Mariens Zimmer, warf einen Blick durch die Spalte, winkte Holaus geschäftig und öffnete vollends. Marie saß vor dem Fenster, in eine seidene Decke gehüllt, das Haar gelöst, den Kopf in die Hand gestützt, gedankenverloren hinausblickend in die herbstliche Landschaft. Holaus blieb dicht an der Thür stehen. „Marie!" Sie wandte mit mehr erstaunter als erschreckter Bewegung den Kopf. Offenbar erkannte sie die fremdklingende Stimme nicht. Dann aber sprang sie auf, ließ die Decke fallen, klammerte sich mit beiden Händen, nach rückwärts greifend, an das Fenstersims und sah Holaus an wie eine fremdartige Grscheinuug. Vergebens wartete er auf eine Ansprache. Ihre Brust ging hoch, ihr Atem flog. „Marie! Mein Kind!" Da schlug sie die Hände vor das Antlitz und ließ sich in den Sessel fallen. „Dir zuliebe habe ich geschwiegen, Marie, gelogen, — betrogen, —" seine Stimme steigerte sich. Er war dicht zu ihr getreten. „Der Ausgang ist nicht meine Schuld; nenne es Verhängnis, Sühne. Mich nur lasse es nicht entgelten, mich nicht." Marte barg noch immer ihr Antlitz in den Händen. Holaus faßte sich gewaltsam. So ging es nicht. Der Drache Leidenschaft erwachte schon wieder in seiner Brust, kaum eingeschläfert. „Herrmann ist abgereist," fuhr er gelassen fort. „Du wirst das begreiflich finden. Er giebt Dir hiermit Dein Wort zurück. Das Schicksal trennt Euch für immer. Es wird ein Schmerz sein für Dich. Ich begreife das wohl, — aber — Du bist ja noch jung. Du wirst darüber hinwegkommen, neue Eindrücke — — Marie, ich ertrage Dein Schweigen nicht." Seine Stimme hob sich jetzt leidenschaftlich. Was auch geschehen ist, Du darfst nicht vergeffen, wer ich Dir war, wer ich Dir noch sein muß. Du kannst mir einen Namen nicht entziehen, auf den ich ein ständiges Anrecht mir erworben, — den Namen Vater!" Marie schauderte zusammen und blickte aus ihrem blonden Haarwald, wie gestörte» Sinnes auf Holaus. „Sprich ihn nicht mehr aus den Namen, ich beschwöre Dich, den entsetzlichen, der mich in meinen Träumen verfolgt. — Du — Du mein alles, mein Höchstes." Ihre Augen gewannen einen überirdischen Glanz" „Mein Schöpfer! Mein Erlöser! Du und dieser für mich grauenvolle Name haben nichts mehr gemein." „Welchen anderen willst Du mir geben, Marie?" Holaus kniete jetzt vor der Kranken und hielt ihre Hand fest in der seinen. „Einen, den mein Herz schon lange ruft, — nur konnte ich es nicht verstehen, jetzt aber erfüllt er mich ganz. Errätst Du ihn nicht? Willst Du ihn nicht nennen?" Goldene, herbstliche Lichter huschten über das verklärte Antlitz, das sich über ihn neigte. „Geliebter!" flüsterten ihre Lippen. Er wollte aufspringen, fich ihrer Umarmung wehren, — doch sie ließ ihn nicht. „Mein Herr I Mein Meister! Mein alles in der Welt." Was waren alle starren, selbstquälerischen Vorsätze der letzten Tage, alle Borwürfe, alle Einwände, aller Heroismus, mit dem er sein schmerzvolles Geheimnis gehütet? DaS alles verflatterte wie ein leichtes Gewölke vor dem lodernden Strahl, der jetzt in seine Seele fiel. 719 — Zwei Arme breiteten sich ihm entgegen, eine Wolke von Wonne, Jugend, Liebe umhüllte ihn. Es war Geist von seinem Geiste, was er im ArmeAielt, bas Werk seiner Bildung. Der Traum des Pygmalion hatte sich erfüllt. * * * Als Herrmann nach einem Jahr von seiner Reise zurückkehrte, traf er das Paar schon vermählt. Gewohnt, alle Dinge mehr in dem klar wägenden Verstände, als gleich Holaus mit dem Gesühle abzumessen, war er nicht überrascht, ganz abgesehen von aufklärenden Briefen des Freundes. Nachdem sein augenblicklich entflammter Zorn fich bereits in der Unterredung mit Holaus, einige Tage nach der verhängnisvollen Nacht, an dem tragischen Schicksale desselben gebrochen, war er selbst derjenige, welcher trotz aller Einwände und großmütigen Bedenken Holaus' diesen Abschluß mit Sicherheit voraussagte. Ebenso rasch fand er sich in die neue, anfangs peinliche Situation, wozu ihm die offene Herzlichkeit Mariens nicht wenig verhalf, die ihr Wesen ihm gegenüber nicht im geringsten zu ändern brauchte, nachdem sie einmal sich selbst klar erkannt. * * * Der Pygmalion aber kam zu hohen Ehren. Er schmückt jetzt das Boudoir der Frau Holaus, der glücklichsten Frau unter der Sonne, weil es ihr vor allen Sterblichen gegönnt ist, eine doppelte Liebe zu genießen, die Liebe zu dem, dem sie ihre Auferstehung verdankt, ihrem wahren Lebensspender, und die Liebe zu dem Gatten. Wie sollen die Weihnachtssendungen aussehen? Der große Weihnachts-Postpaketverkehr stellt nicht allein erhöhte« Anforderungen an die Postverwaltung, sondern in gewissem Sinne auch an jeden, welcher in den letzten Tagen des gewaltigen Verkehrs eine Sendung der Post in der zuversichtlichen Erwartung übergiebt, daß sie den Bestimmungsort unversehrt erreichen und ihren Zweck auch wirklich erfüllen, d. h. dem Empfänger zum Christfeste recht viel Freude bereiten wöge. Um nun sich selbst vor Schaden und Verdruß zu bewahren und einem in der Ferne weilenden lieben Angehörigen die zugedachte Weihnachtsfreude sicherzustellen, ist es unbedingt erforderlich, daß der zur Versendung bestimmte Gegenstand: 1. postordnungsmäßig verpackt und 2. möglichst frühzeitig zur Auflieferung gebracht wird. Nur für „postordnungsmäßig" verpackt eingelieferte Sendungen leistet die Postverwaltung im Falle des Verlustes oder einer Beschädigung Ersatz und zwar in der Weise, daß der wirklich erlittene Schaden, jedoch niemals mehr als 3 Mark für je Kilogramm, vergütet wird. Unter „postordnungsmäßig" ist zu verstehen, daß der Gegenstand in so gesicherter und zweckentsprechender Weise verpackt ist, daß eine Beschädigung desselben, ohne besondere äußere Einwirkungen und Fahrlässigkeiten bei der postseitigen Behandlung, als ausgeschlossen erachtet werden kann. Zur Versendung von Flaschen mit flüssigem Inhalt, Glassachen und sonstigen leicht zerbrechlichen Gegenständen eignen sich am besten Körbe aus Weidengeflecht, weil dieselben elastisch sind und vermöge dieser Eigenschaft jeden Stoß, Fall re. bedeutend abschwächen. Dann versäume man nicht, die einzelnen, leicht zerbrechlichen Teile derart mit Heu, Stroh oder Hobelspänen nach allen Seiten zu umgeben, daß sie einander nnmtttelbar nicht berühren können. Papier eignet sich nur dann als Berpackungsstoff, wenn es in ausreichender Menge, bezw. geballt Verwendung findet. Zur .Perpackung sonstiger Gegenstände wähle man, besonders wenn es sich um Sendungen im Gewichte von mehr als 5 Kilogramm handelt, starke Holzkfften. Eine Umschnürung mittels Bindfaden ist überflüssig, desto mehr achte man darauf, daß die Kiste gut, und zwar so vernagelt wird, daß nicht einzelne Nägel aus den Holzteilen hervorragen. So ist in einem Falle festgestellt worden, daß bet der Handhabung einer von Berlin nach Köln bestimmten Kiste, aus welcher ein Nagel seitlich hervorragte, nicht weniger als acht Postunterbeamte sich die Hände, sogar zum Teil recht schwer, verletzt hatten. Unter keinen Umständen benutze man, auch wenn es fich nur um kurze Entfernungen handelt, Zigarrenk sten, Hutoder sonstige Pappschachteln, selbst wenn man sie noch so schön mit einer Papierhülle umgiebt und nach allen Regeln der Kunst verschnürt. Das Schicksal eines derartigen „Postpakets" ist besiegelt, sobald es die Bekanntschaft einer stärkeren, bezw. schweren Kiste macht. Von ganz besonderer Bedeutung ist die haltbare und sichere Befestigung der Paketaufschrift — Adresse. Am zweckmäßigsten ist es, die Adresse unmittelbar auf das Paket oder die Kiste niederzuschreiben- wo solches nicht angängig, nehme man weißes Schreibpapier und klebe die Aufschrift recht sorgfältig auf. Die Verwendung von Siegellack, welcher leicht abbröckelt, ist für diesen Zweck unstatthaft, ebensowenig dürfen Postpaket - Adressen zur Paketausschrtft benutzt werden, weil sich dieselben leicht ablösen. Für Körbe, unverpackt aufzuliefernde Gegenstände, Hasen, Geflügel re. empfiehlt es sich, die Aufschrift auf eine Fahne aus starkem Holz niederzuschretben. Die so beliebten Bretter einer Zigarrenkiste — wohl, weil sie am ehesten zu haben sind — brechen leicht und dürfen nicht benutzt werden, wenn der Absender sich und andere vor Schaden bewahren will. Die Befestigung der Fahne geschehe besonders vorsichtig und nur unter Benutzung guten, haltbaren Bindfadens. Es leuchtet ein, daß cs Mühe kostet und oft viele Tage, ja Wochen dauert, ehe die Postverwaltung den Empfänger einer aufschriftlosen Paketsendung — besonders zur Weihnachtszeit — ermittelt hat. Wer einigermaßen besorgt um das Wohl und Wehe einer Weihnachtssendung ist, der gebe dieselbe möglichst frühzeitig, nach weit entfernt oder abgelegenen Orten am zweckmäßigsten in der Zeit vom 18. bis 22. Dezember zur Post. Es darf auch nicht außer Acht gelassen werden, daß am ersten Weihnachtsfeiertage die Landbestellung im ganzen Deutschen Reiche ruht. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß sich zur Weihnachtszeit auch nicht jeder Gegenstand zur Beförderung mit der Post eignet. Da sieht man nicht selten für die lieben Enkelkinder ein schön „gewesenes" Schaukelpferd mit zerbrochenen Beinen oder fehlendem Kopfe, hier einen teueren, aber zerdrückten Lehnsessel für den Großpapa und dort für die geliebte Braut einen wertvollen Ständer, Blumen- oder Nähtisch mit abgebrochener Säule oder geschundener Politur u. s. w., u. s. w. Hätte man da nicht besser gethau, die vorbezeichneten größeren Gegenstände der Bahnver- walrung zur Beförderung als Eilgut zu übergeben? — Gewiß! Silbenrätsel. (Nachdruck verboten.) ach, ab, alt, aS, au, b, cf, crci, eer, en, ern, el, lau, 16, m, n, m, e, pH, r, ri, st, wci, z, zi. Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Modernes Verkehrsmittel. 2. Festlich- Zeit. 3. Figur aus einer Wagner'schen Oper. 4. Ein Metall. 5. Futter eines nützlichen Insektes. 6. Dunkelfarbiges Mineral. 7. Bekannten Maler. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Verzichte ganz, so bist du frei von Schmerzen, Begreife, was notwendig, und sei frei, Zerbrich der Selbstsucht schnöde Tyrannei; — Dann wird es Friede sein in deinem Herzen. Felix Dahn. 720 — Modenbericht für Ballkleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schinttmanufaktnr, Dresden-dk. Reichhaltiges Modenalbum ä 50 Pfg. daselbst erhältlich. Das Weihuachtssest steht vor der Thür und mit ihm eine Reihe von Freuden- und Festtagen sür jung und alt. Für die Kinder ist das schöne Weihnachtssest wohl der Glanzpunkt des ganzen Jahres und auch sür manche große Kinder ist es nicht viel anders, wenn auch die Wünsche andere geworden sind. Wünschte sich das Kind eine schöne Puppe oder gar ein Puppcnhans, so steht der Sinn der Erwachsenen nach einem modernen Ballkleid ober einem neuen Schmuck für den Ballsaal, und damit derartige Herzenswünsche zu voller Zufriedenheit erfüllt werden können, wollen wir mit folgendem eine gedrängte Uebersicht über die neueste Ballniode bringen: „Leicht, duftig, zartfarbig", das ist die Devise, welche in diesem Jahr für alles, was Ballsachen heißt, gilt. Schon die Stoffe entsprechen ihr, zumal was solche für junge Mädchenblüten anlangt, voll und ganz. In der ersten Reihe steht Ballgaze in allen Lariationen. Dieses duftige Gewebe verlangt ja unter allen Umständen ein seidenes Unterkleid, was vielleicht manchem zu hoch im Preise erscheinen mag, aber in Wahrheit ist das nicht so schlimm, als cs zuerst erscheint, denn einesteils kann man leicht ein schon getragenes Seidenkleid verwenden und andernteils hat man die für diesen Zweck bestimmten Seiden schon zu mäßigem Preis. Dafür ist ein derartiges auf Seide gearbeitetes Gazekleid auch das Schönste, was man sich denken kann, und lassen sich durch verschiedenartige Zusammenstellungen immer wieder neue und eigenartige Effekte erzielen, denn es geht sehr wohl an, Unter- und Ueberkleid von verschiedenen Farben herzustellen. Natürlich wird dann die Gaze einfarbig sein müssen, während das Unterkleid ost große Blumenmuster aufweist, wie sie der bekannten Libertyseide eigen sind. Die Zusammenstellung von einem einfarbigen Unterkleid mit gemusterter Gaze ist jedoch die vorherrschende. Da sind zunächst die durchbrochenen, in Karomusterungen gehaltenen Gazen zu empfehlen. Dieselben sind zumeist in matten, sogenannten Pastellfarben gehalten, wie blaßgrün und rosa, hellblau und gelb oder hellgrün, hellblau und rosa. Eine dieser Farben wählt man dann auch für das Unterkleid. Andere Gazen haben ihren Reiz in glänzenoen, schmäleren oder breiteren Seidenstreifen. Das Schönste dieser Art sind jedoch ©eiben« gazen mit Rokokoblumen. Der Grund zeigt sich in einer schönen matten Farbe, wie rosa, hellblau, hellgrün ober lila und ist in sich durch breite Moirecstreisen gemustert, darüber legen sich die denkbar zartesten Blumenranken, welche dem Rokokogeschmack eigen sind. Eine andere, besonders für jugendliche Ballnovizen geeignete Neuheit find die Gazen mit Tautropfen Das ganze Gewebe ist dicht mit den Tautropfen täuschend nachgebildeten Glas- perleti besät, welche im Licht flimmern und schillern nnd zttm Zarten noch den Glanz fügen. Diese Neuheit mag wohl ihren Ursprung der großen Beliebtheit der Pailletenstoffe verdanken, welche auch diese Saison ihre Herrschaft noch nicht ausgeben. In weiß sowohl als auch in schwarz erscheinen sie in immer neuen Mustern und besonders junge Frauen lieben sie sehr als Ballkleider zu tragen. Wem es nicht auf die Kosten ankommt, der kann sich in diesem Genre bic entzückenbste Robe wählen. Dieselben sind gleich der Rock- und Taillensorm entsprechend gewebt und in prächtigen Mustern mit Pailleten F'g- 1. \ M Iura-------si: F'g- 2 besetzt. Vielfach werden diese Paillettenstickereien auch durch Stahl- und Goldperlenstickerei ersetzt, welche als ganz besonders modern und elegant gelten. Doch nicht allein diese zarten Gewebe wie Gaze und Chiffon sind find für den Ballsaal modern, wenngleich sie dominieren, sondern die Seide beansprucht nach wie vor ihre Rechte in diesem Reiche, zumal auch darin wie alljährlich, reizende Neuheiten erschienen sind. Damaffee, tyl9- 3. gegen ist allgemeine Revolution, und die Meinungen schwanken unklar hin und her, sodaß wohl derjenige am . besten daran lhut, welcher weder bei eine noch bas andere Extrem wählt, sondern hübsch auf der goldenen Mittelstraße bleibt. Es wird nämlich dem ganz engen Rock, welchem wir übrigens nie das Wort geredet haben, ganz energisch Krieg erklärt nnd dasür der in dreiviertel Länge in Falten ge« gesteppte oder ringsum eingereibte Rock einzuführen versucht. Aller Voraussicht nach wird man nun wohl beide verschmelzen, indem man die Vorder» nnd Seitenbahnen des engen Rockes beibehält und vom weiten Rock die in doppelte Quetschfalte gelegte Hinterbahn hinzufügt. Dies ist jedenfalls eine weder nach der einen noch nach der andern Richtung hin auffallende Form, welche außerdem recht kleidsam ist. Dabei ist wohl kaum anzn- uehmen, daß die jetzt erst Fuß saffende Tunika ganz vernachlässigt werden sollte, zumal sie sich gerade sür die Ballmode so vorzüglich eignet, wie unsere Abbildung Modell Nr. 1 beweist. Bietet sie doch Gelegenheit, leichte und schwere Stoffe in reizvoller Weise zusammenzustellen, indem man Tunika und Taille aus Seide fertigt, während Taillengarnitur nnd der unter der Tunika sichtbar werdende Volant aus Gaze, Chiffon, Tüll oder anderem duftigem Material bestehen kann. Auch die in dieser Saison so ungemein beliebten Volants mit Rüschen, -Spitzen,- Bandbesatz rc. können unterhalb der Tunika wirkungsvoll angebracht werden. Wie man diese leichten Stoffe auf der Taille in Zusammenhang mit Seide anbringt, zeigen die beiden Abbildungen 1 und 2, indem Figur 1 mit Chiffonsshwals und Blumen drapiert ist, während Figur 2 einen Einsatz aus plissiertem Chiffon aufrocift, wozu die Spitzentaille sich sehr elegant ausnimmt. Besonderen Reiz erhalten beide Taillen durch die jetzt vielfach angewandte Garnitur von dunklem Sammet in Form von Spangen, Rosetten und Rokokoschleifen. Stoffe, Formen, Ideen giebt eS für diese Winterkampagne genug, und an Mitteln, sich festlich zu schmücken, fehlt es nicht. Zum Schluß also ein freundliches „Glückauf" der tanzlustigen, fröhlichen Jugend mit dem Wunsche, daß die Saison eine recht vergnügte werde. Moiree antique, Armüre usw. werden gern von Frauen gewählt, während junge Mädchen mehr Libertyseide und vor allem Bengaline vorziehen, wenn nicht gar der durch seinen schönen Faltenwurf alle andern übertreffende Chiffon bevorzugt wird. Doch eS würde zu weit führen, wollten wir noch weiter vom Material sprechen, während wir von den Formen noch nichts erwähnten. Die Taillen weisen keine durchgreifenden Aenderungen auf, außer höchstens, daß man nicht mehr lediglich auf den ganz kurzen Aermel, man möchte fast sagen, ärmellosen Schnitt angewiesen ist, denn der halb- lange Aermel taucht immer mehr auf und gewinnt feiner Kleidsamkeit halber immer mehr Anhänger, während der lange Aermel zur ausgeschnittenen Taille keinen allgemeinen Anklang zu finden scheint. Wählt man ihn doch, so ist er jedenfalls aus durchbrochenem Spitzenstoff oder ober anderem ganz durchscheinenden Stoff zu fertigen. Auf dem Gebiet des Rockes hin- ....... £iiterarifd?es» Die Kunst beS Schneiberns gehört mit zu denjenigen Fertigkeiten, die dem weiblichen Geschlecht in allen Lebensstellungen und unter allen Umständen von Wert sind. Der Gattin, der Mutter kommt die Kenntnis im Schneidern zu statten, die vornebme Frau vermag dadurch einen wirksamen Einfluß auf die individuelle Gestaltung ihrer Toiletten zu nehmen, dem Mädchen, welches auf eigenen Füßen stehen muß, wird damit eine Existenz geboten. Niemand sollte daher versäumen, sich diese so nützliche Kunst anjneigncn, die nicht blos im Nähen, sondern auch in der Kenntnis des Zuschnitts besteht. Speziell für den letzteren giebt es in einem im Verlag ,,Euryp.-Mod««zeitung, ' Dresden, neu erschienenen Zuschneidewerk, betitelt die perfekte Schneiderin, (Preis in Mappe 6 Mark). Anleitungen von überraschender Einfachheit, die durchaus auf dem Wege des Selbstunterrichts in kürzester Zeit zu den günstigsten Resultaten führen. Das Werk sand in allen Kreisen die denkbar günstigste Beurteilung unb innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit eine Verbreitung in vielen tausend Exemplaren. Prospekte über alle wichtigen Hilfsmittel zur Erlernung der Schneiderei verlange man vom Verlag Europ.-Modeuzeitung, Dresden. Es ist ein sehr nützliches und paffendes Weihnachtsgeschenk. Äebaftten: «. Burkhardt. — «rud nn> «erlag der «rühl'schen Uuiverfltttl-Buch. und Steinbruderei (Pietsch Erben) in Gießen.