Dienstag den 14. November IZRZ vMKägi'V,: sisJlshh ■;Ns i'HHiii^:. e 12144> Hü MS ?cr Mensch kann nichts Höh'rc^ erstreben, Im Kampfe mit Sorge und Not, Als ein gutes Gewissen im Leben, Einen guten Namen im Tod. Badenstedt. Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. D i t f u r t h. (Fortsetzung.) XXI. Wieder sandte die Oktobersonne spärliche Strahlen auf die Terrasse im Garten des Gylfenhofes, wo Renata mit dem Professor auf und ab ging. Den Bewohnern des alten Hauses hatte die neue Genossin sich so unvermerkt eingefügt, als sei sie immer dort gewesen,- und sie selbst fühlte sich unbeschreiblich glücklich. Das zeigte sich auch auf ihrem Gesicht und machte es zu einem sehr lieblichen. Dann fand Charlotte sie doch ihrer Mutter ähnlich, sie hatte dasselbe Lächeln gehabt. Frida kam der Pflegeschwester mit aufrichtiger Wärme entgegen. Sie fand Renatens und ihrer Eltern Geschichte, so wett sie ihr mitgeteilt wurde, sehr traurig und romantisch, lernte aber Renatens ganzes Wesen nun auch besser verstehen. Max ging mit Anfang des Wintersemesters auf eine andere, ferne Universität. Die letzte, ernste Zeit hatte auch auf ihn vorteilhaft gewirkt, und sein Verhältnis zu Renata gestaltete sich beinahe brüderlich. Charlotte hatte angeordnet, daß Renata dasselbe Zimmer bewohnte, in dem ihre arme Mutter die glücklichsten Mädchenträume geträumt, und sie weinte laut auf, als der alte Sekretär wieder am alten Platze war. Und der Profcsfor erzählte mit seinem ernsten Lächeln, welche genußreichen Lesestunden er in dem traulichen Winkel dahinter verlebt habe, wenn er sich, wie es oft geschehen, zu Helene geflüchtet. Renata mußte sich ihn darauf ansehen und malte sich aus, wie er als Knabe ausgesehen. Wie freundlich war ihr dabel der Gedanke, daß ihre Mutter ihn so lieb gehabt und er an ihr gehangen. Und doch schien es ihr eine Unmöglichkeit, „Onkel Gottfried" zu ihm zu sagen, wie ihr Frida sehr eifrig vorgeschlagen hatte, da sie ja nun mit allen das freundliche Du wechselte. Sie war verlegen geworden und Charlotte hatte sie mit sonderbarem Sinnen angesehen. Alles das zog an Renata vorüber, als sie mit Gottfried im Herbstsonnenschein die Terrasse auf und nieder wandelte. „Heute ist's ein Jahr," brach Renata das Schweigen, „daß ich dies alte Haus zum erstenmal sah, wie hätte ich ahnen können, was ich verlieren und finden würde! — Mein lieber, kleiner Walter." „Wohl wäre es schön, hätte auch er eine Erdenheimat im Hause seiner Väter gefunden," sprach der Profeflor Wolfram ernst und warm, „Gott wird ja wisien, warum Sie allein hier einziehen mußten." «Ich habe nicht geglaubt, Herr Professor, daß mir, der Einsamen, noch ein freundliches Los zufallen würde, und lassen Sie mich es aussprechen, wie ich täglich Gott danke und ihn bitte, daß er Sie und die Ihren segnen möge dafür." Ihre Stimme klang gedämpft und unsicher, aber er fühlte ihre tiefe Bewegung heraus. Er faßte ihre Hand und sagte warm: .Maren Sie es nicht, die den Segen ins Haus gebracht hat? Wahrlich, ich bitte darum, daß er bleiben möge mit Ihnen und durch Sie, Renata. Wie doppelt glücklich bin ich gerade, in Ihnen die Tochter Helene Rinnewarts gefunden zu haben." Er hatte erregt gesprochen und sie hörte mit pochendem Herzen zu- sie zog ihre Hand aus der seinen, und eine Pause trat ein. „Wie kamen Sie zuerst auf den Gedanken, ich könnte Helene Rinnewarts Tochter sein?" fragte Renata nach einer Weile. „Genau kann ich das nicht sagen," antwortete er, „vielleicht begann ich darüber nachzudenke», als wir Ihre Aehnlichkeit mit dem Bilde im Archiv entdeckten." ,. Fiel Ihnen der Name Wendelin nicht auf? Sie hatten doch oft von meinem Onkel gehört?" „Der Onkel wurde von Ihrem Vater sowohl, als auch später von Ihrer Mutter stets Onkel Vollrad genannt, und der Name Wendelin wurde fast gar nicht gebraucht. Hätte ich beide zusammen wieder gehört, würde mir die ganze Geschichte bald klar gewesen sein. Jedenfalls beschäftigte mich Ihre Aehnlichkeit mit Ihrem Vater am meisten- aber bestimmte Vermutungen stiegen erst in mir auf, als ich Walters Bild sah, er muß Ihrer Mutter fabelhaft geglichen haben." „Bin ich denn meiner Mutter so ganz unähnlich?" fragte Renata mit leiser Trauer. „Ja," antwortete er, sie aufmerksam und doch mit zarter Zurückhaltung betrachtend. „Ihre Züge sind ganz die der Gylfen, aber das Lächeln haben Sie von Ihrer Mutter/' „Wie kommt's, daß Tante Charlotte sich nie mit solchen Vermutungen beschäftigt hat?" fragte Renata. „Das ist auch wunderbar," erwiderte der Professor, „sie mochte Erich Gylfeus Persönlichkeit nicht mehr so im Gedächtnisse haben wie ich, sie sah ihn nur ganz flüchtig. Außerdem nahm meines Vaters Zustand sie ja fortwährend körperlich und seelisch in Anspruch." „Gesprochen haben Sie nie mit ihr darüber?" fuhr seine Begleiterin fort. „Nein, absichtlich nicht, ich wollte sie nicht vielleicht nur vergeblich quälen und aufregen, und der Verkehr mit Ihnen wäre dadurch vollständig gestört worden und hätte seine Unbefangenheit eingebüßt. Sie haben selbst gesehen, wie Gott unser nicht bedarf, auch für mich hieß es, in Geduld warten- hätte ich willkürlich eingegriffen, es wäre wohl sehr ungeschickt ausgefallen, nicht wahr?" Sie blickte mit feuchten Augen zu ihm auf, da trat jemand in den Garten, es war Frida und Viktor Burghoff. Renata fühlte, wie ihr das Blut zu Herzen schoß, aber sie bemeisterte diese Aufwallung und konnte mit einer gewissen Ruhe den beiden entgegensetzen, doch unwillkürlich war sie dem Professor einen Schritt näher getreten, als sei sie da sicherer. Der junge Doktor kam von seiner Reise zurück und wollte nun von den Freunden Abschied nehmen, um in den nächsten Tagen eine Stelle an einer Lehranstalt in einer entfernten Stadt anzutreten. Er äußerte lebhaft seine Freude über den Wechsel in Renatens Verhältnissen, und daß sie nun im Gylfenhofe eine liebe Heimat gefunden habe. Wie bange war Renaten doch vor diesem Wiedersehen gewesen, und nun konnte sie zu ihrer eigenen Verwunderung so unbefangen herzlich mit ihm sprechen, daß sie über ihre eigene Furcht lächelte. Der junge Mann verabschiedete sich bald. „Hoffentlich auf Wiedersehen zu Weihnachten!" sagte er fröhlich und seine glänzenden Augen streiften dabei Fridas rosiges Gesicht. Man ging noch gemeinsam durch den Garten- aber in der Nähe des Hauses blieb Renata stehen und Wolfram ebenfalls, während Viktor und Frida im Hause verschwanden. Renata sah ihnen nach und dann mit stillem Lächeln zu ihrem Gefährten auf, der sie forschend betrachtete. „Ich glaube, wir find überflüssig," bemerkte sie halblaut. Er antwortete nicht, sondern atmete nur heimlich tief auf — Der November zog vorüber mit seinem Nebel und dunklen Tagen, und Renata dachte mehr denn je der bor jährigen Zeit, an Walters Scheiden, an die darauf folgende Herzenseinsamkeit, aber auch an die Liebe, die ihr schon damals entgegengetreien war und ihr hatte tragen helfen, wie sie es jetzt wieder that, bei all' den schmerzlichen Erinnerungen, in zarter, schonender Weise. So wurde auch diesem Weh der Stachel genommen, und Renata konnte sich herzlich mit den andern auf Weihnachten freuen, das mehr und mehr heranrückte. Es hatte einen eigenen Reiz für das junge Mädchen, so in einem trauten Familienkreise sich auf das Fest zu rüsten und sie selbst dachte sich allerlei kleine Ueberraschungen für ihre Freunde aus. Aber beim Professor scheiterte all ihr Nachdenken, und auch Frida, die sie um Rat fragte, konnte ihr nicht helfen, sie war mit Mama Falkner stets selbst in Verlegenheit um ein Geschenk für den anspruchslosen Onkel. Ihn selbst auf irgend eine versteckte Weise zu fragen, wagte Renata nicht, er war oft so sonderbar, daß sie vergebens sich bemühte, den alten, unbefangenen Ton ihm gegenüber zu finden. Sie mußte aber einige Tage vor Weihnachten auf Tante Charlottes Geheiß mit ihm einen Tannenbaum kaufen, da er behauptete, das könne er nicht allein, und Frida war mit ihren Weihnachtsarbeiten noch sehr im Rückstand. Etwas still und befangen war sie mit ihm gegangen, und nun hatten sie obendrein noch Noltes getroffen, die dabei so eigentümlich gelächelt hatten. Die kleine Frau Pastor drohte dem jungen Mädchen noch heimlich mit dem Finger. Vielleicht wären die Damen gar nicht so aufmerksam geworden, hätte der Herr Professor nicht so fröhlich und jugendlich ausgesehen. „Renatchen, Renatchen," flüsterte Frau Pastor Nolte, „Sie haben doch recht, der Herr Professor ist noch recht jung- wissen Sie noch, als wir zuerst davon sprachen?" Renata kehrte mit ihrem Gefährten noch stiller heim, als sie gegangen, und gab sich das Versprechen, nie wieder allein mit ihm auszugehen. (Schluß folgt.) Der Weltuntergang. Eine astrophysikalische Studie zum 13. November. Von Rudolf Curtius. ------- Nachdruck verboten. Wenn der ebenso schnapsfröhliche wie trübselige Handwerksbursche im Lumpazivagabundes die Reimworte singt: „Drum ist mir auch so entsetzlich bang; denn die Welt steht leider nicht mehr lang," so steht er mit seiner Furcht, daß für die gesamte Menschheit das schöne Erdendasein und die süße Gewohnheit zu leben plötzlich ein jähes und furchtbares Ende durch eine Weltkatastrophe finden könne, nicht allein. Zu allen Zeiten hat es Unglückspropheten gegeben, welche den Weltuntergang für einen nahen Termin in Aussicht stellten. Schon die ersten Christen erwarteten infolge mißverstandener Aeußerungen des Heilands spätestens im Jahre 100 nach dem Beginn unserer Zeitrechnung den Anbruch des jüngsten Tages. Später schreckten allerhand Weissagungen und vor allem die abergläubische Deutung, welche in jenen unwissenden Zeiten das Auftreten ungewöhnlicher Himmelserscheinungen als Zuchtruten der Gotlheit erfuhr, die Menschen immer wieder aufs neue mit der Furcht vor nahen Katastrophen, und im Jahre 1000 nach Christus glaubte man ganz allgemein mit der größten Bestimmtheit den Untergang der Welt erwarten zu dürfen. Obgleich nun der Gang der Ereignisse den mystisch veranlagten Gemütern bisher diesen blutigen Gefallen nicht ge- than hat, treten derartige Prophezeiungen auch jetzt noch regelmäßig nach kürzeren Zwischenräumen wieder auf, und allein in unserem Jahrhundert ist der Weltuntergang mehr als ein Dutzend Mal angekündtgt worden. Derartige Voraussagen belieben nur, sich heute ein anderes Mäntelchen umzuhängen- denn die Prophezeiungen des Nostradamus und anderer Geheimniskrämer, welche so lange dankbares Material lieferten, schmecken heute doch gar zu sehr nach dem finsteren Mittelalter. Man zieht es daher vor, sich mit wissenschaftlichem Ausputze zu versehen und findet damit neue Gläubige, welche der alten Parole nicht mehr folgen würden. Dem gegenüber hat aber die Naturwissenschaft ebensoviel Recht wie Pflicht, alle derartigen Spekulationen auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen und die Möglichkeiten zu erörtern, die zu Weltkatastrophen führen könnten. Mit einem allgemeinen Weltuntergänge nach Art des indischen Nirwana oder der Götterdämmerung der nordischen Mythologie, bei welchem alles, was besteht, vom „großen Nichts" verschlungen wird, ist es nichts- denn die Materie ist unsterblich wie die Kraft, und nicht ein Gramm Stoff kann irgendwo verschwinden, ohne anderswo und in anderer Gestalt wieder aufzutreten. Für uns Menschen kommt es aber auch nicht — 656 — darauf an, sondern vielmehr auf die Frage, ob und wie lange unserem Geschlechte auf der Mutter Erde die Möglichkeit des Daseins geboten sein wird, und ob nicht Verhältnisse eintreten können, welche den Untergang des Erdballes herbeiführen oder denselben wenigstens für uns unbewohnbar machen um die Sonne zwingt. Die Abnahme der Umlaufszeit und die Verkürzung der Entfernung der Erde von der Sonne ist zwar vorläufig für uns unmerklich, ergiebt fich aber mit zwingender Notwendigkeit aus dem ebengenannten Gesetz und muß schließlich dahin führen, daß der Erdball einmal in die Sonne hineinstürzt, was freilich erst in Milliarden von Jahren sich ereignen und uns somit gleichgültig sein kann. Daß würden. Es ist eine Lieblingsvorstellung phantasiebegabter Köpfe, » ***-" a:r‘7D”"’° sich den Untergang der Erde durch den Zusammenstoß mit I solche Katastrophen im großen Weltall öfters vorkommen, einem anderen großen Weltkörper herbeigeführt zu denken, lehrt uns die Erscheinung jener Sterne, die bis bah n sehr Als solche müssen herkömmlicherweise die Kometen herhalten, I lichtschwach oder überhaupt gänzlich unsichtbar, plötzlich mit und auch für den 13. bis 14. November d. I. ist wieder ungeheurer Leuchtkraft auflodern. Es sind dies nichts anderes einmal ein verderbenbringender Zusammenstoß der Erde mit I als ferne Sonnen, in deren Glutmeer eben ein Planet fern so einem Schweifstern vorhergesagt. Grab findet. . In früheren Zeiten, wo man über die Natur der Kometen | Lange bevor ein solches Geschick die Erde eretlen kann, noch wenig unterrichtet war, glaubte man, daß der Kopf dieser muß natürlich auf dieser durch die Hitzewirkung der näher Himmelskörper ein aus fester Masse bestehender fester Ball rückenden Sonne alles Wasser verschwunden sein und damit sei, dessen Zusammenprall mit der Erde allerdings alles Leben I die Möglichkeit jedes organischen Lebens aufgehört haben, auf der letzteren hätte vernichten müsien. Heute hingegen | Das gleiche Ende ist auch denkbar, wenn von dem uns zwar wissen wir, daß selbst die Köpfe der Kometen, durch welche ungeheuer groß dünkenden, tatsächlich den Erdball aber nur das Licht der dahinter befindlichen Sterne ungehindert durch- I als eine dünne Schicht überziehenden Wasservorrat der Meere scheint, nur auS Millionen oder Milliarden kleinerer oder größerer I unausgesetzt große Quantitäten durch Risse und Spalten in Meteorsteine bestehen, welche in einer ungeheuren langge- I das Erdinnere eindringen, wo fie sich mtt aufnahmsberetten streckten Gaswolke ihre Bahn beschreiben. Schon mehr als I Elementen verbinden und dauernd verloren gehen. einmal ist die Erde in unserem Jahrhundert durch den Kopf I Ebensogut ist auch das Umgekehrte denkbar, namltch, eines solchen Kometen htndurchgegangen, ohne den geringsten I daß die Wassermassen sich derartig vermehren, daß alles Land Schaden zu nehmen, und die Nähe des fremden Weltkörpers überschwemmt wird und alle durch Lungen atmenden Tiere bekundete sich nur durch das Auftreten ungewöhnlich reich- samt den Menschen zu Grunde gehen müssen. Die Erde wachst Hebet Sternschnuppenfälle. Alljährlich kommt nun die Erde I unaufhörlich nicht nur durch das Ntederfallen kosmischen in den Tagen des 13. und 14. November an eine Stelle, Staubes aus dem Weltenraume, sondern auch durch An- wo diese von der Bahn geschnitten wird, in welcher sich vor I ziehung von Gasen. Die Erde, welche nicht nur die langen Zeiten ein großer Komet bewegte. Noch heute läuft I Drehung um die Sonne macht, sondern auch an der dein derselben ein solcher, der aber kleinere Dimensionen hat, I deutenden Eigenbewegung der letzteren teilnimmt, kommt da sich der größte Teil der festen Bestandteile desselben nach fortwährend in neue Welträume, und da wir über die Be- Verlust des inneren Zusammenhaltes über die ganze lang- I schaffenheit der Gase dortselbst nur sehr wenig wissen, ist elliptische Bahn als Meteoritenschwärme verstreut hat, die I es sehr wohl möglich, daß sich unsere Atmosphäre mit Gasen sich mit einer Umlaufszeit von 33‘/4 Jahren um die Sonne bereichern kann, welche die Wasserbildung begünstigen und bewegen. Mit dem größten dieser Meteorhaufen, weil sie schließlich zu einer allgemeinen Ueberflutung führen müßten, scheinbar aus dem Sternbild des Löwen kommen, welche als I Der gleiche Enderfolg müßte eintreten, wenn man sich die „Leonidenschwarm" bezeichnet werden, hat sich di- Erde schon zersetzende Wirkung von Wind und Wetter, von Regen, Frost in den Novembertagen der Jahre 1833 und 1866 gekreuzt, und Hitze, welche beständig an den Gebirgen nagt und zut und am 13 und 14. November geht wiederum die Erde unausgesetzten Abschwemmung großer Erdmassen in das Meer durch den dichtesten Teil dieses Schwarmes hindurch, der so führt, über endlose Zeiträume fortgesetzt denkt. Auf diesem lang sich hinzieht, daß er über zwei Jahre braucht, um ganz I Wege müssen nämlich schließlich sämtliche Unebenheiten der über die Erdbahn wegzukomrmn. Die Vorläufer desselben doch ziemlich rauhen Erdoberfläche abgetragen werden und in§ waren schon im November 1897 und 1898 in Gestalt zahl- Meer geraten, welches dann austreten und den zu einer reicher Sternschnuppen sichtbar, und auch im Jahre 1900 Kugel oder - genauer ausgedrückt zu einem Rotations- wird das Sternschnuppenphänomen besonders reichlich fich ellipsoid von mathematisch reiner Form gewordenen Erdball aesialten. In den genannten Nächten dieses Jahres aber überschwemmen. wird der Himmel den Anblick eines großartigen Feuerwerks Alle diese Möglichkeiten haben das eine tröstliche an sich, bieten, bei welchem Tausende von Meteoren wie ein Funken- daß fie erst in der fernste» Z/unft eintreten können, zu regen das nächtliche Dunkel des Firmamentes durchpflügen einer Zett, wo, — da das Menschengeschlecht nicht seit ewigen werden. Denkbar ist es natürlich, daß irgend einer dieser Zeiten auf der Erde war und auch nicht für die Zukunft Schleudersteine des Himmels von ungewöhnlicher Größe bis sein wird, - kein Menschcnherz mehr in Freude oder Schmerz zum Erdboden heruntcrgelangt, ohne in der beim Durchfliegen pochen wird. der Erdatmosphäre entwickelten Hitze zu verdampfen und wenn I Ein viel näheres Ende prophezeit uns aber der enges wie es schon vorgekommen ist, das Unglück will, kann lische Chemiker und Physiker Lord Kelvin, dessen Name mit dabei ia auch ein Mensch getötet werden oder ein Haus in den sensationellen Entdeckungen der letzten Jahre über neue Klammen aufgehen. Schwerere Folgen wie etwa eine starke gasförmige Elemente in der Atmosphäre eng verknüpft ist, Erschütterung der Erde durch Zusammentreffen mit einem der aber unter seinem früheren bürgerlichen Namen William Rtesenmeteor sind nahezu ausgeschlossen. Denn die größten I Thomson besser bekannt ist als unter seinem neuen stolzen jemals zur Erde gekommenen Meteorsteinmassen, welche, Adelstitel. Nach seiner Annahme werden wir namltch nach nebenbei gesagt, in Grönland gefunden worden sind, haben längstens vierhundert Jahren nicht mehr Sauerstoff genug nur ein Gewicht von einigen zwanzigtausend Zentnern, und in der Welt haben, um zu atmen, da wir deme-b-n alsdann es wären Meteorkugeln von tausendfach größerem Gewicht dank unserer Kohlenfeuerungen gänzlich zu Kohlensäure ver- notwendig, wenn die Erde beim Zusammenprall auch nur brannt haben werden. Der Sauerstoffvorrat der Luft laßt einen Stoß von der Stärke des leisesten Erdbebens erhalten sich, da die Zusammensetzung derselben überall fast genau t ö I die gleiche ist, sehr genau berechnen und belauft fich auf 'Eine andere Möglichkeit ja Gewißheit des Erdunter- rund 1000 BMonen Tonnen, -in Quantum, welches zwar ganges ergiebt sich aus dem Gesetz von der Schwerkraft, auf den ersten Blick fast unerschöpflich zu fein scheut, aber doch, welches unseren Erdball wie alle anderen Planeten mit I falls der Kohlenverbrauch tn demselben Maße wie in diesem unwiderstehlicher Gewalt zu immer enger werdenden Bahnen • Jahrhundert weiter zunimmt, in der gedachten Zeit aufge- 656 braucht sein würde. Zum Glück berücksichtigt auch diese im übrigen unanfechtbare Berechnung zwei Umstände nicht, nämlich die zunehmende Verwendung der durch Wasserkräfte erzeugten Elektrizität, welche dem Anwachsen des Kohlenverbrauchs einen wirksamen Riegel vorschieben und im zwanzigsten Jahrhundert fast alleinherrschend werden wird und die konstante Regeneration des Sauerstoffes durch die Pflanzenwelt, welche die Kohlensäure der Luft einatmet und nach Verbrauch des Kohlenstoffs zum Aufbau des Pflanzenkörpers Sauerstoff in Freiheit setzt und ausatmet. Wir können uns also mit dem Bewußtsein beruhigen, daß auch die entferntesten Enkel von uns noch die Grundbedingung zum Dasein vorfinden werden, so sehr sich auch sonst inzwischen das Antlitz der Erde verändert haben mag. Ueber dasjenige aber, was sich in Jahrmillionen ereignen kann, sich den Kopf zu zerbrechen, wäre die undankbarste und unfruchtbarste Aufgabe, die wir getrost jener fernen Nachwelt zur Lösung überlassen können. V-viiEeHtes. Unter den Minden ist »er Einäugige König! — Das ist wohl für dir Blinden Wahrheit; für den Einäugigen aber ist es ein schlechter Trost. Denn durch den Verlust eines Auges wird die menschliche Sehkraft nicht nur um die Hälfte verringert, auch die Fähigkeit, die erblickten Gegenstände plastisch zu sehen, die durch die Annäherung unseres Augenpaares bedingt ist, geht dem Einäugigen verloren. Sollte man da glauben, daß Angehörige vieler Berufszweige sich freiwillig des Gebrauchs des einen Auges begeben? — Wir reden nicht von dem tapferen Leutnant, der seine Sehkraft durch ein eingeklemmtes Monocle schwächt. Aber für alle Leute, die viel mit besonders kleinen Gegenständen zu thun haben, wie Uhrmacher, Optiker, Graveure, Miniaturmaler, Zoologen, Anatomen, ist dies Unterdrücken der Sehkraft des einen Auges auf Kosten des anderen eine unbedingte Notwendigkeit. Der Zwang, sich einer Lupe zu bedienen, die bekanntlich nur die Betrachtung mit einem Auge gestattet, raubt ihnen den unendlichen Vorteil des plastischen Sehens und schädigt — durch die so ungleiche Beanspruchung der Sehwerkzeuge — ihre Sehkrast in hohem Maße. Diesen Männern wird als eine wahre Erlösung die Nachricht erscheinen, daß es dem bekannten Pariser Augenarzt Dr. Emil Berger gelungen ist, eine Lupe für beide Augen zu konstruieren, die die Fehler des alten „einäugigen" Hilfsmittels in sinnreichster Weise beseitigt und die Sehkraft beider Augen in gleich hohem Grade verstärkt, während sie die Plastik der erblickten Gegenstände noch erhöht. Der Benutzung der alten Lupen für beide Augen steht hauptsächlich der Umstand entgegen, daß dieselbe nur kttrze Brennweiten von 5, 7% oder 10 Zentimer haben und die Blicklinien beider Angen nicht auf einen in so geringer Entfernung liegenden Gegenstand vereinigt werden können. Ein binokulares Sehen auf diese kurze Strecke ist physisch unmöglich, weil die inneren Augenwinkel die Augenaxen nicht soweit nach der Mittellinie zu drehen vermögen. Die binokulare Lupe des Dr. Berger bringt das plastische Bild des Objekts in die normale Entfernung vom Auge (ca. 33 Zentimeter). Diese Erfindung stellt ohne Zweifel eine epochenmachende Neuerung auf optischem Gebiete dar, durch die ein seit mehr als zwei Jahrhunderten angestrebtes Problem in geschicktester Weise gelöst ist. Die Anwendung dieser Lupe in Form einer stereoskopischen Brille bedeutet für die Angehörigen der obengenannten Berufsarten einen unschätzbaren Vorteil, denn bei ihr geht die Verstärkung der Sehkraft und des stereoskopischen Effekts Hand in Hand mit der Beseitigung der allen Augenärzten nur zu wohl bekannten Ermüdung und Ueberanslrengung der Augenmuskeln. ,. Wie die Chinesen ihre Geschichte schreiSen. Das chinesische Reich besitzt gerade so gut seine Hof-Historiographen wie das deutsche Reich, nur mit einem bedeutenden und sehr bemerkenswerten Unterschiede: Diese Geschichtschreibung wird nämlich nicht früher veröffentlicht, als bis ein Kaisergeschlecht ausgestorben oder auf eine andere Weise durch ein neues ersetzt ist. Dadurch wird den Geschichtsschreibern die Möglichkeit gegeben, ungestraft und unparteiisch die Tugenden und Laster der verschiedenen Herrscher und die guten und schlimmen Er- eigniffe während ihrer Regierung aufzuzeichnen. Diese weise Einrichtung ist schon über 2000 Jahre qlt, denn die ersten solcher Geschichtschreiber wurden von dem Kaiserhause der Han ernannt, welches von 206 v Ehr. bis 25 bis nach Ehr. regierte. Die Geschichtschreiber haben alle Er- eigniffe von Bedeutung, die sich während ihrer Thätigkeit ereignen, aufzuzeichncn. Jedes ihrer Schriftstücke kommt gleich nach der Niederschrift in eine eisenbeschlagene Truhe, die stets geschlossen ist. Erst bei der Thronbesteigung eines neuen Kaiserhauses wird die Kiste geöffnet und die angehäuften Dokumente werden dem dann lebenden Geschichtschreiber ausgeliefert, der danach die Geschichte des vergangenen Kaiserhauses niederschreibt. Da die jetzige Dynastie seit dem Jahre 1644 herrscht, so sind seit dieser Zeit die Aufzeichnungen der Staatsgeschichtschreiber noch nicht veröffentlicht. Die Freunde unparteiischer Geschicht schrcibung müssen also etwas Geduld haben. Eine goldene Bilderbibel. So darf wohl die Bibel in Bildern von Julius Schnorr von Carolsfeld genannt werden, welche zuerst in den fünfziger Jahren erschien, und gleich berechtigtes Aufsehen erregte. Der Preis war damals so hoch, daß nur reiche Leute sich dieses Kleinod anschaffen konnten. Wir müssen es als ein besonderes Glück preisen, daß unser Jahrhundert nicht zu Ende geht, ohne daß es auch weniger Bemittelten möglich ist, dieses herrliche Kunstwerk für sich und die Ihrigen zu erstehen. Es erschien in einer neuen wohlfeilen Ausgabe, zunächst in 10 Lieferungen L 1 Mk. (Verlag von Georg Wigand in Leipzig) und liegt nun fertig gebunden vor in vornehmem Prachtbande zum Preise von 16 Mk. (mit Goldschnitt 20 Mk.). Zum Alten Testament sind 160, zum Neuen Testament 80 Bilder geboten, auf vorzüglischem Papier, in Großsolioformat (34x43 cm). Der Bibeltext ist nicht vollständig gegeben, sondern nur soweit die Bilder des benötigt sind. Mit Recht. Oder liest jemand zur Erbauung oder Belehrung aus einer Prachtbibel mit eingestrcuten Bildern, solche Kapitel, auf die kein Bild Bezug hat? Schwerlich. Dazu kommt, daß die Bilder vieler Kunstbibeln an Stellen sich befinden, wohin sie nicht gehören, und es viel Besinnens und Nachschlagens bedarf, ehe das Bild mit dem Text in Verbindung gebracht ist. Schnorrs Bibel in Bildern ist außerdem das Werk eines und desselben Künstlers, ein Werk aus einem Guß, von Anfang bis zu Ende. Da ist nichts von Effekthascherei, nichts Beleidigendes. Der Künstler lebt und webt im Heiligtum Gottes. Die Macht der Sünde, das Elend und der Jammer der Schuld, aber auch die überschwängliche Macht der Gnade, sich vorbereitend im alten Bunde, sich vollendend im Bilde des Herrn Jesu, weiß er so ergreifend darzustellen, wie wenige. Und dieser Künstler ist unser — sein Werk ist der fromme Niederschlag eines geheiligten Herzens. Um so mehr sei dem Leser geraten, sich zu fragen, ob er nicht diesen „Schatz für immer" sich zulegen oder einem Frennde oder einem Familiengliede als Geschenk dar- bieten solle. Goethe hat gesagt, man soll keinen Tag ohne Betrachtung eines Bildes vorübergehen lassen. Vor dieser Bildersammlung stehend, möchte man dieses Wort bei sich und vielen andern zur Wahrheit werden lassen. Ein elegantes, kleines Geschenk für Damen ist der auch in diesem Jahre wieder erschienene Hande tt. Spener'sche D»men - Allmanach (54 Jahrg. für 1900. Verlag von Hande & Spener, Berlin.) Das äußerst geschmackvoll mit Goldschnitt, Elfenbeinpapier, mit künstlerischem Titelbild, doppelfarbigem Druck, Bleistift und Visitenkartentasche ausgestattete Büchlein vereinigt in sich Taschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form. Die von Jahr zu Jahr zunehmende Beliebtheit des Almanachs beweist schon hinreichend, daß nicht nur fein Aeußeres, sondern auch der praktische, zweckentsprechende Inhalt den Beifall der Damenwelt verdient und gesunden hat. Der Almanach enthält ein Kalendarium mit einem Verzeichnisse der protestantischen, katholischen und jüdischen Feiertage, ein Tagebuch für attc Tage des Jahres mit geschickt ausgewählten sinnreichen Wochen- , sprächen, das reichlichen Raum für allerlei Eintragungen bietet, eine Familien-Gedenktafel, einen Geburts- und Namenstag-Kalender, einen Privat - Adreßkalender, Kassen - Uebersichten für zwölf Monate, eine Genealogie für alle europäischen Regentenhäuser und endlich Münz- und Maßvergleichungs - Tabellen. Eine gemütvolle Erzählung aus der Feder der berühmten Novellistin Eva Treu erhöht noch den Reiz des Büchleins, welches auch wegen seiner Billigkeit (Preis 2 Mark) bei jeder Gelegenheit als passendes Geschenk empfohlen werden kann. Citatenrätsel. Nachdruck verboten. , Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Citat ergiebt. 1. Als Erster warf er kühn dem Feinde sich entgegen. 2. Es war ein eitel und vergeblich Wagen, zu fallen ins bewegte Rad der Zeit. 3. Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt. 4. Ein Wort nimmt sich, ein Leben nie zurück. 5. Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache .... 6. Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp'? 7. Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite 8. Die That ist alles, nicht der Ruhm. 9. Es kann ja nicht immer so bleiben! 10. Das Glück war niemals mit den Hohenstaufen. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz. 1. Ta6 — d6f 8 c 4 n. d 6. 2. e 3 — e 4 f 8 d 6 n. e 4. 3. Ta4-d4f e 5 n. d 4. 4. S e 2 - f 4 f und Matt. ÄtbaftieR; ®. B«rkh«rdt. — Bruck und Verlag der Brühl'scheu Uni»ersitiit«°Buch- und Steinbruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.